Geschafft – Das erste Barcamp Lübeck

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An einem Barcamp teilzunehmen ist eine wundervolle Geschichte, eines zu organisieren eine andere. Nachdem Kiel schon sieben Jahre ein Barcamp hat und Flensburg und St. Peter-Ording letztes Jahr gestartet sind, war Lübeck dieses Jahr quasi überfällig. Letztes Wochenende lief nun endlich das erste Lübecker Barcamp und ich will jetzt einmal etwas hinter die Kulissen blicken.

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Warum haben wir das überhaupt gemacht?

Weil Lübeck als zweitgrößte Stadt mit fast 10.000 Studenten und drei Hochschulen das Potential für ein Barcamp hat und die Stadt eine bessere Sichtbarkeit der Digitalisierung dringend benötigt. Lübeck hat auch richtig gute IT-Firmen, viele Web-Agenturen, Medien und wir haben als eine der ersten Städte ein Co-Working-Space. Leider schlummert das alles unvernetzt einfach vor sich hin und das sollte geändert werden. Die Idee schwebte schon länger durch den Raum und ich glaube, damals im KoKi bei der Filmvorführung „Digital Nomads“ hat es den Anstoß gegeben (obwohl ich jetzt ne fünf Jahre alte Mail bekommen hab, dass wir 2011 schon was machen wollten, will man heute gar nicht mehr wissen). Danach ging es plötzlich ganz schnell und wir hatten ein Kernteam von knapp 10 Leuten und haben losgelegt.

Der Ort

Auch mit wenig Geld hat Lübeck etliche Locations, wo man ein Barcamp machen könnte. Es gibt die Hochschulen, VHS, etliche normale Schulen, die Mediadocks, Museen, die Gemeinnützige und das Cloudsters. Wir waren uns aber sehr schnell über den Ort einig und der Zeitpunkt mit dem ersten Weihnachtsmarkt-Wochenende war auch schnell gefunden, denn mit einem Reeperbahn-Bummel, wie beim Hamburger Barcamp, können wir nun wirklich nicht konkurrieren.

Das Geld

Sponsoren finden ist das A&O bei einem Barcamp. Wir hatten dies Jahr doppelt Glück, denn dank meiner Silicon Valley Reise, hatte ich gerade ein gutes Netzwerk kennengelernt und die Landesregierung fördert in Schleswig-Holstein dank der Digitalen Agenda ganz offiziell Barcamps. Damit hatten wir schon mal etwas Geld und konnten loslegen. Anderen Barcamps, wie Hamburg, geht gerade das Geld aus. Daher haben wir beim Konzept gleich daran gedacht, die Sponsoren in den Mittelpunkt zu rücken, da wir langfristige (typisch hanseatisch) Kontakte pflegen wollen. Lübeck ist übrigens eine Stadt mit einer der höchsten Stiftungsdichte Deutschlands, trotzdem konnten wir nicht eine gewinnen. Sei es drum, man fängt trotzdem ohne Finanzierung an alles zu recherchieren und zu mieten und zu planen und hofft dann auf Geld. So geht es wohl auch allen Firmengründern…

Die Kosten

Was kostet denn so ein Barcamp überhaupt? Das ist relativ einfach. Wie viele Gäste kommen? Jeder Gast kriegt zwei Frühstück, zwei Mittagessen und zweimal Kuchen. Dazu kommt noch einmal Alkohol, T-Shirt und ein Lanyard. Wir haben am Anfang mit 350 Gästen über zwei Tage kalkuliert. Bei 20 Euro pro Person, bräuchten wir also 7.000 Euro. Wir haben aber knapp 25,- pro Person gebraucht, da wir auch noch Geschirr, Kaffee und Getränke benötigt haben. Die Räume haben wir übers Sponsoring bekommen und viele Sachen durch Spenden (Müsli, Kaffeemaschine, Bier, etc.). Was noch ganz wichtig ist, man muss Rechnungen stellen können und braucht ein Konto. Da hat uns die IHK Lübeck helfen können. Insgesamt lagen wir also bei knapp 10.000 Euro. Da kann man aber viel variieren, denn T-Shirts sind zwar schön, aber es geht auch ohne.

Der Zeitaufwand

Das lässt sich schlecht schätzen und wir haben alles zum ersten mal gemacht. Wir haben uns über Basecamp organisiert, hatten GDrive Dokumente und am Ende eine WhatsApp-Gruppe. Anfangs haben wir uns dreimal in Präsenz getroffen, danach waren es Webkonferenzen. Bei mir hielt sich der Zeitaufwand in Grenzen und ich schätze, ich hab ca. 10-15 Stunden investiert. Die letzte Woche war dann viel los. Donnerstag ging es dann mit ca 5 Stunden Aufbau mit ca 15 Leuten los und Freitag war ich von 7:30 bis 23 Uhr unterwegs und SA von 7:30 bis 18:30 Uhr inkl. Abbau unterwegs. Da ich aber kein Auto habe, konnte ich viele Sachen nicht machen und hatte etwas Glück. Dafür habe ich viel Sponsoring gemacht. Aufgabenverteilung ist alles und bei uns hat das richtig gut geklappt.

Das Barcamp

Man waren wir nervös. Wir wussten gar nichts. Kommen überhaupt Leute? Wenn ja, wie viele? Wie viele Sessions werden gehalten? Reicht der Kaffee, ist die Beschilderung gut, berichtet die Presse?

Am ersten Tag hatten wir 180 Anmeldungen und es kamen dann ca. 130 und am zweiten Tag hatten wir 150 Anmeldungen und es kamen knapp 100. Wir hatten also unser Ziel von 200 Teilnehmern klar übertroffen, doch es kamen deutlich weniger als angemeldet. Dadurch hatten wir zu viel Essen und zu viele Shirts. Das übrige Essen haben wir der Heilsarmee gegeben und die Shirts werden Sammlerstücke 🙂

Das Wunder

Als die erste Sessionplanung begann, ist ein kleines Wunder geschehen, denn ca. 60% das Saals sind aufgestanden und wollten Sessions anbieten. Unglaublich 🙂 Wir waren schlicht sprachlos und der digitale Sessionplan (auch ein Alleinstellungsmerkmal von Lübeck, bei Educamps ist das Standard), war nach knapp 25 Minuten voll. Das hatten wir alle noch nicht erlebt. Wir waren so begeistert 🙂

Und dann haben wir Geschichte geschrieben. Die Sessions waren fast alle gut (nur einer hat ne Werbesession angeboten und dafür nen Shitstorm geerntet) und es war eine richtig gute Stimmung. Das Cloudsters ist einfach gemütlich und verströmt eine sehr schöne Atmosphäre. Wir hatten schöne Sitzgruppen gebaut, die wirklich reichlich genutzt wurden. Alle haben geredet, genetztwerkt, sich ausgetauscht oder einfach diskutiert. Alle hatten unglaublich gute Laune und eilten von Sessions zu Sessions. Es war fast Magie 🙂

Auf die Mischung kommt es an und die Sessions waren gut gestreut. Es ging um Webseiten, Sketchnotes und Programmierung aber auch um die Kirche, Brexit und die Weiterbildung. Das besondere an Schleswig-Holstein ist die Nähe zur Politik. In St. Peter-Ording war MP Torsten Albig und bei uns Thomas Losse-Müller der Chef der Staatskanzlei.

Abends haben wir noch das Fass angestochen, haben reichlich geschnackt und  der harte Kern ist danach auf den Weihnachtsmarkt gegangen.

Am Samstag waren wir nicht nur müde, nein es taten auch die Füße weh. Insgesamt war der Samstag jedoch sehr relaxet und ich konnte mir sogar zwei Sessions anschauen. Am Ende gab es eine sehr schöne Verabschiedung und wir hoffen alle, dass es nächstes Jahr wieder klappt.

Fazit

Barcamps sind toll und es war gut, dass Lübeck jetzt auch eins hat. Wir wurden im Nachgang mit Lob überschüttet und diese Erinnerungen bleiben. Die schlaflose Woche und die Anstrengungen sind wie immer schnell vergessen. Auf Twitter hab ich 30 neue Follower 🙂  Der NDR war sogar da und die ersten Presseberichte trudeln ein. Wir werden uns jetzt noch einmal treffen und Fazit ziehen und dann Weihnachten geniessen. Ihr könnt noch einmal in diesem Storify das #bchl16 geniessen und wer Lust hat, nächstes Jahr zu helfen, der darf sich sehr gerne bei mir melden.

 

Das VHScamp gefangen in der Zwischengeneration

Der Himmel war grau und Hamburg zeigte sein bekanntes Gesicht, als ich beim VHScamp eintraf. Es war für mich das erste und vielleicht auch einzige VHScamp, was ich an diesem Freitag besuchte. Im Gepäck hatte ich die Erfahrung vom größten Volkshochschulkurs aller Zeiten, den wir gemeinsam mit den Volkshochschulen Bremen und Hamburg letztes Jahr durchgeführt hatten. Über 2.000 Teilnehmer waren bei „Das digitale Ich“ dabei und wir waren alle sehr zuversichtlich, damit ein Zeichen der Kooperation gesetzt zu haben. Ob es wirklich so war, wird jedoch die Zukunft beantworten.

VHScamp 16 Logo

VHScamp 16 Logo

In Hamburg trafen sich ca. 150 begeisterte und voll motivierte VHS-Kämpfer, die ihre Volkshochschulen lieben. Gemeinsam wollten sie über eine zeitgemäße moderne Volkshochschule diskutieren, die auf dem Weg ins – inzwischen schon 16 Jahre alte – 21.Jahrhundert ist. Themen gab es genug und Redner auch. Selten hab ich bei einem Barcamp so viele Session-Anbieter gesehen und am Ende war der Timetable schneller voll, als man ahnen konnte. Externe Besucher waren die Ausnahme, ich denke es waren nicht mehr als zehn, und so war das VHScamp eher eine interne Veranstaltung.

Ich selbst habe zwei Sessions angeboten. Bei der ersten ging es um Flüchtlinge und ich habe unsere Erfahrungen vom #DEU4Arab MOOC vorgestellt. Ich finde die Daten aus der Evaluation immer noch höchst spannend und das Feedback war entsprechend positiv.

Einfach einen Link setzen

Das Interesse der Volkshochschulen an dem Kurs war danach auch recht groß, aber man merkte dann doch, dass es für VHSen ungewohnt war, plötzlich einen digitalen kostenfreien Kurs nutzen zu können. Wie man denn jetzt diesen Kurs bekommen könne, wurde ich gefragt und ich sagte: „Einfach einen Link setzen“ und jeder kann ihn nutzen. Aber da hab ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn einen kostenfreien Kurs in das halbjährliche Kursbuch einzubauen, wäre jetzt doch wohl zu einfach. Dazu benötige man doch ein Startdatum, einen Dozenten und überhaupt. Wer nutzt schon einen Online-Kurs, wenn es doch auch mit Blended Learning vor Ort geht?

Bei den nächsten Sessions ging es mit vielen digitalen Ideen weiter, seien es Videokonferenzen oder Snapchat, Webseiten oder Learning Spaces. Und was sind eigentlich Erweiterte Lernwelten? Und wieder ging es um „Die Technik muss der Didaktik folgen“ (einer der dümmsten Sätze des E-Learnings) und wie krieg ich WLAN in die Volkshochschule (bei Starbucks klappt es doch auch).

Die Volkshochschulen bewegen sich hier in der Zwischengeneration. In diesem Spannungsfeld der erfolgreichen alten Tagen, wo man mit Sprachkursen, Fotografieren (mit eigenem Entwicklungslabor inkl.Dunkelkammer) und Töpferstudio ganze Familien begeistern konnte und der Zukunft, wo alles digital ist. Wo Kursangebote per Video vorgestellt werden und die Anmeldung am besten per Facebook klappen sollte.

Disruption der Volkshochschulen

Brisant ging der Tag dann gemeinsam mit Karlheinz Pape zu Ende. Wir haben eine Session über die Disruption der Volkshochschulen gehalten, wo wir einige Fakten von Udemy, mooin und Udacity erzählt haben (ich empfehle hier die Blogbeiträge von Karlheinz Pape und das Interview vom CEO Dennis Yang). Haben  Volkshochschulen ein Interesse, die Pflicht oder überhaupt eine Chance digitale Bildung anzubieten? Wie es in Deutschland üblich ist, wird dies erstaunlich oft und qualitativ hochwertig diskutiert, jedoch fast immer mit dem gleichen Ergebnis. Es passiert außer Gerede halt nicht viel. Sollte es wirklich ein digitales Angebot von Volkshochschulen geben, so müsste es meiner Meinung nach zentralisiert für alle 920 VHSen gemeinsam passieren und es hätte vor ungefähr 18 Monaten online gehen müssen. Dazu bräuchte man ungefähr ein Team mit 50 Entwicklern, einem digitalen Vertrieb und natürlich medienkompetenten Mitarbeitern. Das letzte sehe ich, den Rest leider nicht.

Die Zukunft der Volkshochschulen ist analog

Es sind die vielen Einzelgespräche, die mir den Mut einer digitalen Volkshochschule rauben. Mit dem ichMOOC haben wir einen tollen Auftakt gemacht, der Kurs veraltet aber gerade auf mooin und wartet auf einen Relaunch. Weder Hamburg noch Bremen werden eine zweite Durchführung schaffen, dessen bin ich mir inzwischen sicher. Die Macher vom ichMOOC haben inzwischen entweder die VHS verlassen oder sind mit anderen Aufgaben beschäftigt. Digitale Angebote sind in Zeiten von Flüchtlingen nicht mehr wichtig (wenn die sich mal den FlüchtlingsMOOC anschauen würden) und andere Schwerpunkte werden gesetzt. Wenn ich Aussagen (oder sind es Verzögerungstaktiken?) höre wie, das gebe ich einmal in meinen halbjährlichen Arbeitskreis weiter, dann sehe ich, wie schnell diese Institutionen arbeiten und denken. Auch das einfache Machen ist nicht vorhanden, denn man will immer noch den komplizierten Weg gehen, d.h. man braucht doch unbedingt diese MOOCbars. Man setzt auf Blended Learning Konzepte, damit man alle abholen kann. Das ist natürlich wichtig und liest sich idealistisch, aber wenn es dann so kompliziert ist, dass man wegen der schweren und damit teuren Organisation das nicht mehr hinkriegt, sollte man doch auch einmal über den einfachen Weg nachdenken.  Inzwischen denke ich, die Durchführung vom ichMOOC wäre ohne Volkshochschulen einfacher als mit ihnen, obwohl mich das sehr traurig macht. (Es gibt jedoch eine kleine Hoffnung und ein paar Ideen hab ich natürlich auch noch.)

Parallel explodiert Udemy und keiner setzt was dagegen. In den nächsten zwei Jahren werden solche Anbieter Deutschland überollen. Udemy diskutiert über 1.000 Kurse, wir über einen! Egal was mit dem ichMOOC passieren wird, es ist egal. Der Kurs hat keinen Dominostein angestossen. Er hat aber gezeigt, was man mit motivierten Menschen und Willen schaffen kann und hat die Latte für digitale VHS-Angebote sehr hoch gelegt, vielleicht sogar zu hoch.

Die Zielgruppe wird auch digital

Die Digitalisierung erreicht inzwischen auch die Best Ager. Ein Drittel aller 65+ nutzen inzwischen das Internet und das wird nicht weniger. Immer mehr sind vertraut mit Smartphones, Laptops und den Social Networks, doch Volkshochschulen sind hier selten vertreten. Die Zielgruppe(?) bewegt sich, die VHSen weniger und das Konkurrenz-Angebot ist nur einen Klick entfernt. Parallel entwickeln sich die Angebote immer weiter und wie ich bei meiner Session am Ende sagte, die Angebote werden immer besser. War E-Learning vor 10 Jahren noch ein Abenteuer, so ist es heute Standard, aber morgen wird es dank Künstlicher Intelligenz und Big Data qualitativ noch ganz anders aussehen. Die Zeit der Pilotversuche ist jetzt vorbei, die Angebote werden jetzt massiv ausgebaut.

Die Braut, die keiner will?

Soll man die Volkshochschulen trotzdem nicht unterschätzen? Immerhin reden wir hier über 920 Institutionen und zum VHS Tag kommen Schwergewichte wie unsere Bildungsministerin Wanka und Bundespräsident Gauck. VHSen stehe für Erwachsenbildung und Life Long Learning und sind ein Eckpfeiler unserer Bildungspolitik. Ich glaube trotzdem, dass VHSen, so wie sie heute sind, in 10 Jahren keine große Rolle mehr spielen werden. Sprach,- EDV-, Fotografie- und wahrscheinlich sogar Strick-Kurse werden online stattfinden. Volkshochschulen können nicht skalieren (werden sie auch nie können) und werden daher auch nie digitale Angebote haben. Sie werden die analoge Raststätte neben dem digitalen Highway sein (das Zitat ist nicht einmal von mir), aber im Spiel der Großen werden sie nicht mehr mitspielen. Ich hoffe sehr, dass ich mich irre.

Und das VHS Camp?

Hier noch einmal ein Extra-Lob an diese tolle Community. Das VHScamp war natürlich super organisiert, die Sessions waren hochwertig, das WLAN hat funktioniert und das Essen war gut. Die Google+ lebt auch und es geht auch mächtig voran. Ich war erstaunt, wie viele schöne Projekte es da alles gibt und trotzdem sind es doch meist nur Insellösungen, genau wie bei den Hochschulen. Eine Gesamtstrategie ist nicht zu sehen.

 

Gedanken zum OER-Festival 2016

Das war jetzt mein drittes OER-Festival fka OER-Konferenz in Berlin und es ist vielleicht Zeit, ein Fazit zu ziehen. Wo steht OER in Deutschland und was ist bisher geschehen und vor allem, was wird geschehen?

Manchmal lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit, denn 2013 und 2014 wurde die Konferenz noch von Wikimedia organisiert, aber 2015 hat sich wohl etwas geändert haben, denn es gab keine Konferenz in Berlin. Jetzt gibt es das OER-Festival mit einem neuen Konzept und mit den neuen Veranstaltern: Jöran und Konsorten, Transferstelle OER und oncampus.

oncampus beim OER-Festival

oncampus beim OER-Festival

Dazu gab es auch eine neue Heimat. Ich bin schon etwas stolz, wenn ich hier schreiben kann, dass die Landesvertretung von Schleswig-Holstein ein wirklich sehr offener, freundlicher Gastgeber in diesem Jahr war und ich möchte auch hier unseren Staatssekretär Fischer zitieren: „Schleswig-Holstein als Land der Meere, steht wie kaum ein anderes Bundesland für Offenheit und ist damit ein perfekter Gastgeber für das OER-Festival“.

Und nicht nur wir Lübecker engagieren uns tatkräftig für OER auch eine weitere Hansestadt hat mit der #hoou (Hamburg Open Online University) das vielleicht spannendste OER-Projekt Deutschlands gestartet und war in Berlin auch reichlich vertreten. Im Moment bekommt OER also mächtig Rückenwind aus dem Norden 🙂

Konferenz, Festival, Barcamp oder Award?

Das diesjährige OER-Festival ist quasi vor Aktionismus explodiert. Neben einem zweitätigem Barcamp, gab es noch das Fachforum und es gab auch Preise. Für manche war es zu viel, andere konnten gar nicht genug bekommen und wieder andere haben sich nur ihren kleinen Teilbereiche gesucht. Alles wurde natürlich medial und social begleitet. Inzwischen sind knapp 500 Bilder auf Facebook veröffentlicht und es waren auch mehrere Kamerateams unterwegs. Eine heutige Konferenz findet nicht mehr an nur einem Ort statt, wenn doch bloss andere angebliche E-Learning-Konferenzen auch wüssten, dass es das Internet gibt 🙂

Tipp: Inzwischen gibt es einen lesenswerten Storify, den ich hier wärmstens empfehlen möchte.

Ein anderes Highlight waren sicherlich die Awards. Preise müssen sein, denn so feiert sich jede Szene seit Jahren erfolgreich selbst und kann auch außerhalb auf Aufmerksamkeit hoffen. Neben der gelungenen Verleihung war der rote Teppich ein absoluter Eyecatcher und fast alle Preisträger haben sich hier ablichten lassen.

Alle #ichMOOC-Macher auf einem Bild

Alle #ichMOOC-Macher auf einem Bild mit dem „Preis für Innovation in der Erwachsenenbildung“

Überhaupt gab es dutzende schöner kleiner Ideen, die jede für sich das OER-Festival einfach besser gemacht haben. Ich weiss ja, wer dahinter gestanden hat und ich möchte mich hier ausdrücklich an das gesamte Orga-Team bedanken. Ihr ward alle super :-X

Und was ist denn nun passiert?

Als erstes muss man sagen, dass OER in Deutschland angekommen ist. OER ist inzwischen ein Querschnittsthema geworden, denn das Festival hat eines ganz sicherlich gezeigt, OER ist aus der Nische der Experten herausgetreten denn es waren zum ersten mal auch größere Kreise dabei. Neben der Politik (ich habe persönlich mit der SPD, den Piraten und den Grünen gesprochen), waren auch Stiftungen und Gewerkschaften vertreten und natürlich die Bildungsorganisationen Schulen, Volkshochschulen und Hochschulen und dazu natürlich viele Verbände und Vereine. OER stösst inzwischen auf ein breites Interesse, obwohl bestimmt immer noch geschätzte 98% nicht wissen, was OER ist.

Dann darf man nicht unterschätzen, was vor und nach einer solchen Konferenz passiert. So fördert der Bund seit letztem Jahr OER mit 2 Millionen Euro pro Jahr und so wurden kurz vor Konferenzbeginn zwei Projektergebnisse veröffentlicht, zum einen MappingOER und die Machbarkeitsstudie. Beide wurden sehr kontrovers diskutiert und die nächste Ausschreibung ist auch schon online. Ich sehe alle drei Förderungen auch sehr kritisch, muss jedoch sagen, dass hier auch der gute Wille zählt und man sollte erstmal froh sein, dass überhaupt etwas passiert. Besser geht es immer, und dann sollte man es auch selbst besser machen oder verstummen.

Das Qualitätssiegel

Was immer wieder diskutiert wird ist die Qualitätssicherung von OER und nur damit, könne sich OER durchsetzen. Viele Experten sagen jedoch, dass ein bürokratischer Qualitätsmanagement-Prozess und vor allem eine „finale Version“ eines OER-Nuggets, die wahren Möglichkeiten und die Dynamik von OER töten würden. OER besteht aus dem Remix (obwohl dies noch nicht gelebt wird) denn digitale Inhalte sind per se zum weiterverwenden gedacht. Eine Verknüpfung mit einem Qualitätssiegel kann so nicht funktionieren, jedoch habe ich schon bei der GMW an einer unsinnigen „Qualität in Videos“-Diskussion teilgenommen, wo danach grade einmal 50% meiner Meinung gefolgt sind. Alle Politiker sind eigentlich meiner Meinung, aber leider sagen auch alle, dass das Qualitätssiegel kommen wird. Versteht einer diese Politik?

Außerdem verstehe ich überhaupt nicht, warum jemand, der OER macht und kostenlos ins Netz stellt, sich auch noch die Arbeit machen sollte, diese Inhalte bei einer Prüfstelle einzureichen? Dadurch hat er doch nur Mehrarbeit, die dann für Aktualisierungen fehlt. Hier zeigt sich schon auf mehrere Ebenen, dass man weder das Internet, die Digitalisierung noch OER verstanden hat, aber die deutsche Bürokratie und die sinnfreie Überzeugung von Qualitätsmanagement hat man verinnerlicht. Womit ich aber auch nicht sagen will, dass Qualität unwichtig wäre. Aber es gibt Mechanismen, wie z.B. Like-Buttons, Klicks, Resharing und Disskussionsforen (siehe YouTube), die wichtige Indikatoren von Qualität seien können. In 95% aller Fälle reicht das und jetzt sollte man erstmal ein besseres System zeigen, was auch keinen Aufwand macht.

Und dann war da noch die Rechtssicherheit

OER-Macher brauchen Sicherheit ist auch eine Forderung, die sich gut anhört, aber schwer umsetzen lässt. Die einen fordern eine Fair-Use-Regel wie in den USA, was aber auf EU-Ebene nie kommen wird und andere sagen, man solle doch einen Fonds einrichten, aus dem die Anwälte der OER-Macher bezahlt werden. Das man damit nicht das Problem löst, sondern nur Symptome bekämpft, muss man gar nicht erst sagen und natürlich ist das eine willkommenes Geschäftsmodell für jeden Abmahn-Anwalt. Wenn man weiss, dass die Prozesskosten immer bezahlt werden, finden sich schon einige Anwälte, die nur darauf warten zu klagen. Und ich möchte gar nicht erst wissen, wer dann auch noch entscheidet, wer förderfähig ist und wer nicht. Es wäre viel besser einen Fonds für OER-Macher zu machen, aber mit dem fOERde-Award wurde hier schon ein kleiner Schritt, in die richtige Richtung gemacht.

Und wo sich alle einig waren

Alles was gefördert wird, muss OER sein! Dazu muss man gar nicht viel schreiben, da es logisch ist. Meine Steuergelder sollten auch der Öffentlichkeit dienen. Man kann jetzt sofort damit anfangen, tut keinem weh und was in der Vergangenheit produziert wurde, bleibt auch dort. Hat man das umgesetzt kann man sagen, dass irgendwann einmal, alle Lehrer und Professoren auch alles unter OER veröffentlichen sollten, aber wir wollen nicht gleich übertreiben. Es wäre auch schön, wenn wenigstens Konferenzen, die sich mit dem Thema beschäftigen, wie GMW, Campus Innovation, Learntec und Online-Educa darauf bestehen würden, alle Konferenz-Beiträge als CC BY zu veröffentlichen.  Das kann doch nicht so schwer sein.

Und was hab ich so gemacht?

Als OER-Macher und Mitveranstalter hat man natürlich volles Programm. Ich hab eine OER-Maker Session beim Barcamp gehalten, hab mich ganz viel mit Politikern unterhalten und war auf zwei Panels beim Fachforum.

Parallel hab ich dann noch ca. 10 Interviews für den kommenden #COER16 MOOC aufgenommen und natürlich ganz viel genetzwerkelt.

Und wie geht es weiter

Ich hoffe nach dem #OERde16 ist vor dem #OERde17 , also es soll jetzt erstmal alles verstetigt werden. oncampus und Jöran & Konsorten können gerne wieder ausrichten, dazu rollen Graz und Lübeck die OER-Szene aus dem Norden und Süden auf, denn wie gesagt, wir machen den #OER-MOOC #COER16 gemeinsam auf zwei MOOC-Plattformen.

Wir werden dies Jahr sicherlich noch ein paar OER-MOOCs veröffentlichen, u.a. Arbeit 4.0 und Netzwerksicherheit. Die Politik hat erste Weichen gestellt und wir reden sehr viel mit Politikern, die sehr oft besser sind, als ihr Ruf.

Und natürlich wird OER als Querschnittsthema bei allen zukünftigen Konferenzen ein Thema sein und alle Veröffentlichungen sollten, wie oben erwähnt,  auch OER sein.

Resume

Die Konferenz war meiner Meinung nach sehr wichtig. Es war genau der richtige Zeitpunkt und am richtigen Ort um die Szene zu vernetzen, sich auszutauschen und Projekte anzustossen. OER ist in allen Bildungsbereichen angekommen und verstetigt sich. Der Norden wird in den kommenden Jahren wahrscheinlich eine Hauptrolle spielen und alle anderen sind aufgefordert mitzumachen. Auch die MOOCs, trotz aller Kritik, sind einer der Hauptmotoren in der OER-Bewegung und stehen als Flagschiffe für die neuen Möglichkeiten der digitalen Bildung. Und zu guter letzt, es hat wirklich Spaß gemacht 🙂

 

 

Campus Innovation oder besser Stagnation

Die Hamburger Campus Innovation ist quasi meine Lieblings-Konferenz. Nicht nur das sie in der besten Stadt Deutschlands stattfindet, nein es ist auch noch direkt vor der Haustür. Außerdem hat sie meiner Meinung nach das beste Konzept, da sie mit drei Tracks nicht nur E-Learning als Schwerpunkt setzt, sondern auch dem Campus-Management, der IT und dem eigenen Hamburger Projekten genug Freiraum lässt. Die Organisation ist quasi immer perfekt und dies Jahr gab es auch endlich mit #CIHH15 einen vernünftigen Hashtag, der im Programm gut und rechtzeitig platziert war. Das hat aber nichts an der Anzahl der Tweets geändert, die wie bei jeder E-Learning Konferenz, nur bei ca. 5% der Teilnehmer lag. Es ist ja bekannt, dass gerade in Deutschland, die sozialen Netze gerade nicht von den Intellektuellen genutzt wird. Warum sollte denn dann eine E-Learning Konferenz eine Ausnahme sein? Wo wir auch schon beim Grundproblem angekommen sind, die E-Learning Spezialisten in Deutschland verstehen immer noch nicht das Internet.

Keine Innovation, sondern Stagnation

Mir ist es schon bei den letzten Konferenzen aufgefallen, und die Teilnehmerzahlen geben mir da auch recht. E-Learning ist nicht (mehr?) innovativ und Beiträge sind meist fad und geben entweder Altbekanntes oder Selbstverständlichkeiten wieder. In Hamburg begann es schon mit der Keynote von Johannes Heinlein von edX, dessen Vortrag vor zwei Jahren spannend gewesen wäre, aber heute eher altbacken wirkte, bis auf die Erwähnung der Änderung der Architektur, weg vom Hörsaal, hin zum Learning Space.

Der negative Höhepunkt war vielleicht das tausendfach zitierte Bild der Papstwahl:

Papstwahl 2005 zu 2013

Sehr spannend fand ich die Entscheidung, dem Journalisten Christian Füller zur zweiten Keynote einzuladen, dessen Schwerpunkt bekanntlich Schulen sind. Sein Vortrag war nicht nur gut vorgetragen, sondern teilweise auch provokant, leider war dennoch kaum Neues zu entdecken.

Ich kann leider nur vom E-Learning Track berichten, jedoch hatten viele Vorträge eher das Scheitern, das Versagen und den negativen Ausblick als Thema. Beispielhaft fand ich hier den sehr guten Vortrag von Malte Persicke, der eigentlich nur beschrieben hat, warum er es nicht schafft, vernünftige MOOCs zu entwickeln, sondern es bei begleitenden Vorlesungsaufzeichnungen belassen muss.

Das ist genau die Situation, die in Deutschland zu oft passiert. Es gibt Dutzende wahrscheinlich sogar Hunderte einzelner Projekte, die aber immer personengebunden sind und es nicht schaffen, die Brücke in die Institution zu schlagen. Das liegt natürlich daran, dass jedes Projekt mit einem eigenen Projektstab vertraut ist und diese Mitarbeiter mit dem Projekt kommen und gehen. Das bedeutet immer Einarbeitung und dann fehlt die Verstetigung. Als Beispiel kann man immer die MOOCs nehmen, wo jedes mal ein Produktionsteam für die Videoproduktion entweder aufgebaut wird oder teuer eingekauft wird. Dann werden 20 Videos produziert, und danach verschwindet das ganze Wissen wieder. MOOCs werden aber erst bei der dritten oder vierten Produktion gut, aber das klappt nicht, wenn man nur einen MOOC beantragt hat und keine Wiederholungen gefördert kriegt obwohl die die Wiederholung natürlich kostengünstiger wäre (wenn man von xMOOCs spricht und nicht von cMOOCs).

Im krassen Gegensatz steht hier aber die Funktionsweise des Internets. Digitalisierung bedeutet Zentrierung! Das Internet braucht nur ein Kaufhaus, eine Suchmaschine und eine Landkarte. Vielleicht sind es auch zwei oder drei Angebote, aber niemals 428. Was den Hochschulen fehlt ist eine digitale übergreifende Strategie, wo wir schon beim nächsten Thema wären. Seit gut 18 Monaten wird plötzlich die digitale Strategie als neuer Hype durch die E-Learning Landschaft getragen. Was mit dem Stifterverband angefangen hat, wurde in Hamburg versucht weiterzudenken. Prof. Kerres hat hier einen schönen Vortrag gehalten, dessen Ergebnis für mich jedoch eher deprimierend aussah. Außer Absichtserklärungen und ersten Workshops ist quasi nichts passiert und wenn man viel Glück hat, werden Landesinitiativen gegründet, wie z.B. die Hamburg Open Online University. Man könnte das positiv sehen, da es jetzt endlich anfängt und E-Learning auch als Digitalisierung begriffen wird. Dies ist jedoch quasi Stand des Netzes von 2005. Das bedeutet, dass die Hochschulen immer noch nicht begriffen haben, was das Netz und die Digitalisierung ausmachen. Es wird immer noch klein klein gemacht, es wird sehr viel geredet und der Föderalismus steht konträr zur Digitalisierung. Internet bedeutet Geschwindigkeit und Vernetzung, aber wir fangen jetzt erst an, darüber nachzudenken was eine Strategie wäre, dabei können MOOCs ohne Strategie nicht nachhaltig funktionieren und OER hat auch nur einen Sinn, wenn man sie vernetzt benutzt. An den Weichen wird zaghaft gearbeitet, aber das Fundament bleibt unangetastet.

Und wie steht es um die Openness?

Wie auch immer Openness definiert wird, als Öffnung der Hochschule für den zweiten Bildungsweg z.B. über MOOCs oder als Anbieter freier Materialien z.B. OER, beides wurde wie immer nicht gelebt. MOOCs sind quasi nicht existent im deutschen Hochschulbereich, bis auf TU München, das HPI, FH Lübeck und mit Abstrichen TU9 und Leuphana und über OER wurde etwas geredet, aber wie immer nicht gelebt. Weder die Slides der Vortragenden, noch der Tagungsband und auch nicht die Videos (handwerklich wie immer sehr gut gemacht) sind als OER zugänglich. Hier wird erwartungsgemäß(?) kein Zeichen gesetzt, sondern es geht genauso langsam weiter, wie eh und je. Warum sollte man auch die Erkenntnisse der Forschung, dass OER u.a. qualitativ besser sind, selbst leben und vom Resharing oder Remixing will ich erst gar nicht reden. Da fragt man sich dann doch, wie das mit dem Konzept der Hamburg Open Online University vereinbar ist. Es ist halt wie immer, es wird sehr viel geredet aber weder gemacht und erst recht nicht gelebt.

Stagnation

Es tut mir leid und ich will diesen Beitrag nicht als Kritik der Campus Innovation sehen, denn für die Inhalte ist die Organisation nicht verantwortlich. Es geht mir um die Stagnation des  gesamten E-Learnings in Deutschland. Nach 15 Jahren muss doch langsam in der einen oder anderen Hochschule E-Learning mit Digitalisierung im Präsidium angekommen sein und es müsste doch ein oder zwei Leuchtturmprojekte in Deutschland sehen zu sein. Stattdessen wird eigentlich nur gezeigt, was nicht geht und es wird ganz viel gejammert. Die Erkenntnis jedoch, dass E-Learning nicht personengebunden ist, sondern institutionell betrachtet werden muss, darauf scheint nach dieser langen Zeit immer noch niemand zu kommen.

Mein Leben als Juror beim MOTY16

Letzten Sonntag war das Finale vom MOOC Of The Year 2016 #MOTY16. Als einer der Initiatoren und als Juror möchte ich gerne ein paar Gedanken teilen, denn es war schwieriger als gedacht.

MOOC Of The Year 2016 #MOTY16

MOOC Of The Year 2016 #MOTY16

Angeregt durch Anja C. Wagners Beitrag, der mir irgendwie zu nett war, möchte ich auch noch einmal Selbstkritik üben, aber auch einmal zeigen, dass Jury-Entscheidungen sehr komplex sind. Im Finale waren drei berechtigte Finalisten, von insgesamt etwas enttäuschenden neun Bewerbungen. Alle drei hätten es verdient, gefördert zu werden. Was jedoch nicht kritisch gefragt wurde, warum hatten wir fast nur Hochschulthemen für das MOOC-Format gewinnen können. Ich glaube das ist die erste und mit wichtigste Frage, die viel zu wenig diskutiert wird. Es gibt viele MOOCs zu Projektmanagement, Geschichte, Politik und natürlich all diesen bildungsnahen Themen, wie OER, Soft Skills etc. Doch wir haben es bisher kaum verstanden auch andere Zielgruppen wie z.B. Freizeit oder Firmen oder auch Stiftungen und soziale Zielgruppen damit anzusprechen. Entweder ist das MOOC-Format dort noch unbekannt oder diese Gruppen verbinden ihre Themen nicht mit dem Format.

Die andere Frage ist, wie kann man ein Thema bewerten? Ist Mathe wichtiger als Programmieren? Geschichte wichtiger als Geologie? Und wären Minimalismus, vegane Ernährung oder die Gender-Debatte überhaupt förderwürdige Themen? Das kann man schlecht bewerten, doch irgendeiner musste es machen, denn es kann nur einen Sieger geben.

Dazu kommt noch der soziale Auftrag. Als Hochschule mit einem Förderprojekt hat man auch eine gesellschaftliche Vorbildfunktion und einen sozialen Auftrag. Hochschulen bilden nicht nur aus, sondern ich verstehe es auch als Vorbildfunktion. Wir sollten in Sachen freier Bildung voranschreiten und auch politisch relevante Themen aufgreifen. Hochschulen sind schon lange keine Elfenbeintürme mehr, sondern hier sollten die Eliten von morgen mit Werten und Normen versorgt werden. Wenn nicht die Hochschulen das machen, wer sollte es sonst tun? Und natürlich weiss ich, dass das alles immer zu wenig ist, trotzdem muss man anfangen.

Und warum jetzt der SozialMOOC?

Die Entscheidung war natürlich nicht einfach, denn handwerklich waren die anderen Bewerbungen sicherlich besser, aber wären das dann auch würdige Preisträger gewesen? Wir haben den SozialMOOC ausgewählt, da die anderen Finalisten es sicherlich auch alleine schaffen könnten, aber der SozialMOOC nicht. Das Thema war mit Abstand das interessanteste und brisanteste was wir bekommen haben und man muss einen MOOC immer als Teamwork sehen. Das bedeutet, wir können dem SozialMOOC wirklich helfen und die brauchen unsere Hilfe. Wir müssen an dem Konzept noch viel arbeiten, aber dafür sind wir da. Und insgesamt betreten wir mit dem Thema Neuland und wir wissen nicht, was passieren wird. Will man solche Projekte nicht haben? Langweilig können andere machen 🙂

Sieger #MOTY16 mit Jury

Sieger #MOTY16 mit Jury

Im Nachhinein möchte ich anmerken, dass ich mich als Juror etwas überfordert gefühlt habe. Ich dachte, das wäre einfacher aber wir haben kurz und heftig diskutiert und haben das Potential und die gesellschaftliche Herausforderung prämiert, was aber vorher nicht in der Bewertungsmatrix vorgesehen war. Man muss allerdings auch anmerken, dass unsere Kriterien nur Vorschläge waren. Zum Glück hatten wir in der Jury eine sehr offene Kultur und waren uns einig. Ob wir es richtig gemacht haben, wird uns die Zukunft zeigen.

 

 

Mein Interview bei Fernstudium Infos über die Digitalisierung der Hochschulen

Passend zu unserem Vortrag bei der diesjährigen GMW „Massive Open Online Courses als Teil der Hochschulstrategie“ durfte ich diese Woche bei Fernstudium-Infos.de ein Interview zu MOOCs, mooin, LOOP und Videos geben. Es waren nur 20-30 Minuten geplant, doch das Gespräch ging fast eine Stunde. Ich habe am Ende noch einige provokante Thesen gesagt, die vielleicht zum nachdenken anregen. Das war nach 2011 schon mein zweites Interview mit Markus Jung und wenn ich das mal Revue passieren lasse, ist in den letzten vier Jahren eine Menge passiert.

 

DER 93. #EDCHATDE: IST GEIZ GEIL? – KOSTENLOSKULTUR IN DER BILDUNG

MOOCs, OER und andere kostenlosen Bildungsangebote stehen einem teils etablierten, teils aber auch hart umkämpften (Weiter-)Bildungsmarkt gegenüber. Dabei gilt aber nicht generell “Bildung muss frei sein und darf nichts kosten” – denn sie kostet etwas. Diejenigen, die als Bildungsdienstleister kostenpflichtige Angebote schaffen, aber auch diejenigen, die MOOCs und OER produzieren und kostenlos bereitstellen, müssen ihre Miete bezahlen, etwas essen etc. Durch die technischen Möglichkeiten der Digitalisierung können viele Leistungen, die früher nur durch Verlage, Designer oder andere Experten realisiert wurden, direkt von den Lernenden umgesetzt werden. Auf der anderen Seite schätzen wir professionelle Trainer und gut gemachte Lehrmaterialien – aber wie viel bezahlen wir dafür, gerade weil es uns so erscheint, als könnten wir mit den in Wikipedia, Youtube oder MOOCs verfügbaren Informationen den Lerngegenstand auch kostenlos erschließen?
geizgeil

DIE FRAGEN

20.05 Uhr
F1: Geschenkt ist noch zu teuer. Warum haben sich #OER noch nicht durchgesetzt? #EdchatDE

20.10 Uhr
F2: Die Masse will es, aber der Einzelne muss es machen. Wo ist die #OER-Crowd? #EdchatDE

20.15 Uhr
F3: Was nix kostet ist nix wert? Wer bezahlt (für) #Bildungsresourcen? #EdchatDE

20.20 Uhr
F4: #Crowdfunding, #Flattr und andere Spenden – Wofür gebt ihr gerne? #EdchatDE

20.25 Uhr
F5: Verderben #OER den Weiterbildungsmarkt? Will denn keiner mehr zahlen? #EdchatDE

20.35 Uhr
F6: Womit punkten kostenpflichtige Angebote? Müssen wir was ändern? #EdchatDE

20.40 Uhr
F7: Was würdet IHR für einen Dienstag #EdchatDE ausgeben? #EdchatDE

20.45 Uhr
F8: Welche Anregungen, Fragen hast du sonst noch zum Thema „Kostenloskultur in der Bildung“? #EdchatDE

DIE VORBEREITUNG

Zur Vorbereitung gibt es dieses Mal ein Blogstöckchen. Was das ist und wie es funktioniert, erfahrt Ihr am Mittwoch um 10.00 Uhr auf den Blogs von Anja Lorenz und mir hier.

DER #EDCHATDE

…mit diesen Fragen findet am Dienstag, dem 25.08.2015 um 20:00 Uhr statt. Natürlich auf Twitter ?

Veranstaltungshinweis „MOOCs and beyond“

Am 8.September trifft sich das „Who is Who“ der deutschsprachigen MOOC Szene in Berlin zu einem wissenschaftlichen Austausch. Wer sich erinnern kann, der kennt noch die große MOOC Ankunft in Deutschland. Iversity hat gemeinsam mit dem Stifterverband 10 MOOCs mit 250.000 Euro mit dem Fellowship Programm gefördert und danach ging der deutsche MOOC Hype(?) los.

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In Berlin schauen wir uns jetzt an, was seit den zwei Jahren aus den geförderten Kursen geworden ist. Man liest richtig, denn wir haben wirklich alle 10 Preisträger interviewt und werden diese Ergebnisse vorstellen und ich konnte schein einige interne Einblicke werfen, und fand die Ergebnisse bemerkenswert.

Parallel sind auch alle deutschsprachigen MOOC-Maker z.B. iversity, HPI, iMooX, Leuphana und mooin angesprochen worden, ihre MOOC Aktivitäten vorzustellen und sich kritische Fragen gefallen zu lassen. Ich persönlich finde es schon jetzt bemerkenswert, dass keiner der deutschen Maker, damals direkt gefördert worden ist, was schon genug Raum für kritische Diskussionen lässt.

Die Veranstaltung findet am Dienstag, den 8.September in Berlin statt, und da wir Mitausrichter sind, kann man sich über unsere Homepage anmelden. Die Konferenz ist eingebettet in eine ganze Reihe von Veranstaltungen in Berlin, die ich auch hier noch gerne erwähnen möchte. Am Freitag startet schon das Educamp mit einem Pecha Kucha und am Samstag und Sonntag findet dann ein gemeinsames Camp mit MOOCcamp und OERcamp statt. Und das Hochschulforum Digitalisierung lädt auch zu mehreren Veranstaltungen zur Diskussion beim „Digitalen Turn“ ein. Ich persönlich bin von Freitag Abend bis Mittwoch früh in Berlin.

 

 

MOOC Of The Year 2016

Die Fachhochschule Lübeck und oncampus suchen den „MOOC Of The Year 2016“ #MOTY16 . Jeder mit einer Idee für einen MOOC kann sich bewerben, und erhält eine Förderung im Wert von 25.000 Euro. Der Call läuft bis 16.August und danach gibt es beim Educamp in Berlin am 6.September ein Finale, wo sich alle Finalisten vorstellen sollen.

MOOC Of The Year 2016 #MOTY16

MOOC Of The Year 2016 #MOTY16

tl;dr

Die Idee zum #MOTY16 kam uns schon vor längerer Zeit, denn wir suchten eine besondere Idee für das neue MOOCcamp. Am SA/SO findet es gemeinsam mit dem Educamp und dem OERcamp in Berlin statt. So viele „Weltverbesserer Camps“ gab es wohl noch nie in an einem Ort in Deutschland und vielleicht übertreiben wir es auch, oder die Idee ist genial. Fakt ist, dass es in der Organisation vieles einfacher macht und da parallel auch noch die „The Digital Turn„-Woche vom Hochschulforum Digitalisierung ist, hat man noch mehr Synergie Effekte. Am Dienstag, den 8.September findet nämlich der Rückblick vom Fellowship Programm „MOOCs and beyond“  statt, wo man einmal darüber reflektieren wird, was aus den geförderten MOOCs geworden ist.

Educamp Berlin 2015  #ECBER15

Educamp Berlin 2015 #ECBER15

Das MOOCcamp

Das MOOCcamp findet jetzt zum zweiten mal statt. Das erste war vor zwei Jahren in Frankfurt und wurde von Studium Digitale und der MOOC Beratung durchgeführt. Diesmal findet es unter dem Dach des MOOChub statt, also von den beiden MOOC-Portalen iMooX und mooin und dahinter stecken TU Graz, Uni Graz, FH Lübeck und oncampus (ganz schön viele Namen) und wir möchten uns auch ganz herzlich bedanken, dass wir den Namen weiterführen dürfen.

Die Durchführung ist sehr simpel, denn alles läuft dankenswerterweise unter dem Dach des Educamps und wir labeln einfach die Barcamp-Sessions zum Thema „MOOC“ als MOOCcamp. Also alle MOOC-Macher und Interessierte sind ganz herzlich beim Educamp willkommen und so werden auch diese Welten zusammengeführt. MOOCs sind auch Bildung und von daher ergänzen wir uns. Man sieht und merkt hoffentlich, dass sich die deutschsprachigen Communities immer mehr vernetzen und das geschieht nicht, weil wir weniger werden, sondern weil die verschiedenen Disziplinen nicht mehr einzeln betrachtet werden können, sondern alles zusammenwächst.

MOOC Of The Year 2016

Wenn das Educamp endet und damit auch das OERcamp, geht das MOOCcamp weiter. Dann beginnt das Finale vom „MOOC Of The Year 2016“ und alle Finalisten sollen in 10 Minuten-Sessions, ihr MOOC-Konzept vorstellen. Das Finale soll natürlich öffentlich sein und wir sind ganz gespannt, ob es neue MOOC-Ideen in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt, oder ob der Hype vorbei ist, und Bildung für alle niemanden interessiert.

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Im Gegensatz zum Fellowship gibt es beim #MOTY16 zwei wesentliche Unterschiede. Zum einen geschieht die MOOC Produktion nicht beim Sieger, sondern wir unterstützen die Produktion mit dem Know-How aus Lübeck. Das hat ganz viele Vorteile, denn wir haben kurze Wege (bei einer MOOC-Produktion sind im Schnitt 7 Leute in Lübeck involviert), und wir haben viel Erfahrung mit verschiedensten MOOC-Produktionen und natürlich kennen wir alle Tools und unsere Plattform mooin am besten. Aber wir wollen auch niemanden ausbremsen, und sind für neue Ideen immer offen.

Zum anderen soll der neue MOOC Of The Year 2016 komplett unter CC BY als OER MOOC veröffentlicht werden. Wir wollen damit die Nachhaltigkeit fördern und zum Remix auffordern. Wir reden nicht über OER, wir machen sie.

Und danach?

Wenn der Sieger feststeht, geht es erst richtig los. Der #MOTY16 soll im Winter produziert werden, damit er im Frühjahr online gehen kann. Wir sind selber sehr gespannt, was passieren wird. Immerhin kann sich jeder bewerben, also Hochschulen, aber auch Institutionen oder Vereine aber auch Einzelpersonen oder Verbände. Wir haben schon mit dem VideoMOOC und vor allem mit dem ichMOOC gezeigt, dass wir nicht nur Hochschul-Themen behandeln, aber mit Marketing als auch Projektmanagement, haben wir auch typische Hochschul-Themen und demnächst kommt wohl Cyber-Security (hab ich jetzt zuviel verraten?).

Wir suchen auch neue MOOC-Macher

Wir haben also sehr viel zu tun und sprühen vor neuen Ideen. Daher vergrößern wir gerade unser Team und wer Lust hat den MOTY16 zu entwickeln und zu betreuen oder einfach nur in Lübeck, der schönsten Stadt Norddeutschlands, im digitalsten E-Learning Team Deutschlands (na ja etwas übertrieben 🙂 ) mitzuarbeiten, dann einfach bei mir melden. Ich schreibe gerade die Stellenbeschreibung und wir suchen motivierte Digitalisten, die Lust auf „Bildung für alle und noch viel mehr“ haben.

 

 

Das VFH Symposium 2015

Die Virtuelle Fachhochschule ist der einzige deutsche länderübergreifende Hochschulverbund Deutschlands mit gemeinsamen Studiengängen und er ist voll digital. Vor 14 Jahren war das schon besonders, heute anscheinend immer noch und er ist so erfolgreich, wie nie zuvor.

tl;dr

Seit ca. sechs Jahren treffen sich die Mitglieder der VFH zum jährlichen Symposium in Lübeck. Anfangs waren es noch ca. 50 Leute, dies Jahr waren es ganze 90. Das zeigt die VFH wächst und mit den Hochschulen aus Halbstadt-Sigmaringen und der HAWK Holzminden waren zwei neue Hochschulen dabei und neue Studiengänge, wie Tourismanagement oder Maschinenbau warten auf die Einführung.

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Auch wenn wir in letzter Zeit sehr viel von MOOCs und mooin schreiben, von unseren Social Media Aktivitäten oder der Moodlemoot oder auch vom Preis des Stifterverbandes berichten, angefangen hat das alles mit der Virtuellen Fachhochschule. Sie ist das Fundament von allen Aktivitäten und dem digitalen Verständnis von oncampus. Wir haben im Moment ca 3.500 Studenten und jedes Jahr, werden es ungefähr 200 mehr. Keiner hat bei uns je ein Papierdokument bekommen, unsere LOOP-Plattform hat täglich 50.000 Seitenaufrufe und 11 GB Traffic. In allen Moodle-Systemen zusammen, haben wir ungefähr 40.000 Teilnehmer und unser Webkonferenz-System hat ein jährliches Wachstum von ca 25%, alles in allem sehr beeindruckende Zahlen.

Dies Jahr konnten wir Claudia Bremer als Keynote Sprecherin gewinnen, die über die Aktivierung von Fernstudenten gesprochen hat. Ich durfte natürlich unsere mooin Plattform vorstellen.

Danach ging es ganz modern in einem Barcamp weiter, wo dann u.a. auch viel über Open Badges diskutiert wurde. Meine Kollegin Anja Lorenz hat mit Ilona Buchem von der Beuth Hochschule @mediendidaktik ein tollen Vortrag dazu ausgearbeitet. Das ganze Symposium wird inzwischen auch auf Twitter gut begleitet, daher haben wir eine schöne Storify erstellt, wo viele Eindrücke gesammelt sind.

Der zweite Tag besteht dann meist aus ganz viel Gremienarbeit. Fachausschüsse tagen, Kassenabrechnungen werden geprüft, neue Studiengänge werden diskutiert und Fachverbünde arbeiten. Insgesamt sind das immer sehr produktive Tage, die zwingend notwendig sind und sich über die Jahre bewährt haben. Auch wenn wir virtuell sind, so wissen doch alle, dass auch Präsenztreffen notwendig sind.

Bemerkenswert ist dabei auch, dass die VFH jetzt langsam in die zweite Generation wechselt. Die ersten Gründungsmitglieder sind inzwischen in Rente gegangen und die zweite Generation lebt die VFH anscheinend noch besser. Es ist sehr schön zu sehen, dass die VFH sich jetzt noch mehr öffnet, das die Technik in die Cloud wandert, das neue didaktische Konzepte ausprobiert werden und wir das „böse“ Internet wirklich nutzen und leben. Wir sehen es als Chance und ich habe immer mehr das Gefühle, dass wir anderen Hochschulen um Jahre voraus sind, und es sicherlich kein Zufall ist, dass gerade wir ein MOOC-Portal haben und für unsere digitale Strategie ausgezeichnet wurden.