MOOCcamp 2013 – Ein Rückblick mit Ausblick

Das Jahr 2013 ist nun Geschichte und ich finde noch einmal Zeit, die letzte Konferenz des Jahres Revue passieren zu lassen. Am 13/14.Dezember gab es das MOOCcamp in Frankfurt, wo es nur um das Hype Thema MOOC ging. Ein Erfahrungsaustausch um Massive Online Open Courses, die nun auch endlich in Deutschland angekommen sind (ging eigentlich ziemlich schnell, das haben wir dann doch wohl iversity und dem Stifterverband zu verdanken) und nächstes Jahr wird mit iMOOX auch Österreich erobert.

In Frankfurt trafen sich ca. 80 MOOC Interessierte zu einem sehr gut organisiertem Erfahrungsaustausch. Vom Anfänger, Teilnehmer bis zum Veranstalter waren alle vertreten. Der erste Tag war traditionell gestaltet, d.h. vorne war ein Redner und das Publikum wurde mit Powerpoint beschallt. Das ging am ersten Tag erstaunlich lange und war durchaus spannend, denn eigentlich waren alle Sessions sehr gut, dazu aber jetzt  mehr in der “Einzelkritik”.

Die Agenda kann man hier nachlesen:

Als erster war unser deutscher “Godfather of MOOC” Jörn Loviscach dran und erzählte sehr spannend und ironisch seine Sichtweise zu Rettung der Welt mit xMOOCs. Da er seinen Vortrag auch immer selbst aufzeichnet, kann man die Session schon geniessen.

Ich fand den Vortrag sehr schön und es war sicherlich eines der Highlights von Frankfurt. Die Essenz ist die immer wieder spannende Frage, ob das Lernen automatisiert werden kann. Ich denke das übrigens nicht, aber sie kann viel effektiver sein und vor allem, kann sie viel offener sein. Denn viele Lerner brauchen keinen Unterricht, sondern nur Inhalte. Lehrer denken jedoch oft umgekehrt und sagen, ohne mich versteht keiner meine Folien, Vorlesungen oder Skripte. Die Wahrheit ist jedoch, dass jeder in seinem eigenen Mikro-Öko-Lernsystem ist und er es selbst steuern will. Die andere Wahrheit ist aber auch “Macht der Lehrer seinen Unterricht so, dass man ihn auch durch einen Film ersetzen könnte, dann sollte man das auch machen.”

Danach hatte openHPI das Wort bekommen und Christoph Meindel stellte die MOOC Plattform des Hasso-Plattner-Instituts vor. Sehr beeindruckende Zahlen mit teilweise über 20.000 Kursbuchungen und dabei 30% Absolventen kann HPI zeigen, dass es mit kleinen Anreizsystemen und persönlichen Ansprachen die Abbruchquoten sehr verringert werden können (Standard sind ca. 10% Absolventen).

Dann gab es die große cMOOC Runde und leider auch mein kleiner Kritikpunkt, denn hier hat man gesehen, dass zu viele Köche doch den Brei verderben. Da jeder cMOOC nur ganz kurze Redezeit hatte, kam es bei der Präsentation zu keiner Tiefe und daher kaum neues zu berichten. Man sah aber deutlich, dass cMOOCs extrem höheren Betreuungsaufwand haben und inwieweit hier das Wort “Massive” überhaupt Gültigkeit haben kann, wurde leider nicht diskutiert. Ich glaube der kleinste cMOOC hatte 157 Teilnehmer und der größte 1400. Wenn man dann “Story Telling” mit 85.000 Teilnehmern oder AI von Sebastian Thrun mit 150.000 sieht, dann versteht man schon, dass es sich um zwei völlig unterschiedliche Konzepte handelt. Hier macht dann auch die Unterscheidung zwischen xMOOC und cMOOC Sinn.

Danach hat Felix Seyfarth den MOOC über Städteentwicklung der Leuphana Uni mit ca. 1500 Teilnehmern vorgestellt. Ein Prestigeprojekt der Uni im Rahmen der neuen Strategie rund um Weiterbildung und digitale Lehre. Der Vortrag ar wieder sehr spannend, jedoch etwas schwer zu übertragen. Auch hier wurde mehrmals darauf hingewiesen, dass es zwar sehr schön ist, wenn ein Kind aus Pakistan zwar jetzt an einem deutschen englischsprachigen MOOC teilnehmen kann, aber die Regel lautet: Der normale MOOC Teilnehmer ist männlich, hat schon ein Studium abgeschlossen, ist berufstätig und ist intrinsisch motiviert.

Dann kam der Vortrag der Uni Mainz. Die einzige Uni, die im Moment offen über ihre Hochschulstrategie spricht. Mainz plant für das Jahr 2014 über 10 MOOCs, die auch im Curriculum verankert werden sollen. Zuerst sind es natürlich Prototypen, aber später wird die berühmte Frage der Anrechnung (die leider fast gar nicht in Frankfurt diskutiert wurde) kommen und dann wird der Begriff “Open” auch eine neue Bedeutung bekommen. Das wird auch das große spannende Thema für die MOOCs 2014 werden. Hier hätte die Konferenz vielleicht eine Podiumsdiskussion vertragen können, aber wie schon erwähnt, es fanden sich keine Redner für diese Themen. Es muss auch noch etwas für das kommende MOOCcamp2014 bleiben 🙂

Zum Abschluss gab es dann noch die Tracks zu den Perspektiven. Hier möchte ich einmal explizit auf den Vortrag vom CHE verweisen “Hochschulbildung als Regelfall – Was können MOOCs dazu beitragen”. Ich weiss, dass der CHE oft kritisch gesehen wird, aber er stellt wenigstens die richtigen Fragen und das auch laut genug. Wenn man sich die demografische Entwicklung anschaut und die Kosten der Unis vergleicht, brauchen wir hier unbedingt harte Entscheidungen (man könnte das auch Reformen nennen) und wie in fast jeder Branche, bietet die Digitalisierung hier sehr Möglichkeiten. Ich will jetzt gar nicht von E-Learning oder MOOCs reden, es gibt auch genug Potential bei OER, Digitale Bibliotheken, Identity Management, Mobil Learning, BYOD und E-Lectures. Man merkt, die Themen sind sehr verzahnt und man kann sich schlecht nur ein Thema speziell behandeln (wie hier MOOC).

Da die Vorträge vom MOOCcamp noch nicht online sind, verweise ich hier auf den CHE Vortrag aus Berlin “MOOC and beyond

Den Abschluss des ersten Tages bildete ein geselliger Abend am Frankfurter Römer. Vielen Dank für die nette Organisation an dieser Stelle und ich möchte auch noch einmal schreiben, dass ich immer empfehle, an diesen Abenden teilzunehmen. Hier werden oft sehr interessante Gespräche geführt und man lernt viele Menschen gut kennen. Ich erlebe oft im Vorwege einer Konferenz, dass man darauf verzichtet, da man sich genötigt fühlt oder es einem nicht behagt. Da sind natürlich viele Menschen auch anders, aber ich hab noch nie eine schlechte Abendveranstaltung erlebt.

Der zweite Tag stand dann ganz im Zeichen des Camps, also im Sinne einer Unkonferenz konnte man frei seine Vorschläge einreichen. Das Highlight war natürlich der Vortrag über den #MatheMOOC von Christian Spannagel, der eigentlich am ersten Tag Platz hätte finden müssen, aber aus Zeitgründen am Samstag stattfand. Ich habe mir dann noch den sehr schönen Vortrag über die Badges von Jörg Lohrer angeschaut und werde seine Anregungen auch vertiefen. Wir werden bei oncampus und der Virtuellen Fachhochschule nächstes Jahr Badges für Dozenten einführen, was anscheinend ein neuer Weg der Badges-Nutzung ist. Für mich war es ein logischer Weg, jedoch wehren sich Lehrer/Dozenten seit Jahren erfolgreich gegen eine transparente und bewertbare Lehre, auf der anderen Seite bewerten sie Schüler und Studierende ganz einfach mit Noten von eins bis fünf. Der Höhepunkt war dann noch die Anmerkung, dass man Kompetenzen mit einem Badge nicht auszeichnen könne. Allerdings gibt es seit Jahren Standard-Verfahren über Kompetenz-Beweise mit Badges, nur nennen wir die Badges anders, z.B. Urkunde, Führerschein, Zertifikat. Gibt man dem Kind allerdings einen neuen Namen, muss man alles neu darlegen.

Infos und Dokumentation über die Sessions gab es ganz transparent und bewährt in der Cloud, mittels Gdrive und Etherpads. Dem aufmerksamen Leser wird vielleicht aufgefallen sein, dass ich auch etwas über MOOC Produktionskosten und Aufwand berichtet habe, aber das wird ein eigener Blogbeitrag werden.

Resume

Das MOOCcamp13 war eine rundum gelungene Veranstaltung. Eine sehr schöne Organisation, tolle Leute, hochwertige Vorträge und eine angenehme Atmosphäre waren die Grundlagen dieser erfolgreichen Veranstaltung. Allerdings frage ich mich immer, ob das Thema MOOC eine eigene Konferenz rechtfertigt oder nur ein Track einer großen Konferenz darstellt. Im Moment sind MOOCs hip, aber in zwei bis drei Jahren werden sie wohl Alltag sein. Außerdem stellen MOOCs imho nichts besonderes dar, außer dass endlich gezeigt wird, wie E-Learning richtig funktionieren kann und wie man damit dann auch skalieren könnte. Das war aber schon immer der Anspruch des E-Learning, aber niemand hat es laut konsequent zu Ende gedacht. Man kann also quasi von der Wiedergeburt des klassischen E-Learnings sprechen und daher bietet das Thema auch nicht viel neues. Allerdings schafft man es mit Kursgrößen von über 100.000 Teilnehmern in die New York Times oder in Die Zeit. Wie alle E-Learning Themen, kann man MOOCs nicht alleine sehen, sondern (und das hat man am zweiten Tag bemerkt) nur ergänzend mit anderen Bereichen, seien es Badges, BYOD, E-Lectures, Learning Analytics. Diese Themen werden aber alle auf anderen Konferenzen behandelt, nur die politischen Themen wie Anrechnung, Urheberrecht, OER und offene Hochschulen, sind bei den MOOCs wirklich neu und spannend.

Im Jahr 2014 werden wir in Deutschland eine MOOC-Schwemme bekommen und danach die Ernüchterung. Werden Hochschulen einen Auftrag bekommen offene MOOCs anzubieten? Können private Anbieter, wie iversity mit MOOCs ein tragendes Geschäftsmodell finden? Ist das dann der Beginn des Ausverkaufs der Hochschullehre und der Untergang des Abendlandes? Letzteres ganz sicher nicht, aber man diskutiert gerne über vieles. Es bleibt spannend und im März ist unser Marketing MOOC beendet und wir haben dann auch erste Kennzahlen und Analysen vorliegen.

 

 

 

  1. Die Kritik an der cMOOC-Session kann ich gut verstehen, dennoch fand ich den Versuch gut, die cMOOCs zusammenzufassen und zu versuchen, eine gemeinsame Diskussionsbasis zu schaffen. Wir haben uns bei anderen Gelegenheiten schon so viel von uns erzählt, da kann man das in einen Talk nehmen. Vielleicht hätte etwas mehr Struktur o.ä. dem ganzen gut getan (jeder stellt in 60sec seinen MOOC vor, dann jeweils eine Frage allgemeiner Natur..), aber das wurde ja durchaus schon versucht. Der Spagat war sehr breit, und für einen ersten Versuch dennoch ganz gut gelungen. Details kommen ja auch sonst kaum auf Konferenzen zur Sprache 😉

    • Ja stimmt die Idee war auch gut. Ich weiss auch nicht woran es genau lag. Die Moderation war auch gut, trotzdem kamen zu wenig Infos rüber. ich denke, weniger ist oft mehr. Eine exklusive Vorstellung eines cMOOCs? Das gleiche hab ich auch bei der Podiumsdiskussion gedacht, wo der Gegenpol gefehlt hatte. Wenn zwei Leute immer das gleiche sagen, ist einer überflüssig. Definitiv war es wichtig die cMOOC-Landschaft in Deutschland zu zeigen und natürlich auch die Breite. Das ist auch sehr gut rübergekommen.

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