Gedanken zum OER-Festival 2016

Das war jetzt mein drittes OER-Festival fka OER-Konferenz in Berlin und es ist vielleicht Zeit, ein Fazit zu ziehen. Wo steht OER in Deutschland und was ist bisher geschehen und vor allem, was wird geschehen?

Manchmal lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit, denn 2013 und 2014 wurde die Konferenz noch von Wikimedia organisiert, aber 2015 hat sich wohl etwas geändert haben, denn es gab keine Konferenz in Berlin. Jetzt gibt es das OER-Festival mit einem neuen Konzept und mit den neuen Veranstaltern: Jöran und Konsorten, Transferstelle OER und oncampus.

oncampus beim OER-Festival

oncampus beim OER-Festival

Dazu gab es auch eine neue Heimat. Ich bin schon etwas stolz, wenn ich hier schreiben kann, dass die Landesvertretung von Schleswig-Holstein ein wirklich sehr offener, freundlicher Gastgeber in diesem Jahr war und ich möchte auch hier unseren Staatssekretär Fischer zitieren: „Schleswig-Holstein als Land der Meere, steht wie kaum ein anderes Bundesland für Offenheit und ist damit ein perfekter Gastgeber für das OER-Festival“.

Und nicht nur wir Lübecker engagieren uns tatkräftig für OER auch eine weitere Hansestadt hat mit der #hoou (Hamburg Open Online University) das vielleicht spannendste OER-Projekt Deutschlands gestartet und war in Berlin auch reichlich vertreten. Im Moment bekommt OER also mächtig Rückenwind aus dem Norden 🙂

Konferenz, Festival, Barcamp oder Award?

Das diesjährige OER-Festival ist quasi vor Aktionismus explodiert. Neben einem zweitätigem Barcamp, gab es noch das Fachforum und es gab auch Preise. Für manche war es zu viel, andere konnten gar nicht genug bekommen und wieder andere haben sich nur ihren kleinen Teilbereiche gesucht. Alles wurde natürlich medial und social begleitet. Inzwischen sind knapp 500 Bilder auf Facebook veröffentlicht und es waren auch mehrere Kamerateams unterwegs. Eine heutige Konferenz findet nicht mehr an nur einem Ort statt, wenn doch bloss andere angebliche E-Learning-Konferenzen auch wüssten, dass es das Internet gibt 🙂

Tipp: Inzwischen gibt es einen lesenswerten Storify, den ich hier wärmstens empfehlen möchte.

Ein anderes Highlight waren sicherlich die Awards. Preise müssen sein, denn so feiert sich jede Szene seit Jahren erfolgreich selbst und kann auch außerhalb auf Aufmerksamkeit hoffen. Neben der gelungenen Verleihung war der rote Teppich ein absoluter Eyecatcher und fast alle Preisträger haben sich hier ablichten lassen.

Alle #ichMOOC-Macher auf einem Bild

Alle #ichMOOC-Macher auf einem Bild mit dem „Preis für Innovation in der Erwachsenenbildung“

Überhaupt gab es dutzende schöner kleiner Ideen, die jede für sich das OER-Festival einfach besser gemacht haben. Ich weiss ja, wer dahinter gestanden hat und ich möchte mich hier ausdrücklich an das gesamte Orga-Team bedanken. Ihr ward alle super :-X

Und was ist denn nun passiert?

Als erstes muss man sagen, dass OER in Deutschland angekommen ist. OER ist inzwischen ein Querschnittsthema geworden, denn das Festival hat eines ganz sicherlich gezeigt, OER ist aus der Nische der Experten herausgetreten denn es waren zum ersten mal auch größere Kreise dabei. Neben der Politik (ich habe persönlich mit der SPD, den Piraten und den Grünen gesprochen), waren auch Stiftungen und Gewerkschaften vertreten und natürlich die Bildungsorganisationen Schulen, Volkshochschulen und Hochschulen und dazu natürlich viele Verbände und Vereine. OER stösst inzwischen auf ein breites Interesse, obwohl bestimmt immer noch geschätzte 98% nicht wissen, was OER ist.

Dann darf man nicht unterschätzen, was vor und nach einer solchen Konferenz passiert. So fördert der Bund seit letztem Jahr OER mit 2 Millionen Euro pro Jahr und so wurden kurz vor Konferenzbeginn zwei Projektergebnisse veröffentlicht, zum einen MappingOER und die Machbarkeitsstudie. Beide wurden sehr kontrovers diskutiert und die nächste Ausschreibung ist auch schon online. Ich sehe alle drei Förderungen auch sehr kritisch, muss jedoch sagen, dass hier auch der gute Wille zählt und man sollte erstmal froh sein, dass überhaupt etwas passiert. Besser geht es immer, und dann sollte man es auch selbst besser machen oder verstummen.

Das Qualitätssiegel

Was immer wieder diskutiert wird ist die Qualitätssicherung von OER und nur damit, könne sich OER durchsetzen. Viele Experten sagen jedoch, dass ein bürokratischer Qualitätsmanagement-Prozess und vor allem eine „finale Version“ eines OER-Nuggets, die wahren Möglichkeiten und die Dynamik von OER töten würden. OER besteht aus dem Remix (obwohl dies noch nicht gelebt wird) denn digitale Inhalte sind per se zum weiterverwenden gedacht. Eine Verknüpfung mit einem Qualitätssiegel kann so nicht funktionieren, jedoch habe ich schon bei der GMW an einer unsinnigen „Qualität in Videos“-Diskussion teilgenommen, wo danach grade einmal 50% meiner Meinung gefolgt sind. Alle Politiker sind eigentlich meiner Meinung, aber leider sagen auch alle, dass das Qualitätssiegel kommen wird. Versteht einer diese Politik?

Außerdem verstehe ich überhaupt nicht, warum jemand, der OER macht und kostenlos ins Netz stellt, sich auch noch die Arbeit machen sollte, diese Inhalte bei einer Prüfstelle einzureichen? Dadurch hat er doch nur Mehrarbeit, die dann für Aktualisierungen fehlt. Hier zeigt sich schon auf mehrere Ebenen, dass man weder das Internet, die Digitalisierung noch OER verstanden hat, aber die deutsche Bürokratie und die sinnfreie Überzeugung von Qualitätsmanagement hat man verinnerlicht. Womit ich aber auch nicht sagen will, dass Qualität unwichtig wäre. Aber es gibt Mechanismen, wie z.B. Like-Buttons, Klicks, Resharing und Disskussionsforen (siehe YouTube), die wichtige Indikatoren von Qualität seien können. In 95% aller Fälle reicht das und jetzt sollte man erstmal ein besseres System zeigen, was auch keinen Aufwand macht.

Und dann war da noch die Rechtssicherheit

OER-Macher brauchen Sicherheit ist auch eine Forderung, die sich gut anhört, aber schwer umsetzen lässt. Die einen fordern eine Fair-Use-Regel wie in den USA, was aber auf EU-Ebene nie kommen wird und andere sagen, man solle doch einen Fonds einrichten, aus dem die Anwälte der OER-Macher bezahlt werden. Das man damit nicht das Problem löst, sondern nur Symptome bekämpft, muss man gar nicht erst sagen und natürlich ist das eine willkommenes Geschäftsmodell für jeden Abmahn-Anwalt. Wenn man weiss, dass die Prozesskosten immer bezahlt werden, finden sich schon einige Anwälte, die nur darauf warten zu klagen. Und ich möchte gar nicht erst wissen, wer dann auch noch entscheidet, wer förderfähig ist und wer nicht. Es wäre viel besser einen Fonds für OER-Macher zu machen, aber mit dem fOERde-Award wurde hier schon ein kleiner Schritt, in die richtige Richtung gemacht.

Und wo sich alle einig waren

Alles was gefördert wird, muss OER sein! Dazu muss man gar nicht viel schreiben, da es logisch ist. Meine Steuergelder sollten auch der Öffentlichkeit dienen. Man kann jetzt sofort damit anfangen, tut keinem weh und was in der Vergangenheit produziert wurde, bleibt auch dort. Hat man das umgesetzt kann man sagen, dass irgendwann einmal, alle Lehrer und Professoren auch alles unter OER veröffentlichen sollten, aber wir wollen nicht gleich übertreiben. Es wäre auch schön, wenn wenigstens Konferenzen, die sich mit dem Thema beschäftigen, wie GMW, Campus Innovation, Learntec und Online-Educa darauf bestehen würden, alle Konferenz-Beiträge als CC BY zu veröffentlichen.  Das kann doch nicht so schwer sein.

Und was hab ich so gemacht?

Als OER-Macher und Mitveranstalter hat man natürlich volles Programm. Ich hab eine OER-Maker Session beim Barcamp gehalten, hab mich ganz viel mit Politikern unterhalten und war auf zwei Panels beim Fachforum.

Parallel hab ich dann noch ca. 10 Interviews für den kommenden #COER16 MOOC aufgenommen und natürlich ganz viel genetzwerkelt.

Und wie geht es weiter

Ich hoffe nach dem #OERde16 ist vor dem #OERde17 , also es soll jetzt erstmal alles verstetigt werden. oncampus und Jöran & Konsorten können gerne wieder ausrichten, dazu rollen Graz und Lübeck die OER-Szene aus dem Norden und Süden auf, denn wie gesagt, wir machen den #OER-MOOC #COER16 gemeinsam auf zwei MOOC-Plattformen.

Wir werden dies Jahr sicherlich noch ein paar OER-MOOCs veröffentlichen, u.a. Arbeit 4.0 und Netzwerksicherheit. Die Politik hat erste Weichen gestellt und wir reden sehr viel mit Politikern, die sehr oft besser sind, als ihr Ruf.

Und natürlich wird OER als Querschnittsthema bei allen zukünftigen Konferenzen ein Thema sein und alle Veröffentlichungen sollten, wie oben erwähnt,  auch OER sein.

Resume

Die Konferenz war meiner Meinung nach sehr wichtig. Es war genau der richtige Zeitpunkt und am richtigen Ort um die Szene zu vernetzen, sich auszutauschen und Projekte anzustossen. OER ist in allen Bildungsbereichen angekommen und verstetigt sich. Der Norden wird in den kommenden Jahren wahrscheinlich eine Hauptrolle spielen und alle anderen sind aufgefordert mitzumachen. Auch die MOOCs, trotz aller Kritik, sind einer der Hauptmotoren in der OER-Bewegung und stehen als Flagschiffe für die neuen Möglichkeiten der digitalen Bildung. Und zu guter letzt, es hat wirklich Spaß gemacht 🙂

 

 

Campus Innovation oder besser Stagnation

Die Hamburger Campus Innovation ist quasi meine Lieblings-Konferenz. Nicht nur das sie in der besten Stadt Deutschlands stattfindet, nein es ist auch noch direkt vor der Haustür. Außerdem hat sie meiner Meinung nach das beste Konzept, da sie mit drei Tracks nicht nur E-Learning als Schwerpunkt setzt, sondern auch dem Campus-Management, der IT und dem eigenen Hamburger Projekten genug Freiraum lässt. Die Organisation ist quasi immer perfekt und dies Jahr gab es auch endlich mit #CIHH15 einen vernünftigen Hashtag, der im Programm gut und rechtzeitig platziert war. Das hat aber nichts an der Anzahl der Tweets geändert, die wie bei jeder E-Learning Konferenz, nur bei ca. 5% der Teilnehmer lag. Es ist ja bekannt, dass gerade in Deutschland, die sozialen Netze gerade nicht von den Intellektuellen genutzt wird. Warum sollte denn dann eine E-Learning Konferenz eine Ausnahme sein? Wo wir auch schon beim Grundproblem angekommen sind, die E-Learning Spezialisten in Deutschland verstehen immer noch nicht das Internet.

Keine Innovation, sondern Stagnation

Mir ist es schon bei den letzten Konferenzen aufgefallen, und die Teilnehmerzahlen geben mir da auch recht. E-Learning ist nicht (mehr?) innovativ und Beiträge sind meist fad und geben entweder Altbekanntes oder Selbstverständlichkeiten wieder. In Hamburg begann es schon mit der Keynote von Johannes Heinlein von edX, dessen Vortrag vor zwei Jahren spannend gewesen wäre, aber heute eher altbacken wirkte, bis auf die Erwähnung der Änderung der Architektur, weg vom Hörsaal, hin zum Learning Space.

Der negative Höhepunkt war vielleicht das tausendfach zitierte Bild der Papstwahl:

Papstwahl 2005 zu 2013

Sehr spannend fand ich die Entscheidung, dem Journalisten Christian Füller zur zweiten Keynote einzuladen, dessen Schwerpunkt bekanntlich Schulen sind. Sein Vortrag war nicht nur gut vorgetragen, sondern teilweise auch provokant, leider war dennoch kaum Neues zu entdecken.

Ich kann leider nur vom E-Learning Track berichten, jedoch hatten viele Vorträge eher das Scheitern, das Versagen und den negativen Ausblick als Thema. Beispielhaft fand ich hier den sehr guten Vortrag von Malte Persicke, der eigentlich nur beschrieben hat, warum er es nicht schafft, vernünftige MOOCs zu entwickeln, sondern es bei begleitenden Vorlesungsaufzeichnungen belassen muss.

Das ist genau die Situation, die in Deutschland zu oft passiert. Es gibt Dutzende wahrscheinlich sogar Hunderte einzelner Projekte, die aber immer personengebunden sind und es nicht schaffen, die Brücke in die Institution zu schlagen. Das liegt natürlich daran, dass jedes Projekt mit einem eigenen Projektstab vertraut ist und diese Mitarbeiter mit dem Projekt kommen und gehen. Das bedeutet immer Einarbeitung und dann fehlt die Verstetigung. Als Beispiel kann man immer die MOOCs nehmen, wo jedes mal ein Produktionsteam für die Videoproduktion entweder aufgebaut wird oder teuer eingekauft wird. Dann werden 20 Videos produziert, und danach verschwindet das ganze Wissen wieder. MOOCs werden aber erst bei der dritten oder vierten Produktion gut, aber das klappt nicht, wenn man nur einen MOOC beantragt hat und keine Wiederholungen gefördert kriegt obwohl die die Wiederholung natürlich kostengünstiger wäre (wenn man von xMOOCs spricht und nicht von cMOOCs).

Im krassen Gegensatz steht hier aber die Funktionsweise des Internets. Digitalisierung bedeutet Zentrierung! Das Internet braucht nur ein Kaufhaus, eine Suchmaschine und eine Landkarte. Vielleicht sind es auch zwei oder drei Angebote, aber niemals 428. Was den Hochschulen fehlt ist eine digitale übergreifende Strategie, wo wir schon beim nächsten Thema wären. Seit gut 18 Monaten wird plötzlich die digitale Strategie als neuer Hype durch die E-Learning Landschaft getragen. Was mit dem Stifterverband angefangen hat, wurde in Hamburg versucht weiterzudenken. Prof. Kerres hat hier einen schönen Vortrag gehalten, dessen Ergebnis für mich jedoch eher deprimierend aussah. Außer Absichtserklärungen und ersten Workshops ist quasi nichts passiert und wenn man viel Glück hat, werden Landesinitiativen gegründet, wie z.B. die Hamburg Open Online University. Man könnte das positiv sehen, da es jetzt endlich anfängt und E-Learning auch als Digitalisierung begriffen wird. Dies ist jedoch quasi Stand des Netzes von 2005. Das bedeutet, dass die Hochschulen immer noch nicht begriffen haben, was das Netz und die Digitalisierung ausmachen. Es wird immer noch klein klein gemacht, es wird sehr viel geredet und der Föderalismus steht konträr zur Digitalisierung. Internet bedeutet Geschwindigkeit und Vernetzung, aber wir fangen jetzt erst an, darüber nachzudenken was eine Strategie wäre, dabei können MOOCs ohne Strategie nicht nachhaltig funktionieren und OER hat auch nur einen Sinn, wenn man sie vernetzt benutzt. An den Weichen wird zaghaft gearbeitet, aber das Fundament bleibt unangetastet.

Und wie steht es um die Openness?

Wie auch immer Openness definiert wird, als Öffnung der Hochschule für den zweiten Bildungsweg z.B. über MOOCs oder als Anbieter freier Materialien z.B. OER, beides wurde wie immer nicht gelebt. MOOCs sind quasi nicht existent im deutschen Hochschulbereich, bis auf TU München, das HPI, FH Lübeck und mit Abstrichen TU9 und Leuphana und über OER wurde etwas geredet, aber wie immer nicht gelebt. Weder die Slides der Vortragenden, noch der Tagungsband und auch nicht die Videos (handwerklich wie immer sehr gut gemacht) sind als OER zugänglich. Hier wird erwartungsgemäß(?) kein Zeichen gesetzt, sondern es geht genauso langsam weiter, wie eh und je. Warum sollte man auch die Erkenntnisse der Forschung, dass OER u.a. qualitativ besser sind, selbst leben und vom Resharing oder Remixing will ich erst gar nicht reden. Da fragt man sich dann doch, wie das mit dem Konzept der Hamburg Open Online University vereinbar ist. Es ist halt wie immer, es wird sehr viel geredet aber weder gemacht und erst recht nicht gelebt.

Stagnation

Es tut mir leid und ich will diesen Beitrag nicht als Kritik der Campus Innovation sehen, denn für die Inhalte ist die Organisation nicht verantwortlich. Es geht mir um die Stagnation des  gesamten E-Learnings in Deutschland. Nach 15 Jahren muss doch langsam in der einen oder anderen Hochschule E-Learning mit Digitalisierung im Präsidium angekommen sein und es müsste doch ein oder zwei Leuchtturmprojekte in Deutschland sehen zu sein. Stattdessen wird eigentlich nur gezeigt, was nicht geht und es wird ganz viel gejammert. Die Erkenntnis jedoch, dass E-Learning nicht personengebunden ist, sondern institutionell betrachtet werden muss, darauf scheint nach dieser langen Zeit immer noch niemand zu kommen.

Mein Leben als Juror beim MOTY16

Letzten Sonntag war das Finale vom MOOC Of The Year 2016 #MOTY16. Als einer der Initiatoren und als Juror möchte ich gerne ein paar Gedanken teilen, denn es war schwieriger als gedacht.

MOOC Of The Year 2016 #MOTY16

MOOC Of The Year 2016 #MOTY16

Angeregt durch Anja C. Wagners Beitrag, der mir irgendwie zu nett war, möchte ich auch noch einmal Selbstkritik üben, aber auch einmal zeigen, dass Jury-Entscheidungen sehr komplex sind. Im Finale waren drei berechtigte Finalisten, von insgesamt etwas enttäuschenden neun Bewerbungen. Alle drei hätten es verdient, gefördert zu werden. Was jedoch nicht kritisch gefragt wurde, warum hatten wir fast nur Hochschulthemen für das MOOC-Format gewinnen können. Ich glaube das ist die erste und mit wichtigste Frage, die viel zu wenig diskutiert wird. Es gibt viele MOOCs zu Projektmanagement, Geschichte, Politik und natürlich all diesen bildungsnahen Themen, wie OER, Soft Skills etc. Doch wir haben es bisher kaum verstanden auch andere Zielgruppen wie z.B. Freizeit oder Firmen oder auch Stiftungen und soziale Zielgruppen damit anzusprechen. Entweder ist das MOOC-Format dort noch unbekannt oder diese Gruppen verbinden ihre Themen nicht mit dem Format.

Die andere Frage ist, wie kann man ein Thema bewerten? Ist Mathe wichtiger als Programmieren? Geschichte wichtiger als Geologie? Und wären Minimalismus, vegane Ernährung oder die Gender-Debatte überhaupt förderwürdige Themen? Das kann man schlecht bewerten, doch irgendeiner musste es machen, denn es kann nur einen Sieger geben.

Dazu kommt noch der soziale Auftrag. Als Hochschule mit einem Förderprojekt hat man auch eine gesellschaftliche Vorbildfunktion und einen sozialen Auftrag. Hochschulen bilden nicht nur aus, sondern ich verstehe es auch als Vorbildfunktion. Wir sollten in Sachen freier Bildung voranschreiten und auch politisch relevante Themen aufgreifen. Hochschulen sind schon lange keine Elfenbeintürme mehr, sondern hier sollten die Eliten von morgen mit Werten und Normen versorgt werden. Wenn nicht die Hochschulen das machen, wer sollte es sonst tun? Und natürlich weiss ich, dass das alles immer zu wenig ist, trotzdem muss man anfangen.

Und warum jetzt der SozialMOOC?

Die Entscheidung war natürlich nicht einfach, denn handwerklich waren die anderen Bewerbungen sicherlich besser, aber wären das dann auch würdige Preisträger gewesen? Wir haben den SozialMOOC ausgewählt, da die anderen Finalisten es sicherlich auch alleine schaffen könnten, aber der SozialMOOC nicht. Das Thema war mit Abstand das interessanteste und brisanteste was wir bekommen haben und man muss einen MOOC immer als Teamwork sehen. Das bedeutet, wir können dem SozialMOOC wirklich helfen und die brauchen unsere Hilfe. Wir müssen an dem Konzept noch viel arbeiten, aber dafür sind wir da. Und insgesamt betreten wir mit dem Thema Neuland und wir wissen nicht, was passieren wird. Will man solche Projekte nicht haben? Langweilig können andere machen 🙂

Sieger #MOTY16 mit Jury

Sieger #MOTY16 mit Jury

Im Nachhinein möchte ich anmerken, dass ich mich als Juror etwas überfordert gefühlt habe. Ich dachte, das wäre einfacher aber wir haben kurz und heftig diskutiert und haben das Potential und die gesellschaftliche Herausforderung prämiert, was aber vorher nicht in der Bewertungsmatrix vorgesehen war. Man muss allerdings auch anmerken, dass unsere Kriterien nur Vorschläge waren. Zum Glück hatten wir in der Jury eine sehr offene Kultur und waren uns einig. Ob wir es richtig gemacht haben, wird uns die Zukunft zeigen.

 

 

Veranstaltungshinweis „MOOCs and beyond“

Am 8.September trifft sich das „Who is Who“ der deutschsprachigen MOOC Szene in Berlin zu einem wissenschaftlichen Austausch. Wer sich erinnern kann, der kennt noch die große MOOC Ankunft in Deutschland. Iversity hat gemeinsam mit dem Stifterverband 10 MOOCs mit 250.000 Euro mit dem Fellowship Programm gefördert und danach ging der deutsche MOOC Hype(?) los.

a04c765707

In Berlin schauen wir uns jetzt an, was seit den zwei Jahren aus den geförderten Kursen geworden ist. Man liest richtig, denn wir haben wirklich alle 10 Preisträger interviewt und werden diese Ergebnisse vorstellen und ich konnte schein einige interne Einblicke werfen, und fand die Ergebnisse bemerkenswert.

Parallel sind auch alle deutschsprachigen MOOC-Maker z.B. iversity, HPI, iMooX, Leuphana und mooin angesprochen worden, ihre MOOC Aktivitäten vorzustellen und sich kritische Fragen gefallen zu lassen. Ich persönlich finde es schon jetzt bemerkenswert, dass keiner der deutschen Maker, damals direkt gefördert worden ist, was schon genug Raum für kritische Diskussionen lässt.

Die Veranstaltung findet am Dienstag, den 8.September in Berlin statt, und da wir Mitausrichter sind, kann man sich über unsere Homepage anmelden. Die Konferenz ist eingebettet in eine ganze Reihe von Veranstaltungen in Berlin, die ich auch hier noch gerne erwähnen möchte. Am Freitag startet schon das Educamp mit einem Pecha Kucha und am Samstag und Sonntag findet dann ein gemeinsames Camp mit MOOCcamp und OERcamp statt. Und das Hochschulforum Digitalisierung lädt auch zu mehreren Veranstaltungen zur Diskussion beim „Digitalen Turn“ ein. Ich persönlich bin von Freitag Abend bis Mittwoch früh in Berlin.

 

 

MOOC Of The Year 2016

Die Fachhochschule Lübeck und oncampus suchen den „MOOC Of The Year 2016“ #MOTY16 . Jeder mit einer Idee für einen MOOC kann sich bewerben, und erhält eine Förderung im Wert von 25.000 Euro. Der Call läuft bis 16.August und danach gibt es beim Educamp in Berlin am 6.September ein Finale, wo sich alle Finalisten vorstellen sollen.

MOOC Of The Year 2016 #MOTY16

MOOC Of The Year 2016 #MOTY16

tl;dr

Die Idee zum #MOTY16 kam uns schon vor längerer Zeit, denn wir suchten eine besondere Idee für das neue MOOCcamp. Am SA/SO findet es gemeinsam mit dem Educamp und dem OERcamp in Berlin statt. So viele „Weltverbesserer Camps“ gab es wohl noch nie in an einem Ort in Deutschland und vielleicht übertreiben wir es auch, oder die Idee ist genial. Fakt ist, dass es in der Organisation vieles einfacher macht und da parallel auch noch die „The Digital Turn„-Woche vom Hochschulforum Digitalisierung ist, hat man noch mehr Synergie Effekte. Am Dienstag, den 8.September findet nämlich der Rückblick vom Fellowship Programm „MOOCs and beyond“  statt, wo man einmal darüber reflektieren wird, was aus den geförderten MOOCs geworden ist.

Educamp Berlin 2015  #ECBER15

Educamp Berlin 2015 #ECBER15

Das MOOCcamp

Das MOOCcamp findet jetzt zum zweiten mal statt. Das erste war vor zwei Jahren in Frankfurt und wurde von Studium Digitale und der MOOC Beratung durchgeführt. Diesmal findet es unter dem Dach des MOOChub statt, also von den beiden MOOC-Portalen iMooX und mooin und dahinter stecken TU Graz, Uni Graz, FH Lübeck und oncampus (ganz schön viele Namen) und wir möchten uns auch ganz herzlich bedanken, dass wir den Namen weiterführen dürfen.

Die Durchführung ist sehr simpel, denn alles läuft dankenswerterweise unter dem Dach des Educamps und wir labeln einfach die Barcamp-Sessions zum Thema „MOOC“ als MOOCcamp. Also alle MOOC-Macher und Interessierte sind ganz herzlich beim Educamp willkommen und so werden auch diese Welten zusammengeführt. MOOCs sind auch Bildung und von daher ergänzen wir uns. Man sieht und merkt hoffentlich, dass sich die deutschsprachigen Communities immer mehr vernetzen und das geschieht nicht, weil wir weniger werden, sondern weil die verschiedenen Disziplinen nicht mehr einzeln betrachtet werden können, sondern alles zusammenwächst.

MOOC Of The Year 2016

Wenn das Educamp endet und damit auch das OERcamp, geht das MOOCcamp weiter. Dann beginnt das Finale vom „MOOC Of The Year 2016“ und alle Finalisten sollen in 10 Minuten-Sessions, ihr MOOC-Konzept vorstellen. Das Finale soll natürlich öffentlich sein und wir sind ganz gespannt, ob es neue MOOC-Ideen in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt, oder ob der Hype vorbei ist, und Bildung für alle niemanden interessiert.

mooc_of_the_year_logo

Im Gegensatz zum Fellowship gibt es beim #MOTY16 zwei wesentliche Unterschiede. Zum einen geschieht die MOOC Produktion nicht beim Sieger, sondern wir unterstützen die Produktion mit dem Know-How aus Lübeck. Das hat ganz viele Vorteile, denn wir haben kurze Wege (bei einer MOOC-Produktion sind im Schnitt 7 Leute in Lübeck involviert), und wir haben viel Erfahrung mit verschiedensten MOOC-Produktionen und natürlich kennen wir alle Tools und unsere Plattform mooin am besten. Aber wir wollen auch niemanden ausbremsen, und sind für neue Ideen immer offen.

Zum anderen soll der neue MOOC Of The Year 2016 komplett unter CC BY als OER MOOC veröffentlicht werden. Wir wollen damit die Nachhaltigkeit fördern und zum Remix auffordern. Wir reden nicht über OER, wir machen sie.

Und danach?

Wenn der Sieger feststeht, geht es erst richtig los. Der #MOTY16 soll im Winter produziert werden, damit er im Frühjahr online gehen kann. Wir sind selber sehr gespannt, was passieren wird. Immerhin kann sich jeder bewerben, also Hochschulen, aber auch Institutionen oder Vereine aber auch Einzelpersonen oder Verbände. Wir haben schon mit dem VideoMOOC und vor allem mit dem ichMOOC gezeigt, dass wir nicht nur Hochschul-Themen behandeln, aber mit Marketing als auch Projektmanagement, haben wir auch typische Hochschul-Themen und demnächst kommt wohl Cyber-Security (hab ich jetzt zuviel verraten?).

Wir suchen auch neue MOOC-Macher

Wir haben also sehr viel zu tun und sprühen vor neuen Ideen. Daher vergrößern wir gerade unser Team und wer Lust hat den MOTY16 zu entwickeln und zu betreuen oder einfach nur in Lübeck, der schönsten Stadt Norddeutschlands, im digitalsten E-Learning Team Deutschlands (na ja etwas übertrieben 🙂 ) mitzuarbeiten, dann einfach bei mir melden. Ich schreibe gerade die Stellenbeschreibung und wir suchen motivierte Digitalisten, die Lust auf „Bildung für alle und noch viel mehr“ haben.

 

 

Keynote iMooX „Best Practice MOOC“

Ich durfte bei der iMooX Abschlussveranstaltung die Keynote halten und durfte ein paar Worte über unsere MOOC-Entwicklungen, das MOOC-Portal mooin und unsere gesamte digitale Hochschulstrategie „Lernen 4.0“ erzählen.

Es wird sehr oft von einem MOOC-Hype gesprochen und ich kann da nur warnende Worte entgegensetzen. Ich weiss zwar nicht ob MOOCs nachhaltig sein werden, aber ich weiss ganz genau, dass die Digitalisierung die Lehre nachhaltig ändern wird. Alle Content-Bereiche ändern sich radikal, ob es Bücher, Musik oder Filme sind und das gleiche gilt natürlich auch für die Lehre, die Frage ist nur wann und nicht ob.

Die Bildung wird zum Lerner kommen

MOOCs zeigen heute nur die radikalste Form der neuen digitalen Lehre und wir zeigen erleben es gerade live beim HanseMOOC, wo wir zum ersten mal quasi unbemerkt und last Minute, den Dozenten wechseln mussten. MOOCs sind natürlich unabhängig vom Dozenten und es wird nicht mehr lange dauern, dann werden diese Kurse vollautomatisch und damit ganz ohne Dozent unbetreut als „On Demand“-Angebote laufen. Dann werden wieder ganz viele Kritiker kommen und natürlich werden auch diese Angebote die Präsenzlehre nicht groß ändern oder ersetzen und trotzdem wird sich etliches ändern. Das ist eine ganz normale Entwicklung und der Markt bzw. die Nachfrage wird die Zukunft dieser Angebote entscheiden. MOOCs werden jedes Jahr besser und nicht schlechter, auch wenn man gerne abgefilmte Vorlesungen kritisiert, so sind diese Beispiele längst veraltet, wenn man sich einmal den VideoMOOC anschaut.

Die Folien meines Vortrages liegen schon länger bei Slideshare und es gab auch auf Twitter viel Feedback zur Keynote. Hier die Storify https://storify.com/oncampusfhl/servus-imoox-moin-mooin

 

Das war die MoodleMaharaMoot 2015 mit dem Blick eines Organisators

Die jährliche MoodleMaharaMoot gastierte 2015 im Norden und wir durften als Veranstalter fungieren. Es waren natürlich stressige Tage aber auch sehr schöne, immerhin konnten wir die Moodle-Welt begrüßen und dabei auch noch unsere MOOC-Plattform mooin vorstellen.

tl;dr

MoodleMaharaMoot

Als Organisator sieht eine Moodlemoot natürlich ganz anders aus. Man muss Sprecher besorgen, vor allem gute Keynotes, und man braucht Repräsentanten, wie Präsidenten, Bürgermeister oder Staatssekretäre. Natürlich braucht man Räume, Essen, Helfer und Hardware und ganz wichtig sind dann noch gute Nerven und Zeit. Das letzte war mein größtes Problem, denn parallel zur Moot ist auch unsere  MOOC-Plattform mooin gestartet und das hat mich zeitlich sehr viel mehr in Anspruch genommen, als die Organisation der Moot.

Die Keynotes

Eine Moot ist immer Teamarbeit und beim Start hatte ich den Wunsch jemanden einzuladen, der NICHT aus der E-Learning Welt kommen sollte. Ich wollte gerne Sascha Lobo einladen, der sicherlich etwas Farbe reingebracht hätte. Die Idee hat sich dann aber nicht durchgesetzt, da wir mit Martin Dougiamas eine sehr viel bessere Chance hatten, der deutschen Moodle Community ein Highlight bieten zu können. Mit Martin Ebner konnten wir einen zweiten Experten gewinnen, der mit iMOOX (MOOC) und L3T (OER) ähnliche Fachgebiete abdeckt, wie wir. Im Nachhinein waren für uns aber auch die Besuche von Bürgermeister Saxe und Staatssekretär Fischer sehr viel wichtiger, da wir so der Politik zeigen konnten, dass es in Lübeck ein digitales Leuchtturmprojekt gibt.

Alle Keynotes sind natürlich gefilmt worden und liegen bei YouTube.

Moodle und Martin Dougiamas

Ich habe mich wirklich auf den Besuch von Martin Dougiamas gefreut, hatte aber wegen der Organisation nicht so viel Zeit mich an dem Workshop mit ihm zu beteiligen. Martin kam schon einen Tag früher nach Lübeck um im ausgewählten Kreis über die Moodle-Aktivitäten zu diskutieren. Meine persönlichen Erwartungen an diesen Meetings sind immer sehr gering. Ich habe schon so viele Treffen dieser Art gehabt, dass ich aus Erfahrung sprechen kann, dass da selten etwas nachhaltiges herauskommt. Die Konstellation ist auch sehr schwierig, denn wenn man nichts gibt, kann man auch keine Forderungen stellen. Deutschland ist bei Moodle ein Entwicklungsland. Zwar nutzen sehr viele Schulen und Unis Moodle sehr intensiv, aber die deutschsprachigen Entwickler für Moodle kann man fast an zwei Händen abzählen. Wenn man also kein Geld gibt und keine Entwickler hat, sollte man mit seinen Wünschen eher bescheiden sein. Umso interessanter war die Ankündigung einer Moodle Association, wo man als zahlendes Mitglied Premium-Services erhalten soll. Dieser Schritt ist meiner Meinung nach längst überfällig. Das Moodle Headquarter besteht aus nur 32 Leuten und davon sind 20 Entwickler. Für eine Software wie Moodle benötigt man jedoch ca 100 Entwickler und das merkt man Moodle auch inzwischen an. In den Punkten Usability, Social Media, Design und Mobil-Unterstützung hat Moodle den Anschluss verloren und wenn hier nichts passiert, könnte Moodle schnell von Canvas oder anderen Systemen abgehängt werden.

Abends konnte ich mich persönlich noch etwas länger mit Martin unterhalten und habe hier auch die Strategie bzw. die Vision vermisst. Moodle könnte als Cloud gehostet werden, was sicherlich vom Entwicklungsaufwand sehr viel kleiner wäre und WordPress geht einen ähnlichen Weg. Moodle könnte auch über Spenden oder Crowdfunding nachdenken aber hier hat man sich für die Association entschieden, ähnlich wie Sakai, aber natürlich viel besser. Canvas findet Martin zu buggy, genau wie die Themes z.B. das Essential Theme. Auf der anderen Seite fliessen aber 80% des Entwicklungsaufwandes von Moodle auch in Security und Bugfixes, also so sicher ist Moodle dann auch nicht. Moodle soll ein Framework fürs Lernen sein und den Institutionen die Möglichkeit zum ändern geben. Leider haben die meisten Institutionen keine Mittel zum verändern und müssen Moodle in der Grundversion nutzen und die ist nicht mehr zeitgemäß. In Martins Keynote fehlten jedoch all diese Punkte.

Mahara und die Moodlemoot

Ich glaube vor zwei Jahren hat man sich entschieden Mahara mit in den Titel der Moodlemoot zu nehmen. Das E-Portfolio System und Moodle haben sich gegenseitig unterstützt und im Zuge der neuen Kompetenzanrechnung nach dem Bologna Prozess, hat das auch richtig Sinn gemacht. Inzwischen würde ich jedoch behaupten, dass sich das anders entwickelt. Auf der diesjährigen Moot waren gerade mal 5-6 Vorträge zu Mahara und ich persönlich kenne keine funktionierende Mahara-Installation, die flächendeckend an einer Hochschule genutzt wird. Die Kompetenzanrechnung liegt meist in der Zulassungsstelle und nicht in der Lehre. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, darüber kann man diskutieren, es ist aber eine Tatsache.

Parallel entwickelt sich die kleine Pflanze der Badges weiter aber auch hier tut sich quasi nichts. Wir unterstützen Badges sehr stark, gerade bei den MOOCs finde ich das sehr nützlich. Die Integration in Moodle ist auch ziemlich gelungen, daher wundert es mich, dass hier nicht mehr gezeigt wird. Es spricht für sich, dass der einzige Workshop dazu von uns kam.

 

Video is the new Text

Einer meiner Lieblingssätze in der letzten Zeit und auch die Moot hat gezeigt, dass Video angekommen ist. Ich würde nicht behaupten, dass Text überflüssig geworden ist, der Satz soll eigentlich Bewusstsein wecken. Es kann nämlich auch anders gehen, als simple PDFs Files in Moodle zu stellen. „Das Auge lernt mit“ der zweite Satz von mir zum gleichen Thema.

Alle Vorträge zu dem Thema Usability und Videos waren super gefüllt. Ich hatte zwei Vorträge dazu und der Vortrag über Quizzes in Videos mit Capira, war auch überfüllt. Ähnlich war es auch schon bei der Online Educa, wo unsere Video Session quasi explodiert ist. Wer mehr über Videos wissen will, dem empfehle ich hier auch noch unseren Online Video Kurs, der in zwei Wochen startet.

Aber die ganze Moodlemoot wurde dies Jahr digital und viral.

Die Moot wird digital

Wer mich kennt, weiss dass ich eine sehr konsequente digitale Linie habe. Wer E-Learning macht, sollte auch das E vorleben und das geht nicht mit analogen Elementen. Eine E-Learning Konferenz sollte daher im Netz stattfinden und möglichst all die Tools nutzen, die auch bei der Konferenz besprochen werden. Immerhin sind wir die Experten und wenn nicht einmal wir es schaffen unsere Konzepte digital zu vermitteln, dann sind wir wirklich gescheitert. Ich wollte daher scon auf den Namensschildern neben dem Namen auch den Twitteraccount drucken, aber dafür ist die Welt wohl noch nicht bereit. Bei Barcamps kommt dies jedoch schon vor, in der E-Learning-Szene sucht man Twitterer allerdings noch mit der Lupe (aber Vorträge zum Micro-Learning gibt es viele, finde den Fehler).

Wir haben jedoch in Lübeck viele digitale Ideen umgesetzt. Schon auf dem Logo ist der Hashtag #MootDE15 abgedruckt gewesen, im Foyer hatten wir eine Twitterwall aufgebaut, die Keynotes wurden gefilmt und sind alle auf YouTube. Zusätzlich haben wir auch Statements und Interviews geführt, die auch online sind.

Das Programm wurde zwar gedruckt, aber es lag auch online mit einem Shortcut http://bit.ly/mootde15 und eigentlich wollte ich auch zu jeder Session ein Etherpad anlegen, was aber die Krankheit meines HiWis verhindert hatte. Stadtplan mit allen Hotels und Veranstaltungen wurden per GoogleMaps eingefügt, was heute aber selbstverständlich ist.

Die Nachbearbeitung haben wir dann per Storify gemacht:

https://storify.com/oncampusfhl/moodlemaharamoot-2015-1-tag

https://storify.com/oncampusfhl/moodlemaharamoot-2015-2-tag

Alles zusammengefasst haben wir auf unserer Homepage

http://www.oncampus.de/aktuelles/moodlemaharamoot2015.html

Einen Videoworkshop, der ausgebucht war, haben wir auch angeboten und was ich besonders schön fand, es gab zum ersten mal Konferenz-Shirts, die von ca. 15% der Teilnehmer gekauft wurden.

Wo waren die Schulen?

Mit dem IQSH und der Moodleschule waren zwei Vertretungen der Schulen als Mitveranstalter dabei und trotzdem, waren Schulen kaum präsent. Es gab sehr wenig Vorträge von Lehrer, es waren kaum Lehrer als Besucher vertreten und das einzige was ich von den Schulen mitbekommen habe, war das jammern über den angeblich hohen Eintrittspreis. Ich will ja nicht lästern, aber inzwischen habe ich so viele schlechte Erfahrungen mit Schulen und Lehrern gemacht, dass ich überzeugt bin, dass sie an dem Imageverlust der Schulen selbst Schuld sind. Ich weiss, dass man hier kein Schubladendenken machen sollte und viele Lehrer haben quasi keine Möglichkeit in den Norden zu kommen, trotzdem bleibt der Fakt, dass diese Institutionen mit der Moot nicht erreicht werden. Das traurige ist dabei, dass dort eine Rückwärtsentwicklung zu beobachten ist, oder das E-Learning an Schulen findet woanders statt.

MOOCs und Moodle

Für mich war es natürlich die Moot der MOOCs, da wir hier unsere MOOC-Plattform mooin vorgestellt haben. Wir hatten fünf Vorträge dazu angeboten, die alle gut besucht waren. Das wir hier alles just in time programmiert haben, kommt mir immer noch wie ein Wunder vor, obwohl wir echt große Krankheitsausfälle hatten. Manche sprechen immer noch vom Hype, ich bin aber für meine Keynote sehr gelobt worden, wo man die Gesamtstrategie der MOOCs sieht.

Allerdings waren die Tage sehr arbeitsintensiv und morgen soll mooin dann richtig starten und danach mach ich Urlaub. Ich hab es mir nach der Moot und mooin dann auch verdient.

Keynote der MoodleMaharaMoot 2015 in Lübeck – mooin eine neue Weiterbildungsplattform

Ich durfte bei der MoodleMaharaMoot 2015 in Lübeck als Gastgeber zum ersten mal unsere neue MOOC-Plattform mooin einem breiteren Publikum vorstellen. Das besondere an unserem Ansatz der MOOCs ist dabei, dass wir NICHT Blended Learning als Startpunkt einer Digitalisierungsstrategie sehen, wie 95% aller Hochschulen, sondern die Weiterbildung und das lebenslange Lernen als eine neue Säule sehen. Damit können wir neben der alten „Straße“ der Präsenzlehre einen neuen „Highway“ der Weiterbildung parallel bauen. Da wir aber mit der Weiterbildung eine neue Zielguppe ansprechen, haben wir natürlich auch ein neues Design entwickelt und hier ist Mobile First gesetzt. Wir  nennen das 1-spaltige Design mit großen Medien-Elementen „Fat Media“ und erste Previews zu mooin sind in der Präsentation zu sehen.

Update:

Inzwischen ist das Video auch online:

mooin – Die Story hinter dem Launch einer MOOC-Plattform

Letzen Mittwoch war es soweit. Wir haben unsere neue MOOC-Plattform mooin (ab jetzt schreibt man mooin mit zwei O – Open und Online) gestartet und ich möchte einmal ein paar Gedanken und Insider-News dazu verkünden.

tl;dr

Vielleicht wissen es die einen oder anderen schon. Die FH Lübeck hat wahrscheinlich mit den beiden MOOC-Projekten FHLMOOC und pMOOC im Moment die größten MOOC-Projekte Deutschlands und ich bin irgendwie einer der Projektleiter geworden. Wir werden in den nächsten Monaten/Jahren mindestens 18 MOOCs entwickeln aber wir wollen irgendwie 40 schaffen 🙂 Bei einer so großen Anzahl von Kursen, macht eine eine eigene Plattform Sinn, obwohl ich nie ein Freund der Erfindung des zweiten Rades bin. Kooperationen haben aber nicht geklappt, obwohl wir  mit einigen Anbietern gesprochen haben. Das kann viele Gründe haben. Einer liegt sicherlich auch bei uns, da wir technisch schon immer sehr gut aufgestellt waren und sind. Es liegt aber auch an den Förderprojekten, die teilweise Kooperationen nicht zulassen. Hier sollte die Politik einmal nachrüsten.

Und plötzlich war der Termin da und keiner hat es gewusst

Es ging am  5.Januar los, als ich endlich Zeit hatte, die Roadmap unserer MOOC-Produktionen einmal schriftlich zu verfassen und alle dann gemerkt haben, wie knapp das jetzt wird. Unser erster Launch Termin für die Anmeldeseiten war der 19.Januar, was aber utopisch war. Er machte jedoch jeden wach, so das überhaupt Fahrt in das Projekt kam. Man muss dabei anmerken, dass wir zwei Launch-Termine haben. Der erste ist die Vorstellung der neuen Kurse mit Kursbeschreibung, Vorstellung der Autoren und der Option, sich für einen Newsletter anzumelden. Der Zweite ist dann Anfang März wo die Plattform mit allen Funktionen starten wird und ab Mitte März kann sich jeder direkt in die Kurse einschreiben und es geht dann auch los – so Gott will 🙂

Am Anfang war das Logo

Wir haben uns schon beim Namen mooin viel Mühe gegeben und damit die Richtung vorgegeben. Es sollte etwas nordisch maritim sein und wir hatten Überlegungen mit Rettungsringen oder Sonnenaufgängen gehabt, aber unsere Design-Abteilung fand das irgendwie nicht gut und hat dann aus den Rettungsringen einen Kompass gemacht und der wurde dann modern und stylisch umgesetzt. Ob jemand da noch eine Kompassnadel sieht oder nur ein schickes mooin, kann auch egal sein. Es sieht definitiv modern und sympathisch aus.

mooin - Logo

mooin – Logo

Was jedoch nicht sofort auffällt ist, dass wir alle Buchstaben klein schreiben. Das kommt etwas freundlicher rüber, glauben/hoffen wir jedenfalls und daher haben wir uns auch auf die Anrede Du geeinigt.

Du oder Sie – das ist hier die Frage

Typisch deutsches Problem! Wie spricht man seine Kunden/Studis/Teilnehmer an? Und was ist mit dieser Gendersprache? Fakt ist und bleibt, dass wir eine Hochschule sind, und nimmt uns dann überhaupt jemand ernst, wenn wir es wagen und einfach im Web DU zu sagen? Und wenn wir SIE sagen, müssen wir dann auch genderkorrekt von Teilnehmer und Teilnehmerinnen sprechen? Und wenn wir das machen, hört sich das dann nicht „scheiße“ an? Und kommen wir dann überhaupt noch mit einer Cliplänge von einer Minute aus, wenn alle Anreden plötzlich dreimal so lang werden? Wieso sprechen die im Fernsehen eigentlich nie genderkonform? Und wie ist die weibliche Form vom Drachen? Kein Wunder, dass die ausgestorben sind, es gibt nämlich keine weiblichen Drachen, aber weibliche Eichhörnchen gibt es. Rätsel über Rätsel… und dabei habe ich in einem Gender-Workshop gelernt, dass genderkonforme Sprache der User Experience nicht widerspricht.

Ja ne, is klar.

Wir haben uns dann auf ein charmantes DU geeinigt und vergessen, dass wir eine Hochschule sind. Ich hoffe, es merkt niemand da draussen im Web, aber das DU wurde später noch ein großes Problem.

Und dann kam der Trailer

Ein schöner Trailer für die Plattform macht was her, aber was soll er uns sagen? Ich wollte ja ein paar bärtige Männer in einer Hollywood-Schaukel am Strand haben, die ganz locker „mooin“ sagen und dazu frech in die Sonne blinzeln und dann lässig nordisch „mooin schreibt man jetzt mit zwei O im Norden. Dat stät näämlich fü Open uund Online, weit du dat?“ ins Mikro nuscheln.

Das ging aber aus vielen Gründen so nicht, z.B. strahlt im Moment keine Sonne bei uns, wir haben kein Geld für Schauspieler, in englisch funktioniert das gar nicht und Audio-Aufnahmen in der Außenwelt sind richtig schwer und teuer und das kann ganz schnell billig wirken. Trotzdem haben wir uns reichlich vom NDR inspirieren lassen:

Aber herausgekommen ist dann dieser super gelungene Stop-Motion-Trailer. Das Konzept hat ganz viele Vorteile, denn wir arbeiten hier ohne Sprache aber auch ohne große Erklärungen. Wir gehen davon aus, dass über 80% der Nutzer wissen, was MOOCs oder Online-Kurse sind (das hat unsere Evaluationen ergeben). Daher wollten wir unsere Kunden eher emotional ansprechen und vielleicht ist uns das auch etwas gelungen. Der Trailer hat richtig viel Arbeit gemacht, aber die Idee kam von einer sehr motivierten Multimedia-Designerin und solche Leute sollte man dann auch nicht aufhalten. Eigene Ideen sind nämlich immer die beste Mitarbeiter-Motivation und das ist das beste, was einem überhaupt passieren kann (sollte sich jede Firma/Hochschule einmal merken).

 

Und dann ging der Stress los

Als dann die Zeit richtig knapp wurde, kam die Krankheit zu uns. Die Plattform-Designerin wurde krank, das Marketing auch und einen Entwickler hat es auch erwischt. Parallel waren Klausuren und etliche Kollegen bilden sich fort und mussten daher für Prüfungen lernen.  Die nächsten Tage waren dann Stress pur. Wir mussten für fünf MOOCs die Beschreibungen machen, Lernziele, Gliederungen schreiben, die Fotos der Autoren besorgen und natürlich Trailer drehen und schneiden. Das meiste hatten wir natürlich schon beim Anfangskonzept erfasst, trotzdem musste alles geordnet werden und jetzt auch abgestimmt werden. Waren alle Texte ungefähr gleichlang? Stimmte die Ansprache? Gab es überall Titelbilder? Sprechen wir im DU oder SIE an? Ja wieder das gleiche Problem, wie schon oben erwähnt. Und sprechen wir im Single oder im Plural an? Also haben wir alle Texte noch einmal umgeschrieben, sieht man gar nicht, oder?

Die Trailer haben teilweise Musik bekommen, aber woher nehmen? Wir kennen natürlich Musik-Anbieter, aber für ne Hochschule ist es nicht einfach online per Kreditkarte einzukaufen, zum Glück haben wir das Problem schon lange gelöst. Dann hat aber YouTube plötzlich gemeint, wir hätten eine Urheberverletzung mit der Musik und hat die Trailer gesperrt. Das ging dann aber auch relativ schnell, da ich das gleiche Problem schon vor drei Jahren hatte (Erfahrung ist alles, sag ich immer wieder – die wahren Probleme bei solchen Projekten ist nicht die Didaktik oder die Technik sondern das Neue und das Unerwartete).

Dann aber ging es weiter. Wer beschreibt die Videos auf YouTube und welche Tags erhalten sie? Wie soll der Abspann der Videos sein? Welche Projektträger und Partner müssen genannt werden? Wie ist das Copyright? OER mit CC-BY geht auch nicht, da wir fremde Musik im Video haben (das haben wir aber erst vier Tage später bemerkt).

Auf der Webseite kamen ähnliche Probleme. Wie lautet das Impressum? Was ist mit dem Datenschutz? Wollen wir piwik oder Google-Analytics einsetzen oder doch beides? Das Design sieht aber bei einer Auflösung von 1024*768 schlecht aus. Hat jemand noch so kleine Monitore? Wie findet man das heraus? Ach ja Google Analytics verrät das und siehe da, noch 25% aller Nutzer haben alte Bildschirme (Wie finden Hochschulen ohne Analytics so etwas eigentlich heraus? Machen die Umfragen und werten diese 14 Tage später anonym aus?).

Dann kam der Newsletter und wie soll der funktionieren? Brauchen wir überhaupt einen Newsletter? Ich meinte nein, wurde aber gnadenlos überstimmt. Dann die große Frage, wenn man sich dort anmeldet, soll man sofort eine Registrierungsmail erhalten? Ich meinte ja, aber auch hier wurde ich des Besseren belehrt. In Newslettern trägt man sich ein und man registriert sich nicht. Im Newsletter muss aber dann eine Opt-Out-Funktion sein…ach ja stimmt eigentlich, wenn man näher drüber nachdenkt. Trotzdem hatte ich heute zwei Nachfragen zu dem Thema auf meinem Tisch. Ich will damit nur sagen, über jeden kleinen Wisch, macht man sich wirklich ausführliche Gedanken, dass könnt ihr mir glauben.

Hatte ich schon den Captcha beim Newsletter erwähnt? Auch ein Thema für sich. Manche können die Schrift nicht lesen, andere sind für Fragen zu dumm und wieder andere sind so grobmotorig, dass sie mit der Maus keine Muster nachzeichnen können. Ich habe schon alles in meinem Leben gehört und egal welche Lösung man einbaut, irgendjemand wird da draussen jammern und uns für inkompetent halten (ich hatte bisher drei Nachfragen/Beschwerden).

Und Mittwoch musste es dann starten

Dienstag haben wir wirklich lange gearbeitet und ich dachte dann, dass wir es Mittwoch Vormittag locker schaffen werden, online zu gehen. Pustekuchen, wir haben den ganzen Tag noch Texte korrigiert, Grafiken optimiert, fehlende Links gesetzt und natürlich alles auf Android, iOS, Windows und Laptops, Tablets und Smartphones getestet. Was soll ich sagen, gegen 16 Uhr waren wir endlich online. Später ging es auch nicht, denn der letzte gesunde Entwickler hatte ab Donnerstag Urlaub und daher musste es JETZT online gehen.

Fazit

A New German MOOC Platform Is Born! Im Nachblick war das jetzt für fünf Trailer und ein paar Infoseiten echt viel Arbeit und in vier Wochen wollen wir mit der produktiven Plattform starten. Die nächsten Wochen werden also lustig und stressig und parallel kommt Anfang März noch die MoodleMaharaMOOT nach Lübeck, wo ich die Plattform mooin auch in einem Vortrag vorstellen werde. Trotzdem bringen solche Projekte richtig Spaß. Endlich einmal was schönes, neues Innovatives entwickeln und parallel eine Social Media Kampagne steuern bzw. begleiten (das ist aber ein eigener Blogartikel wert). Und Ende März fahre ich in Urlaub, versprochen.

Update

Da ich auf Twitter noch einmal auf die Bärte angesprochen worden bin und warum nur harte nordische Männer solche Projekte wuppen können #ironie , hier noch eine nicht ganz ernst gemeinte Ergänzung:

mooin – A new MOOC Platform is born

Was für eine Woche war das bitte? Wir haben in vollem Kampfeinsatz fünf MOOCs auf mooin gelaunched. mooin wird die neue MOOC Plattform von der FH Lübeck und von oncampus und wir starten ab März mit den freien Online Kursen: HanseMOOC, VideoMOOC, ProjektmanagementMOOC, Grundlagen des Marketing und Dem digitalem Ich.

Ich freue mich jetzt erstmal, das alles online ist und statt jetzt darüber zu bloggen, geh ich mit den Kollegen Stolz ein helles Blondes trinken um diesen grandiosen Meilenstein zu feiern.