Vortrag “Bots in der Lehre” an der RWTH Aachen

Bots und Künstliche Intelligenz sind gerade Hype und, wie meist in Deutschland, negativ behaftet. Das es auch anders gehen kann, wollen wir gerade in Lübeck auf der mooin Plattform testen und haben zusammen mit der RWTH Aachen, der TU Graz und der Uni Mainz eine kleine inoffizielle Arbeitsgruppe gebildet, mit dem Ziel einen Motivationsbot zu entwickeln.

Malte Persike von der Uni Mainz, Heribert Nacken von der RWTH Aachen und ich nach dem Vortrag

In Lübeck haben wir uns ganz nach unserem Motto “Machen statt Schnacken” gleich hingesetzt und einen ersten Prototypen entwickelt. Der Bot soll “nur” als Script bei bestimmten Bedingungen bestimmte Mails versenden, z.B. wenn sich ein Teilnehmer 10 Tage nicht angemeldet hat erhält eine motivierende Mail. Das liest sich erstmal sehr simpel und man wundert sich, dass es noch keiner gemacht hat. Trotzdem ist das jetzt ein Anfang hin zu einer Vision von vollautomatisierten Online-Kursen, die zu 100% digital sind. Wir nutzen auch noch keine AI-Engine wie Watson, Alexa oder Cortana, doch wir wollen das natürlich später machen.

Moodle-Plugin

Der Bot wird als Moodle-Plugin entwickelt und soll Open Source sein. Die Einstellungen sollen einfach in Moodle veränderbar sein. Die Texte kann man über das Language-Package pflegen. In ein paar Wochen soll er über Github bei oncampus runterladbar sein. Allerdings weiss ich im Moment noch nicht, ob so ein Bot in Blended Learning (was in Deutschland anscheinend die Lösung für alles zu sein scheint) sinnvoll sein könnte. Bei Kursgrößen unter 50 Teilnehmern hinterfragt man das schnell.

Akzeptanz ist wichtiger als die Technik

Will man einen Bot einsetzen, sollte man sich über das RollOut viele Gedanken machen. Sollte der Absender einen Namen haben oder sollte man ihn gleich Bot nennen? Ist der Bot wie ein Newsletter abbestellbar oder wird er wie ein echter Mensch behandelt und man kann ihn notfalls blocken. Ist der Bot für einen Teacher einstellbar oder ist es ein Portalfeature, was nur der Betreiber einstellen kann? Gerade der letzte Punkt macht bei anderen Szenarien Diskussionen notwendig, denn wenn man Empfehlungen aussprechen will (du hast Kurs A und Kurs G, dann wäre auch Kurs X was für dich), geht das nur übergreifend. Hier verschwimmt auch die Grenze zwischen Motivation und Marketing.

Ergebnis

Erstaunlicherweise wurde beim Vortrag relativ viel über Ethik und Motivation diskutiert. Wollen wir von Bots unterrichtet werden? Es geht auch dabei eher um Entmündigung, statt um Qualität. Die Technik war sekundär. Das Potential wurde auch mehrfach angezweifelt, wobei ich mich gewundert hatte, dass die Zuhörer den Unterschied zwischen Blended Learning und MOOCs nicht gesehen haben. Bots machen natürlich mehr Sinn in Formaten die offen und daher groß sind. Ich denke immer mehr, dass wir die Digitalisierung in der Lehre noch nicht ansatzweise begriffen haben. Wir denken immer noch in analogen Strukturen und nicht in digitalen Prozessen.

 

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