Das digitale Deutschland in der Sackgasse, aber es gibt Hoffnung

Es ist schlecht bestellt um Deutschlands Zukunft könnte man meinen. War das 20 Jahrhundert noch geprägt von der Industrialisierung, so steht die Digitalisierung für das 21.Jahrhundert. Der Wandel ist überall zu spüren, denn wenn auch die deutsche Autoindustrie Rekordumsätze meldet, so ist das nichts um Vergleich zu den globalen IT Riesen, wie Google, Intel, Facebook und natürlich Apple. Das bis vor kurzem noch wertvollste Unternehmen der Welt stellt weiterhin mit jedem iPhone oder iPad neue Rekordumsätze her.

In Deutschland gibt es jedoch keine nennenswerte IT Industrie. Zwar hat der gute Konrad Zuse den Computer erfunden, doch gebaut wird er woanders. Wir haben auch keinen nennenswerten Handy-Hersteller und bis auf SAP gibt es in Deutschland auch kein größeres IT Unternehmen. Auch bei der Spieleindustrie sind die Global Player Nintendo, Sony und Microsoft woanders, selbst die erfolgreichsten Spiele kommen nicht aus Deutschland. Unsere Sozialen Netzwerke sind inzwischen unbedeutend oder nutzt noch jemand “Wer kennt wen” oder StudiVZ? Man kann das gerne weiterdenken, denn wir stellen keine PCs her, entwickeln keine Laptops und auch keine Netzwerkkomponenten. Es gibt keine berühmten Apps und auch keine globale Software, wie Microsoft oder Adobe kommt aus unserem land der Dichter und Denker. Was mich besonders verschreckt, nicht einmal bedeutende Niederlassungen von Amazon, Apple oder Google gibt es in Deutschland. Die sitzen alle entweder in der Schweiz oder in London.

Warum könnte das so sein?

In den letzten Jahren hat sich in Deutschland eine Digitalisierungsfeindlichkeit etabliert, die meiner Meinung nach erschreckend ist. Man muss das nur einmal alles aufzählen, wie wir mit dem netz umgehen. Wir haben die Störerhaftung, die freie  WLANS in Schulen, Bibliotheken und Geschäften verhindert. Wir verbieten Lehrern mit Facebook oder Google mit den Schülern zu kommunizieren. Wir verbieten dem öffentlichen Dienst globale Services wie Dropbox oder GoogleDocs zu nutzen. In Schulen werden Smartphones verboten und die Telekom führt eine Drosselung ein. Die Netzneutralität ist stark umstritten und die Vorratsdatenspeicherung ist nur um Haaresbreite verhindert worden. Wir haben ein Urheberrecht, was jegliche Form der Digitalisierung verhindert, es gibt einfach keine freien Inhalte im Netz und deren Verbreitung wird in jeglicher Form behindert. Die Rechte der Verlage und Rechteinhaber werden gestärkt und die der Verbraucher geschwächt. Vor allem warnt die Presse und die Massen-Medien immer und überall vor den Gefahren des Netzes, statt die Möglichkeiten zu zeigen. Sei es Cybermobbing, Massenpartys via Facebook, Google Streetview, Identitätsdiebstahl oder die allgegenwärtige Überwachung. Es wird immer das schlechte gezeigt.

Das Resultat ist erschreckend, denn die meisten Deutschen brüsten sich inzwischen Stolz damit, kein Smartphone zu nutzen, kein Google Account zu haben oder ein soziales Netzwerk zu nutzen. Das Analoge scheint gesellschaftlich anerkannt zu sein. Das hat aber fatale Folgen, denn die Digitalisierung ist der Jobmotor der Zukunft und wenn Deutschland die Weichen nicht umstellt, könnte die Zukunft fatal sein.

Was wird passieren?

Laut den letzten Infos, könnte die Politik vielleicht die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. So will die große Koalition wohl die Netzneutralität gesetzlich verankern und die Telekom ist mit der Drosselung vor dem Gericht gescheitert. Die Störerhaftung soll auch überdacht werden, aber der Teufel steckt im Detail. Sogar der Breitband-Ausbau soll gefördert werden. Wurde auch langsam Zeit, denn inzwischen sind wir in Europa, sogar hinter Rumänien gerutscht. Das alles muss jetzt zügig angegangen werden und eine große Koalition könnte das beschleunigen. Leider kommt das alles 10 Jahre zu spät und das meiste davon haben wir der CDU zu verdanken. Die einzige netzfreundliche Partei “Die Piraten” sind leider wieder im Niemandsland verschwunden und das obwohl es noch nie so viele netzpolitische Themen, wie heute gab. Wir können also nur hoffen, dass es aufwärts geht, denn viel tiefer können wir nicht mehr sinken.

 

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