Geschafft – Das erste Barcamp Lübeck

Barcamp Lübeck Logo

An einem Barcamp teilzunehmen ist eine wundervolle Geschichte, eines zu organisieren eine andere. Nachdem Kiel schon sieben Jahre ein Barcamp hat und Flensburg und St. Peter-Ording letztes Jahr gestartet sind, war Lübeck dieses Jahr quasi überfällig. Letztes Wochenende lief nun endlich das erste Lübecker Barcamp und ich will jetzt einmal etwas hinter die Kulissen blicken.

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Warum haben wir das überhaupt gemacht?

Weil Lübeck als zweitgrößte Stadt mit fast 10.000 Studenten und drei Hochschulen das Potential für ein Barcamp hat und die Stadt eine bessere Sichtbarkeit der Digitalisierung dringend benötigt. Lübeck hat auch richtig gute IT-Firmen, viele Web-Agenturen, Medien und wir haben als eine der ersten Städte ein Co-Working-Space. Leider schlummert das alles unvernetzt einfach vor sich hin und das sollte geändert werden. Die Idee schwebte schon länger durch den Raum und ich glaube, damals im KoKi bei der Filmvorführung „Digital Nomads“ hat es den Anstoß gegeben (obwohl ich jetzt ne fünf Jahre alte Mail bekommen hab, dass wir 2011 schon was machen wollten, will man heute gar nicht mehr wissen). Danach ging es plötzlich ganz schnell und wir hatten ein Kernteam von knapp 10 Leuten und haben losgelegt.

Der Ort

Auch mit wenig Geld hat Lübeck etliche Locations, wo man ein Barcamp machen könnte. Es gibt die Hochschulen, VHS, etliche normale Schulen, die Mediadocks, Museen, die Gemeinnützige und das Cloudsters. Wir waren uns aber sehr schnell über den Ort einig und der Zeitpunkt mit dem ersten Weihnachtsmarkt-Wochenende war auch schnell gefunden, denn mit einem Reeperbahn-Bummel, wie beim Hamburger Barcamp, können wir nun wirklich nicht konkurrieren.

Das Geld

Sponsoren finden ist das A&O bei einem Barcamp. Wir hatten dies Jahr doppelt Glück, denn dank meiner Silicon Valley Reise, hatte ich gerade ein gutes Netzwerk kennengelernt und die Landesregierung fördert in Schleswig-Holstein dank der Digitalen Agenda ganz offiziell Barcamps. Damit hatten wir schon mal etwas Geld und konnten loslegen. Anderen Barcamps, wie Hamburg, geht gerade das Geld aus. Daher haben wir beim Konzept gleich daran gedacht, die Sponsoren in den Mittelpunkt zu rücken, da wir langfristige (typisch hanseatisch) Kontakte pflegen wollen. Lübeck ist übrigens eine Stadt mit einer der höchsten Stiftungsdichte Deutschlands, trotzdem konnten wir nicht eine gewinnen. Sei es drum, man fängt trotzdem ohne Finanzierung an alles zu recherchieren und zu mieten und zu planen und hofft dann auf Geld. So geht es wohl auch allen Firmengründern…

Die Kosten

Was kostet denn so ein Barcamp überhaupt? Das ist relativ einfach. Wie viele Gäste kommen? Jeder Gast kriegt zwei Frühstück, zwei Mittagessen und zweimal Kuchen. Dazu kommt noch einmal Alkohol, T-Shirt und ein Lanyard. Wir haben am Anfang mit 350 Gästen über zwei Tage kalkuliert. Bei 20 Euro pro Person, bräuchten wir also 7.000 Euro. Wir haben aber knapp 25,- pro Person gebraucht, da wir auch noch Geschirr, Kaffee und Getränke benötigt haben. Die Räume haben wir übers Sponsoring bekommen und viele Sachen durch Spenden (Müsli, Kaffeemaschine, Bier, etc.). Was noch ganz wichtig ist, man muss Rechnungen stellen können und braucht ein Konto. Da hat uns die IHK Lübeck helfen können. Insgesamt lagen wir also bei knapp 10.000 Euro. Da kann man aber viel variieren, denn T-Shirts sind zwar schön, aber es geht auch ohne.

Der Zeitaufwand

Das lässt sich schlecht schätzen und wir haben alles zum ersten mal gemacht. Wir haben uns über Basecamp organisiert, hatten GDrive Dokumente und am Ende eine WhatsApp-Gruppe. Anfangs haben wir uns dreimal in Präsenz getroffen, danach waren es Webkonferenzen. Bei mir hielt sich der Zeitaufwand in Grenzen und ich schätze, ich hab ca. 10-15 Stunden investiert. Die letzte Woche war dann viel los. Donnerstag ging es dann mit ca 5 Stunden Aufbau mit ca 15 Leuten los und Freitag war ich von 7:30 bis 23 Uhr unterwegs und SA von 7:30 bis 18:30 Uhr inkl. Abbau unterwegs. Da ich aber kein Auto habe, konnte ich viele Sachen nicht machen und hatte etwas Glück. Dafür habe ich viel Sponsoring gemacht. Aufgabenverteilung ist alles und bei uns hat das richtig gut geklappt.

Das Barcamp

Man waren wir nervös. Wir wussten gar nichts. Kommen überhaupt Leute? Wenn ja, wie viele? Wie viele Sessions werden gehalten? Reicht der Kaffee, ist die Beschilderung gut, berichtet die Presse?

Am ersten Tag hatten wir 180 Anmeldungen und es kamen dann ca. 130 und am zweiten Tag hatten wir 150 Anmeldungen und es kamen knapp 100. Wir hatten also unser Ziel von 200 Teilnehmern klar übertroffen, doch es kamen deutlich weniger als angemeldet. Dadurch hatten wir zu viel Essen und zu viele Shirts. Das übrige Essen haben wir der Heilsarmee gegeben und die Shirts werden Sammlerstücke 🙂

Das Wunder

Als die erste Sessionplanung begann, ist ein kleines Wunder geschehen, denn ca. 60% das Saals sind aufgestanden und wollten Sessions anbieten. Unglaublich 🙂 Wir waren schlicht sprachlos und der digitale Sessionplan (auch ein Alleinstellungsmerkmal von Lübeck, bei Educamps ist das Standard), war nach knapp 25 Minuten voll. Das hatten wir alle noch nicht erlebt. Wir waren so begeistert 🙂

Und dann haben wir Geschichte geschrieben. Die Sessions waren fast alle gut (nur einer hat ne Werbesession angeboten und dafür nen Shitstorm geerntet) und es war eine richtig gute Stimmung. Das Cloudsters ist einfach gemütlich und verströmt eine sehr schöne Atmosphäre. Wir hatten schöne Sitzgruppen gebaut, die wirklich reichlich genutzt wurden. Alle haben geredet, genetztwerkt, sich ausgetauscht oder einfach diskutiert. Alle hatten unglaublich gute Laune und eilten von Sessions zu Sessions. Es war fast Magie 🙂

Auf die Mischung kommt es an und die Sessions waren gut gestreut. Es ging um Webseiten, Sketchnotes und Programmierung aber auch um die Kirche, Brexit und die Weiterbildung. Das besondere an Schleswig-Holstein ist die Nähe zur Politik. In St. Peter-Ording war MP Torsten Albig und bei uns Thomas Losse-Müller der Chef der Staatskanzlei.

Abends haben wir noch das Fass angestochen, haben reichlich geschnackt und  der harte Kern ist danach auf den Weihnachtsmarkt gegangen.

Am Samstag waren wir nicht nur müde, nein es taten auch die Füße weh. Insgesamt war der Samstag jedoch sehr relaxet und ich konnte mir sogar zwei Sessions anschauen. Am Ende gab es eine sehr schöne Verabschiedung und wir hoffen alle, dass es nächstes Jahr wieder klappt.

Fazit

Barcamps sind toll und es war gut, dass Lübeck jetzt auch eins hat. Wir wurden im Nachgang mit Lob überschüttet und diese Erinnerungen bleiben. Die schlaflose Woche und die Anstrengungen sind wie immer schnell vergessen. Auf Twitter hab ich 30 neue Follower 🙂  Der NDR war sogar da und die ersten Presseberichte trudeln ein. Wir werden uns jetzt noch einmal treffen und Fazit ziehen und dann Weihnachten geniessen. Ihr könnt noch einmal in diesem Storify das #bchl16 geniessen und wer Lust hat, nächstes Jahr zu helfen, der darf sich sehr gerne bei mir melden.

 

Medienkompetenztag als offline Version

Das war also mein erster und insgesamt der siebte Medienkompetenztag Schleswig-Holsteins in Kiel an der CAU und als hätte ich es geahnt, es kam schlimmer als gedacht. Ich unterrichte Medienkompetenz seit ca. 9 Jahren, da ich jedoch kaum noch Zeit habe, ist es leider „nur“ noch ein Steckenpferd. Umso mehr hab ich mich für die Veranstaltung interessiert. Dank einer spontanen Einladung durfte ich in einer dreigeteilten Session ein wenig über Lübeck erzählen und was wir in den letzten Jahren geleistet haben.

Parallel hab ich die Session per Periscope gestreamt.

The Medium is the Message

Meiner Meinung nach sollte das heute bei digitalen Themen Standard sein, denn man sollte nicht nur ÜBER das Medium reden, sondern dabei auch immer das Medium praktisch nutzen und als Beispiel vorangehen (frei nach Marshall McLuhann – The Medium is the Message). Daher versuchen wir in Lübeck immer, unsere Vorträge aufzuzeichnen oder zu streamen und die Slides unter einer offenen Lizenz ins Netz zu stellen.

Das könnte aufwendig sein, wenn man es noch nie gemacht hat. Es ist aber nicht mehr aufwendig, wenn man das beim Konzept des Vortrags gleich berücksichtigt (gilt vor allem für die Folien) und wenn man ein gutes Smartphone mit WLAN hat und da kommen wir auch schon zur Kritik.

Medienkompetenztag ohne Medien

Veranstaltet wird der Medienkompetenztag von der CAU, dem Offenen Kanal Schleswig-Holsteins und dem IQSH. Zielgruppe sollen vor allem Lehrer sein.

Medienkompetenztag 2016 in Kiel

Medienkompetenztag 2016 in Kiel

Eine Homepage gibt es nur im Web 1.0 Format, denn es gibt nur eine Unterseite mit einer Anmeldung, was eigentlich nicht schlimm wäre. Jedoch findet man auf der Seite außer einem Tagesablauf und zwei PDFs nichts. Einen Trailer oder Rückblicke auf die vergangenen Veranstaltungen gibt es nicht. Begleitende Etherpads für Nachhaltigkeit sucht man ebenfalls vergebens und von einer medialen Begleitung in Form eines Filmteams (ja ich weiss, das kostet richtig Geld, kann man aber auch Low-Budget mit Smartphone und Periscope/Snapchat/YouTube machen) konnte man nur träumen. Es gibt auch keine Anfahrtskizze per GoogleMaps (für die norddeutschen Datenschützer hätte man auch OSM nutzen können), keine Facebook-Gruppe (ach ja wir sind in Schleswig-Holstein, da ist Facebook noch gefährlicher als Fliegenpilze) und was ich besonders schlimm empfand, es gibt nicht einmal einen Hashtag zum Medienkompetenztag. Das war sicherlich auch nicht notwendig (Achtung Ironie), denn es haben auch nur ca. 5 Leute getwittert und die haben dann auch drei Hashtags genutzt: #mktsh16 #medienkompetenztag #MeKoSH. Das ist jedoch eine Henne-Ei-Problem, denn wer weiss, was geschehen würde, wenn man Hashtags definieren und per Twitterwall prominent fördern würde? Natürlich hab ich nachgefragt (ihr kennt meine diplomatische Art) und als Antwort: „Die Veranstaltung ist ausgebucht, wir brauchen keine Werbung.“ erhalten. So viel zur Medienkompetenz, aber immerhin wurde das als Tipp für zukünftige Veranstaltungen notiert.

Wer braucht heute schon WLAN?

Das Highlight war jedoch das fehlende WLAN. Ich weiss, wir sind in Deutschland und da gibt es die Störerhaftung bzw. viele glauben, dass es sie nicht mehr gibt (dazu gehöre ich). Natürlich hat das WLAN nicht wirklich gefehlt, denn ich hatte Eduroam. Leider haben die Lehrer das nicht und daher hatten gefühlt 90% kein WLAN und mussten sich per Smartphone (Tethering) helfen. Hat aber kaum jemand gemacht und wozu auch? Die meisten haben per Papier mitgeschrieben und Fotos per Smartphone kamen nur sporadisch vor. Das Medium wurde auch selten aktiv von den Vortragenden eingebunden und vom Gesamtkonzept nicht unterstützt. In meiner Session haben die Teilnehmer erst am Ende sich getraut, Smartphones herauszunehmen und die Slides zu fotografieren obwohl ich explizit dazu aufgefordert hatte (siehe Slide 2). Auf Nachfrage wurde mir gesagt, dass die CAU kein offenes WLAN anbieten könne und es auch kaum Beschwerden gäbe. Man wäre schon froh überhaupt Räumlichkeiten zu bekommen.

Medienkompetenz ist primär Warnung vor dem Internet

Die Förderung von Mediennutzung kann auch nicht das vorrangige Ziel der Veranstalter gewesen sein, wenn man sich einmal die Headlines einiger Vorträge (vor allem der Keynotes) anschaut. Da ging es um die „Herausforderung für die Familie“, „Schülerdaten als Ware“ und zum Schluss „Mediensucht“. Einzig OER von Jöran Muuß-Merholz war ein positives Signal. Bei den kleinen Sessions war es nicht ganz so schlimm, aber auch hier ging es um Jugendschutz, Hatespeech, Selbstdatenschutz und zweimal(!) Alterskennzeichnung. Vorträge die die Möglichkeiten des Netzes zeigen, waren in der Minderheit aber es gab sie. Vor allem wurden Gamification und Medienproduktion gezeigt.

Fazit

Es ist alles viel trauriger, als ich es mir vorgestellt hatte und ich weiss nicht, woran das liegt. Alle sind unglaublich motiviert und wollen das Thema natürlich voranbringen, daher tut Kritik umso mehr weh. Anscheinend ist das Reden über Medienkompetenz jedoch viel einfacher, als selbst Medienkompetenz zu haben bzw. das Medium sinnvoll zu nutzen und zu fördern. Dabei wären Änderungen sehr einfach zu machen, z.B. WLAN würde mit einer zweiten SSID oder mit Freifunk Routern schnell funktionieren. Einen Hashtag zu definieren und Twitterwall mit Beamer aufzubauen dauert keine 30 Minuten. Vorträge die Mediennutzung fördern, statt sie zu verdammen liegt alleine beim Veranstalter und ne Facebookgruppe kann man in fünf Minuten einrichten. Man muss das aber wollen. Im Moment ist der Medienkompetenztag jedoch eher ein Warnschild und zeigt symbolisch wo es in der gesamten digitalisierten Bildung in Deutschland harkt. Jeder spricht darüber aber (fast) keiner lebt es 🙁

Nach 25 Jahren Windows bin jetzt MacBook User

Seit 6 Tagen bin ich jetzt stolzer(?) Nutzer eines MacBook pro 13 Zoll und werde natürlich als Verräter beschimpft. Mein Beweggründe und meine ersten Eindrücke, will ich gerne beschreiben.

tl;dr

Da ich schon ein uralter Mensch bin, muss ich leider gestehen, dass ich eigentlich immer ein Windows-Nutzer war. Angefangen hat das bei mir mit eine 80386 Rechner mit 20 MHz mit 2 MB Ram und 40 MB Festplatte und MS DOS 3.3 und irgendwann kam dann ein 386 mit 40 MHz und 4 MB und damit wohl Windows 3.0 und die große Leidenszeit. Man kann sicherlich behaupten, dass Microsoft bestimmt 10 Jahre brauchte, bis Windows einigermaßen gut lief. Ab Windows 98 wurde es nutzbar und ab XP wirklich gut. Als Informatiker hab ich natürlich immer über Microsoft gelästert, aber bis auf einen kurzen Linux Ausflug in den 90er Jahren (ich glaube das war noch vor dem Kernel 1.0 mit Suse Linux), war ich immer Windows Nutzer. In den letzten 10 Jahren sogar Überzeugter, denn es hat funktioniert.

 

Laptops sind emotional

Vor gut sieben Jahren habe ich mir dann das Thinkpad X300 mit SSD Platte geleistet. Ein wirklich fabelhaftes Gerät mit Windows XP, was mich lange Jahre begleitet und viel durchgemacht hat. Die Haupterkenntnis aus dem X300 Kauf war, Laptops sind eine hoch emotionale Sache. Es gibt neben dem Smartphone (die gab es damals noch nicht), kaum ein Gerät, was einem näher, also persönlicher ist. Umso „geiler“ das Gerät ist, umso lieber arbeitet man damit. Ich habe mit Thinkpad angefangen zu bloggen und meine Social Media Karriere gestartet. Warum? Vielleicht weil es einfach Spaß gemacht hat, mit diesem Gerät zu schreiben. Es war leise und superschnell und die Tastatur war beleuchtet und haptisch. Außerdem war ich natürlich stolz, so ein teures Gerät überhaupt nutzen zu dürfen und der Akku hielt auch ewig.

BYOD als zukünftig Lösung

Ich bin heute davon überzeugt, dass jeder Mitarbeiter sich sein eigenes Arbeitsgerät aussuchen sollte, was im Handwerk (Tischler, Maler, Zimmermänner) schon seit Jahrhunderten Tradition ist. Natürlich machen Rahmenverträge mit großen Anbietern Sinn, aber dann kommt ganz wenig Emotionalität auf. Die persönliche Bindung ist jedoch sehr wichtig, was ich später auch mit meinem iPad erlebt habe und auch mit meinen Smartphones bestätigen konnte. Daher glaube ich auch, dass iPad-Klassen nur eine Übergangslösung seien werden, bis nahezu jeder sein eigenes persönliches Tablet hat.  Mobile Geräte müssen hochwertig sein und da sollte auch nicht gespart werden, immerhin haben E-Learner eine der billigsten Arbeitsplätze. Außer einem PC und einem Tablet plus Büro brauchen wir fast nichts.

Und dann kam Windows 8

Am Büro PC hab ich dann Windows Vista und 7 erlebt und es war gut, also eher befriedigend. Man hatte das Gefühl, dass Betriebssysteme irgendwie stagnieren und es gab auch keinen Grund zu wechseln. Apple war doof (das war doch für die reichen Spinner, die von Konfiguration keine Ahnung hatten) und Linux war mir zu anstrengend. Als dann der X300 mit seinem Windows XP kaputt ging, wollte ich einen neuen Laptop. Inzwischen gab es die Ultrabooks und ich konnte das Altgerät von meinem Chef verwenden. Das hatte zwar einen kleine Bruchschaden, lief aber sonst immer noch ganz gut. Es war ein Asus UX31A und sieht wirklich schick aus. Auch hier muss ich sagen, dass die Haptik wirklich wichtig ist. Tolle Tastatur, guter Sound, sauberes Display und eine hochwertige Verarbeitung haben mir sofort gezeigt, dass meine Entscheidung pro Ultrabook richtig war. Das Gerät war zwar gebraucht, aber immer noch topaktuell. Ich habe jetzt ca 2 Jahre damit gerabeitet und war sehr zufrieden, wenn da nicht Windows 8 gewesen wäre. Um es auf den Punkt zu bringen, ich hasse Windows 8 und Windows 8.1 hat es nicht viel besser gemacht. Das Konzept der Kacheln auf allen Geräten, fand ich sehr gut, aber Microsoft hat es nicht hinbekommen und jetzt ist das sowieso vorbei, wo die Nokia-Sparte eingedampft wird.

Die Cloud hat dann alles geändert

Microsoft hat das Netz einfach nicht verstanden. Das merkt man an jeder Ecke, und wenn man Chrome und den Internet Explorer vergleicht, trennen die Konzepte Welten. Google denkt online und in Vernetzung und Microsoft immer noch als Standalone und in Druckformaten.

Seit ca. 3 Jahren arbeite ich fast nur noch online und das bedeutet im Browser. Angefangen hat das mit unserem Cloud-Autorentool LOOP, es ging dann weiter mit dem Verständnis der Cloud und dem Teamworking mit GDrive. Inzwischen arbeite fast nur noch mit Chrome und daher wird für mich das Betriebssystem immer unwichtiger. Umso wichtiger die Cloud wird, umso unwichtiger werden die lokalen Programme und der Browser rückt in den Mittelpunkt. Konsequent weitergedacht wird es mit den MOOCs . Das sind voll digitale Angebote, die im Web, total vernetzt stattfinden. MOOCs werden nicht runtergeladen und auch nicht ausgedruckt. Ich hoffe man erkennt hier auch die parallelen Entwicklungen von der Bedeutung der Betriebssysteme, der Programme, der Nutzung und auch dem Arbeitsstil. Heute nennt man das modern Arbeiten 4.0 und die läuft online im Browser ab und wird teilweise durch Apps und Plugins ergänzt. Man benötigt vernetzte Plattformen und keine Single-User-Maschinen.

Und jetzt also das MacBook

Als der Asus kaputt gegangen ist, wollte ich natürlich ein neues Ultrabook. Ich hatte mir vier Geräte in die engere Auswahl geholt und zwar den Dell XPS 13, den Apple Air, Lenovo X1 und das Yoga. Ich habe mich dann für das X1 entschieden, da es ein mattes touchfähiges Display hatte und eine sehr gute Tastatur. Leider (oder zum Glück) wurde mir ein falsches Gerät geliefert und ich hatte kein Touchdisplay. Dafür konnte ich aber das X1 ein paar Tage testen und mir gefiel die programmierbare FN-Leiste nicht. Die ganzen Shortcuts lagen auf einem Touchfeld, was immer nicht so richtig funktionierte. Außerdem hat mich Windows 8.1 genervt aber der entscheidende Gedanke war dann, ich brauch eigentlich gar kein Touchdisplay, weil Windows das sowieso nicht richtig unterstützt. Das gesamte Windows-Konzept ist immer noch wie 2005. Es fiel mir wie Schuppen von den Augen, denn Microsoft unterstützt zwar Touch, aber nicht konsequent und native und dann auch noch herstellerabhängig. Bei Apple hingegen wird das Display nicht unterstützt, dafür ist jedoch das Touchpad multifunktional und wird native vom OS unterstützt. Zum Glück habe ich etliche Bekehrer, die mir die Vorteile sachlich erklären konnten und nicht auf die dumme „Apple ist immer besser“-Art. Wir sind dann in den Apple Store gefahren und mir wurde nach dem X1 noch einmal das Air gezeigt. Da ich jedoch ein Poweruser mit über 20 offenen Tabs und 4 virtuellen Desktops bin, wurde mir der Mac Book pro mit 8 GB Ram nahegelegt und dank Hochschulrabatt, ist der auch bezahlbar.

Und jetzt nach einer Woche

Ich muss leider sagen, dass die ersten Tage sensationell gut waren. Die Tastatur, das Display und das Touchpad sind der Hammer. Ich hatte noch nie bessere gehabt, muss aber so auch sein, da es der letzte Stand der Entwicklung ist. Man muss sich jedoch etwas umgewöhnen, was man aber nicht Apple anlasten kann. Die Akkudauer ist auch absolut gut und viel besser als beim X1 (jetzt rein subjektiv gefühlt, nicht gemessen). Inzwischen fallen mir jedoch einige Kleinigkeiten auf, die mich stören. Mir fehlt vor allem die „Entf“-Taste und auch „Pos1“ und „Ende“ vermisse ich sehr. Mit fn, ctrl, alt und cmd habe ich gefühlt eine Taste zuviel, die für Shortcuts schwer zu merken ist. Der Datei-Browser überfordert mich noch (wieso geht kein ausschneiden oder verschieben?) den App-Store verstehe ich auch nicht ganz. Das sind aber alles Kleinigkeiten und in vier Wochen habe ich das gelernt. Bleiben wird ein sehr hochwertiges Laptop, mit dem ich jetzt schon besser arbeite, als mit Windows 8 und das sollte das Ziel sein.

YouTube und der Algorithmus des Urheberrechts

YouTube perfektioniert das Urheberrecht durch Algorithmen. Automatisch werden neue Videos nach geschützten Inhalten, wie Musik oder Ausschnitten gescannt und ausgewertet. Wollen wir das so und was werden dann die nächsten Schritte sein?

tl;dr

Ich bin ein sehr großer YouTube Fan. Das war schon immer so und es wird immer „schlimmer“. Durch die API können wir sogar Quizzes direkt in die Videos schalten, wie wir das bei mooin sehr innovativ und erfolgreich mittels Capira machen.

Wir können Videos monetarisieren, haben Untertitel, es gibt Diskussionsforen, erhalten Statistiken und technisch ist YouTube die beste Plattform der Welt. Die Videos laufen auf jedem Gerät und jedem Browser und für jedes Mobil Device gibt es eine App. Nicht umsonst spricht man seit einem Jahr auch in Deutschland von YouTubern und zeichnet sie inzwischen mit Preisen aus.

YouTube hat eine automatische Musikerkennung

Wir haben mit dem gemeinsamen YouTube-Kanal der FH Lübeck und von oncampus einen der größten Channels aller deutschen Hochschulen. Vor ca. drei Jahren habe ich einen Clip eines Fachbereiches hochgeladen.

Die Hintergrundmusik ist dabei lizenziert worden und ich bekam damals von YouTube einen Hinweis, dass es sich hier um Copyright-Problem handelt. Ich musste die Rechnung per Dialog (sehr nutzerfreundlich automatisiert) an YouTube schicken, damit das Video endgültig online gehen konnte. Ich meine, ich hatte eine großzügige Frist bekommen. Das Video konnte gleich online gehen und der Beweis wurde später nachgeliefert. Ob dies heute noch so ist, weiss ich nicht. Das ganze lief ohne Probleme ab.

Das war die erste Erfahrung mit der automatisierten Copyright-Erkennung und ich war wirklich positiv überrascht. Alles ging sehr schnell, alle Dialoge waren nutzerfreundlich und Google konnte automatisch Musik erkennen. Warum auch nicht, Shazam und Co können das auch und die Songs müssen nur in Datenbanken hinterlegt sein. Warum allerdings heute immer noch Musikvideos ohne Copyright-Probleme hochgeladen werden können, erschließt sich mir nicht. Es ist müsste doch sehr einfach sein, komplette Musikverzeichnisse zu hinterlegen, aber das wird vielleicht noch kommen.

YouTube hat inzwischen auch eine automatische Bilderkennung

Letzte Woche dann die neueste Erfahrung. Wir wollten ein Video einer Webkonferenz hochladen. In der Webkonferenz wurde ein 40 Sekunden Ausschnitt eines YouTube-Stars in einem kleineren Fenster gezeigt. Nach dem Upload hat YouTube sofort eine Meldung angezeigt, das meine Webkonferenz-Aufzeichnung Fremd-Content beinhaltet. Es wurde mir die genauen Sekunden-Angaben angezeigt und der Rechteinhaber genannt, aber auch vorbildlich darauf hingewiesen, dass ich diese Inhalte nutzen könne, jedoch wird jetzt Werbung geschaltet, deren Einnahmen an den Rechteinhaber fliessen. Ich habe aber die Möglichkeit Einspruch zu erheben.

YouTube Copyright Hinweis plus Einspruch-Option

YouTube Copyright Hinweis plus Einspruch-Option

So weit, so gut. Technisch ist die Lösung brillant. Immerhin wurde der Fremd-Content nur in einem Teilbereich gezeigt und dann auch nur 40 Sekunden und die Meldung kam sofort nach dem Upload. Es stellen sich jedoch viele Fragen, die YouTube per Algorithmus versucht möglichst einfach zu beantworten. Könnte der Ausschnitt auch unter das Zitat-Recht fallen? Falls nicht, wie will man denn z.B. Filmszenen oder Musikvideos besprechen, wenn man diese nicht darstellen darf? Was passiert, wenn ich mehrere Ausschnitte in meiner Aufzeichnung nutze? Wer kriegt dann das Geld der Anzeigeneinnahmen? Ich darf das Video auch nicht unter einer freien OER Lizenz veröffentlichen, obwohl ich wahrscheinlich der geistige Urheber bin. Warum gilt das Urheberrecht nur für den Ausschnitt, aber nicht z.B. für den Pullover von Adidas, den ich im Video anhabe oder für das Bild im Hintergrund?

Natürlich kann man das nicht per Algorithmus entscheiden, denn die geistige Schöpfungshöhe ist immer eine Einzelentscheidung. YouTube bietet hier zusätzlich eine manuelle Einspruchsmöglichkeit an, was sehr vorbildlich ist, aber auch sehr aufwendig.

Und was mit dem Remix?

Ich kann es nur vermuten, doch meiner Meinung nach, bleibt der Remix hier liegen bzw, verschwindet in der Unsicherheit des Rechtssystems. Niemand würde sich trauen, Einspruch zu erheben und auf das Zitat-Recht verweisen? Selbst ich habe das Video sofort gelöscht bzw. hätte den Teil rausgeschnitten, denn wir wollten ein OER-Video haben. Das Urheberrecht ist komplex und YouTube versucht es bestmöglichst umzusetzen. Man merkt jedoch überall, dass dies kaum geht und es ist wirklich schwer nachvollziehbar, wenn man erstmal anfängt weiter zu denken.

Und wie könnte die Zukunft aussehen?

Wenn YouTube schon Musik und Teilinhalte automatisch scannen und zuordnen kann, was dürfte denn dann als nächstes kommen? Wird YouTube die oberste Copyright Instanz und der Algorithmus Richter und Henker in einer Person? Wie sieht es mit dem Persönlichkeitsrecht aus? Wenn ich bei einem Video Einspruch erhoben haben, filtert YouTube dann alle Videos mit mir aus? Oder wird YouTube alle Videos mit mir demnächst anzeigen können. Das wird umso interessanter, wenn sich 4k Videos durchsetzen und man auf jedes Gesicht zoomen kann. Gelten Persönlichkeitsrechte auch auf hochauflösenden Aufnahmen?

Dabei werden Facebook und Google natürlich eine Vorreiterrolle einnehmen. Schon heute kann man auf beiden Portalen Menschen zuordnen und Google will seinen Fotodienst dementsprechend weiter ausbauen. Der Gesetzgeber muss versuchen ein Spagat zwischen Urheberrecht und Remix zu schaffen, was bisher eine Katastrophe war. Ich frage mich dabei auch, ob man da überhaupt mit Kompromissen arbeiten kann. Alle bisherigen Lösungen, sind viel zu komplex und arbeitsintensiv, als dass man sie anwenden könnte. Hier freuen sich nur Anwälte.

Resumé

Was YouTube macht, ist auf den ersten Blick unheimlich und man fühlt sich entmachtet. Auf den zweiten Blick bringt er jedoch Klarheit in ein undurchschaubares System, und höchstwahrscheinlich werden die Urheber mehr geschützt, als die Remixer gefördert. Mich erinnert das Vorgehen jedoch an einen Überwachungsapparat. Im Auto will ich doch auch keinen Computer haben, der nach GPS meine Höchstgeschwindigkeit nach der erlaubten Geschwindigkeit regelt. Ist das der erste Schritt zur Allmacht des Codes? Der erste Terminator, der unser Leben bestimmt? Ich habe ihn, in einer anderen Gestalt erwartet 🙂

MOOChub – iMooX und mooin gründen neues MOOC-Netzwerk

Auf diesen Beitrag freue ich mich seit 8 Wochen. Die MOOC-Portale mooin und iMOOX rücken zusammen und gründen gemeinsam den MOOChub. Was ist der MOOChub? Das ist ganz einfach und ich zitiere uns selbst:

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„Der MOOChub ist der Zusammenschluss verschiedener MOOC-Portale von Hochschulen mit dem Ziel Synergien zu nutzen und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine breitere Vielfalt an Kursangeboten zentral anzubieten.

Die vorrangige Idee ist sehr einfach:

Um den Zugang zur Bildung zu erleichtern bieten alle Mitglieder im MOOChub ebenso sämtliche MOOCs der anderen Mitglieder auf ihren Plattformen an.“

 

Ab heute verlinkt also die Lübecker MOOC-Plattform mooin alle iMooX-Kurse und in den nächsten Tagen folgt das Grazer MOOC-Portal iMoox und verlinkt unsere Kurse. Der Grund ist klar, denn die Kunden wollen eine zentrale Stelle haben, wo man alle Kurse findet und das ist aber nicht nur Google, sondern auch die Kursportale selbst. Die meisten MOOC-Portale denken aus ihrer Sicht und wollen Kunden halten und verweisen natürlich nicht auf die Konkurrenz. Hochschulen haben hier Vorteile, denn wir könnten aus der Sicht des Kunden denken, denn dieser will Kursangebote haben und zwar alle auf einen Blick. Ihm ist es egal, von wem das Angebot kommt und wir haben im Moment auch keine Konkurrenz-Angebote sondern nur ergänzende. Wer „Gratis online lernen“ belegt hat, könnte sich z.B. auch für „Das digitale Ich“ interessieren und wer den HanseMOOC besucht hat, gefällt vielleicht auch „Graz die smarteste City“. Kurz gesagt unsere Synergie-Effekte sind extrem hoch und wir haben inzwischen verstanden, dass wir gemeinsam besser sind als jeder allein.

Der MOOChub ist daher ein Anfang einer vielleicht größeren Idee. Wer MOOCs macht, merkt sehr schnell, dass man viele Dinge z.B. Anerkennung, Logins, Zertifikate, Marketing oder auch Veranstaltungen nicht nur alleine machen kann.

„Unser Leitspruch ist: Bildung für alle und noch viel mehr.“

Wir haben jetzt unkompliziert gestartet, zum Glück ohne große Bürokratie und viel Abstimmung. Wir beide denken sehr ähnlich, denn zuerst kommt das machen und nicht das reden. Die Möglichkeiten eines MOOChub haben wir alle noch nicht zu Ende gedacht, aber so ist es bei allen Internet-Projekten. Man startet einfach mit einer Idee und schaut, was dabei rauskommt.

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Martin Ebner mit mooin Logo auf der eMOOCs 2015 in Mons, Belgien

Ich persönlich finde die Idee fantastisch und wir haben seit heute doppelt so viele Kursangebote im Portfolio als zuvor und das ist eine Win-Win-Win-Situation für alle. Wir haben mehr Kunden, iMooX hat mehr Kunden und die Kunden als dritte und wichtigste Partei, hat mehr Kursangebote. MOOC-Herz was willst du mehr 🙂

Was haben MOOCs und Online-Journalismus gemeinsam und warum scheitert Blended Learning?

Was haben MOOCs und Online-Journalismus miteinander zu tun? Ganz einfach, sie haben die gleichen Problemfelder und gehen konsequent vielleicht sogar radikal in eine neue Richtung.

tl;dr

Ich hab schon sehr viel vom Scheitern des E-Learning gelesen, damit ist aber immer das Blended Learning gemeint gewesen. Das fatale dabei ist, dass beim Blended Learning analoge Konzepte, digital nacherzählt wurden. Sie bleiben aber dennoch analog, das sieht man an den PDFs und dem Wunsch alles auszudrucken um es dann „mobil“ mitnehmen zu können. Das funktioniert aber nicht. Es ignoriert die Möglichkeiten des Netzes (Video, Audio, Interaktivität und vor allem die Hyperlinks) und vor allem ignoriert es den Kunden. Der Journalismus steckt da in dieser Zwischengeneration fest, denn die analogen Konzepte funktionieren nicht mehr und die digitalen sind noch nicht soweit, dass sie funktionieren. Fakt ist, dass jeder Verlag massiv Kunden und Auflagen verliert.

Bei den Hochschulen ist dies vergleichbar, auch wir sitzen fest. Das Allheilmittel der Digitalisierung, nämlich das Blended Learning als Kompromiss-Lösung, funktioniert bekanntlich nicht wirklich, aber es ist besser als nichts. Wir stecken da fest, denn bis auf ein paar Einzelprojekte tut sich nichts großartiges. Das liegt meist daran, dass auch hier analoge Konzepte einfach 1:1 digital umgesetzt werden. Man könnte das Blended Learning gut mit den analogen Zeitschriften wie Spiegel und Stern vergleichen. Man nimmt die gleichen Inhalte und stellt sie online. Immer noch eine verdammt gute Rendite und alles funktioniert, aber irgendwie wird hat man das Gefühl, dass wird nicht mehr lange halten.

Einige Verlage handeln und bauen ihre Online Portale aus, wie bei Bild und Spiegel-Online zu sehen ist. Modernes Storytelling, große mediale Elemente und inzwischen sogar eigene Video-Bereiche. Die Bild hat Premium Content mit der Bundesliga und wer kennt Spiegel.TV noch nicht? Beide Portale sehen den Text nicht mehr als Leitmedium, sondern als Ergänzung. Einzelne Leuchtturmprojekte werden geboren und anschaulich erzählt dieses Video, den Leidensweg des Online-Journalismus.

Die Hochschulen machen dies ähnlich und nennen die Leuchtturmprojekte dann MOOCs und jetzt wird es interessant. Auch wir merken überall, dass es mit dem alten Blended Learning so nicht richtig funktionieren kann. Wir schreiben immer noch Bücher (PDFs) und sind arrogant davon überzeugt, das das so weiterhin funktionieren muss, da es schon immer so war und unsere Rendite stimmt ja auch. Es kommen immer noch Studis an die Hochschulen und kriegen das Material wie vor 100 Jahren und bei Beschwerden machen wir es uns sehr einfach und sagen: Das liegt entweder an der Bologna Reform oder die Jugend wurde schlecht ausgebildet oder die Kids können sich dank Smartphones einfach nicht mehr konzentrieren. Was wir, und das ist der Unterschied zu den Verlagen, uns aber leisten können, wir müssen die Bedürfnisse der Kunden nicht erfüllen. MOOCs zeigen uns aber einen alternativen Weg, der aber noch neu und offen und anfällig für Kritik ist. Wir wissen alle noch nicht wie die Lehre der Zukunft aussehen wird, aber wir sollten auch alle inzwischen erkannt haben, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann.

Heute wollen die Kunden/Studis keine analogen „long Reads“ mehr haben, denn sie wissen dank Snapchat, YouTube, Twitter und Co, dass es auch anders gehen kann. Und wie die Verlage ignorieren auch die Hochschulen diese Erkenntnisse und setzen dem Kunden/Studi einfach das PDF/Tafelbild vor und sagen, dass hat bei mir auch so funktioniert und Qualität kommt von Qual, also arbeite das jetzt durch, sonst kriegt man den Schein nicht.

Wir predigen immer noch das analoge serielle Buch als ideal der Wissensform, obwohl wirklich inzwischen alle (Buzzfeed, Facebook, Google, Spiegel, Coursera, ich 🙂 ) sagen, dass Video die Erzählform Nummer eins ist. Der Kunde will Videos haben und Bilder, aber wir geben ihm entweder unvertonte Powerpoint Slides oder halt PDFs oder noch schlimmer: Buchempfehlungen.

Die Crux an der Sache ist jedoch, dass wir immer noch denken, dass Inhalte von einem Fachexperten geschrieben(!) werden. Auch hier haben die Verlage und die Hochschulen die gleichen Probleme, denn ein wahrer Journalist recherchiert selbst, schreibt „long reads“ und lässt das evtl. noch Korrektur lesen. Online-Journalisten sind Sekundär-Journalisten und duften lange nur Zweitverwertungen durchführen.

Inzwischen jedoch, und auch hier wird es spannend, rüsten die Medienhäuser auf:

Die Washington Post hat nach der Übernahme von Jeff Bezos die Angestellten nicht gekürzt, sondern um 100 neue Kollegen erhöht, aber davon waren fast 50 Techniker. Damit hat die Post ihre Entwicklerabteilung von 4 auf 47 quasi verzehnfacht. Neue Journalisten werden nur noch eingestellt, wenn sie hohe technische Kompetenz haben. Der moderne Online-Journalismus ist Teamwork zwischen Journalismus, IT-Development, Videos und Mediendesign. Auch Wolfgang Blau vom Guardian erzählt genau das gleiche und dort (ich hoffe ich hab die Zahl noch korrekt in Erinnerung) wurde die IT-Abteilung auf 370 erhöht!

Die Lernkurve ist bei den großen Verlagshäusern inzwischen angekommen, bei uns in den Hochschulen leider noch gar nicht. Wir predigen immer noch, dass ohne ein mediendidaktisches Konzept in der Online-Lehre gar nichts gehen dürfte. Technik darf nie die Triebfeder sein und daher werden auch die meisten E-Learning Konzepte aus der Geisteswissenschaft/Medienpädagogik gesteuert. Ich sage schon lange, dass dies grundlegend falsch ist, denn (schaut euch das Spiegel-Online Video oben an) E-Learning ist Teamwork aus verschiedenen Fachgebieten. Wir stellen schon lange keine Pädagogen ein, die keine Smartphones oder keinen Skype-Account haben, wenn wir überhaupt Pädagogen einstellen. Wir merken an den MOOCs, dass wir hier völlig neue Wege in der Kursgestaltung gehen müssen. Dabei spielt die Technik, die UX und das Storytelling zusammen. Wir brauchen bei MOOCs keinen Professor mehr, der alleine bestimmt, was der Inalt sein soll. Der Prof kennt und beherrscht leider nur das Buch-Format. Der kann gar nicht in MOOCs denken, genau wie der alte analoge Journalist. Moderne Hochschul-Inhalte müssen im Team entwickelt werden und neue Erzählformen haben.

mooin - Logo

mooin – Das MOOC Portal der FH Lübeck

Zusammenfassend kann man sagen, dass die alte Buchform und damit die serielle Erzählform tot ist, nur weiss man das noch nicht. Wir haben schon seit gut 20 Jahren eine Hyperlink-Erzählform, die jedoch gewissenlich ignoriert wird. Online werden diese alten Inhalte NICHT funktionieren und selbst die Verlagshäuser gehen diese Wege noch nicht konsequent, denn Fremdinhalte und externe Referenzen werden ignoriert. Hier fehlt noch eine Remix-Kultur, das passende Urheberrecht und OER-Inhalte. Neue Inhalte und Erzählformen werden gerade entwickelt und wir alle wissen nicht, wo der Weg hingeht. Die Verlage bauen die Online-Plattformen zu Medienportalen aus, einige Hochschulen entwickeln MOOCs aber es entstehen auch neue Angebote, wie Vice und Buzzfeed bei den Verlagen und Lynda, Coursera und auch mooin bei den Hochschulen. Zum Glück für uns, merken die meisten Hochschulen diesen Wandel nicht und die Probleme der Verlagshäuser sind erst in 10 Jahren die Probleme der Hochschulen, aber wie ich es so oft schon gesagt habe: Die Frage ist nicht, ob die Digitalisierung in die Hochschule kommt, sondern nur wann sie kommt.

 

Der VideoMOOC stellt sich vor

Morgen startet also der erste neue MOOC auf unserem MOOC-Portal mooin. Wie jeder MOOC hat auch dieser eine eigene Geschichte. Die Entscheidung überhaupt einen Videokurs zu entwickeln, war eigentlich zufällig. Wir haben uns bei den Themen für die MOOCs, nicht nach akademischen Gesichtspunkten gerichtet, sondern haben überlegt, welche Themen besonders gut medial umgesetzt werden könnten. Da wir xMOOCs machen und wir schon einen sehr guten YouTube-Kanal haben, lag es sehr nahe, dass wir das Video-Thema aufgreifen und natürlich denken wir auch über andere mediale MOOCs nach.

Die zweite Überlegung war, dass wir einen medialen Autor mit hoher Internet-Kompetenz brauchten. Die findet man selten im akademischen Umfeld, daher haben wir YouTube-Channels, Video-Portale und bei Amazon die Bücherlisten durchstöbert. Entdeckt haben wir unseren Autor Markus Valley aber dann eher zufällig über eine Crowdfunding-Plattform, wo er sein Trainingsbuch finanziert hat.

Das war dann auch der dritte Aspekt, denn wir wollten jemanden haben, der schon fertigen, hochwertigen Content hat und auch ein mediendidaktisches Konzept. Einer meiner Lieblingssätze dazu ist: „Ich will niemanden überzeugen, sondern ich will mit Überzeugten arbeiten.“ Das macht es bei solchen Projekten viel einfacher, denn ich will ja nicht immer gegen analoge Windmühlen anrennen, sondern mich vom digitalen Rückenwind beflügeln lassen 🙂

Der letzte Aspekt war dann, dass wir ähnlich wie beim MarketingMOOC, telegene Autoren benötigen, die einfach gut und sicher vor der Kamera reden können. Auch das ist eher eine Seltenheit und auch diese Menschen findet man eher auf YouTube als in der Hochschule.

Da Markus in München wohnt, war die Entfernung natürlich eine Hürde aber keine große. In der letzten Adventswoche kam Markus nach Lübeck und wir haben den gesamten MOOC in 2,5 Tagen gefilmt, was ich wirklich fantastisch finde und es zeigt auch, dass man richtig Zeit und Geld sparen kann, wenn man die richtigen Leute auswählt. Unser Video-Experte brauchte dann natürlich lange, um alle Videos zu schneiden. Ich bin gespannt, wie die Feedbacks seien werden.

Vom Konzept her, setzen wir beim VideoMOOC natürlich extrem auf hochwertige Videos. Vertiefende Textinformationen haben wir meist verlinkt. Auch hier bin ich wieder gespannt, ob das akzeptiert wird, denn viele erwarten, dass sich alle Informationen IM Kurs befinden sollten. Wir denken jedoch netzbasiert und wollen das Rad nicht ein zweites mal erfinden. Warum also alle Texte noch einmal schreiben, wenn es doch schon besser woanders steht. Das Trainingsbuch von Markus ist kein Teil des Kurses, aber wir haben auch nichts dagegen, wenn es verlinkt wird. Das Buch ist gut und wir verdienen nichts am Umsatz und der Autor soll ruhig etwas verdienen. Geld verdienen ist bei MOOCs keine unanständige Sache, sondern die logische Konsequenz.

Leider werden nicht alle Videos OER sein, da wir einige Sequenzen von Markus altem Material nutzen wollten. Das sind die kleinen Kompromisse, die wir eingehen müssen und  auch hier denke ich, dass das absolut vertretbar ist, da wir einen hohen Qualitätsgewinn erhalten, ohne Mehrkosten zu haben.

Die integrierten Capira Fragen in den Videos, sind beim VideoMOOC nicht so relevant, da die meisten Videos eher Tutorials sind. Wir setzen hier vermehrt auf das praktische Arbeiten, also jeder Kursteilnehmer muss Videos drehen, schneiden und hochladen. Dafür gibt es dann Lernfortschritt und natürlich die schon bekannten Badges. Der Clou sind aber natürlich die Einsendeaufgaben:

Die letzte Aufgabe kann sogar von Markus Valley persönlich benotet werden und er gibt pro Einsendung ein ca. 15 Minuten langes Video-Feedback, was aber dann nicht mehr umsonst sein kann. Auch hier bin ich sehr neugierig, wie viele diesen Extra-Service buchen werden. Für uns ist das ein Experiment und wir verdienen fast nichts daran, aber auch hier ist die Botschaft, dass MOOCs teilweise auch etwas kosten dürfen, vor allem wenn es Extra-Leistungen sind. Auf der anderen Seite müssen wir hier natürlich auch ein Bezahlsystem entwickeln, was noch am Anfang steht und das ist auch einer der vielen Gründe, warum wir eine eigene Plattform haben. Die Video-Integration, die OpenBadges-Schnittstelle und das Bezahlsystem sind Alleinstellungsmerkmale, die in dieser Summe keine mir bekannte Plattform auf der Welt hat.

VideoMOOC Werbebanner

VideoMOOC Werbebanner

Wir haben den VideoMOOC auf sehr vielen Plattform versucht zu bewerben und auch Kooperationen haben wir angefragt. Leider ist die Welt anscheinend noch nicht bereit dafür und wir werden sehen, wie es mit dem VideoMOOC weitergehen wird. Die ersten Anmeldezahlen machen mich jedoch zuversichtlich, denn wir haben schon die 400 geknackt und das Minimalziel von 500 ist zum greifen nah. Wir gehen im Gegensatz zu vielen anderen Plattformen, sehr transparent mit unseren Daten um, da wir für Transparenz und Offenheit sind, sonst bräuchten wir auch keine MOOCs machen.

Wer Lust hat, schaut rein. Ich finden den MOOC wirklich gelungen und bin auch etwas stolz auf das Projekt. Wenn ihr ihn auch gut findet, macht Werbung und setzt Links. Wir sind immer dankbar für Hilfe, denn wir freuen uns über jeden neuen Teilnehmer.

 

 

 

Das war die MoodleMaharaMoot 2015 mit dem Blick eines Organisators

Die jährliche MoodleMaharaMoot gastierte 2015 im Norden und wir durften als Veranstalter fungieren. Es waren natürlich stressige Tage aber auch sehr schöne, immerhin konnten wir die Moodle-Welt begrüßen und dabei auch noch unsere MOOC-Plattform mooin vorstellen.

tl;dr

MoodleMaharaMoot

Als Organisator sieht eine Moodlemoot natürlich ganz anders aus. Man muss Sprecher besorgen, vor allem gute Keynotes, und man braucht Repräsentanten, wie Präsidenten, Bürgermeister oder Staatssekretäre. Natürlich braucht man Räume, Essen, Helfer und Hardware und ganz wichtig sind dann noch gute Nerven und Zeit. Das letzte war mein größtes Problem, denn parallel zur Moot ist auch unsere  MOOC-Plattform mooin gestartet und das hat mich zeitlich sehr viel mehr in Anspruch genommen, als die Organisation der Moot.

Die Keynotes

Eine Moot ist immer Teamarbeit und beim Start hatte ich den Wunsch jemanden einzuladen, der NICHT aus der E-Learning Welt kommen sollte. Ich wollte gerne Sascha Lobo einladen, der sicherlich etwas Farbe reingebracht hätte. Die Idee hat sich dann aber nicht durchgesetzt, da wir mit Martin Dougiamas eine sehr viel bessere Chance hatten, der deutschen Moodle Community ein Highlight bieten zu können. Mit Martin Ebner konnten wir einen zweiten Experten gewinnen, der mit iMOOX (MOOC) und L3T (OER) ähnliche Fachgebiete abdeckt, wie wir. Im Nachhinein waren für uns aber auch die Besuche von Bürgermeister Saxe und Staatssekretär Fischer sehr viel wichtiger, da wir so der Politik zeigen konnten, dass es in Lübeck ein digitales Leuchtturmprojekt gibt.

Alle Keynotes sind natürlich gefilmt worden und liegen bei YouTube.

Moodle und Martin Dougiamas

Ich habe mich wirklich auf den Besuch von Martin Dougiamas gefreut, hatte aber wegen der Organisation nicht so viel Zeit mich an dem Workshop mit ihm zu beteiligen. Martin kam schon einen Tag früher nach Lübeck um im ausgewählten Kreis über die Moodle-Aktivitäten zu diskutieren. Meine persönlichen Erwartungen an diesen Meetings sind immer sehr gering. Ich habe schon so viele Treffen dieser Art gehabt, dass ich aus Erfahrung sprechen kann, dass da selten etwas nachhaltiges herauskommt. Die Konstellation ist auch sehr schwierig, denn wenn man nichts gibt, kann man auch keine Forderungen stellen. Deutschland ist bei Moodle ein Entwicklungsland. Zwar nutzen sehr viele Schulen und Unis Moodle sehr intensiv, aber die deutschsprachigen Entwickler für Moodle kann man fast an zwei Händen abzählen. Wenn man also kein Geld gibt und keine Entwickler hat, sollte man mit seinen Wünschen eher bescheiden sein. Umso interessanter war die Ankündigung einer Moodle Association, wo man als zahlendes Mitglied Premium-Services erhalten soll. Dieser Schritt ist meiner Meinung nach längst überfällig. Das Moodle Headquarter besteht aus nur 32 Leuten und davon sind 20 Entwickler. Für eine Software wie Moodle benötigt man jedoch ca 100 Entwickler und das merkt man Moodle auch inzwischen an. In den Punkten Usability, Social Media, Design und Mobil-Unterstützung hat Moodle den Anschluss verloren und wenn hier nichts passiert, könnte Moodle schnell von Canvas oder anderen Systemen abgehängt werden.

Abends konnte ich mich persönlich noch etwas länger mit Martin unterhalten und habe hier auch die Strategie bzw. die Vision vermisst. Moodle könnte als Cloud gehostet werden, was sicherlich vom Entwicklungsaufwand sehr viel kleiner wäre und WordPress geht einen ähnlichen Weg. Moodle könnte auch über Spenden oder Crowdfunding nachdenken aber hier hat man sich für die Association entschieden, ähnlich wie Sakai, aber natürlich viel besser. Canvas findet Martin zu buggy, genau wie die Themes z.B. das Essential Theme. Auf der anderen Seite fliessen aber 80% des Entwicklungsaufwandes von Moodle auch in Security und Bugfixes, also so sicher ist Moodle dann auch nicht. Moodle soll ein Framework fürs Lernen sein und den Institutionen die Möglichkeit zum ändern geben. Leider haben die meisten Institutionen keine Mittel zum verändern und müssen Moodle in der Grundversion nutzen und die ist nicht mehr zeitgemäß. In Martins Keynote fehlten jedoch all diese Punkte.

Mahara und die Moodlemoot

Ich glaube vor zwei Jahren hat man sich entschieden Mahara mit in den Titel der Moodlemoot zu nehmen. Das E-Portfolio System und Moodle haben sich gegenseitig unterstützt und im Zuge der neuen Kompetenzanrechnung nach dem Bologna Prozess, hat das auch richtig Sinn gemacht. Inzwischen würde ich jedoch behaupten, dass sich das anders entwickelt. Auf der diesjährigen Moot waren gerade mal 5-6 Vorträge zu Mahara und ich persönlich kenne keine funktionierende Mahara-Installation, die flächendeckend an einer Hochschule genutzt wird. Die Kompetenzanrechnung liegt meist in der Zulassungsstelle und nicht in der Lehre. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, darüber kann man diskutieren, es ist aber eine Tatsache.

Parallel entwickelt sich die kleine Pflanze der Badges weiter aber auch hier tut sich quasi nichts. Wir unterstützen Badges sehr stark, gerade bei den MOOCs finde ich das sehr nützlich. Die Integration in Moodle ist auch ziemlich gelungen, daher wundert es mich, dass hier nicht mehr gezeigt wird. Es spricht für sich, dass der einzige Workshop dazu von uns kam.

 

Video is the new Text

Einer meiner Lieblingssätze in der letzten Zeit und auch die Moot hat gezeigt, dass Video angekommen ist. Ich würde nicht behaupten, dass Text überflüssig geworden ist, der Satz soll eigentlich Bewusstsein wecken. Es kann nämlich auch anders gehen, als simple PDFs Files in Moodle zu stellen. „Das Auge lernt mit“ der zweite Satz von mir zum gleichen Thema.

Alle Vorträge zu dem Thema Usability und Videos waren super gefüllt. Ich hatte zwei Vorträge dazu und der Vortrag über Quizzes in Videos mit Capira, war auch überfüllt. Ähnlich war es auch schon bei der Online Educa, wo unsere Video Session quasi explodiert ist. Wer mehr über Videos wissen will, dem empfehle ich hier auch noch unseren Online Video Kurs, der in zwei Wochen startet.

Aber die ganze Moodlemoot wurde dies Jahr digital und viral.

Die Moot wird digital

Wer mich kennt, weiss dass ich eine sehr konsequente digitale Linie habe. Wer E-Learning macht, sollte auch das E vorleben und das geht nicht mit analogen Elementen. Eine E-Learning Konferenz sollte daher im Netz stattfinden und möglichst all die Tools nutzen, die auch bei der Konferenz besprochen werden. Immerhin sind wir die Experten und wenn nicht einmal wir es schaffen unsere Konzepte digital zu vermitteln, dann sind wir wirklich gescheitert. Ich wollte daher scon auf den Namensschildern neben dem Namen auch den Twitteraccount drucken, aber dafür ist die Welt wohl noch nicht bereit. Bei Barcamps kommt dies jedoch schon vor, in der E-Learning-Szene sucht man Twitterer allerdings noch mit der Lupe (aber Vorträge zum Micro-Learning gibt es viele, finde den Fehler).

Wir haben jedoch in Lübeck viele digitale Ideen umgesetzt. Schon auf dem Logo ist der Hashtag #MootDE15 abgedruckt gewesen, im Foyer hatten wir eine Twitterwall aufgebaut, die Keynotes wurden gefilmt und sind alle auf YouTube. Zusätzlich haben wir auch Statements und Interviews geführt, die auch online sind.

Das Programm wurde zwar gedruckt, aber es lag auch online mit einem Shortcut http://bit.ly/mootde15 und eigentlich wollte ich auch zu jeder Session ein Etherpad anlegen, was aber die Krankheit meines HiWis verhindert hatte. Stadtplan mit allen Hotels und Veranstaltungen wurden per GoogleMaps eingefügt, was heute aber selbstverständlich ist.

Die Nachbearbeitung haben wir dann per Storify gemacht:

https://storify.com/oncampusfhl/moodlemaharamoot-2015-1-tag

https://storify.com/oncampusfhl/moodlemaharamoot-2015-2-tag

Alles zusammengefasst haben wir auf unserer Homepage

http://www.oncampus.de/aktuelles/moodlemaharamoot2015.html

Einen Videoworkshop, der ausgebucht war, haben wir auch angeboten und was ich besonders schön fand, es gab zum ersten mal Konferenz-Shirts, die von ca. 15% der Teilnehmer gekauft wurden.

Wo waren die Schulen?

Mit dem IQSH und der Moodleschule waren zwei Vertretungen der Schulen als Mitveranstalter dabei und trotzdem, waren Schulen kaum präsent. Es gab sehr wenig Vorträge von Lehrer, es waren kaum Lehrer als Besucher vertreten und das einzige was ich von den Schulen mitbekommen habe, war das jammern über den angeblich hohen Eintrittspreis. Ich will ja nicht lästern, aber inzwischen habe ich so viele schlechte Erfahrungen mit Schulen und Lehrern gemacht, dass ich überzeugt bin, dass sie an dem Imageverlust der Schulen selbst Schuld sind. Ich weiss, dass man hier kein Schubladendenken machen sollte und viele Lehrer haben quasi keine Möglichkeit in den Norden zu kommen, trotzdem bleibt der Fakt, dass diese Institutionen mit der Moot nicht erreicht werden. Das traurige ist dabei, dass dort eine Rückwärtsentwicklung zu beobachten ist, oder das E-Learning an Schulen findet woanders statt.

MOOCs und Moodle

Für mich war es natürlich die Moot der MOOCs, da wir hier unsere MOOC-Plattform mooin vorgestellt haben. Wir hatten fünf Vorträge dazu angeboten, die alle gut besucht waren. Das wir hier alles just in time programmiert haben, kommt mir immer noch wie ein Wunder vor, obwohl wir echt große Krankheitsausfälle hatten. Manche sprechen immer noch vom Hype, ich bin aber für meine Keynote sehr gelobt worden, wo man die Gesamtstrategie der MOOCs sieht.

Allerdings waren die Tage sehr arbeitsintensiv und morgen soll mooin dann richtig starten und danach mach ich Urlaub. Ich hab es mir nach der Moot und mooin dann auch verdient.

Böses oder gutes Younow? Die deutsche Angst schlägt wieder zu

Da ist eine neue Videoplattform für Jugendliche und die deutschen Jugendschützer, Eltern, Datenschützer und Massenmedien fangen automatisch alle an im Chor zu singen: „Das gefährliche Internet.“

tl;dr

Allein die Überschriften bei Google-News ergeben ein absolut einseitiges Meinungsbild:

Google News Headlines zu Younow vom 28.Februar 2015

Google News Headlines zu Younow vom 28.Februar 2015

Sogar die Technikseiten Golem und Heise stimmen in dieses Lied ein, was mich doch etwas verstört hat und auf den eingängigen Medienpädagogik-Seiten, werden schon Verbote, Warnungen im Unterricht und Infomaterial verteilt.

All diese Berichte gehen nur in eine Richtung, wie gefährlich ist denn dieses Younow und wie können wir unsere Kinder davor schützen? Ganz klassisch sieht man das an dem Video, was fast gar nichts mit Younow zu tun hat, sondern nur allgemeine Probleme des Internets darstellt und auf den Younow-Warnungs-Hype aufspringt.

Wer hat sich bisher Younow überhaupt angeschaut?

Im Gegensatz zu vielen anderen habe ich mir mal die 30 Minuten Lebenszeit gegönnt und hab mir das System flüchtig angeschaut. Die Registrierung auf der Webseite ist vorbildlich einfach, man benötigt nur einen Twitter-, Facebook- oder Google-Account und schon kann es losgehen. Danach erhält man zwei Listen und man kann sich die Livestreams von anderen Nutzern anschauen. Entweder man geht nach Tags also z.B. Interessen, Sprache, Geschlecht, Hobby oder man orientiert sich an die Top-Viewed Listen.

Ich habe mir dann ca. 30 Streams angeschaut und davon waren 28 Streams von Kids, die für mich sehr inhaltsleer waren. Ich habe auf keinem Stream länger als 10 Sek. durchgehalten. Wer will schon Gespräche von pubertierenden Teens freiwillig anschauen? Zwei interessante Angebote hatte ich auch entdeckt, aber ob jetzt ein Kiosk in New York wirklich von belang ist, kann bezweifelt werden.

Was gerne vergessen wird, das Potential von Younow

Wenn man einmal einen Schritt zurück geht und sich neutral die Technik anschaut, ist das eigentlich der Hammer. Ich kann nämlich sofort einen Livestream von der Webcam meines Laptops ins Internet stellen und den Link öffentlich sharen. Davon haben wir E-Learning-Experten die letzten 10 Jahre geträumt. Man muss keinen Admin fragen, keine Software installieren und nicht einmal einen Account anlegen und das alles geht dann auch noch per App, wo man die Kamera (Front oder Back) noch auswählen kann. Ich verstehe dabei überhaupt nicht, warum keiner in Jubelgesänge ausbricht. Die Lösung ist sogar so einfach, das müssten sogar Lehrer hinkriegen, wahrscheinlich sogar Lehrerinnen (das war jetzt Ironie) und neben dem Livestream gibt es sogar einen Chat.

Die Szenarien sind quasi unendlich. Ich kann jetzt bei jeder Konferenz einfach per Smartphone und WLAN die Session streamen und das geht natürlich auch bei Fussballspielen, Konzerten, Vorträgen und auch im Unterricht. Die Session  werden sogar aufgezeichnet, ich weiss allerdings nicht wie lange die Maximal-Zeit ist und eine Export-Funktion hab ich auch nicht gesehen. Trotzdem ist Younow ein Riesenschritt nach vorne und kann hier mit Google-Hangout verglichen werden.

Und was ist mit den Gefahren? Die Kids wissen doch gar nicht was sie da tun.

Das Angebot richtet sich wirklich eindeutig an die Kids, aber trotzdem kann ich die Gefahren nicht erkennen oder nicht richtig einordnen. Wenn die Kids sich dort präsentieren, dann machen die das halt und wenn sich dort Erwachsene reinschleichen um daran teilzunehmen, dann ist das zuerst einmal nichts verbotenes. Natürlich muss man den Kids erzählen, dort nichts blödes zu machen, aber das ist nichts anderes, als mit fremden Menschen nicht ins Auto zu steigen. Das sollte man den Kindern beibringen und Younow wird die Eltern auch nicht neu fordern, immerhin sollten sie nach SchülerVZ, Facebook, Abofallen, Alkohol und Shades of Grey genug trainiert sein, um auch noch vor Younow zu warnen. Die Geschichte wiederholt sich und nach 20 Jahren Internet ist es mal wieder sehr erstaunlich, dass da überhaupt jemand darauf reagiert.

Typisch deutsch, zuerst kommt die Gefahr, dann das Potential

Ich fühle mich bei Younow mal wieder bestätigt, denn die Gesellschaft und die Medien können nichts anderes als Warnungen aussprechen und sehen kein Potential. Die Younow Berichterstattung zeigt es mal wieder. Da probiert keiner aus, keiner sieht die Vorteile, keiner denkt an positive Einsatzbeispiele, sondern das erste was einem einfällt sind die Gefahren und danach kommen die Verbote. Die Angst vor dem Internet scheint eine deutsche zu sein.