Darf man Metapläne bei E-Learning Konferenzen benutzen?

Ist es erlaubt bei E-Learning Konferenzen analoge Vermittlungswerkzeuge zu benutzen? Sollten nicht gerade bei diesen Konfernzen die Vorreiter/Experten des Fachgebietes vorangehen und ihre Sessions digital vermitteln oder gilt der alte Spruch: Man soll immer das beste Tool nutzen, es kommt doch auf das didaktische Konzept an?

tl;dr

Man kann es sich leicht machen und alles mit dem letzten Satz begründen, aber die Wahrheit ist dann doch etwas komplizierter bzw. es ist sehr einfach. Natürlich kann man das nicht machen, denn es kommt auf die Symbolik an. Was für alle anderen Fachdisziplinen auf dieser Welt gilt, das gilt natürlich auch für das E-Learning. Kein Zimmermann würde seinen Gartenzaun aus Metall bauen, kein Metzger ist Vegetarier und kein Harley-Schrauber fährt einen Motorroller. Wer also bei E-Learning Konferenzen analoge Vermittlungstechniken wie z.B. Metapläne nutzt, sollte sich dabei immer überlegen, welche Zeichen hier gesetzt werden. Zwischen den Zeilen bedeutet dies immer: Schaut her, es geht ja doch schneller und einfacher mit den bekannten Tafelbildern und den Moderatorenkoffern. Wenn nicht einmal der Experte, der vorne steht, in der Lage ist seine Inhalte digital zu vermitteln, wieso sollte der Zuhörer glauben, dass es mit diesem E-Learning schneller und effektiver geht. Metapläne zu nutzen, kann man auch mit Eigentoren gleichsetzen.

Ähnliches gilt aber auch für viele anderen analoge Konzepte, die selten abgelöst werden. Konferenzen werden immer noch organisiert, wie vor 30 Jahren u.a. werden Tagungsbände ausgedruckt, Notizbücher verteilt und auf den Konferenzseiten fehlen Hashtags und Facebook-Gruppen. Die Tagungsbände sind noch oft statische PDF-Files, wenn sie überhaupt elektronisch vorliegen. Wir selbst predigen jedoch kollaboratives Teamworking und nutzen selbst MS Office. Es ist diese Inkonsequenz, die es den analogen Befürwortern so leicht macht, eine Verweigerungshaltung einzunehmen. Wir sind oft selbst dran schuld, denn lieben wir es nicht alle, diese kleinen bunten Punkte an die Pappkarten zu kleben, um zu zeigen, was wir mögen und was nicht? Was ist denn schon dieser blöde blaue Like-Button, wenn es doch auch mit Metaplänen so schnell gehen kann.

 

  1. Sigi Jakob-Kühn says:

    Ich glaube, da wird mal wieder das Kind mit dem Bad ausgeschüttet. Es geht hier nicht um elearning oder digital learning sondern um Lernen, allerdings mit anderen Vorzeichen, sprich eine andere Rolle von Lehrenden und Lernenden. E und digital und mooc oder was auch immer machen noch lange keinen Wandel in unserer Lernlandschaft, denn sie können genauso gut alte Lernstrukturen abbilden, sie dienen nur als Vehikel, und ohne diese Möglichkeiten wäre ein Strukturwandel auch nur schwer möglich, aber man kann doch nicht apodiktisch alles was nicht digital ist, auf einer Elearning Konferenz ablehnen. Die Session, um die es hier geht, war zehnmal fortschrittlicher was das Lernen anbelangt als viele der rein technisch ausgerichteten Sessions. Nein, ein e macht noch keinen Frühling. Ich gehöre nur mal nebenbei gesagt zu den early adoptiert von e und digital learning, aber stoße immer wieder auf diese Missverständnisse wie oben.

  2. Ralf Hilgenstock says:

    Nein, Andreas, du hast ganz recht. Metaplan darf man auf einer Konferenz nicht benutzen. Das ist übrigens unabhängig davon, ob sie sich mit eLearning oder mit ökologischer Bachsanierung befasst. Und die Ursache ist auch an ganz anderer Stelle zu suchen als du sie vermutest, nämlich im Markenrecht. Der Begriff Metaplan ist geschützt und dessen Nutzung wird im Zweifel auch abgemahnt. (http://www.telekanzlei-bibliothek.de/index.php?metaplan-mahnt-ab-1).
    Von daher bin ich froh, dass einige Dozenten die Moderationstechnik mit Pinnwänden genutzt haben. Ich weiß, die machen das klasse und damit lernt man auch etwas.
    Wenn man deinen Gedanken konsequent zu Ende denkt, muss es doch heißen: Dürfen eLearning-Konferenzen als Anwesenheitskonferenzen stattfinden. Die Antwort kann ganz klar nur ‘Nein’ lauten, weil… Ach, das lasse ich, denn die Begründung hast du selber geliefert. Erinnerst du dich an die Keynotes? Ich schon. Die waren ja so etwas von analog. Da waren reale Menschen im Raum und haben etwas gesagt.
    Du irrst aber auch an anderer Stelle. eLearning in seinen vielfältigen Ausformungen ist manchmal, aber nicht immer die bessere Methodik. Ein erfahrener Lehrender wird eLearning-Methoden als Erweiterung seines Methoden-Köfferchen verstehen. Er wird weise auswählen was in welcher Situation bei welcher Zielgruppe und welchem Lernziel gut geeignet erscheint. Das zeichnet den didaktisch versierten Lehrenden aus. Es kommt nicht auf die Symbolik an.
    Ich habe während der Konferenz verschiedene Personen gefragt, was sie davon hielten, im kommenden Jahr die Konferenz ganz online durchzuführen. Ich habe unisono Ablehnung zu hören bekommen. Vermutlich waren die Befragten noch nicht reif dafür. Oder wie wertest du das?
    Und noch einen hinten dran: Seit drei Jahren ungefähr wird periodisch der Ruf lautet auf den Begriff eLearning ganz zu verzichten und nur noch von Lernen zu reden. Damit hätte sich auch die Frage Moderationstechnik: ja oder nein erübrigt, denn schließlich geht es ums Lernen.

    • Hallo Ralf,
      das mit den Metaplänen und dem Markenrecht ist mal wieder eine traurige Geschichte und zeigt den Reformbedarf. In meinem Blogartikel hatte ich nicht die Abschaffung des Blended Learning gemeint. Natürlich sind analoge Treffen nach wie vor sinnvoll, werden jedoch immer mehr durch Webkonferenzen ergänzt und selbst die Moodlemoot gibt es inzwischen als iMoot http://2015.imoot.org . Wie auch in der Lehre werden beide Wege existieren und die Zukunft wird zeigen, was sich durchsetzen wird. Ich habe auch nicht geschrieben, dass analoge Treffen überflüssig sind und wir anfangen müssen alles virtuell zu machen, es gibt einen sehr großen Unterschied zwischen dem E und dem V und vor allem dem A. Ich bin auch überzeugt, dass viele Dozenten prima mit diesen Stellwänden und Moderatorenkoffern arbeiten und dabei glänzende Workshops machen, aber bitte woanders. Bei E-Learning-Konferenzen braucht man auch im Vortragsstil glänzende Beispiele für das digitale Präsentieren. Wollen wir nächstes Jahr eine Keynote mit Tafel und Kreide haben, weil es egal ist, wie der Vortrag gemacht wird? Hauptsache die Qualität und die Methodik stimmt? Es geht hier sehr wohl um die Symbolik.

      Ich persönlich finde auch die Diskussion um den Begriff E-Learning sehr spannend wie aktuell hier http://www.olivertacke.de/2015/03/03/e-war-einmal/ . Ich bin da mal wieder etwas radikaler und würde E-Learning als Learning bezeichnen und das andere würde ich A-Learning nennen. Das würde dann auch die tollen Konzepte des A-Learning zeigen, wie z.B. Metapläne, Kreide und Papier. Es kommt ja nicht auf die Technik an, sondern auf die Methodik, wie ich seit Jahren höre. Ich bin dann auch gespannt, wie sich diese Institutionen dann entwickeln:-) Natürlich wird das aber nicht passieren, denn die Prozesse sind schleichend und nicht disruptiv und es kommt immer auf den Methodenmix an und wer mit Metawänden arbeiten will, soll es machen. Ich lade nur keine Präsentatoren bei uns ein.

  3. “Wollen wir nächstes Jahr eine Keynote mit Tafel und Kreide haben, weil es egal ist, wie der Vortrag gemacht wird? Hauptsache die Qualität und die Methodik stimmt? Es geht hier sehr wohl um die Symbolik.”

    Die Zeiten der Symbolik sind vorbei. Zumindest was MoodleMoots betrifft. Es gibt tatsächlich Orte an denen Symbolik bedeutsam ist, weil es etwas zu beweisen gilt. Das ist auf den Moots schon lange nicht mehr der Fall.
    Ich würde eine Keynote begrüßen bei der ganz auf Powerpoint & ko verzichtet wird. Einfach der Mensch und der Inhalt. Und daraus entsteht ein Woww-Effekt: haben wollen, auch können wollen, nachmachen wollen.

    Wenn du davon sprichst, dass aus E-Learning Learning wird und aus Lernen A-Learning, ist das demagogisch ganz nett, aber begriffs-methodisch Unfug. Der Oberbegriff heißt ganz klar Lernen/learning. Wenn A nun für eine bestimmte Art des Vermittelns und E- ebenfalls für eine bestimmte Art des Vermittelns steht, sind beide Teilmengen von Lernen. Daher müssen logisch entweder A und E in Lernen/learning aufgehen und selber verschwinden oder als Teilbegriffe erhalten bleiben. Wir brauchen diese Unterkategorisierung auch, um eine klare Begriffswelt zur Verständigung zu erhalten.

    Genau betrachtet hat sich der Vorgang des Lernens über die letzten 25 Jahren gar nicht verändert. Tatsächlich haben sich die Orte und Zeiten und Sozialsituationen in denen Lerninhalte vermittelt werden und die angebotenen oder verfügbaren Lernsituationen verändert. Lernen zielt weiterhin auf die individuelle Aneignung und Erprobung neuen Wissens durch einzelne Menschen. Dieser nimmt wie vor hundert Jahren mit seinen Sinnen auf. Die Vorgänge im Gehirn dazu haben sich nicht geändert.
    Geändert haben sich die Möglichkeiten zur Anregung dieses Prozesses durch einen Lehrenden. Genau betrachtet müssen wir von E- und A-Lehr/Teaching sprechen.

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