10 Jahre Facebook – Ein Wechselbad der Gefühle

Facebook feiert gerade sein zehnjähriges Jubiläum. Ich wollte schon lange einmal über Facebook schreiben und einen besseren Grund als heute, wird es wohl selten geben.

Meine Geschichte zu Facebook hat viele Höhen und Tiefen. Am Anfang, und das muss ich ganz ehrlich sagen, war ich ein absoluter Gegner von Facebook und Co. Ganz getreu aller Informatiker, die dem CCC hörig sind, artig Netzpolitik.org lesen, Piraten wählen und Linux/ Android statt Windows/iOS bevorzugen, hatte ich diese Abneigung gegenüber Datenkraken und intransparenten Unternehmen. Facebook macht alle Nutzer doch nur zu seelenlosen digitalen Einsiedlern, die es verlernt haben, analog zu kommunizieren. Das wahre Leben findet im Realen also Analogem statt, und natürlich will ich nicht, dass ein US Unternehmen ein Profil von mir anlegt um mich auszuspionieren. Wer weiss, was mit meinen Daten geschieht? Plötzlich könnte ich zielgerechte Werbung bekommen und entmündigt werden. Ich möchte doch immer selbst entscheiden. Keiner soll und darf mich kontrollieren. Na und so weiter, wir kennen diese Stammtisch-Argumente inzwischen zu genüge.

Ich weiss nicht warum ich mich dann doch entschieden habe, Facebook einmal auszuprobieren. Vielleicht war es mein Medienkompetenzkurs, den ich vor fünf (?) Jahren entwickelt habe oder war es meine Neugier für neue Dienste oder die Sicherheit, dass Facebook keine Eintagsfliege, wie MySpace oder StudiVZ sein wird. Gewissheit erlangte ich dann, als mir bewusst wurde, dass ich nur durch ausprobieren eine eigene Meinung über Facebook erlangen konnte. Viele Kommentare zu dem Netzwerk waren hoch emotional und auch im Freundeskreis gab es nur eindeutige Meinungen, entweder absolut dafür oder absolut dagegen.

Nach kurzer Nutzung war mir dann aber sehr schnell klar, dass Facebook eine tolle Erfindung ist. Es hat unglaublich viele Vorteile für mich. Ich hatte plötzlich wieder Kontakt zu verschollenen Freunden, hatte Gesprächsthemen und ich hab mich über komische Leute amüsiert. Irgendwann wurden es dann auf Facebook immer mehr und ich nutzte es auch immer mehr. Dann gab es die großen Datenschutzdiskussionen und Facebbok wurde vorgeworfen eine offene Party-Plattform zu sein. Jeder solle doch bitte sein Profil schliessen und am besten auch anonymisieren. Das erste hab ich gemacht, das zweite halte ich bis heute für Unsinn. Wenn ich mich Dagobert Duck der 58te nenne, wie soll dann bitte meine Ex-Schulkameradin aus der fünften Klasse mich finden? Wer sich bei Facebook anonymisiert, versteht oft den Sinn eines Social Networks nicht (Ausnahmen gibt es immer, für alle Kommentatoren). Durch die Schliessung, hat dann aber auch merklich das Wachstums meiner “Freunde” nachgelassen.

Dann wurde Facebook wieder mal verteufelt. Irgendjemand wurde gemobbt oder hatte seinen Job verloren, weil er öffentlich gemobbt hat. Inzwischen hatte ich aber das Spielchen etwas besser analysiert. Denn obwohl alle immer sagten, Facebook würde alle Kritiker ignorieren, wurden die Datenschutzeinstellungen zunehmends besser und Facebook transparenter. Das hat natürlich kaum jemand geschrieben, denn Facebook zu “dissen” ist in Deutschland schick. Wenn man es verteidigt, ist man ein unverbesserlicher digitaler Eingeborener, der keine echten Freunde hat. Das echte Leben ist doch viel besser und echte Freunde sowieso.  Das es jedoch keinen Unterschied gibt zwischen “echtem” und digitalem Leben, ist vielen immer noch nicht klar. Diese seltsame Definition von echt, sollte mal näher untersucht werden.

Für mich war es dann noch sehr interessant, das ganze technisch zu sehen. Cloud-Dienste wie Facebook, Google oder YouTube verbessern und aktualisieren sich ständig, ohne dass ich ein Update durchführen muss. Das ist genial. Und jede Diskussion bezieht sich meist auf eine veraltete Version des  Cloud-Dienstes. Diese Erkenntnisse sind dann auch später in unsere LOOP-Plattform gewandert. Es ist simpel und deshalb genial und deshalb haben CloudDienste auch dieses enorme Potential.

Vor einem Jahr hab ich dann zum vorerst letzten mal meine Facebook Strategie geändert. Ich habe fast alle Witze-Erzähler stumm geschaltet (entfreunden muss man schon lange nicht mehr) und dafür folge ich jetzt Journalisten, Bloggern, Schriftstellern und Musikern sowie Sportlern. Ich habe mir jetzt quasi eine Tageszeitung definiert, mit Freunden, meinen Interessen, einem Lokalteil und meinen Hobbys. Das letztere könnte ich auch fast mit Flipboard machen, aber ich finde Facebook doch schöner. Allerdings nervt mich jetzt die Werbung und das viele Nachrichten einfach nicht angezeigt werden. Doch auch das wird irgendwann wieder besser werden.

Zum Schluss muss ich sagen, ich will Facebook nicht mehr missen. Ich habe so viele positiven Ereignisse damit erlebt (Konzerte, die ich sonst verpasst hätte, Geburtstage, die ich sonst vergessen hätte und Freundschaften, die inzwischen tot wäre, gerade über große Entfernungen). Beruflich konzentriere ich mich schon immer auf Google+ auf Facebook mischt sich das doch eher. Eine strikte Trennung zwischen privat und beruflich hab ich aber schon lange aufgegeben. Was ich mir jedoch für 2014 vorgenommen habe. Ich will einfach nicht mehr privat diskutieren, ob Facebook für einen Sinn macht. Das sollte nach 10 Jahren und mehr als 1,2 Milliarden Nutzern überflüssig sein.

Zum Schluss noch 100 lesenswerte Fakten zu Facebook bei Meedia.

 

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