Warum E-Learning gescheitert ist

E-Learning wird sich nicht durchsetzen, davon bin ich inzwischen überzeugt. Es gibt zwar tausende mehr oder minder erfolgreiche Projekte, aber E-Learning hat es weder geschafft nachhaltig zu werden noch hat es Strukturen geändert. Es ist immer noch eine Randerscheinung, die zwar inzwischen akzeptiert ist und auch irgendwie notwendig, doch man braucht es nicht wirklich um gute Lehre zu machen. Außerdem kostet das alles ganz schön viel Geld. Im Gegensatz dazu kommt jetzt die Digitalisierung, die meiner Meinung nach das E-Learning nebensächlich erscheinen lässt, denn die Digitalisierung verändert im Gegensatz zum E-Learning die Strukturen. Und das ist der gewaltige Unterschied.

 

Bei der Einführung vom E-Learning haben wir in den 90er Jahren ganz klassisch gedacht, denn wir haben einfach die bestehenden analogen Prozesse bzw. die reale Welt angeschaut und haben diese dann eins zu eins ins Digitale überführt, ohne uns Gedanken zu machen, ob dies sinnvoll wäre. Ein schönes Beispiel dafür ist die E-Mail (sie hat nicht direkt mit dem E-Learning zu tun, wird dort aber sehr gerne genutzt). Sie ist das exakte Abbild des analogen Briefes. Man schreibt genau einer Person (man kann auch cc kopieren, das ändert aber nichts), sie wird asynchron versendet und man erhält nur aufwendig eine Empfangsbestätigung. Schaut man sich das Ergebnis an, dann haben wir haben eine elektronische Kommunikation erschaffen, die genauso wie der analoge Prozess stattfindet.

WhatsApp ist digitale Kommunikation

Was wir aber wirklich brauchen und wollen hat uns knapp 40!!! Jahre später WhatsApp gezeigt. Wir können nun auch in Gruppen in Echtzeit kommunizieren, erhalten grafischen Response (blauer Haken) und können sogar Medien verschicken und das alles flexibel mit dem Smartphone. Extrem hohe Usability und grafische Emoticons machen die Nutzung zur Freude und inzwischen kann man sogar damit telefonieren.

Man sieht an dem Beispiel sehr schön, dass sich ein neuer Prozess der Kommunikation entwickelt hat, der natürlich erst in Verbindung mit anderen Innovationen wie z.B. das Smartphone, Emoticons und Videostreaming möglich war. WhatsApp und E-Mail lassen sich nicht vergleichen, es etwas neues entstanden, was es vorher nicht gab, aber trotzdem jeder braucht.

Nehmen wir ein zweites Beispiel, nämlich das alt bekannte und oft gehasste LMS. Das normale LMS ist genauso wie eine Schule aufgebaut. Es gibt Fachbereiche und Klassen und alles wurde mit Türen/Passwörtern versehen, so dass ein Lerner natürlich nicht in andere Kurse reinschauen kann. Was in der analogen Schule durchaus Sinn macht, macht digital kaum noch Sinn. Eine räumliche Not existiert nicht und und Störungen sind nur theoretisch möglich, kommen in der Praxis quasi nie vor. Das LMS behandelt die Schule als geschlossenes System, wo keine Eltern aber auch keine fremden Inhalte erlaubt sind. Das alles wird heute noch mit dem Schutz der Kinder begründet oder dem Datenschutz und oft auch noch vor der Angst des Urheberrechts. Parallel wurden dann noch alle anderen Prozesse ins LMS gebaut, wie Prüfungen mit Datum und Zeit, ein Gradebook und Kalender. Alles mit einer schlechten Usability, weil es von Pädagogen entworfen worden ist und die Methodik das wichtigste ist und nicht die Nutzung. Die Nutzung unterliegt nämlich dem Zwang und nicht der Freiwilligkeit, daher braucht es keine Motivationssysteme.

MOOCs als erster Schritt einer digitalen Bildung

Wie könnte denn jetzt eine neue digitale Bildung aussehen?  Es existieren erste Zwischenlösungen wie YouTube, OpenBadges, Smartphones und GSuite, die aber noch kein neues System gebildet haben, jedoch jedes für sich eine Änderung des Arbeits- als des Bildungslebens ermöglichen. MOOC-Plattformen wie mooin, werden das auch nicht sein, die zeigen jedoch, was offene digitale Bildung leisten können, wenn man denn plötzlich mal ohne das “Gefängnis” Präsenz denkt. Wie würde denn eine echte digitale Hochschule aussehen, wenn wir sie frei vom analogen Prozesse denken würden?

E-Learning ist auch gescheitert, weil wir es nicht richtig einsetzen. Damit jeder es nutzen kann, ohne das analoge System zu ändern, wurde das Blended Learning erfunden. Ähnlich wie das Hybrid-Auto verbindet Blended Learning das schlechteste beider Welten. Beim Hybrid Auto wird immer ein Motor und ein Tank nicht genutzt, muss aber transportiert werden. Beim Blended Learning verzichten wir auf Skalierung aber haben trotzdem hohe Entwicklungskosten. Das Hybrid Autos Unsinn sind, zeigt gerade Tesla und Blended Learning findet langsam in neuen Nischen wie dem Flipped Classroom Daseinsberechtigung, was aber nicht das Skalierungsproblem löst, dafür wurden MOOCs erfunden.

Das Problem des E-Learning sind die Grenzkosten. Wenn wir weiterhin in analogen Strukturen denken, das heisst wir unterrichten in Semestern, in Klassengrößen und prüfen zu einer bestimmten Zeit alle Lerner gleichzeitig, wird E-Learning scheitern bzw. ist gescheitert. Das kann niemand bezahlen. Man kann in digitalen Prozessen jedoch nahezu unendlich denken, ähnlich wie Amazon, die auch mehr E-Books im Lager haben, als jede Bibliothek der Welt, denn digital kostet kein Geld. In allen, wirklich in allen Wirtschaftsbereichen vermindert die Digitalisierung die Gesamtkosten, nur in der Bildung werden sie erhöht. Was sich wie ein Treppenwitz liest, wurde doch wieder bei der legendären Campus Innovation Podiumsdiskussion ausführlich diskutiert. So lange Deutschland lieber 50 mittelmäßige Brückenkurse für Mathematik fördert, anstatt einen guten für Deutschland zu machen, wird das nicht klappen. Das kann man auch nicht rechtfertigen. Also wo liegt der Fehler?

Digitale Bildung

Ich glaube, dass wir digitale Bildung völlig neu denken müssen und dies wird noch dauern. Ich lese gerade “The Second Machine Age” und dort wird sehr gut beschrieben, wie viele kleine Innovations-Schritte notwendig sind, um eine wirkliche Kostenersparnis bzw. einen gesellschaftlichen Mehrwert bei der Einführung einer Technologie zu schaffen. Diese Innovations-Schritte dauern normalerweise 10-15 Jahre nach Einführung des Systems, das kann man sehr gut bei der Dampfmaschine als auch beim Elektromotor oder dem PC sehen. Als der Elektromotor eingeführt worden ist, hat er die Dampfmaschine ersetzt. Die Dampfmaschine war jedoch ein zentrales Gerät, was jede Firma nur einmal hatte. Benötigte man viel Kraft für seine Maschine, musste man nahe an der Maschine sein, damit die Welle die Kraft noch gut übertragen konnte. Erst 10 Jahre nach Einführung des Elektromotors, der kleiner und flexibler war, wurden die Fabriken so umgebaut, dass es neue Produktionsprozesse gab und dadurch wurden sie erst effektiver. Die Einführung des E-Motors hatte also zuerst gar keinen unmittelbaren Einfluss auf die Wertsteigerung.

Wir haben ca 15 Jahre nach Einführung des E-Learning den MOOC bekommen und wie ich immer sage, wir haben den MOOC noch nicht begriffen. MOOCs sind immer noch Babys, aber sie sind das erste vollständig digitale Baby. Wir wissen schon jetzt, dass solche digitalen Angebote nur in der Skalierung Sinn machen und dann bezahlbar werden. Das kann jedoch nur funktionieren, wenn diese Angebote unabhängig von einem Ort sind. Da die Inhalte vollständig digital sind und jede Kommunikation online stattfindet, können beliebig viele Leute theoretisch teilnehmen, wenn man sie denn angemessen betreuen kann. In der analogen Lehre kann ein Lehrer ca 25 Leute unterrichten, digital könnten es je nach Konzept vielleicht 1.000 sein. Heute werden MOOCs jedoch noch(?) so konzipiert, dass sie NICHT zeitunabhängig sind. Alle MOOCs haben bisher ein Startdatum und man lernt gemeinsam. Könnte man die Betreuung jedoch auch automatisieren, z.B. durch eine Künstliche Intelligenz wie Siri oder mit indischen Gastdozenten, dann wären plötzlich wirklich neue digitale Angebote möglich. Wir könnten nämlich OnDemand-Kurse anbieten, die jeder sofort nutzen kann, wenn er sie braucht. Das bedeutet, ähnlich wie bei einem E-Book, ich will das Angebot innerhalb von Minuten nutzen können, ohne auf einen Kursstart zu warten.

Binge Learning

Wir müssen digitale Bildung neu denken, denn auch Vorlesungen von 90 Minuten und Kurslaufzeiten von einem Semester sind nicht notwendig. Ein Kurs ist so lange, wie er braucht das Thema zu vermitteln. Das kann eine Woche sein oder ein Jahr. Warum kann ein zukünftiger Lerner nicht so lange etwas lernen, so lange er Lust hat? Dank Netflix gibt es das Binge Watching, warum gibt es kein BingeLearning? Warum muss ein Lerner nach 90 Minuten Vorlesung aufhören sich mit dem Thema zu beschäftigen, wenn er gerade warm geworden ist, um dann ein völlig neues Thema vorgesetzt zu bekommen?

Bei digitalen OnDemad Inhalten ist das möglich und wir erleben das heute schon, denn wenn man die Inhalte weit genug runterbricht, der Fachmann nennt das dann Mikrolearning oder Learning Objects, dann können wir das auch YouTube Filmchen nennen. Denn wie man eine Fahrradkette wechselt oder einen Rollbraten kocht, kann ich schon heute OnDeamd auf YouTube lernen, ganz ohne MOOCs oder einer Schule.

Und wird sich jetzt was ändern?

Ich weiss nicht, ob solche Überlegungen einen unmittelbaren Einfluss auf die bestehenden Systeme wie Schule oder Hochschule haben. Um wirklich digitale Bildung einzuführen, braucht es neue Strukturen. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass es diese neuen Strukturen geben wird und sie sich nur durch Skalierung rechnen werden. Wir in Lübeck arbeiten daran und natürlich alle großen Bildungsanbieter weltweit auch. Da die deutsche Bildung jedoch nicht auf das Geld achten muss, gibt es hier auch keinen Druck zu einem Wechsel. Daher bin ich wieder am Anfang, denn dann ist E-Learning gescheitert.

 

 

  1. Tom McCrusky says:

    Naja, der Vergleich zw. E-Mail, analogen Brief und whatsapp ist Schwachsinn hoch drei.
    Eine E-Mail ist keine 1:1 Abbildung eines Analog-Schreibens in digitaler Form. Es ist eine neue Form der Kommunikation.
    Zum einen ist ein herkömmlicher Postbrief immer notwendig, um wirklich wichtige Angelegenheiten, wie z.B. die fristgerechte Kündigung von Arbeitsplatz oder Wohnung rechtssicher zu beweisen. Das ist per E-Mail immer noch nicht möglich, geschweige denn über whatsApp. Andererseits kann ich formlose Anfragen und Bestellungen z.B. schneller und kostengünstiger per E-Mail erledigen.
    WhatsApp ist m.M.n. eher für den Privatgebrauch geeignet. Hiermit kann ich weder Dinge mit Ämtern oder im Arbeitsumfeld abwickeln. Außerdem ist whatsapp nicht als sonderlich seriös anzusehen.
    Man muss doch nicht immer alles was analog und bewährt ist verteufeln und zwanghaft alles digitalisieren. Wozu soll das gut sein? Das ganze Clouding und Digitalisieren bringt auch massenhaft Nachteile (Datenschutz, Sicherheit etc.). Da ist mir doch in vielen Fällen der analoge Weg deutlich lieber. Auch beim Lernen und Weiterbilden setze ich nach wie vor auf Papier. Ich finde die Haptik angenehmer, muss nicht auf leere Akkus etc. achten und habe es jederzeit griffbereit.
    Digitalisierung wird zu hoch gelobt.

    • … und weil “Digitalisierung wird zu hoch gelobt”-Verfechter so argumentieren, wie es hier getan wird, hört man ihnen auch nicht zu (bzw. hat Andreas es wohl nicht für nötig gehalten, den Beitrag zu kommentieren):

      1. Der Kommentar beginnt mit “Schwachsinn hoch drei”.
      1a. Man hat das Gefühl, einen Satire-Kommentar auf dem Leim zu gehen. WhatsApp nur privat und unseriös? Ja genau… kommt halt immer drauf an, mit wem man da selbst kommuniziert…

      2. Das Argument wurde nicht verstanden/wurde nicht versucht, zu verstehen: Es geht nicht darum, Brief vs. Mail/WhatsApp, sondern um Mail vs. WhatsApp, weil das eine abbildend vom Brief sei, das andere digitale “Regeln” beachte.

      3. Der Vergleich hinkt, wie jeder es tut, aber den “Digitalisierung wird zu hoch gelobt”-Verfechtern fehlen logische Argumente. Ein Postbiref sei nötig, um wichtige Angelegenheiten zu klären? Was wäre, wenn Kündigungen per Mail doch möglich sind? Es liegt nur bei den jeweiligen Instituten, bei der BahnCard zum Beispiel geht das. Wenn mein Vermieter das auch akzeptiert, dann ist die ganze Argumentation im Eimer. Nötig ist nur ein einfaches “ja ich will”.

      4. Meinungen werden mit Argumenten verwechsel.
      “Ich finde die Haptik angenehmer” – steht ja schon da *ich*.
      “muss nicht auf leere Akkus etc. achten” – dafür auf Licht, genügend Platz, ggf. Zusatzblätter und selbst alte Laptops halten gut 2h ohne Strom, Tablets und Smartphones 1 Tag, für mehr gibt es Powerbanks… wo und wie lange soll man denn lernen, bis das zum Problem wird?
      “und habe es jederzeit griffbereit.” – Ja. Genau. Weil man Papier immer mit hat. Vor allem alles. Und jederzeit. Äh… mit einer Sackkarre vielleicht?

      tl;dr

      Die Argumentation von Andreas hat einige Schwächen, das streite ich nicht ab. Aber wenn man als “Digitalisierung wird zu hoch gelobt”-Verfechter Kritik üben will, nutzt doch die Zeit beim Tippen und kramt ein paar Argumente heraus, die man ernst nehmen sollte. Vielleicht hilft es ja, aus Papier vorzuschreiben…?

      (Sorry, aber die 5cts konnte ich nicht einsparen)

      • Danke Anja, in der Tat war mir der Kommentar etwas zu flach um ihn zu beantworten. Ich hab mehrere Kritken zum E-Mail-WhatsApp Vergleich bekommen, ich finde ihn dennoch passend. Vielleicht hätte ich schreiben sollen, dass es kein Ersatz ist, sondern eine Ergänzung, was auch die Nutzungszahlen bei Statista zeigen. E-Mail hat keine Nutzerzahlen verloren, jedoch ist die Struktur der Kommunikation bei WhatsApp anders geworden, nämlich schneller. Es gibt auch keine Formatierungen mehr und keine Signaturen und bisher auch gefühlt kein Spam. Es ist etwas neues entstanden, was jedoch jeder haben will. Man konnte auch schlecht Walkman mit Spotify vergleichen, doch gibt es keine Walkmans mehr.

        Liebe Grüße Andreas

  2. Danke für den Beitrag. Da höre ich immer Marshall McLuhan warnen: «Wir sollten uns davor hüten, die Formen alter Technologien zu nutzen, um mit neuen zurechtzukommen – das bringt nichts.»

  3. Anne von Kirchner says:

    “Da die deutsche Bildung jedoch nicht auf das Geld achten muss, gibt es hier auch keinen Druck zu einem Wechsel.” Ach. Muss sie nicht? Das erlebe ich aber ganz anders. Die Hauptgründe, warum innovative Ideen für die Lehre nicht umgesetzt werden können sind fehlende oder veraltete Technik und fehlende Fachleute. Beides resultiert aus fehlenden finanziellen Mitteln.

    • Damit war gemeint, dass Bildung bei uns staatlich gefördert wird und kostenfrei ist. Daher unterliegt sie, wie jedes staatliche Unternehmen nicht dem Konkurrenzdruck. Natürlich sagt jeder es ist zu wenig Geld da, das ist aber normal. Das gleiche sagen Museen, Sportvereine und Theater auch. Insgesamt ist aber genug Geld da, sonst würde sich etwas ändern.

      • Auch das ist falsch. Die Schulstrukturreform in NRW zeigt deutlich, dass Schulen (auch Universitäten) dem Druck ausgesetzt, der finanziell gesteuert ist. Auch wenn Bildung staatlich gefördert ist, werden unrentable Schulen geschlossen oder kaputtgeschrieben.

  4. Katharina Schulz says:

    Im Unternehmenskontext ist E-Learning alles andere als gescheitert, sondern nicht mehr wegzudenken, gerade in globalen Organisationen. Dort wird es allerdings ganz anders umgesetzt als an Hochschulen – z.B. viel interaktiver. Ich glaube schon, dass die unterschiedlichen Bereiche noch das ein oder andere voneinander lernen könnten.

    • Spannender Punkt! Ich durfte mir das mal in Bonn auf dem eLearning Summit anschauen, wie z.B. STIHL (https://www.stihl-training.com/) die Verkäufer*innen und Technikmitarbeiter*innen für die neuen Geräte schult. Wenn ich mich recht erinnere, dann haben die ihre Trainings bspw. zentral in Deutschland entwickelt/produziert und das in viele Sprachen übersetzt oder nur noch minimal angepasst für den Einsatz in anderen Ländern (auch nicht ganz unkritisch). Aber finde ich ganz interessant, wenn Andreas sagt „So lange Deutschland lieber 50 mittelmäßige Brückenkurse für Mathematik fördert, anstatt einen guten für Deutschland zu machen, wird das nicht klappen.” – da lassen sich ja schon Vergleiche ziehen.

      Wobei ich bzgl. der Formate in Bonn da zwar mehr Interaktivität gesehen habe, aber das ging dann schon teilweise in die Richtung “Quizzifiierung”, die Lisa Rosa ja teilweise zurecht kritisiert. Großartig war aber z.B. die Präsi für den Gotthard Basis Tunnel, da haben sie im Vorfeld mit einer Echtzeitsimulation Rettungszenarien erprobt: http://www.virtual-reality-magazin.de/virtuelle-trainings-machen-gotthard-basistunnel-sicherer
      Die RWTH macht wohl auch solche Simulationssachen (http://dev.lfi.rwth-aachen.de/de/web/guest/flood-games-examples), aber wäre echt spannend, wenn das mal im größen Ausmaß eingesetzt wird und man da deutschlandweit Studis an die Simulationen ranlässt sowie den Austausch ermöglicht..

      • Insgesamt bietet der gesamte Simulations- und Gamingbereich völlig neue Möglichkeiten, aber auch hier muss man auf die Kosten achten. Wenn STIHL das entwickelt, haben sie sich das bestimmt durchgerechnet und die haben auch eine kritische Größe. Da sieht man auch wieder, was es bedeutet groß zu sein, denn man kann ganz neue Qualität entwickeln. Mit Aachen stehe ich schon länger im engen Austausch, das wird spannend.

    • Ja das ist sicherlich wahr. Jedoch setzen auch Unternehmen sehr auf Blended Learning, was auch damit begründet ist, dass die Mitarbeiter einfach aus ihrem Kontext gehen müssen, um sich die Zeit zu nehmen für die mentale Umstellung, die eine Weiterbildung erfordert. Wir müssen alle noch jede Menge lernen, was ich auch geschrieben habe.

  5. Nicole Bittel says:

    Digital zu lernen sollte nicht bedeuten, alleine lernen zu müssen. Hier machen MOOCs aus meiner Sicht bislang einen grossen Fehler (wie viele andere eLearning Angebote auch). Digital zu lernen impliziert zwar Ortsunabhängigkeit, aber nicht zwangsläufig auch immer Zeitunabhängigkeit.

    Solange unser Bildungssystem auf Gleichmacherei ausgerichtet ist (in Deutschland wie in der Schweiz) – und nicht auf individuelle Passions & Talents, braucht es u.a. eine zeitnahe Betreuung und aktiven Austausch zwischen Lernenden.

    • Das sehe ich genauso und wir MOOCmaker sind gefordert das zu beheben. Daher meinte ich auch, dass MOOCs immer noch in der Entwicklung sind und lange nicht “fertig”. Präsenzlehre ist nach hunderten von Jahren auch nicht “fertig”. Das sollte man immer bei solchen Aussagen bedenken. Was in den letzten fünf MOOCs passiert ist, ist jedoch unglaublich.

      Liebe Grüße Andreas

  6. Kurz zum Thema „Bingelearning“ – sehr spannendes Schlagwort, um die berechtigte Frage „Warum kann ein zukünftiger Lerner nicht so lange etwas lernen, so lange er Lust hat?“ zu stellen. Sollte man öfter tun in solchen Diskussionen imho, danke für den Impuls!

    Kleiner Erfahrungsbericht zu Binge Learning: Als Student war ich in einem Seminar (ca. 10 Studis), in welchem Isabel Zorn an der TH Köln mal den iversity MOOC (https://iversity.org/de/courses/changemaker-mooc-social-entrepreneurship) eingesetzt hat probeweise. Erst durch deinen Artikel bin ich gerade drauf gekommen, dass wir dort “Bingelearning” machen durften: Da der MOOC zu dem Zeitpunkt nicht aktiv lief haben wir die “Archivvariante” benutzt und konnten so viele Folgen am Stück gucken, wie wir wollten, da die ja alle bereits freigeschaltet waren. In den zweiwöchigen Treffen vor Ort wurde dann der Zwischenstand der Projektgruppen besprochen und Inhalte noch mal gemeinsam diskutiert, wenn es Bedarf gab.
    Uns fehlte da tatsächlich der Online-Austausch, weil man sich vorkam wie in einer verlassenen Stadt – aber wenn mehrere Profs ihre Studis drauf loslassen, dann wäre das ja auch eine Chance – und diesen Austausch können die Studis dann zeitlich selbst organisieren. Am Online-Kurs selber müsste man da eigentlich nichts mehr machen – der muss nur “gut” und frei verfügbar im Netz sein (Hallo, OER! ;-)).

    (Auch spannend, weil hier ein gewisser Kontrollverlust der Lehrenden einbegriffen ist. Anschlussfähig ist da vll auch das Community of Inquiry Modell, wo “Teaching Presence” bedeutet, dass Studierende ab gewissem Punkte mitverantwortlich tätig werden und der Lehrende sich eher zurückhält – siehe ab Minute 22:00 im Vortrag von Elisabeth Kaliva https://kisd.de/termine/forschung-ueber-projektbasiertes-lernen%E2%80%A8/)

    • Danke Matthias für den guten Beitrag. Auf das Thema OER bin ich nicht eingegangen, dann wäre der Artikel noch länger geworden. Das muss alles natürlich OER sein, sonst können die Schulen oder andere Hochschulen natürlich die Inhalte nicht für ihre kleineren Blende Learning Zielgruppen anpassen. Da sind noch viele neue Ideen drin, die man ausprobieren sollte.

      Ich finde das Wort Binge Learning auch klasse (eigene Erfindung) und das liest sich viel besser als Bulimielernen 😉 Übrigens werden bei uns die meisten MOOCs wöchentlich freigeschaltet, da sie am Anfang des Kurses noch nicht ganz fertig sind. Das ist eher der Just-in-Time Produktion geschuldet, statt eines didaktischen Konzeptes. Daher sollte man auch MOOCs mehrmals anbieten, dann könnte man gleich alles freischalten und schauen was passiert. Wir haben das beim 7-Tage-MOOC Arbeit 4.0 gemacht.

    • So etwas wie Binge-Learning (kann übrigens auch Bulimielernen heißen und dann wäre das wohl kaum erstrebenswert) nicht betreiben zu können, hieße doch, sich “brav” nach der Taktung der Synchronveranstaltungen der Lehrenden richten zu müssen — ohne auch nur auf die Idee zu kommen, dass man das gar nicht muss. Dann hat man meines Erachtens aber auch nicht begriffen, was Studieren bedeutet. Ich selbst konnte jedenfalls auch analog ziemlich gut so viel am Stück lernen, wie ich wollte.

          • Die Autonomie war mit der Veröffentlichung des Datums der Prüfung weg 🙂

            Ich schau mal nach einem Subscribe2comments Plugin. Dachte ich hätte es schon, aber der RRS Block ist beim Relaunch wegdesigned worden. Überhaupt muss das noch besser werden.

            Danke und liebe Grüße
            Andreas

  7. Das digitale Lernen ist gescheitert, weil die PH-Studis zwar oft PC-Zwang haben und hie und da einen Workshop in irgend welchen Anwendungen besuchen (müssen) – die Lehre aber weitestgehend ohne das Digitale stattfindet. Ausser, die Präsentationen unseeliger ppt gehören auch zum Digitalen.

    Wer digital lehren will, muss digital lernen, fortwährend, und über ein sich stets wandelndes Handwerk verfügen. Daran führt kein Weg vorbei.

  8. Das digitale Lernen ist gescheitert, weil die PH-Studis zwar oft PC-Zwang haben und hie und da einen Workshop in irgend welchen Anwendungen besuchen (müssen) – die Lehre aber weitestgehend ohne das Digitale stattfindet. Ausser, die Präsentationen unseeliger ppt gehören auch zum Digitalen.

    Wer digital lehren will, muss digital lernen, fortwährend, und über ein sich stets wandelndes Handwerk verfügen. Daran führt kein Weg vorbei.

    • Ich könnte es selbst nicht besser sagen. Wir haben dem Ministerium vorgeschlagen, dass ein Teilbereich des Lehramtsstudiums digitalisiert werden sollte, damit die Studierenden selbst erleben, welche Vor- und Nachteile Online-Bildung hat. Bisher liegt das Konzept noch zur Begutachtung, aber ich glaube nicht an eine Umsetzung. Vom Konzept bin ich jedoch überzeugt.

  9. “Heute werden MOOCs jedoch noch(?) so konzipiert, dass sie NICHT zeitunabhängig sind. Alle MOOCs haben bisher ein Startdatum und man lernt gemeinsam.“

    Streng genommen werden MOOCs immer ein Startdatum haben, auch wenn sie auf eine Endlos-Nutzung angelegt sind. Fraglich ist aber, ob sie alle ein Enddatum haben (müssen).

    Bei iversity haben wir bereits 2015 self-paced MOOCs eingeführt – d.h. Kurse, die jederzeit und in eigenem Tempo belegt werden können. Seitdem legen wir all unseren Kurspartnern nahe, ihre Kurse für eine dauerhafte, zeitunabhängige Bereitstellung zu konzipieren. Für die meisten ist das auch plausibel, daher ist „self-paced“ bei uns mittlerweile der Standard geworden.

    Auch Coursera und EdX bieten schon seit einigen Jahren self-paced MOOCs an. Zeitunabhängige MOOCs sind also schon lange da – bringen jedoch wieder neue Herausforderungen mit, die wir nach und nach bewältigen müssen.

  10. Pingback: Relatris' Blog
  11. Anregende Beiträge. Der ursprüngliche Artikel ist jedoch so geschrieben, dass mir der Verdacht kommt, dass der Autor einfach Schlagwörter aufgelistet hat. Ich habe e-learnings für China und Indonesien entwickelt aber auch für Schweizer Unternehmen, die rasch und effektiv Inhalte vermitteln mussten. Es lebe die Renaissance des e-learning!

    • Aber ich habe doch geschrieben, warum sie in Deutschland gescheitert sind. Ihre Beispiele bestätigen da eher, da andere Länder die Strukturen ändern, aber Deutschland will eine analoge Digitalisierung.

      Beste Grüße Andreas Wittke

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