Computertexte inzwischen so gut wie die menschliche Feder

Auch wenn es viele nicht glauben oder hören wollen, Computertexte sind in den ersten Teildisziplinen inzwischen mindestens gleichwertig zu menschlichen journalistischen Texten. Ist das das Ende oder der Start von einem neuen Zeitalter von Textinformationen?

tl;dr

Ich habe schon letzte Woche sehr begeistert vom Frankfurter Tag des Online-Journalismus geschrieben. Der Journalismus hat schon heute die Probleme, die Hochschulen erst morgen haben werden. Lösungen haben die Verlage auch noch nicht und die meisten sind wohl überglücklich, dass es die GEZ gibt und damit nicht nur die Arbeitsplätze sondern auch die Qualität gerettet ist. Leider schützt aber öffentliche Finanzierung auch vor Innovation, und auch hier sind Unis und die Öffentlich Rechtlichen wieder sehr vergleichbar.

Eine der interessantesten Vorträge war dabei der Roboterjournalismus bzw. Computertexte. Texte werden heutzutage schon in vielen Teilbereichen von Computern generiert/geschrieben. Mir war dies noch gar nicht bewusst, aber für Standardinformationen wie z.B. Sportinformationen (Spielberichte von Regionalligen oder tiefer), Wetterberichte, Horoskopen oder Börsenberichte werden heutzutage schon Computer genutzt und keiner merkt den Unterschied.

Selbst bei den drei Beispielen im Video, waren sich die Fachjournalisten uneinig (man kann sogar von 50/50 sprechen), welcher Text vom Menschen kam und welcher vom Computer. Die Qualität ist schon heute erstaunlich gut und wird natürlich jeden Tag besser. Die Eindrücke vom Vortrag wurden gerade von einer Studie bestätigt. Die Glaubwürdigkeit eines Artikels war beim Leser hier nur noch subjektiv, anhand der Angabe eines Autors, vorhanden. Wenn nur der Text betrachtet wurden, haben die Computer-Texte eine höhere Glaubwürdigkeit beim Leser erzeugt, als die Journalisten-Texte.

Die Ergebnisse sind für mich beeindruckend und man fängt unbewusst sofort an, die Zukunft der Literatur in Frage zu stellen, was natürlich noch(?) Blödsinn ist. Natürlich werden Computer keine Romane schreiben, aber was wird mit Grundlagen sein? Können Computer bald Mathe- oder Physik-Bücher schreiben oder auch nur aktualisieren? Und wenn Computer schon Artikel schreiben können, wie kann diese Automation weitergehen? Gerade die Diskussion bei den MOOCs wird sich dadurch weiter verschärfen und ist diese Diskussion dann emotional oder rational? MOOCs sind heute schon sehr hoch automatisierte Kurse und dieser Trend, wird mit gleichwertiger Qualität sogar noch weitergehen, auch wenn das viele nicht gerne hören wollen.

Kollege Computer  (Quelle Pixabay http://pixabay.com/de/teenageralter-roboter-zukunft-629046/ )

Kollege Computer (Quelle Pixabay http://pixabay.com/de/teenageralter-roboter-zukunft-629046/ )

Ich denke auch hier, dass wir erst am Anfang einer unglaublichen Entwicklung sind. Viele Konservative werden dem Neuen mit Vorsicht begegnen und natürlich darauf hinweisen, dass dies das Ende vom Abendland sein wird und die Early Adaptor, wo ich mich auch einordne, werden gar nicht früh genug damit anfangen können. Mit den Wetterberichten und Horoskopen fängt es an, aber wie im Video schon angedeutet wurde, man könnte heute schon 50% einer Tageszeitung vom Computer schreiben lassen und an diesem Punkt würde auch ich, Angst um meinen Job bekommen. Zum Glück blogge ich nur privat und bitte vertraut mir, dieser Text wurde von mir und nicht von meinem Smartphone geschrieben 🙂

 Update:

Auch die Süddeutsche Zeitung hat einen kleinen sehr respektvollen Artikel über die hohe Qualität vom #Roboterjournalismus in Sportartikeln geschrieben, wo der Kollege Computer hervorragend abgeschnitten hat.

 

  1. Ich glaube, die Frage ist falsch herum gestellt: Nicht, welche Texte können auch automatisch erstellt werden, sondern welche können es nicht? Sport- und Wetterberichte sind sehr gute Beispiele für “Roboterjournalismus”. In beiden könnten uns auch die reinen Daten reichen: “Montag, 19°C, Niederschlagswahrscheinlichkeit 30%, windig” oder “Bayern vs. Xbeliebiger Verein: 8:2, Tore von, 2 gelbe Karten wegen…”, aber wir sind hier “Storytelling” gewohnt. Ich will es nicht schlecht reden, aber das sind schlichtweg die Texte, die Praktikanten anhand der richtigen Daten herunter tippen können. Das automatisierte Erstellen der Texte ist da ein schlüssiges Aufgabenfeld.

    Wo hilft kein “Roboterjournalismus”? Das sind vor allem diejenigen Felder, wo es nicht so eindeutig ist, welche Kontexte da zur Informationsanreicherung rangehören wie bspw. die vorherigen Partien der gleichen Mannschaften im Fußball. Bei welchen Texten glauben wir nicht, dass Computer sie generieren könnten? Satire, Aufklärung, Meinungen, Menschlichkeit. Auch wenn das Erfolgsformat “Die Anstalt” mittlerweile viel stärker journalistisch agiert als zuvor: Die Vorstellung, dass solche Texte automatisch generiert werden, scheint eher abwegig. Vor allem wird es nicht ohne Ironie und Sarkasmus gehen, die sich nur schwer abbilden lassen. Auch Korrelationsmuster können da schnell täuschen http://www.tylervigen.com/

    In der Bildung ist das genauso: Fakten, Vokabeln, einfache und logische Zusammenhänge sollten “RoboterPädagogen” schnell hinbekommen. Aber alles Kontextuelle ist schwierig: Geeignete Beispiele, die den Lernenden beim Verstehen von Mathematikproblemen helfen, EInstellungen und Suchstrategien vermitteln — das alles ist schwer bis gar nicht abbildbar. Genau genommen könnte man sicher ohne Weiteres das Grundschulwissen automatisiert lehren lassen ABER da fehlt es am Empathie und individueller Förderung etc. Deshalb braucht es die Grundschullehrer hier weiterhin.

    Bei MOOCs setzen wir viel darauf, dass wir diese Ebene nicht brauchen oder wollen. Umso mehr müssen wir diejenigen Formate und Lehrenden schätzen (auch finanziell), die über das Automatisierbare hinaus gehen. Du willst es nicht hören, aber cMOOCs sind auch deshalb “didaktische Königsklasse”, weil sie so sehr Persönlichkeit der Gastgebenden einfordern. Und genau deshalb sind sie nicht skalierbar. Aber wenn “alles Grundlegende” automatisiert abgenommen werden würde, haben wir auch wieder Zeit für so etwas 🙂

    • Bei den cMOOCs bin ich ganz bei Dir. Ich liebe ja auch die Hattie-Studie, die für mich eigentlich nur aussagt, dass gute Lehrer entdeckt werden müssen und nicht ausgebildet. Wer Lust hat zu unterrichten, macht es immer gut und richtig, aber er kann es halt nicht skalieren. Den Informatiker interessieren aber nur wiederholbare, abbildbare und daher auch messbare Prozesse und das ist das Spannungsfeld, in dem wir uns bei den MOOCs extremer bewegen, als in der Präsenzlehre.

      Ich denke auch an die wundervolle Welt, wenn die Computer den Unterricht entlasten und bin gespannt, ob das auch wirklich passieren wird. Schon heute haben doch Lehrer mehr mit der Bürokratie drumherum mehr zu tun, als mit der eigentlichen Lehre.

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