mooin – Die Story hinter dem Launch einer MOOC-Plattform

Letzen Mittwoch war es soweit. Wir haben unsere neue MOOC-Plattform mooin (ab jetzt schreibt man mooin mit zwei O – Open und Online) gestartet und ich möchte einmal ein paar Gedanken und Insider-News dazu verkünden.

tl;dr

Vielleicht wissen es die einen oder anderen schon. Die FH Lübeck hat wahrscheinlich mit den beiden MOOC-Projekten FHLMOOC und pMOOC im Moment die größten MOOC-Projekte Deutschlands und ich bin irgendwie einer der Projektleiter geworden. Wir werden in den nächsten Monaten/Jahren mindestens 18 MOOCs entwickeln aber wir wollen irgendwie 40 schaffen 🙂 Bei einer so großen Anzahl von Kursen, macht eine eine eigene Plattform Sinn, obwohl ich nie ein Freund der Erfindung des zweiten Rades bin. Kooperationen haben aber nicht geklappt, obwohl wir  mit einigen Anbietern gesprochen haben. Das kann viele Gründe haben. Einer liegt sicherlich auch bei uns, da wir technisch schon immer sehr gut aufgestellt waren und sind. Es liegt aber auch an den Förderprojekten, die teilweise Kooperationen nicht zulassen. Hier sollte die Politik einmal nachrüsten.

Und plötzlich war der Termin da und keiner hat es gewusst

Es ging am  5.Januar los, als ich endlich Zeit hatte, die Roadmap unserer MOOC-Produktionen einmal schriftlich zu verfassen und alle dann gemerkt haben, wie knapp das jetzt wird. Unser erster Launch Termin für die Anmeldeseiten war der 19.Januar, was aber utopisch war. Er machte jedoch jeden wach, so das überhaupt Fahrt in das Projekt kam. Man muss dabei anmerken, dass wir zwei Launch-Termine haben. Der erste ist die Vorstellung der neuen Kurse mit Kursbeschreibung, Vorstellung der Autoren und der Option, sich für einen Newsletter anzumelden. Der Zweite ist dann Anfang März wo die Plattform mit allen Funktionen starten wird und ab Mitte März kann sich jeder direkt in die Kurse einschreiben und es geht dann auch los – so Gott will 🙂

Am Anfang war das Logo

Wir haben uns schon beim Namen mooin viel Mühe gegeben und damit die Richtung vorgegeben. Es sollte etwas nordisch maritim sein und wir hatten Überlegungen mit Rettungsringen oder Sonnenaufgängen gehabt, aber unsere Design-Abteilung fand das irgendwie nicht gut und hat dann aus den Rettungsringen einen Kompass gemacht und der wurde dann modern und stylisch umgesetzt. Ob jemand da noch eine Kompassnadel sieht oder nur ein schickes mooin, kann auch egal sein. Es sieht definitiv modern und sympathisch aus.

mooin - Logo

mooin – Logo

Was jedoch nicht sofort auffällt ist, dass wir alle Buchstaben klein schreiben. Das kommt etwas freundlicher rüber, glauben/hoffen wir jedenfalls und daher haben wir uns auch auf die Anrede Du geeinigt.

Du oder Sie – das ist hier die Frage

Typisch deutsches Problem! Wie spricht man seine Kunden/Studis/Teilnehmer an? Und was ist mit dieser Gendersprache? Fakt ist und bleibt, dass wir eine Hochschule sind, und nimmt uns dann überhaupt jemand ernst, wenn wir es wagen und einfach im Web DU zu sagen? Und wenn wir SIE sagen, müssen wir dann auch genderkorrekt von Teilnehmer und Teilnehmerinnen sprechen? Und wenn wir das machen, hört sich das dann nicht “scheiße” an? Und kommen wir dann überhaupt noch mit einer Cliplänge von einer Minute aus, wenn alle Anreden plötzlich dreimal so lang werden? Wieso sprechen die im Fernsehen eigentlich nie genderkonform? Und wie ist die weibliche Form vom Drachen? Kein Wunder, dass die ausgestorben sind, es gibt nämlich keine weiblichen Drachen, aber weibliche Eichhörnchen gibt es. Rätsel über Rätsel… und dabei habe ich in einem Gender-Workshop gelernt, dass genderkonforme Sprache der User Experience nicht widerspricht.

Ja ne, is klar.

Wir haben uns dann auf ein charmantes DU geeinigt und vergessen, dass wir eine Hochschule sind. Ich hoffe, es merkt niemand da draussen im Web, aber das DU wurde später noch ein großes Problem.

Und dann kam der Trailer

Ein schöner Trailer für die Plattform macht was her, aber was soll er uns sagen? Ich wollte ja ein paar bärtige Männer in einer Hollywood-Schaukel am Strand haben, die ganz locker “mooin” sagen und dazu frech in die Sonne blinzeln und dann lässig nordisch “mooin schreibt man jetzt mit zwei O im Norden. Dat stät näämlich fü Open uund Online, weit du dat?” ins Mikro nuscheln.

Das ging aber aus vielen Gründen so nicht, z.B. strahlt im Moment keine Sonne bei uns, wir haben kein Geld für Schauspieler, in englisch funktioniert das gar nicht und Audio-Aufnahmen in der Außenwelt sind richtig schwer und teuer und das kann ganz schnell billig wirken. Trotzdem haben wir uns reichlich vom NDR inspirieren lassen:

Aber herausgekommen ist dann dieser super gelungene Stop-Motion-Trailer. Das Konzept hat ganz viele Vorteile, denn wir arbeiten hier ohne Sprache aber auch ohne große Erklärungen. Wir gehen davon aus, dass über 80% der Nutzer wissen, was MOOCs oder Online-Kurse sind (das hat unsere Evaluationen ergeben). Daher wollten wir unsere Kunden eher emotional ansprechen und vielleicht ist uns das auch etwas gelungen. Der Trailer hat richtig viel Arbeit gemacht, aber die Idee kam von einer sehr motivierten Multimedia-Designerin und solche Leute sollte man dann auch nicht aufhalten. Eigene Ideen sind nämlich immer die beste Mitarbeiter-Motivation und das ist das beste, was einem überhaupt passieren kann (sollte sich jede Firma/Hochschule einmal merken).

 

Und dann ging der Stress los

Als dann die Zeit richtig knapp wurde, kam die Krankheit zu uns. Die Plattform-Designerin wurde krank, das Marketing auch und einen Entwickler hat es auch erwischt. Parallel waren Klausuren und etliche Kollegen bilden sich fort und mussten daher für Prüfungen lernen.  Die nächsten Tage waren dann Stress pur. Wir mussten für fünf MOOCs die Beschreibungen machen, Lernziele, Gliederungen schreiben, die Fotos der Autoren besorgen und natürlich Trailer drehen und schneiden. Das meiste hatten wir natürlich schon beim Anfangskonzept erfasst, trotzdem musste alles geordnet werden und jetzt auch abgestimmt werden. Waren alle Texte ungefähr gleichlang? Stimmte die Ansprache? Gab es überall Titelbilder? Sprechen wir im DU oder SIE an? Ja wieder das gleiche Problem, wie schon oben erwähnt. Und sprechen wir im Single oder im Plural an? Also haben wir alle Texte noch einmal umgeschrieben, sieht man gar nicht, oder?

Die Trailer haben teilweise Musik bekommen, aber woher nehmen? Wir kennen natürlich Musik-Anbieter, aber für ne Hochschule ist es nicht einfach online per Kreditkarte einzukaufen, zum Glück haben wir das Problem schon lange gelöst. Dann hat aber YouTube plötzlich gemeint, wir hätten eine Urheberverletzung mit der Musik und hat die Trailer gesperrt. Das ging dann aber auch relativ schnell, da ich das gleiche Problem schon vor drei Jahren hatte (Erfahrung ist alles, sag ich immer wieder – die wahren Probleme bei solchen Projekten ist nicht die Didaktik oder die Technik sondern das Neue und das Unerwartete).

Dann aber ging es weiter. Wer beschreibt die Videos auf YouTube und welche Tags erhalten sie? Wie soll der Abspann der Videos sein? Welche Projektträger und Partner müssen genannt werden? Wie ist das Copyright? OER mit CC-BY geht auch nicht, da wir fremde Musik im Video haben (das haben wir aber erst vier Tage später bemerkt).

Auf der Webseite kamen ähnliche Probleme. Wie lautet das Impressum? Was ist mit dem Datenschutz? Wollen wir piwik oder Google-Analytics einsetzen oder doch beides? Das Design sieht aber bei einer Auflösung von 1024*768 schlecht aus. Hat jemand noch so kleine Monitore? Wie findet man das heraus? Ach ja Google Analytics verrät das und siehe da, noch 25% aller Nutzer haben alte Bildschirme (Wie finden Hochschulen ohne Analytics so etwas eigentlich heraus? Machen die Umfragen und werten diese 14 Tage später anonym aus?).

Dann kam der Newsletter und wie soll der funktionieren? Brauchen wir überhaupt einen Newsletter? Ich meinte nein, wurde aber gnadenlos überstimmt. Dann die große Frage, wenn man sich dort anmeldet, soll man sofort eine Registrierungsmail erhalten? Ich meinte ja, aber auch hier wurde ich des Besseren belehrt. In Newslettern trägt man sich ein und man registriert sich nicht. Im Newsletter muss aber dann eine Opt-Out-Funktion sein…ach ja stimmt eigentlich, wenn man näher drüber nachdenkt. Trotzdem hatte ich heute zwei Nachfragen zu dem Thema auf meinem Tisch. Ich will damit nur sagen, über jeden kleinen Wisch, macht man sich wirklich ausführliche Gedanken, dass könnt ihr mir glauben.

Hatte ich schon den Captcha beim Newsletter erwähnt? Auch ein Thema für sich. Manche können die Schrift nicht lesen, andere sind für Fragen zu dumm und wieder andere sind so grobmotorig, dass sie mit der Maus keine Muster nachzeichnen können. Ich habe schon alles in meinem Leben gehört und egal welche Lösung man einbaut, irgendjemand wird da draussen jammern und uns für inkompetent halten (ich hatte bisher drei Nachfragen/Beschwerden).

Und Mittwoch musste es dann starten

Dienstag haben wir wirklich lange gearbeitet und ich dachte dann, dass wir es Mittwoch Vormittag locker schaffen werden, online zu gehen. Pustekuchen, wir haben den ganzen Tag noch Texte korrigiert, Grafiken optimiert, fehlende Links gesetzt und natürlich alles auf Android, iOS, Windows und Laptops, Tablets und Smartphones getestet. Was soll ich sagen, gegen 16 Uhr waren wir endlich online. Später ging es auch nicht, denn der letzte gesunde Entwickler hatte ab Donnerstag Urlaub und daher musste es JETZT online gehen.

Fazit

A New German MOOC Platform Is Born! Im Nachblick war das jetzt für fünf Trailer und ein paar Infoseiten echt viel Arbeit und in vier Wochen wollen wir mit der produktiven Plattform starten. Die nächsten Wochen werden also lustig und stressig und parallel kommt Anfang März noch die MoodleMaharaMOOT nach Lübeck, wo ich die Plattform mooin auch in einem Vortrag vorstellen werde. Trotzdem bringen solche Projekte richtig Spaß. Endlich einmal was schönes, neues Innovatives entwickeln und parallel eine Social Media Kampagne steuern bzw. begleiten (das ist aber ein eigener Blogartikel wert). Und Ende März fahre ich in Urlaub, versprochen.

Update

Da ich auf Twitter noch einmal auf die Bärte angesprochen worden bin und warum nur harte nordische Männer solche Projekte wuppen können #ironie , hier noch eine nicht ganz ernst gemeinte Ergänzung:

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