5 1/2 Jahre Webkonferenzen – eine Erfolgsgeschichte

Schon lange nicht mehr über Adobe Connect und meine Statistiken gebloggt. Ich liebe Webkonferenzen und denke nach wie vor, dass die Nutzung von Connect sich proportional zur Qualität der digitalen Lehre verhält. Natürlich werden jetzt wieder einige rufen “Nein das kann man so nicht sagen. Es kommt auf den Inhalt an und das didaktische Konzept. Eine Webkonferenz darf nicht aus sich selbst heraus stattfinden.” Dabei frage ich mich dann immer, wer darauf kommt, dass man das überhaupt macht und falls es so ist, wieso wird diese Frage nicht bei Präsenzvorlesungen gestellt 🙂

Connect ist eine ständige Weiterentwicklung mit vielen vielen kleinen Schritten und es war ein langer Prozess, um da zu stehen, wo wir jetzt sind. Über fünf Jahre ist der Start jetzt her und naiv wie wir waren, dachten wir bei der Einführung des Systems, dass wir nur Schulungen anbieten müssten, damit die Profs das System nutzen. Zwei Jahre später haben wir dann gemerkt, dass kein Mensch Connect freiwillig nutzt und vor allem kommen keine Profs zu Schulungen. Wir haben dann aufgegeben Profs zu schulen und parallel angefangen die Erstis zu schulen. Die Idee kam sogar von einem anderen Standort (ich glaube Emden war es) und ich habe das dann später Grassroot-Effekt genannt. Der Erfolg war ganz klar zu sehen und es war der erste kleine Schritt zum Erfolg (neben dieser Statistik um überhaupt Kennzahlen zu haben, damit man erkennt, dass etwas schief läuft).

Adobe Connect Nutzungsstatistik

Adobe Connect Nutzungsstatistik

Ein Jahr später haben wir die Trainingsräume eingeführt, d.h. jeder Moodle Kurs hat zwei Connect-Räume. In einem hat der Dozent die Rechte als Veranstalter und in dem anderen sind alle Moderatoren. Ich persönlich hätte nie gedacht, dass diese sogenannten Trainingsräume je genutzt werden, aber da hatte ich mächtig unrecht. Insgesamt machen diese Trainingsräume ca. 20% des Gesamt-Traffics aus und ich habe bis heute nicht verstanden, wofür die überhaupt genutzt werden. Meine Vermutung ist immer noch, dass etliche Profs ihre Vorlesungen lieber dort machen, da sie zu dumm sind, die Rechte manuell zu vergeben. Ich hoffe ich habe unrecht und daher will ich das auch gar nicht wissen. Die Wahrheit kann manchmal bitter sein.

Wir haben dann langsam begriffen, dass man Nutzern größtmögliche Rechte einräumen muss, damit sie Systeme überhaupt nutzen. Zuerst alles freigeben und dann evtl. sukzessive sperren. Alle anderen Hochschulen, die ich kenne, machen es immer noch andersrum und wundern sich über fehlende Akzeptanz. Dabei muss man sich nur einmal selbst beobachten. Niemand testet eine Funktion ein zweites mal, wenn beim ersten mal eine Meldung kommt: “Sie haben keine Rechte für diese Funktion.”. Das ist aber noch schwer, wenn man mit Externen redet. Immer erst mal alles verbieten und wenn man 10 Nutzer hat, gleich über Geschäftsmodelle nachdenken, anstatt sich über neue Nutzer zu freuen.

Als letzte Stufe haben wir dann bei den neuen Kursen für den BWL-Master und die neuen Kurse aus dem LINAVO-Projekt Webkonferenzen als Pflichtteil eines Kurses im didaktischen Konzept festgelegt. Wenn man dies bei der Einführung schon als Fakt festlegt und nicht zur Diskussion stellt, gibt es später erstaunlicherweise ganz wenig Diskussion über die Nutzung. Eine der ganz vielen Erfahrungen aus fünf Jahren Webkonferenz-Nutzung und der simplen Erkenntnis: “Kommunikation kann nicht schlecht sein. Denn jede Kommunikation ist besser als gar keine zu haben.” Inzwischen haben unsere neuen  Kurse alle eine ähnliche Entwicklungsrichtung. Sie alle haben immer weniger Präsenzanteil, teilweise sogar Null, wenn die Prüfungsform keine Klausur ist. Andersrum steigt die Webkonferenznutzung enorm. Wir haben Studienprogramme, wo Studierende monatlich knapp 20 Stunden durchschnittlich Connect nutzen. Ich habe dabei immer mehr das Gefühl, dass die Zukunft des E-Learning in einer nicht geahnten Radikalität der Digitalisierung liegt. Selbst wir gehen dabei noch nicht weit genug und ich sehe auch die MOOCs als eine Bestätigung dieser extremen Form. Diese halbherzigen Lösungen, z.B. das Blended Learning kann  nur eine Fortführung alter Ansätze sein. Etwas Neues wird hier nicht enstehen. Aber haben wir nicht jetzt die Möglichkeit etwas Neues zu schaffen und wir schauen eigentlich immer nach hinten, um nicht alle zu verlieren. Man braucht diese Abwärtskompatibilität, denn zu viel Veränderung überfordert den Anwender. Dabei wird meist nur ein Anwender überfordert und das ist der Dozent.

Rückblickend muss ich sagen, dass Connect mich immer noch erstaunt und ich mächtig Stolz auf die Wachstumskurve bin. Wir haben natürlich auch unglaublich viele Probleme, die ich jetzt aber nicht berichten will:-) Ich freue mich über die durchbrochene Schallmauer von 10.000 Nutzungsstunden und wir planen jetzt schon die nächsten Schritte. Eine neue Evaluation, das Update auf Connect 9.4 und natürlich die Einbindung in unsere MOOC-Plattform MOOIN. Letzte Woche haben wir eine  neue Statistik entwickelt, die uns endlich die größten Aufzeichnungen ausgibt, mit erstaunlichen Ergebnissen. Hätte man je geahnt, dass jemand Connect-Sessions hat, die 1,6 GB groß sind? Das sind locker 5-6 Stunden Nonstop Connect und das kommt nicht nur einmal vor. Leider denken viele, dass Speicherplatz nichts kostet, stimmt aber nicht bei einer Hochschule. Das gilt eher für Google, Microsoft und Co. Unsere Festplatten kosten richtig Geld.

 

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