Meine Geschichte zum Schulbuch-o-mat

Diesen Bericht wollte ich schon sehr lange schreiben und jetzt ist es endlich soweit. Vielleicht weiß es der eine oder andere schon, denn das erste freie Schulbuch Deutschlands, der Schulbuch-o-mat (SBOM) läuft auf unserer LOOP Plattform. Warum? Ganz einfach, weil es der Zufall so ergab:-)

Vorgeschichte

Vor ca 18 Monaten habe ich einen Artikel auf Netzpolitik.org gelesen, wo es um das Crowdfunding Projekt SBOM ging. Wir hatten zu dem Zeitpunkt gerade beschlossen LOOP weiterzuentwickeln und hatten unseren alten XML Prozess aufgegeben. Das seltsame dabei war, dass wir unseren XML Prozess gemeinsam mit der Uni Zürich und deren eLML Plattform abgestimmt hatten, aber eLML war zu dem Zeitpunkt quasi tot und daher war unser Ansatz auch gestorben. Wir hatten danach das Projekt LOOP begonnen und der SBOM wollte gerade eine EBook Plattform evaluieren und eLML gehörte zur engeren Auswahl. Ich hatte dann dem SBOM geraten Abstand von eLML zu nehmen und habe auch von LOOP gesprochen, aber ich hätte nie gedacht, dass die Jungs unseren Prototypen auswählen würden. Allerdings habe ich dies etwas gehofft:-)

Dann nahm die Geschichte ihren Lauf. Der SBOM hatte sich für LOOP entschieden und es geschafft die 10.000 Euro Funding zu bekommen. Danach hatte der SBOM echte Schwierigkeiten genug Autoren für die Umsetzung des Bio Buches zu bekommen, und wenn sie welche bekommen haben, wurde es schwer diese zu koordinieren. Auf unserer Seite hatte LOOP dann ein ernsthaftes Spam Problem, was wir nicht so richtig in Griff bekommen hatten. Nach kurzer Zeit änderte der SBOM dann seine Strategie und beschloss ein US Bio Buch zu überführen und in LOOP einzustellen. Dadurch kamen sie extrem schneller vorwärts, hatten ein ausgereiftes didaktisches Grundkonzept (viele behaupten generell, dass US Schulbücher eine bessere Didaktik haben), es fehlte nur eine Übersetzung und schöne Grafiken. Ich hatte parallel erste Erfahrungen mit unseren LOOPs gesammelt und kam zu ersten Ergebnissen, die dem SBOM gleichten. Ein leeres LOOP kann nicht einfach von einer sich fremden Masse unkoordiniert befüllt werden. Seinen es intrinsisch motivierte Lehrer, wie beim SBOM oder bei uns die erhoffte freiwillige Mitarbeit der Studierenden. Es braucht immer einen roten Faden, ein Konzept aber wem sag ich das. Der SBOM konnte dann mit seinem Konzept den Termin zur Veröffentlichung seiner Version 1.0 fast halten, was eine unglaubliche Leistung darstellt. Wer schon einmal ähnliche Projekte realisiert hat, kann das einschätzen. Die meisten reden nur, und nur ganz wenige machen wirklich etwas Reales. Der SBOM ist hier eine positive Ausnahme.

Parallel konnten wir im März unsere LOOP Version 1.0 fertigstellen und hatten nun endlich ein schönes Design – “Das Auge lernt mit” und auch der PDF-Export funktionierte gut und auch das Spam Problem scheint gelöst zu sein. Das waren die ersten wesentlichen Kritikpunkte. Ich habe jedoch bei der öffentlichen Diskussion mitbekommen, dass die meisten Beteiligten nur den Augenblick sehen, aber das Potential einer neuen Lösung selten erkennen. Ich will eigentlich nur sagen, dass sich mit LOOP und SBOM vor 12 Monaten zwei Prototypen sehr früh getroffen haben und damals keiner wusste, was dabei herauskommen wird.

Was kommt jetzt

Wenn wir jetzt anschauen was passiert, sind das wirklich spannende Geschichten. Der SBOM hat gerade Version 1.1 veröffentlicht und dabei, und da bin ich persönlich sehr Stolz drauf, sind sie weg gegangen von einem Lehrbuch, was man noch ausdrucken konnte, und hin gegangen zu einem Online Lehrbuch mit den ersten Vorteilen von vernetzten Inhalten. Inzwischen sind YouTube Videos, LearningApps und Prezis enthalten. Es gibt Reflexionen, Aufgaben und Vertiefungen und dadurch sieht man, dass Lehrbuch wurde lebendig und das kann nur auf digitalem Wege geschehen. Ich nenne das “CloudBook” und man sieht die wahren Vorteile dieser Lösung, denn eine Überarbeitung und Ergänzung der Ursprungsversion ist problemlos möglich und alleine das Zeitintervall von 3 Monaten zwischen Version 1.0 und 1.1 ist unglaublich kurz und zeigt das Potential der Browserlösung. Das liegt natürlich auch daran, dass der SBOM inzwischen den Ansatz des CloudBooks verstanden hat und umsetzen kann. Das geht nicht von heute auf morgen, denn immerhin haben wir davor 500 Jahre Buchdruck erlebt. Parallel sehe ich die gleichen Vorgänge bei uns intern geschehen, denn die ersten LOOPs werden jetzt zum zweiten mal unterrichtet und die Profs verbessern selbst ihre LOOPs und erweitern sie mit multimedialen Elementen, die entweder selbst produziert werden (Camtasia, LearningApps) oder als freie OER Inhalte im Netz gefunden werden (YouTube, Wikipedia, Prezi, Pixabay).

Für uns bedeutet dies, dass die kleine Pflanze LOOP langsam anfängt zu wachsen und unsere Vision der Qualitätsverbesserung durch Aktualisierung und Multimedia (teilweise durch OER) ganz allmählich Wirklichkeit wird. Wir wissen natürlich, dass das ein sehr langer Prozess ist, aber auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Wir wissen aber auch, dass es bisher noch keine große Hilfe aus der Community (Wisdom of Crowds) gab und es hier wirklich noch ganz neue didaktische Ansätze geben muss. Der SBOM versucht es mit einem Hackathon und wir vielleicht mit Anreizsystemen wie Badges oder auch Zensuren oder Geld. Tatsache ist, dass LOOP unglaublich spannend ist und wir hier völlig neue Wege gehen.

Update:

Ich hatte die erste Version dieses Textes auf Dienstreise mit einem iPad geschrieben und dank der “komischen” Tastatur und der automatischen Textvervollständigung und den fehlenden Cursortasten, gab es eine Menge Schreib- und Verständnisfehler. Man möge es mir verzeihen 🙂

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