Zu Besuch im Silicon Valley bei Apple, Twitter und Co

Die vielleicht aufregendste Dienstreise (oder soll ich Fortbildungsreise schreiben?) meines Lebens liegt hinter mir. Eine Woche Silicon Valley im Rahmen der Digitalen Agenda Schleswig-Holsteins und organisiert von der Staatskanzlei SH liegen hinter mir. Ich versuche jetzt mal die Erlebnisse, die Eindrücke aber auch die Erkenntnisse in mehreren Artikeln zu verarbeiten. Die Landesregierung hat schon einen sehr guten Bericht geschrieben, den ich als Übersicht empfehle. Das soll jetzt mein subjektiver Überblick sein, was ich denn dort überhaupt erlebt habe. Einen kleinen Vorbericht habe ich schon bei ununi.tv gegeben, wo meine Eindrücke noch sehr frisch waren und wo es viele Details gibt.

Andreas Wittke im Silicon Valley: Was können wir lernen?

Das Highlight des ersten Tages war der morgendliche Lauf über die Golden Gate Bridge (der Jetlag lässt grüßen) und natürlich das Come Together.

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Die Delegation bestand aus 55 Leuten aus Politik, Wirtschaft und Hochschule. Solche Reise funktionierenauf drei Ebenen. Man will zum einen das Silicon Valley kennenlernen und zum anderen sollen die uns verstehen und natürlich soll man sich auch untereinander vernetzen. Daher gab es Workshops, gemeinsame Essen und Ausflüge und das in vollem Umfang. Wir waren quasi jeden Tag 12-14 Stunden gemeinsam unterwegs und hatten fast keine Freizeit, obwohl die 500 Fotos was anderes sagen.

Der heimliche deutsche Star

Der zweite Tag stand ganz im Zeichen von SAP. Dieses angestaubte deutsche Unternehmen rockt das Silicon Valley, denn SAP gilt quasi als Godfather des Design Thinking und das ist der Motor der Innovation. In der ganzen Woche wurde dementsprechend auch immer wieder SAP zitiert, egal ob wir bei Apple, Capgemini, Facebook, Mercedes oder Twitter waren. Da es keine allgemein gültige Definition vom DT gibt, habe ich es für mich selbst so definiert:

„Schaffe per Architektur einen Raum, wo die Menschen flexibel und frei sind, dann werden sie glücklich, kreativ und innovativ sein. Mische dann noch verschiedene Disziplinen wie Grafiker, Entwickler und vor allem Workflow Designer und stelle die Sicht des Anwenders in den Mittelpunkt, dann werden deine Produkte automatisch erfolgreich sein.“ 

Die Besuche bei Capgemini, Electronic Frontier Foundation, Facebook und Mercedes waren zwar schön, aber nicht sehr nachhaltig. Dafür war die Architektur dort immer ähnlich und bestätigt meine DT-Definition. Ich empfehle hier all meine Videos aus der Facebook-Gruppe „Schleswig-Holstein@digital„. Meist hab ich direkt nach dem Besuch kurze Interviews mit anderen Experten aus der Gruppe über ihre Eindrücke erstellt. Die Facebook Gruppe ist übrigens offen, so wie es sein sollte (Gruppe hab ich gegründet 🙂 ).

Ein weiteres, wenn auch umstrittenes, Highlight war der Besuch an der Stanford University mit einem sehr provozierendem Vortrag von Burton Lee. Zwar ist unser Ansatz der Industrie 4.0 recht gut, dennoch hat Deutschland und auch ganz Europa den Anschluss verloren. Wir sind nicht mehr innovationsfähig, können keine Unternehmen gründen und sind viel zu langsam. Prof. Lee hat einen ähnlichen Vortrag in Österreich gehalten, den man sich gerne anschauen kann 😉

Am Donnerstag waren wir dann bei Apple und dort waren keine Wirtschaftsunternehmen erlaubt. Es ging im kleinen Kreis um Ökosysteme und Bildung. Apple hat mit Abstand den didaktisch besten Vortrag gehalten und hat die Besucher dabei abgeholt. Es wurde vorgestellt, diskutiert und erörtert. Dabei hat Apple stets betont, wie wichtig und qualitativ hochwertig ihr Ökosystem sei. Der Grund warum man es nicht öffne, liege einzig und allein im Qualitätsanspruch, denn alle anderen haben leider nicht die Apple-Qualität. Daher ist der Nutzer am besten dran, wenn man unter sich bleibe. Früher wäre ich bei solchen Sprüchen explodiert und bei der Diskussion hab ich auch mehrmals Einspruch erhoben, dennoch kann ich diesen Ansatz inzwischen gut nachvollziehen und für Schulen kann das sicherlich eine Lösung sein. Mein Favorit ist jedoch BYOD, da es später im Leben (Uni, Job) auch eher heterogen sein wird. Wer Apples Philosophie verstehen will, dem empfehle ich den „Steve Jobs“ Film. Erstaunlich wie viel Jobs immer noch in Apple drin ist.

Am Freitag gab es dann parallel Tesla und Twitter und ich hatte Glück, denn ich war bei Twitter. Die waren genau so, wie man sich das vorstellt: geile Architektur, sehr spontan, unvorbereitet (kann man auch agil nennen) und daher sehr authentisch. Vor allem sitzen die direkt in San Francisco und man konnte etwas von der Stadt sehen, die erschreckend heruntergekommen und voller Bettler und Junkies ist. Das Silicon Valley ist leider sehr extrem und hat auch seine Schattenseiten.

Nach der Rückkehr hab ich viele Fotos und Eindrücke in einem Vortrag verarbeitet. Er lässt erahnen, was ich noch alles erlebt habe. Die Besuche im Rathaus, bei Smaato, im Generalkonsulat, Facebook etc. hab ich hier gar nicht erwähnt. Das würde vielleicht auch den Rahmen hier sprengen.

Die Reise ging dann noch weiter nach Washington, wo ich u.a. Obama gesehen hab 🙂 Dazu aber vielleicht später mehr.

 

Gedanken zum OER-Festival 2016

Das war jetzt mein drittes OER-Festival fka OER-Konferenz in Berlin und es ist vielleicht Zeit, ein Fazit zu ziehen. Wo steht OER in Deutschland und was ist bisher geschehen und vor allem, was wird geschehen?

Manchmal lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit, denn 2013 und 2014 wurde die Konferenz noch von Wikimedia organisiert, aber 2015 hat sich wohl etwas geändert haben, denn es gab keine Konferenz in Berlin. Jetzt gibt es das OER-Festival mit einem neuen Konzept und mit den neuen Veranstaltern: Jöran und Konsorten, Transferstelle OER und oncampus.

oncampus beim OER-Festival

oncampus beim OER-Festival

Dazu gab es auch eine neue Heimat. Ich bin schon etwas stolz, wenn ich hier schreiben kann, dass die Landesvertretung von Schleswig-Holstein ein wirklich sehr offener, freundlicher Gastgeber in diesem Jahr war und ich möchte auch hier unseren Staatssekretär Fischer zitieren: „Schleswig-Holstein als Land der Meere, steht wie kaum ein anderes Bundesland für Offenheit und ist damit ein perfekter Gastgeber für das OER-Festival“.

Und nicht nur wir Lübecker engagieren uns tatkräftig für OER auch eine weitere Hansestadt hat mit der #hoou (Hamburg Open Online University) das vielleicht spannendste OER-Projekt Deutschlands gestartet und war in Berlin auch reichlich vertreten. Im Moment bekommt OER also mächtig Rückenwind aus dem Norden 🙂

Konferenz, Festival, Barcamp oder Award?

Das diesjährige OER-Festival ist quasi vor Aktionismus explodiert. Neben einem zweitätigem Barcamp, gab es noch das Fachforum und es gab auch Preise. Für manche war es zu viel, andere konnten gar nicht genug bekommen und wieder andere haben sich nur ihren kleinen Teilbereiche gesucht. Alles wurde natürlich medial und social begleitet. Inzwischen sind knapp 500 Bilder auf Facebook veröffentlicht und es waren auch mehrere Kamerateams unterwegs. Eine heutige Konferenz findet nicht mehr an nur einem Ort statt, wenn doch bloss andere angebliche E-Learning-Konferenzen auch wüssten, dass es das Internet gibt 🙂

Tipp: Inzwischen gibt es einen lesenswerten Storify, den ich hier wärmstens empfehlen möchte.

Ein anderes Highlight waren sicherlich die Awards. Preise müssen sein, denn so feiert sich jede Szene seit Jahren erfolgreich selbst und kann auch außerhalb auf Aufmerksamkeit hoffen. Neben der gelungenen Verleihung war der rote Teppich ein absoluter Eyecatcher und fast alle Preisträger haben sich hier ablichten lassen.

Alle #ichMOOC-Macher auf einem Bild

Alle #ichMOOC-Macher auf einem Bild mit dem „Preis für Innovation in der Erwachsenenbildung“

Überhaupt gab es dutzende schöner kleiner Ideen, die jede für sich das OER-Festival einfach besser gemacht haben. Ich weiss ja, wer dahinter gestanden hat und ich möchte mich hier ausdrücklich an das gesamte Orga-Team bedanken. Ihr ward alle super :-X

Und was ist denn nun passiert?

Als erstes muss man sagen, dass OER in Deutschland angekommen ist. OER ist inzwischen ein Querschnittsthema geworden, denn das Festival hat eines ganz sicherlich gezeigt, OER ist aus der Nische der Experten herausgetreten denn es waren zum ersten mal auch größere Kreise dabei. Neben der Politik (ich habe persönlich mit der SPD, den Piraten und den Grünen gesprochen), waren auch Stiftungen und Gewerkschaften vertreten und natürlich die Bildungsorganisationen Schulen, Volkshochschulen und Hochschulen und dazu natürlich viele Verbände und Vereine. OER stösst inzwischen auf ein breites Interesse, obwohl bestimmt immer noch geschätzte 98% nicht wissen, was OER ist.

Dann darf man nicht unterschätzen, was vor und nach einer solchen Konferenz passiert. So fördert der Bund seit letztem Jahr OER mit 2 Millionen Euro pro Jahr und so wurden kurz vor Konferenzbeginn zwei Projektergebnisse veröffentlicht, zum einen MappingOER und die Machbarkeitsstudie. Beide wurden sehr kontrovers diskutiert und die nächste Ausschreibung ist auch schon online. Ich sehe alle drei Förderungen auch sehr kritisch, muss jedoch sagen, dass hier auch der gute Wille zählt und man sollte erstmal froh sein, dass überhaupt etwas passiert. Besser geht es immer, und dann sollte man es auch selbst besser machen oder verstummen.

Das Qualitätssiegel

Was immer wieder diskutiert wird ist die Qualitätssicherung von OER und nur damit, könne sich OER durchsetzen. Viele Experten sagen jedoch, dass ein bürokratischer Qualitätsmanagement-Prozess und vor allem eine „finale Version“ eines OER-Nuggets, die wahren Möglichkeiten und die Dynamik von OER töten würden. OER besteht aus dem Remix (obwohl dies noch nicht gelebt wird) denn digitale Inhalte sind per se zum weiterverwenden gedacht. Eine Verknüpfung mit einem Qualitätssiegel kann so nicht funktionieren, jedoch habe ich schon bei der GMW an einer unsinnigen „Qualität in Videos“-Diskussion teilgenommen, wo danach grade einmal 50% meiner Meinung gefolgt sind. Alle Politiker sind eigentlich meiner Meinung, aber leider sagen auch alle, dass das Qualitätssiegel kommen wird. Versteht einer diese Politik?

Außerdem verstehe ich überhaupt nicht, warum jemand, der OER macht und kostenlos ins Netz stellt, sich auch noch die Arbeit machen sollte, diese Inhalte bei einer Prüfstelle einzureichen? Dadurch hat er doch nur Mehrarbeit, die dann für Aktualisierungen fehlt. Hier zeigt sich schon auf mehrere Ebenen, dass man weder das Internet, die Digitalisierung noch OER verstanden hat, aber die deutsche Bürokratie und die sinnfreie Überzeugung von Qualitätsmanagement hat man verinnerlicht. Womit ich aber auch nicht sagen will, dass Qualität unwichtig wäre. Aber es gibt Mechanismen, wie z.B. Like-Buttons, Klicks, Resharing und Disskussionsforen (siehe YouTube), die wichtige Indikatoren von Qualität seien können. In 95% aller Fälle reicht das und jetzt sollte man erstmal ein besseres System zeigen, was auch keinen Aufwand macht.

Und dann war da noch die Rechtssicherheit

OER-Macher brauchen Sicherheit ist auch eine Forderung, die sich gut anhört, aber schwer umsetzen lässt. Die einen fordern eine Fair-Use-Regel wie in den USA, was aber auf EU-Ebene nie kommen wird und andere sagen, man solle doch einen Fonds einrichten, aus dem die Anwälte der OER-Macher bezahlt werden. Das man damit nicht das Problem löst, sondern nur Symptome bekämpft, muss man gar nicht erst sagen und natürlich ist das eine willkommenes Geschäftsmodell für jeden Abmahn-Anwalt. Wenn man weiss, dass die Prozesskosten immer bezahlt werden, finden sich schon einige Anwälte, die nur darauf warten zu klagen. Und ich möchte gar nicht erst wissen, wer dann auch noch entscheidet, wer förderfähig ist und wer nicht. Es wäre viel besser einen Fonds für OER-Macher zu machen, aber mit dem fOERde-Award wurde hier schon ein kleiner Schritt, in die richtige Richtung gemacht.

Und wo sich alle einig waren

Alles was gefördert wird, muss OER sein! Dazu muss man gar nicht viel schreiben, da es logisch ist. Meine Steuergelder sollten auch der Öffentlichkeit dienen. Man kann jetzt sofort damit anfangen, tut keinem weh und was in der Vergangenheit produziert wurde, bleibt auch dort. Hat man das umgesetzt kann man sagen, dass irgendwann einmal, alle Lehrer und Professoren auch alles unter OER veröffentlichen sollten, aber wir wollen nicht gleich übertreiben. Es wäre auch schön, wenn wenigstens Konferenzen, die sich mit dem Thema beschäftigen, wie GMW, Campus Innovation, Learntec und Online-Educa darauf bestehen würden, alle Konferenz-Beiträge als CC BY zu veröffentlichen.  Das kann doch nicht so schwer sein.

Und was hab ich so gemacht?

Als OER-Macher und Mitveranstalter hat man natürlich volles Programm. Ich hab eine OER-Maker Session beim Barcamp gehalten, hab mich ganz viel mit Politikern unterhalten und war auf zwei Panels beim Fachforum.

Parallel hab ich dann noch ca. 10 Interviews für den kommenden #COER16 MOOC aufgenommen und natürlich ganz viel genetzwerkelt.

Und wie geht es weiter

Ich hoffe nach dem #OERde16 ist vor dem #OERde17 , also es soll jetzt erstmal alles verstetigt werden. oncampus und Jöran & Konsorten können gerne wieder ausrichten, dazu rollen Graz und Lübeck die OER-Szene aus dem Norden und Süden auf, denn wie gesagt, wir machen den #OER-MOOC #COER16 gemeinsam auf zwei MOOC-Plattformen.

Wir werden dies Jahr sicherlich noch ein paar OER-MOOCs veröffentlichen, u.a. Arbeit 4.0 und Netzwerksicherheit. Die Politik hat erste Weichen gestellt und wir reden sehr viel mit Politikern, die sehr oft besser sind, als ihr Ruf.

Und natürlich wird OER als Querschnittsthema bei allen zukünftigen Konferenzen ein Thema sein und alle Veröffentlichungen sollten, wie oben erwähnt,  auch OER sein.

Resume

Die Konferenz war meiner Meinung nach sehr wichtig. Es war genau der richtige Zeitpunkt und am richtigen Ort um die Szene zu vernetzen, sich auszutauschen und Projekte anzustossen. OER ist in allen Bildungsbereichen angekommen und verstetigt sich. Der Norden wird in den kommenden Jahren wahrscheinlich eine Hauptrolle spielen und alle anderen sind aufgefordert mitzumachen. Auch die MOOCs, trotz aller Kritik, sind einer der Hauptmotoren in der OER-Bewegung und stehen als Flagschiffe für die neuen Möglichkeiten der digitalen Bildung. Und zu guter letzt, es hat wirklich Spaß gemacht 🙂

 

 

Warum können wir OER machen?

Die #OERde16 steht vor der Tür und oncampus ist einer der Veranstalter. Ich freue mich darüber riesig, denn ich unterstütze OER (Open Educational Resources) schon lange. Angefangen hat das vor neun Jahren mit dem Soft-Skills-Online Kurs „Medienkompetenz“, den ich damals als Autor geschrieben habe. Daran kann man auch sehen, wie lange manche Ideen brauchen, bis sie in eine Institution übergehen.

OERde16

Ich habe seit dem noch an vielen #OER-Projekten mitgearbeitet, unterstützt oder selbst umgesetzt, z. B. L3T, Schulbuch-O-Mat, VFHCAB, Wikimedia Wissenswertpreis, YouTube-Playlists und jetzt natürlich unsere MOOCs wie der ichMOOC, MOOC25 oder Projektmanagement. Bei allen Projekten waren mir die Vorteile jedoch nicht immer klar. Natürlich ist es besser für die Welt, wenn alles frei verfügbar ist und dieses deutsche Urheberrecht ist auch zu kompliziert. Dazu kommt, dass man als Hochschule auch einen gesellschaftlichen Auftrag hat, sonst könnten wir auch Studiengebühren einführen. Vielleicht stehe ich mit dieser Meinung aber auch alleine da. Trotzdem ist der wahre Vorteil, von OER schlecht greifbar und vermittelbar.

Im Intranet (LMS) herrscht Anarchie

Warum kaum ein Mensch weiss, dass er  OER braucht ist ziemlich einfach. So lange die Materialien in einem geschlossenen System, wie z. B. LMS stehen, merkt kaum keiner, ob dort Urheberrechte verletzt werden oder Plagiate stehen. Das Intranet ist gefühlt ein rechtsfreier Raum, was sich aber demnächst ändern soll.

OER für sich alleine bringt kaum Mehrwert

Professoren sind Einzelkämpfer und Vorlesungen sind in der analogen Welt auch Einzelveranstaltungen. Jeder bereitet seine Vorlesung mit seinen Materialien vor. Es gibt kaum einen Grund oder auch Vorteil fremde Inhalte zu verwenden und es gibt sogar erhöhten Aufwand, wenn man seine Materialien frei ins Netz stellt, da man plötzlich auf die Rechtslage achten muss. Und wenn man fremde Inhalte benötigt, kann man doch auch eine Literaturliste anfertigen und die Studis in die Bibliothek schicken.

OER hat sein Vorteile erst in der fremden Wiederverwendung

Warum braucht man also OER? Das „Aha“-Erlebnis hatte ich bei unserem ersten Refugee-Kurs, wo wir OER-Materialien im Netz gesucht haben. Es war jedoch einfach nichts zu finden, denn entweder waren das nur Blended-Learning Inhalte, wie z. B. Powerpoint-Slides oder kurze PDFs oder sie waren nicht portierbar oder es war halt nicht OER. Wir haben dann einen eigenen Kurs ins englische übersetzt, was jedoch nur einen Teilproblem darstellt. Ganz allgemein sind Übersetzungen ein ideales Beispiel, warum man OER braucht, denn man könnte ganz schnell (fremde) Inhalte übersetzen und anpassen. Das ist gerade jetzt aktuell, wo man doch arabische oder englische Inhalte sehr schnell für Flüchtlinge benötigt. Diese könnten dann z. B. auch von der Crowd übersetzt werden, wenn man denn die Rechte hätte.

Der andere Punkt ist jedoch wesentlicher, denn der Grund warum wir überhaupt komplette Kurs-Inhalte hatten und keine granularen Learning Objects ist, wir arbeiten im Netzwerk. Es war in der Virtuellen Fachhochschule schon immer so, dass Inhalte geshared wurden und viele Hochschulen, die gleichen Inhalte verwenden. Man entwickelt einmal (meist kostenintensiv) und verwendet die Inhalte n-mal. Das ist der Unterschied zwischen analog und digital, denn im Netz machen Inhalte für einen alleine immer weniger Sinn. Das Internet fördert die Zentrierung auf der Produktionsseite und kann daher die Individualisierung auf der Anwenderseite (irgendwann?) ermöglichen. Die Grundstruktur der Arbeit/Lehre ändert sich daher radikal. Manche nennen das Arbeit 4.0 oder bei uns Hochschule 4.0.

OER ist der Schritt nach der Digitalisierung

Viele Experten haben geschrieben, dass E-Learning gescheitert wäre. Das könnte ich sogar unterschreiben. Ich habe immer gesagt, dass das „M“ im LMS, der wichtigste Buchstabe ist. Es geht nicht vorrangig um das Learning, sondern um die Gesamtheit. Die Digitalisierung verändert die Organisation, das Management und letztendlich (und nicht zuerst) die Lehre. Die sogenannten E-Learning Projekte sollten also personenunabhängig autonom aufgestellt sein. Das funktioniert sehr viel besser, wenn sie offen sind. Nur dann könnten andere die Inhalte übernehmen und anpassen oder übersetzen. Damit das aber funktioniert, muss das Selbstverständnis der Lehre diskutiert werden. Professoren dürfen sich nicht mehr als Einzelkämpfer sehen und Intranets sind keine rechtsfreien Räume.

 

 

 

Campus Innovation oder besser Stagnation

Die Hamburger Campus Innovation ist quasi meine Lieblings-Konferenz. Nicht nur das sie in der besten Stadt Deutschlands stattfindet, nein es ist auch noch direkt vor der Haustür. Außerdem hat sie meiner Meinung nach das beste Konzept, da sie mit drei Tracks nicht nur E-Learning als Schwerpunkt setzt, sondern auch dem Campus-Management, der IT und dem eigenen Hamburger Projekten genug Freiraum lässt. Die Organisation ist quasi immer perfekt und dies Jahr gab es auch endlich mit #CIHH15 einen vernünftigen Hashtag, der im Programm gut und rechtzeitig platziert war. Das hat aber nichts an der Anzahl der Tweets geändert, die wie bei jeder E-Learning Konferenz, nur bei ca. 5% der Teilnehmer lag. Es ist ja bekannt, dass gerade in Deutschland, die sozialen Netze gerade nicht von den Intellektuellen genutzt wird. Warum sollte denn dann eine E-Learning Konferenz eine Ausnahme sein? Wo wir auch schon beim Grundproblem angekommen sind, die E-Learning Spezialisten in Deutschland verstehen immer noch nicht das Internet.

Keine Innovation, sondern Stagnation

Mir ist es schon bei den letzten Konferenzen aufgefallen, und die Teilnehmerzahlen geben mir da auch recht. E-Learning ist nicht (mehr?) innovativ und Beiträge sind meist fad und geben entweder Altbekanntes oder Selbstverständlichkeiten wieder. In Hamburg begann es schon mit der Keynote von Johannes Heinlein von edX, dessen Vortrag vor zwei Jahren spannend gewesen wäre, aber heute eher altbacken wirkte, bis auf die Erwähnung der Änderung der Architektur, weg vom Hörsaal, hin zum Learning Space.

Der negative Höhepunkt war vielleicht das tausendfach zitierte Bild der Papstwahl:

Papstwahl 2005 zu 2013

Sehr spannend fand ich die Entscheidung, dem Journalisten Christian Füller zur zweiten Keynote einzuladen, dessen Schwerpunkt bekanntlich Schulen sind. Sein Vortrag war nicht nur gut vorgetragen, sondern teilweise auch provokant, leider war dennoch kaum Neues zu entdecken.

Ich kann leider nur vom E-Learning Track berichten, jedoch hatten viele Vorträge eher das Scheitern, das Versagen und den negativen Ausblick als Thema. Beispielhaft fand ich hier den sehr guten Vortrag von Malte Persicke, der eigentlich nur beschrieben hat, warum er es nicht schafft, vernünftige MOOCs zu entwickeln, sondern es bei begleitenden Vorlesungsaufzeichnungen belassen muss.

Das ist genau die Situation, die in Deutschland zu oft passiert. Es gibt Dutzende wahrscheinlich sogar Hunderte einzelner Projekte, die aber immer personengebunden sind und es nicht schaffen, die Brücke in die Institution zu schlagen. Das liegt natürlich daran, dass jedes Projekt mit einem eigenen Projektstab vertraut ist und diese Mitarbeiter mit dem Projekt kommen und gehen. Das bedeutet immer Einarbeitung und dann fehlt die Verstetigung. Als Beispiel kann man immer die MOOCs nehmen, wo jedes mal ein Produktionsteam für die Videoproduktion entweder aufgebaut wird oder teuer eingekauft wird. Dann werden 20 Videos produziert, und danach verschwindet das ganze Wissen wieder. MOOCs werden aber erst bei der dritten oder vierten Produktion gut, aber das klappt nicht, wenn man nur einen MOOC beantragt hat und keine Wiederholungen gefördert kriegt obwohl die die Wiederholung natürlich kostengünstiger wäre (wenn man von xMOOCs spricht und nicht von cMOOCs).

Im krassen Gegensatz steht hier aber die Funktionsweise des Internets. Digitalisierung bedeutet Zentrierung! Das Internet braucht nur ein Kaufhaus, eine Suchmaschine und eine Landkarte. Vielleicht sind es auch zwei oder drei Angebote, aber niemals 428. Was den Hochschulen fehlt ist eine digitale übergreifende Strategie, wo wir schon beim nächsten Thema wären. Seit gut 18 Monaten wird plötzlich die digitale Strategie als neuer Hype durch die E-Learning Landschaft getragen. Was mit dem Stifterverband angefangen hat, wurde in Hamburg versucht weiterzudenken. Prof. Kerres hat hier einen schönen Vortrag gehalten, dessen Ergebnis für mich jedoch eher deprimierend aussah. Außer Absichtserklärungen und ersten Workshops ist quasi nichts passiert und wenn man viel Glück hat, werden Landesinitiativen gegründet, wie z.B. die Hamburg Open Online University. Man könnte das positiv sehen, da es jetzt endlich anfängt und E-Learning auch als Digitalisierung begriffen wird. Dies ist jedoch quasi Stand des Netzes von 2005. Das bedeutet, dass die Hochschulen immer noch nicht begriffen haben, was das Netz und die Digitalisierung ausmachen. Es wird immer noch klein klein gemacht, es wird sehr viel geredet und der Föderalismus steht konträr zur Digitalisierung. Internet bedeutet Geschwindigkeit und Vernetzung, aber wir fangen jetzt erst an, darüber nachzudenken was eine Strategie wäre, dabei können MOOCs ohne Strategie nicht nachhaltig funktionieren und OER hat auch nur einen Sinn, wenn man sie vernetzt benutzt. An den Weichen wird zaghaft gearbeitet, aber das Fundament bleibt unangetastet.

Und wie steht es um die Openness?

Wie auch immer Openness definiert wird, als Öffnung der Hochschule für den zweiten Bildungsweg z.B. über MOOCs oder als Anbieter freier Materialien z.B. OER, beides wurde wie immer nicht gelebt. MOOCs sind quasi nicht existent im deutschen Hochschulbereich, bis auf TU München, das HPI, FH Lübeck und mit Abstrichen TU9 und Leuphana und über OER wurde etwas geredet, aber wie immer nicht gelebt. Weder die Slides der Vortragenden, noch der Tagungsband und auch nicht die Videos (handwerklich wie immer sehr gut gemacht) sind als OER zugänglich. Hier wird erwartungsgemäß(?) kein Zeichen gesetzt, sondern es geht genauso langsam weiter, wie eh und je. Warum sollte man auch die Erkenntnisse der Forschung, dass OER u.a. qualitativ besser sind, selbst leben und vom Resharing oder Remixing will ich erst gar nicht reden. Da fragt man sich dann doch, wie das mit dem Konzept der Hamburg Open Online University vereinbar ist. Es ist halt wie immer, es wird sehr viel geredet aber weder gemacht und erst recht nicht gelebt.

Stagnation

Es tut mir leid und ich will diesen Beitrag nicht als Kritik der Campus Innovation sehen, denn für die Inhalte ist die Organisation nicht verantwortlich. Es geht mir um die Stagnation des  gesamten E-Learnings in Deutschland. Nach 15 Jahren muss doch langsam in der einen oder anderen Hochschule E-Learning mit Digitalisierung im Präsidium angekommen sein und es müsste doch ein oder zwei Leuchtturmprojekte in Deutschland sehen zu sein. Stattdessen wird eigentlich nur gezeigt, was nicht geht und es wird ganz viel gejammert. Die Erkenntnis jedoch, dass E-Learning nicht personengebunden ist, sondern institutionell betrachtet werden muss, darauf scheint nach dieser langen Zeit immer noch niemand zu kommen.

Nach 25 Jahren Windows bin jetzt MacBook User

Seit 6 Tagen bin ich jetzt stolzer(?) Nutzer eines MacBook pro 13 Zoll und werde natürlich als Verräter beschimpft. Mein Beweggründe und meine ersten Eindrücke, will ich gerne beschreiben.

tl;dr

Da ich schon ein uralter Mensch bin, muss ich leider gestehen, dass ich eigentlich immer ein Windows-Nutzer war. Angefangen hat das bei mir mit eine 80386 Rechner mit 20 MHz mit 2 MB Ram und 40 MB Festplatte und MS DOS 3.3 und irgendwann kam dann ein 386 mit 40 MHz und 4 MB und damit wohl Windows 3.0 und die große Leidenszeit. Man kann sicherlich behaupten, dass Microsoft bestimmt 10 Jahre brauchte, bis Windows einigermaßen gut lief. Ab Windows 98 wurde es nutzbar und ab XP wirklich gut. Als Informatiker hab ich natürlich immer über Microsoft gelästert, aber bis auf einen kurzen Linux Ausflug in den 90er Jahren (ich glaube das war noch vor dem Kernel 1.0 mit Suse Linux), war ich immer Windows Nutzer. In den letzten 10 Jahren sogar Überzeugter, denn es hat funktioniert.

 

Laptops sind emotional

Vor gut sieben Jahren habe ich mir dann das Thinkpad X300 mit SSD Platte geleistet. Ein wirklich fabelhaftes Gerät mit Windows XP, was mich lange Jahre begleitet und viel durchgemacht hat. Die Haupterkenntnis aus dem X300 Kauf war, Laptops sind eine hoch emotionale Sache. Es gibt neben dem Smartphone (die gab es damals noch nicht), kaum ein Gerät, was einem näher, also persönlicher ist. Umso „geiler“ das Gerät ist, umso lieber arbeitet man damit. Ich habe mit Thinkpad angefangen zu bloggen und meine Social Media Karriere gestartet. Warum? Vielleicht weil es einfach Spaß gemacht hat, mit diesem Gerät zu schreiben. Es war leise und superschnell und die Tastatur war beleuchtet und haptisch. Außerdem war ich natürlich stolz, so ein teures Gerät überhaupt nutzen zu dürfen und der Akku hielt auch ewig.

BYOD als zukünftig Lösung

Ich bin heute davon überzeugt, dass jeder Mitarbeiter sich sein eigenes Arbeitsgerät aussuchen sollte, was im Handwerk (Tischler, Maler, Zimmermänner) schon seit Jahrhunderten Tradition ist. Natürlich machen Rahmenverträge mit großen Anbietern Sinn, aber dann kommt ganz wenig Emotionalität auf. Die persönliche Bindung ist jedoch sehr wichtig, was ich später auch mit meinem iPad erlebt habe und auch mit meinen Smartphones bestätigen konnte. Daher glaube ich auch, dass iPad-Klassen nur eine Übergangslösung seien werden, bis nahezu jeder sein eigenes persönliches Tablet hat.  Mobile Geräte müssen hochwertig sein und da sollte auch nicht gespart werden, immerhin haben E-Learner eine der billigsten Arbeitsplätze. Außer einem PC und einem Tablet plus Büro brauchen wir fast nichts.

Und dann kam Windows 8

Am Büro PC hab ich dann Windows Vista und 7 erlebt und es war gut, also eher befriedigend. Man hatte das Gefühl, dass Betriebssysteme irgendwie stagnieren und es gab auch keinen Grund zu wechseln. Apple war doof (das war doch für die reichen Spinner, die von Konfiguration keine Ahnung hatten) und Linux war mir zu anstrengend. Als dann der X300 mit seinem Windows XP kaputt ging, wollte ich einen neuen Laptop. Inzwischen gab es die Ultrabooks und ich konnte das Altgerät von meinem Chef verwenden. Das hatte zwar einen kleine Bruchschaden, lief aber sonst immer noch ganz gut. Es war ein Asus UX31A und sieht wirklich schick aus. Auch hier muss ich sagen, dass die Haptik wirklich wichtig ist. Tolle Tastatur, guter Sound, sauberes Display und eine hochwertige Verarbeitung haben mir sofort gezeigt, dass meine Entscheidung pro Ultrabook richtig war. Das Gerät war zwar gebraucht, aber immer noch topaktuell. Ich habe jetzt ca 2 Jahre damit gerabeitet und war sehr zufrieden, wenn da nicht Windows 8 gewesen wäre. Um es auf den Punkt zu bringen, ich hasse Windows 8 und Windows 8.1 hat es nicht viel besser gemacht. Das Konzept der Kacheln auf allen Geräten, fand ich sehr gut, aber Microsoft hat es nicht hinbekommen und jetzt ist das sowieso vorbei, wo die Nokia-Sparte eingedampft wird.

Die Cloud hat dann alles geändert

Microsoft hat das Netz einfach nicht verstanden. Das merkt man an jeder Ecke, und wenn man Chrome und den Internet Explorer vergleicht, trennen die Konzepte Welten. Google denkt online und in Vernetzung und Microsoft immer noch als Standalone und in Druckformaten.

Seit ca. 3 Jahren arbeite ich fast nur noch online und das bedeutet im Browser. Angefangen hat das mit unserem Cloud-Autorentool LOOP, es ging dann weiter mit dem Verständnis der Cloud und dem Teamworking mit GDrive. Inzwischen arbeite fast nur noch mit Chrome und daher wird für mich das Betriebssystem immer unwichtiger. Umso wichtiger die Cloud wird, umso unwichtiger werden die lokalen Programme und der Browser rückt in den Mittelpunkt. Konsequent weitergedacht wird es mit den MOOCs . Das sind voll digitale Angebote, die im Web, total vernetzt stattfinden. MOOCs werden nicht runtergeladen und auch nicht ausgedruckt. Ich hoffe man erkennt hier auch die parallelen Entwicklungen von der Bedeutung der Betriebssysteme, der Programme, der Nutzung und auch dem Arbeitsstil. Heute nennt man das modern Arbeiten 4.0 und die läuft online im Browser ab und wird teilweise durch Apps und Plugins ergänzt. Man benötigt vernetzte Plattformen und keine Single-User-Maschinen.

Und jetzt also das MacBook

Als der Asus kaputt gegangen ist, wollte ich natürlich ein neues Ultrabook. Ich hatte mir vier Geräte in die engere Auswahl geholt und zwar den Dell XPS 13, den Apple Air, Lenovo X1 und das Yoga. Ich habe mich dann für das X1 entschieden, da es ein mattes touchfähiges Display hatte und eine sehr gute Tastatur. Leider (oder zum Glück) wurde mir ein falsches Gerät geliefert und ich hatte kein Touchdisplay. Dafür konnte ich aber das X1 ein paar Tage testen und mir gefiel die programmierbare FN-Leiste nicht. Die ganzen Shortcuts lagen auf einem Touchfeld, was immer nicht so richtig funktionierte. Außerdem hat mich Windows 8.1 genervt aber der entscheidende Gedanke war dann, ich brauch eigentlich gar kein Touchdisplay, weil Windows das sowieso nicht richtig unterstützt. Das gesamte Windows-Konzept ist immer noch wie 2005. Es fiel mir wie Schuppen von den Augen, denn Microsoft unterstützt zwar Touch, aber nicht konsequent und native und dann auch noch herstellerabhängig. Bei Apple hingegen wird das Display nicht unterstützt, dafür ist jedoch das Touchpad multifunktional und wird native vom OS unterstützt. Zum Glück habe ich etliche Bekehrer, die mir die Vorteile sachlich erklären konnten und nicht auf die dumme „Apple ist immer besser“-Art. Wir sind dann in den Apple Store gefahren und mir wurde nach dem X1 noch einmal das Air gezeigt. Da ich jedoch ein Poweruser mit über 20 offenen Tabs und 4 virtuellen Desktops bin, wurde mir der Mac Book pro mit 8 GB Ram nahegelegt und dank Hochschulrabatt, ist der auch bezahlbar.

Und jetzt nach einer Woche

Ich muss leider sagen, dass die ersten Tage sensationell gut waren. Die Tastatur, das Display und das Touchpad sind der Hammer. Ich hatte noch nie bessere gehabt, muss aber so auch sein, da es der letzte Stand der Entwicklung ist. Man muss sich jedoch etwas umgewöhnen, was man aber nicht Apple anlasten kann. Die Akkudauer ist auch absolut gut und viel besser als beim X1 (jetzt rein subjektiv gefühlt, nicht gemessen). Inzwischen fallen mir jedoch einige Kleinigkeiten auf, die mich stören. Mir fehlt vor allem die „Entf“-Taste und auch „Pos1“ und „Ende“ vermisse ich sehr. Mit fn, ctrl, alt und cmd habe ich gefühlt eine Taste zuviel, die für Shortcuts schwer zu merken ist. Der Datei-Browser überfordert mich noch (wieso geht kein ausschneiden oder verschieben?) den App-Store verstehe ich auch nicht ganz. Das sind aber alles Kleinigkeiten und in vier Wochen habe ich das gelernt. Bleiben wird ein sehr hochwertiges Laptop, mit dem ich jetzt schon besser arbeite, als mit Windows 8 und das sollte das Ziel sein.

Organigramm oder Arbeit 4.0

Ein kleiner Gedanke kreist schon seit Wochen durch meinen Kopf. Was sagt ein Organigramm über die Firmenkultur aus?

Ein normales Organigramm gibt die Organisationsstruktur einer Institution wieder.

„Organigramm 2“ von Sprenger aus der deutschsprachigen Wikipedia. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Organigramm_2.png#/media/File:Organigramm_2.png

„Organigramm 2“ von Sprenger aus der deutschsprachigen Wikipedia. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Organigramm_2.png#/media/File:Organigramm_2.png

In den letzten drei Jahren habe ich jedoch meist gar nicht in dieser Organisationsstruktur gearbeitet. Gerade bei den letzten Projekten, z.B. mooin und die MOOC-Entwicklungen arbeiten wir völlig anders. Das Team setzt sich aus Developern, Erziehungswissenschaftlern, Mediendidaktikern, Mediendeveloper, Marketing und dem Projektmanagement zusammen. Alles ist sehr agil und zielorientiert und vor allem sehr schnell. Mich erinnert das sehr an Slack, obwohl wir Slack gar nicht nutzen, sondern meist Gdrive.

Im Moment schreiben wir auch gerade eine neue Stelle für unsere MOOC-Entwicklung aus und die erste Frage, die ich bekomme ist, ob wir einen Techniker oder einen Pädagogen suchen, dabei suchen wir jemanden mit den richtigen Kompetenzen. Es wird also wieder versucht, ein starres System zu etablieren. Hier schau her, das ist deine Schublade und du bist an dieser Stelle in unserem System. Dabei brauchen wir doch flexible Leute, die je nach Bedarf arbeiten und sich ständig weiterentwickeln. Ich denke, wir nennen das modern „Arbeit 4.0“ aber unser Organigramm, zeigt ein anderes Bild.

Ich habe jetzt einfach mal gedacht, man könnte doch ein neues Organigramm entwickeln, nämlich dynamisch und projektbezogen. Jeder Mitarbeiter könnte am Ende jeden Monats z.B. die fünf wichtigsten Personen aus seinem Umfeld nennen oder man zählt ganz einfach die E-Mails, die letzten Monat intern geschrieben wurden und bildet daraus ein Beziehungsmodell. Das könnten größere Bubbles sein, oder Linien mit unterschiedlicher Stärke (kennt einer Software, ich meine aber nicht Wordlet oder Tagclouds aber ähnliche Lösungen). Dadurch würden neue dynamische Strukturen entstehen, die sich aber jeden Monat ändern.

Allerdings gibt es hier noch Probleme, denn es gibt noch eine zweite Ebene der Organisation, die z.B. den Urlaub regelt, Büros, Genehmigungen, Fach-Vorgesetzter und was es sonst so alles gibt. Trotzdem bin ich überzeugt, dass die alten Organigramme eher hinderlich als förderlich sind. Sie geben den Kollegen ein falsches Bild der Arbeit und man kann sich sehr bequem darauf berufen.

Ich vermute wir werden demnächst andere Organigramme ausprobieren. Zuerst parallel und dann analysieren wir, was dabei herauskommt und ob es hilfreich ist. Wir predigen selbst oft genug Arbeit 4.0, also müssen wir auch hier mit gutem Beispiel voran gehen.

MOOC Of The Year 2016

Die Fachhochschule Lübeck und oncampus suchen den „MOOC Of The Year 2016“ #MOTY16 . Jeder mit einer Idee für einen MOOC kann sich bewerben, und erhält eine Förderung im Wert von 25.000 Euro. Der Call läuft bis 16.August und danach gibt es beim Educamp in Berlin am 6.September ein Finale, wo sich alle Finalisten vorstellen sollen.

MOOC Of The Year 2016 #MOTY16

MOOC Of The Year 2016 #MOTY16

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Die Idee zum #MOTY16 kam uns schon vor längerer Zeit, denn wir suchten eine besondere Idee für das neue MOOCcamp. Am SA/SO findet es gemeinsam mit dem Educamp und dem OERcamp in Berlin statt. So viele „Weltverbesserer Camps“ gab es wohl noch nie in an einem Ort in Deutschland und vielleicht übertreiben wir es auch, oder die Idee ist genial. Fakt ist, dass es in der Organisation vieles einfacher macht und da parallel auch noch die „The Digital Turn„-Woche vom Hochschulforum Digitalisierung ist, hat man noch mehr Synergie Effekte. Am Dienstag, den 8.September findet nämlich der Rückblick vom Fellowship Programm „MOOCs and beyond“  statt, wo man einmal darüber reflektieren wird, was aus den geförderten MOOCs geworden ist.

Educamp Berlin 2015  #ECBER15

Educamp Berlin 2015 #ECBER15

Das MOOCcamp

Das MOOCcamp findet jetzt zum zweiten mal statt. Das erste war vor zwei Jahren in Frankfurt und wurde von Studium Digitale und der MOOC Beratung durchgeführt. Diesmal findet es unter dem Dach des MOOChub statt, also von den beiden MOOC-Portalen iMooX und mooin und dahinter stecken TU Graz, Uni Graz, FH Lübeck und oncampus (ganz schön viele Namen) und wir möchten uns auch ganz herzlich bedanken, dass wir den Namen weiterführen dürfen.

Die Durchführung ist sehr simpel, denn alles läuft dankenswerterweise unter dem Dach des Educamps und wir labeln einfach die Barcamp-Sessions zum Thema „MOOC“ als MOOCcamp. Also alle MOOC-Macher und Interessierte sind ganz herzlich beim Educamp willkommen und so werden auch diese Welten zusammengeführt. MOOCs sind auch Bildung und von daher ergänzen wir uns. Man sieht und merkt hoffentlich, dass sich die deutschsprachigen Communities immer mehr vernetzen und das geschieht nicht, weil wir weniger werden, sondern weil die verschiedenen Disziplinen nicht mehr einzeln betrachtet werden können, sondern alles zusammenwächst.

MOOC Of The Year 2016

Wenn das Educamp endet und damit auch das OERcamp, geht das MOOCcamp weiter. Dann beginnt das Finale vom „MOOC Of The Year 2016“ und alle Finalisten sollen in 10 Minuten-Sessions, ihr MOOC-Konzept vorstellen. Das Finale soll natürlich öffentlich sein und wir sind ganz gespannt, ob es neue MOOC-Ideen in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt, oder ob der Hype vorbei ist, und Bildung für alle niemanden interessiert.

mooc_of_the_year_logo

Im Gegensatz zum Fellowship gibt es beim #MOTY16 zwei wesentliche Unterschiede. Zum einen geschieht die MOOC Produktion nicht beim Sieger, sondern wir unterstützen die Produktion mit dem Know-How aus Lübeck. Das hat ganz viele Vorteile, denn wir haben kurze Wege (bei einer MOOC-Produktion sind im Schnitt 7 Leute in Lübeck involviert), und wir haben viel Erfahrung mit verschiedensten MOOC-Produktionen und natürlich kennen wir alle Tools und unsere Plattform mooin am besten. Aber wir wollen auch niemanden ausbremsen, und sind für neue Ideen immer offen.

Zum anderen soll der neue MOOC Of The Year 2016 komplett unter CC BY als OER MOOC veröffentlicht werden. Wir wollen damit die Nachhaltigkeit fördern und zum Remix auffordern. Wir reden nicht über OER, wir machen sie.

Und danach?

Wenn der Sieger feststeht, geht es erst richtig los. Der #MOTY16 soll im Winter produziert werden, damit er im Frühjahr online gehen kann. Wir sind selber sehr gespannt, was passieren wird. Immerhin kann sich jeder bewerben, also Hochschulen, aber auch Institutionen oder Vereine aber auch Einzelpersonen oder Verbände. Wir haben schon mit dem VideoMOOC und vor allem mit dem ichMOOC gezeigt, dass wir nicht nur Hochschul-Themen behandeln, aber mit Marketing als auch Projektmanagement, haben wir auch typische Hochschul-Themen und demnächst kommt wohl Cyber-Security (hab ich jetzt zuviel verraten?).

Wir suchen auch neue MOOC-Macher

Wir haben also sehr viel zu tun und sprühen vor neuen Ideen. Daher vergrößern wir gerade unser Team und wer Lust hat den MOTY16 zu entwickeln und zu betreuen oder einfach nur in Lübeck, der schönsten Stadt Norddeutschlands, im digitalsten E-Learning Team Deutschlands (na ja etwas übertrieben 🙂 ) mitzuarbeiten, dann einfach bei mir melden. Ich schreibe gerade die Stellenbeschreibung und wir suchen motivierte Digitalisten, die Lust auf „Bildung für alle und noch viel mehr“ haben.

 

 

Das VFH Symposium 2015

Die Virtuelle Fachhochschule ist der einzige deutsche länderübergreifende Hochschulverbund Deutschlands mit gemeinsamen Studiengängen und er ist voll digital. Vor 14 Jahren war das schon besonders, heute anscheinend immer noch und er ist so erfolgreich, wie nie zuvor.

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Seit ca. sechs Jahren treffen sich die Mitglieder der VFH zum jährlichen Symposium in Lübeck. Anfangs waren es noch ca. 50 Leute, dies Jahr waren es ganze 90. Das zeigt die VFH wächst und mit den Hochschulen aus Halbstadt-Sigmaringen und der HAWK Holzminden waren zwei neue Hochschulen dabei und neue Studiengänge, wie Tourismanagement oder Maschinenbau warten auf die Einführung.

vfh_logo2

Auch wenn wir in letzter Zeit sehr viel von MOOCs und mooin schreiben, von unseren Social Media Aktivitäten oder der Moodlemoot oder auch vom Preis des Stifterverbandes berichten, angefangen hat das alles mit der Virtuellen Fachhochschule. Sie ist das Fundament von allen Aktivitäten und dem digitalen Verständnis von oncampus. Wir haben im Moment ca 3.500 Studenten und jedes Jahr, werden es ungefähr 200 mehr. Keiner hat bei uns je ein Papierdokument bekommen, unsere LOOP-Plattform hat täglich 50.000 Seitenaufrufe und 11 GB Traffic. In allen Moodle-Systemen zusammen, haben wir ungefähr 40.000 Teilnehmer und unser Webkonferenz-System hat ein jährliches Wachstum von ca 25%, alles in allem sehr beeindruckende Zahlen.

Dies Jahr konnten wir Claudia Bremer als Keynote Sprecherin gewinnen, die über die Aktivierung von Fernstudenten gesprochen hat. Ich durfte natürlich unsere mooin Plattform vorstellen.

Danach ging es ganz modern in einem Barcamp weiter, wo dann u.a. auch viel über Open Badges diskutiert wurde. Meine Kollegin Anja Lorenz hat mit Ilona Buchem von der Beuth Hochschule @mediendidaktik ein tollen Vortrag dazu ausgearbeitet. Das ganze Symposium wird inzwischen auch auf Twitter gut begleitet, daher haben wir eine schöne Storify erstellt, wo viele Eindrücke gesammelt sind.

Der zweite Tag besteht dann meist aus ganz viel Gremienarbeit. Fachausschüsse tagen, Kassenabrechnungen werden geprüft, neue Studiengänge werden diskutiert und Fachverbünde arbeiten. Insgesamt sind das immer sehr produktive Tage, die zwingend notwendig sind und sich über die Jahre bewährt haben. Auch wenn wir virtuell sind, so wissen doch alle, dass auch Präsenztreffen notwendig sind.

Bemerkenswert ist dabei auch, dass die VFH jetzt langsam in die zweite Generation wechselt. Die ersten Gründungsmitglieder sind inzwischen in Rente gegangen und die zweite Generation lebt die VFH anscheinend noch besser. Es ist sehr schön zu sehen, dass die VFH sich jetzt noch mehr öffnet, das die Technik in die Cloud wandert, das neue didaktische Konzepte ausprobiert werden und wir das „böse“ Internet wirklich nutzen und leben. Wir sehen es als Chance und ich habe immer mehr das Gefühle, dass wir anderen Hochschulen um Jahre voraus sind, und es sicherlich kein Zufall ist, dass gerade wir ein MOOC-Portal haben und für unsere digitale Strategie ausgezeichnet wurden.

 

Abbrecherquote – Sinn oder Unsinn?

Bei den MOOCs gibt es immer zwei Zahlen, nach denen ich immer als erstes gefragt werde. Wie viele Teilnehmer habt ihr und machen MOOCs bei 97% Abbrecherquote überhaupt Sinn? Inzwischen denke ich jedoch, dass die Diskussion über Abbrecherquoten im wesentlichen falsch sind. Ein paar Gedanken dazu.

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Zum einen, und das ist wohl die wichtigste Information, sind diese 97% alt und basieren auf der Duke Studie . Viele andere MOOCs haben jedoch diese Zahlen bestätigt, auch unser erster MarketingMOOC.

Duke Studie 2012/2013

Duke University Report  2012/2013

Inzwischen sind wir jedoch viel weiter. Die Plattformen haben enorme Fortschritte gemacht, die didaktischen Modelle auch und natürlich wurde auch viel geforscht und sich ausgetauscht. Wir haben inzwischen Abbrecherquoten von 80-85 Prozent, das HPI angeblich 70% und Marburg hat wohl 60% (Quellen habe ich jetzt leider nicht). Parallel wird natürlich auch an den Statistiken gedreht. Da bei allen MOOCs ca. 30% der Teilnehmer sich anmelden, aber nie den Kurs betreten, will man diese gar nicht als Abbrecher mitzählen. Allerdings will man diese aber gerne aufführen, damit man alle beeindrucken kann, denn ein Kurs mit 10.000 Teilnehmern ist natürlich viel besser als 7.000 aktive Teilnehmer.

Das sind jedoch Feinheiten, denn inzwischen denke ich, dass diese 70-90 Prozent Abbrecher ein ganz normales gesellschaftliches Ergebnis sind. Ich habe das auch im Gespräch mit Martin Lindner ausgeführt.

Ich vermute bei den meisten Kursen, die erfolgreich sind, ist ein äußerer Druck vorhanden, der zum erfolgreichen Abschluss zwingt. Typische Beispiele dafür sind natürlich die Noten in der Schule bzw. die Versetzung, das Abitur, der Bachelor aber auch der Führerschein oder der Tanzkurs für den Abschlussball. Es gibt aber auch zig Beispiele, wo 95% Abbrecher gar nicht bemerkt werden. Wer meldet sich nicht alles in Fitnessstudios an, um dann nach 3-6 Monaten zu erkennen, dass es zu anstrengend ist, wer hat nicht schon einmal einen Sprachkurs bei Aldi gekauft und die CDs nicht einmal in den CD Player geschoben? Oder wer hat schon ein Fachbuch von vorne bis hinten gelesen? Gibt es dazu Zahlen? Martin Lindner hat im Interview dazu angemerkt, dass Amazon dank Kindle und Überwachung anonyme statistische Erhebungen inzwischen weiss, dass bei vielen Büchern, nur die ersten Seiten gelesen werden. Natürlich werden Bücher und deren didaktische Modelle nicht in Frage gestellt, denn Bücher sind immer gut und haben sich seit Jahrhunderten bewährt. (Falls jemand diese Daten hat, bitte schreibt es mir.)

Hohe Abbrecherquoten sind normal, kleine sind die Ausnahmen

Falls meine Annahme stimmt, sind die Abbrecherquoten der MOOCs keine Nachricht, sondern Alltag. Der Mensch schaute sich schon immer gerne Sachen an, hat aber dann tausend gute Gründe, um den guten Vorsatz nicht auszuführen. Das fällt jedoch jetzt im Bildungsbereich extrem auf, da wir aus den bekannten Zwang-Modellen Schulen und Hochschulen natürlich andere Zahlen gewohnt waren. Ich persönlich kann diese Zahlen auch in meinen kostenpflichtigen Weiterbildungskursen bestätigen, wo selten mehr als 40% erfolgreich abschliessen. Ausnahmen sind auch hier wieder die Zwangskurse, wo die Firma die Weiterbildung bezahlt oder sie extrem teuer ist.

Darf man bei MOOCs überhaupt Abbrecher messen?

Zu guter letzt, will ich aber auch noch einmal den Sinn der Abbrecherquote in Frage stellen. In den cMOOC Diskussionen werden immer wieder die Teilzeitlernen bzw. Fragmente des Lernens als Ergebnis gewertet. Kaum einer will einen ganze Kurs machen, sondern er will nur ein Element nutzen. Ähnlich wie beim Fachbuch, wo man meist nur ein paar Kapitel benötigt. Trotzdem gehen wir davon aus, dass jeder den gesamten Kurs belegen will, der meist auch noch viel zu lang ist. MOOCs entsprechen hier eher Webseiten, die man nie komplett liest (wer würde behaupten eine Webseite wäre falsch, nur weil jeder Besucher nur drei Seiten anschaut?) oder Tageszeitungen, die auch kein Mensch komplett liest, sondern jeder Leser nimmt die Artikel, die ihn interessieren, z.B. Lokalteil, Sport oder Wirtschaft. Tageszeitungen sterben jedoch, MOOCs können und sollten hier flexibel reagieren, da sie digital sind. Die Frage ist dabei, welchen Teil interessiert dabei den Teilnehmer?

Was muss also passieren?

Als erstes sollte natürlich die Zahl der Abbrecher nicht mehr diskutiert werden, da dies unsinnig ist. Was jedoch wichtiger wäre, sind neue Formate. Zum einen sollte man über verschiedene Lernwege diskutieren. Ich kenne hier noch keine Plattform, die das ordentlich unterstützt, aber ich glaube auch, dass dies nicht die Lösung ist. Ich gehe davon aus, dass der Lerner sich selber seine Inhalte aussuchen wird, ähnlich wie bei YouTube, Amazon oder Wikipedia. Dabei werden noch Empfehlungssysteme (wer dies gelesen hat, hat auch das gelesen) implementiert, die quasi die Lernwege empfehlen.

Parallel sollten die MOOCs extrem verkürzt werden. Ich würde als erstes von 10-14 Tagen ausgehen, darunter wird es schwer sein, von MOOCs zu sprechen. Unter 10 Tagen, sind wir schon fast beim Learning Object, und dann hätten wir, ähnlich einer Playlist, eine Voll-Automatisation der Lehre.

Zu guter letzt müssen MOOCs permanent da sein. Das heisst es gibt keinen gemeinsamen Start und Ende, sondern jeder fängt an, wann er will und macht auch seine Prüfung, wann er will (on demand). Damit wären Kurse dann aber Voll-Elektronisch, auch die Prüfungen und das ist juristisch schwer. Marburg mit seinen Linguistik-Kursen wird dies demnächst ausprobieren und dies zeigt auch die neue Richtung. Ob MOOCs damit jedoch in der Hochschule funktionieren, darf bezweifelt bzw. diskutiert werden. Ich denke auch hier, wir sind immer noch am Anfang. Die MOOCs ändern sich rasant und zwar viel schneller und extremer als die Blended Learning Institutionen. Es bleibt also spannend bzw. es wird immer spannender.

 

 

Das war die eMOOCs 2015 – Ein Rückblick mit Ausblick

Die eMOOCs ist die größte europäische MOOC-Konferenz und findet jährlich an verschiedenen Orten in Europa statt. 2014 war es Lausagne und dies Jahr war es Mons in Belgien. Meine Kollegin Anja Lorenz und ich haben dort unsere MOOC-Plattform mooin präsentiert und noch einiges mehr.

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eMOOCs 2015 Konferenz

eMOOCs 2015 Konferenz

Eigentlich wollte ich die Konferenz hier verreißen, denn es gab genügend Gründe für berechtigte Kritik, aber heute hat die Sonne geschienen und ich bin milde gestimmt:-)  Ich denke oft, eine gute Konferenz auszurichten ist relativ einfach. Man braucht eine gute Homepage mit einer Anfahrtskizze und dem Programm, dann sind guter Kaffee und Kekse/Obst wichtig und dann technisch muss WLAN laufen und es sollten Steckdosen da sein. Was auch immer in Mons passiert ist, sollte daher vergessen werden und das WLAN hat wirklich gut funktioniert.

Da Anja Lorenz schon einen Rückblick geposted hat, will ich mich daher auf ein paar Eindrücke und Gedanken konzentrieren. Zum einen habe ich das Gefühl, dass die MOOCs noch sehr am Anfang stehen und viele Möglichkeiten noch gar nicht gesehen werden.

Die meisten MOOC Projekte werden von Universitäten für deren Studenten gemacht. Aber was sollen z.B. Hochschulen wie Lübeck machen, wo die gesamte Studentenzahl keine 5.000 sind. Für uns machen MOOCs mit der studentischen Zielgruppe kaum Sinn bzw. wenn wir diese anbieten, dann sind die MOOCs nicht mehr Massive. Da kommt die zweite große Ernüchterung bzw. Erkenntnis aus Mons zum tragen, denn viele MOOCs sind nicht vierstellig und fünfstellig erst recht nicht. Wer also denkt, man renne ihm die Bude ein, wenn er einen MOOC macht, täuscht sich sehr, denn viele MOOCs haben deutlich weniger als 1.000 Teilnehmer.

Zum Glück wurde auch kaum über Geschäftsmodelle berichtet, dafür gab es aber von Darco Jansen einen tollen Überblick über die Unterschiede zwischen EU und USA u.a. haben wir hier halt keine Studiengebühren und daher machen auch MOOCs für Geld bei uns wenig Sinn.

Allerdings haben wir in Lübeck hier dann ein neues Problem, denn wenn wir MOOCs nicht für Studenten anbieten, wie z.B. den VideoMOOC dann haben wir im Hochschuletat dafür natürlich kein Geld. Also wir brauchen ein Geschäftsmodell, aber dazu Ende des Jahres mehr 🙂

Wir haben dann mit unserem Vortrag wohl ein kleines Highlight bei der Konferenz gesetzt, denn wir hatten viele gute Fragen bekommen und wirklich viel Feedback auf Twitter und Co.

 

Das wahre Highlight war aber die Verkündung vom MOOChub, den ich letzte Woche schon gebloggt hatte. Wir haben bei der Slide sogar Applaus bekommen, dass erlebt man selten.

Zum Abschluss haben Martin Ebner und ich sogar noch ein kleines Statement als Video aufgenommen.

Denn nächstes Jahr ist die eMOOCs in Graz zu Gast und danach geht es in die Hauptstadt Spaniens.

Man merkt hier schon, dass MOOCs wohl keine Hype-Blase sein werden. Wenn über 50% aller Unis in der EU MOOC-Aktivitäten planen, wird sich etwas größeres ändern. In Deutschland passiert auch sehr viel, dass haben mir die viele Einzelgespräche gezeigt, denn wir waren natürlich nicht alleine da. Außerdem kriegen wir, als auch iMooX, andauernd neue Anfragen und Ideen für neue Projekte. Wir sind mit den MOOCs immer noch am Anfang einer sehr langen Entwicklung. Das MOOCs funktionieren würde ich inzwischen als bewiesen sehen, die Frage ist dabei immer nur, wie gut werden sie noch werden. Interessant, und das wird meiner Meinung nach immer noch viel zu selten laut gesagt, ist der Ansatz, dass MOOC das erste Voll-Digitale-Angebot einer Hochschule ist. Zum ersten mal wird voll digital gearbeitet ohne den Blended Learning Kompromiss und das erweitert die Möglichkeiten ins Unendliche. Die Zukunft ist schon da, nur nicht bei jedem.