Warum ich Facebook nutze und mag

Ich nutze Facebook jetzt seit sechs Jahren und damals war das sogar ziemlich Neuland. Mein ersten Kontakte waren dementsprechend auch aus England und ├ľsterreich ­čÖé Inzwischen gibt es in Deutschland ca. 28 Mio. Nutzer und die neuesten Trends sagen, dass inzwischen wir Alten Facebook erobert haben und die Jungen bei WhatsApp, Snapchat und YouKnow sind. Ich mag Facebook und will kurz erkl├Ąren warum.

tl;dr

Facebook Logo

Facebook Logo

Es ist in Deutschland Sitte Facebook zu „dissen“. Viele die ich kenne, sind sehr Stolz darauf, nicht bei Facebook zu sein. Es ist Zeitverschwendung, man wird ├╝berwacht, es kommen nur ├╝berfl├╝ssige Nachrichten oder dummes Zeug und dann der ber├╝hmte Post „Ich war gerade auf Klo“, den jeder gerne erz├Ąhlt. Die Wahrheit sieht nat├╝rlich anders aus und ist viel komplizierter.

Zum einen die sch├Âne deutsche Diskussion ├╝ber den Datenschutz. Facebook ├╝berwacht uns, gibt unsere Daten preis und vor allem wertet uns aus und dann (und jetzt kommt das B├Âseste ├╝berhaupt) schaltet es uns Werbung, die wir m├Âgen. Das ist in der Tat unglaublich, denn bisher krieg ich Papierwerbung mit Katzenfutter, Autoreifen und Kinderkleidung. Ich habe aber keine Katzen, Autos oder Kinder, aber das ist ja gute Werbung, denn sie ist nicht personalisiert. Ich dagegen empfinde das zum einen als Umweltverschmutzung, als Zeitverschwendung und nat├╝rlich als dumm. Personalisierte Werbung ist eigentlich das, was ich haben will, aber anscheinend stehe ich damit ziemlich alleine.

Ganz allgemein denke ich aber auch, dass die Datenschutzdiskussion inzwischen ins Leere l├Ąuft. Facebook arbeitet st├Ąndig daran, die Datenschutzeinstellungen (auch dank der deutschen Kritik) zu verbessern und inzwischen, sind die viel besser als fr├╝her. Das merkt aber kaum einer, denn Facebook muss nat├╝rlich b├Âse bleiben.

Zum anderen ist Facebook das, was man selbst daraus macht. Vor gut drei Jahren habe ich mir Facebook komplett umgestaltet. Viele „Freunde“, die den ganzen Tag f├╝r mich unwichtigen Kram geposted haben (meist sind das Uli Stein Witze oder Babyfotos), habe ich auf stumm geschaltet, parallel habe ich dann f├╝r mich interessante Themen abonniert, oder ich habe mich gleich mit Schlauen befreundet, z.B. Journalisten, Medienexperten oder Professoren. Dadurch ist Facebook f├╝r mich quasi zu einer Tageszeitung geworden mit vielen privaten Statements von meinen Freunden. ┬á(Tageszeitung kann man nat├╝rlich auch besser mit Flipboard machen)

Und der Vorteil?

Mein Facebook Profil ist nicht ├Âffentlich und ich merke gerade jetzt zur Urlaubszeit, wenn man alte Freunde wiedertrifft, dass Facebook unglaublich hilft. Man kann sich ganz anders mit den alten Jungs austauschen (hab gerade Besuch aus den USA, wo mir das richtig aufgefallen ist). Aber auch alte Studienkollegen kann ich ziemlich gut in die Offliner und Onliner unterteilen und meist motzen die Offliner, man melde sich ja nie (wobei die sich auch nie melden, aber das ist ein anderes Thema). Ich verliere aber inzwischen wirklich den Kontakt zu den Offlinern (ich z├Ąhle da auch die WhatsApp Verweigerer zu). Nat├╝rlich kann man jetzt sagen, dass ich mich doch auch bem├╝hen k├Ânnte, aber Leute, wer hat dazu denn Zeit?

Facebook zeigt aber auch, was einige Menschen so denken. Ich diskutiere sehr ungern politisch in den Social Networks, aber trotzdem kann man bei einigen Menschen sehen, was sie so denken und das ist auch oft entt├Ąuschend. Facebook hat halt auch die Eigenschaft, dass viele Menschen sehen k├Ânnen, wie dumm einige andere sind und sicherlich bin ich es auch. Ich finde das aber nicht negativ, sondern eher positiv, denn es ist ja mehr Wahrheit, als ich oft in einem Gespr├Ąch erfahre. Facebook kann entlarvend ehrlich sein und hier auch noch einmal meine Anmerkung f├╝r alle Personaldiskussionen: Wir erkl├Ąren jedem Jugendlichen, wie er in Bewerbungen den Arbeitgeber t├Ąuschen soll (schreib das bloss nicht rein und hier sind tolle Hobbys und das lass mal weg) und danach wundert man sich, dass man in der Probezeit fliegt. Ich bin ├╝berzeugt, dass man per Social Networks ein viel besseres Team zusammensetzen kann, als ├╝ber Bewerbungsgespr├Ąche und seid mal ehrlich, wer will einen Job haben, wo man schon vorher weiss, dass man nicht ins Team passt.

Facebook alles gut?

Facebook it jedoch nicht so toll, wie ich es ┬ágerade beschreibe. Es kommt inzwischen zuviel Werbung und wichtige Posts erscheinen nicht immer in meiner Timeline. Das Niveau sinkt betr├Ąchtlich auf Facebook, wenn man es mit Twitter und G+ vergleicht. Inzwischen gibt es viele Tage, wo ich gar nicht mehr reinschaue und ich Twitter bevorzuge. Auf der anderen Seite arbeiten bei Facebook wirklich viele Leute, um das System immer besser zu machen und das funktioniert richtig gut, vor allem die App. Ich will Facebook definitiv nicht mehr missen, da es f├╝r mich inzwischen eine Top-Info-Quelle geworden ist, was aber eine Tagesschau nie erreichen k├Ânnte.

 

 

YouTube und der Algorithmus des Urheberrechts

YouTube perfektioniert das Urheberrecht durch Algorithmen. Automatisch werden neue Videos nach gesch├╝tzten Inhalten, wie Musik oder Ausschnitten gescannt und ausgewertet. Wollen wir das so und was werden dann die n├Ąchsten Schritte sein?

tl;dr

Ich bin ein sehr gro├čer YouTube Fan. Das war schon immer so und es wird immer „schlimmer“. Durch die API k├Ânnen wir sogar Quizzes direkt in die Videos schalten, wie wir das bei mooin sehr innovativ und erfolgreich mittels Capira┬ámachen.

Wir k├Ânnen Videos monetarisieren, haben Untertitel, es gibt Diskussionsforen, erhalten Statistiken und technisch ist YouTube die beste Plattform der Welt. Die Videos laufen auf jedem Ger├Ąt und jedem Browser und f├╝r jedes Mobil Device gibt es eine App. Nicht umsonst spricht man seit einem Jahr auch in Deutschland von YouTubern und zeichnet sie inzwischen mit Preisen aus.

YouTube hat eine automatische Musikerkennung

Wir haben mit dem gemeinsamen YouTube-Kanal der FH L├╝beck und von oncampus einen der gr├Â├čten Channels aller deutschen Hochschulen. Vor ca. drei Jahren habe ich einen Clip eines Fachbereiches hochgeladen.

Die Hintergrundmusik ist dabei lizenziert worden und ich bekam damals von YouTube einen Hinweis, dass es sich hier um Copyright-Problem handelt. Ich musste die Rechnung per Dialog (sehr nutzerfreundlich automatisiert) an YouTube schicken, damit das Video endg├╝ltig online gehen konnte. Ich meine, ich hatte eine gro├čz├╝gige Frist bekommen. Das Video konnte gleich online gehen und der Beweis wurde sp├Ąter nachgeliefert. Ob dies heute noch so ist, weiss ich nicht. Das ganze lief ohne Probleme ab.

Das war die erste Erfahrung mit der automatisierten Copyright-Erkennung und ich war wirklich positiv ├╝berrascht. Alles ging sehr schnell, alle Dialoge waren nutzerfreundlich und Google konnte automatisch Musik erkennen. Warum auch nicht, Shazam und Co k├Ânnen das auch und die Songs m├╝ssen nur in Datenbanken hinterlegt sein. Warum allerdings heute immer noch Musikvideos ohne Copyright-Probleme hochgeladen werden k├Ânnen, erschlie├čt sich mir nicht. Es ist m├╝sste doch sehr einfach sein, komplette Musikverzeichnisse zu hinterlegen, aber das wird vielleicht noch kommen.

YouTube hat inzwischen auch eine automatische Bilderkennung

Letzte Woche dann die neueste Erfahrung. Wir wollten ein Video einer Webkonferenz hochladen. In der Webkonferenz wurde ein 40 Sekunden Ausschnitt eines YouTube-Stars in einem kleineren Fenster gezeigt. Nach dem Upload hat YouTube sofort eine Meldung angezeigt, das meine Webkonferenz-Aufzeichnung Fremd-Content beinhaltet. Es wurde mir die genauen Sekunden-Angaben angezeigt und der Rechteinhaber genannt, aber auch vorbildlich darauf hingewiesen, dass ich diese Inhalte nutzen k├Ânne, jedoch wird jetzt Werbung geschaltet, deren Einnahmen an den Rechteinhaber fliessen. Ich habe aber die M├Âglichkeit Einspruch zu erheben.

YouTube Copyright Hinweis plus Einspruch-Option

YouTube Copyright Hinweis plus Einspruch-Option

So weit, so gut. Technisch ist die L├Âsung brillant. Immerhin wurde der Fremd-Content nur in einem Teilbereich gezeigt und dann auch nur 40 Sekunden und die Meldung kam sofort nach dem Upload. Es stellen sich jedoch viele Fragen, die YouTube per Algorithmus versucht m├Âglichst einfach zu beantworten. K├Ânnte der Ausschnitt auch unter das Zitat-Recht fallen? Falls nicht, wie will man denn z.B. Filmszenen oder Musikvideos besprechen, wenn man diese nicht darstellen darf? Was passiert, wenn ich mehrere Ausschnitte in meiner Aufzeichnung┬ánutze? Wer kriegt dann das Geld der Anzeigeneinnahmen? Ich darf das Video auch nicht unter einer freien OER Lizenz ver├Âffentlichen, obwohl ich wahrscheinlich der geistige Urheber bin. Warum gilt das Urheberrecht nur f├╝r den Ausschnitt, aber nicht z.B. f├╝r den Pullover von Adidas, den ich im Video anhabe oder f├╝r das Bild im Hintergrund?

Nat├╝rlich kann man das nicht per Algorithmus entscheiden, denn die geistige Sch├Âpfungsh├Âhe ist immer eine Einzelentscheidung. YouTube bietet hier zus├Ątzlich eine manuelle Einspruchsm├Âglichkeit an, was sehr vorbildlich ist, aber auch sehr aufwendig.

Und was mit dem Remix?

Ich kann es nur vermuten, doch meiner Meinung nach, bleibt der Remix hier liegen bzw, verschwindet in der Unsicherheit des Rechtssystems. Niemand w├╝rde sich trauen, Einspruch zu erheben und auf das Zitat-Recht verweisen? Selbst ich habe das Video sofort gel├Âscht bzw. h├Ątte den Teil rausgeschnitten, denn wir wollten ein OER-Video haben. Das Urheberrecht ist komplex und YouTube versucht es bestm├Âglichst umzusetzen. Man merkt jedoch ├╝berall, dass dies kaum geht und es ist wirklich schwer nachvollziehbar, wenn man erstmal anf├Ąngt weiter zu denken.

Und wie k├Ânnte die Zukunft aussehen?

Wenn YouTube schon Musik und Teilinhalte automatisch scannen und zuordnen kann, was d├╝rfte denn dann als n├Ąchstes kommen? Wird YouTube die oberste Copyright Instanz und der Algorithmus Richter und Henker in einer Person? Wie sieht es mit dem Pers├Ânlichkeitsrecht aus? Wenn ich bei einem Video Einspruch erhoben haben, filtert YouTube dann alle Videos mit mir aus? Oder wird YouTube alle Videos mit mir demn├Ąchst anzeigen k├Ânnen. Das wird umso interessanter, wenn sich 4k Videos durchsetzen und man auf jedes Gesicht zoomen kann. Gelten Pers├Ânlichkeitsrechte auch auf hochaufl├Âsenden Aufnahmen?

Dabei werden Facebook und Google nat├╝rlich eine Vorreiterrolle einnehmen. Schon heute kann man auf beiden Portalen Menschen zuordnen und Google will seinen Fotodienst dementsprechend weiter ausbauen. Der Gesetzgeber muss versuchen ein Spagat zwischen Urheberrecht und Remix zu schaffen, was bisher eine Katastrophe war. Ich frage mich dabei auch, ob man da ├╝berhaupt mit Kompromissen arbeiten kann. Alle bisherigen L├Âsungen, sind viel zu komplex und arbeitsintensiv, als dass man sie anwenden k├Ânnte. Hier freuen sich nur Anw├Ąlte.

Resum├ę

Was YouTube macht, ist auf den ersten Blick unheimlich und man f├╝hlt sich entmachtet. Auf den zweiten Blick bringt er jedoch Klarheit in ein undurchschaubares System, und h├Âchstwahrscheinlich werden die Urheber mehr gesch├╝tzt, als die Remixer gef├Ârdert. Mich erinnert das Vorgehen jedoch an einen ├ťberwachungsapparat. Im Auto will ich doch auch keinen Computer haben, der nach┬áGPS meine H├Âchstgeschwindigkeit nach der erlaubten Geschwindigkeit regelt. Ist das der erste Schritt zur Allmacht des Codes? Der erste Terminator, der unser Leben bestimmt? Ich habe ihn, in einer anderen Gestalt erwartet ­čÖé

Facebook und der bl├Âde Datenschutz

Facebook ├Ąndert seine AGBs und die deutsche Welt, steht still. Jetzt kommen alle Verschw├Ârungstheoretiker┬áwieder aus dem Dunklen ins Licht und warnen vor personalisierter Werbung und ┬áerkl├Ąren, wie man denn Facebook entkommen kann. Alternativen stehen menschenleer bereit und alle wundern sich, warum denn keiner ins gelobte Land will.

tl;dr

Das mit dem Datenschutz ist schon ne bl├Âde Sache. Jeder will ihn, aber keiner tut was daf├╝r. Die Parteien, die f├╝r Datenschutz waren, sind entweder scheintot (FDP) oder waren zu dumm (Piraten). Die Software-Alternativen wie identi.ca oder ello sind keine Social Networks, da dort niemand ist, also ohne Network kein Social. Auch die Instant Messenger Alternativen wie Threema, Telegram oder ┬áChatSecure sind viel zu umst├Ąndlich, als das irgendjemand sie ernsthaft benutzt. Auch wenn es sich seltsam anh├Ârt, aber Usabilty zu programmieren, ist nicht so einfach, wie viele denken. WhatsApp oder auch Facebook sind beliebt, weil sie gut zu bedienen sind. In der Einfachheit liegt der Erfolg und Sicherheit ist nie einfach zu bedienen. Das f├Ąngt schon beim Passwort an. Ein sicheres Passwort soll mindestens 12 Zeichen haben, muss Sonderzeichen und nat├╝rlich Gro├č- und Kleinbuchstaben enthalten und nat├╝rlich alle 3 Monate erneuert werden. Kennt jemand einen Menschen auf der Welt, der das ernsthaft macht?

Datenschutz ist sinnlos

Dazu kommt die Sinnlosigkeit von Datenschutz. Zum einen weiss man inzwischen, dass jeder aber auch wirklich jeder unsere Daten abgreift. Google ist dabei das kleinste ├ťbel, denn dank Dashboard, kann man relativ transparent seine Daten einsehen (kennt jemand ein vern├╝nftiges Analyse-Tool f├╝r den Dashboard-Export? Gibt wohl keine gro├če Nachfrage daf├╝r, oder?) und auch sonst, sind alle Daten sehr transparent. Facebook inkl.┬áWhatsApp kann schon mehr Daten erfassen, aber eigentlich sind die Jungs dort noch sehr oberfl├Ąchlich. Richtig wichtige Daten wie Gesundheit und Bankdaten hat Facebook gar nicht und wer nicht gerade seine Geschlechtteile fotografiert und online stellt (Hat das jemand bei Facebook mal ausprobiert? Ist dank der Pornofilter gar nicht so leicht, wie man denkt.) hat keine gro├čen Probleme mit den Facebook Daten. Nie vergessen, alle Daten dort sind freiwillig und nicht zertifiziert. Man kann dort auch eine 22j├Ąhrige Blondine sein, die gerade Single geworden ist und die Hobbys Fu├čball schauen und Playstation spielen hat.

Viel wichtiger sind die echten Daten, ├╝ber die man nicht so gerne spricht. Zum einen sind hier die Cookie-Netzwerke, die wirklich alles tracken, wo man sich aufh├Ąlt. Von Google zu YouPorn und dann zur├╝ck zu Amazon und dort schnell eine Lederpeitsche kaufen. Das aufzuzeichnen┬áist kein Problem f├╝r die Cookie Netzwerke und die gr├Â├čten geh├Âren auch den Big Playern wie z.B. Google mit Double Click. Leider werden ├╝ber Cookies selten geredet und wer sie einmal gel├Âscht hat, wird erkennen, dass man sie auch wirklich braucht, denn sie erh├Âhen enorm die Usabilty. Viele Funktionen, wie das weitersurfen, wo man letztes mal aufgeh├Ârt hat z.b. bei Online-B├╝chern, Passw├Ârter speichern, Foren-Einstellungen, Warenk├Ârbe, Musiklisten und nat├╝rlich Anmeldedaten will man heute nicht mehr missen. Alles wurde entwickelt zum Wohle des Kunden und seiner Usability und auch f├╝r seine Sicherheit. Cookies sind sinnvoll und b├Âse, ja das ist so ├Ąhnlich wie mit vielen Sachen. Eine Pistole dient auch der┬áVerteidigung aber auch dem┬áAngriff.

Und der Staat mit schlechtem Beispiel vorneweg

Die zweite gro├če Sinnlosigkeit von Datenschutz ist der Staat selber. Wer ├╝berwacht uns denn wirklich fl├Ąchendeckend? Das sind erwiesenerma├čen die Geheimdienste, die das aber nur zu unserem Schutz machen. Und der Staat macht sehr viel zu unserem Schutz. Da werden ganze Horden von Moslems in Guantanamo nur f├╝r unsere Sicherheit seit Jahren mit Wasser abgef├╝llt, aber das ist ein anderes Thema. Warum soll ich mich aber vor Facebook sch├╝tzen, wenn die NSA und der BND nicht nur meine Privatfotos sehen kann, sondern auch locker mein Gehalt, meine Steuern, meine Krankenakte und meinen Strom- und Wasserverbrauch hat. Zum Gl├╝ck verkauft der Staat diese Daten nicht, sondern gibt sie nur unseren B├╝ndnispartnern ­čÖé Ach ne stimmt ja auch nicht. Einwohnermelde├Ąmter verkaufen seit Jahren f├╝r Cent-Betr├Ąge Stammdaten ganz legal an zig Werbenetzwerke, was auch niemanden interessiert.

Aber Schutz geht doch auch so?

Nat├╝rlich kann man sich trotzdem sch├╝tzen. Jedem steht es frei Linux zu installieren, dann einen einen Browser mit hohen Sicherheitseinstellungen zu nutzen, alle Browserhistorien und Cookies immer blocken, Javascript und Flash zu blocken und dazu bitte noch ein paar Adword-Blocker und andere Plugins. Als Suchmaschine nutzt man DuckDuckGo und Facebook bitte nur im Secure-Browser auf einem Extra-PC nutzen und bitte nicht mit deinem Real-Namen, sonst k├Ânnte dich jemand finden, der dich aus alten Schultagen kennt. Bitte auch keine Seiten liken, die dir gefallen, sonst k├Ânnte ein passendes Profil erstellt werden.┬áDann ist Facebook und Co zwar nicht sinnvoll oder bedienbar, aber immerhin ist man sicher. Erinnert mich an ein Auto, was immer in der Garage steht, sonst k├Ânnte man einen Unfall haben.

Und dann passiert das Schlimmste

Ja wenn alles schief geht und Facebook und Co deine Daten perfekt auswertet, dann k├Ânnte wirklich schlimmes passieren. Denn dann k├Ânnten Fu├čballfans Werbung von ihren Vereinen erhalten, Fahrradfahrer kriegen keine Werbung f├╝r Autowinterreifen, Vegetarier erhalten keine Hackfleischwerbung und Singles kriegen Kondom-Werbung und keine Familienpackungen. Personalisierte Werbung ist also der Weltuntergang. Wer einen Fernseher gekauft hat, kriegt danach HDMI-Kabel empfohlen oder HD-Rekorder, was man nat├╝rlich nicht will, sondern man will anonym bleiben. Dann kriegt man weiter Werbung vom gleichen Fernseher, der vielleicht jetzt billiger ist und man kann sich dann ├Ąrgern, dass man zu viel bezahlt hat. Daf├╝r aber, ist man frei und unabh├Ąngig.

 

 

Facebook und Google = B├Âse

Facebook manipuliert die Gef├╝hle“ war eine der schlimmsten Schlagzeilen bei der Facebook Nachricht, dass Facebook bei einigen Nutzern f├╝r eine Woche die Feeds beeinflusst hat, um zu erforschen, ob dies Einfluss auf die eigenen Postings hat. Eine Flut von Nachrichten ist dann durch die Netzgemeinde und vor allem die Medien gegangen (ich finde jetzt leider nicht mehr die Morgenmagazin Berichte) und ├╝berall das gleiche: „Siehste Facebook steuert dich. Man hat das doch schon immer gewusst.“ Der Tenor war immer der gleiche, denn Facebook ist gef├Ąhrlich und Google nat├╝rlich auch. Pass auf deine Daten auf, sonst kannst du bald nicht mehr selbst entscheiden. Leider k├Ânnten die Medien da sogar recht haben, denn wenn alle Medien das gleiche berichten, ist man langsam dazu geneigt, das zu glauben (man vergleiche die WM Berichterstattung und ob L├Âw mit vier Innenverteidiger spielen soll). Das kann man schon lange nicht mehr Objektivit├Ąt nennen.

Wenn man einmal kurz inneh├Ąlt und anf├Ąngt nachzudenken, kommt man schnell darauf, dass das ganze nicht stimmen kann. Ich weiss jetzt nicht, wer die Studie gemacht hat, ob das Facebook selbst war, eine beauftragte Firma oder sogar ein wissenschaftliches Institut, aber die pauschale Aussage, Facebook manipuliert User oder sogar Gef├╝hle ist immer falsch. Wenn das funktionieren w├╝rde, w├Ąren wir alle nach einer Woche RTL 2 die reinsten willenlosen Zombies. Hier kann es nur um kleinste Entscheidungen geben, die beeinflusst ┬áwerden. Niemand hindert jemanden nur einen Klick weiterzugeben und andere Nachrichten au├čer den Newsfeed von Facebook zu lesen. Au├čerdem hat niemand die Ergebnisse der Studie ver├Âffentlicht um einmal herauszufinden, ob diese angebliche Manipulation ├╝berhaupt erfolgreich war. Die Datensch├╝tzer haben nat├╝rlich gleich geschrien, dass man nat├╝rlich vorher um Erlaubnis h├Ątte fragen m├╝ssen. Gegenfrage w├Ąre dann nat├╝rlich, wie man dann unverf├Ąlschte Ergebnisse kriegen sollte. „Hallo darf ich deinen Facebook Feed absichtlich mit negativen Nachrichten f├╝llen, um zu messen, ob du dann selbst Negatives schreibst?“ „Ja klar darfst du das. Ich werde das jetzt auch vergessen und ganz unbeeinflusst weiterposten.“

Man muss sich das einmal vorstellen, als ob man einem Autohersteller verbietet Testfahrten zu machen oder einem Nahrungshersteller Probeartikel. Es gibt ganze Ortschaften, wo bestimmte Waren zuerst ausprobiert werden oder Referenz-Gesch├Ąfte. Alles ganz normal und der Kunde wird selten gefragt, das ist auch alles normal, aber bei Facebook ist es b├Âse.

Ich finde diese einseitige Facebook/Google Berichterstattung erschreckend schlecht. Ich muss sogar sagen, dass der deutsche Datenschutz inzwischen l├Ącherlich ist. Mich behindert er in 9 von 10 F├Ąllen und innovative IT-Unternehmen werden niemals in Deutschland entstehen. Diese ganze Technikfeindlichkeit und einseitige Berichterstattung wird fr├╝her oder sp├Ąter ein f├╝rchterliches Eigentor werden. Facebook ist ein h├Âchst innovatives Unternehmen, was ├╝ber eine Milliarde Kunden gewonnen hat. Das muss man sich einmal vorstellen. Das hat keine Firma vorher geschafft und dazu verschenken die noch ihre Dienstleistungen an den Kunden und machen trotzdem Milliarden Gewinnen. Ja das ist unheimlich aber h├Âchst innovativ und erfolgreich. Anstatt das zu analysieren und zu versuchen zu adaptieren, sagen wir einfach, das ist b├Âse. Dem geschenkten Gaul, schaut man nicht ins Maul oder noch schlimmer „Du kriegst personalisierte Werbung!“.

Das w├Ąre ja eigentlich ein eigener Blogartikel wert, aber ich m├Âchte immer noch wissen, warum die Welt gef├Ąhrlich wird, wenn ich personalisierte Werbung erhalte, aber das hatte ich schon einmal.

Wann endet endlich das Zeitalter des Passworts?

Was mich schon seit langem wundert, aber seit der Verbreitung des Smartphones erstaunt, ist das unglaubliche Anhalten an der Passwort-Technologie. Das Passw├Ârter unsicher sind und keine Usability haben, ist doch ausreichend bekannt. Die beliebtesten sind „qwertz“, „passwort“ oder „1234“, dann kommen Vor- und Nachname oder Freundin, Haustier oder Geburtsjahr. Zwingt man den User zu einem komplexen Passwort, dann schreibt er es auf und klebt es an den Monitor oder unter die Tastatur. Das wird dann noch versch├Ąrft, wenn man den Anwender zwingt, das Passwort alle drei Monate zu ├Ąndern. Passwortsafes wie Keepass, machen das Leben etwas angenehmer, aber sie beheben das Problem nicht. ┬áAuch diese tollen Tipps, wie man sich ein sicheres Passwort ausdenkt, sind im gro├čen und ganzen Kr├╝cken. Man versucht ein totes Pferd zu reiten. Nach den gro├čen Passwort-Skandalen von Sony, Evernote , Adobe und was es sonst noch alles gibt und dem sehr peinlichen BSI Auftritt, sollte man jetzt mal richtig handeln.

Die Zukunft der Zugangsberechtigung kann nicht das Passwort sein!

Im Zeitalter von RFID, NFC und dem Smartphone, sowie IrisScan, Fingerabdrucksensor und Biometrie m├╝ssten inzwischen genug Alternativen auf dem Markt sein. Leider sehe ich das fast nirgendwo. Bis auf Apple mit dem Fingerabdrucksensor beim iPhone 5 (sehr genial), der aber in der ├ľffentlichkeit teils d├╝mmlich und naiv, statt innovativ dargestellt wurde.

Fingerprint Joke

Man kann dabei nur erahnen, was nach dem NSA Skandal┬ánoch alles an ├ťberwachungs-Paranoia kommen wird. Digitale Innovation wird es in Zukunft sehr schwer haben, gerade in Deutschland, aber das ist ein anderes Thema.

Das Smartphone sehe ich dabei als zentrale Stelle um den Zugang zu anderen Ger├Ąten zu koordinieren. Hier wundert es mich schon lange, dass man immer noch Pins eingeben oder irgendwelche Muster wischen muss, damit ich das Ger├Ąt entsperren kann. Inzwischen k├Ânnte ein Smartphone doch mich doch erkennen, z.B. an meinem Gesicht (das w├Ąre nervig) oder an meinem Bedienungsstil. Jeder Mensch nutzt das Ger├Ąt n├Ąmlich anders. Mustererkennung k├Ânnte hier helfen. Wie schnell tippt man und mit welchem Druck auf die Tasten? Welche Apps werden wie oft aufgerufen? Jeder Mensch hat ein individuelles Muster und NUR wenn das nicht stimmt, sollte das Smartphone reagieren und nachfragen. Bist du ├╝berhaupt mein anerkannter Nutzer? Und dann ein Foto oder Fingerabdruck als Beweis einfordern und sich nat├╝rlich automatisch sperren, eine SMS ┬áschicken und das GPS Signal anschalten zum orten.

Das gleiche gilt nat├╝rlich auch f├╝r den PC. Inzwischen gibt es Online-Pr├╝fungen, die Nutzer anhand seiner Biometrie ├╝ber die Tastatur erkennt und wird z.B. bei MOOCs f├╝r die Authentifizierung bei Online-Klausuren eingesetzt. Ich brauche also gar keine Passwort mehr, jeder PC k├Ânnte offen sein und jeder kann ihn bedienen. Das ist f├╝r eine Firma nat├╝rlich etwas zu offen. Alternativ k├Ânnte man dank Smartphone NFC Technik, den PC automatisch sperren, wenn das Smartphone ausserhalb des Raumes ist. Das gleiche gilt nat├╝rlich f├╝r das Smartphone selbst. Es gibt inzwischen kleine NFC-Gadgets, wie Ringe, die das Smartphone sperren, wenn es ausserhalb ┬áeiner bestimmten Reichweite ist.

Das System kann man nat├╝rlich beliebig erweitern und auf alle Apps und Anmeldedienste erweitern. Mich wundert heute immer noch, dass die EC Pin vierstellig ist und sicher sein soll aber die ganze Welt sagt, umso l├Ąnger Das Passwort w├Ąre, umso besser. Neben dem Fingerabdrucksensor von Apple ist nat├╝rlich Google der zweite Vorreiter. Hier wurde auch ein Ring (sie alle zu knechten ­čÖé ) ausserw├Ąhlt. Der Vorteil des Ringes ist nahe liegend, denn man verliert ihn sehr selten und er ist immer am K├Ârper und st├Ârt sehr wenig. Kritiker w├╝rden auch hier sofort anmerken, dass man auch den Ring klauen kann. Trotzdem erscheint er mir sehr viel sicherer (nat├╝rlich nicht perfekt), als alle bisherigen L├Âsungen. Und nat├╝rlich erwarte ich dann auch eine Erg├Ąnzung mittels Biometrie, wenn das Device erkennt, dass ich es nicht bin. Dann kann immer noch ein Masterpasswort abgefragt werden oder ├Ąhnliches.

Was ich zum Schluss anmerken will, dass ich von den gro├čen Firmen, wie Apple, Google, Amazon aber auch Microsoft, Intel und Nokia entt├Ąuscht bin. Alle forschen an mehr Megapixel, mehr Akku und mehr Rechenleistung, aber die Sicherheit wird stiefm├╝tterlich behandelt. Dabei k├Ânnte das inzwischen ein gutes Kaufargument sein. Vielleicht wird der NSA Skandal und die geklauten Smartphones daran etwas ├Ąndern, oder die vielen Crowdfunding Projekte. Allerdings sind hier auch die Betriebssytemhersteller gefordert. Das Passwort sollte demn├Ąchst ├╝berfl├╝ssig sein, technisch sind genug Alternativen vorhanden.

 

R├╝ckblick BarCamp Kiel 2011

Kiel hat im Gegensatz zu L├╝beck, eine wirklich aktive Web 2.0 Szene. Es gibt seit Jahren einen erfolgreichen Webmontag, dann hat Kiel nat├╝rlich die gro├če Uni mit dem Technologiezentrum und daneben noch die Fachhochschule und gute Blogs und Multimedia etc. Da kommt unser L├╝beck etwas bescheidener her, obwohl wir auch eine kleine Uni und eine tolle FH haben und dann noch die Mediadocks (die aber inzwischen nicht mehr ganz so viel Media haben). Sei es drum, es soll hier kein St├Ądtevergleich beschrieben werden, sondern ein R├╝ckblick auf das BarCamp geben.

Im Gegensatz zum ersten BarCamp 2010, hat sich die Teilnehmerzahl 2011 mehr als verdoppelt. Dies Jahr waren 300 Blogger, Werber, Programmierer, Studis und Journalisten (und noch viel mehr) angemeldet um ├╝ber Themen zu referieren, die vorher nicht bekannt waren, denn beim BarCamp wird die Agenda erst am Veranstaltungstag „spontan“ entworfen. Mach einer kurzen Begr├╝├čung

verteilen sich alle auf die R├Ąume und es wird dann 30 Minuten meist pr├Ąsentiert umd dann noch 30 Min. zu diskutiert. Manchmal sind die Themen sehr spontan und es wird gar nicht pr├Ąsentiert sondern nur „geschnackt“. Alles sehr offen und sehr nett in einer entspannten nicht wissenschaftlichen Atmosph├Ąre (daher wohl so wenig Akademiker in der Runde).

F├╝r mich war es wieder sehr interessant. Meine Sessions waren alle sehr gut, vor allem die beiden ├╝ber eBooks. Im ersten Vortrag von Falkemedia wurde ├╝ber ein iPad Projekt berichtet, was vor 1,5 Jahren begann. Ich hatte schon sehr angeregt den Vortrag auf dem letztj├Ąhrigen BarCamp angesehen und diesmal wurden ├╝ber die ersten Erfahrungen berichtet. Das Ergebnis war sehr einfach, denn Falkemedia hat ganz schlicht und einfach gesagt, dass aufwendige iPad Produktionen f├╝r das iPad gar nicht verlangt werden, sondern die meisten Leser mit PDFs zufrieden sind. Es gibt nat├╝rlich Ausnahmen, z.B. spezielle Multimedia Zeitschriften, aber eine ganz normale Zeitschrift kann ohne Probleme als PDF mit minimalen Produktionsaufwand hergestellt werden. Das denkt sich mit unseren Umfragen bei den PDFs und dem Online Studium. Wir stellen die PDFs zur Verf├╝gung und der Student verwertet sie unterschiedlich, z.B. es wird gedruckt, auf dem iPad gelesen oder am Heim-PC oder auf dem Smartphone. PDFs sind sehr flexibel und der Anwender hat das Format akzeptiert. Den Reader bzw. App bestimmt er selbst, es gibt ihn aber f├╝r jede Plattform.

Der zweite Vortrag war dann ├╝ber das Kindle und iPad mit dessen Formaten ePub und Mobi. Ich wusste bis dahin noch gar nicht, dass das Kindle (ich will das Ding unbedingt mal testen) „nur“ mit dem Mobi-Format vern├╝nftig arbeitet. Offiziell werden auch HTML, ASCII und PDF unterst├╝tzt, aber wirklich handhabbar sind diese Formate nicht. Will man jedoch vern├╝nftig auf ePub UND Mobi publishen, entstehen Probleme, die ich ├╝berhaupt nicht im Blick hatte. Also der Vortrag gab ne Menge Denkanst├Â├če und vor allem auch ein paar L├Âsungen.

Zum Schluss hab ich mir noch eine Diskussionsrunde zur Medienkompetenz angetan. Wie bei fast allen Runden zu dem Thema ist auch hier nichts spannendes passiert und es war sch├Ân, dass wir mal dar├╝ber geredet haben. Erkenntnisgewinn: „Die Leute, die man erreichen will, sind bestimmt nicht auf einem Barcamp.“

Highlight war aber das Schleswig-Holstein Thema schlechthin in den letzten vier Tagen, n├Ąmlich unser ULD (Unabh├Ąngiges Ladenszentrum Schleswig-Holstein) will Facebook verbieten. Also nicht wirklich verbieten, sondern es wird darauf gedr├Ąngt, die deutschen Datenschutzrichtlinien einzuhalten und da es Facebook ziemlich egal ist, was unser sch├Ânes Bundesland hier macht, m├╝ssen die Jungs ihre Vorgaben umsetzen. Das bedeutet man sollte als Betreiber einer Facebook-Seite (gilt nur Fanseiten nicht Privatpersonen) dem Anwender mitteilen, dass man Daten erhebt (Impressum) und man sollte die M├Âglichkeit haben, der Erfassung zu widersprechen. Das letztere geht aber nicht, da Facebook das einfach nicht anbietet und daher (so sagt es das ULD) d├╝rfe man dann auch nicht Facebook benutzen. Das hat nat├╝rlich ne Menge Wind gemacht (siehe Netzpolitik, LawBlog, SPON, etc.) und daher waren die Jungs vom ULD auch das Gespr├Ąchsthema schlechthin. Am Samstag gab es noch Interviews mit Radio-und YouTube-Podcast und ganz viele Kommentare. Ob der Ansatz des ULDs vern├╝nftig ist, also wir verbieten es den Betreibern, statt sich mit Facebook direkt anzulegen, klug ist, darf bezweifelt werden. Meiner Ansicht nach, hat der Datenschutz in Deutschland inzwischen Ausma├če angenommen, die teilweise┬á l├Ącherlich sind. Wir haben Angst vor Google Streetview und Facebook. Wir stellen Stoppschilder vor Internetseiten auf und wir sollen keine Partyfotos online stellen, da alle Personalchefs unsere Bewerbung googeln und nur solche Partyfotos suchen und man dann niemals Bundeskanzler werden kann. Es ist inzwischen deutsches Hobby geworden vor dem Internet zu warnen, dabei bietet das Internet unglaubliche M├Âglichkeiten und ist┬á sicherlich mit dem Buchdruck, der Dampfmaschine und dem Ottomotor eine der bedeutendsten Erfindungen der Menschheitsgeschichte und wir haben nichts besseres zu tun, als unsere Kinder davor zu sch├╝tzen. Datenschutz ist wichtig, keine Frage, aber hier muss ein gesundes Ma├č gefunden werden und Facebook-Nutzer mit Bu├čgeld zu verwarnen ist bestimmt kein guter Ansatz. Wenn ich alleine bedenke, wie viele Anfragen ich heute zu dem Thema hatte, und wie viel Zeit ich damit vergeudet habe, bedanke ich mich ganz herzlich beim ULD. Mehr zu dem Thema an anderer Stelle.

Das tolle am BarCamp sind nat├╝rlich auch immer die G├Ąste. Das sind alles richtige Nerds und Geeks und man muss niemanden erkl├Ąren, was ein Hashtag, Feed oder ein Tweet ist. Alle haben cooles Equipment (ich konnte das GalaxyTab 10.1 kurz testen – vielen Dank an den Unbekannten) und die Konferenz wurde nat├╝rlich fleissig auf Twitter #bcki und Flickr und Etherpad begleitet. Das WLAN war umsonst, schnell und leider verschl├╝sselt (typisch deutsch, ich hab diese Vorschrift noch nie verstanden) und alles wurde per Twitterwall und Beamer festgehalten.

Abschlie├čend m├Âchte ich das BarCamp noch einmal loben und danke sagen. Ich finde die Veranstaltung gro├čartig, super organisiert und total entspannend. Die Vortr├Ąge sind klasse und alles ist stimmig. Die Organsitoren d├╝rfen Stolz sein und ich hoffe auf ein drittes BarCamp im n├Ąchsten Jahr und vielleicht mach ich dann auch ne Session ├╝ber YouTube, E-Learning oder so ne Nerd-Session „Warum echte M├Ąnner kein Apple m├Âgen“.

 

Google Latitude und das deutsche Datenschutzgef├╝hl

Seit ich mein Android Milestone 2 hab, hat sich nat├╝rlich mein Leben ge├Ąndert. Der erste Vorteil eines Smartphones sind nat├╝rlich die Standarddienste wie E-Mail und Web, aber danach kommen schon die ersten ortsbasierten Dienste wie Facebook Places, Aloqua, Foursquare oder halt Google Latitude. Das fantastische bei Google (├Ąhnlich wie bei Apple) ist immer, die machen es besser, wie all die anderen, so auch bei Latitude. Muss man bei Foursquare und Facebook Places umst├Ąndlich aktiv in Orte einchecken, so gibt es bei Latitude keine Orte, sondern man wird einfach auf GoogleMaps dargestellt (typische MashUp-Technologie).

Nutzt man nun Latitude, so kann man Freunde einladen und nach Best├Ątigung werden alle Freunde auf der Googlemaps in Echtzeit dargestellt (Echtzeit ist ├╝bertrieben, ich vermute der Standort wird alle 5-10 Minuten aktualisiert, was aber absolut ausreichend ist). Will ich einmal, dass niemand sieht wo ich gerade bin, z.B. beim n├Ąchtlichen Reeperbahnbummel, so kann ich meinen Standort verbergen oder einen anderen Standort meiner Wahl angeben. Letzteres erzeugt beim ersten Einsatz oft wundervolle Dialoge „Hey du warst gestern in New York? Ich dachte du musst arbeiten.“.

In der Praxis erzeugt aber Latitude zuerst panische ├ängste. Warum soll ich Google bzw. meinen Kontakten meinen st├Ąndigen Aufenthaltsort zeigen? Das ist ja schlimmer als die Stasi und absolut unn├╝tz. Dazu kommt noch, dass ich ja nicht bestimmen kann, was gezeigt wird, sondern automatisch (man achte hier auf den negativen Unterton von automatisch, was eigentlich ein positives Wort sein sollte, denn es bedeutet „ich habe keine Arbeit damit“) wird man Standort an die ganze Welt gefunkt. DAS WILL ICH NICHT!

Inzwischen habe ich zu diesen kritischen T├Ânen, dank meiner vielen Reisen, eine relativierte Ansicht bekommen. Denn benutzt man Latitude, wird man sehr schnell merken, dass der Dienst wirklich sexy gut ist und Spa├č macht und vor allem sinnvoll ist. Einige kurze Beispiele gef├Ąllig? Mein Zug hat Versp├Ątung, aber meine Freunde kriegen das auch live ohne SMS bzw.┬á mit einer SMS mit, oder ich erwarte Besuch und sehe wann er kommt oder ich bin bei einer Veranstaltung und sehe wer noch da ist oder ich kann sehr viel schneller ├╝ber Ereignisse sprechen, die passiert sind.

Ich vermute es gibt zwei Gr├╝nde warum wir so kritisch mit unseren Daten umgehen und das hat man auch bei der Google StreetView Diskussion gesehen oder bei TollCollect etc. Deutschland hat eine ├ťberwachungsvergangenheit mit dem dritten Reich und der Stasi und da schaun wir besonders kritisch auf solche Dienste. Das macht uns aber auch besonders auf der ganzen Welt und daher sollte man sich auch nicht so ├╝ber Google, Facebook und Co wundern, da all diese Firmen nicht aus Deutschland kommen. Das Ausland wundert sich ├╝ber uns und versteht unsere Datenschutzsicht nicht.

Der zweite Grund ist, wir verstehen die Technik nicht bzw. wir vertrauen Google nicht. Wir denken vermuten, dass Google ein Bewegungsprofil von uns erstellt und es dann mit unseren Suchbegriffen verkn├╝pft, um dann unsere „gl├Ąserne Akte“ an Personalchefs verkaufen zu k├Ânnen. Das Google das nicht darf und gegen geltendes Recht in Deutschland als auch in den USA verst├Â├čt, ist uns dabei egal. Die machen das trotzdem. Dabei k├Ânnte ich schw├Âren, wenn Google nur eine gl├Ąsernes Profil von einem User ver├Âffentlichen w├╝rde, w├Ąre der Skandal so gro├č, da w├Ąre Guttenberg eine Eintagsfliege gegen.

Vielleicht bin ich etwas naiv mit meiner Gutgl├Ąubigkeit gegen├╝ber Google, aber ich hab definitiv mehr Spa├č mit meinem Smartphone:-) Das meine Freunde mich ab jetzt auf Latitude finden k├Ânnen, ist f├╝r mich ein Mehrwert und kein Nachteil. Die korrekte Frage m├╝sste eigentlich sein, warum sollte ich meinen Freunden misstrauen? Freunde sind zum vertrauen da. Wer allerdings all seine 450 Facebook Freunde Bekannte bei Latitude einl├Ądt, der ist imho wirklich naiv. Bei all diesen Web 2.0 Diensten geht es eigentlich darum, ob sie mir einen Mehrwert geben. Bei Latitude kann ich eindeutig ja sagen. Die zweite Frage, die ich mir stellen muss, vertraue ich Google. Dies muss ich auch mit ja beantworten, denn sonst (und das ist leider inzwischen dir traurige Wahrheit) kann ich das Internet und mein Smartphone und die ganez Technik dahinter ignorieren.

 

Datenschutz, was haben die letzten Jahre gebracht?

Ich kann┬á mich noch an 1983 erinnern, als es eine gro├če Diskussion ├╝ber die Volksz├Ąhlung gab. Am Ende fehlten ca. 13% aller B├Âgen und es gab eine gro├če Diskussion des „Warums“. Danach gab es viele gr├Â├čere oder kleinere Diskussionen ├╝ber die Notwendigkeit vom Datenschutz. Mir fallen auf Schlag Echolon, Enfopol aber auch TOLL Collect mit der Lkw Maut und nat├╝rlich unsere neuen ├ťberwachungs Sicherheitsma├čnahmen, wie Vorratsdatenspeicherung, Gesundheitskarte, ELENA und das Zugangserschwerungsgesetz. Die Entwicklung seit 9/11 ist be├Ąngstigend, trotzdem wird der Datenschutz nicht Ernst genommen, sondern unsere Gesellschaft will mehr Sicherheit (siehe Nacktscanner).

Inzwischen gibt es zum Gl├╝ck sehr viele gute Berichte im Netz, die wichtige Fragen stellen aber vor allem Antworten geben um die Gefahren dieser Entwicklung. So hat unser Bundesdatenschutzbeauftragter Peter Schaar einen lesenswerten R├╝ckblick ins Netz gestellt. Er schildert das eigentlich nichts passiert ist zum Schutze der Daten in den letzten 10 Jahren. Dabei frage ich mich nat├╝rlich, ob es nicht seine Aufgabe w├Ąre, hier mehr zu handeln. Seit Jahren schreibt auch die ct lesenswerte Artikel ├╝ber die Gefahren und auch der ehemalige Innenminister Gerhart Baum ├Ąussert sich sehr kritisch ├╝ber den heutigen Zustand. Wer w├╝rde das heute von Schily oder Sch├Ąuble erwarten?

In einer Zeit wo ├╝ber 8 Mio. Deutsche auf Facebook mehr Informationen Preis geben, als die Stasi je erschn├╝ffelt h├Ątte, spielt der Datenschutz in der ├Âffentlichen Diskussion eine immer kleinere Rolle. Ich frage mich oft warum? Es gibt zwar einige Proteste gegen Google aber die wirklichen Gefahren, siehe Bundesbahn, Lidl, Penny und vor allem beim Staat, diesen Gefahren begegnet man nicht. was Deutschland im neuen Jahrzehnt der Digitalisierung br├Ąuchte, w├Ąre ein Grundsatzbeschluss pro Datenschutz. Ich denke aber, dies wird leider nie passieren.

Unser oberster Datensch├╝tzer blogt

Seit drei Tagen ist nun auch unser h├Âchster Datensch├╝tzer Peter Schaar fleissig am bloggen. Nachdem schon vor einigen Wochen ein Forum auf der Webseite das Licht der Welt erblickte, schreibt blogt Peter Schaar nun ├╝ber aktuelle Themen rund um den Datenschutz.┬á Diese Woche hat er schon ├╝ber Facebook und die Datenschutznovelle geschrieben, was sehr spannend ist. Ich bin selbst Facebook Nutzer Tester aber zu den Datenschutzeinstellungen bei allen Social Networks hab ich eine zwiesp├Ąltige Meinung. Es steht jedem pers├Ânlich frei was er dort Preis gibt, aber die Anbieter m├╝ssen die gesetzlichen Vorgaben leisten, was bei Facebook eindeutig nicht der Fall ist.

Peter mach weiter so, ich hab deinen RSS-Feed abonniert und werde die Artikel interessiert lesen. Ein Blog was die Welt braucht ­čÖé

PS Das Blog wurde als Forum angelegt. Es hat leider keinen Trackback oder eine Kommentarfunktion. Warum diese Form gew├Ąhlt wurde, hat der Moderator transparent in einem eigenen Artikel erkl├Ąrt. Ich pers├Ânlich finde die Entscheidung f├╝r diese Art des Blogs ungl├╝cklich.

Piratenpartei – Braucht die Digitalisierung eine eigene Stimme?

An diesem Wochenende hat die fast neue Piratenpartei (immerhin schon drei Jahre alt) in Hamburg ihren Bundesparteitag gehabt und wollen mit ihrem Parteiprogramm (Ist das schon das Offizielle? Twitterlinks sind aktueller als Webseiten, aber Parteiprogramme geh├Âren anscheinend besser in ein Wiki als in ein PDF-Dokument) den Bundestag entern. Die Geschichte der Partei ist hier schnell erz├Ąhlt und dank Sommerloch und Bundestagswahl berichten auch viele Leitmedien (Zeit, SZ, Welt und ein lesbare Artikel im SPON und wirklich gut der Tagesspiegel) ├╝ber die „Nerds“ der Parteienlandschaft.

Die Piraten haben im Moment gerade einmal 3000 Mitglieder (zum Vergleich CDU und SPD haben jeweils 500.000 und sogar die LINKEN haben 75.000 Mitglieder) und versuchen mit sehr viel Engagement eine Zulassung zur Bundestagswahl zu bekommen. Warum also diese mediale Aufmerksamkeit? Sind die Piraten eine kleine Untergrundpartei f├╝r irgendwelche Computerfreaks. die keiner Ernst nehmen muss oder ist es der Anfang, der Beginn von was Neuem („Change“)? Ich denke hoffe eher das Zweite, denn es gibt viele Anzeichen, dass die Themen der Piraten bei den ehemaligen Volksparteien (bei teilweise nur noch 20% W├Ąhlerstimmen und einer Wahlbeteiligung von 40% ist Der Begriff Volkspartei wohl eher falsch) noch nicht vertreten sind, bzw. falsch vertreten sind. Vieles rund ums Internet und der Digitalisierung werden von den Parteien anders interpretiert, als es die Internetuser anscheinend wollen. So gibt es stark unterschiedliche Meinungen zur Vorratsdatenspeicherung, dem Urheberrecht, Zugangsblockaden, Softwarepatenten oder der Breitbandversorgung. Der Antrag f├╝r eine ├änderung der Zugangsblockaden haben mehr als 130.000 Deutsche unterzeichnet und auch die 9.000 Follower auf Twitter zeigen eher, dass es mehr Piraten geben k├Ânnte. Vielleicht ist es ja auch langsam Zeit, dass die Generation c64 aufsteht und ihre Themen selbst vertritt und das macht sie lieber per Wiki, Twitter oder YouTube und nicht per Brief, Talkshow oder Parteitag. Das der Durchschnitts-CDU W├Ąhler mit seinen 64 Jahren dies nicht nachvollziehen kann, ist nicht verwunderlich, aber er sollte imho die Piraten nicht untersch├Ątzen. Denn im Gegensatz zu den Linken und den Gr├╝nen, hat er keine politische Richtung, sondern es geht mehr um die korrekte Einf├╝hrung einer Basistechnologie mit all ihren gesellschaftlichem Wandel und den dazugeh├Ârigen Problemen und das der Parteivorsitzende Jens Seipenbusch weiss wovon er spricht, kann man beim elektrischen Reporter nachschauen, aber nicht in der Tagesschau.

Ich fand es am Wochenende sehr spannend dem Twitterfeed zu folgen. Das war das erste mal, dass ich Twitter sinnvoll benutzt habe. Die Piraten haben eine sehr hohe Medienkompetenz und benutzen nat├╝rlich alle neuen Techniken um ihre Botschaft unter das Internet-Volk zu bringen. Ich bin auch gespannt auf den ersten Auftritt bei Illner, Will und Co und ob die Piraten ├╝berhaupt zur Bundestagswahl zugelassen werden. Ich will jetzt keine Verschw├Ârungstheorie starten, aber neue Bilder von einem Auto auf dem Mond sind bisher auch nicht aufgetaucht.