Gamification, Badges und machen, Machen, MACHEN

Man muss machen, dann analysieren und reflektieren und dann wieder machen und so geht es weiter. Heute durfte ich bei ununi.TV ein paar Worte über Gamification und Badges erzählen. Ich denke die Session war wirklich interessant, wobei aber drei Redner und eine gute Moderatorin den Zeitrahmen von 30 Minuten immer sprengen 🙂

Im Nachgang habe ich dann noch einige Kommentare auf Twitter gelesen und mir hat das von meinem Mitredner Roman Rackwitz gefallen:

Bei der Diskussion kam wieder das ewige ABER ins Gespräch, denn man muss ja beim Lernen ALLE mitnehmen und wenn man bestimmte Personen lobt/hervorhebt (Highscore-Liste, Badges, Awards), so könnten andere auf der Strecke bleiben. Das kann natürlich in Teilbereichen stimmen, aber das kann nicht der Grund sein, keine Badges oder andere Belohnungs-Systeme einzuführen. Ich bin überzeugt, dass Badges für die meisten Personen ein Anreiz sind. Badges funktionieren seit Jahrhunderten, ob es der Orden beim Militär, Mitarbeiter des Monats in Franchise-Unternehmen, die Medaille im Sport, Platinplatte in der Musik oder der Oscar im Film ist. Alles könnte man auf Badges bzw. öffentliche Anerkennung reduzieren und der Mensch fühlt sich geschmeichelt. Natürlich funktioniert ein Badge nicht von sich heraus, aber meistens kann man sagen: es funktioniert mit Badges besser als ohne.

Das was ich jedoch eigentlich sagen will ist, dass bei jedem Versuch bzw. Experiment ein anderes Ergebnis herauskommt, als das, was man erwartet hat. Im Interview habe ich kurz unseren „Teacher of the Year“ Award erwähnt, den wir seit vier Jahren verleihen.

Das Beispiel wurde leider sehr schnell als Marketing-Instrument heruntergestuft. Das ist aber nur ein sehr kleiner Aspekt bei der Idee, denn Awards/Badges können auch als Filter gesehen werden. Das habe ich jedoch erst sehr viel später erkannt. Ich weiss nicht einmal mehr, was der erste Gedanke des Awards war. Fakt ist, dass wir durch den Award wissen, wer E-Learning bei uns wirklich gut macht. Wir können dank der „Teacher of the Year“-Wahl Dozenten gezielt ansprechen, um neue Systeme, neue Tools, neue Konzepte auszuprobieren und zu evaluieren. Wir haben dadurch einen Filter geschaffen, der es uns ermöglicht „mit Überzeugten zu arbeiten“. Gerade im E-Learning Bereich hat man oft die größten Probleme, die Beteiligten von den Vorteilen der Digitalisierung zu überzeugen. Das sollte aber gar nicht Gegenstand des Projekts sein, sondern man will meist viel mehr machen, z.B. MOOCs, E-Portfolios oder OER.

Das ist nur ein Beispiel, wie aus einer Idee, hier der Award, etwas ganz neues entsteht, was man nicht erwartet hat. Das passiert durch ausprobieren, also durchs MACHEN. Man kann zwar viel theoretisch erarbeiten, aber nichts ist wertvoller als die Praxis. Ich vermute sogar, dass es ohne diesen Award bei uns immer noch kein LOOP, kein Intro-Videos der Dozenten und sicherlich auch keine Badges beim HanseMOOC gäbe. Ergebnisse und Zusammenhänge ergeben sich immer wieder neu und die Erfahrung bringt das gesamte Team weiter und jedesmal steigt auch die Kompetenz und damit auch die Akzeptanz im Team. In der VFH brauchen wir uns inzwischen keine Gedanken mehr darüber machen, ob man Badges einführt, sondern seit einem Jahr nutzen wir sie einfach im Alltag. Veranstalten wir Workshops oder Seminare, erhalten alle Teilnehmer in den nächsten Tagen ein Teilnahme-Badge. Bei Fortbildungen, werden nicht nur Zertifikate erstellt, sondern auch Badges und natürlich gibt es auch Gewinnspiele, z.B. das WM-Tippspiel, bei dem die Sieger keine iPads, sondern Badges erhielten.

Funktioniert jetzt unser E-Learning damit besser? Um ehrlich zu sein, ich habe nicht die geringste Ahnung bzw. keine Spur eines Beweises. Ich weiss aber, dass durch diese Experimente die digitale Kompetenz und vor allem Akzeptanz im ganzen Verbund gewachsen ist und wir den digitalen Shift inzwischen vollzogen haben. Durch den Umkehrschluss, die Steigerung der  digitale Kompetenzen im Team, profitiert natürlich auch der Kunde/Student davon. Die Ergebnisse von solchen Experimenten sind oft nur indirekt und daher ganz selten messbar. Was schlussendlich bleibt, ist das Konzept des Machens, da immer was anderes herauskommt, als erwartet.