Wie kann ein Lehrbuch von heute aussehen?

In den letzten 18 Monaten habe ich mir sehr viele Gedanken über Bücher, E-Books und E-Content gemacht. Schaut man sich einmal ein Buch von heute an, so so sieht es fast genauso aus, wie vor 100 oder 300 Jahren. Es gibt einen Einband und im Buch gibt es eine serielle Aufzählung von Inhalten, die durch Seitenzahlen geordnet und mit Kapiteln unterteilt sind. Oft finden wir noch Anhang, Index und Glossar aber das war es dann schon. Die Buchverlage denken inzwischen (sie haben von der Musik- und Filmindustrie gelernt), dass das nicht so bleiben muss. In der Vergangenheit war das Buch starr in einem Gerüst gezwängt, in einer Zwangsjacke gebunden. Das muss aber so nicht bleiben!

Heute hat fast jeder Internet, einen guten Bildschirm und einen PC und oft sogar noch ein Tablet und Smartphone. Das ergibt eigentlich fantastische Optionen. Gerade im Lehrbuch Bereich, könnte man auch Videos, Animationen, Übungsaufgaben mit Feedback aber auch Webdienste wie GoogleMaps, Facebook oder YouTube einbinden. Geographie könnte interaktiv werden, Biologie kann im Gartenfotos ergänzt werden und Matheaufgaben geben einen Lösungstipps. Vor allem aber, diese neuen Bücher würden nicht veralten, denn es gibt keine Auflagen mehr. Wenn man das Lehrbuch befreit, könnte es in einem Browser gelesen werden, der auf jedem Gerät zur Verfügung steht. Man braucht nur Internet und das war es. Dann gibt es auch keinen Streit mehr über Android und Apple oder über Adminstratorenrechte und Lizenzen oder Formate, wie PDF und ePub. Das Lehrbuch der Zukunft sollte in einem Browser laufen und auch dort bearbeitet werden, ähnlich wie in einem CMS oder einem Wiki.

Ein Lehrbuch der Zukunft sollte online gelesen, gelehrt und aktualisiert werden. Das löst unglaublich viele Probleme und ergibt, wenn man weiter denkt unendlich viele neue Möglichkeiten. Bin ich nämlich erst einmal online und digital, so könnte ich statt einer Biografie Seite des Autors, sein LinkedIn oder Facebook Profil einbinden. das ist immer aktuell und ändert sich dank Timeline ständig. Ich kann mir auch den Text interaktiv mit einer Text2Speech-Engine vorlesen lassen, die Texte von einem Translator übersetzen lassen, oder Textstellen in soziale Netze “kopieren” und diskutieren. Ob ein Buch sozial ist, diskutiert gerade Sascha Lobo mit seinem neuen Sobook Projekt, aber für ein Lehrbuch besteht die Möglichkeit, auf Dictionaries zu verlinken oder auf Lexika. Das gibt es ja alles schon im Netz und Plagiatssoftware ist auch online. Nie mehr abschreiben können, ein Segen für den Lehrer, ein Fluch für den Schüler.

Das schöne an diesen Gedanken ist, dass das inzwischen kein Traum mehr ist, sondern Wirklichkeit. Wir haben nämlich in den letzten 18 Monaten daran gearbeitet und die “CloudBooks” erfunden. Mit unserer neuen Autorenplattform “LOOP” kann man das alles fast schon machen und in den letzten Wochen und Monaten, hab ich das auch in Dresden, Kiel, Flensburg, Frankfurt und Berlin erzählt und am 4.November mach ich das dann auch noch einmal im Netz bei e-teaching.org.

  1. Ich denke, der Schulbetrieb an sich ist für jede Erleichterung dankbar. Allerdings sollte sich jeder Außenstehende, der Vorschläge á la Schulbuchersatz machen möchte, sich mit der aktuellen Schulrealität vertraut machen. Die eigene Schulerfahrung zählt nicht (veraltet) und fantastische technische Möglichkeiten sind ohne die Anpassung an die organisatorischen und pädagogischen Gegebenheiten irrelevant(!!!).
    Es bringt auch nichts, die ohnehin schon besonders Technik affinen Lehrer anzuvisieren, stattdessen müssen Bonbons für die durchschnittliche Lehrkraft her.
    Ohne LOOP gesehen zu haben glaube ich jetzt schon, dass die Möglichkeiten bezaubernd sind. Technische Neuerungen für die Schule müssen aber ähnlich perfekt sein, wie man sie sich für Operationssäle wünscht: ausfallsicher, instantan verfügbar in jeder Hinsicht, ach ja: und bedienbar für Technikferne.
    Auch wir bei Schulkontext.de entwickeln etwas für die Schule, aber wollen nicht besser wissen, sondern zuhören und helfend entwickeln. Vielleicht braucht die Schule nicht jedes Mal einen Ersatz für irgendetwas, sondern Hilfe bei vorhandenen Problemen.
    Ich freue mich auf die Vorführung.

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