Warum können wir OER machen?

Die #OERde16 steht vor der Tür und oncampus ist einer der Veranstalter. Ich freue mich darüber riesig, denn ich unterstütze OER (Open Educational Resources) schon lange. Angefangen hat das vor neun Jahren mit dem Soft-Skills-Online Kurs „Medienkompetenz“, den ich damals als Autor geschrieben habe. Daran kann man auch sehen, wie lange manche Ideen brauchen, bis sie in eine Institution übergehen.

OERde16

Ich habe seit dem noch an vielen #OER-Projekten mitgearbeitet, unterstützt oder selbst umgesetzt, z. B. L3T, Schulbuch-O-Mat, VFHCAB, Wikimedia Wissenswertpreis, YouTube-Playlists und jetzt natürlich unsere MOOCs wie der ichMOOC, MOOC25 oder Projektmanagement. Bei allen Projekten waren mir die Vorteile jedoch nicht immer klar. Natürlich ist es besser für die Welt, wenn alles frei verfügbar ist und dieses deutsche Urheberrecht ist auch zu kompliziert. Dazu kommt, dass man als Hochschule auch einen gesellschaftlichen Auftrag hat, sonst könnten wir auch Studiengebühren einführen. Vielleicht stehe ich mit dieser Meinung aber auch alleine da. Trotzdem ist der wahre Vorteil, von OER schlecht greifbar und vermittelbar.

Im Intranet (LMS) herrscht Anarchie

Warum kaum ein Mensch weiss, dass er  OER braucht ist ziemlich einfach. So lange die Materialien in einem geschlossenen System, wie z. B. LMS stehen, merkt kaum keiner, ob dort Urheberrechte verletzt werden oder Plagiate stehen. Das Intranet ist gefühlt ein rechtsfreier Raum, was sich aber demnächst ändern soll.

OER für sich alleine bringt kaum Mehrwert

Professoren sind Einzelkämpfer und Vorlesungen sind in der analogen Welt auch Einzelveranstaltungen. Jeder bereitet seine Vorlesung mit seinen Materialien vor. Es gibt kaum einen Grund oder auch Vorteil fremde Inhalte zu verwenden und es gibt sogar erhöhten Aufwand, wenn man seine Materialien frei ins Netz stellt, da man plötzlich auf die Rechtslage achten muss. Und wenn man fremde Inhalte benötigt, kann man doch auch eine Literaturliste anfertigen und die Studis in die Bibliothek schicken.

OER hat sein Vorteile erst in der fremden Wiederverwendung

Warum braucht man also OER? Das „Aha“-Erlebnis hatte ich bei unserem ersten Refugee-Kurs, wo wir OER-Materialien im Netz gesucht haben. Es war jedoch einfach nichts zu finden, denn entweder waren das nur Blended-Learning Inhalte, wie z. B. Powerpoint-Slides oder kurze PDFs oder sie waren nicht portierbar oder es war halt nicht OER. Wir haben dann einen eigenen Kurs ins englische übersetzt, was jedoch nur einen Teilproblem darstellt. Ganz allgemein sind Übersetzungen ein ideales Beispiel, warum man OER braucht, denn man könnte ganz schnell (fremde) Inhalte übersetzen und anpassen. Das ist gerade jetzt aktuell, wo man doch arabische oder englische Inhalte sehr schnell für Flüchtlinge benötigt. Diese könnten dann z. B. auch von der Crowd übersetzt werden, wenn man denn die Rechte hätte.

Der andere Punkt ist jedoch wesentlicher, denn der Grund warum wir überhaupt komplette Kurs-Inhalte hatten und keine granularen Learning Objects ist, wir arbeiten im Netzwerk. Es war in der Virtuellen Fachhochschule schon immer so, dass Inhalte geshared wurden und viele Hochschulen, die gleichen Inhalte verwenden. Man entwickelt einmal (meist kostenintensiv) und verwendet die Inhalte n-mal. Das ist der Unterschied zwischen analog und digital, denn im Netz machen Inhalte für einen alleine immer weniger Sinn. Das Internet fördert die Zentrierung auf der Produktionsseite und kann daher die Individualisierung auf der Anwenderseite (irgendwann?) ermöglichen. Die Grundstruktur der Arbeit/Lehre ändert sich daher radikal. Manche nennen das Arbeit 4.0 oder bei uns Hochschule 4.0.

OER ist der Schritt nach der Digitalisierung

Viele Experten haben geschrieben, dass E-Learning gescheitert wäre. Das könnte ich sogar unterschreiben. Ich habe immer gesagt, dass das „M“ im LMS, der wichtigste Buchstabe ist. Es geht nicht vorrangig um das Learning, sondern um die Gesamtheit. Die Digitalisierung verändert die Organisation, das Management und letztendlich (und nicht zuerst) die Lehre. Die sogenannten E-Learning Projekte sollten also personenunabhängig autonom aufgestellt sein. Das funktioniert sehr viel besser, wenn sie offen sind. Nur dann könnten andere die Inhalte übernehmen und anpassen oder übersetzen. Damit das aber funktioniert, muss das Selbstverständnis der Lehre diskutiert werden. Professoren dürfen sich nicht mehr als Einzelkämpfer sehen und Intranets sind keine rechtsfreien Räume.

 

 

 

Facebook ist down und die Welt lästert

Man kann jetzt schön über Facebook lästern. Facebook ist down und jeder, der sich auf Facebook verlässt ist jetzt auf Gott verlassen. Alle Werbestrategien, Sociel Media Manger, Eventmanager und erst die ganzen Freizeitnutzer können nichts mehr machen. Sie sind arbeitslos, nur weil Facebook down ist und man hat auch gar keinen Anspruch für Haftung. das gleiche gilt jedoch auch für Strom und Straßen aber das ignorieren wir jetzt einmal. Kollateralschäden sind antürlich auch entstanden, denn das Single Sign On von Facebook ist natürlich auch weg und so konnte man sich auch nicht an zig Web 2.0 Diensten anmelden. Die Heise Forenschreiber, die sowieso schon immer gegen Facebook, Google und Co sind, fühlen sich jetzt bestätigt, doch man muss da auch einmal die andere Seite anschauen.

Single Sign On ist ein Standardverfahren in jeder Firma. Alle Systeme sollen mit einem Login verfügbar sein. Wer lästert nicht gerne gegen Telekom, Bundesbahn oder eigene Firma, wenn Supportforum, Wiki und Intranet verschiedene Logins hat. Wenn das LDAP weg ist, steht auch hier alles.

Das gleiche gilt für Eduroam an den Unis, Shibboleth, AAI und OpenID. Alles sind sogenannte Single Point of Failures. Das eine erhöht die Usability aber wir bezahlen mit erhöhtem Risiko bei einem Ausfall.

Und bei den Produktionsprozessen sieht es ähnlich aus, da nennt man es One-Source-Publishing und wenn die XML-Quellen für den mobilen und für die Standardwebseite weg sind, sind auch beide Auftritte nicht erreichbar. Das gleiche gilt für die On-The-Fly-Prozesse z.B. PDF- und ePub-Erzeugung und vom Warehouse mit einer Datenquelle (auch wenn sie redundant ist), will ich gar nicht erst anfangen.

Also Vorsicht mit der Kritik an Facebook, denn wir alle wollen diese Prozesse, aber wenn sie weg sind, ist der Schaden groß

Abbrecherquote – Sinn oder Unsinn?

Bei den MOOCs gibt es immer zwei Zahlen, nach denen ich immer als erstes gefragt werde. Wie viele Teilnehmer habt ihr und machen MOOCs bei 97% Abbrecherquote überhaupt Sinn? Inzwischen denke ich jedoch, dass die Diskussion über Abbrecherquoten im wesentlichen falsch sind. Ein paar Gedanken dazu.

tl;dr

Zum einen, und das ist wohl die wichtigste Information, sind diese 97% alt und basieren auf der Duke Studie . Viele andere MOOCs haben jedoch diese Zahlen bestätigt, auch unser erster MarketingMOOC.

Duke Studie 2012/2013

Duke University Report  2012/2013

Inzwischen sind wir jedoch viel weiter. Die Plattformen haben enorme Fortschritte gemacht, die didaktischen Modelle auch und natürlich wurde auch viel geforscht und sich ausgetauscht. Wir haben inzwischen Abbrecherquoten von 80-85 Prozent, das HPI angeblich 70% und Marburg hat wohl 60% (Quellen habe ich jetzt leider nicht). Parallel wird natürlich auch an den Statistiken gedreht. Da bei allen MOOCs ca. 30% der Teilnehmer sich anmelden, aber nie den Kurs betreten, will man diese gar nicht als Abbrecher mitzählen. Allerdings will man diese aber gerne aufführen, damit man alle beeindrucken kann, denn ein Kurs mit 10.000 Teilnehmern ist natürlich viel besser als 7.000 aktive Teilnehmer.

Das sind jedoch Feinheiten, denn inzwischen denke ich, dass diese 70-90 Prozent Abbrecher ein ganz normales gesellschaftliches Ergebnis sind. Ich habe das auch im Gespräch mit Martin Lindner ausgeführt.

Ich vermute bei den meisten Kursen, die erfolgreich sind, ist ein äußerer Druck vorhanden, der zum erfolgreichen Abschluss zwingt. Typische Beispiele dafür sind natürlich die Noten in der Schule bzw. die Versetzung, das Abitur, der Bachelor aber auch der Führerschein oder der Tanzkurs für den Abschlussball. Es gibt aber auch zig Beispiele, wo 95% Abbrecher gar nicht bemerkt werden. Wer meldet sich nicht alles in Fitnessstudios an, um dann nach 3-6 Monaten zu erkennen, dass es zu anstrengend ist, wer hat nicht schon einmal einen Sprachkurs bei Aldi gekauft und die CDs nicht einmal in den CD Player geschoben? Oder wer hat schon ein Fachbuch von vorne bis hinten gelesen? Gibt es dazu Zahlen? Martin Lindner hat im Interview dazu angemerkt, dass Amazon dank Kindle und Überwachung anonyme statistische Erhebungen inzwischen weiss, dass bei vielen Büchern, nur die ersten Seiten gelesen werden. Natürlich werden Bücher und deren didaktische Modelle nicht in Frage gestellt, denn Bücher sind immer gut und haben sich seit Jahrhunderten bewährt. (Falls jemand diese Daten hat, bitte schreibt es mir.)

Hohe Abbrecherquoten sind normal, kleine sind die Ausnahmen

Falls meine Annahme stimmt, sind die Abbrecherquoten der MOOCs keine Nachricht, sondern Alltag. Der Mensch schaute sich schon immer gerne Sachen an, hat aber dann tausend gute Gründe, um den guten Vorsatz nicht auszuführen. Das fällt jedoch jetzt im Bildungsbereich extrem auf, da wir aus den bekannten Zwang-Modellen Schulen und Hochschulen natürlich andere Zahlen gewohnt waren. Ich persönlich kann diese Zahlen auch in meinen kostenpflichtigen Weiterbildungskursen bestätigen, wo selten mehr als 40% erfolgreich abschliessen. Ausnahmen sind auch hier wieder die Zwangskurse, wo die Firma die Weiterbildung bezahlt oder sie extrem teuer ist.

Darf man bei MOOCs überhaupt Abbrecher messen?

Zu guter letzt, will ich aber auch noch einmal den Sinn der Abbrecherquote in Frage stellen. In den cMOOC Diskussionen werden immer wieder die Teilzeitlernen bzw. Fragmente des Lernens als Ergebnis gewertet. Kaum einer will einen ganze Kurs machen, sondern er will nur ein Element nutzen. Ähnlich wie beim Fachbuch, wo man meist nur ein paar Kapitel benötigt. Trotzdem gehen wir davon aus, dass jeder den gesamten Kurs belegen will, der meist auch noch viel zu lang ist. MOOCs entsprechen hier eher Webseiten, die man nie komplett liest (wer würde behaupten eine Webseite wäre falsch, nur weil jeder Besucher nur drei Seiten anschaut?) oder Tageszeitungen, die auch kein Mensch komplett liest, sondern jeder Leser nimmt die Artikel, die ihn interessieren, z.B. Lokalteil, Sport oder Wirtschaft. Tageszeitungen sterben jedoch, MOOCs können und sollten hier flexibel reagieren, da sie digital sind. Die Frage ist dabei, welchen Teil interessiert dabei den Teilnehmer?

Was muss also passieren?

Als erstes sollte natürlich die Zahl der Abbrecher nicht mehr diskutiert werden, da dies unsinnig ist. Was jedoch wichtiger wäre, sind neue Formate. Zum einen sollte man über verschiedene Lernwege diskutieren. Ich kenne hier noch keine Plattform, die das ordentlich unterstützt, aber ich glaube auch, dass dies nicht die Lösung ist. Ich gehe davon aus, dass der Lerner sich selber seine Inhalte aussuchen wird, ähnlich wie bei YouTube, Amazon oder Wikipedia. Dabei werden noch Empfehlungssysteme (wer dies gelesen hat, hat auch das gelesen) implementiert, die quasi die Lernwege empfehlen.

Parallel sollten die MOOCs extrem verkürzt werden. Ich würde als erstes von 10-14 Tagen ausgehen, darunter wird es schwer sein, von MOOCs zu sprechen. Unter 10 Tagen, sind wir schon fast beim Learning Object, und dann hätten wir, ähnlich einer Playlist, eine Voll-Automatisation der Lehre.

Zu guter letzt müssen MOOCs permanent da sein. Das heisst es gibt keinen gemeinsamen Start und Ende, sondern jeder fängt an, wann er will und macht auch seine Prüfung, wann er will (on demand). Damit wären Kurse dann aber Voll-Elektronisch, auch die Prüfungen und das ist juristisch schwer. Marburg mit seinen Linguistik-Kursen wird dies demnächst ausprobieren und dies zeigt auch die neue Richtung. Ob MOOCs damit jedoch in der Hochschule funktionieren, darf bezweifelt bzw. diskutiert werden. Ich denke auch hier, wir sind immer noch am Anfang. Die MOOCs ändern sich rasant und zwar viel schneller und extremer als die Blended Learning Institutionen. Es bleibt also spannend bzw. es wird immer spannender.

 

 

MOOChub – iMooX und mooin gründen neues MOOC-Netzwerk

Auf diesen Beitrag freue ich mich seit 8 Wochen. Die MOOC-Portale mooin und iMOOX rücken zusammen und gründen gemeinsam den MOOChub. Was ist der MOOChub? Das ist ganz einfach und ich zitiere uns selbst:

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„Der MOOChub ist der Zusammenschluss verschiedener MOOC-Portale von Hochschulen mit dem Ziel Synergien zu nutzen und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine breitere Vielfalt an Kursangeboten zentral anzubieten.

Die vorrangige Idee ist sehr einfach:

Um den Zugang zur Bildung zu erleichtern bieten alle Mitglieder im MOOChub ebenso sämtliche MOOCs der anderen Mitglieder auf ihren Plattformen an.“

 

Ab heute verlinkt also die Lübecker MOOC-Plattform mooin alle iMooX-Kurse und in den nächsten Tagen folgt das Grazer MOOC-Portal iMoox und verlinkt unsere Kurse. Der Grund ist klar, denn die Kunden wollen eine zentrale Stelle haben, wo man alle Kurse findet und das ist aber nicht nur Google, sondern auch die Kursportale selbst. Die meisten MOOC-Portale denken aus ihrer Sicht und wollen Kunden halten und verweisen natürlich nicht auf die Konkurrenz. Hochschulen haben hier Vorteile, denn wir könnten aus der Sicht des Kunden denken, denn dieser will Kursangebote haben und zwar alle auf einen Blick. Ihm ist es egal, von wem das Angebot kommt und wir haben im Moment auch keine Konkurrenz-Angebote sondern nur ergänzende. Wer „Gratis online lernen“ belegt hat, könnte sich z.B. auch für „Das digitale Ich“ interessieren und wer den HanseMOOC besucht hat, gefällt vielleicht auch „Graz die smarteste City“. Kurz gesagt unsere Synergie-Effekte sind extrem hoch und wir haben inzwischen verstanden, dass wir gemeinsam besser sind als jeder allein.

Der MOOChub ist daher ein Anfang einer vielleicht größeren Idee. Wer MOOCs macht, merkt sehr schnell, dass man viele Dinge z.B. Anerkennung, Logins, Zertifikate, Marketing oder auch Veranstaltungen nicht nur alleine machen kann.

„Unser Leitspruch ist: Bildung für alle und noch viel mehr.“

Wir haben jetzt unkompliziert gestartet, zum Glück ohne große Bürokratie und viel Abstimmung. Wir beide denken sehr ähnlich, denn zuerst kommt das machen und nicht das reden. Die Möglichkeiten eines MOOChub haben wir alle noch nicht zu Ende gedacht, aber so ist es bei allen Internet-Projekten. Man startet einfach mit einer Idee und schaut, was dabei rauskommt.

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Martin Ebner mit mooin Logo auf der eMOOCs 2015 in Mons, Belgien

Ich persönlich finde die Idee fantastisch und wir haben seit heute doppelt so viele Kursangebote im Portfolio als zuvor und das ist eine Win-Win-Win-Situation für alle. Wir haben mehr Kunden, iMooX hat mehr Kunden und die Kunden als dritte und wichtigste Partei, hat mehr Kursangebote. MOOC-Herz was willst du mehr 🙂

Das war die MoodleMaharaMoot 2015 mit dem Blick eines Organisators

Die jährliche MoodleMaharaMoot gastierte 2015 im Norden und wir durften als Veranstalter fungieren. Es waren natürlich stressige Tage aber auch sehr schöne, immerhin konnten wir die Moodle-Welt begrüßen und dabei auch noch unsere MOOC-Plattform mooin vorstellen.

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MoodleMaharaMoot

Als Organisator sieht eine Moodlemoot natürlich ganz anders aus. Man muss Sprecher besorgen, vor allem gute Keynotes, und man braucht Repräsentanten, wie Präsidenten, Bürgermeister oder Staatssekretäre. Natürlich braucht man Räume, Essen, Helfer und Hardware und ganz wichtig sind dann noch gute Nerven und Zeit. Das letzte war mein größtes Problem, denn parallel zur Moot ist auch unsere  MOOC-Plattform mooin gestartet und das hat mich zeitlich sehr viel mehr in Anspruch genommen, als die Organisation der Moot.

Die Keynotes

Eine Moot ist immer Teamarbeit und beim Start hatte ich den Wunsch jemanden einzuladen, der NICHT aus der E-Learning Welt kommen sollte. Ich wollte gerne Sascha Lobo einladen, der sicherlich etwas Farbe reingebracht hätte. Die Idee hat sich dann aber nicht durchgesetzt, da wir mit Martin Dougiamas eine sehr viel bessere Chance hatten, der deutschen Moodle Community ein Highlight bieten zu können. Mit Martin Ebner konnten wir einen zweiten Experten gewinnen, der mit iMOOX (MOOC) und L3T (OER) ähnliche Fachgebiete abdeckt, wie wir. Im Nachhinein waren für uns aber auch die Besuche von Bürgermeister Saxe und Staatssekretär Fischer sehr viel wichtiger, da wir so der Politik zeigen konnten, dass es in Lübeck ein digitales Leuchtturmprojekt gibt.

Alle Keynotes sind natürlich gefilmt worden und liegen bei YouTube.

Moodle und Martin Dougiamas

Ich habe mich wirklich auf den Besuch von Martin Dougiamas gefreut, hatte aber wegen der Organisation nicht so viel Zeit mich an dem Workshop mit ihm zu beteiligen. Martin kam schon einen Tag früher nach Lübeck um im ausgewählten Kreis über die Moodle-Aktivitäten zu diskutieren. Meine persönlichen Erwartungen an diesen Meetings sind immer sehr gering. Ich habe schon so viele Treffen dieser Art gehabt, dass ich aus Erfahrung sprechen kann, dass da selten etwas nachhaltiges herauskommt. Die Konstellation ist auch sehr schwierig, denn wenn man nichts gibt, kann man auch keine Forderungen stellen. Deutschland ist bei Moodle ein Entwicklungsland. Zwar nutzen sehr viele Schulen und Unis Moodle sehr intensiv, aber die deutschsprachigen Entwickler für Moodle kann man fast an zwei Händen abzählen. Wenn man also kein Geld gibt und keine Entwickler hat, sollte man mit seinen Wünschen eher bescheiden sein. Umso interessanter war die Ankündigung einer Moodle Association, wo man als zahlendes Mitglied Premium-Services erhalten soll. Dieser Schritt ist meiner Meinung nach längst überfällig. Das Moodle Headquarter besteht aus nur 32 Leuten und davon sind 20 Entwickler. Für eine Software wie Moodle benötigt man jedoch ca 100 Entwickler und das merkt man Moodle auch inzwischen an. In den Punkten Usability, Social Media, Design und Mobil-Unterstützung hat Moodle den Anschluss verloren und wenn hier nichts passiert, könnte Moodle schnell von Canvas oder anderen Systemen abgehängt werden.

Abends konnte ich mich persönlich noch etwas länger mit Martin unterhalten und habe hier auch die Strategie bzw. die Vision vermisst. Moodle könnte als Cloud gehostet werden, was sicherlich vom Entwicklungsaufwand sehr viel kleiner wäre und WordPress geht einen ähnlichen Weg. Moodle könnte auch über Spenden oder Crowdfunding nachdenken aber hier hat man sich für die Association entschieden, ähnlich wie Sakai, aber natürlich viel besser. Canvas findet Martin zu buggy, genau wie die Themes z.B. das Essential Theme. Auf der anderen Seite fliessen aber 80% des Entwicklungsaufwandes von Moodle auch in Security und Bugfixes, also so sicher ist Moodle dann auch nicht. Moodle soll ein Framework fürs Lernen sein und den Institutionen die Möglichkeit zum ändern geben. Leider haben die meisten Institutionen keine Mittel zum verändern und müssen Moodle in der Grundversion nutzen und die ist nicht mehr zeitgemäß. In Martins Keynote fehlten jedoch all diese Punkte.

Mahara und die Moodlemoot

Ich glaube vor zwei Jahren hat man sich entschieden Mahara mit in den Titel der Moodlemoot zu nehmen. Das E-Portfolio System und Moodle haben sich gegenseitig unterstützt und im Zuge der neuen Kompetenzanrechnung nach dem Bologna Prozess, hat das auch richtig Sinn gemacht. Inzwischen würde ich jedoch behaupten, dass sich das anders entwickelt. Auf der diesjährigen Moot waren gerade mal 5-6 Vorträge zu Mahara und ich persönlich kenne keine funktionierende Mahara-Installation, die flächendeckend an einer Hochschule genutzt wird. Die Kompetenzanrechnung liegt meist in der Zulassungsstelle und nicht in der Lehre. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, darüber kann man diskutieren, es ist aber eine Tatsache.

Parallel entwickelt sich die kleine Pflanze der Badges weiter aber auch hier tut sich quasi nichts. Wir unterstützen Badges sehr stark, gerade bei den MOOCs finde ich das sehr nützlich. Die Integration in Moodle ist auch ziemlich gelungen, daher wundert es mich, dass hier nicht mehr gezeigt wird. Es spricht für sich, dass der einzige Workshop dazu von uns kam.

 

Video is the new Text

Einer meiner Lieblingssätze in der letzten Zeit und auch die Moot hat gezeigt, dass Video angekommen ist. Ich würde nicht behaupten, dass Text überflüssig geworden ist, der Satz soll eigentlich Bewusstsein wecken. Es kann nämlich auch anders gehen, als simple PDFs Files in Moodle zu stellen. „Das Auge lernt mit“ der zweite Satz von mir zum gleichen Thema.

Alle Vorträge zu dem Thema Usability und Videos waren super gefüllt. Ich hatte zwei Vorträge dazu und der Vortrag über Quizzes in Videos mit Capira, war auch überfüllt. Ähnlich war es auch schon bei der Online Educa, wo unsere Video Session quasi explodiert ist. Wer mehr über Videos wissen will, dem empfehle ich hier auch noch unseren Online Video Kurs, der in zwei Wochen startet.

Aber die ganze Moodlemoot wurde dies Jahr digital und viral.

Die Moot wird digital

Wer mich kennt, weiss dass ich eine sehr konsequente digitale Linie habe. Wer E-Learning macht, sollte auch das E vorleben und das geht nicht mit analogen Elementen. Eine E-Learning Konferenz sollte daher im Netz stattfinden und möglichst all die Tools nutzen, die auch bei der Konferenz besprochen werden. Immerhin sind wir die Experten und wenn nicht einmal wir es schaffen unsere Konzepte digital zu vermitteln, dann sind wir wirklich gescheitert. Ich wollte daher scon auf den Namensschildern neben dem Namen auch den Twitteraccount drucken, aber dafür ist die Welt wohl noch nicht bereit. Bei Barcamps kommt dies jedoch schon vor, in der E-Learning-Szene sucht man Twitterer allerdings noch mit der Lupe (aber Vorträge zum Micro-Learning gibt es viele, finde den Fehler).

Wir haben jedoch in Lübeck viele digitale Ideen umgesetzt. Schon auf dem Logo ist der Hashtag #MootDE15 abgedruckt gewesen, im Foyer hatten wir eine Twitterwall aufgebaut, die Keynotes wurden gefilmt und sind alle auf YouTube. Zusätzlich haben wir auch Statements und Interviews geführt, die auch online sind.

Das Programm wurde zwar gedruckt, aber es lag auch online mit einem Shortcut http://bit.ly/mootde15 und eigentlich wollte ich auch zu jeder Session ein Etherpad anlegen, was aber die Krankheit meines HiWis verhindert hatte. Stadtplan mit allen Hotels und Veranstaltungen wurden per GoogleMaps eingefügt, was heute aber selbstverständlich ist.

Die Nachbearbeitung haben wir dann per Storify gemacht:

https://storify.com/oncampusfhl/moodlemaharamoot-2015-1-tag

https://storify.com/oncampusfhl/moodlemaharamoot-2015-2-tag

Alles zusammengefasst haben wir auf unserer Homepage

http://www.oncampus.de/aktuelles/moodlemaharamoot2015.html

Einen Videoworkshop, der ausgebucht war, haben wir auch angeboten und was ich besonders schön fand, es gab zum ersten mal Konferenz-Shirts, die von ca. 15% der Teilnehmer gekauft wurden.

Wo waren die Schulen?

Mit dem IQSH und der Moodleschule waren zwei Vertretungen der Schulen als Mitveranstalter dabei und trotzdem, waren Schulen kaum präsent. Es gab sehr wenig Vorträge von Lehrer, es waren kaum Lehrer als Besucher vertreten und das einzige was ich von den Schulen mitbekommen habe, war das jammern über den angeblich hohen Eintrittspreis. Ich will ja nicht lästern, aber inzwischen habe ich so viele schlechte Erfahrungen mit Schulen und Lehrern gemacht, dass ich überzeugt bin, dass sie an dem Imageverlust der Schulen selbst Schuld sind. Ich weiss, dass man hier kein Schubladendenken machen sollte und viele Lehrer haben quasi keine Möglichkeit in den Norden zu kommen, trotzdem bleibt der Fakt, dass diese Institutionen mit der Moot nicht erreicht werden. Das traurige ist dabei, dass dort eine Rückwärtsentwicklung zu beobachten ist, oder das E-Learning an Schulen findet woanders statt.

MOOCs und Moodle

Für mich war es natürlich die Moot der MOOCs, da wir hier unsere MOOC-Plattform mooin vorgestellt haben. Wir hatten fünf Vorträge dazu angeboten, die alle gut besucht waren. Das wir hier alles just in time programmiert haben, kommt mir immer noch wie ein Wunder vor, obwohl wir echt große Krankheitsausfälle hatten. Manche sprechen immer noch vom Hype, ich bin aber für meine Keynote sehr gelobt worden, wo man die Gesamtstrategie der MOOCs sieht.

Allerdings waren die Tage sehr arbeitsintensiv und morgen soll mooin dann richtig starten und danach mach ich Urlaub. Ich hab es mir nach der Moot und mooin dann auch verdient.

Und der erste Eindruck zählt doch – das Auge lernt mit

Es war nur Anekdote und doch hat sie mich erinnert, dass der oberflächliche Eindruck viel(?) wichtiger ist, als das beste didaktische Konzept. Es war mal wieder eines der vielen Gesprächen, als ich mal wieder auf den „Grundlagen des Marketing“ MOOC angesprochen worden bin. Die Videos sind aber doch ganz schön mau und was richtig neues steckt da auch nicht hinter. Einfach ein Prof, der vor der Leinwand steht, typisch MOOC und E-Learning 1.0.

Natürlich lass ich diese Kritik nicht so einfach gelten, denn zum einen variieren die 22 Videos. Einmal steht der Redner vor einer Greenscreen, das andere mal sitzt er am Schreibtisch. Manchmal werden die Slides mit Bemerkungen durch ein Tablet bearbeitet und das andere mal als Fullscreen eingeblendet. Viele Videos sind also anders aufgenommen worden, aber das sieht man erst auf den zweiten Blick, wenn man es denn sehen will. Doch durch das Preview-Bild, und da gebe ich den Kritikern recht, hat man den Eindruck einer frontalen Vorlesung, die nur abgefilmt ist. Aber was wäre daran schlecht, denn es kommt doch auf die Inhalte an #Ironie. Ja und was soll ich sagen, der erste Teil wurde bisher 10.000 mal aufgerufen und hat 36 positive und Null negative Bewertungen auf YouTube. Insgesamt hat der MarketingMOOC mit über 80% eine sehr hohe Zufriedenheit bei der Evaluation erhalten. Alle Zahlen und alle Ergebnisse und auch alle Umfragen geben uns überwiegend positives Feedback, aber er steht nur vor der Leinwand und fliegt nicht wie Superheld durch die Gegend und wir wollten ihn auch nicht per Greenscreen in Mordor filmen. Natürlich ist der Kurs nicht perfekt und wir erhalten auch sehr viele negative Anmerkungen, doch der Grundtenor ist sehr positiv.

Zum Vergleich können wir uns einmal den sehr positiv kritisierten HanseMOOC anschauen.

Viele Profis sagen mir hier, das ist ein sehr schön gefilmter MOOC mit vielen Orten also unterschiedliche Location und mit einer begeisterten Moderatorin. Das freut uns nicht nur sondern das stimmt auch alles, aber zählt denn auch hier nicht der Inhalt? Ich habe das Gefühl, hier wird die Verpackung mehr gelobt, als der Inhalt. Viele haben sich die Videos gar nicht angeschaut, sondern (nach Nachfragen) wird mir dann gesagt, sie hätten nur die Playlist mit den Preview Bildern gesehen. Was ich hier eigentlich darstellen will ist, dass der erste visuelle Eindruck weit mehr zählt, als viele immer denken. Das Auge lernt mit. Nicht nur die Inhalte müssen stimmen, nein der Lernraum muss schön gestylt sein und die Videos müssen nicht nur gut aufgenommen sein, nein es müssen auch verschiedene Locations sein, es muss ein Schnitt vorkommen (also  min. zwei Kameras) und der Ton muss natürlich einwandfrei (unterschätzt den Ton nicht!). Wenn man das berücksichtigt, sind auch die Kritiker beeindruckt, die sowieso alle keine Zeit haben, um den MOOC wirklich anzuschauen 🙂

 

 

Moodle, Google Stories und IFTTT könnten The Next Generation LMS sein

Letzte Woche ist schreckliches passiert. Bei meinen Nachbarn hat es gebrannt und wäre die gute Feuerwehr nicht so schnell gewesen, dann würde ich jetzt wohl in einem Hotel sitzen und über meine ausgebrannte Wohnung weinen.

Bei Feuer bitte erst Gebäude verlassen, bevor man das Feuer auf Facebook postest

Bei Feuer bitte erst Gebäude verlassen, bevor man das Feuer auf Facebook postest

Stattdessen wurde ich von Nachbarn angerufen, hab mich aufs Fahrrad geschwungen und hab mir das Unheil vor Ort angeschaut. Zum Glück ist nur Sachschaden entstanden und eine kleine Rauchvergiftung. Was jeder Mensch dann macht sind Fotos und ab auf Facebook und Co damit. Was soll man auch sonst machen, ich durfte ja nicht in die Wohnung gehen. Was aber dann passierte, war neu für mich. Google hatte meine Fotos zu einer Story zusammengefasst und bot mir an, die Geschichte dazu zu erzählen. Ich habe dann schnell die fünf Bilder beschriftet und die Geschichte auf Google+ geteilt. Das hat ganze 5 Minuten gedauert und die Geschichte war erzählt.

Aber was hat das jetzt mit einem Next Generation LMS zu tun?

Der Bogen ist eigentlich recht einfach, denn was Google hier gemacht hat, war genial. Google hat versucht zu erraten, was ich vorhabe und mir eine Lösung vorgeschlagen, die schon zu 80% fertig ist und dann intuitiv und vor allem designed out-of-the-box einfach nur noch veröffentlicht werden muss. Wäre es nicht genial, wenn ich so etwas auch in einem LMS hätte? Also ich lade z.B. 5 Bilder hoch und das LMS vermutet gleich, du willst eine Diashow machen oder eine Geschichte (Slides) erzählen und brauchst nur noch Kommentare einsetzen oder ich lade ein Video hoch, dann wird es gleich eingebunden und ich beschrifte es nur noch und bei PDFs wähle ich als Thumbnail-Vorschau eine bestimmte Seite aus. Da steht dann nicht mehr nur der Link zum PDF, sondern es erscheint ein Preview ähnlich wie bei Scribd.

Denkt man diesen Ansatz weiter und schaut sich dann einmal IF THIS THAN THAT an, wird es langsam spannend. Ich könnte also verschieden Learning Objects hochladen und das LMD schlägt mir vor, wie ich sie verbinden will. Man kann sich das so vorstellen: Wenn Student das Video zu Ende geschaut hat, dann schalte das PDF frei oder wenn Forumsbeitrag gelesen, dann gibt Student eine Frage. Das geht natürlich schon heute, aber die Bedienung ist bei einem LMS einfach schlecht. Bei IFTTT sieht das ganze grafisch ansprechend aus und man kann alles intuitiv zusammenbauen. Dank einer IFTTT Oberfläche könnte man also ganz einfach Lernpfade zusammenbauen und beschriften.

Das geht bestimmt weit an der Realität vorbei, denn diese grafische Oberflächen können nur einen Bruchteil eines komplexen didaktischen Szenariums abbilden, aber dafür ist es sehr einfach und schnell. Der Wizard schlägt Lösungen vor und stellt schon ein tolles Design. Das heutige LMS ist aber genau das Gegenteil, denn es schlägt gar nichts vor und der Anwender wird im Regen stehen gelassen und das Design ist sehr schlecht. Daher passiert meist gar nichts in einem E-Learning Kurs. Bei einer IFTTT Unterstützung passiert vielleicht nicht zu 100% das Gewünschte, aber dafür geht es schnell und es ist besser als gar nichts. Natürlich werden jetzt wieder die Pädagogen kommen und sagen, dass man ein sinnvolles Szenario braucht. Das stimmt auch, aber man muss diese Szenarien nicht zu 100% umsetzen und mit ein paar Abstrichen, hat man eine sehr schnelle und grafisch gute Lösung.

Fazit

Das LMS müsste den Anwender mehr führen und schon mit Wizards neue Lernpfade vorschlagen. Ähnlich wie bei Google Stories verbindet ein LMS mit bedingten Verknüpfungen mittels IFTTT bestimmte Lernpfade. Der Dozent wird entlastet und kriegt Lösungen schon fertig serviert. Der früher gelobte Freiraum eines LMS wird gegen ein starres Konzept getauscht. Will der Anwender mehr, muss er in einen Experten-Modus wechseln mit hunderten von Einstellungsmöglichkeiten. Um das aber alles zu realisieren, müsste man ein völlig neues LMS entwickeln und wer will das schon machen.

Das LMS ist nicht tot, das Design schon

Manchmal sieht man den Wald, vor lauter Bäumen nicht. Schon sehr oft wurde das klassische LMS als tot oder gescheitert gesehen. PLEs wurden als Nachfolger auserkoren oder sogar Social Learning Systeme neu erfunden. Dabei sind LMS wahre Schlachtschiffe, die viel mehr können, als nur didaktische Szenarien zu vermitteln. Ein LMS ist die Schnittstelle zur Infrastruktur, zur Organisation, zur Verwaltung und letztendlich zur Digitalisierung und damit zur Effektivität der Hochschule.

Trotzdem sind LMS langweilig. Ich beschäftige mich schon seit Jahren mit Blackboard, Sakai und Moodle und kenne natürlich auch Clix, StudIP und Olat. Was alle diese Systeme gleich haben, sind langweilige Kursdesigns. Kennt man ein LMS, kennt man alle. Man kann noch so ein fantastisches didaktisches Kurskonzept haben, präsentiert man es einem Besucher, sieht er normalerweise eine Linkliste und eine Navigation, die ähnlich einem Datei-Explorer ist. Erst auf dem zweiten Blick, ergibt sich das Konzept.

 

Moodle Kurs Design

Moodle Design grafisch aufgearbeitet und Responsive

Wir haben schon lange schöne Moodle-Designs, als Beispiel sei unser Medienkompetenz Kurs erwähnt. Die Icons sind grafisch aufgewertet, eine klare Struktur ist zu sehen und was sehr schön ist, man erkennt anhand der Kopfgrafik, in welchem Kurs man sich befindet. Alle Blöcke entsprechen dem CI von oncampus und natürlich ist das ganze auch response. Im Gegensatz zu einer Standard-Moodle Installation eröffnet das grafisch als auch in der User Experience ganz neue Welten.

Bei anderen LMS sieht es ähnlich aus. Bei meinem Vortrag über die papierlose Hochschule beim SOOPAL MOOC hab ich mir Olat noch einmal näher angeschaut und im Grunde keine großen Unterschiede zu Moodle entdeckt. Natürlich wird jeder OLAT Experte dem sofort widersprechen, aber der Kunde sieht erst beim durchlaufen des Kurses erwähnenswerte Unterschiede, niemals bei einer Präsentation.

OLAT Kursdesign mit aufklappbarer Navigation

OLAT Kursdesign mit aufklappbarer Navigation

Das es auch anders gehen kann, liegt auf der Hand. Nicht ohne Grund wurde XML, xHTML und CSS entwickelt. Vor ein paar Wochen habe ich schon einmal zu dem Thema gebloggt und nannte das Konzept „Das Auge lernt mit„.

Moodle Kursdesign mit grafischen Unterbrechungen

Moodle Kursdesign mit grafischen Unterbrechungen

Im letzten Semester sind wir grafisch schon einen Schritt weiter gegangen. Wir haben die didaktischen Kurselemente mit einem grafischen Horizontal Rule getrennt. Dadurch ist der gesamte Kurs „luftiger“ und übersichtlicher und klarer. Dafür muss man jetzt jedoch mehr scrollen. Ich sage dazu: „Einen Tod muss man sterben. Entweder gutes Design, dann aber viel scrollen.“  Früher hiess es immer, der Anwender soll nicht scrollen und alle Elemente müssen auf einem Blick zu sehen sein. Diese Aussage ist aber 10 Jahre alt und wir halten uns immer noch teilweise daran. Jeder Internetnutzer weiss heutzutage, dass man Webseiten scrollen kann:-)

Und dann kamen die MOOCs. Alle MOOCs bestechen durch neue Kursdesigns und dementsprechend durch neue Plattformen, die ich jetzt auch nicht LMS nennen will. Schaut man sich Coursera, EDx und iversity an, so sind alle super grafisch aufgearbeitet, sie sind responsive und haben einen sehr reduzierten Funktionsumfang. Mich erinnert das irgendwie an Apple, die auch sehr schlichte einfache Bedienkonzepte haben und viel Wert auf hochwertiges Design legen. Der Erfolg gibt Apple recht. Die MOOCs haben das LMS Design quasi in das Jahr 2014 gebracht. Hier hatten Designer das sagen und keine Pädagogen.

Wir haben dann die Idee unbewusst aufgegriffen und beim Hanse MOOC umgesetzt. Hier war unser oberstes Motto, der Anwender soll nicht merken, dass er sich in einem LMS bzw. Moodle befindet. Daher haben wir all die typischen Old-School-LMS-Elemente, wie Kalender, Bereiche, Explorer-Navigation, aber auch die Teilnehmerliste und das Profil ausgeblendet.

MOOC Design Entwurf

Das war ein viel größerer Schritt, als mir zuerst bewusst war. Durch die innovative(?) Bildnavigation im oberen Bereich, hat man die Gestik von den Tablets und alle Lektionen sind grafisch aufgewertet. Eine Linkliste sucht man vergebens und jedem ist sofort klar, dass es sich hier um etwas neues handelt. Das Auge erkennt sofort das neue Konzept und das obwohl MOOCs kaum neue Konzepte haben.

Die Grundfrage, die sich daraus ergibt: Warum sind dann die LMS nicht so sexy, wie ein MOOC?

Ich vermute das ist mal wieder ein Change-Management-Problem, denn niemand will das Design eines LMS grundlegend ändern, sondern ist damit zufrieden, dass es gerade so benutzt wird. Außerdem sind Kritiken am Design immer sehr schnell gemacht und fürchterlich hart. Da kann jeder mitreden und die meisten denken sogar, sie könnten es besser.

Man muss jedoch nur einen Blick auf bekannte Webseiten werfen, sei es iTunes, FAZ, Bild oder Facebook. All diese Webseiten füttern ihre Artikel/Inhalte mit einem Medienobjekt an und liefern eine Kurzbeschreibung und nach einem Klick erhält man den gesamten Artikel. Bei jedem klassischen LMS ist diese Struktur auch möglich, wird aber nicht genutzt. Natürlich sind die Medien-Elemente aufwendig zu entwerfen und kosten Zeit, doch ist das Grund, warum immer noch diese alten Linklisten existieren?

Das auch anders geht, zeigt Julian Ridden (Moodleman).

Das Elegance Theme von Moodle 2.6 geht in diese grafische Richtung. Man könnte es vergleichen mit dem, zugegeben wenig erfolgreichen Schritt, von Microsoft bei Windows 8 zu den Kacheln.

Nachtrag: Man sollte sich hier ergänzend auch noch einmal das innovative Grid-Format für Moodle anschauen, was sehr an die Windows Kacheln erinnert und in genau die Richtung geht, die ich zukünftig erwarte. Wir werden dieses Format sicherlich mit Moodle 2.7 ab August in ausgewählten Kursen evaluieren, wenn der Zeitgott es gut mit uns meint;-)

Hinter jeder Grafik versteckt sich quasi ein Learning Object. Das Auge sieht sofort, was für eine Aufgabe das Element hat. Die Bedienung eines Kurses richtet sich grafisch und visuell aus und nicht mehr textbasiert über Links. Kennt jemand noch Startseiten von Instituten, wo noch Textlinks anzuklicken sind?

Fazit

Die MOOCs sind eine Frischzellenkur für das gesamte E-Learning. E-Learning wird modern, grafisch ansprechend und vor allem erhalten sie ein neues Alleinstellungsmerkmal: User Experience.

Die Inhalte bestehen jetzt aus Videos (xMOOC) und die LMS sind responsive und grafisch klar strukturiert. Das dies alles auch mit den alten Flagschiffen wie z.B. Moodle funktioniert, beweist Julian Ridden und natürlich unser Hanse MOOC. LMS sind durch die Themes, insbesonders bei Moodle 2.7 das Bootstrap Theme, sehr flexibel geworden und man benötigt eigentlich nur ein gutes Change-Management, um die Änderungen anzupacken.

 

 

 

Kann man mit einem Moodle einen MOOC machen?

Ich könnte jetzt einfach JA schreiben und der Blogbeitrag wäre fertig, aber ganz so einfach ist das nun doch nicht. Zuerst sollte man sich schon Gedanken machen, wen man mit einem MOOC erreichen will und was man überhaupt machen will. Ich persönlich halte sehr wenig von den offenen cMOOC Konzepten, die mit einem Blog oder einem Forum und einem Hashtag ein freies offenes Kurskonzept durchführen. Ich denke eher, hier muss durch Kostenreduktion das maximale durch Zeiteinsatz herausgeholt werden. Das bedeutet nicht, dass diese offenen Konzepte nicht funktionieren, aber sie sind wohl eher für Profis gedacht. Wer schon Twitter nutzt, sich im Internet frei bewegt und mit Hashtags arbeiten kann, der ist auch schon sehr netz affin und kommt mit fast jedem Konzept klar.

Bei unserem Hanse MOOC sah das ganz anders. Hier hatten wir viele Menschen, die zum ersten mal mit einem MOOC bzw. einem Online-Kurs in Berührung gekommen sind. Die Hanse ist auch kein Thema für das Netz und wir betraten hier Neuland. Wir hatten beschlossen, für diesen MOOC eine neue Plattform zu entwickeln. Wir hatten vorher unseren ersten Marketing MOOC bei iversity laufen gehabt und waren mit vielen Kleinigkeiten nicht glücklich gewesen. Eine Aufzählung kann ich mir hier jedoch sparen, da iversity seine Plattform ständig weiterentwickelt und viele Kritikpunkte inzwischen beseitigt sind. Außerdem wollten wir sehen, wie schwer es ist, aus Moodle eine MOOC Plattform zu bauen. Wir hatten dies schon einmal ähnlich mit unserer Autorenplattform LOOP erlebt, wo wir aus einem Mediawiki mit überschaubaren Aufwand eine vernetzte sehr innovative Cloud-E-Book-Plattform entwickelt haben.

Die Grundidee war, wir verstecken so viele Features von Moodle wie möglich und wollen eine videobasierte Lernplattform mit einem Frageanteil haben und die Videos sollen auf YouTube liegen. Als großen Vorteil sahen wir die vielen Grundfunktionen von Moodle, wie das Forum, die Fragen und die Aktivitäten-Verfolgung und als großen Nachteil natürlich die fehlende Usability, das nicht vorhandene Responsive Design und evtl. die Performance. Ziel war es, dass niemand sehen sollte, das wir überhaupt ein Moodle nutzen 🙂

Wir haben uns dann vier Wochen gegeben um einen Grobentwurf umzusetzen.

MOOC Design Entwurf

 

Vor allem die neue Navigation, die iTunes entnommen ist, fällt hier ins Auge. Die konnten wir durch ein Plugin sehr gut umsetzen, es musste jedoch noch viel angepasst werden.  Für Tablets und Smartphones hatten wir ähnliche Studien und damit ging es dann los. Wir hatten ein 2-Personen-Team für die Umsetzung. Eine CSS-Spezialistin und ein Moodle Entwickler haben dann mehr oder weniger nebenbei, das Grundkonzept in vier Wochen entwickelt. Parallel wurden die Inhaltsvideos von dem MOOC-Team produziert. Die konnten aber auch erst richtig loslegen, als die wussten, wie die Plattform letztendlich aussieht.

Wir hatten dann noch zwei Zwischenmeetings mit sehr vielen kleinen aber sehr wichtigen Grundfragen, z.B. soll es einen Gästemodus geben und gibt es eine Kursübersichtsseite (mymoodle) und soll es eine Organisationsseite geben und und und. Es ist einfach viel mehr, als man zuerst denkt. Auch das Einbinden der Quizes war sehr schwer und wir haben nur einen Fragetypen geschafft. Das einrichten des MOOCs können auch nur Profis, da es sehr viel zu beachten gibt, aber das war uns egal, denn wir sind die Experten und es war von uns, für uns entwickelt worden.

HanseMOOC mit finalem Design

 

Das Ergebnis sah letztendlich sehr gut aus und ich muss sagen, wir sind immer noch Stolz auf den Entwurf. Die Navigation ist schlüssig, das Design und die Farben sehen sehr gut aus und insgesamt waren das wohl in Summe sechs Wochen Entwicklungszeit. Wir haben bisher nur Schwierigkeiten bei der Anmeldung gehabt, was vor allem am Capture liegt. Ich habe das Gefühl, dass viele Teilnehmer sich überhaupt noch nie irgendwo angemeldet haben. Das merkt man schon am Stil der Rückfragen. Trotzdem sind diese Rückmeldungen gering, ich denke wir hatten ca. 8 Fragen bei 1300 Anmeldungen.  Natürlich gibt es eine sehr hohe Quote, die gar nicht fragen, ich will das gar nicht so genau wissen:-)

Die MoodleMOOC-Plattform war ungefähr 20 Stunden vor Kursstart fertig, als wir bemerkt haben, dass der Gästemodus nicht ging. Das haben wir dann aber doch noch glücklich hinbekommen, aber es war richtig knapp. Später haben wir noch viele Kleinigkeiten eingebaut u.a. die Facebook, G+ und Twitter Integration und die Badges sind auch eingeführt worden. Mit der Performance haben wir nie Probleme bekommen, aber bei 1300 Teilnehmern, ist das auch nicht zu erwarten. Die meisten deutschen MOOCs sind dann viel weniger Massive, als die meisten denken. Wer mehr als 1.000 Teilnehmer hat, kann sich schon freuen.

Als Resume möchte ich sagen, dass zumindest Moodle eine fast perfekte xMOOC Plattform sein kann. Allerdings nur, wenn man gute Entwickler und das Know-how hat. Wie das bei anderen Institutionen aussieht, kann ich nur ahnen. Ich bin definitiv sehr glücklich, solch gute und schnelle Kollegen haben zu dürfen. Wir haben bisher nur positive Rückmeldungen erhalten und sind gespannt, wie das weitergehen wird. Der Kurs läuft noch drei Wochen und dann gibt es eine Evaluation.

 

 

Das war die Moodlemoot 2014 in Leipzig

Den Sinn einer Moodlemoot verstehe ich oft nicht und beim Durchschauen des Programms kommt manchmal auch Verwirrung auf. Viele Themen einer Moodlemoot sind einfache E-Learning-Themen, die oft wenig mit Moodle zu tun haben. Schaut man in das Programm, so entdeckt man sehr viele „nicht“ Moodle Themen oder nur ein sehr loser Zusammenhang zu Moodle, z.B. ein Plugin oder eine Schnittstelle. Ich nehme mich da selbst nicht aus, denn bei meinem Vortrag „LOOP – Ein Autorentool für das Lehrbuch von morgen“ hatte ich auch nur 5 Minuten über die Moodle-Integration gesprochen. Das ist aber das Problem jeder Spezial-Konferenz, die eine Software in den Mittelpunkt rückt und soll auch nur eine Anmerkung sein.

Die diesjährige Moodlemoot, war die erste Mooharamoot, da Mahara inzwischen als zweites Standbein Einzug gehalten hat. Ich persönlich halte davon nicht sehr viel. Zum einen sind E-Portfolios immer noch in den Kinderschuhen und müssen noch den Beweis der Notwendigkeit liefern (ich glaube, es haben sich beim Hochschultreffen nur drei Hochschulen mit einer Mahara-Installation gemeldet) und zum anderen ist die Integration in Moodle doch sehr rudimentär. Das muss alles noch sehr viel besser werden, aber dafür sind diese Konferenzen da.

Zu den einzelnen Sessions kann ich, wie so oft, kaum was sagen. Die Keynote von Jöran Muuß-Merholz war sehr schön und unterhaltsam, aber fast die gleiche Präsentation, wie beim CCC. Das soll die Qualität nicht schmälern, da der CCC Vortrag sehenswert war und ich ihn oft empfohlen habe.

Danach kam meine Session über LOOP, die gut besucht war und danach hat Herr Scholz auch noch einmal in einem Workshop über LOOP anhand der Volkswirtschaftslehre berichtet. Es hat mich unglaublich gefreut, dass zum ersten mal eine externe Person über LOOP berichtet und es kam eine kleine spannende Diskussion auf. Wir werden diese Diskussionen im Juni in Lübeck fortführen, beim ersten LOOP-Workshop (die Planungen laufen) und wir sind weiter gespannt, wie sich unsere Open-Source Lösung weiterentwickelt.

Danach hab ich mir noch zwei Sessions über Badges angeschaut, was für mich eines der nächsten großen Projekte sein wird. Ich denke das Jahr 2014 und auch 2015 wird von MOOC, Badges und ein wenig LOOP bei mir gekennzeichnet sein. MOOC und Badges sind für mich ein Tandem, was bisher noch nicht so exakt ausdiskutiert worden ist. Da gibt es noch jede Menge Diskussionsbedarf. Die eine Open Badge Session von Kristina Höppner gibt es sogar auf YouTube.

Danach gab es für mich persönlich jede Menge Meetings, Diskussionen und das persönliche Netzwerken. Dafür muss man jetzt auch einmal die Organisation der Uni Leipzig ausdrücklich loben, denn das kleine Foyer mit den Tischen, war dafür hervorragend geeignet. Auch die Abendveranstaltung am Donnerstag war wunderschön und ich verstehe immer noch nicht die Leute, die sich davor drücken. Ich finde immer diese Tischgespräche sehr ergiebig und interessant.

Die Moodlemoot in Leipzig war gekennzeichnet, als Moot der kurzen Wege. Vom Bahnhof zum Hotel (es waren diesmal wirklich viele im gleichen Hotel) und dann zur Moot waren keine 600 Meter. Das ist wirklich kurz. Leipzig ist wunderschön (plant einen Besuch beim Völkerschlachtdenkmal ein) und der Neubau der Uni mit der Mensa ist wirklich gelungen. Vielen Dank für die großartige Organisation. Ich persönlich empfand auch die Vorträge hochwertiger als früher. Man hat schon in Münster und München einen Anstieg der Qualität bemerkt und der Trend setzt sich fort (aber wie gesagt, ich war in wenig Sessions).

Für mich persönlich war die Reise definitiv ein Erfolg. Ich habe wirklich viele Ideen bekommen, viele neue Bekanntschaften gemacht und alte vertieft und neue Projekte angesprochen. Moodle als auch Mahara sind feste Bestandteile unserer Infrastruktur und wir werden noch Jahre diese Software nutzen. Allerdings sind wir auch in der Lage, aus der doch etwas betagten Usability und Performance von Moodle, eine gutes System zu schaffen, was inzwischen über 35.000 Leute bei uns nutzen können. Mal schauen, wie unsere Moodle-Roadmap 2014/15 aussieht. Es gibt da jetzt schon ein paar Überraschungen 🙂