Zu Besuch im Silicon Valley bei Apple, Twitter und Co

Die vielleicht aufregendste Dienstreise (oder soll ich Fortbildungsreise schreiben?) meines Lebens liegt hinter mir. Eine Woche Silicon Valley im Rahmen der Digitalen Agenda Schleswig-Holsteins und organisiert von der Staatskanzlei SH liegen hinter mir. Ich versuche jetzt mal die Erlebnisse, die Eindrücke aber auch die Erkenntnisse in mehreren Artikeln zu verarbeiten. Die Landesregierung hat schon einen sehr guten Bericht geschrieben, den ich als Übersicht empfehle. Das soll jetzt mein subjektiver Überblick sein, was ich denn dort überhaupt erlebt habe. Einen kleinen Vorbericht habe ich schon bei ununi.tv gegeben, wo meine Eindrücke noch sehr frisch waren und wo es viele Details gibt.

Andreas Wittke im Silicon Valley: Was können wir lernen?

Das Highlight des ersten Tages war der morgendliche Lauf über die Golden Gate Bridge (der Jetlag lässt grüßen) und natürlich das Come Together.

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Die Delegation bestand aus 55 Leuten aus Politik, Wirtschaft und Hochschule. Solche Reise funktionierenauf drei Ebenen. Man will zum einen das Silicon Valley kennenlernen und zum anderen sollen die uns verstehen und natürlich soll man sich auch untereinander vernetzen. Daher gab es Workshops, gemeinsame Essen und Ausflüge und das in vollem Umfang. Wir waren quasi jeden Tag 12-14 Stunden gemeinsam unterwegs und hatten fast keine Freizeit, obwohl die 500 Fotos was anderes sagen.

Der heimliche deutsche Star

Der zweite Tag stand ganz im Zeichen von SAP. Dieses angestaubte deutsche Unternehmen rockt das Silicon Valley, denn SAP gilt quasi als Godfather des Design Thinking und das ist der Motor der Innovation. In der ganzen Woche wurde dementsprechend auch immer wieder SAP zitiert, egal ob wir bei Apple, Capgemini, Facebook, Mercedes oder Twitter waren. Da es keine allgemein gültige Definition vom DT gibt, habe ich es für mich selbst so definiert:

„Schaffe per Architektur einen Raum, wo die Menschen flexibel und frei sind, dann werden sie glücklich, kreativ und innovativ sein. Mische dann noch verschiedene Disziplinen wie Grafiker, Entwickler und vor allem Workflow Designer und stelle die Sicht des Anwenders in den Mittelpunkt, dann werden deine Produkte automatisch erfolgreich sein.“ 

Die Besuche bei Capgemini, Electronic Frontier Foundation, Facebook und Mercedes waren zwar schön, aber nicht sehr nachhaltig. Dafür war die Architektur dort immer ähnlich und bestätigt meine DT-Definition. Ich empfehle hier all meine Videos aus der Facebook-Gruppe „Schleswig-Holstein@digital„. Meist hab ich direkt nach dem Besuch kurze Interviews mit anderen Experten aus der Gruppe über ihre Eindrücke erstellt. Die Facebook Gruppe ist übrigens offen, so wie es sein sollte (Gruppe hab ich gegründet 🙂 ).

Ein weiteres, wenn auch umstrittenes, Highlight war der Besuch an der Stanford University mit einem sehr provozierendem Vortrag von Burton Lee. Zwar ist unser Ansatz der Industrie 4.0 recht gut, dennoch hat Deutschland und auch ganz Europa den Anschluss verloren. Wir sind nicht mehr innovationsfähig, können keine Unternehmen gründen und sind viel zu langsam. Prof. Lee hat einen ähnlichen Vortrag in Österreich gehalten, den man sich gerne anschauen kann 😉

Am Donnerstag waren wir dann bei Apple und dort waren keine Wirtschaftsunternehmen erlaubt. Es ging im kleinen Kreis um Ökosysteme und Bildung. Apple hat mit Abstand den didaktisch besten Vortrag gehalten und hat die Besucher dabei abgeholt. Es wurde vorgestellt, diskutiert und erörtert. Dabei hat Apple stets betont, wie wichtig und qualitativ hochwertig ihr Ökosystem sei. Der Grund warum man es nicht öffne, liege einzig und allein im Qualitätsanspruch, denn alle anderen haben leider nicht die Apple-Qualität. Daher ist der Nutzer am besten dran, wenn man unter sich bleibe. Früher wäre ich bei solchen Sprüchen explodiert und bei der Diskussion hab ich auch mehrmals Einspruch erhoben, dennoch kann ich diesen Ansatz inzwischen gut nachvollziehen und für Schulen kann das sicherlich eine Lösung sein. Mein Favorit ist jedoch BYOD, da es später im Leben (Uni, Job) auch eher heterogen sein wird. Wer Apples Philosophie verstehen will, dem empfehle ich den „Steve Jobs“ Film. Erstaunlich wie viel Jobs immer noch in Apple drin ist.

Am Freitag gab es dann parallel Tesla und Twitter und ich hatte Glück, denn ich war bei Twitter. Die waren genau so, wie man sich das vorstellt: geile Architektur, sehr spontan, unvorbereitet (kann man auch agil nennen) und daher sehr authentisch. Vor allem sitzen die direkt in San Francisco und man konnte etwas von der Stadt sehen, die erschreckend heruntergekommen und voller Bettler und Junkies ist. Das Silicon Valley ist leider sehr extrem und hat auch seine Schattenseiten.

Nach der Rückkehr hab ich viele Fotos und Eindrücke in einem Vortrag verarbeitet. Er lässt erahnen, was ich noch alles erlebt habe. Die Besuche im Rathaus, bei Smaato, im Generalkonsulat, Facebook etc. hab ich hier gar nicht erwähnt. Das würde vielleicht auch den Rahmen hier sprengen.

Die Reise ging dann noch weiter nach Washington, wo ich u.a. Obama gesehen hab 🙂 Dazu aber vielleicht später mehr.

 

Blogparade: Ich packe meinen Koffer und nehme mit (Smartphone Version)

Wer kennt es nicht, dass berühmte Gedächtnisspiel: „Ich packe meinen Koffer und nehme mit„. Aber was wäre, wenn wir uns einer einmal in einer Blogparade austauschen würden, welche Apps man denn in den Urlaub mitnehmen würde? Ich weiss nicht, wie es anderen geht, daher wollte ich einmal kurz meine Lieblings-Apps meiner letzten Urlaube vorstellen und vielleicht wird der eine oder andere Leser, diese Idee aufgreifen, und selbst einige Apps vorstellen.

Ich packe meinen Koffer und nehme mit (Bildquelle: Pixabay Lizenz CC0 https://pixabay.com/de/kamera-fotos-fotografieren-514992/ Li

Ich packe meinen Koffer und nehme mit (Bildquelle: Pixabay Lizenz CCO https://pixabay.com/de/kamera-fotos-fotografieren-514992/ Li

Den Medienwandel am eigenen Leben erfahren

Wir reden so viel über Digitalisierung, Change Management, E-Learning und Co aber hat sich auch unser eigenes Leben dadurch verändert? Wird der Urlaubskoffer wirklich dünner oder haben wir immer noch Bücher, Reiseführer, Fotokamera und Wanderkarten dabei? Leben wir auch das, was wir immer predigen?

Urlaub ist nicht Urlaub

Natürlich macht jeder anders Urlaub. Der eine liebt den Pauschalurlaub, der andere macht Kreuzfahrten, andere wiederum wandern oder segeln und ich fahre meist mit dem Motorrad durch Europa. Jeder nutzt daher wahrscheinlich anders sein Smartphone oder vielleicht ist er im Urlaub sogar offline. Wir wissen es nicht.

Meine ZX10r und ich bei Mopedtour 2013 am Stilfserjoch

Meine ZX10r und ich bei Mopedtour 2013 am Stilfserjoch

Die Hardware

Ich bin jetzt in der vierten Smartphone Generation. Nach Motorola Droid, dem Galaxy S3 und dem S5 hab ich jetzt ein Nexus 6p. Richtig gut ist das Smartphone Leben erst mit dem S5 geworden (leider hat es zu wenig Speicher gehabt) und jetzt mit dem Nexus ist es manchmal ein Traum. Ich kann daher nur von Android reden bzw. schreiben.

Der Urlaub

Ich war gerade mit dem Motorrad zur EM in Frankreich, d.h. ich bin 3.500 km quer durch Holland, Belgien und dann durch Frankreich gefahren. Seit ca. drei Jahren nehme ich keinen Fotoapparat mehr mit und dies Jahr hab ich sogar auf das Navi verzichtet. Das Smartphone steckt in der Brusttasche und im Helm hab ich Bluetooth Kopfhörer, d.h. ich navigiere nur per Audio mit GoogleMaps. Klappt recht gut, außer man hat französische Kreisel mit fünf oder mehr Abfahrten 🙂 Straßenkarten aus Papier nutze ich seit ca. 4 Jahren nicht mehr, obwohl ich meist noch Übersichtskarten mit habe (vom ADAC), die aber ungenutzt in den Papierkorb kamen.

Hyperlapse Testaufnahme mit Klebeband am Außenspiegel - hat funktioniert

Hyperlapse Testaufnahme mit Klebeband am Außenspiegel – hat funktioniert

Und jetzt die Apps

  1. Offline Wikipedia ist für mich das absolute Must-Have. Früher nutzte ich Wikidroyd, was es leider nicht mehr gibt. Jetzt nutze ich Kiwix und bin sehr zufrieden. Die offline Wikipedia in deutsch ist ca. 2 GB groß und hat keine Bilder. Sie ersetzt bei mir jeglichen Reiseführer und ich liebe es darin zu schmökern. Gerade jetzt in Frankreich beim Besuch am Omaha-Beach und dem D-Day Memorial ist die Wikipedia quasi unerschöpflich und unersetzlich. Ich hab noch keine Offline Wikipedia für iOS entdeckt, aber vielleicht hat der eine oder andere Leser da einen Tipp.
  2. Offline Straßen-Wanderkarte OpenStreetMap (OSM) muss dabei sein. Als Motorradfahrer brauch die zwar nicht direkt, doch für Städte und zum wandern und Fahrrad fahren ist sie der moderne Traum. Ich nutze hier OSMand+ die inzwischen auch eine sehr gute Routing-Funktion hat. Man kann alle Karten umsonst als OSM runterladen (für Deutschland jedes Bundesland einzeln) und offline nutzen. Im Gegensatz zu GoogleMaps ist dort wirklich jeder Weg verzeichnet und bei Es gibt kostenpflichtige Zusatzkarten z.B. mit Höhenprofil oder Seekarten. GPX-Tracks können auch über die Dropbox geladen werden, aber ob man  den folgen kann (also mit Alarm-Funktion, wenn man sich n Meter von der Strecke entfernt), weiss ich nicht. Dafür hab ich immer Orux-Maps genutzt, die aber inzwischen eine schlechte Usability hatte (soll jetzt besser sein). Bei Radtouren klemm ich das Smartphone an den Lenker (Fahrradhalterung) und navigiere dann aber auch ohne Display nur mit Audio oder ich hab in der Lenkertasche ein Powerpack. Während der Fahrt schalt ich meist sogar in den Offline-Modus und hab nur GPS an, dann spar ich sehr viel Akku und trotzdem funktioniert die Navigation. Es gibt inzwischen auch Fahrradlampen mit USB-Anschluss, aber Licht UND Smartphone aufladen geht nicht, also aufpassen bei Nachtfahrten.
  3. Bei der Hotelbuchungs-App Tripadvisor muss man darauf hinweisen, dass die im Ausland natürlich viel besser ist als in Deutschland. Unsere Hotels sind natürlich viel zu rückständig, als das in Tripadvisor alle Hotels flächendeckend vorhanden sind. In Frankreich war Tripadvisor jedoch ein Traum. Ich hab alle Hotels jeweils einen Tag vorher gebucht und teilweise 50% Rabatt bekommen. Sogar in Paris zur EM hab ich ein DZ im Design-Hotel im Zentrum für 87,- bekommen. Für Pauschalreisende sicherlich nicht sehr wichtig (da sind aber auch Sehenswürdigkeiten und Restaurant-Bewertungen drin), aber seit ich Tripadvisor nutze, brauch ich keine Touri-Infos mehr.
  4. Natürlich darf Facebook nicht fehlen, denn wen kann ich sonst mit meinen Urlaubsbildern nerven, wenn nicht meine Facebook-Freunde:-) Früher hab ich sogar teilweise noch gebloggt oder Reise-Apps wie Mobility-Trip oder Journal genutzt. Heute nutze ich fast ausschliesslich Facebook. Ganz selten poste ich auch mal privates Zeug auf Twitter und seit es die 360 Grad Bilder gibt, ist das bei Facebook richtig gut geworden. Da merkt man auch, dass statische Fotoalben den Anschluss verloren haben. Leider hat Facebook noch keine Stories, wie Google-Fotos.
  5. Zum Schluss noch der ganze Rest, den man immer etwas braucht, wie Wecker, Wetter, GoogleMaps, Spotify, DBNavigator und Translator sowie die Taschenlampe. Zum lesen nutze ich inzwischen einen Kindle. Das war es.

Was wurde eingespart

Wie schon erwähnt, ich habe keine Papierbücher mehr, kein Navi, keine Straßenkarten und keinen Fotoapparat, dafür aber die drei Ladegeräte (Bluetooth-Headset, Smartphone, Kindle) und natürlich Powerpacks, Adapter und Kabel. Besser ist es also nicht wirklich geworden.

Was ist eine Blogparade, und wie kann daran teilgenommen werden?

Ich habe mich bei Oliver Tacke inspirieren lassen, der aber selbst bei Thorsten Larbig geschaut hat; ich lehne mich stark daran an.

Bei einer Blogparade erstellen innerhalb eines bestimmten Zeitraums verschiedene BloggerInnen (oder VlogerInnen und vielleicht sogar PodcasterInnen?) einen Beitrag zu einer bestimmten Frage. Diese Parade benötigt aber auch einen Ort, wo sie auflaufen kann – in diesem Fall dieser Blogbeitrag hier. Wenn du einen etwas beisteuern möchtest, verlinke doch einfach in einem Kommentar darauf. Einfach einen (längeren) Kommentar hinterlassen geht natürlich auch ? BloggerInnen können innerhalb ihres Textes einfach auf diesen Beitrag hier verlinken, dann erscheint automatisch ein Verweis in den Kommentaren per PingBack.

Hier noch einmal die Schritte zum Mitmachen

  1. Erstelle einen Beitrag zu der Frage, welche deiner Apps, die wichtigsten im Urlaub sind und erklär das kurz. Es ist völlig egal, ob du ein Android oder ein iPhone hast oder ob du Pauschaltourist oder Abenteurer bist.
  2. Verlinke deinen Beitrag mit diesem Artikel hier (http://www.onlinebynature.com/2016/08/blogparade-ich-packe-meinen-koffer-und-nehme-mit-smartphone-version) oder weise unten in einem Kommentar mit Link darauf hin.
  3. Schaut euch natürlich auch gerne die Beiträge anderer an, kommentiert dort, verlinkt auch dorthin – dann wird es so richtig lebendig.

Die Blogparade läuft einen Monat bis zum 31. August 2016. Bis dahin dürft ihr gerne auf allen Kanälen darauf hinweisen, die euch so einfallen: Twitter, Facebook, Telefon, Mensaflyer und natürlich im Urlaub.

Das VHScamp gefangen in der Zwischengeneration

Der Himmel war grau und Hamburg zeigte sein bekanntes Gesicht, als ich beim VHScamp eintraf. Es war für mich das erste und vielleicht auch einzige VHScamp, was ich an diesem Freitag besuchte. Im Gepäck hatte ich die Erfahrung vom größten Volkshochschulkurs aller Zeiten, den wir gemeinsam mit den Volkshochschulen Bremen und Hamburg letztes Jahr durchgeführt hatten. Über 2.000 Teilnehmer waren bei „Das digitale Ich“ dabei und wir waren alle sehr zuversichtlich, damit ein Zeichen der Kooperation gesetzt zu haben. Ob es wirklich so war, wird jedoch die Zukunft beantworten.

VHScamp 16 Logo

VHScamp 16 Logo

In Hamburg trafen sich ca. 150 begeisterte und voll motivierte VHS-Kämpfer, die ihre Volkshochschulen lieben. Gemeinsam wollten sie über eine zeitgemäße moderne Volkshochschule diskutieren, die auf dem Weg ins – inzwischen schon 16 Jahre alte – 21.Jahrhundert ist. Themen gab es genug und Redner auch. Selten hab ich bei einem Barcamp so viele Session-Anbieter gesehen und am Ende war der Timetable schneller voll, als man ahnen konnte. Externe Besucher waren die Ausnahme, ich denke es waren nicht mehr als zehn, und so war das VHScamp eher eine interne Veranstaltung.

Ich selbst habe zwei Sessions angeboten. Bei der ersten ging es um Flüchtlinge und ich habe unsere Erfahrungen vom #DEU4Arab MOOC vorgestellt. Ich finde die Daten aus der Evaluation immer noch höchst spannend und das Feedback war entsprechend positiv.

Einfach einen Link setzen

Das Interesse der Volkshochschulen an dem Kurs war danach auch recht groß, aber man merkte dann doch, dass es für VHSen ungewohnt war, plötzlich einen digitalen kostenfreien Kurs nutzen zu können. Wie man denn jetzt diesen Kurs bekommen könne, wurde ich gefragt und ich sagte: „Einfach einen Link setzen“ und jeder kann ihn nutzen. Aber da hab ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn einen kostenfreien Kurs in das halbjährliche Kursbuch einzubauen, wäre jetzt doch wohl zu einfach. Dazu benötige man doch ein Startdatum, einen Dozenten und überhaupt. Wer nutzt schon einen Online-Kurs, wenn es doch auch mit Blended Learning vor Ort geht?

Bei den nächsten Sessions ging es mit vielen digitalen Ideen weiter, seien es Videokonferenzen oder Snapchat, Webseiten oder Learning Spaces. Und was sind eigentlich Erweiterte Lernwelten? Und wieder ging es um „Die Technik muss der Didaktik folgen“ (einer der dümmsten Sätze des E-Learnings) und wie krieg ich WLAN in die Volkshochschule (bei Starbucks klappt es doch auch).

Die Volkshochschulen bewegen sich hier in der Zwischengeneration. In diesem Spannungsfeld der erfolgreichen alten Tagen, wo man mit Sprachkursen, Fotografieren (mit eigenem Entwicklungslabor inkl.Dunkelkammer) und Töpferstudio ganze Familien begeistern konnte und der Zukunft, wo alles digital ist. Wo Kursangebote per Video vorgestellt werden und die Anmeldung am besten per Facebook klappen sollte.

Disruption der Volkshochschulen

Brisant ging der Tag dann gemeinsam mit Karlheinz Pape zu Ende. Wir haben eine Session über die Disruption der Volkshochschulen gehalten, wo wir einige Fakten von Udemy, mooin und Udacity erzählt haben (ich empfehle hier die Blogbeiträge von Karlheinz Pape und das Interview vom CEO Dennis Yang). Haben  Volkshochschulen ein Interesse, die Pflicht oder überhaupt eine Chance digitale Bildung anzubieten? Wie es in Deutschland üblich ist, wird dies erstaunlich oft und qualitativ hochwertig diskutiert, jedoch fast immer mit dem gleichen Ergebnis. Es passiert außer Gerede halt nicht viel. Sollte es wirklich ein digitales Angebot von Volkshochschulen geben, so müsste es meiner Meinung nach zentralisiert für alle 920 VHSen gemeinsam passieren und es hätte vor ungefähr 18 Monaten online gehen müssen. Dazu bräuchte man ungefähr ein Team mit 50 Entwicklern, einem digitalen Vertrieb und natürlich medienkompetenten Mitarbeitern. Das letzte sehe ich, den Rest leider nicht.

Die Zukunft der Volkshochschulen ist analog

Es sind die vielen Einzelgespräche, die mir den Mut einer digitalen Volkshochschule rauben. Mit dem ichMOOC haben wir einen tollen Auftakt gemacht, der Kurs veraltet aber gerade auf mooin und wartet auf einen Relaunch. Weder Hamburg noch Bremen werden eine zweite Durchführung schaffen, dessen bin ich mir inzwischen sicher. Die Macher vom ichMOOC haben inzwischen entweder die VHS verlassen oder sind mit anderen Aufgaben beschäftigt. Digitale Angebote sind in Zeiten von Flüchtlingen nicht mehr wichtig (wenn die sich mal den FlüchtlingsMOOC anschauen würden) und andere Schwerpunkte werden gesetzt. Wenn ich Aussagen (oder sind es Verzögerungstaktiken?) höre wie, das gebe ich einmal in meinen halbjährlichen Arbeitskreis weiter, dann sehe ich, wie schnell diese Institutionen arbeiten und denken. Auch das einfache Machen ist nicht vorhanden, denn man will immer noch den komplizierten Weg gehen, d.h. man braucht doch unbedingt diese MOOCbars. Man setzt auf Blended Learning Konzepte, damit man alle abholen kann. Das ist natürlich wichtig und liest sich idealistisch, aber wenn es dann so kompliziert ist, dass man wegen der schweren und damit teuren Organisation das nicht mehr hinkriegt, sollte man doch auch einmal über den einfachen Weg nachdenken.  Inzwischen denke ich, die Durchführung vom ichMOOC wäre ohne Volkshochschulen einfacher als mit ihnen, obwohl mich das sehr traurig macht. (Es gibt jedoch eine kleine Hoffnung und ein paar Ideen hab ich natürlich auch noch.)

Parallel explodiert Udemy und keiner setzt was dagegen. In den nächsten zwei Jahren werden solche Anbieter Deutschland überollen. Udemy diskutiert über 1.000 Kurse, wir über einen! Egal was mit dem ichMOOC passieren wird, es ist egal. Der Kurs hat keinen Dominostein angestossen. Er hat aber gezeigt, was man mit motivierten Menschen und Willen schaffen kann und hat die Latte für digitale VHS-Angebote sehr hoch gelegt, vielleicht sogar zu hoch.

Die Zielgruppe wird auch digital

Die Digitalisierung erreicht inzwischen auch die Best Ager. Ein Drittel aller 65+ nutzen inzwischen das Internet und das wird nicht weniger. Immer mehr sind vertraut mit Smartphones, Laptops und den Social Networks, doch Volkshochschulen sind hier selten vertreten. Die Zielgruppe(?) bewegt sich, die VHSen weniger und das Konkurrenz-Angebot ist nur einen Klick entfernt. Parallel entwickeln sich die Angebote immer weiter und wie ich bei meiner Session am Ende sagte, die Angebote werden immer besser. War E-Learning vor 10 Jahren noch ein Abenteuer, so ist es heute Standard, aber morgen wird es dank Künstlicher Intelligenz und Big Data qualitativ noch ganz anders aussehen. Die Zeit der Pilotversuche ist jetzt vorbei, die Angebote werden jetzt massiv ausgebaut.

Die Braut, die keiner will?

Soll man die Volkshochschulen trotzdem nicht unterschätzen? Immerhin reden wir hier über 920 Institutionen und zum VHS Tag kommen Schwergewichte wie unsere Bildungsministerin Wanka und Bundespräsident Gauck. VHSen stehe für Erwachsenbildung und Life Long Learning und sind ein Eckpfeiler unserer Bildungspolitik. Ich glaube trotzdem, dass VHSen, so wie sie heute sind, in 10 Jahren keine große Rolle mehr spielen werden. Sprach,- EDV-, Fotografie- und wahrscheinlich sogar Strick-Kurse werden online stattfinden. Volkshochschulen können nicht skalieren (werden sie auch nie können) und werden daher auch nie digitale Angebote haben. Sie werden die analoge Raststätte neben dem digitalen Highway sein (das Zitat ist nicht einmal von mir), aber im Spiel der Großen werden sie nicht mehr mitspielen. Ich hoffe sehr, dass ich mich irre.

Und das VHS Camp?

Hier noch einmal ein Extra-Lob an diese tolle Community. Das VHScamp war natürlich super organisiert, die Sessions waren hochwertig, das WLAN hat funktioniert und das Essen war gut. Die Google+ lebt auch und es geht auch mächtig voran. Ich war erstaunt, wie viele schöne Projekte es da alles gibt und trotzdem sind es doch meist nur Insellösungen, genau wie bei den Hochschulen. Eine Gesamtstrategie ist nicht zu sehen.

 

Die Digitalisierung ist kein demokratischer Prozess

Warum schaffen wir die Digitalisierung nicht? Ich bin davon überzeugt, dass wir zu sehr in Kompromissen denken und handeln, aber Digitalisierung ist kein demokratischer Prozess, der auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner basiert. In der Bildung nennen wir das dann Blended Learning oder auch jetzt Flipped Classroom und in der Automobilbranche Hybrid und im Verlagswesen PDF. Um das Change wirklich zu schaffen brauchen wir radikale neue Wege und das funktioniert nicht aus dem alten System heraus, sondern es muss etwas Neues  her. VW hat dies anscheinend endlich erkannt und geht jetzt konsequent diesen neuen Weg.  Ein wirklich lesenswerter Artikel.

Quelle https://pixabay.com/de/vw-volkswagen-auto-automobil-1043116/

Quelle https://pixabay.com/de/vw-volkswagen-auto-automobil-1043116/

Respekt!

6 Milliarden Snapchat Views täglich zeigen das Recht auf Vergessen

Es ging durch die Presse. Snapchat hat täglich 6 Milliarden Videoaufrufe von 100 Mio. Nutzern und Facebook „nur“ 8 Milliarden von 1 Milliarde Nutzern (wir sprechen hier von täglich aktiven Nutzern und keine Leichen). Es zeigt wie unglaublich beliebt Videos sind und vielleicht auch, dass er die Hoheit über seine Daten haben will.  In Europa haben wir das umstrittene Recht auf Vergessen eingeführt, was aber natürlich wieder nicht wirklich funktioniert. Trotzdem zeigt die Nachfrage nach dem Löschen, dass viele Menschen ihre Daten gelöscht haben wollen.

Snapchat Logo

Snapchat Logo

Sind tägliche 6 Milliarden Snapchat Views das bessere „Recht auf Vergessen“ oder zeigt es nur den Narzismus der heutigen Gesellschaft und dem Verlangen, das alles ungestraft in „Anarchie“ gefahrlos ausleben zu können? Und wird jetzt Facebook die Timeline mit einer Art Selbstzerstörung ausstatten, frei nach Mission Impossible: „Dieses Foto wird sich nach 30 Sekunden selbst löschen.“. Der Erfolg von Snapchat zeigt, dass Software Anbieter vielleicht sogar besser „Das Recht auf Vergessen“ umsetzen können, als die Juristen und der Erfolg von Snapchat wird Google und Facebook sicherlich dazu bewegen, ähnliche Selbstzerstörungsfunktionen anzubieten. Das Internet heilt sich selbst 🙂

Der Circle von Dave Eggers – Ein Versuch einer Kritik

Zwei Jahre ist das kontroverse Buch „Der Circle“ von Dave Eggers jetzt alt und immer noch brandaktuell. Es geht um eine IT Firma aus dem Silicon Valley namen „Der Circle“, die eine Mischung aus Facebook, Google und Twitter ist. Der Circle ist eine der beliebtesten Arbeitgeber der Welt, hat eine sehr offene transparente Unternehmenskultur, eine hervorragendes Gesundheitssystem und steht für rasanten Fortschritt mittels aller Daten dieser Welt. Im Mittelpunkt steht eine junge Frau namens Mae, die dort neu anfängt und von Erfolg zu Erfolg eilt. Sie wird ein Social Media Star und hat Millionen von Followern in ihren Circles. Sie steht für die Offenheit und Transparenz und opfert selbst ihre Familie für diesen „Fortschritt“, den sie natürlich bitter bezahlen muss.

„Teilen ist Heilen“

Dave Eggers packt ein brisantes Thema an, was gerade in Deutschland sehr umstritten ist. Darf eine private Firma alles wissen? Was passiert, wenn eine Firma wirklich alles weiss und auch noch besser und schneller ist als der Staat, was ein Grundproblem der heutigen Demokratie ist? Darf man die Services dieser Firma nutzen, nur weil sie umsonst sind? Wie bezahlen doch mit unseren Daten. Das sind aktuelle Fragen, die sich jeder im Moment stellt, wenn er Google oder Facebook nutzt. Wir in Deutschland sind da sehr skeptisch und wir bestaunen die amerikanische Naivität. Die Amerikaner schütteln bei unserer „German Angst“ vor allem Digitalen nur mit dem Kopf und haben noch nicht einmal ein Wort für „Datenschutz“. Wer teilt tut Gutes, das ist das Motto vom Circle. Wer von seinen Partys, von seiner Freizeit berichtet, der lässt die Gemeinschaft teilhaben und meist kriegt man sehr viel mehr zurück, als man selber geben kann. Das ist die Grundphilosophie aller sozialen Netzwerke und Facebook hat weite über eine Milliarde Nutzer und ist damit extrem erfolgreich. Eggers überspitzt das Teilen und zeigt auch, was passiert, wenn man Krankheiten, Sexfilmchen oder ungefragt Geheimnisse teilt und hier bekommt das Buch Probleme.

„Alles Private ist Diebstahl“

Im „Der Circle“ werden unglaublich viele brisante Themen angeschnitten aber selten reflektiert ausdiskutiert. Die drei Weisen (die Firmengründer vom Circle) handeln wie ein binäres System. Es gibt keine Grauzonen. Man muss alles teilen, es muss alles offen sein, es gibt keine Privatheit. Und hier fehlt die nötige Gegenposition, denn natürlich braucht eine Beziehung Geheimnisse, wie soll man sonst seinen Partner überraschen und jeder hat in seinem Leben schon peinliche Momente erlebt, die keiner gerne erzählt. Ganz abgesehen von den ganzen Privatbereichen, die geschützt sein müssen, wie Frauenhäuser, Rechtsanwälte, Journalisten aber auch politische Verhandlungen, Forschung oder der gehasste Geheimdienst. Die totale Offenheit ist ein Mythos und keine Gesellschaft würde das akzeptieren, im Buch wird jedoch der Circle wie eine Sekte dargestellt, der alle folgen, selbst Politiker, Firmen, Künstler und Gewerkschaften. Es gibt keine Gegenstimmen und das macht das Buch unglaubwürdig. Die Gesellschaft ist in Wirklichkeit sehr viel weiter und auch Facebook, Google und Co, die hier heimlich auf der Anklagebank sitzen, würden dies nie einfordern, sondern ganz im Gegenteil. Alle Netzriesen haben in den letzten Jahren, dank der gesellschaftlichen Diskussion, auch dank dieses Buches und natürlich auch wegen Wikileaks und Snowden große Fortschritte gemacht.

„Geheimnisse sind Lügen.“

Bei vielen Sätzen aus dem Buch, muss ich an aktuelle gesellschaftliche Debatten denken, wie z.B. an TTIP, wo es keine Transparenz gibt und diese überall eingefordert wird. Hier ist das Buch sehr gut. Es zeigt auch die vielen Vorteile von Big Data, z.B. wenn man seine Krankenakte kennt oder wenn man verlorene Angehörige finden will oder neue Business Modelle, aber kaum wird die gute Seite gezeigt, wird auch schon mit dem Hammer raufgeschlagen. Dann werden naive Beispiele gebracht, wie der Verlust der Eltern oder ein banales Verbrechen wird als Überwachungsskandal ausgenutzt.

 

Der Circle von Dave Eggers

Dave Eggers – Der Circle (Quelle Kiwi Verlag http://www.kiwi-verlag.de/ifiles/cover/large/9783462046755.jpg)

Resüme

Dem Buch fehlen nicht nur die Grautöne, es fehlt auch Qualität. Insgesamt ist das Buch schrecklich langweilig geschrieben. Manche Sätze wirken so banal, als wären sie aus einem Schüleraufsatz geklaut. Einen Spannungsbogen habe ich nicht entdeckt und eine richtige Handlung auch nicht. Was „Der Circle“ wirklich will, bleibt im unklaren und das Buch kann sich nicht entscheiden, ob es eine Beziehung darstellen soll, eine Verschwörung oder die große Gefahr der digitalen Überwachung und so bleibt am Ende gar nichts richtiges übrig. Ich habe mich trotzdem tapfer 8 Wochen durch das Buch durchgequält, da sehr viele interessante Gedanken drin sind. Dave Eggers hat es wirklich geschafft, unheimlich in die nahe Zukunft zu blicken und viele Entwicklungen glaubhaft und dämonisierend darzustellen. Dazu muss man ihn uneingeschränkt loben. Trotzdem kann ich das Buch nicht weiterempfehlen und die Amazon Rezensionen und Wikipedia geben mir da auch recht.

Ausblick

Der Circle war trotzdem ein Riesenhit und wird natürlich verfilmt. Tom Hanks hat sich die Rechte gesichert und spielt neben Harry Potter Star Emma Watson die Hauptrolle. Der Film kann eigentlich nur besser werden, als das Buch. Die Story ist jedoch hochbrisant und aktuell. Dave Eggers hat in klein wenig das 1984 von George Orwell dreissig Jahre später wieder neu aufgelegt, was auch dringend nötig war. Hätte er bloss einen guten Lektor gehabt.

 

Warum ich Facebook nutze und mag

Ich nutze Facebook jetzt seit sechs Jahren und damals war das sogar ziemlich Neuland. Mein ersten Kontakte waren dementsprechend auch aus England und Österreich 🙂 Inzwischen gibt es in Deutschland ca. 28 Mio. Nutzer und die neuesten Trends sagen, dass inzwischen wir Alten Facebook erobert haben und die Jungen bei WhatsApp, Snapchat und YouKnow sind. Ich mag Facebook und will kurz erklären warum.

tl;dr

Facebook Logo

Facebook Logo

Es ist in Deutschland Sitte Facebook zu „dissen“. Viele die ich kenne, sind sehr Stolz darauf, nicht bei Facebook zu sein. Es ist Zeitverschwendung, man wird überwacht, es kommen nur überflüssige Nachrichten oder dummes Zeug und dann der berühmte Post „Ich war gerade auf Klo“, den jeder gerne erzählt. Die Wahrheit sieht natürlich anders aus und ist viel komplizierter.

Zum einen die schöne deutsche Diskussion über den Datenschutz. Facebook überwacht uns, gibt unsere Daten preis und vor allem wertet uns aus und dann (und jetzt kommt das Böseste überhaupt) schaltet es uns Werbung, die wir mögen. Das ist in der Tat unglaublich, denn bisher krieg ich Papierwerbung mit Katzenfutter, Autoreifen und Kinderkleidung. Ich habe aber keine Katzen, Autos oder Kinder, aber das ist ja gute Werbung, denn sie ist nicht personalisiert. Ich dagegen empfinde das zum einen als Umweltverschmutzung, als Zeitverschwendung und natürlich als dumm. Personalisierte Werbung ist eigentlich das, was ich haben will, aber anscheinend stehe ich damit ziemlich alleine.

Ganz allgemein denke ich aber auch, dass die Datenschutzdiskussion inzwischen ins Leere läuft. Facebook arbeitet ständig daran, die Datenschutzeinstellungen (auch dank der deutschen Kritik) zu verbessern und inzwischen, sind die viel besser als früher. Das merkt aber kaum einer, denn Facebook muss natürlich böse bleiben.

Zum anderen ist Facebook das, was man selbst daraus macht. Vor gut drei Jahren habe ich mir Facebook komplett umgestaltet. Viele „Freunde“, die den ganzen Tag für mich unwichtigen Kram geposted haben (meist sind das Uli Stein Witze oder Babyfotos), habe ich auf stumm geschaltet, parallel habe ich dann für mich interessante Themen abonniert, oder ich habe mich gleich mit Schlauen befreundet, z.B. Journalisten, Medienexperten oder Professoren. Dadurch ist Facebook für mich quasi zu einer Tageszeitung geworden mit vielen privaten Statements von meinen Freunden.  (Tageszeitung kann man natürlich auch besser mit Flipboard machen)

Und der Vorteil?

Mein Facebook Profil ist nicht öffentlich und ich merke gerade jetzt zur Urlaubszeit, wenn man alte Freunde wiedertrifft, dass Facebook unglaublich hilft. Man kann sich ganz anders mit den alten Jungs austauschen (hab gerade Besuch aus den USA, wo mir das richtig aufgefallen ist). Aber auch alte Studienkollegen kann ich ziemlich gut in die Offliner und Onliner unterteilen und meist motzen die Offliner, man melde sich ja nie (wobei die sich auch nie melden, aber das ist ein anderes Thema). Ich verliere aber inzwischen wirklich den Kontakt zu den Offlinern (ich zähle da auch die WhatsApp Verweigerer zu). Natürlich kann man jetzt sagen, dass ich mich doch auch bemühen könnte, aber Leute, wer hat dazu denn Zeit?

Facebook zeigt aber auch, was einige Menschen so denken. Ich diskutiere sehr ungern politisch in den Social Networks, aber trotzdem kann man bei einigen Menschen sehen, was sie so denken und das ist auch oft enttäuschend. Facebook hat halt auch die Eigenschaft, dass viele Menschen sehen können, wie dumm einige andere sind und sicherlich bin ich es auch. Ich finde das aber nicht negativ, sondern eher positiv, denn es ist ja mehr Wahrheit, als ich oft in einem Gespräch erfahre. Facebook kann entlarvend ehrlich sein und hier auch noch einmal meine Anmerkung für alle Personaldiskussionen: Wir erklären jedem Jugendlichen, wie er in Bewerbungen den Arbeitgeber täuschen soll (schreib das bloss nicht rein und hier sind tolle Hobbys und das lass mal weg) und danach wundert man sich, dass man in der Probezeit fliegt. Ich bin überzeugt, dass man per Social Networks ein viel besseres Team zusammensetzen kann, als über Bewerbungsgespräche und seid mal ehrlich, wer will einen Job haben, wo man schon vorher weiss, dass man nicht ins Team passt.

Facebook alles gut?

Facebook it jedoch nicht so toll, wie ich es  gerade beschreibe. Es kommt inzwischen zuviel Werbung und wichtige Posts erscheinen nicht immer in meiner Timeline. Das Niveau sinkt beträchtlich auf Facebook, wenn man es mit Twitter und G+ vergleicht. Inzwischen gibt es viele Tage, wo ich gar nicht mehr reinschaue und ich Twitter bevorzuge. Auf der anderen Seite arbeiten bei Facebook wirklich viele Leute, um das System immer besser zu machen und das funktioniert richtig gut, vor allem die App. Ich will Facebook definitiv nicht mehr missen, da es für mich inzwischen eine Top-Info-Quelle geworden ist, was aber eine Tagesschau nie erreichen könnte.

 

 

Und wenn wir uns irren und die Digitalisierung noch gewaltiger kommt?

Ein paar Gedanken und Erlebnisse der letzten 10 Tage haben selbst mich ins Denken gebracht, dass der digitale Sturm doch viel größer und viel schneller sein könnte, als ich es je vermutet habe.

tl;dr

Angefangen hat es mit dem bekannten re:publica Video, was ich schon letzte Woche verlinkt hatte:

Hier beschreiben 16jährige ihren Medienkonsum u.a. schauen die eigentlich gar nicht mehr Fernsehen und der gute Richard Gutjahr hat dann auf Facebook auch einmal gefragt, wie man den TV schaut und kaum einer schaut dort noch linear, also zeitgleich wie die Ausstrahlung TV. Die einzigen Ausnahmen sind Sport und anscheinend #Tatort . Parallel hab ich etliche Bekannte gefragt und viele Eltern konnten das bestätigen (meine elfjährige Nichte schaut gar kein Fernsehen mehr und alle aus ihrer Klasse auch nicht, aber auf YouTube Schminktipps) andere wussten allerdings nicht einmal, was ich meinte. Ich habe das Gefühl, das die Digitalisierung auch immer mehr die Gesellschaft spaltet.

In Amsterdam soll man die Van Gogh Ausstellung angeblich nur mit Online Tickets besuchen können (wurde mir berichtet, ich konnte das im Netz nicht überprüfen). Damit sind natürlich offliner ausgeschlossen, was mich zuerst verwundert hat, aber umso länger ich darüber nachdachte, umso besser gefiel mir die Idee. Das Museum kann natürlich über Smartphones die Besucherströme viel besser steuern und dadurch die Auslastung besser verteilen und Wartezeiten minimieren. Dazu kommt aber auch noch, dass man keine Headsets mehr braucht (Apps plus Smartphones ersetzen die) und auch Beschreibungen und sogar diese Multimediakisten, die immer kaputt sind, gehören dank BYOD der Vergangenheit an. Man muss „nur“ radikal auf die Smartphones setzen und Online-Only sagen, dann hat man richtige Vorteile. Mischlösungen mit Papier und offline-Versionen erhöhen jedoch radikal die Kosten und erschweren auch Planungen.

Als letztes Mosaiksteinchen wurde über unseren VideoMOOC gebloggt und schön dargestellt, dass bei 1400 Teilnehmern ungefähr 140 VHS-Kurse ersetzt wurden (wobei man das natürlich nicht 1 zu 1 umrechnen darf). Sind MOOCs disruptive Kursangebote? Das könnte sein, wenn die weiterhin kostenlos angeboten werden, was ich aber nicht glaube. Trotzdem werden diese Kurse natürlich viel billiger sein, als vergleichbare Präsenzangebote und darüber kann man trefflich diskutieren, doch die Antwort wird der Markt geben und unser VideoMOOC hat wahrscheinlich jetzt schon mehr Kursteilnehmer als alle Lübecker VHS-Videokurse zusammen (falls es die überhaupt gibt).

Zusammenfassung

Was mich jetzt wieder zu Überschrift bringt. Viele, sogar sehr viele Menschen diskutieren darüber ob sich durch die Digitalisierung überhaupt etwas ändert bzw. sie merken sie nicht und andere behaupten es ändere sich alles. Viele versuchen die Entwicklung per Verbote aufzuhalten, man schaue sich nur die WLAN-Verbote in den Schulen an oder das Leistungsschutzrecht. Das kann sicherlich eine zeitlang funktionieren, aber der Druck wird ja immer höher, das sieht man jetzt u.a. bei der Störerhaftung, die bestimmt noch zweimal reformiert werden muss, bis sie funktioniert. Ich denke inzwischen, dass das Ganze wirklich sehr viel radikaler wird, als wir alle denken. Wenn ich persönlich sehe, dass ich seit Jahren keine CDs mehr brenne und auch keine USB-Sticks mehr nutze. Ich kaufe ungefähr zwei Zeitschriften im Jahr und das letzte Buch ist bestimmt ein Jahrzehnt her (aber die Stadtbibliothek nutze ich noch mit analogen Büchern, weil es nicht anders geht). Was wird aber passieren, wenn diese Smartphone-Generation in die Hochschulen kommt bzw. anfängt zu arbeiten und es wird nicht lange dauern, dann haben diese Kids Führungspositionen. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass es in 20 Jahren noch so etwas wie Fernsehsender geben wird und Zeitschriften werden auch verschwinden. Das kann gar nicht anders sein und wenn ich dieses Blog dann noch habe, kann mich jeder an meine Worte erinnern 🙂

 

Alle sechs Jahre wieder – Die re:publica

Ich war dies Jahr nach sage und schreibe sechs Jahren mal wieder auf der re:publica in Berlin. 2009 hab ich schon einmal darüber gebloggt und das war recht kritisch ausgefallen aber dies Jahr war es besser, zwar nicht so viel besser, aber immerhin so gut, dass ich in spätestens sechs Jahren wieder dort sein werde:-)

tl;dr

Ich will jetzt gar nicht die einzelnen Sessions beschreiben, die ich mir angeschaut habe. Die Highlights ergeben sich aus den Klickzahlen auf YouTube und den Erwähnungen auf Twitter 🙂 Die Highlights waren für mich auch eindeutig die Stars wie Gunter Dueck und Reed Hastings und unseren Astronauten Alex Gerst habe ich nicht live gesehen, aber es soll sehr schön gewesen sein.

 

 

Inzwischen gibt es bei der re:publica auch einen Learning Track. Ich meine der wurde re:learn genannt und hat sich thematisch eher an Schulen und nicht an Hochschulen orientiert. Ich habe diese Tracks gemieden, da ich genügend E-Learning Konferenzen besuche und mich seit jeher eher Randgebiete interessieren. Einen recht guten Überblick gibt es jedoch hier und hier, für alle die es näher interessiert. Ich habe mir inzwischen zwei interessante Videos angetan:

und sehr lustig auch dieser jugendliche Blick auf das Internet, was voller lustigen Aussagen ist, die man sofort tweeten könnte:

Typisch war dabei, dass die letzte Session nicht im re:learn Track war sondern in der Media Convention. Hier wird es jetzt auch spannend, denn ich habe mich bestimmt zu 50% auf der Medie Convention rumgetrieben. Dort ging es um YouTube, um Videos, Geschäftsmodelle und Statistiken. Es ging halt darum, wie sich die Gesellschaft im Medienkonsum ändert und da sind die Medienhäuser natürlich viel weiter als die Hochschulen.

Technisch und organisatorisch war ich von der „neuen“ re:publica begeistert. Über 6.000 Teilnehmer auf ca. 15 Bühnen dazu Essen, Musik, Kleinkunst, Krabbelgruppe und Musik. Die große Stage 1 hatte ca. 4 Kameras und teilweise wurde in Echtzeit untertitelt und übersetzt. Das ist schon ganz großes Kino. Das WLAN hat trotzdem nicht richtig funktioniert, zwar war es fast immer da, aber sehr langsam.

Ich hatte noch vier geschäftliche Termine, was praktisch war und ich habe natürlich etliche Kontakte erneuert bzw. sie wurden endlich einmal analog. Sehr schön, wenn man sich nur über G+ oder Twitter kennt.

Trotzdem fand ich die re:publica nicht den absoluten Hit. Viele Sessions waren schlecht, entweder schlecht vorgetragen oder es gab auch erstaunlich viele technische Probleme bei den Vortragenden, was bestimmt an den Apple Geräten lag, die flächendeckend eingesetzt wurden. Das war für viele Redner unbekannt und es gab auch viele Folien mit Multimedia-Inhalten in Powerpoint und die wurden bestimmt auf Windows geschrieben und liefen dann nicht auf Apple OS. Wie sagte der eine: „Wir sind vor vor 45 Jahren auf den Mond geflogen aber wir schaffen immer noch keine Präsentationen mit Videos und Sound.“ Und natürlich waren auch viele Themen für mich uninteressant, dafür gab es aber sehr viel Auswahl. Im Gegensatz zu den E-Learning-Konferenzen, wo ich meist gar nicht weiss, wo ich überhaupt hingehen soll, ist es bei der re:publica eher so, dass ich keine Zeit für Treffen, Essen oder Pausen habe, da es so viele interessante Vorträge gibt.

Was ich vermisst habe, waren Sessions zur Bildung insbesondere MOOCs. Dazu gab es nur einen einzigen Vortrag und der hatte MOOC nur als Werbung im Titel. Auch das Thema Lifelogging hatte ich nicht wahrgenommen, dafür aber sehr viel Wearable-Technology oder auch Fashion-Tech. YouTube war sehr präsent und Video ganz allgemein auch, aber ich habe überhaupt nichts von Vimeo oder iTunes gesehen. Google, YouTube und auch IBM waren als Aussteller vor Ort, aber weder Amazon, Apple oder Microsoft hatten Stände oder Vorträge. Dafür war aber die Politik vertreten und mit Olaf Scholz sogar ein Landesfürst.

Würde ich noch einmal hinfahren? In spätestens sechs Jahren ja definitiv, vorher vielleicht nur, wenn ich selbst einen Talk halte. Dafür brauch ich aber ein freshes todesaktuelles Thema:-)

 

 

 

 

Revolution oder Evolution

In letzter Zeit geistert ein neues Video durch die sozialen Medien, was ziemlich positiv bewertet wird. Ich finde die ersten 5 Minuten allerdings ziemlich schlecht und man könnte fast bei jedem Satz ein Gegenbeispiel nennen.

Die Bildung ist keine Wissenschaft für Ingenieure. Das hab ich inzwischen leidgeprüft lernen müssen. Für mich ist es inzwischen eine „Es kommt darauf an“ – Wissenschaft Disziplin (dafür krieg ich bestimmt wieder Ärger). Im Video wird anfangs behauptet, dass u.a. Videos bzw. Animationen keinen messbaren Mehrwert ergeben und daher weggelassen werden können. Ich vermute genau das gleich gilt sicherlich auch für Tafel und Kreide und auch für das Papier, den Beamer und selbst diese gerollten Karten (gibt es die eigentlich noch?). Die haben bestimmt den gleichen messbaren Lernwert, wie Google Earth, denn auf beiden finde ich den Atlantik 🙂

Darüber kann prima diskutiert werden, was wir auch liebend gerne machen. Was ich aber spannend fand, sind die letzten beiden Minuten von dem Video, wo die ersten fünf relativiert werden.

Revolution oder Evolution

Revolution oder Evolution

Hier wird plötzlich von einer Bildungsevolution gesprochen und das fand ich spannend. Wie lange brauchen eigentlich Revolutionen, bis sie zu Ende waren? Bei Staaten ging es relativ schnell, siehe unsere DDR oder Jugoslawien, aber bei Gesellschaften dauert es ewig oder sie die Franzosen mit ihrer „Egalite“ inzwischen fertig? Und haben wir mit der Gleichberechtigung nicht auch noch einige Probleme?

Was erwarten wir denn von einer Bildungsrevolution? Gehe ich heute ins Bett und morgen wird aus dem Klassenzimmer ein ein Flipped Clasroom mit BYOD Schülern und Smartboards mit App-Unterstützung? Alle Schüler können mit den Geräten umgehen und Lehrer natürlich auch?

Nein eine Bildungsrevolution wird es durch die Digitalisierung nicht von heute auf morgen geben. Allerdings ist das Tempo der Veränderungen doch beachtlich. Wer sucht heute noch als erstes im „Meyers Universal Lexikon“ oder schaut im Oxford Dictionary nach? Die Rechtschreibung kontrolliert entweder Google oder Office (auf jeden Fall im Büro, in der Schule gilt der gedruckte Duden) und navigiert wird per Navi oder Smartphone und nicht per Klappkarten von Falk. Ich will sagen, dass es hier langsam aber stetig zu einer Bildungsevaluation kommt, die man sehen kann, wenn man sie sehen will. Denkt immer daran, dass Google gerade seine Lehre als Sechzehnjähriger angefangen (Google ging Sep. 1998 online) hat und die großen Sachen erst noch kommen werden.

Im späteren geschichtlichem Kontext werden wir sicherlich von einer Revolution sprechen, aber heute sehen wir eher viele kleine Schritte, die überall etwas ändern, aber das Große Ganze ist nicht so leicht zu ändern und wird ein Generationskonflikt sein. Schaut Euch aber selbst das Video an und vielleicht gefallen Euch ja die ersten fünf Minuten auch 🙂