Meine L3T Geschichte

Letzten Mittwoch war es vollendet und das “Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien” (L3T) in der Version 2.0 würde pünktlich veröffentlicht. Wer es nicht kennt, das Buch behandelt verschiedenste Themen rund ums E-Learning und der Technik dahinter  (ich nenne das oft sehr einfach Techdaktik). Das Buch wendet sich besonders an Lehrer und Dozenten, die einen Leitfaden für verschiedenste Themen benötigen. Den Bedarf gibt es, denn Version 1.0 wurde unglaubliche 241.000 heruntergeladen. Doch Bücher über Technik und E-Learning veralten sehr schnell und daher wurde eine Überarbeitung nötig und das auch noch unter der freien Creative Commons Lizenz CC-BY-SA. Als es den Aufruf zur Version 2.0 gab, hab ich dann auch gleich meine Hilfe angeboten und tatsächlich wurde ich gebraucht. Ich durfte das Kapitel “Vom Overhead Projektor zum iPad” von Martin Ebner und Clemens Kröll überarbeiten und hab mein Bestes gegeben. Hier meine Sicht und meine Erfahrungen zu diesem Projekt.

Der Ablauf

Vor ungefähr drei Monaten gab es ein Etherpad, wo alle Interessierten ihre Ideen und ihre Schwerpunkte für eine Version 2.0 reinschreiben konnten. Ich hab das fleissig gemacht und habe wahrheitsgemäß geschrieben, ich würde was von E-Books, Webkonferenzen, Kollaborationswerkzeugen und Online-Fernstudiengängen verstehen. Eigentlich hatte ich Lust über unsere neue Autorenplattform LOOP zu schreiben, die im Moment eine großen Arbeitsschwerpunkt ausmacht. Das Thema wurde später an ein anderes Team vergeben und ich wurde höflich gefragt, ob ich das oben genannte Kapitel überarbeiten wolle. Ich hab sofort zugesagt, denn helfen wollte ich und was dabei die genaue Aufgabe war, war mir fast egal. Das Thema passte und Martin Ebner meinte auch, dass es wichtig sei (was ich nicht wirklich ernst genommen hatte, war aber ein Irrtum). Das Projekt unterschied zwischen Sprinter und Läufer, d.h. die Sprinter mussten in der vorletzten Augustwoche sich eine Woche einsperren und das Kapitel fertig machen, die anderen Läufer mussten ihre Version bis Ende Juli fertig sein. Ich entschied mich für den Läufer, da ich wusste, dass ich Ende August keine Zeit haben werde. Danach hab ich zwei sehr hilfreiche Leitfaden bekommen und sollte einen Text mit max. 3.500 Wörtern abliefern und es gab zwei Anmerkungen im Originaltext, die unbedingt verbessert werden sollten.

Natürlich hab ich den Termin Ende Juli nicht geschafft. Urlaubsvertretungen, Systemarbeiten, neue Projekte und Fortbildungen und natürlich auch Privatleben und der schöne Sommer machten mir einen Schnitt durch die Rechnung. Mitte August war der Text dann ein Tag vor dem Sprint endlich fertig. Ich hatte jedes Kapitel inkl. Überschrift überarbeitet und kam auf 4.500 Wörter. Das waren 1.000 zu viel und ich hab gnadenlos gekürzt. Nach Rücksprache mit Co-Autor Martin (Clemens hatte nicht mitgearbeitet) kamen wir dann auf ungefähr 4.000 Wörter, da es auch eine Überarbeitung und Aktualisierung sein sollte. Die könne leicht umfangreicher sein, als das Original. Der neue Name war dann “Von der Kreidetafel zum Tablet” und ich wartete dann gespannt auf den Review. Zwei Experten haben dann Rückmeldung gegeben und zwei Tage später, konnte ich den Text überarbeiten. Das war eine kurze Nacht für mich, da ich auch andere Termine hatte und das in meiner Privatzeit machen musste. L3T ist zwar ein schönes Projekt, aber es spielt für meine Arbeit keine wesentliche Rolle und eine Freistellung kriege ich dafür nicht.

Am Wochenende wurde das Kapitel dann auf Zitate und Gender geprüft und am Montag sollte ich noch die vertiefende Links in Diigo einpflegen. Das hab ich dann in der Mittagspause schnell gemacht 🙂 Über die Prozessmanagement-Plattform Trello war ich dabei stets auf dem laufenden und konnte mein Kapitel immer beobachten. Am Mittwoch wurde dann alles pünktlich per Live-Webkonferenz veröffentlicht. Mein Kapitel war eines der letzten, die fertig wurden. Das lag aber mehr an der Schlussreihenfolge, als an mir.

Die Autoren

Da kann ich gar nicht viel zu schreiben. Das Projekt L3T wurde von Martin Ebner und Sandra Schön organisiert und Martin war auch noch Autor meines Kapitels. Ich hatte am Anfang 5-7 Mails mit den beiden ausgetauscht, wobei es meist um die Autorenplattform ging und danach ging es noch zweimal um die Einhaltung der Termine. Da Martin aber unglaublich viel mit dem Projekt zu hatte, konnte er mit mir eigentlich gar nicht viel als Co-Autor diskutieren und ich hoffe, ich hab alles zu seiner Zufriedenheit geschrieben. Wir haben aber alle wesentlichen Punkte in zwei Skype Konferenzen geklärt. Ich denke auch, dass es daran liegt, dass wir sehr pragmatisch an die Sache gingen. Viel Diskussionen kann es bei dem Inhalt auch nicht geben. Es ging da nur um Fakten.

Die Motivation

Warum tut man sich das eigentlich in seiner Freizeit an? Das frage ich mich eigentlich jedesmal, wenn ich Nachts  (wie auch jetzt gerade) irgendwas ausarbeite. Vielleicht will man die Welt etwas besser machen, oder beweisen, dass man mit einer Theorie recht hat oder man will einfach berühmt sein und Anerkennung kriegen oder man ist einfach Idealist. Ich denke es ist die Mischung aus allem. Außerdem bin ich sehr beeindruckt, dass bei L3T einfach 260 Menschen virtuell oder auch in real-life zusammenkommen, um der Welt ein Buch zu schenken. Immerhin arbeite ich seit 12 Jahren im E-Learning Bereich und ich muss quasi jeden Tag Menschen überzeugen, dass es doch einfacher geht, mit dieser blöden Technik.

Und was passiert jetzt?

Das Projekt ist veröffentlicht. Man kann das Buch als PDF online anschauen oder runterladen. Alles ist umsonst. Später werden noch andere Versionen kommen u.a. HTML, ePub und ich werde auch noch eine LOOP Überführung, zumindest für mein Kapitel, machen. L3T hat eine schöne Visualisierung der Ergebnisse gemacht, u.a. eine Übersicht der Downloads.

L3T Downloads

L3T Downloads

Anscheinend ist mein Kapitel sehr beliebt, denn mit 186 Downloads von insgesamt 4444 ist es im Moment auf Platz 2 von 59 Kapiteln. Das ist natürlich auch der exklusiven Position im Inhaltsverzeichnis geschuldet 🙂

LOOP und L3T

Was mich sehr interessiert ist, was ist nachhaltiger Content? Wie man bei L3T, aber auch bei uns in der Virtuellen Fachhochschule und oncampus beobachten kann, der Content veraltet teilweise sehr schnell. Wie kann man das verhindern? L3T hat alle Autoren zu einem Massen-Event und dem Book-Sprint eingeladen. Das hat hier funktioniert. Was wäre aber, wenn die Kapitel im Netz editierbar wären? Würde es eine Community geben, die bestimmte Inhalte aktualisieren? Und falls ja, welche Inhalte? Werden nur Rechtschreibfehler korrigiert oder auch Seiten oder sogar ganze Kapitel? Das will ich mit einer LOOP-Version testen und Heiko Idensen wollte sein Kapitel “Vom Online-Skriptum zum E-Book” dazu geben. Dazu in den nächsten Wochen mehr.

Fazit

Es war für mich sehr stressig, aber es hat Spaß gemacht. Ich denke, die Arbeit ist nicht umsonst. Immerhin habe ich jetzt schon 186 Downloads und es gibt nicht wenig Veranstaltungen, wo ich vor 10 Leuten gesprochen habe:-) das sollte aber nicht der Gradmesser sein. Ich denke immer, dass Bildung nicht in der Hochschule aufhört, sondern Inhalte allen zur Verfügung stehen sollten. Daher sind diese freien OER Projekte so wertvoll und sollte unterstützt und gepflegt werden. Sie können die Welt besser machen…

 

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