Die Oberflächlichkeit in der MOOC Diskussion

Und wieder sind es  diese kleine Geschichten des Alltags, die es lohnen einmal näher angeschaut zu werden. Was wird nicht alles über die Qualität von MOOCs geredet und vor allem kritisiert. Mindestens 80%-90% aller MOOCs sind didaktisch schlecht aufgearbeitet, wurde mir gerade wieder einmal auf der OER Konferenz in Berlin erzählt. Viele bestehen nur aus abgefilmten Vorlesungen! Jetzt noch einmal langsam zum verstehen:

V i e l e   b e s t e h e n   n u r   a u s   a b g e f i l m t e n   V o r l e s u n g e n !

Ja aber was ist denn dann didaktisch schlecht aufgearbeitet, die Vorlesung oder der MOOC? Wenn nun einmal der Dozent da vorne nichts anderes macht, ist das die Realität 🙁  Der Spruch müsste also lauten, 80%-90% der Vorlesungen sind didaktisch schlecht aufgearbeitet und die MOOCs bringen das zum Vorschein. Das ist wohl die traurige Wahrheit des Qualitätsmanagements und der unzähligen didaktischen Schulungsmaßnahmen in Hochschulen. Eine Vorlesung ist halt immer nur so gut, wie der Dozent es vorne macht. Wenn der Dozent nun einmal monoton redet und andauernd Äh sagt oder stottert oder lange Bandwurmsätze von sich gibt, dann ist das einfach schlecht. Wenn solche Vorlesungen, dann den Weg in das Internet finden, dann ist das doppelt schlecht, gibt aber die Wahrheit wieder.

Das dumme an den MOOCs ist diese Transparenz. Denn nun können auch die Menschen OHNE Hochschulzulassung einmal sehen, was so ein Halbgott Professor von sich gibt und erkennen die traurige Wahrheit. Das ist kein Elfenbeinturm der Weisheit, wo die Reinkarnation des Orakels von Delfi spricht, nein dieser Professor dort auf YouTube redet sehr langweilig, sehr monoton und dann auch sehr unverständlich und niemand würde sich das freiwillig antun. Das dumme ist jedoch, dass ca. 200.000 Studis dies jeden bitteren Tag in der Präsenzlehre ertragen müssen.

Das heisst natürlich nicht, dass MOOCs es nicht besser könnten. Machen viele auch, weil bei MOOCs auch ein didaktisches Konzept vorhanden ist und auch meist mehr Geld. Die Kritik der abgefilmten Vorlesungen ist jedoch sehr dünn, denn sie trifft die Falschen. Des Übels Wurzel ist nicht die abgefilmte Vorlesung, sondern der schlechte Professor.

Das gleiche gilt übrigens auch für die Konferenzen, wo viele Leute denken, sie könnten gut präsentieren, nur weil sie das jeden Tag in der Uni machen. Ich frage mich oft, warum viele nicht einmal nur ein YouTube Video angeschaut hat: Powerpoint Vorträge leicht gemacht oder ähnliches.

Ich habe gerade wieder eine Keynote !!! gesehen, die quasi ein Monolog war ohne eine Betonung und dazu noch Slides mit kleinen Romanen hatte. Wie kann das sein? Wenn sich solche Keynote-Sprecher dann berufen fühlen MOOCs zu machen, dann sind die nicht gut – liegt aber nicht am MOOC, sondern am Sprecher. Wer also Kritik an den MOOCs äußert sollte vorsichtig sein, denn wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.

  1. Das tolle ist: die Argumentation klappt fast genauso anders herum: Dozenten, die gute Vorlesungen halten, funktionieren auch im Video. Gute Keynote Speaker können YouTube-Klickstars sein. Spannagel, Dueck, Lesch, Wolfram, Jobs… (mir fehlen in der Reihe tatsächlich noch ein paar weibliche Role Models, auch wenn ich sonst nicht so bin…). Die Videos von Vorlesungs-/Vortragsaufzeichnungen von guten Referenten sind im Low-Cost-Verfahren durchaus ausreichend. Und dann kann man mit Aufgaben, Unterteilungen, Reflexionen etc. didaktisch da einiges pimpen.

    Wenn aber die Vorlesung schon doof ist, dann ist das wie der Brokkoli, der im #delfi2014 Workshop zu Gamification dauernd als Bild genutzt wurde: kannste mit Schokolade überziehen, wie Du willst, er wird nicht besser schmecken. Im Gegenteil: Pur (in der Vorlesung) ist er vielleicht noch erträglich, mit Schokolade überzogen (im MOOC) ein Fall für den Komposthaufen.

    Brauchste nicht kommentieren, nicken reicht 😀

    • Ich nicke 🙂 Tolles Beispiel mit dem Brokkoli. Man kann das auch noch weiterspinnen, oder warum gibt es schlechte Pädagogik Dozenten? Das müssten doch eigentlich die Besten sein, weil sie selbst unterrichten, wie man gut unterrichtet, aber der Schuhmacher hat ja auch selbst die schlechtesten Schuhe.

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