Barcamp Kiel 2014 – Impressionen und Geschichten

Kiel hat einen ganz großen Vorteil gegenüber Lübeck: Kiel hat ein Barcamp!

Schon zum fünften mal fand es statt und wie in den letzten Jahren, war es “ausverkauft”. Allerdings musste man kein Eintritt zahlen, sondern sich nur anmelden und es war ausgebucht. Das Barcamp Kiel ist beliebt und vor allem gut. Ich war zum vierten mal dort und konnte mich über zwei schöne Mopedtouren bei wechselndem Wetter in den Norden freuen und bin dabei einmal richtig nass geworden. Außerdem kenne ich inzwischen etliche Leute und freue mich auf alte Bekannte.

Im Gegensatz zu den vorigen Jahren, hatte ich den Eindruck, dass diesmal sehr viele junge Leute da waren (es waren auch sehr viele Kinder da, aber die meine ich nicht) und der Frauenanteil war auch höher. Sind die Zeiten der Nerds und Geeks vorbei? Es waren auch sehr viele Ersttäter dort, aber die haben nicht unbedingt vorgetragen. Insgesamt war es diesmal auch etwas schüchtern, zumindest am ersten Tag. Das Session Grid wurde erst nach mehrmaligen Nachfragen gefüllt, am zweiten Tag war ich leider etwa spät dran um das zu beurteilen.

Session Plan Tag 1

Ich habe mir natürlich etliche Sessions angeschaut und eine “MOOC – Freie Bildung im Netz” selbst gehalten.

Die erste war Story Telling. Ein dankbares Thema was auch gerade in ist. Leider begann der Vortrag denkbar schlecht, denn neben einem Standard Firmen Präsentations-Intro (Mitarbeiter, Kennzahlen, Geschichte, Referenzkunden) gefolgt von technischen Problemen (Wieso hab ich denn jetzt ein anderes Bild auf dem Laptop, als auf dem Beamer?) und dann lief auch noch das YouTube Video nicht (Normalerweise macht das unsere Assistentin, aber die ist heute auf einer Hochzeit) war das eigentliche Thema etwas kurz beleuchtet. Große Firmen wie BMW und Red Bull geben wirklich viel Geld aus um wahre Geschichten zu erzählen. Neu war das nicht gerade.

Danach wurde es dann aber gleich spannend mit einem tollen Vortrag über Gamification Elemente in der Wirtschaft. Das Thema war wirklich knapp und fließend vorgetragen und es gab eine gute Diskussion zustande. Natürlich schauen viele Firmen noch skeptisch daher, wenn man von Gamification redet, aber das Thema ist sehr breit und auch Bonuskarten, Vielfliegerprogramme und Mitarbeiter des Monats gehören dazu und haben sich etabliert. Da wir mit dem HanseMOOC auch schon sehr viel in dem Bereich forschen, war das natürlich für mich interessant.

Parallel lief die sehenswerte Session über “Das Recht auf vergessen werden” als Battle zwischen pro und contra. Ein sehr schönes Konzept, wo viele Argumente schnell und klar ausgetauscht werden. Kiel ist ja sowieso die heimliche deutsche Hauptstadt des  Datenschutzes (man denke nur an den ULD und Thilo Weichert mit seinem Facebook Krieg), ich sehe die Sache ja eher skeptisch und sehr übertrieben. Egal die Session ist sehenswert und wurde ausnahmsweise auch aufgezeichnet.

Dann gab es das Highlight des ersten Tages mit “Wie werde ich ein YouTube Star”, wo der 18jährige (!!!) @ChristophJahnke den Saal gerockt hat und einmal YouTube erklärt hat. Wenn ich doch mal so gewesen wäre, als ich noch so jung war:-) Wie baut man in YouTube eine Marke auf, was ist dabei wichtig und wie kann man die Hilfsmittel von YT optimal nutzen. Christoph hat einen  sehr guten Überblick gegeben und hat herrlich unverbraucht geredet. Manchmal fehlten ein paar Fakten und es war etwas einseitig auf die Jugendstars geschnitzt, aber drauf geschissen.

Dann kam meine Sessions über MOOCs. Im kleinsten Raum und daher gut gefüllt (manch einer musste stehen) hab ich etwas über unsere drei MOOC-Durchläufe erzählt. Spontan und ohne Slides hab ich alles live aus dem Browser gezeigt und gleich diskutiert. Das Echo war durchweg positiv, es war jedoch der einzige Bildungsvortrag. Insgesamt war es verwunderlich, dass Hochschulen Barcamps meiden. Auch Bloggertreffen werden eigentlich gemeiden, aber es gibt zum Glück EduCamps.

Tag 2 beim Kieler Barcamp

Der zweite Tag begann dann wie der erste mit einem Beitrag vom gleichen Unternehmen wie Story Telling nur diesmal über Blogs. Wie können Unternehmen ihre Themen in Blogs plazieren? Ich wusste gar nicht, dass es hier einen so großen Markt gibt. Hier wurden 70 Blogger angeschrieben um ein Thema rund um die Frauenquote zu plazieren und 20 haben das sogar gemacht. Das Thema war sehr kontrovers, da etliche anwesende Blogger sich durch Unternehmensansprachen belästigt fühlen und sich natürlich nicht kaufen lassen wollen. Allerdings ist das Thema sehr zwiespältig, denn Fashion-Blogger nehmen anscheinend sehr gerne Produktproben an, Food-Blogger eher weniger und bei der Bildung wird man nie angesprochen:-)

Ein kleines Highlight war dann Steffen Voss und Uli Königs Bericht über die Landespolitik, was Steffen in seinem Blog noch sehr ausführlich nachbehandelt. Ich wusste nicht, dass der Kieler Landtag dank TV, Radio und öffentlichen Datenbanken so transparent ist, dass man quasi 90% aller Infos ohne Probleme übers Internet kriegt, mann muss nur zugreifen. Leider beschweren sich die Bürger doch lieber, statt einmal zu recherchieren. Ist aber auch leichter:-)

Das Highlight war dann der Vortrag von @AndreasWiener über “Schlechte Powerpoint Präsentationen”. Oft sehr witzig, teilweise brillant erzählt und immer etwas überraschend, sind mir beim Vortrag viele eigene Fehler aufgefallen. Vor allem aber sind mir viele Kritikpunkte vom ersten Vortrag “Story Telling” vom Vortag bestätigt worden, was man alles falsch machen kann. Leider waren die Redner nicht mehr da. Ich kann nur jedem empfehlen sich einmal Gedanken zu machen, wie man ordentlich präsentiert, u.a. keine Firmenvorstellung am Anfang, keine Bulletpoints, kein CI Rand oben und unten auf jeder Folie und sich nicht entschuldigen. Man sollte auch einmal gar nichts zeigen (schwarzes Bild), damit die Zuhörer sich auf den Redner konzentrieren. Man kann es auch so zusammenfassen “Mach es einfach anders, wie alle anderen”. Inzwischen sind die Vorträge so gleichgeschaltet, dass jede Abwechslung schön ist.

Das zweite Highlight war dann der Big Data Vortrag, der dankenswerterweise keine Datenschutz Präsentation war, sondern wirklich um Daten, SEO und das semantische Web ging. Sehr spannende Beispiele mit vielen Daten unterfüttert hat mir wirklich neue Eindrücke verschafft und ich bin immer mehr überzeugt, dass die Zukunft im SEO Verständnis liegt und darum, dass man dem Kunden das gibt, was er will und nicht das, was man selber verkauft/anbietet. Das ist auch das Grundproblem, warum alle immer auf Google sauer sind. Google versucht dem Kunden das optimale, also das relevante Ergebnis zu liefern und viele Firmen denken, dass ihre Produkte relevant wären. Sind sie aber nicht. Sieht man gerade wieder bei der Verlagsdiskussion und die Tageszeitungen, denken, Google klaut Inhalte und in Wirklichkeit, will kein Mensch mehr Tageszeitungen.

Zum Schluss gab es dann noch eine wenig spannende Facebook Diskussion und dann war es dann auch schon wieder vorbei. Leider viel zu schnell aber das sechste Barcamp wird ja kommen.

Ich muss immer wieder sagen, dass ich Barcamps mag. Ich treibe mich ja sehr oft auf wissenschaftlichen Konferenzen mit aufwendigen Peer Reviews herum und muss sagen, dass ich kaum einen qualitativen Unterschied zu einem Barcamp feststellen kann. Ich kann jedem nur empfehlen einmal bei einem Barcamp vorbeizuschauen, es lohnt sich (zumindest in Kiel).

Äußerst positiv muss ich hier noch einmal die Organisation loben und mich bei den Sponsoren bedanken. Ohne euch würde das alles nicht klappen. DANKE

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