Warum können wir OER machen?

Die #OERde16 steht vor der Tür und oncampus ist einer der Veranstalter. Ich freue mich darüber riesig, denn ich unterstütze OER (Open Educational Resources) schon lange. Angefangen hat das vor neun Jahren mit dem Soft-Skills-Online Kurs „Medienkompetenz“, den ich damals als Autor geschrieben habe. Daran kann man auch sehen, wie lange manche Ideen brauchen, bis sie in eine Institution übergehen.

OERde16

Ich habe seit dem noch an vielen #OER-Projekten mitgearbeitet, unterstützt oder selbst umgesetzt, z. B. L3T, Schulbuch-O-Mat, VFHCAB, Wikimedia Wissenswertpreis, YouTube-Playlists und jetzt natürlich unsere MOOCs wie der ichMOOC, MOOC25 oder Projektmanagement. Bei allen Projekten waren mir die Vorteile jedoch nicht immer klar. Natürlich ist es besser für die Welt, wenn alles frei verfügbar ist und dieses deutsche Urheberrecht ist auch zu kompliziert. Dazu kommt, dass man als Hochschule auch einen gesellschaftlichen Auftrag hat, sonst könnten wir auch Studiengebühren einführen. Vielleicht stehe ich mit dieser Meinung aber auch alleine da. Trotzdem ist der wahre Vorteil, von OER schlecht greifbar und vermittelbar.

Im Intranet (LMS) herrscht Anarchie

Warum kaum ein Mensch weiss, dass er  OER braucht ist ziemlich einfach. So lange die Materialien in einem geschlossenen System, wie z. B. LMS stehen, merkt kaum keiner, ob dort Urheberrechte verletzt werden oder Plagiate stehen. Das Intranet ist gefühlt ein rechtsfreier Raum, was sich aber demnächst ändern soll.

OER für sich alleine bringt kaum Mehrwert

Professoren sind Einzelkämpfer und Vorlesungen sind in der analogen Welt auch Einzelveranstaltungen. Jeder bereitet seine Vorlesung mit seinen Materialien vor. Es gibt kaum einen Grund oder auch Vorteil fremde Inhalte zu verwenden und es gibt sogar erhöhten Aufwand, wenn man seine Materialien frei ins Netz stellt, da man plötzlich auf die Rechtslage achten muss. Und wenn man fremde Inhalte benötigt, kann man doch auch eine Literaturliste anfertigen und die Studis in die Bibliothek schicken.

OER hat sein Vorteile erst in der fremden Wiederverwendung

Warum braucht man also OER? Das „Aha“-Erlebnis hatte ich bei unserem ersten Refugee-Kurs, wo wir OER-Materialien im Netz gesucht haben. Es war jedoch einfach nichts zu finden, denn entweder waren das nur Blended-Learning Inhalte, wie z. B. Powerpoint-Slides oder kurze PDFs oder sie waren nicht portierbar oder es war halt nicht OER. Wir haben dann einen eigenen Kurs ins englische übersetzt, was jedoch nur einen Teilproblem darstellt. Ganz allgemein sind Übersetzungen ein ideales Beispiel, warum man OER braucht, denn man könnte ganz schnell (fremde) Inhalte übersetzen und anpassen. Das ist gerade jetzt aktuell, wo man doch arabische oder englische Inhalte sehr schnell für Flüchtlinge benötigt. Diese könnten dann z. B. auch von der Crowd übersetzt werden, wenn man denn die Rechte hätte.

Der andere Punkt ist jedoch wesentlicher, denn der Grund warum wir überhaupt komplette Kurs-Inhalte hatten und keine granularen Learning Objects ist, wir arbeiten im Netzwerk. Es war in der Virtuellen Fachhochschule schon immer so, dass Inhalte geshared wurden und viele Hochschulen, die gleichen Inhalte verwenden. Man entwickelt einmal (meist kostenintensiv) und verwendet die Inhalte n-mal. Das ist der Unterschied zwischen analog und digital, denn im Netz machen Inhalte für einen alleine immer weniger Sinn. Das Internet fördert die Zentrierung auf der Produktionsseite und kann daher die Individualisierung auf der Anwenderseite (irgendwann?) ermöglichen. Die Grundstruktur der Arbeit/Lehre ändert sich daher radikal. Manche nennen das Arbeit 4.0 oder bei uns Hochschule 4.0.

OER ist der Schritt nach der Digitalisierung

Viele Experten haben geschrieben, dass E-Learning gescheitert wäre. Das könnte ich sogar unterschreiben. Ich habe immer gesagt, dass das „M“ im LMS, der wichtigste Buchstabe ist. Es geht nicht vorrangig um das Learning, sondern um die Gesamtheit. Die Digitalisierung verändert die Organisation, das Management und letztendlich (und nicht zuerst) die Lehre. Die sogenannten E-Learning Projekte sollten also personenunabhängig autonom aufgestellt sein. Das funktioniert sehr viel besser, wenn sie offen sind. Nur dann könnten andere die Inhalte übernehmen und anpassen oder übersetzen. Damit das aber funktioniert, muss das Selbstverständnis der Lehre diskutiert werden. Professoren dürfen sich nicht mehr als Einzelkämpfer sehen und Intranets sind keine rechtsfreien Räume.

 

 

 

Mein Interview bei Fernstudium Infos über die Digitalisierung der Hochschulen

Passend zu unserem Vortrag bei der diesjährigen GMW „Massive Open Online Courses als Teil der Hochschulstrategie“ durfte ich diese Woche bei Fernstudium-Infos.de ein Interview zu MOOCs, mooin, LOOP und Videos geben. Es waren nur 20-30 Minuten geplant, doch das Gespräch ging fast eine Stunde. Ich habe am Ende noch einige provokante Thesen gesagt, die vielleicht zum nachdenken anregen. Das war nach 2011 schon mein zweites Interview mit Markus Jung und wenn ich das mal Revue passieren lasse, ist in den letzten vier Jahren eine Menge passiert.

 

Veranstaltungshinweis „MOOCs and beyond“

Am 8.September trifft sich das „Who is Who“ der deutschsprachigen MOOC Szene in Berlin zu einem wissenschaftlichen Austausch. Wer sich erinnern kann, der kennt noch die große MOOC Ankunft in Deutschland. Iversity hat gemeinsam mit dem Stifterverband 10 MOOCs mit 250.000 Euro mit dem Fellowship Programm gefördert und danach ging der deutsche MOOC Hype(?) los.

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In Berlin schauen wir uns jetzt an, was seit den zwei Jahren aus den geförderten Kursen geworden ist. Man liest richtig, denn wir haben wirklich alle 10 Preisträger interviewt und werden diese Ergebnisse vorstellen und ich konnte schein einige interne Einblicke werfen, und fand die Ergebnisse bemerkenswert.

Parallel sind auch alle deutschsprachigen MOOC-Maker z.B. iversity, HPI, iMooX, Leuphana und mooin angesprochen worden, ihre MOOC Aktivitäten vorzustellen und sich kritische Fragen gefallen zu lassen. Ich persönlich finde es schon jetzt bemerkenswert, dass keiner der deutschen Maker, damals direkt gefördert worden ist, was schon genug Raum für kritische Diskussionen lässt.

Die Veranstaltung findet am Dienstag, den 8.September in Berlin statt, und da wir Mitausrichter sind, kann man sich über unsere Homepage anmelden. Die Konferenz ist eingebettet in eine ganze Reihe von Veranstaltungen in Berlin, die ich auch hier noch gerne erwähnen möchte. Am Freitag startet schon das Educamp mit einem Pecha Kucha und am Samstag und Sonntag findet dann ein gemeinsames Camp mit MOOCcamp und OERcamp statt. Und das Hochschulforum Digitalisierung lädt auch zu mehreren Veranstaltungen zur Diskussion beim „Digitalen Turn“ ein. Ich persönlich bin von Freitag Abend bis Mittwoch früh in Berlin.

 

 

Die Story hinter dem ichMOOC

Der Online-Kurs „Das Digitale ich„, kurz #ichMOOC , ist mit inzwischen über 1.400 Teilnehmern, der größte VHS Kurs aller Zeiten. Das macht stolz und stellt natürlich die Frage, wie war das möglich.

tl;dr

Ich glaube es war Spätsommer letzten Jahres als Joachim Sucker und ich uns zufällig beim E-Learning Summit in Hamburg trafen. Es war auch Zufall, dass es eine Art „World Cafe“ gab und wir beide wieder zufällig an einem Tisch sassen und uns über MOOCs unterhielten. Wir haben damals gerade eine Förderung bekommen und ich verkündete ganz stolz, dass wir 12 MOOCs planen werden. Irgendwie kamen wir ins Gespräch, bestimmt weil der Joachim ein schlauer Fuchs ist, und ich total neugierig auf das Gebilde VHS war. Mir war damals schon irgendwie klar, dass man MOOCs nicht alleine machen kann, sondern Partner mit Netzwerken braucht, egal wie diese Netzwerke aussehen mögen. Neun Monate später wird aus dieser Meinung langsam Bestätigung.

Joachim war dann die Triebfeder und hat noch die VHS Bremen mit Nina Oberländer mit ins Boot geholt und als Konzeptioner wurde der gute Jöran Muuß-Merholz überzeugt. Das schwierigste war natürlich der Kooperationsvertrag zwischen VHS Bremen, VHS Hamburg und der FH Lübeck, wobei ich als Praktiker immer mehr der Ansicht bin, man braucht diese Verträge nicht. Immerhin kriegen wir kein Geld und die Nutzung der mooin-Plattform ist umsonst. Hier lag der Fall jedoch anders, denn wir sind Partner und produzieren einen MOOC gemeinsam und das bedeutet, der #ichMOOC ist ein Gemeinschaftsprojekt aller drei Partner. Wir stellen dabei nicht nur die Plattform, sondern alle Videos wurden von uns produziert, die Inhalte auf mooin gestellt, die Badges entworfen, alle Bilder entworfen, Social -Media-Strategie fürs Marketing entworfen und umgesetzt und natürlich auch die Quizzes in den Videos entworfen. Ein MOOC zu machen kostet viel mehr Zeit und Geld, als viele sich das vorstellen und die Teilnehmer rennen einem nicht die Bude ein, nur weil es umsonst ist.

Start ohne Plattform

Nach den Verträgen ging die echte Arbeit los, wobei ihr aber nicht diese Verträge unterschätzen solltet. Alleine die Terminfindung für drei Direktoren war schon fast unmöglich und den Text mit Word zu schreiben ist quasi unmöglich. Das funktioniert heutzutage nur noch in der Cloud, wobei wir uns bis heute noch nicht endgültig über die Kommunikationsplattform einig sind. Allerdings lernen wir alle dazu, denn das war unser erster „externer“ MOOC und das ohne Netz und doppelten Boden. Ich will sagen, als wir mit dem ichMOOC begonnen haben, wussten die beiden Volkshochschulen noch gar nicht, wie mooin überhaupt aussehen wird und den Namen mooin gab es natürlich auch noch nicht. Hört sich vielleicht verrückt an, aber so laufen diese Projekte halt.

In den nächsten Monaten haben sich dann unsere Wege quasi getrennt. Joachim, Nina und Jöran haben sich an die Konzeption vom ichMOOC gemacht, mit der guten Unterstützung von unserem MOOC-Designer Thomas und ich musste mit dem Developer-Team parallel eine MOOC-Plattform entwickeln und fünf andere MOOCs planen. Nicht zu vergessen war dabei die Moodlemoot in Lübeck, wo wir das alles vorstellen wollten. Wir hatten also gut 10 Wochen Zeit die Plattform zu entwickeln, um dann fünf MOOCs zu starten. Das waren ambitionierte Ziele 🙂

Natürlich wollte der ichMOOC so früh wie möglich auf der Plattform getestet werden, aber vor Mitte März war das gar nicht möglich und so musste auch etwas improvisiert werden. Umso erstaunlicher ist das sehr gute Ergebnis, aber dazu später mehr.

Das Digitale Ich oder kurz der ichMOOC

Das Digitale Ich

Die Produktion begann

Zur Produktion und dem Konzept kann ich gar nicht viel schreiben. Wir mischen uns bei oncampus ganz wenig in die Inhalte ein und wollen eigentlich nur unterstützen. Diese Rolle aber zu vermitteln, war relativ schwierig. Zum einen sehen wir uns nicht als Fachexperten und wir respektieren auch die Freiheit der Lehre, aber auf der anderen Seite wollen die anderen mehr Hilfe und Führung haben, vor allem wenn es der erste MOOC ist.

Der Dreh des Trailers war relativ lustig, denn die erste Version war ein Kälte-Fiasko in der Lübecker Fußgängerzone. Dank unseres Kameragenies Gregor konnten wir jedoch eine sehr schöne warme zweite Version erstellen, die aber schon die Richtung zeigt. Wir wollen hochwertige Videos haben, wenig Text, viele externe Quellen und Infos (wir brauchen das Rad nicht das zweite mal erfinden) und die Motivation mit Quiz und Badges hochhalten. Es war/ist sehr schön, dass wir uns in diesen Eckpunkten immer einig waren, allerdings müssen wir diese Fakten auch in anderen MOOC-Projekten besser kommunizieren. Ihr glaubt gar nicht, wie Hochschulen darauf reagieren, wenn wir sagen, dass die Videos OER sind und auf YouTube liegen müssen. Mit diesen Aussagen sterben schon einmal geschätzt 50% aller Projektanfragen  (nein ist ein Scherz, aber ich könnte da trotzdem Stories erzählen…).

Start mit Problemen

Der ichMOOC-Start fiel leider in eine Urlaubs- und Reisezeit. Die einen Kollegen waren verreist, die anderen in der Welt unterwegs, wo wir u.a. Werbung für mooin gemacht haben und sehr viel Anerkennung bekommen haben. Die Zeit war wirklich knapp. Die letzten Videoaufnahmen für die erste Woche, waren am Dienstag gedreht und wurden Mittwoch und Donnerstag geschnitten, damit wir am Freitag online gehen konnten. Das definiert „Last Minute“ völlig neu, denn wir mussten ja auch noch die Quizzes einbauen und den gesamten Kurs designen und die Badges mit den Lernfortschritten definieren und Links auf Foren funktionieren auch erst, wenn man das Forum hat.Das waren zwei richtig lange Tage und auch von dieser Stelle ein großes Lob an alle Beteiligten.

Der größe VHS Kurs aller Zeiten

Am 28.Mai sind wir dann mit ca 950 Teilnehmern online gegangen und haben uns riesig gefreut. Für uns ein gigantischer Erfolg und wir dachten, dass wäre der größte VHS Kurs aller Zeiten, aber knapp verfehlt. Der „Gratis Online Lernen“ MOOC von unserem MOOChub-Partner iMooX war auch eine Kooperationsprojekt mit Volkshochschulen und hatte 1060 Teilnehmer. Freitag nachmittag hatten wir diese Marke jedoch geknackt und ich vermute wir schaffen vielleicht noch 1.700 Teilnehmer.

Der Kurs läuft prima um es einmal klar zu sagen. Am Freitag waren wir mit dem Hashtag #ichMOOC in den Top 5 von Deutschland, was wirklich unglaublich ist.

Die Beteiligung in den Foren ist riesig.

Allerdings kriegen wir deshalb auch einige Anmerkungen, da viele die massenhaften Mails nicht beherrschen können. Der ichMOOC ist unser sechster MOOC auf mooin und wir haben zum ersten mal diese Rückmeldungen, was zeigt, dass der Kurs die richtigen Leute erreicht. Leider sind diese aber auch mit knapp 1.500 Forumsteilnehmern und der Bedienung von mooin und/oder ihren Mail-Clients etwas überfordert. Auf der anderen Seite haben wir aber auch sehr motivierte Forenbetreuer, die wirklich alle mitnehmen wollen. Wir MOOC-Profis handeln oft nach dem Motto „Weniger ist mehr“ und lassen gerne Forenbeiträge erst einmal unbeantwortet, damit eine Teilnehmerdiskussion starten kann und eine  „Wir helfen uns selbst“-Community entsteht. Man darf jedoch auch niemanden frustrieren und alleine lassen. Das Mittelmaß ist der goldene Weg der Didaktik, den man finden muss. Das ist die große Herausforderung bei allen MOOCs.

Die MOOCbars

Das Alleinstellungsmerkmal des ichMOOCs sind natürlich die MOOCbars. Immerhin machen knapp 50 Volkshochschulen mit und bieten einmal einen Livestream an, der dann in den VHSen per Beamer gezeigt wird und live vor Ort danach diskutiert wird. In der Fachsprache wird das anscheinend MOOC 4.0 genannt, was mal wieder zeigt, dass wir supermoderne Konzepte nutzen ohne es zu wissen, bzw. wir sind mal wieder der Zeit voraus (den Artikel haben wir erst später gelesen) 🙂

Bei der ersten MOOCbar waren ca. 180 Teilnehmer in 35 VHSen vor Ort und haben teilweise stundenlang über das Thema „Der digitale Nachlass“ diskutiert. Ich persönlich finde synchrone Veranstaltungen in MOOCs nicht sehr gut, allerdings ist meine Meinung nicht relevant und gerade Kurse wie „Das Digitale Ich“, wo viele Netzneulinge sind, brauchen diese Präsenzveranstaltungen. Auch hier gilt, dass wir alle das Konzept gemeinsam tragen müssen und das Team hatte hier vollkommen recht. Auf der anderen Seite merkt man, dass die MOOCbars sehr viel Zeit in der Organisation kosten.

Fazit vom ichMOOC

Nach zwei Wochen kann ich nur schreiben, dass mich der ichMOOC schwer beeindruckt. Wir alle sind wirklich begeistert dabei, und man entdeckt viele Perlen in den Forenbeiträgen. Manche sind sehr positiv, andere sehr kritisch und wieder andere sehr schwer nachzuvollziehen, aber jeder lernt etwas. Die Videos sind super und die Badges kommen anscheinend gut an. Ich bin sehr gespant auf die erste Evaluation.

Was wir unbedingt nie wieder haben wollen, ist dieses „Just in Time“ arbeiten. Zum Glück sind aber bei einer Wiederholung alle Videos schon fertig, deshalb solten MOOCs auch immer mehrfach geplant werden, denn beim ersten Durchlauf, hat man nie Zeit. Man ist nur damit beschäftigt, dass alles möglichst reibungslos läuft, aber beim  zweiten mal, hat man Erfahrung UND fertiges Material. Es wird alles besser…

 

Abbrecherquote – Sinn oder Unsinn?

Bei den MOOCs gibt es immer zwei Zahlen, nach denen ich immer als erstes gefragt werde. Wie viele Teilnehmer habt ihr und machen MOOCs bei 97% Abbrecherquote überhaupt Sinn? Inzwischen denke ich jedoch, dass die Diskussion über Abbrecherquoten im wesentlichen falsch sind. Ein paar Gedanken dazu.

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Zum einen, und das ist wohl die wichtigste Information, sind diese 97% alt und basieren auf der Duke Studie . Viele andere MOOCs haben jedoch diese Zahlen bestätigt, auch unser erster MarketingMOOC.

Duke Studie 2012/2013

Duke University Report  2012/2013

Inzwischen sind wir jedoch viel weiter. Die Plattformen haben enorme Fortschritte gemacht, die didaktischen Modelle auch und natürlich wurde auch viel geforscht und sich ausgetauscht. Wir haben inzwischen Abbrecherquoten von 80-85 Prozent, das HPI angeblich 70% und Marburg hat wohl 60% (Quellen habe ich jetzt leider nicht). Parallel wird natürlich auch an den Statistiken gedreht. Da bei allen MOOCs ca. 30% der Teilnehmer sich anmelden, aber nie den Kurs betreten, will man diese gar nicht als Abbrecher mitzählen. Allerdings will man diese aber gerne aufführen, damit man alle beeindrucken kann, denn ein Kurs mit 10.000 Teilnehmern ist natürlich viel besser als 7.000 aktive Teilnehmer.

Das sind jedoch Feinheiten, denn inzwischen denke ich, dass diese 70-90 Prozent Abbrecher ein ganz normales gesellschaftliches Ergebnis sind. Ich habe das auch im Gespräch mit Martin Lindner ausgeführt.

Ich vermute bei den meisten Kursen, die erfolgreich sind, ist ein äußerer Druck vorhanden, der zum erfolgreichen Abschluss zwingt. Typische Beispiele dafür sind natürlich die Noten in der Schule bzw. die Versetzung, das Abitur, der Bachelor aber auch der Führerschein oder der Tanzkurs für den Abschlussball. Es gibt aber auch zig Beispiele, wo 95% Abbrecher gar nicht bemerkt werden. Wer meldet sich nicht alles in Fitnessstudios an, um dann nach 3-6 Monaten zu erkennen, dass es zu anstrengend ist, wer hat nicht schon einmal einen Sprachkurs bei Aldi gekauft und die CDs nicht einmal in den CD Player geschoben? Oder wer hat schon ein Fachbuch von vorne bis hinten gelesen? Gibt es dazu Zahlen? Martin Lindner hat im Interview dazu angemerkt, dass Amazon dank Kindle und Überwachung anonyme statistische Erhebungen inzwischen weiss, dass bei vielen Büchern, nur die ersten Seiten gelesen werden. Natürlich werden Bücher und deren didaktische Modelle nicht in Frage gestellt, denn Bücher sind immer gut und haben sich seit Jahrhunderten bewährt. (Falls jemand diese Daten hat, bitte schreibt es mir.)

Hohe Abbrecherquoten sind normal, kleine sind die Ausnahmen

Falls meine Annahme stimmt, sind die Abbrecherquoten der MOOCs keine Nachricht, sondern Alltag. Der Mensch schaute sich schon immer gerne Sachen an, hat aber dann tausend gute Gründe, um den guten Vorsatz nicht auszuführen. Das fällt jedoch jetzt im Bildungsbereich extrem auf, da wir aus den bekannten Zwang-Modellen Schulen und Hochschulen natürlich andere Zahlen gewohnt waren. Ich persönlich kann diese Zahlen auch in meinen kostenpflichtigen Weiterbildungskursen bestätigen, wo selten mehr als 40% erfolgreich abschliessen. Ausnahmen sind auch hier wieder die Zwangskurse, wo die Firma die Weiterbildung bezahlt oder sie extrem teuer ist.

Darf man bei MOOCs überhaupt Abbrecher messen?

Zu guter letzt, will ich aber auch noch einmal den Sinn der Abbrecherquote in Frage stellen. In den cMOOC Diskussionen werden immer wieder die Teilzeitlernen bzw. Fragmente des Lernens als Ergebnis gewertet. Kaum einer will einen ganze Kurs machen, sondern er will nur ein Element nutzen. Ähnlich wie beim Fachbuch, wo man meist nur ein paar Kapitel benötigt. Trotzdem gehen wir davon aus, dass jeder den gesamten Kurs belegen will, der meist auch noch viel zu lang ist. MOOCs entsprechen hier eher Webseiten, die man nie komplett liest (wer würde behaupten eine Webseite wäre falsch, nur weil jeder Besucher nur drei Seiten anschaut?) oder Tageszeitungen, die auch kein Mensch komplett liest, sondern jeder Leser nimmt die Artikel, die ihn interessieren, z.B. Lokalteil, Sport oder Wirtschaft. Tageszeitungen sterben jedoch, MOOCs können und sollten hier flexibel reagieren, da sie digital sind. Die Frage ist dabei, welchen Teil interessiert dabei den Teilnehmer?

Was muss also passieren?

Als erstes sollte natürlich die Zahl der Abbrecher nicht mehr diskutiert werden, da dies unsinnig ist. Was jedoch wichtiger wäre, sind neue Formate. Zum einen sollte man über verschiedene Lernwege diskutieren. Ich kenne hier noch keine Plattform, die das ordentlich unterstützt, aber ich glaube auch, dass dies nicht die Lösung ist. Ich gehe davon aus, dass der Lerner sich selber seine Inhalte aussuchen wird, ähnlich wie bei YouTube, Amazon oder Wikipedia. Dabei werden noch Empfehlungssysteme (wer dies gelesen hat, hat auch das gelesen) implementiert, die quasi die Lernwege empfehlen.

Parallel sollten die MOOCs extrem verkürzt werden. Ich würde als erstes von 10-14 Tagen ausgehen, darunter wird es schwer sein, von MOOCs zu sprechen. Unter 10 Tagen, sind wir schon fast beim Learning Object, und dann hätten wir, ähnlich einer Playlist, eine Voll-Automatisation der Lehre.

Zu guter letzt müssen MOOCs permanent da sein. Das heisst es gibt keinen gemeinsamen Start und Ende, sondern jeder fängt an, wann er will und macht auch seine Prüfung, wann er will (on demand). Damit wären Kurse dann aber Voll-Elektronisch, auch die Prüfungen und das ist juristisch schwer. Marburg mit seinen Linguistik-Kursen wird dies demnächst ausprobieren und dies zeigt auch die neue Richtung. Ob MOOCs damit jedoch in der Hochschule funktionieren, darf bezweifelt bzw. diskutiert werden. Ich denke auch hier, wir sind immer noch am Anfang. Die MOOCs ändern sich rasant und zwar viel schneller und extremer als die Blended Learning Institutionen. Es bleibt also spannend bzw. es wird immer spannender.

 

 

Was haben MOOCs und Online-Journalismus gemeinsam und warum scheitert Blended Learning?

Was haben MOOCs und Online-Journalismus miteinander zu tun? Ganz einfach, sie haben die gleichen Problemfelder und gehen konsequent vielleicht sogar radikal in eine neue Richtung.

tl;dr

Ich hab schon sehr viel vom Scheitern des E-Learning gelesen, damit ist aber immer das Blended Learning gemeint gewesen. Das fatale dabei ist, dass beim Blended Learning analoge Konzepte, digital nacherzählt wurden. Sie bleiben aber dennoch analog, das sieht man an den PDFs und dem Wunsch alles auszudrucken um es dann „mobil“ mitnehmen zu können. Das funktioniert aber nicht. Es ignoriert die Möglichkeiten des Netzes (Video, Audio, Interaktivität und vor allem die Hyperlinks) und vor allem ignoriert es den Kunden. Der Journalismus steckt da in dieser Zwischengeneration fest, denn die analogen Konzepte funktionieren nicht mehr und die digitalen sind noch nicht soweit, dass sie funktionieren. Fakt ist, dass jeder Verlag massiv Kunden und Auflagen verliert.

Bei den Hochschulen ist dies vergleichbar, auch wir sitzen fest. Das Allheilmittel der Digitalisierung, nämlich das Blended Learning als Kompromiss-Lösung, funktioniert bekanntlich nicht wirklich, aber es ist besser als nichts. Wir stecken da fest, denn bis auf ein paar Einzelprojekte tut sich nichts großartiges. Das liegt meist daran, dass auch hier analoge Konzepte einfach 1:1 digital umgesetzt werden. Man könnte das Blended Learning gut mit den analogen Zeitschriften wie Spiegel und Stern vergleichen. Man nimmt die gleichen Inhalte und stellt sie online. Immer noch eine verdammt gute Rendite und alles funktioniert, aber irgendwie wird hat man das Gefühl, dass wird nicht mehr lange halten.

Einige Verlage handeln und bauen ihre Online Portale aus, wie bei Bild und Spiegel-Online zu sehen ist. Modernes Storytelling, große mediale Elemente und inzwischen sogar eigene Video-Bereiche. Die Bild hat Premium Content mit der Bundesliga und wer kennt Spiegel.TV noch nicht? Beide Portale sehen den Text nicht mehr als Leitmedium, sondern als Ergänzung. Einzelne Leuchtturmprojekte werden geboren und anschaulich erzählt dieses Video, den Leidensweg des Online-Journalismus.

Die Hochschulen machen dies ähnlich und nennen die Leuchtturmprojekte dann MOOCs und jetzt wird es interessant. Auch wir merken überall, dass es mit dem alten Blended Learning so nicht richtig funktionieren kann. Wir schreiben immer noch Bücher (PDFs) und sind arrogant davon überzeugt, das das so weiterhin funktionieren muss, da es schon immer so war und unsere Rendite stimmt ja auch. Es kommen immer noch Studis an die Hochschulen und kriegen das Material wie vor 100 Jahren und bei Beschwerden machen wir es uns sehr einfach und sagen: Das liegt entweder an der Bologna Reform oder die Jugend wurde schlecht ausgebildet oder die Kids können sich dank Smartphones einfach nicht mehr konzentrieren. Was wir, und das ist der Unterschied zu den Verlagen, uns aber leisten können, wir müssen die Bedürfnisse der Kunden nicht erfüllen. MOOCs zeigen uns aber einen alternativen Weg, der aber noch neu und offen und anfällig für Kritik ist. Wir wissen alle noch nicht wie die Lehre der Zukunft aussehen wird, aber wir sollten auch alle inzwischen erkannt haben, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann.

Heute wollen die Kunden/Studis keine analogen „long Reads“ mehr haben, denn sie wissen dank Snapchat, YouTube, Twitter und Co, dass es auch anders gehen kann. Und wie die Verlage ignorieren auch die Hochschulen diese Erkenntnisse und setzen dem Kunden/Studi einfach das PDF/Tafelbild vor und sagen, dass hat bei mir auch so funktioniert und Qualität kommt von Qual, also arbeite das jetzt durch, sonst kriegt man den Schein nicht.

Wir predigen immer noch das analoge serielle Buch als ideal der Wissensform, obwohl wirklich inzwischen alle (Buzzfeed, Facebook, Google, Spiegel, Coursera, ich 🙂 ) sagen, dass Video die Erzählform Nummer eins ist. Der Kunde will Videos haben und Bilder, aber wir geben ihm entweder unvertonte Powerpoint Slides oder halt PDFs oder noch schlimmer: Buchempfehlungen.

Die Crux an der Sache ist jedoch, dass wir immer noch denken, dass Inhalte von einem Fachexperten geschrieben(!) werden. Auch hier haben die Verlage und die Hochschulen die gleichen Probleme, denn ein wahrer Journalist recherchiert selbst, schreibt „long reads“ und lässt das evtl. noch Korrektur lesen. Online-Journalisten sind Sekundär-Journalisten und duften lange nur Zweitverwertungen durchführen.

Inzwischen jedoch, und auch hier wird es spannend, rüsten die Medienhäuser auf:

Die Washington Post hat nach der Übernahme von Jeff Bezos die Angestellten nicht gekürzt, sondern um 100 neue Kollegen erhöht, aber davon waren fast 50 Techniker. Damit hat die Post ihre Entwicklerabteilung von 4 auf 47 quasi verzehnfacht. Neue Journalisten werden nur noch eingestellt, wenn sie hohe technische Kompetenz haben. Der moderne Online-Journalismus ist Teamwork zwischen Journalismus, IT-Development, Videos und Mediendesign. Auch Wolfgang Blau vom Guardian erzählt genau das gleiche und dort (ich hoffe ich hab die Zahl noch korrekt in Erinnerung) wurde die IT-Abteilung auf 370 erhöht!

Die Lernkurve ist bei den großen Verlagshäusern inzwischen angekommen, bei uns in den Hochschulen leider noch gar nicht. Wir predigen immer noch, dass ohne ein mediendidaktisches Konzept in der Online-Lehre gar nichts gehen dürfte. Technik darf nie die Triebfeder sein und daher werden auch die meisten E-Learning Konzepte aus der Geisteswissenschaft/Medienpädagogik gesteuert. Ich sage schon lange, dass dies grundlegend falsch ist, denn (schaut euch das Spiegel-Online Video oben an) E-Learning ist Teamwork aus verschiedenen Fachgebieten. Wir stellen schon lange keine Pädagogen ein, die keine Smartphones oder keinen Skype-Account haben, wenn wir überhaupt Pädagogen einstellen. Wir merken an den MOOCs, dass wir hier völlig neue Wege in der Kursgestaltung gehen müssen. Dabei spielt die Technik, die UX und das Storytelling zusammen. Wir brauchen bei MOOCs keinen Professor mehr, der alleine bestimmt, was der Inalt sein soll. Der Prof kennt und beherrscht leider nur das Buch-Format. Der kann gar nicht in MOOCs denken, genau wie der alte analoge Journalist. Moderne Hochschul-Inhalte müssen im Team entwickelt werden und neue Erzählformen haben.

mooin - Logo

mooin – Das MOOC Portal der FH Lübeck

Zusammenfassend kann man sagen, dass die alte Buchform und damit die serielle Erzählform tot ist, nur weiss man das noch nicht. Wir haben schon seit gut 20 Jahren eine Hyperlink-Erzählform, die jedoch gewissenlich ignoriert wird. Online werden diese alten Inhalte NICHT funktionieren und selbst die Verlagshäuser gehen diese Wege noch nicht konsequent, denn Fremdinhalte und externe Referenzen werden ignoriert. Hier fehlt noch eine Remix-Kultur, das passende Urheberrecht und OER-Inhalte. Neue Inhalte und Erzählformen werden gerade entwickelt und wir alle wissen nicht, wo der Weg hingeht. Die Verlage bauen die Online-Plattformen zu Medienportalen aus, einige Hochschulen entwickeln MOOCs aber es entstehen auch neue Angebote, wie Vice und Buzzfeed bei den Verlagen und Lynda, Coursera und auch mooin bei den Hochschulen. Zum Glück für uns, merken die meisten Hochschulen diesen Wandel nicht und die Probleme der Verlagshäuser sind erst in 10 Jahren die Probleme der Hochschulen, aber wie ich es so oft schon gesagt habe: Die Frage ist nicht, ob die Digitalisierung in die Hochschule kommt, sondern nur wann sie kommt.

 

Der VideoMOOC stellt sich vor

Morgen startet also der erste neue MOOC auf unserem MOOC-Portal mooin. Wie jeder MOOC hat auch dieser eine eigene Geschichte. Die Entscheidung überhaupt einen Videokurs zu entwickeln, war eigentlich zufällig. Wir haben uns bei den Themen für die MOOCs, nicht nach akademischen Gesichtspunkten gerichtet, sondern haben überlegt, welche Themen besonders gut medial umgesetzt werden könnten. Da wir xMOOCs machen und wir schon einen sehr guten YouTube-Kanal haben, lag es sehr nahe, dass wir das Video-Thema aufgreifen und natürlich denken wir auch über andere mediale MOOCs nach.

Die zweite Überlegung war, dass wir einen medialen Autor mit hoher Internet-Kompetenz brauchten. Die findet man selten im akademischen Umfeld, daher haben wir YouTube-Channels, Video-Portale und bei Amazon die Bücherlisten durchstöbert. Entdeckt haben wir unseren Autor Markus Valley aber dann eher zufällig über eine Crowdfunding-Plattform, wo er sein Trainingsbuch finanziert hat.

Das war dann auch der dritte Aspekt, denn wir wollten jemanden haben, der schon fertigen, hochwertigen Content hat und auch ein mediendidaktisches Konzept. Einer meiner Lieblingssätze dazu ist: „Ich will niemanden überzeugen, sondern ich will mit Überzeugten arbeiten.“ Das macht es bei solchen Projekten viel einfacher, denn ich will ja nicht immer gegen analoge Windmühlen anrennen, sondern mich vom digitalen Rückenwind beflügeln lassen 🙂

Der letzte Aspekt war dann, dass wir ähnlich wie beim MarketingMOOC, telegene Autoren benötigen, die einfach gut und sicher vor der Kamera reden können. Auch das ist eher eine Seltenheit und auch diese Menschen findet man eher auf YouTube als in der Hochschule.

Da Markus in München wohnt, war die Entfernung natürlich eine Hürde aber keine große. In der letzten Adventswoche kam Markus nach Lübeck und wir haben den gesamten MOOC in 2,5 Tagen gefilmt, was ich wirklich fantastisch finde und es zeigt auch, dass man richtig Zeit und Geld sparen kann, wenn man die richtigen Leute auswählt. Unser Video-Experte brauchte dann natürlich lange, um alle Videos zu schneiden. Ich bin gespannt, wie die Feedbacks seien werden.

Vom Konzept her, setzen wir beim VideoMOOC natürlich extrem auf hochwertige Videos. Vertiefende Textinformationen haben wir meist verlinkt. Auch hier bin ich wieder gespannt, ob das akzeptiert wird, denn viele erwarten, dass sich alle Informationen IM Kurs befinden sollten. Wir denken jedoch netzbasiert und wollen das Rad nicht ein zweites mal erfinden. Warum also alle Texte noch einmal schreiben, wenn es doch schon besser woanders steht. Das Trainingsbuch von Markus ist kein Teil des Kurses, aber wir haben auch nichts dagegen, wenn es verlinkt wird. Das Buch ist gut und wir verdienen nichts am Umsatz und der Autor soll ruhig etwas verdienen. Geld verdienen ist bei MOOCs keine unanständige Sache, sondern die logische Konsequenz.

Leider werden nicht alle Videos OER sein, da wir einige Sequenzen von Markus altem Material nutzen wollten. Das sind die kleinen Kompromisse, die wir eingehen müssen und  auch hier denke ich, dass das absolut vertretbar ist, da wir einen hohen Qualitätsgewinn erhalten, ohne Mehrkosten zu haben.

Die integrierten Capira Fragen in den Videos, sind beim VideoMOOC nicht so relevant, da die meisten Videos eher Tutorials sind. Wir setzen hier vermehrt auf das praktische Arbeiten, also jeder Kursteilnehmer muss Videos drehen, schneiden und hochladen. Dafür gibt es dann Lernfortschritt und natürlich die schon bekannten Badges. Der Clou sind aber natürlich die Einsendeaufgaben:

Die letzte Aufgabe kann sogar von Markus Valley persönlich benotet werden und er gibt pro Einsendung ein ca. 15 Minuten langes Video-Feedback, was aber dann nicht mehr umsonst sein kann. Auch hier bin ich sehr neugierig, wie viele diesen Extra-Service buchen werden. Für uns ist das ein Experiment und wir verdienen fast nichts daran, aber auch hier ist die Botschaft, dass MOOCs teilweise auch etwas kosten dürfen, vor allem wenn es Extra-Leistungen sind. Auf der anderen Seite müssen wir hier natürlich auch ein Bezahlsystem entwickeln, was noch am Anfang steht und das ist auch einer der vielen Gründe, warum wir eine eigene Plattform haben. Die Video-Integration, die OpenBadges-Schnittstelle und das Bezahlsystem sind Alleinstellungsmerkmale, die in dieser Summe keine mir bekannte Plattform auf der Welt hat.

VideoMOOC Werbebanner

VideoMOOC Werbebanner

Wir haben den VideoMOOC auf sehr vielen Plattform versucht zu bewerben und auch Kooperationen haben wir angefragt. Leider ist die Welt anscheinend noch nicht bereit dafür und wir werden sehen, wie es mit dem VideoMOOC weitergehen wird. Die ersten Anmeldezahlen machen mich jedoch zuversichtlich, denn wir haben schon die 400 geknackt und das Minimalziel von 500 ist zum greifen nah. Wir gehen im Gegensatz zu vielen anderen Plattformen, sehr transparent mit unseren Daten um, da wir für Transparenz und Offenheit sind, sonst bräuchten wir auch keine MOOCs machen.

Wer Lust hat, schaut rein. Ich finden den MOOC wirklich gelungen und bin auch etwas stolz auf das Projekt. Wenn ihr ihn auch gut findet, macht Werbung und setzt Links. Wir sind immer dankbar für Hilfe, denn wir freuen uns über jeden neuen Teilnehmer.

 

 

 

E-Books bedeuten weit mehr als digital lesen

Innovation kann man nicht per Umfrage ermitteln. Hätte man 2007 gefragt, ob man ein Handy mit Tasten oder eines mit Glas besser finden würde, hätte mit Sicherheit die Tastatur gewonnen. Menschen stimmen in der Mehrheit immer gegen den Wandel. Das Potential der Innovation erschliesst sich erst aus dem Lauf der Geschichte.
Relevanz von Services und Lernmedien im Fernstudium (Quelle IUBH - Trendstudie)

Relevanz von Services und Lernmedien im Fernstudium (Quelle IUBH – Trendstudie)

Wenn man jetzt also Studierende oder auch Schüler fragt, ob sie lieber mit Papier oder mit E-Books lernen wollen, antwortet natürlich die Mehrheit, dass sie beim Bekannten Medium bleiben wollen. Das Neue ist unbekannt, fremd und man empfindet eine natürliche Unsicherheit. Eine Umfrage ist daher sehr selten dafür geeignet um einen Wechsel einzuleiten, das gleiche gilt übrigens auch für unsere geliebte Demokratie, die dadurch immer einen Reformstau hat, was aber ein anderes Thema ist.

Hype Cycle oder Innovationskurve

Hype Cycle oder Innovationskurve

Wenn etwas neues eingeführt wird, kommen die Early Adaptor, die auf alles aufspringen, danach wird es jedoch erst interessant, wenn die ersten Enttäuschungen kommen,  und der Hype vorbei ist. Meiner Meinung nach befinden wir uns bei der Einführung des E-Books jedoch schon in der Endphase, dem „Plateau of Productivity“, wobei ich den Begriff des E-Books hier einmal viel weiter fassen will, als es die meisten machen. Im Grunde gibt es sogar keine richtige Definition für E-Books aber auch das ist ein anderes Thema. Was ich meine, ist die Digitalisierung des Textes und das hat weit mehr Auswirkungen, als nur Texte auf einem elektronischem Gerät zu konsumieren.

Es war mal wieder eine dieser Twitter-Diskussionen, wo man mehr denkt, als man schreiben kann. Das ist ja das schöne an Twitter. Der entscheidende Tweet war dabei für mich, der auch wieder von mir war 🙂

Man kann die Vorteile von E-Books schnell technisch darstellen. Sie sind schneller aktualisierbar, skalierbar, portabel. Es gibt keine Lagerkosten, die Distribution ist schnell und natürlich kann man sie interaktiv, multimedial und durchsuchbar machen. Es geht jedoch bei der Einführung von E-Books um mehr als nur um digitale Dokumente. Es geht um eine Lebenseinstellung oder besser ausgedrückt um eine Arbeitseinstellung. In der zukünftigen Arbeitswelt sind neue Arbeitsweisen gefordert. Heutzutage ist Team-Arbeit gefordert. Man arbeitet flexibel in verschiedenen Gruppen und an verschiedenen Orten. Die Hochschulen reagieren darauf und stellen die Bachelor-Studiengänge auf Kompetenzorientierung um, wo genau diese Fertigkeiten vermittelt werden sollen. Aber wie werden diese Fertigkeiten praktisch vermittelt? Gibt es ein Fach im Studium Gruppenarbeit und Flexibilität? Natürlich nicht, denn das sind Querschnittskompetenzen, die fächerübergreifend überall vermittelt als auch erwartet werden.

Wie arbeitet man aber heutzutage?

Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich da immer nur Anekdoten erzählen. Vor kurzem haben wir eine Pressemitteilung mit drei Partnern verfasst. Gearbeitet wurde dabei in der digitalen Steinzeit, sprich man hat zwar digital geschrieben aber der Workflow war wie bei Papier. Der erste verfasst eine Rohversion, verschickt diese per E-Mail (immerhin als Word und nicht als PDF) und die anderen haben dann ihre Änderungen eingepflegt. Dadurch sind dann natürlich mehrere Versionen entstanden und am Ende musste einer leiden und diese Versionen zusammensetzen. Hätte man Dropbox genutzt, wäre das Leid kleiner gewesen aber gut wäre es trotzdem nicht geworden. Ich hatte gleich GDrive vorgeschlagen, aber da kaum einer einen bösen Google-Account hat bzw. niemals für die Arbeit nutzen würde, war das natürlich unmöglich. Am Ende war dann auch noch die Version, die von sechs Leuten Korrektur gelesen wurde, immer noch mit Fehlern überhäuft. Trotz aller Fehler bei diesem Workflow und trotz der viel besseren Technik (Cloud), wird das nicht genutzt. Warum?

Die Lösung ist ganz einfach, denn die Systeme werden praktisch nicht gelebt. Wie soll das auch geschehen, denn alle haben in ihrem Studium bzw. in ihrem ganzen Leben nur analoge Medien kennengelernt bzw. sie haben digitale Kopien der analogen Welt bekommen. Alle Prozesse sind immer noch analog, d.h. es wird seriell gearbeitet statt parallel. Man kann digitale Workflows auch nicht lernen, man muss sie leben.

Das Gegenbeispiel erlebe ich fast täglich bei uns im Online-Studium. Hier wird alles digital gemacht aber es gibt kein Extra-Fach „Medienkompetenz“. Die Cloud ist Alltag, sei es LOOP, Etherpad oder Skype und GDrive (wobei die letzten beiden Systeme gar nicht von der Hochschule angeboten werden, sie sind aber permanent im Alltag des Studierenden vorhanden). Gruppenaufgaben werden per Connect mit Headset und parallel am Laptop im GDrive bearbeitet. Nicht selten arbeiten 2-4 Leute gemeinsam am Dokument. Mir kommt das manchmal so vor, wie bei einem koordinierten Angriff bei World of Warcraft mit Teamspeak. Der eine schreibt die Einleitung, der andere kopiert die Arbeitsergebnisse ins finale Dokument, der dritte layoutet alles und der vierte macht Kopf- und Fußzeilen.

Was ich damit sagen will, und worauf es immer wieder hinausläuft, man muss diese Techniken vorleben und das bedeutet alle müssen das machen. Mit allen meine ich die Profs, die Verwaltung der Hochschule und die Sekretariate. Nur im täglichen Leben, lernt man diese Arbeitsweisen und diese digitalen Workflows sind unglaublich wichtig für die Zukunft, denn sie bedeuten Effektivität. Ich bin überzeugt, dass wir bei oncampus sicherlich um 10-30% effektiver arbeiten, als andere E-Learning Organisationen. Telearbeit, Webkonferenzen, GDrive, Etherpads, Tablets, Ressourcenmanagement, Ticketsysteme und natürlich Skype sind bei uns Alltag. LOOP hat bei uns Maßstäbe gesetzt und das nicht nur in den Workflows, sondern auch im Verständnis der Kollegen. Wie bindet man OER-Inhalte aus YouTube, Prezi, Slideshare und Co ein? Wir machen das täglich und dazu alles auch noch in ASCII-Wiki-Syntax und teilweise mit TeX-Notation.

In der analogen Hochschule fehlt dieses Vorleben jedoch. Studierende sehen alles analog, treffen sich auch analog in Bibliotheken und verbringen dann auch noch Zeit in Autos um dort hinzufahren. Vielleicht verschicken sie sogar Doc-Files mit Änderungsmodus, denn sie wissen nicht was sie tun.

Das ist auch der Grund, warum diese Ansätze wie Print on Demand nicht funktionieren. Da wird immer noch analog gedacht, obwohl die Zukunft digital sein wird und daher völlig andere Kompetenzen erwartet. Wer heute noch mit Papier studiert, wird genau die gleichen Probleme kriegen, wie die heutigen 50jährigen Sekretärinnen, die mit Outlook auf Kriegsfuß stehen, das sie noch nicht einmal auf der Schreibmaschine ausgebildet wurden. Sie haben kein Verständnis für Office und wir bilden Menschen aus, die dann später mit Mobilgeräten und der Spracherkennung nicht umgehen können und nicht kollaborativ in der Cloud arbeiten können.

Das traurige jedoch an der ganzen Geschichte ist, dass bestimmt kein einziger Student an der VFH das bewusst wahr nimmt. Für die meisten ist das Alltag und selbstverständlich, dass sie jedoch, dank der konsequenten Umsetzung des vollen digitalen Studiums, noch eine Menge Kompetenzen mitnehmen, die sie bestimmt in den nächsten 10-15 Jahren im täglichen Beruf anwenden können, das ist den meisten gar nicht bewusst. Und im Gegenzug sucht sich bestimmt auch kein Student seinen Studienort nach dem Digitalisierungsgrad der Hochschule aus. Das ist bei keinem Ranking erwähnenswert und dabei ist es meiner Meinung nach, so unglaublich wichtig.

Update:

Oder wie es Anja Lorenz mit einem Meme treffend zeigt.

 

Das ist der Unterschied in der Bildungspolitik

Manche Headlines stimmen einen nachdenklich und machen zum Teil auch Sorgen. Im Ausland wird mächtig in die Bildung investiert vor allem in Asien. Südkorea ist da Vorreiter, denn dort sollen alle Schulbücher bis zum Jahr 2015 komplett digitalisiert werden, damit die Kinder mit Tablets und Smartphones bzw. übers Internet lernen können. Wenn ich nach Deutschland schaue, sehe ich dank dem modernen konservativen Urheberrecht eine Three-Strikes-Regel kommen und die Lehrer werden mittels Schultrojaner überwacht. Das Online-Studium bleibt dank der FDP nun auch auf dem Stand von 1995, denn eine flächendeckende Grundversorgung mit Breitband wird es nicht geben. Dies regelt der Markt angeblich von alleine. Man brauch nur einmal nach Mecklenburg-Vorpommern fahren und fragen, wie schnell es sich regelt. In Südkorea hatten übrigens schon 2007 über 90% Breitband und wir sind immer noch bei ca. 50% und unser Ziel für 2014 sind 75%. Deutschland ist ein Zukunftsland…

Endergebnis Teacher of the Year 2011 plus Hintergrundinfos

Hurra – Wir haben jetzt auch einen Preis zu vergeben 🙂 Beim diesjährigen VFH Symposium dachten wir uns, es sollten „Best Practice“ Beispiele aus unserer Online-Lehre vorgestellt werden, aber wie macht man das? Wir können ja schlecht 600 Kurse anschauen und kompliziert bewerten, also lag es nahe, dass wir die Studierenden befragen. Das hört sich zuerst ganz einfach an, doch der Teufel steckt im Detail. Was wollen wir denn den Studenten fragen? Das beste Lehrmaterial, der beste Kurs oder der beste Dozent? Hat jeder Student eine Stimme, oder mehrere? Soll er nur die Kurse aus diesem Semester bewerten können oder auch die vom letzten Semester, manche Kurse werden ja nur halbjählich angeboten? Würde dann der Preis „Teacher Of The Semester“ heissen (das klingt wirklich nicht gut)? Man merkt schon, das Thema ist komplex, aber es wir noch besser bzw. komplexer. Wie sollen die Stimmen ausgewertet werden? Wenn jede Stimme das gleiche Gewicht hat, dann sind die Dozenten mit großen Kursen natürlich bevorzugt. Die Erstsemesterkurse haben oft 50 Teilnehmer und Masterkurse manchmal nur 8. Hat der Master Dozent zwei Stimmen, so hat er 25% der möglichen Stimmen bekommen, aber hat der Erstsemesterkurs 4 Stimmen, dann sind das doppelt soviel wie der Masterdozent, doch über 90% der Studis, fanden den Dozenten nicht gut. Also mussten wir uns mühsam (ich schreibe besser wissenschaftlich) eine Gewichtung ausdenken, die ein faires Ergebnis erwarten ließ. Unsere offizielle Formel lautet dann:

„Teacher of the Year“ = (Absolute Stimmenzahl für den Teacher / Anzahl durch den Teacher unterrichteter Studenten in den letzten beiden Semestern) * Faktor

Der Student hat dann auch die Möglichkeit bekommen nur seine Kurse zu bewerten, also keine Universal-Liste mit allen Dozenten (hey der Dozent vor 3 Jahren war richtig gut, der kriegt jetzt immer meine Stimme) und er konnte auch mehrere Dozenten wählen, falls er sich nicht auf einen Dozenten festlegen wollten. Jeder Dozent erscheint aber nur einmal auf der Abstimmungsliste, so haben Dozenten, die viel unterrichten keinen Vorteil. Wir dachten am Anfang nicht, das es so schwierig werden würde (langsam hab ich Respekt vor den Wahlsystemen, außer bei uns in Schleswig-Holstein).

Danach mussten wir das alles in Moodle umsetzen und auswerten. Wir waren dann gespannt auf die Ergebnisse und waren teilweise selber überrascht, was dabei herausgekommen ist. Es haben 597 Studierende „gewählt“ und 1005 Stimmen abgegeben, was vielleicht etwas wenig ist, aber trotzdem repräsentativ.  Als die Preisträger feststanden, wollten wir natürlich wissen, warum die Sieger auch so gut sind. Wir haben dann Interviews mit den Preisträgern gemacht (ganz einfach mit Connect und Camtasia) und diese dann auf YouTube veröffentlicht. Es soll nicht nur ein Preis verliehen werden, sondern wir wollen alle wissen, was in der Online-Lehre möglich ist und wie unterschiedlich sie eingesetzt wird. Parallel zu den Interviews gibt auch „virtuelle Pokale“, die jeder Preisträger in sein Moodle Profil kriegt, damit man auch als Student sehen kann, ob er von einem Preisträger unterrichtet wird. Ehre wem Ehre gebührt:-) Natürlich findet diese Offenheit nicht jeder gut, aber man kann es nicht allen recht machen. Ich bin schon gespannt auf die Kommentare, dennoch finde ich die Aktion sehr gut. Ich weiss nicht, ob sie jedem nützt, aber definitiv weiss ich, dass sie niemanden schadet.

Jetzt zu den Ergebnissen:

Platz 1 hat Andreas Wilkens vom Standort HS Emden/Leer belegt, den ich auch sehr schätze und denke das es verdient ist.

Platz 2 ging an Sebastian Purfürst von der FH Brandenburg

Platz 3 ging an den neuen Standort FH Kiel mit Prof. Andreas Thiemer

Die ersten Rückmeldungen waren übrigens durchweg positiv. Die Standorte und Dekanate haben sich alle gefreut und natürlich auch die Preisträger. Teilweise sollen noch einzelne Pressemitteilungen veröffentlicht werden und bei unserer 10 Jahres Feier in Berlin gibt es vielleicht noch ein Siegerfoto. Das macht Hoffnung auf das nächste Jahr und vielleicht hat der eine oder andere Dozent jetzt ein paar neue Ideen bekommen und setzt diese um. Wir sind gespannt auf das nächste Jahr und die Rückmeldungen von diesem Jahr.