Blogparade: Ich packe meinen Koffer und nehme mit (Smartphone Version)

Wer kennt es nicht, dass berühmte Gedächtnisspiel: „Ich packe meinen Koffer und nehme mit„. Aber was wäre, wenn wir uns einer einmal in einer Blogparade austauschen würden, welche Apps man denn in den Urlaub mitnehmen würde? Ich weiss nicht, wie es anderen geht, daher wollte ich einmal kurz meine Lieblings-Apps meiner letzten Urlaube vorstellen und vielleicht wird der eine oder andere Leser, diese Idee aufgreifen, und selbst einige Apps vorstellen.

Ich packe meinen Koffer und nehme mit (Bildquelle: Pixabay Lizenz CC0 https://pixabay.com/de/kamera-fotos-fotografieren-514992/ Li

Ich packe meinen Koffer und nehme mit (Bildquelle: Pixabay Lizenz CCO https://pixabay.com/de/kamera-fotos-fotografieren-514992/ Li

Den Medienwandel am eigenen Leben erfahren

Wir reden so viel über Digitalisierung, Change Management, E-Learning und Co aber hat sich auch unser eigenes Leben dadurch verändert? Wird der Urlaubskoffer wirklich dünner oder haben wir immer noch Bücher, Reiseführer, Fotokamera und Wanderkarten dabei? Leben wir auch das, was wir immer predigen?

Urlaub ist nicht Urlaub

Natürlich macht jeder anders Urlaub. Der eine liebt den Pauschalurlaub, der andere macht Kreuzfahrten, andere wiederum wandern oder segeln und ich fahre meist mit dem Motorrad durch Europa. Jeder nutzt daher wahrscheinlich anders sein Smartphone oder vielleicht ist er im Urlaub sogar offline. Wir wissen es nicht.

Meine ZX10r und ich bei Mopedtour 2013 am Stilfserjoch

Meine ZX10r und ich bei Mopedtour 2013 am Stilfserjoch

Die Hardware

Ich bin jetzt in der vierten Smartphone Generation. Nach Motorola Droid, dem Galaxy S3 und dem S5 hab ich jetzt ein Nexus 6p. Richtig gut ist das Smartphone Leben erst mit dem S5 geworden (leider hat es zu wenig Speicher gehabt) und jetzt mit dem Nexus ist es manchmal ein Traum. Ich kann daher nur von Android reden bzw. schreiben.

Der Urlaub

Ich war gerade mit dem Motorrad zur EM in Frankreich, d.h. ich bin 3.500 km quer durch Holland, Belgien und dann durch Frankreich gefahren. Seit ca. drei Jahren nehme ich keinen Fotoapparat mehr mit und dies Jahr hab ich sogar auf das Navi verzichtet. Das Smartphone steckt in der Brusttasche und im Helm hab ich Bluetooth Kopfhörer, d.h. ich navigiere nur per Audio mit GoogleMaps. Klappt recht gut, außer man hat französische Kreisel mit fünf oder mehr Abfahrten 🙂 Straßenkarten aus Papier nutze ich seit ca. 4 Jahren nicht mehr, obwohl ich meist noch Übersichtskarten mit habe (vom ADAC), die aber ungenutzt in den Papierkorb kamen.

Hyperlapse Testaufnahme mit Klebeband am Außenspiegel - hat funktioniert

Hyperlapse Testaufnahme mit Klebeband am Außenspiegel – hat funktioniert

Und jetzt die Apps

  1. Offline Wikipedia ist für mich das absolute Must-Have. Früher nutzte ich Wikidroyd, was es leider nicht mehr gibt. Jetzt nutze ich Kiwix und bin sehr zufrieden. Die offline Wikipedia in deutsch ist ca. 2 GB groß und hat keine Bilder. Sie ersetzt bei mir jeglichen Reiseführer und ich liebe es darin zu schmökern. Gerade jetzt in Frankreich beim Besuch am Omaha-Beach und dem D-Day Memorial ist die Wikipedia quasi unerschöpflich und unersetzlich. Ich hab noch keine Offline Wikipedia für iOS entdeckt, aber vielleicht hat der eine oder andere Leser da einen Tipp.
  2. Offline Straßen-Wanderkarte OpenStreetMap (OSM) muss dabei sein. Als Motorradfahrer brauch die zwar nicht direkt, doch für Städte und zum wandern und Fahrrad fahren ist sie der moderne Traum. Ich nutze hier OSMand+ die inzwischen auch eine sehr gute Routing-Funktion hat. Man kann alle Karten umsonst als OSM runterladen (für Deutschland jedes Bundesland einzeln) und offline nutzen. Im Gegensatz zu GoogleMaps ist dort wirklich jeder Weg verzeichnet und bei Es gibt kostenpflichtige Zusatzkarten z.B. mit Höhenprofil oder Seekarten. GPX-Tracks können auch über die Dropbox geladen werden, aber ob man  den folgen kann (also mit Alarm-Funktion, wenn man sich n Meter von der Strecke entfernt), weiss ich nicht. Dafür hab ich immer Orux-Maps genutzt, die aber inzwischen eine schlechte Usability hatte (soll jetzt besser sein). Bei Radtouren klemm ich das Smartphone an den Lenker (Fahrradhalterung) und navigiere dann aber auch ohne Display nur mit Audio oder ich hab in der Lenkertasche ein Powerpack. Während der Fahrt schalt ich meist sogar in den Offline-Modus und hab nur GPS an, dann spar ich sehr viel Akku und trotzdem funktioniert die Navigation. Es gibt inzwischen auch Fahrradlampen mit USB-Anschluss, aber Licht UND Smartphone aufladen geht nicht, also aufpassen bei Nachtfahrten.
  3. Bei der Hotelbuchungs-App Tripadvisor muss man darauf hinweisen, dass die im Ausland natürlich viel besser ist als in Deutschland. Unsere Hotels sind natürlich viel zu rückständig, als das in Tripadvisor alle Hotels flächendeckend vorhanden sind. In Frankreich war Tripadvisor jedoch ein Traum. Ich hab alle Hotels jeweils einen Tag vorher gebucht und teilweise 50% Rabatt bekommen. Sogar in Paris zur EM hab ich ein DZ im Design-Hotel im Zentrum für 87,- bekommen. Für Pauschalreisende sicherlich nicht sehr wichtig (da sind aber auch Sehenswürdigkeiten und Restaurant-Bewertungen drin), aber seit ich Tripadvisor nutze, brauch ich keine Touri-Infos mehr.
  4. Natürlich darf Facebook nicht fehlen, denn wen kann ich sonst mit meinen Urlaubsbildern nerven, wenn nicht meine Facebook-Freunde:-) Früher hab ich sogar teilweise noch gebloggt oder Reise-Apps wie Mobility-Trip oder Journal genutzt. Heute nutze ich fast ausschliesslich Facebook. Ganz selten poste ich auch mal privates Zeug auf Twitter und seit es die 360 Grad Bilder gibt, ist das bei Facebook richtig gut geworden. Da merkt man auch, dass statische Fotoalben den Anschluss verloren haben. Leider hat Facebook noch keine Stories, wie Google-Fotos.
  5. Zum Schluss noch der ganze Rest, den man immer etwas braucht, wie Wecker, Wetter, GoogleMaps, Spotify, DBNavigator und Translator sowie die Taschenlampe. Zum lesen nutze ich inzwischen einen Kindle. Das war es.

Was wurde eingespart

Wie schon erwähnt, ich habe keine Papierbücher mehr, kein Navi, keine Straßenkarten und keinen Fotoapparat, dafür aber die drei Ladegeräte (Bluetooth-Headset, Smartphone, Kindle) und natürlich Powerpacks, Adapter und Kabel. Besser ist es also nicht wirklich geworden.

Was ist eine Blogparade, und wie kann daran teilgenommen werden?

Ich habe mich bei Oliver Tacke inspirieren lassen, der aber selbst bei Thorsten Larbig geschaut hat; ich lehne mich stark daran an.

Bei einer Blogparade erstellen innerhalb eines bestimmten Zeitraums verschiedene BloggerInnen (oder VlogerInnen und vielleicht sogar PodcasterInnen?) einen Beitrag zu einer bestimmten Frage. Diese Parade benötigt aber auch einen Ort, wo sie auflaufen kann – in diesem Fall dieser Blogbeitrag hier. Wenn du einen etwas beisteuern möchtest, verlinke doch einfach in einem Kommentar darauf. Einfach einen (längeren) Kommentar hinterlassen geht natürlich auch ? BloggerInnen können innerhalb ihres Textes einfach auf diesen Beitrag hier verlinken, dann erscheint automatisch ein Verweis in den Kommentaren per PingBack.

Hier noch einmal die Schritte zum Mitmachen

  1. Erstelle einen Beitrag zu der Frage, welche deiner Apps, die wichtigsten im Urlaub sind und erklär das kurz. Es ist völlig egal, ob du ein Android oder ein iPhone hast oder ob du Pauschaltourist oder Abenteurer bist.
  2. Verlinke deinen Beitrag mit diesem Artikel hier (http://www.onlinebynature.com/2016/08/blogparade-ich-packe-meinen-koffer-und-nehme-mit-smartphone-version) oder weise unten in einem Kommentar mit Link darauf hin.
  3. Schaut euch natürlich auch gerne die Beiträge anderer an, kommentiert dort, verlinkt auch dorthin – dann wird es so richtig lebendig.

Die Blogparade läuft einen Monat bis zum 31. August 2016. Bis dahin dürft ihr gerne auf allen Kanälen darauf hinweisen, die euch so einfallen: Twitter, Facebook, Telefon, Mensaflyer und natürlich im Urlaub.

6 Milliarden Snapchat Views täglich zeigen das Recht auf Vergessen

Es ging durch die Presse. Snapchat hat täglich 6 Milliarden Videoaufrufe von 100 Mio. Nutzern und Facebook „nur“ 8 Milliarden von 1 Milliarde Nutzern (wir sprechen hier von täglich aktiven Nutzern und keine Leichen). Es zeigt wie unglaublich beliebt Videos sind und vielleicht auch, dass er die Hoheit über seine Daten haben will.  In Europa haben wir das umstrittene Recht auf Vergessen eingeführt, was aber natürlich wieder nicht wirklich funktioniert. Trotzdem zeigt die Nachfrage nach dem Löschen, dass viele Menschen ihre Daten gelöscht haben wollen.

Snapchat Logo

Snapchat Logo

Sind tägliche 6 Milliarden Snapchat Views das bessere „Recht auf Vergessen“ oder zeigt es nur den Narzismus der heutigen Gesellschaft und dem Verlangen, das alles ungestraft in „Anarchie“ gefahrlos ausleben zu können? Und wird jetzt Facebook die Timeline mit einer Art Selbstzerstörung ausstatten, frei nach Mission Impossible: „Dieses Foto wird sich nach 30 Sekunden selbst löschen.“. Der Erfolg von Snapchat zeigt, dass Software Anbieter vielleicht sogar besser „Das Recht auf Vergessen“ umsetzen können, als die Juristen und der Erfolg von Snapchat wird Google und Facebook sicherlich dazu bewegen, ähnliche Selbstzerstörungsfunktionen anzubieten. Das Internet heilt sich selbst 🙂

Böses oder gutes Younow? Die deutsche Angst schlägt wieder zu

Da ist eine neue Videoplattform für Jugendliche und die deutschen Jugendschützer, Eltern, Datenschützer und Massenmedien fangen automatisch alle an im Chor zu singen: „Das gefährliche Internet.“

tl;dr

Allein die Überschriften bei Google-News ergeben ein absolut einseitiges Meinungsbild:

Google News Headlines zu Younow vom 28.Februar 2015

Google News Headlines zu Younow vom 28.Februar 2015

Sogar die Technikseiten Golem und Heise stimmen in dieses Lied ein, was mich doch etwas verstört hat und auf den eingängigen Medienpädagogik-Seiten, werden schon Verbote, Warnungen im Unterricht und Infomaterial verteilt.

All diese Berichte gehen nur in eine Richtung, wie gefährlich ist denn dieses Younow und wie können wir unsere Kinder davor schützen? Ganz klassisch sieht man das an dem Video, was fast gar nichts mit Younow zu tun hat, sondern nur allgemeine Probleme des Internets darstellt und auf den Younow-Warnungs-Hype aufspringt.

Wer hat sich bisher Younow überhaupt angeschaut?

Im Gegensatz zu vielen anderen habe ich mir mal die 30 Minuten Lebenszeit gegönnt und hab mir das System flüchtig angeschaut. Die Registrierung auf der Webseite ist vorbildlich einfach, man benötigt nur einen Twitter-, Facebook- oder Google-Account und schon kann es losgehen. Danach erhält man zwei Listen und man kann sich die Livestreams von anderen Nutzern anschauen. Entweder man geht nach Tags also z.B. Interessen, Sprache, Geschlecht, Hobby oder man orientiert sich an die Top-Viewed Listen.

Ich habe mir dann ca. 30 Streams angeschaut und davon waren 28 Streams von Kids, die für mich sehr inhaltsleer waren. Ich habe auf keinem Stream länger als 10 Sek. durchgehalten. Wer will schon Gespräche von pubertierenden Teens freiwillig anschauen? Zwei interessante Angebote hatte ich auch entdeckt, aber ob jetzt ein Kiosk in New York wirklich von belang ist, kann bezweifelt werden.

Was gerne vergessen wird, das Potential von Younow

Wenn man einmal einen Schritt zurück geht und sich neutral die Technik anschaut, ist das eigentlich der Hammer. Ich kann nämlich sofort einen Livestream von der Webcam meines Laptops ins Internet stellen und den Link öffentlich sharen. Davon haben wir E-Learning-Experten die letzten 10 Jahre geträumt. Man muss keinen Admin fragen, keine Software installieren und nicht einmal einen Account anlegen und das alles geht dann auch noch per App, wo man die Kamera (Front oder Back) noch auswählen kann. Ich verstehe dabei überhaupt nicht, warum keiner in Jubelgesänge ausbricht. Die Lösung ist sogar so einfach, das müssten sogar Lehrer hinkriegen, wahrscheinlich sogar Lehrerinnen (das war jetzt Ironie) und neben dem Livestream gibt es sogar einen Chat.

Die Szenarien sind quasi unendlich. Ich kann jetzt bei jeder Konferenz einfach per Smartphone und WLAN die Session streamen und das geht natürlich auch bei Fussballspielen, Konzerten, Vorträgen und auch im Unterricht. Die Session  werden sogar aufgezeichnet, ich weiss allerdings nicht wie lange die Maximal-Zeit ist und eine Export-Funktion hab ich auch nicht gesehen. Trotzdem ist Younow ein Riesenschritt nach vorne und kann hier mit Google-Hangout verglichen werden.

Und was ist mit den Gefahren? Die Kids wissen doch gar nicht was sie da tun.

Das Angebot richtet sich wirklich eindeutig an die Kids, aber trotzdem kann ich die Gefahren nicht erkennen oder nicht richtig einordnen. Wenn die Kids sich dort präsentieren, dann machen die das halt und wenn sich dort Erwachsene reinschleichen um daran teilzunehmen, dann ist das zuerst einmal nichts verbotenes. Natürlich muss man den Kids erzählen, dort nichts blödes zu machen, aber das ist nichts anderes, als mit fremden Menschen nicht ins Auto zu steigen. Das sollte man den Kindern beibringen und Younow wird die Eltern auch nicht neu fordern, immerhin sollten sie nach SchülerVZ, Facebook, Abofallen, Alkohol und Shades of Grey genug trainiert sein, um auch noch vor Younow zu warnen. Die Geschichte wiederholt sich und nach 20 Jahren Internet ist es mal wieder sehr erstaunlich, dass da überhaupt jemand darauf reagiert.

Typisch deutsch, zuerst kommt die Gefahr, dann das Potential

Ich fühle mich bei Younow mal wieder bestätigt, denn die Gesellschaft und die Medien können nichts anderes als Warnungen aussprechen und sehen kein Potential. Die Younow Berichterstattung zeigt es mal wieder. Da probiert keiner aus, keiner sieht die Vorteile, keiner denkt an positive Einsatzbeispiele, sondern das erste was einem einfällt sind die Gefahren und danach kommen die Verbote. Die Angst vor dem Internet scheint eine deutsche zu sein.

Sind Menschen mit Smartphone schlauer als Menschen ohne?

Und wieder begann der Gedanke bei einem Tweet.

Das ist natürlich provokant formuliert und vereinfacht alles, trotzdem steckt da viel Wahrheit drin. Die ersten Antworten waren dementsprechend auch sehr einfach:

Natürlich muss man das Smartphone auch nutzen, das ist wie das Buch unterm Kopfkissen, was auch nicht wirklich hilft beim lernen aber das Gewissen enorm beruhigt. Die richtige Frage dabei ist natürlich, was bedeutet schlau sein? Ein schlauer Mensch weiss Antworten auf Fragen oder er weiss wo es geschrieben steht und daher war dieser Tweet auch richtig schlau:

Wenn ich also Antworten beantworten kann und das ziemlich schnell, muss der andere doch denken, ich wäre schlau. Natürlich nutze ich mein Smartphone mit LTE dazu und bin dank hoher Google-Suchanfragen-Kompetenz auch unglaublich schnell beim googeln und kann daher die meisten Fragen innerhalb einer Minute ergoogeln. Das können Menschen ohne Smartphone nicht und daher, und so einfach ist das eigentlich, sind Menschen mit Smartphone schlauer als Menschen ohne.

Ist denn Schnelligkeit ein Begriff für Schlauheit?

Darüber könnte man lange diskutieren, aber auch hier ist die Antwort sehr einfach. Wir messen schon lange die Schnelligkeit in Verbindung mit der Intelligenz, sonst hätten Klausuren kein Zeitlimit. In unendlich langer Zeit, kann eigentlich jeder Probleme lösen (natürlich nur bis zu einer gewissen Komplexität). Wer Probleme schnell lösen kann, kriegt eine bessere Note bzw. mehr Geld. Man will das aber  meist nicht so simpel formulieren, denn Schnelligkeit ist so abwertend. Und daher hier auch noch einmal, wer ein Smartphone hat, ist einfach schneller. Er kann schneller Orte finden, das Wetter abfragen, Fakten suchen oder Anleitungen lesen und das bedeutet er ist schlauer. Jemand der immer einen Bücherschrank dabei hatte (früher sagte man dazu, er ist belesen), war auch schon immer schlauer, aber wenn man das zu einem Smartphone sagt, hört sich das anders an.

Und auch wenn sich das abwertend anhört, ich würde keinen einstellen, der kein Smartphone hat. Das darf ich aber beim Bewerbungsgespräch nicht fragen. Ist aber trotzdem so, denn er ist langsam…

E-Books bedeuten weit mehr als digital lesen

Innovation kann man nicht per Umfrage ermitteln. Hätte man 2007 gefragt, ob man ein Handy mit Tasten oder eines mit Glas besser finden würde, hätte mit Sicherheit die Tastatur gewonnen. Menschen stimmen in der Mehrheit immer gegen den Wandel. Das Potential der Innovation erschliesst sich erst aus dem Lauf der Geschichte.
Relevanz von Services und Lernmedien im Fernstudium (Quelle IUBH - Trendstudie)

Relevanz von Services und Lernmedien im Fernstudium (Quelle IUBH – Trendstudie)

Wenn man jetzt also Studierende oder auch Schüler fragt, ob sie lieber mit Papier oder mit E-Books lernen wollen, antwortet natürlich die Mehrheit, dass sie beim Bekannten Medium bleiben wollen. Das Neue ist unbekannt, fremd und man empfindet eine natürliche Unsicherheit. Eine Umfrage ist daher sehr selten dafür geeignet um einen Wechsel einzuleiten, das gleiche gilt übrigens auch für unsere geliebte Demokratie, die dadurch immer einen Reformstau hat, was aber ein anderes Thema ist.

Hype Cycle oder Innovationskurve

Hype Cycle oder Innovationskurve

Wenn etwas neues eingeführt wird, kommen die Early Adaptor, die auf alles aufspringen, danach wird es jedoch erst interessant, wenn die ersten Enttäuschungen kommen,  und der Hype vorbei ist. Meiner Meinung nach befinden wir uns bei der Einführung des E-Books jedoch schon in der Endphase, dem „Plateau of Productivity“, wobei ich den Begriff des E-Books hier einmal viel weiter fassen will, als es die meisten machen. Im Grunde gibt es sogar keine richtige Definition für E-Books aber auch das ist ein anderes Thema. Was ich meine, ist die Digitalisierung des Textes und das hat weit mehr Auswirkungen, als nur Texte auf einem elektronischem Gerät zu konsumieren.

Es war mal wieder eine dieser Twitter-Diskussionen, wo man mehr denkt, als man schreiben kann. Das ist ja das schöne an Twitter. Der entscheidende Tweet war dabei für mich, der auch wieder von mir war 🙂

Man kann die Vorteile von E-Books schnell technisch darstellen. Sie sind schneller aktualisierbar, skalierbar, portabel. Es gibt keine Lagerkosten, die Distribution ist schnell und natürlich kann man sie interaktiv, multimedial und durchsuchbar machen. Es geht jedoch bei der Einführung von E-Books um mehr als nur um digitale Dokumente. Es geht um eine Lebenseinstellung oder besser ausgedrückt um eine Arbeitseinstellung. In der zukünftigen Arbeitswelt sind neue Arbeitsweisen gefordert. Heutzutage ist Team-Arbeit gefordert. Man arbeitet flexibel in verschiedenen Gruppen und an verschiedenen Orten. Die Hochschulen reagieren darauf und stellen die Bachelor-Studiengänge auf Kompetenzorientierung um, wo genau diese Fertigkeiten vermittelt werden sollen. Aber wie werden diese Fertigkeiten praktisch vermittelt? Gibt es ein Fach im Studium Gruppenarbeit und Flexibilität? Natürlich nicht, denn das sind Querschnittskompetenzen, die fächerübergreifend überall vermittelt als auch erwartet werden.

Wie arbeitet man aber heutzutage?

Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich da immer nur Anekdoten erzählen. Vor kurzem haben wir eine Pressemitteilung mit drei Partnern verfasst. Gearbeitet wurde dabei in der digitalen Steinzeit, sprich man hat zwar digital geschrieben aber der Workflow war wie bei Papier. Der erste verfasst eine Rohversion, verschickt diese per E-Mail (immerhin als Word und nicht als PDF) und die anderen haben dann ihre Änderungen eingepflegt. Dadurch sind dann natürlich mehrere Versionen entstanden und am Ende musste einer leiden und diese Versionen zusammensetzen. Hätte man Dropbox genutzt, wäre das Leid kleiner gewesen aber gut wäre es trotzdem nicht geworden. Ich hatte gleich GDrive vorgeschlagen, aber da kaum einer einen bösen Google-Account hat bzw. niemals für die Arbeit nutzen würde, war das natürlich unmöglich. Am Ende war dann auch noch die Version, die von sechs Leuten Korrektur gelesen wurde, immer noch mit Fehlern überhäuft. Trotz aller Fehler bei diesem Workflow und trotz der viel besseren Technik (Cloud), wird das nicht genutzt. Warum?

Die Lösung ist ganz einfach, denn die Systeme werden praktisch nicht gelebt. Wie soll das auch geschehen, denn alle haben in ihrem Studium bzw. in ihrem ganzen Leben nur analoge Medien kennengelernt bzw. sie haben digitale Kopien der analogen Welt bekommen. Alle Prozesse sind immer noch analog, d.h. es wird seriell gearbeitet statt parallel. Man kann digitale Workflows auch nicht lernen, man muss sie leben.

Das Gegenbeispiel erlebe ich fast täglich bei uns im Online-Studium. Hier wird alles digital gemacht aber es gibt kein Extra-Fach „Medienkompetenz“. Die Cloud ist Alltag, sei es LOOP, Etherpad oder Skype und GDrive (wobei die letzten beiden Systeme gar nicht von der Hochschule angeboten werden, sie sind aber permanent im Alltag des Studierenden vorhanden). Gruppenaufgaben werden per Connect mit Headset und parallel am Laptop im GDrive bearbeitet. Nicht selten arbeiten 2-4 Leute gemeinsam am Dokument. Mir kommt das manchmal so vor, wie bei einem koordinierten Angriff bei World of Warcraft mit Teamspeak. Der eine schreibt die Einleitung, der andere kopiert die Arbeitsergebnisse ins finale Dokument, der dritte layoutet alles und der vierte macht Kopf- und Fußzeilen.

Was ich damit sagen will, und worauf es immer wieder hinausläuft, man muss diese Techniken vorleben und das bedeutet alle müssen das machen. Mit allen meine ich die Profs, die Verwaltung der Hochschule und die Sekretariate. Nur im täglichen Leben, lernt man diese Arbeitsweisen und diese digitalen Workflows sind unglaublich wichtig für die Zukunft, denn sie bedeuten Effektivität. Ich bin überzeugt, dass wir bei oncampus sicherlich um 10-30% effektiver arbeiten, als andere E-Learning Organisationen. Telearbeit, Webkonferenzen, GDrive, Etherpads, Tablets, Ressourcenmanagement, Ticketsysteme und natürlich Skype sind bei uns Alltag. LOOP hat bei uns Maßstäbe gesetzt und das nicht nur in den Workflows, sondern auch im Verständnis der Kollegen. Wie bindet man OER-Inhalte aus YouTube, Prezi, Slideshare und Co ein? Wir machen das täglich und dazu alles auch noch in ASCII-Wiki-Syntax und teilweise mit TeX-Notation.

In der analogen Hochschule fehlt dieses Vorleben jedoch. Studierende sehen alles analog, treffen sich auch analog in Bibliotheken und verbringen dann auch noch Zeit in Autos um dort hinzufahren. Vielleicht verschicken sie sogar Doc-Files mit Änderungsmodus, denn sie wissen nicht was sie tun.

Das ist auch der Grund, warum diese Ansätze wie Print on Demand nicht funktionieren. Da wird immer noch analog gedacht, obwohl die Zukunft digital sein wird und daher völlig andere Kompetenzen erwartet. Wer heute noch mit Papier studiert, wird genau die gleichen Probleme kriegen, wie die heutigen 50jährigen Sekretärinnen, die mit Outlook auf Kriegsfuß stehen, das sie noch nicht einmal auf der Schreibmaschine ausgebildet wurden. Sie haben kein Verständnis für Office und wir bilden Menschen aus, die dann später mit Mobilgeräten und der Spracherkennung nicht umgehen können und nicht kollaborativ in der Cloud arbeiten können.

Das traurige jedoch an der ganzen Geschichte ist, dass bestimmt kein einziger Student an der VFH das bewusst wahr nimmt. Für die meisten ist das Alltag und selbstverständlich, dass sie jedoch, dank der konsequenten Umsetzung des vollen digitalen Studiums, noch eine Menge Kompetenzen mitnehmen, die sie bestimmt in den nächsten 10-15 Jahren im täglichen Beruf anwenden können, das ist den meisten gar nicht bewusst. Und im Gegenzug sucht sich bestimmt auch kein Student seinen Studienort nach dem Digitalisierungsgrad der Hochschule aus. Das ist bei keinem Ranking erwähnenswert und dabei ist es meiner Meinung nach, so unglaublich wichtig.

Update:

Oder wie es Anja Lorenz mit einem Meme treffend zeigt.

 

Das LMS ist nicht tot, das Design schon

Manchmal sieht man den Wald, vor lauter Bäumen nicht. Schon sehr oft wurde das klassische LMS als tot oder gescheitert gesehen. PLEs wurden als Nachfolger auserkoren oder sogar Social Learning Systeme neu erfunden. Dabei sind LMS wahre Schlachtschiffe, die viel mehr können, als nur didaktische Szenarien zu vermitteln. Ein LMS ist die Schnittstelle zur Infrastruktur, zur Organisation, zur Verwaltung und letztendlich zur Digitalisierung und damit zur Effektivität der Hochschule.

Trotzdem sind LMS langweilig. Ich beschäftige mich schon seit Jahren mit Blackboard, Sakai und Moodle und kenne natürlich auch Clix, StudIP und Olat. Was alle diese Systeme gleich haben, sind langweilige Kursdesigns. Kennt man ein LMS, kennt man alle. Man kann noch so ein fantastisches didaktisches Kurskonzept haben, präsentiert man es einem Besucher, sieht er normalerweise eine Linkliste und eine Navigation, die ähnlich einem Datei-Explorer ist. Erst auf dem zweiten Blick, ergibt sich das Konzept.

 

Moodle Kurs Design

Moodle Design grafisch aufgearbeitet und Responsive

Wir haben schon lange schöne Moodle-Designs, als Beispiel sei unser Medienkompetenz Kurs erwähnt. Die Icons sind grafisch aufgewertet, eine klare Struktur ist zu sehen und was sehr schön ist, man erkennt anhand der Kopfgrafik, in welchem Kurs man sich befindet. Alle Blöcke entsprechen dem CI von oncampus und natürlich ist das ganze auch response. Im Gegensatz zu einer Standard-Moodle Installation eröffnet das grafisch als auch in der User Experience ganz neue Welten.

Bei anderen LMS sieht es ähnlich aus. Bei meinem Vortrag über die papierlose Hochschule beim SOOPAL MOOC hab ich mir Olat noch einmal näher angeschaut und im Grunde keine großen Unterschiede zu Moodle entdeckt. Natürlich wird jeder OLAT Experte dem sofort widersprechen, aber der Kunde sieht erst beim durchlaufen des Kurses erwähnenswerte Unterschiede, niemals bei einer Präsentation.

OLAT Kursdesign mit aufklappbarer Navigation

OLAT Kursdesign mit aufklappbarer Navigation

Das es auch anders gehen kann, liegt auf der Hand. Nicht ohne Grund wurde XML, xHTML und CSS entwickelt. Vor ein paar Wochen habe ich schon einmal zu dem Thema gebloggt und nannte das Konzept „Das Auge lernt mit„.

Moodle Kursdesign mit grafischen Unterbrechungen

Moodle Kursdesign mit grafischen Unterbrechungen

Im letzten Semester sind wir grafisch schon einen Schritt weiter gegangen. Wir haben die didaktischen Kurselemente mit einem grafischen Horizontal Rule getrennt. Dadurch ist der gesamte Kurs „luftiger“ und übersichtlicher und klarer. Dafür muss man jetzt jedoch mehr scrollen. Ich sage dazu: „Einen Tod muss man sterben. Entweder gutes Design, dann aber viel scrollen.“  Früher hiess es immer, der Anwender soll nicht scrollen und alle Elemente müssen auf einem Blick zu sehen sein. Diese Aussage ist aber 10 Jahre alt und wir halten uns immer noch teilweise daran. Jeder Internetnutzer weiss heutzutage, dass man Webseiten scrollen kann:-)

Und dann kamen die MOOCs. Alle MOOCs bestechen durch neue Kursdesigns und dementsprechend durch neue Plattformen, die ich jetzt auch nicht LMS nennen will. Schaut man sich Coursera, EDx und iversity an, so sind alle super grafisch aufgearbeitet, sie sind responsive und haben einen sehr reduzierten Funktionsumfang. Mich erinnert das irgendwie an Apple, die auch sehr schlichte einfache Bedienkonzepte haben und viel Wert auf hochwertiges Design legen. Der Erfolg gibt Apple recht. Die MOOCs haben das LMS Design quasi in das Jahr 2014 gebracht. Hier hatten Designer das sagen und keine Pädagogen.

Wir haben dann die Idee unbewusst aufgegriffen und beim Hanse MOOC umgesetzt. Hier war unser oberstes Motto, der Anwender soll nicht merken, dass er sich in einem LMS bzw. Moodle befindet. Daher haben wir all die typischen Old-School-LMS-Elemente, wie Kalender, Bereiche, Explorer-Navigation, aber auch die Teilnehmerliste und das Profil ausgeblendet.

MOOC Design Entwurf

Das war ein viel größerer Schritt, als mir zuerst bewusst war. Durch die innovative(?) Bildnavigation im oberen Bereich, hat man die Gestik von den Tablets und alle Lektionen sind grafisch aufgewertet. Eine Linkliste sucht man vergebens und jedem ist sofort klar, dass es sich hier um etwas neues handelt. Das Auge erkennt sofort das neue Konzept und das obwohl MOOCs kaum neue Konzepte haben.

Die Grundfrage, die sich daraus ergibt: Warum sind dann die LMS nicht so sexy, wie ein MOOC?

Ich vermute das ist mal wieder ein Change-Management-Problem, denn niemand will das Design eines LMS grundlegend ändern, sondern ist damit zufrieden, dass es gerade so benutzt wird. Außerdem sind Kritiken am Design immer sehr schnell gemacht und fürchterlich hart. Da kann jeder mitreden und die meisten denken sogar, sie könnten es besser.

Man muss jedoch nur einen Blick auf bekannte Webseiten werfen, sei es iTunes, FAZ, Bild oder Facebook. All diese Webseiten füttern ihre Artikel/Inhalte mit einem Medienobjekt an und liefern eine Kurzbeschreibung und nach einem Klick erhält man den gesamten Artikel. Bei jedem klassischen LMS ist diese Struktur auch möglich, wird aber nicht genutzt. Natürlich sind die Medien-Elemente aufwendig zu entwerfen und kosten Zeit, doch ist das Grund, warum immer noch diese alten Linklisten existieren?

Das auch anders geht, zeigt Julian Ridden (Moodleman).

Das Elegance Theme von Moodle 2.6 geht in diese grafische Richtung. Man könnte es vergleichen mit dem, zugegeben wenig erfolgreichen Schritt, von Microsoft bei Windows 8 zu den Kacheln.

Nachtrag: Man sollte sich hier ergänzend auch noch einmal das innovative Grid-Format für Moodle anschauen, was sehr an die Windows Kacheln erinnert und in genau die Richtung geht, die ich zukünftig erwarte. Wir werden dieses Format sicherlich mit Moodle 2.7 ab August in ausgewählten Kursen evaluieren, wenn der Zeitgott es gut mit uns meint;-)

Hinter jeder Grafik versteckt sich quasi ein Learning Object. Das Auge sieht sofort, was für eine Aufgabe das Element hat. Die Bedienung eines Kurses richtet sich grafisch und visuell aus und nicht mehr textbasiert über Links. Kennt jemand noch Startseiten von Instituten, wo noch Textlinks anzuklicken sind?

Fazit

Die MOOCs sind eine Frischzellenkur für das gesamte E-Learning. E-Learning wird modern, grafisch ansprechend und vor allem erhalten sie ein neues Alleinstellungsmerkmal: User Experience.

Die Inhalte bestehen jetzt aus Videos (xMOOC) und die LMS sind responsive und grafisch klar strukturiert. Das dies alles auch mit den alten Flagschiffen wie z.B. Moodle funktioniert, beweist Julian Ridden und natürlich unser Hanse MOOC. LMS sind durch die Themes, insbesonders bei Moodle 2.7 das Bootstrap Theme, sehr flexibel geworden und man benötigt eigentlich nur ein gutes Change-Management, um die Änderungen anzupacken.

 

 

 

5 Wochen Moodle 2.3 – ein Rückblick

Am Samstag, den 21.Juli haben wir Moodle abgeschaltet um das System zu aktualisieren und seit Dienstag 24.Juli sind wir nun online. Was ist in den letzten Wochen passiert? Was ist gut gegangen und was war schlecht? Es wird Zeit für ein kleines Resümee und das ich erst heute dafür Zeit finde, zeigt schon, dass es zeitaufwendiger war, als zuerst gedacht.

Fangen wir erst einmal beim Grundsätzlichen an und zwar bei der ganz simplen Frage, warum haben wir das System überhaupt aktualisiert?

Das ist wirklich sehr einfach zu beantworten. Moodle 2 bietet zum einen sehr viele neue Funktionen, u.a. Responsive Design, Repository Support, neue Fragetypen und ein „besseres“ Datei-Handling und zum anderen läuft die Update-Phase (Security-Patches, Updates, etc.) für Moodle 1.9 aus. Da wir nur den August Zeit haben, um ein so aufwendiges Update zu machen, wäre der nächste Termin August 2013 gewesen, und das war definitiv zu spät.

Warum haben wir das Update gerade jetzt gemacht?

Wie eben schon geschrieben, konnten wir das Update nur in den großen Semesterferien im August machen. Trotzdem waren einige davon betroffen, die dann doch noch Praktika, Klausurvorbereitungen, Nachbearbeitungen machen mussten oder einfach nur die vorlesungsfreie Zeit nutzen wollten um aufzuräumen. Es gibt bei keinem technischen System den perfekten Zeitpunkt, irgendjemand ist immer betroffen oder fühlt sich nicht ausreichend informiert.

Was ist gut gelaufen?

Eine sehr schwierige Frage, denn was gut gelaufen ist, nimmt kaum jemand wahr. Was bestimmt positiv ist, dass die alten Kurse überhaupt da sind, mit den Forenbeiträgen, den News, Terminen und Dateien und den Lerninhalten. Dabei muss man aber auch gleich anmerken, da ist auch ne Menge schief gelaufen, denn viele Links aus Foren sind (noch) kaputt und bei den Einsendeaufgaben gab es auch sehr viele Probleme. Jemand, der nun seine Aufgaben vermisst, wird kaum glücklich darüber berichten, dass der alte Kurs überhaupt da ist, er will das alles perfekt ist. Ein sehr schwieriger Anspruch, an ein sehr komplexes System. Was auch sehr positiv war, dass der Zeitpunkt recht gut gewählt war. Wir hatten durch das Update Ende Juli, quasi den ganzen August Zeit, die gröbsten Probleme zu beheben. Dazu gab es noch jede Menge Personalengpässe, die wir auch auffangen mussten und ganz viele anderer Probleme, die wir nicht gesehen hatten. Das dritte Positive, war die Entscheidung direkt auf Moodle 2.3 zu gehen. da sich die Oberfläche stark geändert hat, u.a. sind Aktivitäten und Materialien nun zusammgefasst und es gibt nur noch einen Aufgabentyp.  Zum Schluß, war die Kommunikation noch einmal sehr positiv. Dank unseres Twitterchannels https://twitter.com/oncampusfhl haben sich viele gut informiert gefühlt, natürlich aber nicht alle. Manche  haben auch erst jetzt erkannt, wie nützlich Twitter sein kann, andere wollen lieber „sichere“ Plattformen haben und verweigern sich dem „bösen“ Internet. Definitiv waren die letzten Wochen bei uns viel zu stressig arbeitsintensiv, als dass wir Zeit hätten, lange E-Mails oder Blogberichte zu schreiben. Da ist Twitter sehr viel effektiver gewesen und für den Nutzer und ist Twitter auch „nur“ eine Internetseite.

Was ist schlecht gelaufen?

Nichts was wir erwartet hatten, wäre jetzt eine gute Antwort. Ich will sagen, dass wir eine Menge getestet hatten, aber dann doch vieles anders gelaufen ist, als wir erhofft hatten. Wir haben dabei mehrere große Probleme festgestellt, die wir nicht erwartet hatten. Zum einen sind alle(?) Links auf interne Dateien, die durch den WYSIWYG-Editor gesetzt waren, nun leider falsch. Manachmal wurde auch Dateien komplett im Editor eingebunden, d.h. diese Dateien sind auch verschwunden. Keiner von uns arbeitet so mit dem Editor, daher haben wir das gar nicht so direkt getestet. Dateien werden normalerweise über den Datei-Upload-Dialog verwaltet, aber es geht auch anders. Damit wären wir beim eigentlich größten Problem, der Komplexität. Ich hätte nie vermutet, wie komplex inzwischen Moodle und ganz besonders unsere Infrastruktur geworden ist. Wir haben inzwischen ca. 20 Projekte in acht Moodle-Systemen für fünf Partner mit zwei Verwaltungssystemen hier am laufen und das ist komplex. Da geht es um DNS-Settings, SSL-Zertifikate, Datenschutz, Rufüberwachung und Netzwerkmanagement. Das geht weiter über Modulverwaltung, Templates, Abrechnungen, Zeitplänen, Evaluation, Webkonferenzen und Stammdatenverwaltung und das ganze endet dann noch lange nicht bei Single-Sign-On, Schulungen, Responsive Design, VMware und HTML5. Ich will sagen, dass es wirklich komplex ist und wir entdecken hier jeden Tag ein neues kleines Problem, was wir meist schnell reparieren können, aber es hat trotzdem jemanden genervt.

Das zweite große Problem sind die Einsendeaufgaben. Die sind teilweise nicht korrekt übertragen worden. Das liegt oft am gleichen Problem, wie eben beschrieben, denn oft wurden Aufgaben als auch die Lösungen nicht als Dateien behandelt, sondern übern den WYSIWYG-Editor verwaltet und jetzt sind die Dateien falsch verknüpft. Bei allen neuen Kursen ist das natürlich kein Problem, aber manchmal wollen die Studierende die alten Aufgaben noch ansehen um sich auf die Klausur vorzubereiten und dann sind die PDFs weg. Ich denke auch, dass wir dieses Problem nicht automatisch reparieren können und daher noch ein großes Problem kriegen werden.

Das gleiche gilt für Links aus Foren, News und anderen Bereichen auf interne Inhalte. Da sich bei allen Moodle-Kursen die Cours-ID geändert hat, stimme diese Verweise nicht mehr. Die Dateien sind jedoch alle da. Wir versuchen diese internen Links zu reparieren, was noch ein etwas dauern könnte. Das ist auch die letzte große Baustelle, die wir offen haben.

Hätte man das nicht auch alles besser testen können?

Natürlich kann man das, aber es kommt immer auf die Mittel und die Zeit an, die man zur Verfügung hat. Hier arbeiten keine 50 IT-Profis, die 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche zur Verfügung stehen. Wir haben hier zwei Entwickler und eine Designerin, die eigentlich alles machen müssen und das unter den Bedingungen des öffentlichen Dienstes. Natürlich haben auch andere Abteilungen mitgeholfen, z.B. für die Administration, Schulung und der Koordination, aber das Kernteam ist klein. Dazu kommen dann noch andere Ereignisse, wie Elternzeit, Krankheit und Urlaub, die alles noch verzögern können. Wir haben sehr viel gearbeitet und das auch an den Wochenenden und wir haben auch unsere Urlaube verschoben und Überstunden gemacht, aber auch Gott hat es nicht geschafft, die Welt an nur einem Tag zu erschaffen und das mit der Moodle-Umstellung wird auch noch länger dauern. Am Ende sind wir definitiv alle schlauer, aber ob wir all diese Probleme vorher gewusst hätten, ist fraglich. Noch einmal gesagt, viele Probleme haben wir vorher gesehen und gelöst, aber die merkt der Anwender nicht. Man sieht nur das, was schiefgelaufen ist. Das ist halt so bei IT-Prozessen, leider.

Wie geht es nun weiter?

Wir haben nun den Semesterstart gemacht (ja das normale Alltagsgeschäft ist auch noch da) und werden uns dann den vielen kleinen Problemen annehmen. Ich vermute, wir werden mit der Moodle-Umstellung noch bis Februar zu haben. Es werden noch viele Probleme auftauchen, von verschwundenen Dateien, über die Einsendeaufgaben, Schulungsbedarf, Fehlbedienungen usw. Ab März wird es dann normal werden, bis zum nächsten großen Update in ca. fünf Jahren.

Disruptive Technologien – die MyTaxi App

Lange nichts mehr gebloggt, aber ich hoffe dies Jahr wird es mal wieder besser. In der Kürze liegt die Würze, daher hier ganz schenll ein paar Gedanken zur „Veränderung“. In den letzten Wochen hab ich etliche Artikel über disruptive Technologien bzw. Innovationen gelesen. Das Jahr 2011 war z.B. das Jahr des Smartphones und 2012 wird sicherlich fast jedes neue Mobilgerät ein Smartphone werden und 4 Jahre später gibt es dann plötzlich keine Handys mehr. Das geht ganz schnell und Schwups ist man weg. Das gleiche haben auch Postkutschen bei der Erfindung des Autos erlebt oder die Musikindustrie als es plötzlich Napster gab. Berufe sind da auch nicht verschont, oder denkt noch heute jemand, dass seine Schuhe in Deutschland produziert werden?

Internet ändert alles!

In der Zeit war gestern wieder ein solch ein Beispiel, wo man nur mit dem Kopf schütteln kann. Die App „MyTaxi“ verändert gerade die Welt der Taxiunternehmen. In Hamburg, Berlin und München ist sie schon allgegenwärtig und ersetzt „knallhart“ die Taxizentralen, dennoch meint Herr Waldner auf Seite 3 „Apps werden die Szene verändern, aber eine Nische bleiben“. Das könnte wieder ein typisches Beispiel werden einer klassischen Fehleinschätzung. Ich vermute, dass es in 3-5 Jahren keine Taxizentralen mehr geben wird und sie einfach durch einen Webservice ersetzt werden. Die ältere Generation glaubt das nicht und die Jugend wird fragen „Was sind denn Taxizentralen? Hey hier ist meine MyTaxi App – voll krass einfach“.

Hinter MyTaxi stehen im übrigen mit Daimler und Telekom zwei Schlachtschiffe der Großindustrie mit ihrem Venture-Kapital. Mal schauen welche Firmen als nächstes durch Apps ersetzt werden…

Connect Extensions damit man nicht vor leeren Räumen warten muss

Wen hat es schon immer gestört, dass er stundenlang den Connect-Raum aktiv beobachten musste und niemand kam herein. Diese Zeiten sind schon lange vorbei, denn es gibt eine Türklingel. Bei den Connect Extensions einfach die Doorbell als swf-Datei runterladen und dann im Freigabe-Pod als Dokument einstellen und freigeben. Jetzt kann der Connect-Raum im Hintergrund laufen und es gibt mittels „Notify on entry“ ein Glockensignal bei Eintritt einer neuen Person, was aber auch manuell ausgelöst werden kann. Jetzt kann man z.B. ganz einfach die Lautsprecher anschalten und nebenbei bügeln oder Kuchen backen, bis die Glocke läutet. Aber denkt bitte daran, das Bügeleisen auszuschalten 😉

Das ist der Unterschied in der Bildungspolitik

Manche Headlines stimmen einen nachdenklich und machen zum Teil auch Sorgen. Im Ausland wird mächtig in die Bildung investiert vor allem in Asien. Südkorea ist da Vorreiter, denn dort sollen alle Schulbücher bis zum Jahr 2015 komplett digitalisiert werden, damit die Kinder mit Tablets und Smartphones bzw. übers Internet lernen können. Wenn ich nach Deutschland schaue, sehe ich dank dem modernen konservativen Urheberrecht eine Three-Strikes-Regel kommen und die Lehrer werden mittels Schultrojaner überwacht. Das Online-Studium bleibt dank der FDP nun auch auf dem Stand von 1995, denn eine flächendeckende Grundversorgung mit Breitband wird es nicht geben. Dies regelt der Markt angeblich von alleine. Man brauch nur einmal nach Mecklenburg-Vorpommern fahren und fragen, wie schnell es sich regelt. In Südkorea hatten übrigens schon 2007 über 90% Breitband und wir sind immer noch bei ca. 50% und unser Ziel für 2014 sind 75%. Deutschland ist ein Zukunftsland…