Warum sollte man MOOCs mehr als einmal anbieten?

Ich sag’s seit Jahren: Drei!

Drei ist der Durchbruch, die Schwelle über die man muss! Es ist nicht eins oder zwei, aber auch keine vier oder fünf. Manche sagen, dass Sieben, die Zahl wäre, aber das trifft eher auf Zwerge, Wunder, Tage oder Sünden zu.

Dreimal muss man einen E-Learning Kurs anbieten/halten, damit der Kurs gut ist. Das ist meine Erfahrung, denn beim ersten mal, hat man meist keine Ahnung, was man da überhaupt tut. Man muss sich mit der Technik auseinandersetzen, der Didaktik und natürlich dem Fach (wobei das meist das kleinste Problem ist). Irgendwie kommt man dann durch, da die Kursteilnehmer meist gar nicht wissen, das man jungfräulich diesen Kurs gehalten hat.

Beim zweiten mal, hat man die Technik im Griff und hat etliche Probleme behoben und arbeitet schon mit einer Version 1.5, da man den Kurs überarbeitet hat. Vielleicht hat man eine FAQ erstellt, die Forenanzahl wurde von 10 auf max. 2 reduziert, Fragen wurden eingebaut und Zeitpläne auf ein realistisches Maß angepasst.

Jedoch erst beim dritten Durchlauf, kann man mit einem Kurs “spielen”, d.h. man kann neue Konzepte einbauen, innovative Szenarien testen und Standard-Inhalte multimedial erklären. Man beherrscht die Technik, sonst ist es ja andersrum. Man hat Sicherheit, Erfahrung und weiss, worauf es ankommt. Beim dritten mal, sollte ein E-Learning Kurs perfekt sein und 90% aller Fehler behoben sein.

Bei den MOOCs ist das genau das gleiche. Beim ersten MOOC “Grundlagen des Marketing” haben wir richtig geschwommen. Wir haben uns im Vorwege richtig viele Gedanken gemacht und ganz bescheiden ausgedrückt, hätten wir einen MOOC locker produzieren müssen, da wir schon 12 Jahre Erfahrung im Online-Fernstudium haben. War aber nicht so, denn MOOCs haben doch eigene Regeln und wir haben Lehrgeld bezahlt, jedoch auf einem hohen Niveau. Immerhin hatten wir 7.000 Teilnehmer im Kurs und eine hervorragende Evaluation. Aber das kann noch besser werden.

Jetzt ist der zweite Durchgang beendet und wir wollen einmal zurückblicken, was sich geändert bzw. verbessert hat. Wir haben beim MarketingMOOC an etlichen Schrauben gedreht. Unter anderem haben wir die Laufzeit verkürzt. Wir haben dadurch auch keine 5CPS Klausur angeboten, sondern “nur” einen Online-Test. Viele Fragen wurden überarbeitet und es wurde nur eine Peer-Review Aufgabe angeboten. An den eigentlichen Inhalten wurde fast gar nichts geändert. Alle Videos sind gleich geblieben und die Skripte waren auch gleich.

Der Aufwand der Überarbeitung war im Vergleich zur Erstellung natürlich sehr gering, umso erfreulicher ist es, dass sich die Evaluationsergebnisse doch erheblich verbessert haben. Drei Zahlen zeigen dies sehr deutlich:

  • 63% der TeilnehmerInnen stimmten voll und ganz zu, dass der Lernfortschritt groß war (gegenüber 52% im 1. Durchlauf)
  • 75% der TeilnehmerInnen stimmten voll und ganz zu, dass die Quizzes beim Lernprozess hilfreich waren (gegenüber 55% beim 1. Durchlauf)
  • Die Abschlussquote der TeilnehmerInnen konnte auf 8% erhöht werden (gegenüber 4% beim 1. Durchlauf)

Leider bieten viele Hochschulen MOOCs nur einmal an, dabei müssten es mindesten drei Durchläufe sein, damit der Kurs wirklich “fertig” ist und eine hohe Kundenzufriedenheit und damit ein hoher Lernerfolg erreicht wird. Wir haben jetzt den MarketingMOOC zweimal angeboten und auch beim HanseMOOC startet der zweite Durchlauf im September. Ich erwarte auch hier ähnlich gute Werte, da wir hier wirklich viel verbessern werden (dank einer neuen Förderung). Wer jedoch naiv denkt,  man entwirft einen MOOC und bietet ihn nur einmal an, der verschenkt eigentlich das Potential des Online-Kurses. Denn wie oben erwähnt, wird der MOOC erst beim zweiten Durchlauf problemlos laufen und erst beim dritten mal, kann man mit seiner Erfahrung experimentieren. MOOCs sind daher keine Eintagsfliegen und wahrscheinlich auch kein Hype, sondern sollten nachhaltig implementiert werden. Das ist natürlich leicht gesagt, wenn keine Mittel vorhanden sind.

Im FHLMOOC Projekt planen wir 12 MOOCs und versuchen natürlich jeden MOOC 2-3 anzubieten, was sehr herausfordernd sein wird. Ich denke jedoch, man muss dies gleich von Anfang an im Konzept berücksichtigen und transparent kommunizieren, damit alle Projektpartner wissen, worauf man sich einlässt. Dazu muss man natürlich auch die Tools und die Plattform haben, damit alle Aktualisierungen immer möglich sind. Ich spreche hier immer vom Cloud-Learning, was nichts anderes bedeutet, als dass die Inhalte in der Cloud liegen, z.B. bei YouTube, LOOP oder in Moodle. Statische Inhalte zum download sind hier fehle am Platze, da sie lokal nicht mehr aktualisierbar sind. Zum Glück ist die Welt ganz langsam bereit, für solche Lösungen 🙂

 

 

  1. Ich gebe Dir absolut recht: wenn ich alleine die Entwicklung vom SOOC13 zum SOOC1314 ansehe: Grandios! Das Einreichungsformular war um Badges erweitert, wir waren auf die Idee gekommen, auch das Kommentieren als Prüfungsleistung mit heranzuziehen… da war einiges besser. In einem dritten Durchlauf könnte man zusätzlich noch mit Peer-Reviews experimentieren.

    Leider ist der Grund, dass es nur einen oder wenige Durchläufe von MOOCs gibt der, dass die dazugehörigen Projekte auslaufen. An SOOPAL wäre noch so viel zu schrauben, so viele Fehler könnten beseitigt werden… Das Projekt ist seit Juli vorbei :'( Es wird gerade noch an Handlungsempfehlungen gearbeitet, damit nicht alles in der Projektschublade landet…

    • Das ist halt der große Nachteil an der Projektfinanzierung, obwohl ich immer sage, schreibt das doch gleich mit rein. Meine Profis (die Antragschreiber) sagen mir dann aber immer, dass wäre nicht förderfähig. Ich verstehe das aber nicht, da mit einer Projekterhöhung von ca 15% das Ergebnis um ca 300% verbessert werden könnte. Inzwischen habe ich aber ein paar Ideen, wie man MOOCs nachhaltig betreiben könnte. Mal schauen, was da noch gehen könnte.

      • Die Ausschreibungen sind halt Mist. Für den SOOC hatten wir zwei Durchläufe geplant (wobei man da von Finanzierung nicht sprechen konnte, eher eine Unterstützung mit HiWis). Bei SOOPAL wäre das in Projektlaufzeit und -budget (das ohnehin schmerzlich gekürzt wurde) nicht drin gewesen. Die Ausschreibungen sind halt Mist: “Wir fördern innovative Pilotprojekte, wollen aber, dass sie nachhaltig angelegt sind, sagen Euch aber nicht, von welchem Geld das passieren soll, von unserem nicht.” 🙁

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