Blogparade: Ich packe meinen Koffer und nehme mit (Smartphone Version)

Wer kennt es nicht, dass berühmte Gedächtnisspiel: „Ich packe meinen Koffer und nehme mit„. Aber was wäre, wenn wir uns einer einmal in einer Blogparade austauschen würden, welche Apps man denn in den Urlaub mitnehmen würde? Ich weiss nicht, wie es anderen geht, daher wollte ich einmal kurz meine Lieblings-Apps meiner letzten Urlaube vorstellen und vielleicht wird der eine oder andere Leser, diese Idee aufgreifen, und selbst einige Apps vorstellen.

Ich packe meinen Koffer und nehme mit (Bildquelle: Pixabay Lizenz CC0 https://pixabay.com/de/kamera-fotos-fotografieren-514992/ Li

Ich packe meinen Koffer und nehme mit (Bildquelle: Pixabay Lizenz CCO https://pixabay.com/de/kamera-fotos-fotografieren-514992/ Li

Den Medienwandel am eigenen Leben erfahren

Wir reden so viel über Digitalisierung, Change Management, E-Learning und Co aber hat sich auch unser eigenes Leben dadurch verändert? Wird der Urlaubskoffer wirklich dünner oder haben wir immer noch Bücher, Reiseführer, Fotokamera und Wanderkarten dabei? Leben wir auch das, was wir immer predigen?

Urlaub ist nicht Urlaub

Natürlich macht jeder anders Urlaub. Der eine liebt den Pauschalurlaub, der andere macht Kreuzfahrten, andere wiederum wandern oder segeln und ich fahre meist mit dem Motorrad durch Europa. Jeder nutzt daher wahrscheinlich anders sein Smartphone oder vielleicht ist er im Urlaub sogar offline. Wir wissen es nicht.

Meine ZX10r und ich bei Mopedtour 2013 am Stilfserjoch

Meine ZX10r und ich bei Mopedtour 2013 am Stilfserjoch

Die Hardware

Ich bin jetzt in der vierten Smartphone Generation. Nach Motorola Droid, dem Galaxy S3 und dem S5 hab ich jetzt ein Nexus 6p. Richtig gut ist das Smartphone Leben erst mit dem S5 geworden (leider hat es zu wenig Speicher gehabt) und jetzt mit dem Nexus ist es manchmal ein Traum. Ich kann daher nur von Android reden bzw. schreiben.

Der Urlaub

Ich war gerade mit dem Motorrad zur EM in Frankreich, d.h. ich bin 3.500 km quer durch Holland, Belgien und dann durch Frankreich gefahren. Seit ca. drei Jahren nehme ich keinen Fotoapparat mehr mit und dies Jahr hab ich sogar auf das Navi verzichtet. Das Smartphone steckt in der Brusttasche und im Helm hab ich Bluetooth Kopfhörer, d.h. ich navigiere nur per Audio mit GoogleMaps. Klappt recht gut, außer man hat französische Kreisel mit fünf oder mehr Abfahrten 🙂 Straßenkarten aus Papier nutze ich seit ca. 4 Jahren nicht mehr, obwohl ich meist noch Übersichtskarten mit habe (vom ADAC), die aber ungenutzt in den Papierkorb kamen.

Hyperlapse Testaufnahme mit Klebeband am Außenspiegel - hat funktioniert

Hyperlapse Testaufnahme mit Klebeband am Außenspiegel – hat funktioniert

Und jetzt die Apps

  1. Offline Wikipedia ist für mich das absolute Must-Have. Früher nutzte ich Wikidroyd, was es leider nicht mehr gibt. Jetzt nutze ich Kiwix und bin sehr zufrieden. Die offline Wikipedia in deutsch ist ca. 2 GB groß und hat keine Bilder. Sie ersetzt bei mir jeglichen Reiseführer und ich liebe es darin zu schmökern. Gerade jetzt in Frankreich beim Besuch am Omaha-Beach und dem D-Day Memorial ist die Wikipedia quasi unerschöpflich und unersetzlich. Ich hab noch keine Offline Wikipedia für iOS entdeckt, aber vielleicht hat der eine oder andere Leser da einen Tipp.
  2. Offline Straßen-Wanderkarte OpenStreetMap (OSM) muss dabei sein. Als Motorradfahrer brauch die zwar nicht direkt, doch für Städte und zum wandern und Fahrrad fahren ist sie der moderne Traum. Ich nutze hier OSMand+ die inzwischen auch eine sehr gute Routing-Funktion hat. Man kann alle Karten umsonst als OSM runterladen (für Deutschland jedes Bundesland einzeln) und offline nutzen. Im Gegensatz zu GoogleMaps ist dort wirklich jeder Weg verzeichnet und bei Es gibt kostenpflichtige Zusatzkarten z.B. mit Höhenprofil oder Seekarten. GPX-Tracks können auch über die Dropbox geladen werden, aber ob man  den folgen kann (also mit Alarm-Funktion, wenn man sich n Meter von der Strecke entfernt), weiss ich nicht. Dafür hab ich immer Orux-Maps genutzt, die aber inzwischen eine schlechte Usability hatte (soll jetzt besser sein). Bei Radtouren klemm ich das Smartphone an den Lenker (Fahrradhalterung) und navigiere dann aber auch ohne Display nur mit Audio oder ich hab in der Lenkertasche ein Powerpack. Während der Fahrt schalt ich meist sogar in den Offline-Modus und hab nur GPS an, dann spar ich sehr viel Akku und trotzdem funktioniert die Navigation. Es gibt inzwischen auch Fahrradlampen mit USB-Anschluss, aber Licht UND Smartphone aufladen geht nicht, also aufpassen bei Nachtfahrten.
  3. Bei der Hotelbuchungs-App Tripadvisor muss man darauf hinweisen, dass die im Ausland natürlich viel besser ist als in Deutschland. Unsere Hotels sind natürlich viel zu rückständig, als das in Tripadvisor alle Hotels flächendeckend vorhanden sind. In Frankreich war Tripadvisor jedoch ein Traum. Ich hab alle Hotels jeweils einen Tag vorher gebucht und teilweise 50% Rabatt bekommen. Sogar in Paris zur EM hab ich ein DZ im Design-Hotel im Zentrum für 87,- bekommen. Für Pauschalreisende sicherlich nicht sehr wichtig (da sind aber auch Sehenswürdigkeiten und Restaurant-Bewertungen drin), aber seit ich Tripadvisor nutze, brauch ich keine Touri-Infos mehr.
  4. Natürlich darf Facebook nicht fehlen, denn wen kann ich sonst mit meinen Urlaubsbildern nerven, wenn nicht meine Facebook-Freunde:-) Früher hab ich sogar teilweise noch gebloggt oder Reise-Apps wie Mobility-Trip oder Journal genutzt. Heute nutze ich fast ausschliesslich Facebook. Ganz selten poste ich auch mal privates Zeug auf Twitter und seit es die 360 Grad Bilder gibt, ist das bei Facebook richtig gut geworden. Da merkt man auch, dass statische Fotoalben den Anschluss verloren haben. Leider hat Facebook noch keine Stories, wie Google-Fotos.
  5. Zum Schluss noch der ganze Rest, den man immer etwas braucht, wie Wecker, Wetter, GoogleMaps, Spotify, DBNavigator und Translator sowie die Taschenlampe. Zum lesen nutze ich inzwischen einen Kindle. Das war es.

Was wurde eingespart

Wie schon erwähnt, ich habe keine Papierbücher mehr, kein Navi, keine Straßenkarten und keinen Fotoapparat, dafür aber die drei Ladegeräte (Bluetooth-Headset, Smartphone, Kindle) und natürlich Powerpacks, Adapter und Kabel. Besser ist es also nicht wirklich geworden.

Was ist eine Blogparade, und wie kann daran teilgenommen werden?

Ich habe mich bei Oliver Tacke inspirieren lassen, der aber selbst bei Thorsten Larbig geschaut hat; ich lehne mich stark daran an.

Bei einer Blogparade erstellen innerhalb eines bestimmten Zeitraums verschiedene BloggerInnen (oder VlogerInnen und vielleicht sogar PodcasterInnen?) einen Beitrag zu einer bestimmten Frage. Diese Parade benötigt aber auch einen Ort, wo sie auflaufen kann – in diesem Fall dieser Blogbeitrag hier. Wenn du einen etwas beisteuern möchtest, verlinke doch einfach in einem Kommentar darauf. Einfach einen (längeren) Kommentar hinterlassen geht natürlich auch ? BloggerInnen können innerhalb ihres Textes einfach auf diesen Beitrag hier verlinken, dann erscheint automatisch ein Verweis in den Kommentaren per PingBack.

Hier noch einmal die Schritte zum Mitmachen

  1. Erstelle einen Beitrag zu der Frage, welche deiner Apps, die wichtigsten im Urlaub sind und erklär das kurz. Es ist völlig egal, ob du ein Android oder ein iPhone hast oder ob du Pauschaltourist oder Abenteurer bist.
  2. Verlinke deinen Beitrag mit diesem Artikel hier (http://www.onlinebynature.com/2016/08/blogparade-ich-packe-meinen-koffer-und-nehme-mit-smartphone-version) oder weise unten in einem Kommentar mit Link darauf hin.
  3. Schaut euch natürlich auch gerne die Beiträge anderer an, kommentiert dort, verlinkt auch dorthin – dann wird es so richtig lebendig.

Die Blogparade läuft einen Monat bis zum 31. August 2016. Bis dahin dürft ihr gerne auf allen Kanälen darauf hinweisen, die euch so einfallen: Twitter, Facebook, Telefon, Mensaflyer und natürlich im Urlaub.

Mein erstes Barcamp Hamburg

Was hab ich mich auf dieses Barcamp gefreut. Seit fünf Jahren geh ich jetzt auf Barcamps und ich liebe das Format. Meist war ich in Kiel und dann haben ja auch Konferenzen, wie die GMW das Format entdeckt, was aber noch nicht so richtig funktioniert. Merkt man aber erst, wenn man bei einem „richtigen“ Barcamp war. Hamburg soll ja so ein richtiges noch sein, hab ich irgendwo gelesen und finde den Link nicht mehr. Inzwischen habe ich schon selbst ein kleines organisiert und wer weiss, was noch alles kommen wird.

2014-11-08 09.43.27

Wenn man von der Hochschule kommt, ist man auf nem Barcamp allein. Ich hab keine Ahnung warum coole und richtig inhaltlich hochwertige Konferenzen, wie Barcamps aber auch die re:publica oder der CCC  von den E-Learning-Experten ignoriert wird. Wenn man mal wirklich verstehen will, wie dieses Netz funktioniert, muss man solche Camps mitmachen. Leider kriegt man für eine gehaltene Session keine Veröffentlichung in der Vita und daher ist das auch für Akademiker eher wertlos, macht aber Spaß 🙂

Zu den Sessions will ich gar nicht so viel schreiben, dass haben viele andere, sehr viel besser gemacht. Meine Highlights war natürlich der Porno (muss man dabei gewesen sein), natürlich die Twitterwall beim Gewinnspiel (hey man schaltet keine Twitterwalls ab), 165 Social Media Tools in 40 Minuten und die Weinverkostung (ups das darf ich bestimmt nicht schreiben). Insgesamt waren die Sessions sehr hochwertig. Ich hatte gefühlt bei 70% was gelernt, bei anderen Konferenzen nehme ich gefühlt nur 20% mit.

Was mir besonders gefallen hat, waren diese kleinen Selbstverständlichkeiten, oft nur in Nebensätzen gesprochen, aber für jemanden aus der Hochschule, der seit Jahren für die Digitalisierung kämpft, ist das Balsam auf der Seele. Bei den Marketing Sessions werden Papierkampagnen völlig ignoriert „Papier ist tot, darauf muss ich jetzt nicht eingehen, oder?“ oder ein 14jähriger erzählt  „Ich konnte den Browser-Cache löschen, bevor ich schreiben konnte.“ und Fotos werden geposted ohne Einverständniserklärungen zu verhandeln (macht euch einen No-Foto-Button aufs Shirt und keine Kinder knipsen ohne Mama zu fragen.).

BarCamp-Hamburg-Top-5-Tweets

Die Vielfalt der Session fand ich auch sehr gut, obwohl Social Media echt trendig war und Verlage sterben eben. Aber auch Rapsberry Pi war da (Hardware war trotzdem wenig), Filme (HSV und Serienjunkies) aber auch Essen und trinken (Rittersport, Craftbeer, Weinverkostung) wurden vorgetragen. Auf Barcamps gibt es halt echte Bandbreite. Trotzdem waren am zweiten Tag noch ein paar freie Slots zu finden. Redner werden seltener, ist aber bei anderen Konferenzen auch so. Guten Inhalte gibt es auch auf YouTube.

Was mich jedoch wirklich zum nachdenken brachte, war diese unglaubliche Schnelligkeit der Internet-Themen und wie hochwertig sie teilweise waren. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie eine Hochschule Themen wie SEO, Social Media, Responsive Webdesign oder YouTube-Videos vermitteln will. Bevor auch nur eine eine Vorlesung gehalten wird, müssen die Inhalte diskutiert, abgestimmt und akkreditiert werden. Da vergehen oft Jahre und dann ist da nichts mehr aktuell. Ganz zu schweigen von den Dozenten, die oft 30 Jahre auf dem Lehrstuhl sitzen und so flexibel sind, wie ein Betonmischer im Schrebergarten. Wenn die Barcamp-Besucher jedoch nicht in Hochschulen ausgebildet werden können, warum sind die alle so gut? Wir nennen das Phänomen inzwischen EduPunks bzw DIY-Attitude und all diese Leute haben das Life Long Learning für sich akzeptiert, weil es gar nicht anders geht. Ständig lesen, linken, vernetzen und austauschen und kollaborieren und das am liebsten per Twitter oder anderen Webtools. Ich denke, es ist vermessen als Hochschule, das wir diese Inhalte vermitteln könnten. Natürlich werden jetzt einige sagen, wir vermitteln doch Kompetenzen und zeigen genau, wie man sich diese Sachen selbst beibringt, frei nach dem Motto: „Gib einem Hungernden einen Fisch und er hat Nahrung für einen Tag. Zeigst du ihm jedoch wie man fischt, wird er nie wieder hungern.“. Die Wahrheit sieht aber anders aus, denn eine Institution, wie eine Hochschule lässt das gar nicht zu. Wir haben weder eine digitale Verwaltung (da macht man sich in der Szene wirklich lächerlich, am besten noch Skripte ausdrucken und per Post verschicken, wie viele Fernanbieter es immer noch machen) noch haben wir Menschen, die das unterrichten könnten. Man verliert dann auch die Autorität, wenn die Studis besser informiert sind, schneller arbeiten und vor allem besser vernetzt sind, als die Institution. Warum sollte denn ein Student einem Prof zuhören, wenn der immer noch mit Kreide schreibt, kein Smartphone hat und seine E-Mails nur einmal die Woche abruft. Das muss auch vorgelebt werden und da mangelt es ganz erheblich, obwohl auch wir junge Profs haben.

Zum Schluss kann ich auch nur einmal noch sagen, wie toll das alles war und natürlich viele Dank an die Sponsoren und die tolle Organisation und das leckere Essen und das leckere Bier.

 

 

Wo ist denn jetzt diese MOOC-Revolution?

Es sind ja immer diese kleinen Sätze auf Twitter oder woanders, die mir immer zu denken geben. Diesmal wurde der von mir sehr geschätzte Jörn Loviscach erwählt, mit der schönen Headline „Bisher ist nicht zu erkennen, dass die Hörsäle in Deutschland durch digitale Formate zukünftig leer stehen“ aus dem lesenswerten Interview auf „Digital ist„. Was erwarten wir denn und besser erhoffen wir denn von der digitalen Revolution? Werden wir alle durch Roboter ersetzt,  wie all die Musiker? Wer wurde denn bisher alles ersetzt? Schauen wir uns mal um. Dank der Digitalisierung gibt es jetzt keine Musik mehr, denn es gibt nur noch Raubkopien und alle Musiker sind damit den Hungertod gestorben.

Dann ist die Filmindustrie gestorben, deren Umsätze drastisch eingebrochen sind. Es gibt keine großen Blockbuster mehr oder erinnert sich jemand an aufwendige Comic- oder Buchverfilmungen in den letzten Jahren mit Budgets jenseits der 200 Mio. Dollar Marke?

 

Weltweiter Umsatz der Filmindustrie

Weltweiter Umsatz der Filmindustrie

 

Und als nächstes wird die Buchindustrie vernichtet werden. Buchhandlungen sind schon jetzt Geisterstädte und morgens in der Bahn lesen alle mit Kindle E-Books aus dem freien Kindle Markt oder alte Klassiker. Neuerscheinungen gibt es so gut wie gar nicht mehr.

Und was kommt als nächstes?

Natürlich die Hochschulen! Hörsäle werden genauso leer sein, wie die Buchhandlungen. Studis werden sich die Vorlesungen auf YouTube anschauen und brauchen keine Betreuung mehr und die Klausuren werden von Automaten korrigiert. Schöne neue Welt!

Nein so wird die digitale Bildungsrevolution bestimmt nicht verlaufen. Die Revolution verläuft versteckt im dunklen und im kleinen. Wie Heinz Wittenbrink in seinem Blog korrekt geschrieben hat, sollte  man eher eine Subversion erwarten. Die Hörsäle werden nicht von heute auf morgen leerer werden, es werden neue Konzepte umgesetzt und neue innovative digitale Zusatzangebote entstehen. Die gab es vorher einfach nicht, denn wer konnte schon früher online studieren? Wir haben an der FH Lübeck inzwischen knapp 12% Online Studis und die Jade Hochschule hat imho sogar 20%. Da ist kein Hörsaal leerer geworden, sondern der Hörsaal wird jetzt auch FR Abend und am SA genutzt, da das berufsbegleitende Angebote sind mit neuen Zielgruppen. Selbst die Fernuni Hagen, die wahrlich keine guten digitalen Angebote im Portfolio hat, kann nicht von fallender Nachfrage sprechen.

Schaut man sich einmal die Zahlen der Film- und Musikindustrie genauer an, so wird sogar das Gegenteil passieren. Durch die neuen Angebote, wie E-Lectures, MOOCs und OER, werden völlig neue Zielgruppen sehr viel breiter, intensiver und schneller angesprochen und sehr wahrscheinlich werden die Hörsäle dadurch voller, statt leerer werden. Die Hochschulen machen hier genau den gleichen Fehler, wie die Medienindustrie und verflucht den Wandel. Will man jedoch aus der Vergangenheit lernen, so erkennt man den Wachstum. So war die meist raubkopierte Serie der Welt „Game of Thrones“ auch die mit Abstand meist verkaufte DVD der Welt.

Für die Bildung kann das bedeuten, dass die Dozenten oder Unis mit den besten digitalen Angeboten auch die meisten und besten Studierenden bekommen. Hier sollte man also die Chance sehen und nicht das Misstrauen. Wir können dies auch mit unserem „Grundlagen des Marketing“ MOOC bestätigen, wo wir und auch unser Prof. Opresnik sehr viel positive Resonanz bekommen haben und wir neue Projekte u.a. pMOOC mit 1,3 Mio. Förderung erhalten konnten. Wir betreiben seit 13 Jahren mit der Virtuellen Fachhochschule Online-Fernstudiengänge und keine der beteiligten 10 Hochschulen hat weniger Studierende in der Präsenzlehre bekommen, sondern es ist immer das Gegenteil passiert. Allerdings kämpfen wir noch heute mit diesen Vorurteilen, dass digitale Angebote die alten Angebote ersetzen würden. Das wird nicht passieren, aber wir wachsen überdurchschnittlich. MOOCs werden diesen Trend eher stärken als schwächen, was wir sicherlich in 5 Jahren beweisen können 🙂

Natürlich müssen die Etablierten sich bewegen und durch die Digitalisierung und vor allem durch die Transparenz und damit der Vergleichbarkeit der Angebote, wird sich Qualität durchsetzen. Nicht ohne Grund hat ein Jörn Loviscach 15 Mio. Klicks auf YouTube und Christian Spannagel hat mehrere Tausend Teilnehmer in seinem MatheMOOC. Diese Experten können fesselnde Vorlesungen machen, spielen mit den Inhalten und haben dadurch eine Art von Edutainment geschaffen, was die Jugend von heute haben will. Frontalunterricht mit schlechten Folien sollte der Vergangenheit angehören, aber zum Glück gibt es noch die Anwesenheitspflicht, die geschickt in der Prüfungsordnung verankert, die Dozenten vor der Qualität bzw. den leeren Hörsälen schützt.

Ähnlich wie in der Musikindustrien und den Streaming Diensten werden die Konsumenten die Lager wechseln. Sie gehen weg vom alten Angebot, der CD und gehen zum flexibleren Streaming-Angebot der Flatrate. Die Künstler bleiben, aber richtig gut wird es nur den Guten gehen und das werden weniger. Dieser Prozess wird aber in der Bildung noch Jahre brauchen und MOOCs sind auch keine disruptive Technologie, sondern ein ergänzendes Angebot um neue Zielgruppen zu erreichen und die große Frage dabei wird nicht die Leerung der Hörsäle sein, sondern die Erschliessung neuer Zielgruppen. Fragt sich dabei bloss, ob Hochschulen die perfekten MOOC-Anbieter sind, oder ob das Angebot doch mehr niederschwellig sein könnte.

Ingress – Game, Geocache, Augmented Reality oder doch nur Schlumpf gegen Frosch?

Es war letztes Jahr Anfang des Sommers als ich zufällig mal wieder eine Liste „Welche Apps würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?“ entdeckt hatte. Wie immer checkte ich ganz kurz, ob ich all Apps kenne und siehe da, unter den üblich Verdächtigen, wie Facebook, Flipboard, YouTube und G+ entdeckte ich eine unbekannte namens Ingress. Hey, was ist denn das und natürlich hab ich das sofort gegoogelt (ich glaube das nennt der Fachmann intrinsische Motivation, ich nenn es Neugier). Wie immer hat mir die Wikipedia dann alles verraten.

Ingress ist ein Augmented-Reality-Spiel von Google, welches von Niantic Labs entwickelt und herausgegeben wird. Es ist momentan nur für Android verfügbar.“ Quelle Wikipedia Ingress (Spiel)

Meine grauen Zellen erinnerten sich dann, an ein paar Artikel, die ich mal gelesen hatte. Also beschloss ich, die App zu installieren und in der Mittagspause das einmal auszuprobieren. Ich hatte Glück, denn damals konnte man Ingress nur auf Einladung spielen, aber ich bekam eigentlich sofort nach der Registrierung eine Freischaltung und wusste nichts, von meinem Glück. Vielleicht lag es an meinem gut besuchten Google+ Account.

Nach einem kurzen Beginners Guide musste ich mich dann für eine Seite entscheiden. Die Frage hiess Enlighted (Frosch) oder Resistance (Schlumpf) und irgendwie gefiel mir das Wort Resistance besser und so wurde ich ein Schlumpf. Man muss dazu wissen, dass Enlighted im Spiel grün ist und die Resistance blau, daher auch die komischen Namen.

Ich will das Spiel jetzt nicht lang erklären, dazu gibt es genug andere Seiten im Netz. Ich verweise wie alle Ingress-Artikel auf die deutsche Standard-Anleitung „How not to suck at Ingress„, bestimmt eines der meistgelesenen Gdrive Dokumente Deutschlands, denn inzwischen spricht man von ungefähr einer Million Spieler weltweit.

Ingress teilt die Welt in zwei Lager und auf einer GoogleMaps ähnlichen Karte von der Welt muss man Portale (meist sind das bekannte Orte, wie Denkmäler, Statuen, historische Gebäude, öffentliche Orte oder auch Vodafone Shops) besuchen um diese zu „hacken“. Dann bekommt man Punkte und Gegenstände, damit kann man dann besser hacken und sich langsam hochspielen. Von Level 1 bis Level 8 geht das Spiel und dann ist vorerst das Ende erreicht. Man kann dann zwar weiterspielen, aber nicht mehr aufsteigen. Für Level 8 braucht man ohne Hilfe ungefähr 4-12 Wochen, wenn man täglich eine Stunde spielt. Das sind aber nur ungefähre Angaben, denn es kommt natürlich auf die Portal-Dichte in der Umgebung an. Bei uns auf dem Hochschulcampus gibt es ca 25 Portale, da geht das sehr schnell. Wohnt man jedoch auf einem Dorf und arbeitet auch dort, kann das aber sehr sehr lange dauern. mit anderen Worten, Ingress ist ein Stadtspiel.

Aber was macht die Faszination von Ingress aus?

Ingress hat mehrere geniale Ideen vereint:

  1. Man muss sich draussen bewegen. Man kann ein Portal nur haken, wenn man mindestens auf 40 Meter Entfernung ist. Außerdem sind die Portale mit Bild im Spiel abgebildet, z.B. das Brandenburger Tor oder die Reeperbahn, der Kölner Dom etc. und es gibt tolle Näherungsgeräusche (man sollte das Spiel auch mit Kopfhörer spielen, sonst wird man peinlich von Passanten (Muggels) angeschaut).

    Portale suchen

    Portale suchen

  2. Ab Level 4 kommt man nicht mehr alleine weiter. Um höhere Portale zu bauen braucht man bis zu 8 andere Personen. Man muss sich also vernetzen, damit man stärker wird.
  3. Es gibt inzwischen Badges (Orden) für bestimmte Aktionen, z.B. wenn man Portale baut, Resonatoren zerstört oder Felder baut und noch ganz viel mehr.

    Ingress Badges

    Ingress Badges

  4. Es gibt von Ingress Aktionen um koordinierte Aufgaben zu erfüllen. So reist Ingress von Ort zu Ort (London, Melbourne, Düsseldorf, New York etc.) und stellt jeder Stadt eine Aufgabe. Dann hat jede Fraktion 24 Stunden Zeit, diese Aufgabe als erstes zu erfüllen. Teilweise nehmen mehrere tausend Spieler an diesen Events teil.
  5. Fast jede größere Stadt hat Stammtische um sich zu koordinieren. Um z.B. bestimmte Felder zu bauen, entweder große oder besondere Formen sind Absprachen notwendig. Hier geistern dann plötzlich Ingress Gruppen durch die Stadt und baut munter drauf los.
Das Jahr 2014 als Cross Faction Felder

Das Jahr 2014 als Cross Faction Felder

Ich bin seit Oktober Level 8 und müsste eigentlich nicht mehr spielen, doch irgendwie lässt mich das Spiel trotzdem nicht los. Vielleicht liegt es daran, dass ich ein gutes Hausportal hab, was ich von der Wohnung aus haken kann, Dadurch hab ich immer genug Items und kann auch im Regen oder in der Kälte weitermachen.  Vielleicht liegt es aber auch an der schönen netten Community in Lübeck, wo es etliche Stammtische und Aktionen gibt (die ich aber auch erst 2-3 mal besucht habe). Oder es liegt an diesen Badges…keine Ahnung wieso, aber mir funktioniert dieses Belohnungssystem sehr gut:-)

Natürlich hat Ingress aber auch einen sehr schönen Bezug zum E-Learning, denn die Badges sind gerade ein besonderes Forschungsfeld (alle die Computer Games spielen, müssten sich totlachen, da E-Learning ca. 20 Jahre bei Belohnungssystemen hinterherhinkt) aber auch das Community-Building ist sehr spannend und natürlich die Möglichkeiten der Vernetzung mit Smartphones. Ingress setzt hier wirklich Meilensteine, obwohl das Spiel nicht sehr komplex ist.  Man kann gespannt sein, was mit dem Spiel noch passieren wird, wenn erst einmal Missionen oder eine dritte oder vierte Fraktion eingeführt werden. Was später dann mit Google Glass möglich sein wird, steht in den Sternen und schon fängt man an zu schwärmen.

Zum Schluss möchte ich noch einmal anmerken, was ich häufig von Offlinern gefragt wurde. warum spiel ich denn so ein Handy-Spiel, wenn ich doch auch was richtiges spielen könnte. Da kann ich inzwischen nur noch drauf antworten, dass man nicht mehr unterscheiden sollte zwischen digitalem und realem Leben. Mein Smartphone und dessen Daten und Möglichkeiten sind für mich genauso ein Leben, wie Joggen, Kino und Musikkonzerte. Ich unterscheide ja auch nicht  zwischen Musik als MP3 und einer Vinyl-Platte. Beides ist Realität und ob Computerspiele Zeitverschwendung sind, ist eine gewagte Theorie, denn Skat, Monopoly oder Mensch ärgere dich nicht sind auch „nur“ Spiele.

Ingress gibt es übrigens nur als Android App und funktioniert nur mit einem Google Account. Im laufe des Jahres soll aber ein iOS App erscheinen.

Wiinachten 2007 wird kommen

Schon letztes Jahr als ich die ersten Trailer von der Wii Konsole gesehen habe, war ich begeistert und wollte das Teil haben. Leider war es ja fast unmöglich zu dieser Zeit an die Wii ranzukommen, daher beschloss ich ein Jahr zu warten. Im Sommer kauft man keine Konsolen, wenn dann gönnt man sich ein Motorrad, oder so:-)

Inzwischen hat Nintendo die neueste Erweiterung angekündigt. Wii Fit ist ein Balanceboard mit dem durch Gewichtsverlagerung und Berührung Elemente gesteuert werden können.

Das macht Lust auf mehr.

Die Wii ist in Japan schon so erfolgreich, dass das Fernsehen Probleme mit der Einschaltquote hat, da alle Japaner vermutlich lieber Wii spielen.

Jetzt müsste man nur noch eine geniale Idee haben, wie man BWL oder Jura mit einem solchen Gerät spielerisch vermittelt und man hat den meistverkauften E-Learning Kurs aller Zeiten:-)