Gedanken zum OER-Festival 2016

Das war jetzt mein drittes OER-Festival fka OER-Konferenz in Berlin und es ist vielleicht Zeit, ein Fazit zu ziehen. Wo steht OER in Deutschland und was ist bisher geschehen und vor allem, was wird geschehen?

Manchmal lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit, denn 2013 und 2014 wurde die Konferenz noch von Wikimedia organisiert, aber 2015 hat sich wohl etwas geändert haben, denn es gab keine Konferenz in Berlin. Jetzt gibt es das OER-Festival mit einem neuen Konzept und mit den neuen Veranstaltern: Jöran und Konsorten, Transferstelle OER und oncampus.

oncampus beim OER-Festival

oncampus beim OER-Festival

Dazu gab es auch eine neue Heimat. Ich bin schon etwas stolz, wenn ich hier schreiben kann, dass die Landesvertretung von Schleswig-Holstein ein wirklich sehr offener, freundlicher Gastgeber in diesem Jahr war und ich möchte auch hier unseren Staatssekretär Fischer zitieren: „Schleswig-Holstein als Land der Meere, steht wie kaum ein anderes Bundesland für Offenheit und ist damit ein perfekter Gastgeber für das OER-Festival“.

Und nicht nur wir Lübecker engagieren uns tatkräftig für OER auch eine weitere Hansestadt hat mit der #hoou (Hamburg Open Online University) das vielleicht spannendste OER-Projekt Deutschlands gestartet und war in Berlin auch reichlich vertreten. Im Moment bekommt OER also mächtig Rückenwind aus dem Norden 🙂

Konferenz, Festival, Barcamp oder Award?

Das diesjährige OER-Festival ist quasi vor Aktionismus explodiert. Neben einem zweitätigem Barcamp, gab es noch das Fachforum und es gab auch Preise. Für manche war es zu viel, andere konnten gar nicht genug bekommen und wieder andere haben sich nur ihren kleinen Teilbereiche gesucht. Alles wurde natürlich medial und social begleitet. Inzwischen sind knapp 500 Bilder auf Facebook veröffentlicht und es waren auch mehrere Kamerateams unterwegs. Eine heutige Konferenz findet nicht mehr an nur einem Ort statt, wenn doch bloss andere angebliche E-Learning-Konferenzen auch wüssten, dass es das Internet gibt 🙂

Tipp: Inzwischen gibt es einen lesenswerten Storify, den ich hier wärmstens empfehlen möchte.

Ein anderes Highlight waren sicherlich die Awards. Preise müssen sein, denn so feiert sich jede Szene seit Jahren erfolgreich selbst und kann auch außerhalb auf Aufmerksamkeit hoffen. Neben der gelungenen Verleihung war der rote Teppich ein absoluter Eyecatcher und fast alle Preisträger haben sich hier ablichten lassen.

Alle #ichMOOC-Macher auf einem Bild

Alle #ichMOOC-Macher auf einem Bild mit dem „Preis für Innovation in der Erwachsenenbildung“

Überhaupt gab es dutzende schöner kleiner Ideen, die jede für sich das OER-Festival einfach besser gemacht haben. Ich weiss ja, wer dahinter gestanden hat und ich möchte mich hier ausdrücklich an das gesamte Orga-Team bedanken. Ihr ward alle super :-X

Und was ist denn nun passiert?

Als erstes muss man sagen, dass OER in Deutschland angekommen ist. OER ist inzwischen ein Querschnittsthema geworden, denn das Festival hat eines ganz sicherlich gezeigt, OER ist aus der Nische der Experten herausgetreten denn es waren zum ersten mal auch größere Kreise dabei. Neben der Politik (ich habe persönlich mit der SPD, den Piraten und den Grünen gesprochen), waren auch Stiftungen und Gewerkschaften vertreten und natürlich die Bildungsorganisationen Schulen, Volkshochschulen und Hochschulen und dazu natürlich viele Verbände und Vereine. OER stösst inzwischen auf ein breites Interesse, obwohl bestimmt immer noch geschätzte 98% nicht wissen, was OER ist.

Dann darf man nicht unterschätzen, was vor und nach einer solchen Konferenz passiert. So fördert der Bund seit letztem Jahr OER mit 2 Millionen Euro pro Jahr und so wurden kurz vor Konferenzbeginn zwei Projektergebnisse veröffentlicht, zum einen MappingOER und die Machbarkeitsstudie. Beide wurden sehr kontrovers diskutiert und die nächste Ausschreibung ist auch schon online. Ich sehe alle drei Förderungen auch sehr kritisch, muss jedoch sagen, dass hier auch der gute Wille zählt und man sollte erstmal froh sein, dass überhaupt etwas passiert. Besser geht es immer, und dann sollte man es auch selbst besser machen oder verstummen.

Das Qualitätssiegel

Was immer wieder diskutiert wird ist die Qualitätssicherung von OER und nur damit, könne sich OER durchsetzen. Viele Experten sagen jedoch, dass ein bürokratischer Qualitätsmanagement-Prozess und vor allem eine „finale Version“ eines OER-Nuggets, die wahren Möglichkeiten und die Dynamik von OER töten würden. OER besteht aus dem Remix (obwohl dies noch nicht gelebt wird) denn digitale Inhalte sind per se zum weiterverwenden gedacht. Eine Verknüpfung mit einem Qualitätssiegel kann so nicht funktionieren, jedoch habe ich schon bei der GMW an einer unsinnigen „Qualität in Videos“-Diskussion teilgenommen, wo danach grade einmal 50% meiner Meinung gefolgt sind. Alle Politiker sind eigentlich meiner Meinung, aber leider sagen auch alle, dass das Qualitätssiegel kommen wird. Versteht einer diese Politik?

Außerdem verstehe ich überhaupt nicht, warum jemand, der OER macht und kostenlos ins Netz stellt, sich auch noch die Arbeit machen sollte, diese Inhalte bei einer Prüfstelle einzureichen? Dadurch hat er doch nur Mehrarbeit, die dann für Aktualisierungen fehlt. Hier zeigt sich schon auf mehrere Ebenen, dass man weder das Internet, die Digitalisierung noch OER verstanden hat, aber die deutsche Bürokratie und die sinnfreie Überzeugung von Qualitätsmanagement hat man verinnerlicht. Womit ich aber auch nicht sagen will, dass Qualität unwichtig wäre. Aber es gibt Mechanismen, wie z.B. Like-Buttons, Klicks, Resharing und Disskussionsforen (siehe YouTube), die wichtige Indikatoren von Qualität seien können. In 95% aller Fälle reicht das und jetzt sollte man erstmal ein besseres System zeigen, was auch keinen Aufwand macht.

Und dann war da noch die Rechtssicherheit

OER-Macher brauchen Sicherheit ist auch eine Forderung, die sich gut anhört, aber schwer umsetzen lässt. Die einen fordern eine Fair-Use-Regel wie in den USA, was aber auf EU-Ebene nie kommen wird und andere sagen, man solle doch einen Fonds einrichten, aus dem die Anwälte der OER-Macher bezahlt werden. Das man damit nicht das Problem löst, sondern nur Symptome bekämpft, muss man gar nicht erst sagen und natürlich ist das eine willkommenes Geschäftsmodell für jeden Abmahn-Anwalt. Wenn man weiss, dass die Prozesskosten immer bezahlt werden, finden sich schon einige Anwälte, die nur darauf warten zu klagen. Und ich möchte gar nicht erst wissen, wer dann auch noch entscheidet, wer förderfähig ist und wer nicht. Es wäre viel besser einen Fonds für OER-Macher zu machen, aber mit dem fOERde-Award wurde hier schon ein kleiner Schritt, in die richtige Richtung gemacht.

Und wo sich alle einig waren

Alles was gefördert wird, muss OER sein! Dazu muss man gar nicht viel schreiben, da es logisch ist. Meine Steuergelder sollten auch der Öffentlichkeit dienen. Man kann jetzt sofort damit anfangen, tut keinem weh und was in der Vergangenheit produziert wurde, bleibt auch dort. Hat man das umgesetzt kann man sagen, dass irgendwann einmal, alle Lehrer und Professoren auch alles unter OER veröffentlichen sollten, aber wir wollen nicht gleich übertreiben. Es wäre auch schön, wenn wenigstens Konferenzen, die sich mit dem Thema beschäftigen, wie GMW, Campus Innovation, Learntec und Online-Educa darauf bestehen würden, alle Konferenz-Beiträge als CC BY zu veröffentlichen.  Das kann doch nicht so schwer sein.

Und was hab ich so gemacht?

Als OER-Macher und Mitveranstalter hat man natürlich volles Programm. Ich hab eine OER-Maker Session beim Barcamp gehalten, hab mich ganz viel mit Politikern unterhalten und war auf zwei Panels beim Fachforum.

Parallel hab ich dann noch ca. 10 Interviews für den kommenden #COER16 MOOC aufgenommen und natürlich ganz viel genetzwerkelt.

Und wie geht es weiter

Ich hoffe nach dem #OERde16 ist vor dem #OERde17 , also es soll jetzt erstmal alles verstetigt werden. oncampus und Jöran & Konsorten können gerne wieder ausrichten, dazu rollen Graz und Lübeck die OER-Szene aus dem Norden und Süden auf, denn wie gesagt, wir machen den #OER-MOOC #COER16 gemeinsam auf zwei MOOC-Plattformen.

Wir werden dies Jahr sicherlich noch ein paar OER-MOOCs veröffentlichen, u.a. Arbeit 4.0 und Netzwerksicherheit. Die Politik hat erste Weichen gestellt und wir reden sehr viel mit Politikern, die sehr oft besser sind, als ihr Ruf.

Und natürlich wird OER als Querschnittsthema bei allen zukünftigen Konferenzen ein Thema sein und alle Veröffentlichungen sollten, wie oben erwähnt,  auch OER sein.

Resume

Die Konferenz war meiner Meinung nach sehr wichtig. Es war genau der richtige Zeitpunkt und am richtigen Ort um die Szene zu vernetzen, sich auszutauschen und Projekte anzustossen. OER ist in allen Bildungsbereichen angekommen und verstetigt sich. Der Norden wird in den kommenden Jahren wahrscheinlich eine Hauptrolle spielen und alle anderen sind aufgefordert mitzumachen. Auch die MOOCs, trotz aller Kritik, sind einer der Hauptmotoren in der OER-Bewegung und stehen als Flagschiffe für die neuen Möglichkeiten der digitalen Bildung. Und zu guter letzt, es hat wirklich Spaß gemacht 🙂

 

 

Warum können wir OER machen?

Die #OERde16 steht vor der Tür und oncampus ist einer der Veranstalter. Ich freue mich darüber riesig, denn ich unterstütze OER (Open Educational Resources) schon lange. Angefangen hat das vor neun Jahren mit dem Soft-Skills-Online Kurs „Medienkompetenz“, den ich damals als Autor geschrieben habe. Daran kann man auch sehen, wie lange manche Ideen brauchen, bis sie in eine Institution übergehen.

OERde16

Ich habe seit dem noch an vielen #OER-Projekten mitgearbeitet, unterstützt oder selbst umgesetzt, z. B. L3T, Schulbuch-O-Mat, VFHCAB, Wikimedia Wissenswertpreis, YouTube-Playlists und jetzt natürlich unsere MOOCs wie der ichMOOC, MOOC25 oder Projektmanagement. Bei allen Projekten waren mir die Vorteile jedoch nicht immer klar. Natürlich ist es besser für die Welt, wenn alles frei verfügbar ist und dieses deutsche Urheberrecht ist auch zu kompliziert. Dazu kommt, dass man als Hochschule auch einen gesellschaftlichen Auftrag hat, sonst könnten wir auch Studiengebühren einführen. Vielleicht stehe ich mit dieser Meinung aber auch alleine da. Trotzdem ist der wahre Vorteil, von OER schlecht greifbar und vermittelbar.

Im Intranet (LMS) herrscht Anarchie

Warum kaum ein Mensch weiss, dass er  OER braucht ist ziemlich einfach. So lange die Materialien in einem geschlossenen System, wie z. B. LMS stehen, merkt kaum keiner, ob dort Urheberrechte verletzt werden oder Plagiate stehen. Das Intranet ist gefühlt ein rechtsfreier Raum, was sich aber demnächst ändern soll.

OER für sich alleine bringt kaum Mehrwert

Professoren sind Einzelkämpfer und Vorlesungen sind in der analogen Welt auch Einzelveranstaltungen. Jeder bereitet seine Vorlesung mit seinen Materialien vor. Es gibt kaum einen Grund oder auch Vorteil fremde Inhalte zu verwenden und es gibt sogar erhöhten Aufwand, wenn man seine Materialien frei ins Netz stellt, da man plötzlich auf die Rechtslage achten muss. Und wenn man fremde Inhalte benötigt, kann man doch auch eine Literaturliste anfertigen und die Studis in die Bibliothek schicken.

OER hat sein Vorteile erst in der fremden Wiederverwendung

Warum braucht man also OER? Das „Aha“-Erlebnis hatte ich bei unserem ersten Refugee-Kurs, wo wir OER-Materialien im Netz gesucht haben. Es war jedoch einfach nichts zu finden, denn entweder waren das nur Blended-Learning Inhalte, wie z. B. Powerpoint-Slides oder kurze PDFs oder sie waren nicht portierbar oder es war halt nicht OER. Wir haben dann einen eigenen Kurs ins englische übersetzt, was jedoch nur einen Teilproblem darstellt. Ganz allgemein sind Übersetzungen ein ideales Beispiel, warum man OER braucht, denn man könnte ganz schnell (fremde) Inhalte übersetzen und anpassen. Das ist gerade jetzt aktuell, wo man doch arabische oder englische Inhalte sehr schnell für Flüchtlinge benötigt. Diese könnten dann z. B. auch von der Crowd übersetzt werden, wenn man denn die Rechte hätte.

Der andere Punkt ist jedoch wesentlicher, denn der Grund warum wir überhaupt komplette Kurs-Inhalte hatten und keine granularen Learning Objects ist, wir arbeiten im Netzwerk. Es war in der Virtuellen Fachhochschule schon immer so, dass Inhalte geshared wurden und viele Hochschulen, die gleichen Inhalte verwenden. Man entwickelt einmal (meist kostenintensiv) und verwendet die Inhalte n-mal. Das ist der Unterschied zwischen analog und digital, denn im Netz machen Inhalte für einen alleine immer weniger Sinn. Das Internet fördert die Zentrierung auf der Produktionsseite und kann daher die Individualisierung auf der Anwenderseite (irgendwann?) ermöglichen. Die Grundstruktur der Arbeit/Lehre ändert sich daher radikal. Manche nennen das Arbeit 4.0 oder bei uns Hochschule 4.0.

OER ist der Schritt nach der Digitalisierung

Viele Experten haben geschrieben, dass E-Learning gescheitert wäre. Das könnte ich sogar unterschreiben. Ich habe immer gesagt, dass das „M“ im LMS, der wichtigste Buchstabe ist. Es geht nicht vorrangig um das Learning, sondern um die Gesamtheit. Die Digitalisierung verändert die Organisation, das Management und letztendlich (und nicht zuerst) die Lehre. Die sogenannten E-Learning Projekte sollten also personenunabhängig autonom aufgestellt sein. Das funktioniert sehr viel besser, wenn sie offen sind. Nur dann könnten andere die Inhalte übernehmen und anpassen oder übersetzen. Damit das aber funktioniert, muss das Selbstverständnis der Lehre diskutiert werden. Professoren dürfen sich nicht mehr als Einzelkämpfer sehen und Intranets sind keine rechtsfreien Räume.

 

 

 

Campus Innovation oder besser Stagnation

Die Hamburger Campus Innovation ist quasi meine Lieblings-Konferenz. Nicht nur das sie in der besten Stadt Deutschlands stattfindet, nein es ist auch noch direkt vor der Haustür. Außerdem hat sie meiner Meinung nach das beste Konzept, da sie mit drei Tracks nicht nur E-Learning als Schwerpunkt setzt, sondern auch dem Campus-Management, der IT und dem eigenen Hamburger Projekten genug Freiraum lässt. Die Organisation ist quasi immer perfekt und dies Jahr gab es auch endlich mit #CIHH15 einen vernünftigen Hashtag, der im Programm gut und rechtzeitig platziert war. Das hat aber nichts an der Anzahl der Tweets geändert, die wie bei jeder E-Learning Konferenz, nur bei ca. 5% der Teilnehmer lag. Es ist ja bekannt, dass gerade in Deutschland, die sozialen Netze gerade nicht von den Intellektuellen genutzt wird. Warum sollte denn dann eine E-Learning Konferenz eine Ausnahme sein? Wo wir auch schon beim Grundproblem angekommen sind, die E-Learning Spezialisten in Deutschland verstehen immer noch nicht das Internet.

Keine Innovation, sondern Stagnation

Mir ist es schon bei den letzten Konferenzen aufgefallen, und die Teilnehmerzahlen geben mir da auch recht. E-Learning ist nicht (mehr?) innovativ und Beiträge sind meist fad und geben entweder Altbekanntes oder Selbstverständlichkeiten wieder. In Hamburg begann es schon mit der Keynote von Johannes Heinlein von edX, dessen Vortrag vor zwei Jahren spannend gewesen wäre, aber heute eher altbacken wirkte, bis auf die Erwähnung der Änderung der Architektur, weg vom Hörsaal, hin zum Learning Space.

Der negative Höhepunkt war vielleicht das tausendfach zitierte Bild der Papstwahl:

Papstwahl 2005 zu 2013

Sehr spannend fand ich die Entscheidung, dem Journalisten Christian Füller zur zweiten Keynote einzuladen, dessen Schwerpunkt bekanntlich Schulen sind. Sein Vortrag war nicht nur gut vorgetragen, sondern teilweise auch provokant, leider war dennoch kaum Neues zu entdecken.

Ich kann leider nur vom E-Learning Track berichten, jedoch hatten viele Vorträge eher das Scheitern, das Versagen und den negativen Ausblick als Thema. Beispielhaft fand ich hier den sehr guten Vortrag von Malte Persicke, der eigentlich nur beschrieben hat, warum er es nicht schafft, vernünftige MOOCs zu entwickeln, sondern es bei begleitenden Vorlesungsaufzeichnungen belassen muss.

Das ist genau die Situation, die in Deutschland zu oft passiert. Es gibt Dutzende wahrscheinlich sogar Hunderte einzelner Projekte, die aber immer personengebunden sind und es nicht schaffen, die Brücke in die Institution zu schlagen. Das liegt natürlich daran, dass jedes Projekt mit einem eigenen Projektstab vertraut ist und diese Mitarbeiter mit dem Projekt kommen und gehen. Das bedeutet immer Einarbeitung und dann fehlt die Verstetigung. Als Beispiel kann man immer die MOOCs nehmen, wo jedes mal ein Produktionsteam für die Videoproduktion entweder aufgebaut wird oder teuer eingekauft wird. Dann werden 20 Videos produziert, und danach verschwindet das ganze Wissen wieder. MOOCs werden aber erst bei der dritten oder vierten Produktion gut, aber das klappt nicht, wenn man nur einen MOOC beantragt hat und keine Wiederholungen gefördert kriegt obwohl die die Wiederholung natürlich kostengünstiger wäre (wenn man von xMOOCs spricht und nicht von cMOOCs).

Im krassen Gegensatz steht hier aber die Funktionsweise des Internets. Digitalisierung bedeutet Zentrierung! Das Internet braucht nur ein Kaufhaus, eine Suchmaschine und eine Landkarte. Vielleicht sind es auch zwei oder drei Angebote, aber niemals 428. Was den Hochschulen fehlt ist eine digitale übergreifende Strategie, wo wir schon beim nächsten Thema wären. Seit gut 18 Monaten wird plötzlich die digitale Strategie als neuer Hype durch die E-Learning Landschaft getragen. Was mit dem Stifterverband angefangen hat, wurde in Hamburg versucht weiterzudenken. Prof. Kerres hat hier einen schönen Vortrag gehalten, dessen Ergebnis für mich jedoch eher deprimierend aussah. Außer Absichtserklärungen und ersten Workshops ist quasi nichts passiert und wenn man viel Glück hat, werden Landesinitiativen gegründet, wie z.B. die Hamburg Open Online University. Man könnte das positiv sehen, da es jetzt endlich anfängt und E-Learning auch als Digitalisierung begriffen wird. Dies ist jedoch quasi Stand des Netzes von 2005. Das bedeutet, dass die Hochschulen immer noch nicht begriffen haben, was das Netz und die Digitalisierung ausmachen. Es wird immer noch klein klein gemacht, es wird sehr viel geredet und der Föderalismus steht konträr zur Digitalisierung. Internet bedeutet Geschwindigkeit und Vernetzung, aber wir fangen jetzt erst an, darüber nachzudenken was eine Strategie wäre, dabei können MOOCs ohne Strategie nicht nachhaltig funktionieren und OER hat auch nur einen Sinn, wenn man sie vernetzt benutzt. An den Weichen wird zaghaft gearbeitet, aber das Fundament bleibt unangetastet.

Und wie steht es um die Openness?

Wie auch immer Openness definiert wird, als Öffnung der Hochschule für den zweiten Bildungsweg z.B. über MOOCs oder als Anbieter freier Materialien z.B. OER, beides wurde wie immer nicht gelebt. MOOCs sind quasi nicht existent im deutschen Hochschulbereich, bis auf TU München, das HPI, FH Lübeck und mit Abstrichen TU9 und Leuphana und über OER wurde etwas geredet, aber wie immer nicht gelebt. Weder die Slides der Vortragenden, noch der Tagungsband und auch nicht die Videos (handwerklich wie immer sehr gut gemacht) sind als OER zugänglich. Hier wird erwartungsgemäß(?) kein Zeichen gesetzt, sondern es geht genauso langsam weiter, wie eh und je. Warum sollte man auch die Erkenntnisse der Forschung, dass OER u.a. qualitativ besser sind, selbst leben und vom Resharing oder Remixing will ich erst gar nicht reden. Da fragt man sich dann doch, wie das mit dem Konzept der Hamburg Open Online University vereinbar ist. Es ist halt wie immer, es wird sehr viel geredet aber weder gemacht und erst recht nicht gelebt.

Stagnation

Es tut mir leid und ich will diesen Beitrag nicht als Kritik der Campus Innovation sehen, denn für die Inhalte ist die Organisation nicht verantwortlich. Es geht mir um die Stagnation des  gesamten E-Learnings in Deutschland. Nach 15 Jahren muss doch langsam in der einen oder anderen Hochschule E-Learning mit Digitalisierung im Präsidium angekommen sein und es müsste doch ein oder zwei Leuchtturmprojekte in Deutschland sehen zu sein. Stattdessen wird eigentlich nur gezeigt, was nicht geht und es wird ganz viel gejammert. Die Erkenntnis jedoch, dass E-Learning nicht personengebunden ist, sondern institutionell betrachtet werden muss, darauf scheint nach dieser langen Zeit immer noch niemand zu kommen.

MOOC Of The Year 2016

Die Fachhochschule Lübeck und oncampus suchen den „MOOC Of The Year 2016“ #MOTY16 . Jeder mit einer Idee für einen MOOC kann sich bewerben, und erhält eine Förderung im Wert von 25.000 Euro. Der Call läuft bis 16.August und danach gibt es beim Educamp in Berlin am 6.September ein Finale, wo sich alle Finalisten vorstellen sollen.

MOOC Of The Year 2016 #MOTY16

MOOC Of The Year 2016 #MOTY16

tl;dr

Die Idee zum #MOTY16 kam uns schon vor längerer Zeit, denn wir suchten eine besondere Idee für das neue MOOCcamp. Am SA/SO findet es gemeinsam mit dem Educamp und dem OERcamp in Berlin statt. So viele „Weltverbesserer Camps“ gab es wohl noch nie in an einem Ort in Deutschland und vielleicht übertreiben wir es auch, oder die Idee ist genial. Fakt ist, dass es in der Organisation vieles einfacher macht und da parallel auch noch die „The Digital Turn„-Woche vom Hochschulforum Digitalisierung ist, hat man noch mehr Synergie Effekte. Am Dienstag, den 8.September findet nämlich der Rückblick vom Fellowship Programm „MOOCs and beyond“  statt, wo man einmal darüber reflektieren wird, was aus den geförderten MOOCs geworden ist.

Educamp Berlin 2015  #ECBER15

Educamp Berlin 2015 #ECBER15

Das MOOCcamp

Das MOOCcamp findet jetzt zum zweiten mal statt. Das erste war vor zwei Jahren in Frankfurt und wurde von Studium Digitale und der MOOC Beratung durchgeführt. Diesmal findet es unter dem Dach des MOOChub statt, also von den beiden MOOC-Portalen iMooX und mooin und dahinter stecken TU Graz, Uni Graz, FH Lübeck und oncampus (ganz schön viele Namen) und wir möchten uns auch ganz herzlich bedanken, dass wir den Namen weiterführen dürfen.

Die Durchführung ist sehr simpel, denn alles läuft dankenswerterweise unter dem Dach des Educamps und wir labeln einfach die Barcamp-Sessions zum Thema „MOOC“ als MOOCcamp. Also alle MOOC-Macher und Interessierte sind ganz herzlich beim Educamp willkommen und so werden auch diese Welten zusammengeführt. MOOCs sind auch Bildung und von daher ergänzen wir uns. Man sieht und merkt hoffentlich, dass sich die deutschsprachigen Communities immer mehr vernetzen und das geschieht nicht, weil wir weniger werden, sondern weil die verschiedenen Disziplinen nicht mehr einzeln betrachtet werden können, sondern alles zusammenwächst.

MOOC Of The Year 2016

Wenn das Educamp endet und damit auch das OERcamp, geht das MOOCcamp weiter. Dann beginnt das Finale vom „MOOC Of The Year 2016“ und alle Finalisten sollen in 10 Minuten-Sessions, ihr MOOC-Konzept vorstellen. Das Finale soll natürlich öffentlich sein und wir sind ganz gespannt, ob es neue MOOC-Ideen in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt, oder ob der Hype vorbei ist, und Bildung für alle niemanden interessiert.

mooc_of_the_year_logo

Im Gegensatz zum Fellowship gibt es beim #MOTY16 zwei wesentliche Unterschiede. Zum einen geschieht die MOOC Produktion nicht beim Sieger, sondern wir unterstützen die Produktion mit dem Know-How aus Lübeck. Das hat ganz viele Vorteile, denn wir haben kurze Wege (bei einer MOOC-Produktion sind im Schnitt 7 Leute in Lübeck involviert), und wir haben viel Erfahrung mit verschiedensten MOOC-Produktionen und natürlich kennen wir alle Tools und unsere Plattform mooin am besten. Aber wir wollen auch niemanden ausbremsen, und sind für neue Ideen immer offen.

Zum anderen soll der neue MOOC Of The Year 2016 komplett unter CC BY als OER MOOC veröffentlicht werden. Wir wollen damit die Nachhaltigkeit fördern und zum Remix auffordern. Wir reden nicht über OER, wir machen sie.

Und danach?

Wenn der Sieger feststeht, geht es erst richtig los. Der #MOTY16 soll im Winter produziert werden, damit er im Frühjahr online gehen kann. Wir sind selber sehr gespannt, was passieren wird. Immerhin kann sich jeder bewerben, also Hochschulen, aber auch Institutionen oder Vereine aber auch Einzelpersonen oder Verbände. Wir haben schon mit dem VideoMOOC und vor allem mit dem ichMOOC gezeigt, dass wir nicht nur Hochschul-Themen behandeln, aber mit Marketing als auch Projektmanagement, haben wir auch typische Hochschul-Themen und demnächst kommt wohl Cyber-Security (hab ich jetzt zuviel verraten?).

Wir suchen auch neue MOOC-Macher

Wir haben also sehr viel zu tun und sprühen vor neuen Ideen. Daher vergrößern wir gerade unser Team und wer Lust hat den MOTY16 zu entwickeln und zu betreuen oder einfach nur in Lübeck, der schönsten Stadt Norddeutschlands, im digitalsten E-Learning Team Deutschlands (na ja etwas übertrieben 🙂 ) mitzuarbeiten, dann einfach bei mir melden. Ich schreibe gerade die Stellenbeschreibung und wir suchen motivierte Digitalisten, die Lust auf „Bildung für alle und noch viel mehr“ haben.

 

 

YouTube und der Algorithmus des Urheberrechts

YouTube perfektioniert das Urheberrecht durch Algorithmen. Automatisch werden neue Videos nach geschützten Inhalten, wie Musik oder Ausschnitten gescannt und ausgewertet. Wollen wir das so und was werden dann die nächsten Schritte sein?

tl;dr

Ich bin ein sehr großer YouTube Fan. Das war schon immer so und es wird immer „schlimmer“. Durch die API können wir sogar Quizzes direkt in die Videos schalten, wie wir das bei mooin sehr innovativ und erfolgreich mittels Capira machen.

Wir können Videos monetarisieren, haben Untertitel, es gibt Diskussionsforen, erhalten Statistiken und technisch ist YouTube die beste Plattform der Welt. Die Videos laufen auf jedem Gerät und jedem Browser und für jedes Mobil Device gibt es eine App. Nicht umsonst spricht man seit einem Jahr auch in Deutschland von YouTubern und zeichnet sie inzwischen mit Preisen aus.

YouTube hat eine automatische Musikerkennung

Wir haben mit dem gemeinsamen YouTube-Kanal der FH Lübeck und von oncampus einen der größten Channels aller deutschen Hochschulen. Vor ca. drei Jahren habe ich einen Clip eines Fachbereiches hochgeladen.

Die Hintergrundmusik ist dabei lizenziert worden und ich bekam damals von YouTube einen Hinweis, dass es sich hier um Copyright-Problem handelt. Ich musste die Rechnung per Dialog (sehr nutzerfreundlich automatisiert) an YouTube schicken, damit das Video endgültig online gehen konnte. Ich meine, ich hatte eine großzügige Frist bekommen. Das Video konnte gleich online gehen und der Beweis wurde später nachgeliefert. Ob dies heute noch so ist, weiss ich nicht. Das ganze lief ohne Probleme ab.

Das war die erste Erfahrung mit der automatisierten Copyright-Erkennung und ich war wirklich positiv überrascht. Alles ging sehr schnell, alle Dialoge waren nutzerfreundlich und Google konnte automatisch Musik erkennen. Warum auch nicht, Shazam und Co können das auch und die Songs müssen nur in Datenbanken hinterlegt sein. Warum allerdings heute immer noch Musikvideos ohne Copyright-Probleme hochgeladen werden können, erschließt sich mir nicht. Es ist müsste doch sehr einfach sein, komplette Musikverzeichnisse zu hinterlegen, aber das wird vielleicht noch kommen.

YouTube hat inzwischen auch eine automatische Bilderkennung

Letzte Woche dann die neueste Erfahrung. Wir wollten ein Video einer Webkonferenz hochladen. In der Webkonferenz wurde ein 40 Sekunden Ausschnitt eines YouTube-Stars in einem kleineren Fenster gezeigt. Nach dem Upload hat YouTube sofort eine Meldung angezeigt, das meine Webkonferenz-Aufzeichnung Fremd-Content beinhaltet. Es wurde mir die genauen Sekunden-Angaben angezeigt und der Rechteinhaber genannt, aber auch vorbildlich darauf hingewiesen, dass ich diese Inhalte nutzen könne, jedoch wird jetzt Werbung geschaltet, deren Einnahmen an den Rechteinhaber fliessen. Ich habe aber die Möglichkeit Einspruch zu erheben.

YouTube Copyright Hinweis plus Einspruch-Option

YouTube Copyright Hinweis plus Einspruch-Option

So weit, so gut. Technisch ist die Lösung brillant. Immerhin wurde der Fremd-Content nur in einem Teilbereich gezeigt und dann auch nur 40 Sekunden und die Meldung kam sofort nach dem Upload. Es stellen sich jedoch viele Fragen, die YouTube per Algorithmus versucht möglichst einfach zu beantworten. Könnte der Ausschnitt auch unter das Zitat-Recht fallen? Falls nicht, wie will man denn z.B. Filmszenen oder Musikvideos besprechen, wenn man diese nicht darstellen darf? Was passiert, wenn ich mehrere Ausschnitte in meiner Aufzeichnung nutze? Wer kriegt dann das Geld der Anzeigeneinnahmen? Ich darf das Video auch nicht unter einer freien OER Lizenz veröffentlichen, obwohl ich wahrscheinlich der geistige Urheber bin. Warum gilt das Urheberrecht nur für den Ausschnitt, aber nicht z.B. für den Pullover von Adidas, den ich im Video anhabe oder für das Bild im Hintergrund?

Natürlich kann man das nicht per Algorithmus entscheiden, denn die geistige Schöpfungshöhe ist immer eine Einzelentscheidung. YouTube bietet hier zusätzlich eine manuelle Einspruchsmöglichkeit an, was sehr vorbildlich ist, aber auch sehr aufwendig.

Und was mit dem Remix?

Ich kann es nur vermuten, doch meiner Meinung nach, bleibt der Remix hier liegen bzw, verschwindet in der Unsicherheit des Rechtssystems. Niemand würde sich trauen, Einspruch zu erheben und auf das Zitat-Recht verweisen? Selbst ich habe das Video sofort gelöscht bzw. hätte den Teil rausgeschnitten, denn wir wollten ein OER-Video haben. Das Urheberrecht ist komplex und YouTube versucht es bestmöglichst umzusetzen. Man merkt jedoch überall, dass dies kaum geht und es ist wirklich schwer nachvollziehbar, wenn man erstmal anfängt weiter zu denken.

Und wie könnte die Zukunft aussehen?

Wenn YouTube schon Musik und Teilinhalte automatisch scannen und zuordnen kann, was dürfte denn dann als nächstes kommen? Wird YouTube die oberste Copyright Instanz und der Algorithmus Richter und Henker in einer Person? Wie sieht es mit dem Persönlichkeitsrecht aus? Wenn ich bei einem Video Einspruch erhoben haben, filtert YouTube dann alle Videos mit mir aus? Oder wird YouTube alle Videos mit mir demnächst anzeigen können. Das wird umso interessanter, wenn sich 4k Videos durchsetzen und man auf jedes Gesicht zoomen kann. Gelten Persönlichkeitsrechte auch auf hochauflösenden Aufnahmen?

Dabei werden Facebook und Google natürlich eine Vorreiterrolle einnehmen. Schon heute kann man auf beiden Portalen Menschen zuordnen und Google will seinen Fotodienst dementsprechend weiter ausbauen. Der Gesetzgeber muss versuchen ein Spagat zwischen Urheberrecht und Remix zu schaffen, was bisher eine Katastrophe war. Ich frage mich dabei auch, ob man da überhaupt mit Kompromissen arbeiten kann. Alle bisherigen Lösungen, sind viel zu komplex und arbeitsintensiv, als dass man sie anwenden könnte. Hier freuen sich nur Anwälte.

Resumé

Was YouTube macht, ist auf den ersten Blick unheimlich und man fühlt sich entmachtet. Auf den zweiten Blick bringt er jedoch Klarheit in ein undurchschaubares System, und höchstwahrscheinlich werden die Urheber mehr geschützt, als die Remixer gefördert. Mich erinnert das Vorgehen jedoch an einen Überwachungsapparat. Im Auto will ich doch auch keinen Computer haben, der nach GPS meine Höchstgeschwindigkeit nach der erlaubten Geschwindigkeit regelt. Ist das der erste Schritt zur Allmacht des Codes? Der erste Terminator, der unser Leben bestimmt? Ich habe ihn, in einer anderen Gestalt erwartet 🙂

Keynote iMooX „Best Practice MOOC“

Ich durfte bei der iMooX Abschlussveranstaltung die Keynote halten und durfte ein paar Worte über unsere MOOC-Entwicklungen, das MOOC-Portal mooin und unsere gesamte digitale Hochschulstrategie „Lernen 4.0“ erzählen.

Es wird sehr oft von einem MOOC-Hype gesprochen und ich kann da nur warnende Worte entgegensetzen. Ich weiss zwar nicht ob MOOCs nachhaltig sein werden, aber ich weiss ganz genau, dass die Digitalisierung die Lehre nachhaltig ändern wird. Alle Content-Bereiche ändern sich radikal, ob es Bücher, Musik oder Filme sind und das gleiche gilt natürlich auch für die Lehre, die Frage ist nur wann und nicht ob.

Die Bildung wird zum Lerner kommen

MOOCs zeigen heute nur die radikalste Form der neuen digitalen Lehre und wir zeigen erleben es gerade live beim HanseMOOC, wo wir zum ersten mal quasi unbemerkt und last Minute, den Dozenten wechseln mussten. MOOCs sind natürlich unabhängig vom Dozenten und es wird nicht mehr lange dauern, dann werden diese Kurse vollautomatisch und damit ganz ohne Dozent unbetreut als „On Demand“-Angebote laufen. Dann werden wieder ganz viele Kritiker kommen und natürlich werden auch diese Angebote die Präsenzlehre nicht groß ändern oder ersetzen und trotzdem wird sich etliches ändern. Das ist eine ganz normale Entwicklung und der Markt bzw. die Nachfrage wird die Zukunft dieser Angebote entscheiden. MOOCs werden jedes Jahr besser und nicht schlechter, auch wenn man gerne abgefilmte Vorlesungen kritisiert, so sind diese Beispiele längst veraltet, wenn man sich einmal den VideoMOOC anschaut.

Die Folien meines Vortrages liegen schon länger bei Slideshare und es gab auch auf Twitter viel Feedback zur Keynote. Hier die Storify https://storify.com/oncampusfhl/servus-imoox-moin-mooin

 

OER wir machen, Jedi-Ritter wir sind

Neben den ganzen MOOCs, der MOOC-Plattform mooin und der Moodlemoot in Lübeck, kommt eine Botschaft zu kurz. Wir veröffentlichen nämlich fast alles auch unter CC BY, also einer freien OER Lizenz und sind damit Jedi-Ritter geworden 🙂

tl;dr

Die FH Lübeck bzw. oncampus sind schon seit Jahren fast unbemerkt ein großer OER-Video-Anbieter geworden. Im Jahr 2011 habe ich den Wissenswert-Preis Wikimedia gewonnen und viele unserer Lehrvideos, vor allem aus den Bereichen Kommunikationsnetze, Fertigungstechnik und Volkswirtschaftslehre, wurden dadurch von CC BY-NC auf CC BY umgestellt und barrierefrei untertitelt.

Die Videos haben inzwischen rund 400.000 Klicks erzeugt und sind dadurch, wie der ganze YouTube-Kanal, eine strategische Säule in der Infrastruktur von oncampus geworden. 2,5 Jahre später sind dann die MOOCs dazu gekommen, zuerst „Grundlagen des Marketing“, später dann der HanseMOOC und ab März folgen dann noch Projektmanagement, VideoMOOC und „Das Digitale Ich“. MOOCs sind zwar nicht zwangsläufig OER, doch verbindet beide Modelle der Grundgedanke der freien offenen Bildung für alle.

Stand der Dinge

Im Moment haben wir ca. 840 Videos auf YouTube liegen und davon sind ca. 380 öffentlich online. Wir haben über 1 Mio. Klicks und knapp 3.000 Abonnenten (die Klicks sind die zweit-meisten einer deutschen Hochschule und die Abonnenten die meisten, aber es gibt etliche Einzelprojekte bzw. -personen, die mehr haben). Unsere OER-Playlist hat ca. 400.000 Klicks und der Marketing-MOOC (ist auch komplett OER) hat 80.000 Klicks und 99% positive Bewertungen.

Da wir mindestens 18 MOOCs in den nächsten Jahren veröffentlichen werden, wir aber mit 40 planen, werden also zwischen 400 bis 800 neue Videos hinzukommen und alle sollen natürlich OER sein. Wir versuchen alle MOOC-Videos auch als eigenständige E-Lecture Reihe didaktisch zu konzipieren, so dass man sie auch ohne die MOOC-Inhalte konsumieren kann, aber ob das auch klappt, kann man jetzt noch nicht sagen.

MOOCs, OER und Geiz ist geil

Wenn von OER die Rede ist, dann wird oft der Begriff kostenfrei dazu gesagt. Doch man kann OER ohne Probleme auch für kommerzielle Angebote nutzen, wenn die Lizenz das zulässt und bei CC BY ist das auch ausdrücklich erlaubt. Man kann also ohne Probleme einen Vortrag aus Bildern zusammenbauen, die alle unter CC BY veröffentlicht sind und für den Vortrag Geld nehmen. Das muss auch so sein, denn meist brauchen die Nutzer nur einen Microcontent z.B. ein Bild für einen Vortrag und dafür extra ein Abrechnungssystem einzurichten, wäre viel zu kompliziert. Da ist die Verwaltung höher als die Einnahmen, obwohl die heutige Technik was anderes verspricht.

Das Gleiche gilt auch für MOOCs, denn auch diese offenen Kurse können kostenpflichtig sein, obwohl viele meinen, dass Open stehe für kostenfrei. Andere behaupten, dass Open stehe für zulassungsfrei und jeder könne daher an diesen MOOCs teilnehmen. Eine Definition dafür gibt es nicht, aber die deutsche „Geiz ist geil“-Mentalität schlägt schon zu und alle erwarten, dass OER und MOOCs kostenfrei sind. Das kann aber so nicht funktionieren, denn OER als auch MOOCs haben natürlich Herstellungskosten und diese müssen auch verteilt werden. Ob das jetzt durch Förderungen, Stiftungen, Spenden oder Bezahlmodelle stattfindet, wird noch getestet (erforscht will ich gar nicht sagen, dass wäre zu viel des Guten).

Fakt ist jedoch, dass wir im April den MarketingMOOC ein drittes mal anbieten werden, wobei wir jedoch für den Kurs Einnahmen planen, z.B. für Kurseintritt, Badges und natürlich das Zertifikat, aber die Videos als OER auf YouTube liegen. Ob dies funktioniert, wissen wir nicht. Ich bin jedoch überzeugt, dass wir neue Schritte ausprobieren müssen und das OER und Bezahl-Modelle sich nicht ausschliessen. Hier ist aber auch der User gefordert, der keine „Geiz ist geil“-Mentalität haben sollte. Unsere Evaluationen haben gezeigt, dass die User bereit sind, für Inhalte zu zahlen. Die Praxis ist aber immer anders und ergonomische Bezahl-Systeme, wie Apple-Pay oder NFC haben sich noch nicht durchgesetzt.

OER und YouTube als Strategie der Hochschule

Ich bin ein absoluter YouTube-Fan und das einzige Argument gegen YouTube ist und bleibt, Google könnte böse sein/werden, technisch ist YouTube nach wie vor der absolute Platzhirsch. Allerdings greift diese Regelung bei OER nicht, denn unsere Inhalte sind CC BY und wenn Google beschließt, diese zu nutzen, haben wir das ja auch erlaubt. Auf der anderen Seite nutzen wir YouTube seit fünf Jahren und haben wirklich viel Erfolg, hohe Usability, Reichweite, Plattformkompatibilität, Hochverfügbarkeit, Adsense-Einnahmen und noch ganz viel mehr davon. Hätten wir eine inhouse Lösung genommen, z.B. Flash Media Server (das wäre wohl wegen HTML5 und iOS richtig Mist gewesen) oder Matterhorn (nichts geht über Hochschul-Projekte, die nie aus dem Prototypen-Status herauskommen), hätte uns das schätzungsweise 50.000 Euro gekostet. Im nachhinein betrachtet, war die Lösung genial 🙂

YouTube ergänzt sich perfekt mit den MOOCs und OER als Öffnung der Hochschule zum lebenslangen Lernen. Wenn unsere Inhalte frei zugänglich sind, können alle, aber wirklich alle auf die Inhalte jederzeit zugreifen und lernen. Hier kommt der immer noch wenig beachtete „Learning on Demand“-Ansatz zum Einsatz. Denkt man MOOCs konsequent weiter, muss man irgendwann beim völlig automatisiertem dozentemfreien Lernen landen, was heute aber nur Lernvideos oder die alten CBT/WBTs abdecken. So weit sind wir zwar noch nicht, aber frei zugängliche Learning Nuggets sind ein zentraler Bestandteil dieser Strategie. Die zweite Säule ist natürlich, dass man per YouTube, oder sagen wir dem Internet, im Allgemeinen (daher auch MOOCs) Zielgruppen auch außerhalb der Hochschule anspricht und zwar vor, neben und vor allem nach dem Erststudium. Die Öffnung der Hochschule funktioniert bestens über das Internet und da ergänzen sich MOOCs als auch OER als Gesamtstrategie im Life Long Learning.

Um YouTube als OER zu nutzen, braucht man jedoch bei der Produktion einen OER-Leitfaden, d.h. jedes Video darf nur gedreht werden, wenn alle Teilnehmer ihre Persönlichkeitsrechte abtreten, es keine Plagiate gibt bzw. alle Zitate korrekt sind. Auch auf eingebundene Medien muss man achten, z.B. Hintergrundmusik. Wir konnten z.B. die Trailer für unsere MOOCs nicht als OER veröffentlichen, da wir kommerzielle Musik nutzen.

In der Praxis kriegen wir das allerdings auch nicht hin, dass alle Videos veröffentlicht werden können. Viele Professoren weigern sich, auf dem bösen YouTube zu erscheinen, auch wenn die Links „privat“ sind. Außerdem sind viele Videos ohne eingebunden Kontext sinnfrei. Ich meine jedoch, man kann auch Videos ohne Kontext veröffentlichen. Den Kontext definiert jeder neu für seine singuläre Anwendung und daher kann jedes Schnipsel brauchbar sein. Auf der anderen Seite erwarten viele YouTube-Nutzer aber in sich geschlossene Videos und werten solche Schnipsel ab. Damit wären wir auch gleich bei der Remix-Kultur:

Das Märchen vom Remix

Ich sage es einfach mal ganz simpel: Es gibt keine Remix-Kultur. Alle Remixes, die es da draussen gibt, sind kleine Ausnahmen, die sehr gerne bei Vorträgen einmal erwähnt werden, aber in der Praxis keinerlei Bedeutung haben. Wir haben bei 400.000 Klicks und ca. 150 Videos einen Remix, von dem wir wissen. Macht sich aber gut, wenn man es in einem Paper erwähnt 🙂 .

Und warum machen wir denn jetzt OER?

Ich könnte jetzt ganz viel schreiben über Remixes, Vorträge mit OER-Inhalten, neue Unterrichtsmethoden, Abmahnwellen und Qualitätssicherung (Weisheit der Massen), aber ich halte davon nicht mehr sehr viel. Wir machen OER, weil es der Anstand erfordert. Der Auftrag einer Hochschule ist es, die Welt schlauer zu machen. Bildung für alle und das möglichst kostengünstig! Wenn alle auf der Welt schlau wären, würden wir keine Flüsse vergiften und hätten das Gegenmittel von AIDS und Ebola schon erfunden. oncampus entwickelt MOOCs und es geht nicht in meinen Kopf, wie man dann die Inhalte NICHT unter OER veröffentlichen könnte. Es ist ganz einfach, wir sind Jedi-Ritter und wir sollten daher auch so handeln:

Und wenn man sich einmal mit den Geschäftsmodellen von OER und freier Bildung auseindersetzt, schliesst sich das Geld Verdienen auch nicht aus, siehe z.B. Open Source oder Wikipedia oder YouTube oder Facebook oder auch Pro7. Alles kostet kein Geld und trotzdem kann man damit Geld verdienen.

Braucht OER Förderung?

Zum einen könnte Google ganz viel machen. Wenn Google ganz einfach OER-Inhalte in ihren Relevanzkriterien höher rankt, als andere Inhalte, hätte jede Webseite, jedes Marketing-Video, jeder Blogger und jede Zeitung aus Gründen der Reichweite einen sehr hohen Anreizpunkt, um OER zu machen. Google macht dies schon bei der Wikipedia und könnte daher auch andere OER-Inhalte ähnlich behandeln. Allerdings kann dies nicht alleine stehen, denn ohne Qualität hätten OER-Inhalte auch keine Relevanz.

Auf der anderen Seite sind die Hochschulen gefordert. Wenn die Professoren einmal von ihrem hohen Ross herunterkommen würden und der Gesetzgeber einmal handeln würde, würde man ganz einfach sagen, alles aber wirklich alles was in einer Hochschule produziert wird, muss als OER veröffentlichbar sein, dann wäre diese Diskussion beendet. Professoren erhalten Gehalt und was sie produzieren sollte also dem Auftraggeber gehören, also hier der Hochschule und damit dem Staat und damit der Allgemeinheit. Es wäre alles gut, wenn die Macht mit uns wäre und wir Jedis als Profs hätten  🙂 .

 

 

Meine L3T Geschichte

Letzten Mittwoch war es vollendet und das „Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien“ (L3T) in der Version 2.0 würde pünktlich veröffentlicht. Wer es nicht kennt, das Buch behandelt verschiedenste Themen rund ums E-Learning und der Technik dahinter  (ich nenne das oft sehr einfach Techdaktik). Das Buch wendet sich besonders an Lehrer und Dozenten, die einen Leitfaden für verschiedenste Themen benötigen. Den Bedarf gibt es, denn Version 1.0 wurde unglaubliche 241.000 heruntergeladen. Doch Bücher über Technik und E-Learning veralten sehr schnell und daher wurde eine Überarbeitung nötig und das auch noch unter der freien Creative Commons Lizenz CC-BY-SA. Als es den Aufruf zur Version 2.0 gab, hab ich dann auch gleich meine Hilfe angeboten und tatsächlich wurde ich gebraucht. Ich durfte das Kapitel „Vom Overhead Projektor zum iPad“ von Martin Ebner und Clemens Kröll überarbeiten und hab mein Bestes gegeben. Hier meine Sicht und meine Erfahrungen zu diesem Projekt.

Der Ablauf

Vor ungefähr drei Monaten gab es ein Etherpad, wo alle Interessierten ihre Ideen und ihre Schwerpunkte für eine Version 2.0 reinschreiben konnten. Ich hab das fleissig gemacht und habe wahrheitsgemäß geschrieben, ich würde was von E-Books, Webkonferenzen, Kollaborationswerkzeugen und Online-Fernstudiengängen verstehen. Eigentlich hatte ich Lust über unsere neue Autorenplattform LOOP zu schreiben, die im Moment eine großen Arbeitsschwerpunkt ausmacht. Das Thema wurde später an ein anderes Team vergeben und ich wurde höflich gefragt, ob ich das oben genannte Kapitel überarbeiten wolle. Ich hab sofort zugesagt, denn helfen wollte ich und was dabei die genaue Aufgabe war, war mir fast egal. Das Thema passte und Martin Ebner meinte auch, dass es wichtig sei (was ich nicht wirklich ernst genommen hatte, war aber ein Irrtum). Das Projekt unterschied zwischen Sprinter und Läufer, d.h. die Sprinter mussten in der vorletzten Augustwoche sich eine Woche einsperren und das Kapitel fertig machen, die anderen Läufer mussten ihre Version bis Ende Juli fertig sein. Ich entschied mich für den Läufer, da ich wusste, dass ich Ende August keine Zeit haben werde. Danach hab ich zwei sehr hilfreiche Leitfaden bekommen und sollte einen Text mit max. 3.500 Wörtern abliefern und es gab zwei Anmerkungen im Originaltext, die unbedingt verbessert werden sollten.

Natürlich hab ich den Termin Ende Juli nicht geschafft. Urlaubsvertretungen, Systemarbeiten, neue Projekte und Fortbildungen und natürlich auch Privatleben und der schöne Sommer machten mir einen Schnitt durch die Rechnung. Mitte August war der Text dann ein Tag vor dem Sprint endlich fertig. Ich hatte jedes Kapitel inkl. Überschrift überarbeitet und kam auf 4.500 Wörter. Das waren 1.000 zu viel und ich hab gnadenlos gekürzt. Nach Rücksprache mit Co-Autor Martin (Clemens hatte nicht mitgearbeitet) kamen wir dann auf ungefähr 4.000 Wörter, da es auch eine Überarbeitung und Aktualisierung sein sollte. Die könne leicht umfangreicher sein, als das Original. Der neue Name war dann „Von der Kreidetafel zum Tablet“ und ich wartete dann gespannt auf den Review. Zwei Experten haben dann Rückmeldung gegeben und zwei Tage später, konnte ich den Text überarbeiten. Das war eine kurze Nacht für mich, da ich auch andere Termine hatte und das in meiner Privatzeit machen musste. L3T ist zwar ein schönes Projekt, aber es spielt für meine Arbeit keine wesentliche Rolle und eine Freistellung kriege ich dafür nicht.

Am Wochenende wurde das Kapitel dann auf Zitate und Gender geprüft und am Montag sollte ich noch die vertiefende Links in Diigo einpflegen. Das hab ich dann in der Mittagspause schnell gemacht 🙂 Über die Prozessmanagement-Plattform Trello war ich dabei stets auf dem laufenden und konnte mein Kapitel immer beobachten. Am Mittwoch wurde dann alles pünktlich per Live-Webkonferenz veröffentlicht. Mein Kapitel war eines der letzten, die fertig wurden. Das lag aber mehr an der Schlussreihenfolge, als an mir.

Die Autoren

Da kann ich gar nicht viel zu schreiben. Das Projekt L3T wurde von Martin Ebner und Sandra Schön organisiert und Martin war auch noch Autor meines Kapitels. Ich hatte am Anfang 5-7 Mails mit den beiden ausgetauscht, wobei es meist um die Autorenplattform ging und danach ging es noch zweimal um die Einhaltung der Termine. Da Martin aber unglaublich viel mit dem Projekt zu hatte, konnte er mit mir eigentlich gar nicht viel als Co-Autor diskutieren und ich hoffe, ich hab alles zu seiner Zufriedenheit geschrieben. Wir haben aber alle wesentlichen Punkte in zwei Skype Konferenzen geklärt. Ich denke auch, dass es daran liegt, dass wir sehr pragmatisch an die Sache gingen. Viel Diskussionen kann es bei dem Inhalt auch nicht geben. Es ging da nur um Fakten.

Die Motivation

Warum tut man sich das eigentlich in seiner Freizeit an? Das frage ich mich eigentlich jedesmal, wenn ich Nachts  (wie auch jetzt gerade) irgendwas ausarbeite. Vielleicht will man die Welt etwas besser machen, oder beweisen, dass man mit einer Theorie recht hat oder man will einfach berühmt sein und Anerkennung kriegen oder man ist einfach Idealist. Ich denke es ist die Mischung aus allem. Außerdem bin ich sehr beeindruckt, dass bei L3T einfach 260 Menschen virtuell oder auch in real-life zusammenkommen, um der Welt ein Buch zu schenken. Immerhin arbeite ich seit 12 Jahren im E-Learning Bereich und ich muss quasi jeden Tag Menschen überzeugen, dass es doch einfacher geht, mit dieser blöden Technik.

Und was passiert jetzt?

Das Projekt ist veröffentlicht. Man kann das Buch als PDF online anschauen oder runterladen. Alles ist umsonst. Später werden noch andere Versionen kommen u.a. HTML, ePub und ich werde auch noch eine LOOP Überführung, zumindest für mein Kapitel, machen. L3T hat eine schöne Visualisierung der Ergebnisse gemacht, u.a. eine Übersicht der Downloads.

L3T Downloads

L3T Downloads

Anscheinend ist mein Kapitel sehr beliebt, denn mit 186 Downloads von insgesamt 4444 ist es im Moment auf Platz 2 von 59 Kapiteln. Das ist natürlich auch der exklusiven Position im Inhaltsverzeichnis geschuldet 🙂

LOOP und L3T

Was mich sehr interessiert ist, was ist nachhaltiger Content? Wie man bei L3T, aber auch bei uns in der Virtuellen Fachhochschule und oncampus beobachten kann, der Content veraltet teilweise sehr schnell. Wie kann man das verhindern? L3T hat alle Autoren zu einem Massen-Event und dem Book-Sprint eingeladen. Das hat hier funktioniert. Was wäre aber, wenn die Kapitel im Netz editierbar wären? Würde es eine Community geben, die bestimmte Inhalte aktualisieren? Und falls ja, welche Inhalte? Werden nur Rechtschreibfehler korrigiert oder auch Seiten oder sogar ganze Kapitel? Das will ich mit einer LOOP-Version testen und Heiko Idensen wollte sein Kapitel „Vom Online-Skriptum zum E-Book“ dazu geben. Dazu in den nächsten Wochen mehr.

Fazit

Es war für mich sehr stressig, aber es hat Spaß gemacht. Ich denke, die Arbeit ist nicht umsonst. Immerhin habe ich jetzt schon 186 Downloads und es gibt nicht wenig Veranstaltungen, wo ich vor 10 Leuten gesprochen habe:-) das sollte aber nicht der Gradmesser sein. Ich denke immer, dass Bildung nicht in der Hochschule aufhört, sondern Inhalte allen zur Verfügung stehen sollten. Daher sind diese freien OER Projekte so wertvoll und sollte unterstützt und gepflegt werden. Sie können die Welt besser machen…

 

Warum sollte ich Open Educational Ressources (OER) erstellen?

Vor drei(?) Wochen ist der große Open Educational Ressources MOOC #COER13 gestartet und knapp tausend intrinsisch motivierte Digitals diskutieren im Netz über freie Inhalte im Netz. Nach den Grundfragen, was überhaupt OER Inhalte sind und warum man sie braucht, kam die sehr spannende Frage  von Joachim Wedekind „Warum eigentlich Zeit und Engagement in die Entwicklung stecken, wenn andere damit machen können, was sie wollen und am Ende nicht einmal die Reputation als Gratifikation übrig bleibt?“

Für mich ist das die Schlüsselfrage, denn wenn es keiner „umsonst“ macht, scheitert die ganze Idee. Doch es gibt viele Möglichkeiten freie Inhalte zu erstellen und man hat auch Zeit und Geld dafür. Es gibt meist drei Möglichkeiten um freie Inhalte zu erstellen:

  1. Man erhält Geld für seine Arbeit.
    Dann arbeitet man für einen Auftraggeber und dieser hat die Rechte und kann damit machen, was er will bzw. was er muss. Auftraggeber kann z.B. auch die öffentliche Hand sein und Projekte haben dann die Auflage, die Inhalte zu veröffentlichen. Das ist bei EU Projekten inzwischen Standard und so kann man inzwischen auf viele Inhalte frei zugreifen. Der Auftraggeber kann bzw. muss also alle Inhalte veröffentlichen, das gleiche gilt natürlich auch für andere Bereiche, z.B. im Marketing wollen die Firmen oft kopiert werden oder es gibt einfach Sponsoren/Mäzen, die das fördern.
  2. Man erhält eine „Belohnung“ für seine Veröffentlichung.
    Die Belohnung kann z.B. ein Zertifikat oder eine Note sein oder auch nur ein Badge. Das bedeutet, jede Hausaufgabe, Praktikum, Laborarbeit usw. kann schon bei der Erstellung als OER definiert sein und man muss bei der Erstellung auf Urheberrechte, Bildrechte, Zitate etc. beachten. Danach besteht immer die Möglichkeit alles frei ins Netz zu stellen. Belohnung könnte auch Ruhm und öffentliche Anerkennung sein und dadurch erhält man Aufmerksamkeit und dadurch die Möglichkeit Geld zu verdienen, womit wir wieder bei Punkt 1 wären.
  3. Idealismus wäre die letzte Möglichkeit
    Beim Idealismus will man einfach die Welt etwas besser machen. Das funktioniert relativ gut, denn es gibt tausende Beispiele, dass viele Menschen die Gesellschaft verbessern wollen.

Leider funktioniert das alles in der Praxis nicht so gut. Für gute Inhalte braucht man gute Leute und gute Leute haben meist keine Zeit, weil sie gut sind. Idealisten sind oft von sich überzeugt, aber ob sie auch professionell sind, ist eine andere Frage. Es wird auch immer schwieriger, umso höher der Anspruch ist. Will man nur Texte haben für die Grund- und Mittelschule, können das sehr viele schreiben. Ist man aber an Inhalten für ein Masterstudium interessiert, so verkleinert sich der Autorenkreis immens. Will man dann noch ein anderes Medium nutzen, z.B. Animationen, Bilder oder Video, brauch man teilweise zwei Experten, einen Autoren und einen Produzenten. Dank der guten Software von heute, geht die Erstellung im Multimediabereich zum Glück immer einfacher.

Aus meiner persönlichen Sicht, muss ich leider sagen, dass der beste und effektivste Weg der Erstellung der OER Inhalte Geld ist. Das motiviert am meisten, das begreift jeder und man kann es am besten steuern. Wer bezahlt kann auch die Lizenz bestimmen. Am besten regelt man diese Fragen gleich am Anfang. Würde man z.B. alle Lehrer und Dozenten bei der Einstellung verpflichten ihre Inhalte für den Unterricht als OER fähig zu erstellen, wäre das ein sehr großer Schritt in die richtige Richtung. Ob man die auch später veröffentlicht, ist ein anderes Thema, jedoch sind schon einmal alle Rechte geklärt und später kann man alles in Lernräume oder Repositories stellen. Für solche Entscheidungen gehört aber sehr viel Mut.

Wir haben gewonnen – Wikimedia vergibt WissensWert Preise an oncampus

Die WikiMedia hat zum zweiten mal den WissensWert Preis vergeben. Eine fachkündige Jury (u.a. iRights.info und netzpolitik.org) hat dann 5 Preisträger bestimmt und der Grund warum ich das hier schreibe, liegt auf der Hand, denn wir haben mit unserem Projektantrag „Barrierefreie YouTube OER Videos“ gewonnen. Doch das ist nicht alles, denn wir haben dank Euch auch noch den Publikumspreis gewonnen und damit noch einmal 2.000 Euro extra bekommen. Das alles kann man sehr gut im Wikimedia Blog nachlesen, daher nun ein paar Hintergrundinfos und Fakten zum Projekt .

Projektidee (aus Antrag kopiert)

„Wir haben etliche animierte akademische Lehrvideos in unserem Portfolio und haben diese schon teilweise auf unserem YouTube Channel www.youtube.com/oncampusfhl unter der Creative Commons Lizenz BY-NC-SA Version 3.0 (in Zukunft: CC-BY) als OER veröffentlicht. Youtube hat dabei viele Vorteile, so kann man damit jeden Benutzer, zu jeder Uhrzeit an jedem Ort erreichen, aber auch jedes Device (es sind immer spezielle Apps vorhanden). YouTube bietet aber auch die Möglichkeit Untertitel zeitlich synchronisiert einzubinden, so dass auch Gehörlose das Lernmaterial nutzen könnten. Wir könnten also unsere ca. 150 bestehenden Videos untertiteln und neue einstellen.“

YouTube Channel

Wir haben seit fast 2 Jahren unseren sehr erfolgreichen YouTube Channel http://www.youtube.com/oncampusFHL und dort inzwischen über 180 Videos online. Damit kriegen wir täglich 1.500 Klicks (Summe Ende 2011 knapp 400.000). Im Vergleich zu anderen Hochschulen stehen wir mit dem Angebot sehr gut da und YouTube ist dafür auch eine nahezu perfekte Plattform (obwohl wir ja auch immer hören und lesen, Google sei böse und enteignet seine Kunden). Für YouTube gibt es zu allen Web 2.0 Diensten Schnittstellen und für jedes Betriebssystem und für jede Hardware Unterstützung. Jeder kann überall YouTube Videos anschauen und einbetten, sei es in Moodle oder auf dem Smartphone, es funktioniert immer. Dazu haben wir fast 10mal soviel Aufmerksamkeit auf YouTube, als besipielsweise auf iTunes U. Bei Vimeo, Sevenload und all den anderen Anbietern beträgt der Unterschied sogar das 50fache. YouTube ist quasi alternativlos und vor allem ist es technisch wahnsinnig gut. Das merkt man jedoch erst, wenn man einmal diese Portale vergleicht und benutzt.

Die Creative Commons Lizenz

Wir hatten die Videos bisher unter der Creative Commons Lizenz BY-NC-SA Version 3.0 gestellt, Das bedeutet, jeder darf die Videos frei verwenden und remixen, muss jedoch unseren Namen nennen.  Das hört sich zuerst sehr logisch, da wir unseren Konkurrenten nicht unser Material geben wollen, aber nur auf den ersten Blick Denn in der Praxis sind Videos BY-NC fast nicht zu gebrauchen, da man irgendwie fast immer Geld damit verdient, sei es für einen Vortrag, als Schnippsel in einer Collage und als Material in einem Weiterbildungskurs. Dabei könnte das Video auch nur 1/1000 des Kursmaterials darstellen, mit Ausschließklausel Non Commercial (NC) dürfen das nicht einmal Lehrer (die kriegen ja auch Gehalt vom Vater Staat) im Unterricht benutzen. Ob dies wirklich in der Praxis so umgesetzt wird, darf bezweifelt werden, aber wenn man einen Anwalt fragen würde, dann wäre es höchstwahrscheinlich verboten. Da wir jedoch den Lehrer und Lernern keine Schranken auferlegen wollen und keine Angst vor der Konkurrenz haben (die Namensnennung bleibt), haben wir sogar beschlossen die neuen Videos ganz frei ( CC-BY) einzustellen, nämlich nur noch unter Namensnennung. Es lebe das freie Wissen!

Realisierung

Wir müssen allen Videos jetzt einen neuen Abspann geben, der zeigt das die Videos nun unter CC-BY 3.0 versehen sind. Zusätzlich müssen wir mittels CaptionTube allen Videos Untertitel geben. Wir haben dabei mit einer Stunde Bearbeitungszeit pro Video gerechnet. Wenn es schneller geht, schaffen wir halt auch mehr Videos.

Publikumspreis

Neben dem Preis der Jury, gab es auch noch einen Publikumspreis zu gewinnen. Dank Euch haben wir den auch noch „abgeräumt“ und kriegen 2.000 Euro zusätzlich. Natürlich werden wir damit, noch mehr Videos online stellen. Wir sind schon auf der Suche nach neuen und sind auch schon fündig geworden.

Wie geht es weiter?

Jetzt wird erstmal gefeiert (na das ist eigentlich schon vorbei), dann wird getwittert, Facebook und gebloggt (das ist auch erledigt) und dann kommt noch ein Presseartikel und danach kommt Papierkram und dann geht es ab nach Berlin und ich treffe Wikimedia und die anderen Preisträger. Im übrigen hat sich etwas wesentliches geändert, denn schon seit letzter Woche stellen wir nur noch Videos mit der neuen CC-BY Lizenz ein (die sind aber noch nicht freigeschaltet, aber schon auf YouTube).

Wer hat Lust zu helfen?

Wenn jemand Lust hat, diese Videos zu bearbeiten und idealistisch der Welt helfen will und Geld braucht, kann sich gerne bei mir melden. Wir brauchen nämlich noch einen guten Videoprofi, der Lust hat zu schneiden und Videos zu untertiteln. Einfach ne kurze Mail an wittke@fh-luebeck.de