Quizduell – Oder warum darf man bei Wer wird Millionär kein Google nutzen?

Seit kurzer Zeit macht eine neue App Furore: Quizduell. Es lehnt sich sehr an “Wer wird Millionär” an. Man erhält eine Frage und vier Antwortmöglichkeiten, wovon eine richtig ist. Der Unterschied zu allen anderen Spielen ist hier, man spielt gegen andere Menschen und die Fragen kommen auch von anderen Mitspielern. Inzwischen sollen über 25.000 Fragen im System sein und es kommen täglich bis zu 500 dazu.

Nach einem durchgespielten Wochenende muss ich sagen, das bringt richtig Spaß. Nicht umsonst hat WWM einen so großen Erfolg und das Prinzip hat sich schliesslich auch bewährt. Quizduell verläuft asynchron, d.h. man spielt gegen jemanden Unbekannten, einem schon vorhandenem Quizduell-Freund oder man verknüpft es mit der Facebook Freundesliste (und wieder so ein Social Media Feature). Die anderen Netzwerke, wie  G+ und Twitter fehlen allerdings noch.  Nach der Anmeldung (entweder mit Facebook Account oder einen eigenen Quizduell-Account) kann man sofort loslegen. Man wählt einfach Spiel gegen Unbekannt aus und jemand auf der Warteliste meldet sich. Man kann dann ein Themengebiet wählen, z.B. Sport, Kunst, Aus dem Labor, Kinofilme usw. und erhält eine Frage. Erscheint die Frage kommt auch schon der Countdown und man hat ca 10 Sekunden um eines der vier Antwortfelder zu selektieren. Nach sechs Runden mit 18 Fragen ist es dann vorbei und man erhält die finale Auswertung und Punkte für die Bestenliste. Leider spielen nicht sehr viele Mitspieler alle sechs Runden zu Ende. Ein sehr großer Nachteil des Spiels, was mich unglaublich stört. Allerdings, und das habe ich erst heute rausgefunden, werden Spiele, wo der Gegenspieler ca. 72 Stunden nicht reagiert hat, als gewonnen gewertet. Spieler, mit denen man gerne spielt und die auch alles sechs Runden zu Ende spielen, sollte man auf seine Freundesliste setzen.

Warum ist aber das Spiel so erfolgreich?

Genau kann ich das nicht erklären, aber vermuten. Ich denke mit dem Gefühl gegen echte Menschen zu spielen, macht es einfach mehr Spaß. Natürlich ist der riesige und sehr moderne Fragenkatalog auch ein Spielgrund. Das der Erfolg da ist, merkt man an der Highscore-Liste. Ich glaube am Freitag war ich dort letzter. Als Neuspieler müsste ich ungefähr auf Platz 6,8 Mio gewesen sein. Heute ist Montag und ich bin Platz 486.121 von 7 Mio. Mitspielern. Das würde bedeuten, dass es alleine dieses Wochenende knappe 200.000 neue Mitspieler gab.

Quizduell Highscore-Liste

Quizduell Highscore-Liste mit Themen-Übersicht

Alle Bewertungs- und Vergleichssysteme sind immer motivierend. Nicht für jeden, aber doch funktioniert es. Wie man in der Übersicht sehen kann, hab ich 81 Prozent meiner Spiele bisher gewonnen und das liegt natürlich nicht daran, dass ich schlau oder intelligent bin. Nein und hier komm ich auch zum eigentlichen Punkt, ich habe so viele korrekte Antworten, da ich viele Antworten google. Ist das Betrug? Ist das Medienkompetenz? Oder ist das der Einsatz aller zur Verfügung stehenden Mittel?

Wenn man nur 10 Sekunden für die Antwort hat, muss man schnell googeln. Außerdem kann jeder bei dem Spiel googeln, also es Betrug zu nennen, würde ich hier ausschliessen. Man benötigt jedoch zwei Geräte z.B. Laptop und Smartphone. Natürlich kommt es auch auf die Fragen an, denn die Hauptstadt von Australien zu googeln ist extrem einfach. Da reicht schon oft die Google Now Übersicht oder die Autovervollständigung in der Suchmaske. Allerdings gibt es auch viele Fragen, die man nicht googeln kann, oder man braucht extrem lange dafür. Viele Fragen sind auch einfach zu speziell und für Spezialisten, wenn z.B. Nebenrollen Darsteller von Serien oder Gegner in Compterspielen gefragt werden. Hier wünsche ich mir, didaktisch bessere Fragen.

Warum darf man bei “Wer wird Millionär” kein Google nutzen?

Und hier kommen wir jetzt zum Pudels Kern (das ist übrigens aus Gothes Faust, auch eine Quizduell Frage). Denn wer ist denn jetzt intelligent? Ich, der in 10 Sekunden einfach ganz viele Fragen beantworten kann, oder der andere, der alles auswendig weiss, aber zu dumm ist, auch Google zu nutzen? Das gleiche gilt natürlich auch für den Schulunterricht. Wir nehmen dem Schüler oft alles weg (Smartphone, Tablet, Bücher) und fragen nach dem Wissen, was er auswendig weiss und prüfen nicht seine Kompetenz, die Fakten extrem schnell zu recherchieren. Wir üben das noch nicht einmal, aber im Alltag ist Zeit die wertvollste Ressource. Wer schneller ist, schafft einfach mehr Arbeit weg und ist dann auch wertvoller für den Betrieb und sollte dementsprechend auch mehr verdienen. Was mich dann auch zu den Quizshows bringt, denn gerade hier leben wir ein falsches Verständnis von Wissen vor. Warum hat bei WWM nicht jeder ein Tablet mit Internet zur Verfügung? Das würde ganz schnell zeigen, was Wissen heute wert wäre und wie man pädagogisch sinnvolle Fragen zu stellen hat. Man sollte sich nämlich auch in der Unterhaltung dem Internet stellen und nicht Showkonzepte aus den Anfangstagen des Fernsehens verwenden. Man sollte in der ganzen Gesellschaft vorleben, dass sich mit dem Internet etwas geändert hat und hier ist das Fernsehen, als auch die Lehrer und Eltern gefordert. Der Taschenrechner ist inzwischen auch erlaubt (hoffe ich), dann muss auch irgendwann das Internet in den Unterricht kommen. Natürlich nicht immer aber es gar nicht zu machen, ist bestimmt keine Lösung.

Schlussendlich zeigen sowohl Quizduell als auch WWM, dass einfache Konzepte wie die Multiple-Choice-Fragen zusammen mit Social-Networks und Aktualität funktionieren. Auch wenn die Fragen nicht absolut pädagogisch wertvoll sind, aber im Gegensatz zu vielen anderen pädagogischen Konzepten, funktioniert dieses KISS-Prinzip höchst erfolgreich. Das lernen mit dem Smartphone kurzweilig an der Bushaltestelle, in der Warteschlange oder im Cafe macht nämlich Spaß . Es müssen aber auch die richtigen Fragen gestellt werden.

 

PS Wer mich bei Quizduell fordern will, mein Username ist “onlinebynature”.

 

 

 

  1. Wer beim spielen bescheisst, hat den Sinn dieses Spieles nicht verstanden. Es geht nämlich nicht darum, wer am geilsten googeln kann. Und: Das macht Dir Spass? Was gibt es nur für seltsame Menschen auf dieser Erde!

  2. Ich seh das genau wie onlinebynature.
    Warum gibt es Formelsammlungen oder den Pons bei Physik/Latein-Klausuren in der Oberstufe:
    Weil es viel wichtiger ist, zu wissen wie man gut und schnell recherchiert, als dumpf alle Vokabeln auswendig zu lernen.

  3. Nö! Meine Erfahrung hat gezeigt, dass ich die Fakten, die ich “dumpf auswendig” gelernt habe, heute verdammt schnell abrufen kann. Schneller als ich in Google oder Wikipedia eintippen und damit nach Eurer Definition “recherchiere”. BTW: Was machst in einem Funkloch? Wissen, wo es steht, gemischt mit einer gehörigen (überwiegenden) Portion Autohirnarchiv ist die Antwort für mich auf diese Frage.

  4. Nehmen Sie auch einen Bündel 1000er aus Ihrem persönlichen Monopoly mit, wenn Sie bei Freunden spielen gehen? Das wäre analog ihren Ausführungen doch ebenfalls nur der Einsatz aller zur Verfügung stehenden Mittel.

    Meiner Meinung nach ist das eine unehrenhafte Einstellung. Ich betrüge doch nicht, nur weil ich es kann. Erfahren Sie ernsthaft daraus irgendeine Form von Befriedigung, wenn Sie auf diese Weise “gewinnen”?

    • Man könnte sagen der Beitrag polarisiert etwas. Da ich bisher noch keine Spielregeln für Quizduell gefunden habe, kann man schlecht von Betrug sprechen, jedoch geht es natürlich auch um Moral. Was mich jedoch verwundert ist, dass die eigentliche Frage des Fortschritts und ob man alles nutzen sollte nicht beantwortet wird. Im Auto werden natürlich Navi-Systeme genutzt oder ABS oder EPS, aber im Spiel oder in der Schule nicht. Natürlich kann man die andere Richtung auch weiterdrehen, denn darf ich bei Trivial Pursuit Google nutzen oder soll ich bei Sudoku das Rätsel mittels Goggles lösen und was ist mit Schach? Für mich keine leichte Antwort und ich habe beim googeln auch keine Befriedigung, aber ich finde solche Spiele nicht mehr zeitgemäß (hab auch inzwischen aufgehört). Ich wollte ja auch nur zum Denken anstossen, scheint auch etwas zu klappen 🙂

  5. Sie wissen, dass Sie betrügen. Also ist es ein Betrug und Sie ein gewöhnlicher Betrüger.
    Ansonsten hätten doch die Quizduell Macher, eine Google Suchleiste eingefügt.

    Teile Sie doch einmal zum Beginn jeden Spiels Ihrem Gegner mit, dass Sie die Antworten googeln.
    Auf die Reaktion wäre ich gespannt…

    • Viel wissen von meinem Blogbeitrag her, dass ich google. Andere googeln auch, wieder andere fragen nach, ob ich google. Gestört hat es bisher keinen. Die Grundfrage bleibt ja auch. Ist es Betrug jemanden anderen zu fragen, es im Lexikon nachzuschlagen oder eine Sache zu googeln? Ist Wissen im Kopf oder ist Wissen, wenn man weiss wo es steht? Wenn das Wissen im Kopf, das korrekte Wissen ist, warum sollten nicht alle Kinder in der Schule alles auswendig lernen? Das vermitteln wir aber nicht, sondern wir vermitteln Kompetenzen, nämlich, wie man sich Wissen aneignet. Die Konsequenz ist daher, dass man googeln sollte, da man Recherche beherrscht.

      • Interessant für dich ist vielleicht der Essay “Erfindet euch neu” von Michel Serres, auf Deutsch bei Suhrkamp erschienen. Eine philosophische Handreichung für den digitalen Menschen von heute. Ich finde den Ansatz (von dir umd ihm) zumindest sehr bedenkenswert. Gruß, Nono

  6. Heisenberg says:

    Herr Wittke…haben sie sich schonmal die frage gestellt warum quizduell eine zeitbegrenzung von ca.10 sekunden eingebaut hat? Leute die bei einem allgemeinwiisens-spiel betrügen haben keine klasse und kein format……einmal bitte in die ecke stellen und ganz doll schämen….pfui

  7. Heisenberg says:

    Was halten sie den von dem begriff “fair play”???? Nicht viel anscheinend…..Wegen spielern wie sie wird quizduell schnell wieder an reiz verlieren….gegen betrüger spielt nämlich keiner gerne…..und da können sie jetzt gegenargumentieren wie sie möchten-für ihr unsportliches verhalten gibt es keine entschuldigung…..

  8. Also mir hat das Spiel bis vor ein paar Wochen wahnsinnig viel Spaß gemacht. In meinem Bekanntenkreis sagt man mir nach “alles” zu wissen (vielleicht bin ich ja ein Auswendigwisser oder Klugscheisser, vielleicht lese ich einfach nur viel und es bleibt ein wenig hängen) und ich half einem Freund bei der Beantwortung einiger Fragen in ein paar Runden. Ich habe mir die App dann runtergeladen und 24 von 26 Partien gewonnen (2 Unentschieden; Durchschnittspunktzahl 12 Punkte). Dann traf ich offenbar meinen Meister, denn ich verlor gegen einen (unbekannten) Spieler, den ich ob meiner gekränkten Eitelkeit auch immer wieder herausforderte, 6 mal in Folge. Dann schöpfte ich Verdacht: der googelt doch!? Er wusste mit wenigen Ausnahmen fast alles, selbst die absurdesten Fragen wie z.B. ab welchem Level man bei Computerspiel XY ein zusätzliches Leben bekommt usw. (sinnlose Fragen ohne jeglichen Wissenswert). Ich probierte es aus und tatsächlich: ich musste die Fragen nicht einmal ausformulieren, denn sie wurden von google automatisch ergänzt (was bedeutet, dass das viele Leute machen). Seitdem finde ich das Spiel zum Kotzen! Für mich ist es Betrug! Ich weiß auch, wie ich an Informationen komme (genauso wie ein Sportler weiß, wie er an Dopingmittel rankommt), das muss ich nicht bei einem Quizspiel lernen.

  9. Ich empfehle sich mal bei quizup anzutreten, hier kann nur jemand gewinnen der die Antworten weiß. Jede Sekunde gehen Punkte verloren. Wer Google verwendet und seine 5-9 Sekunden benötigt seine Medienkompetenz einzusetzen hat dort keine Chance. Ich antworte im schnitt in 1,5 Sekunden. Die jämmerlichen Googler die in Quizduell auf die volle Punktzahl kommen würden dort nur 1/10 der Punkte erreichen und IMMER verlieren!

    onlinebynature probier’ es mal aus, hahaha!

    Ich erwarte schon deinen Blog Post:
    onlinebynature ich finde Quizup voll doooof weil ich da verlieren tu bähähäaa – ohne googling kein Spaß für onlinebynature, quizup voll unmodern, online by nature sagt: Wissen ist doof nur googling = Intelligenz.
    Quelle: Google Now, wikipedia.

  10. petra szymanski says:

    Wenn man nicht rechnen kann, kann man nicht kontrollieren, ob man sich evtl. vertippt hat. Ganz grob sollte man abschätzen können, ob z. B. bei Der Aufgabe 3 mal 8 das Ergebnis 35000 sein könnte.
    Nachdem man eine Sache beherrscht, kann man sich die Arbeit erleichtern, vorher halte ich es für Unsinn.

  11. Haben diejenigen, die das googeln als Betrug bezeichnen, sich eigentlich schon mal gefragt, warum FEO für die Beantwortung der Fragen 20 Sek. Zeit läßt? Ich meine, wenn ich eine Antwort auf eine Frage weiß, dann brauche ich vielleicht 5 max 10 Sek. um die Antwort anzutippen. In 20 Sek kann man dagegen googeln und es gibt nirgendwo eine Regel, die das verbietet, meines Erachtens ist es aufgrund der Zeit, die zur Verfügung steht, sogar ausdrücklich erwünscht.
    Im übrigen ist das ergoogeln der Antworten nicht so einfach, wie manche das hier darstellen. Man muss schon die richtigen Suchbegriffe auswählen, aber auch dann ist es oft nicht so einfach, aus den angezeigten Suchergebnissen die entscheidende Information zu ziehen.
    Die Frage ist doch: Wie definiere ich Intelligenz? Gespeicherte Informationen abrufen, oder Lösungen auf Fragen in möglichst kurzer Zeit zu finden; wer sich die einschlägigen IQ Tests anschaut kennt die Antwort (und das ohne zu googeln)

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