Zu Besuch im Silicon Valley bei Apple, Twitter und Co

Die vielleicht aufregendste Dienstreise (oder soll ich Fortbildungsreise schreiben?) meines Lebens liegt hinter mir. Eine Woche Silicon Valley im Rahmen der Digitalen Agenda Schleswig-Holsteins und organisiert von der Staatskanzlei SH liegen hinter mir. Ich versuche jetzt mal die Erlebnisse, die Eindrücke aber auch die Erkenntnisse in mehreren Artikeln zu verarbeiten. Die Landesregierung hat schon einen sehr guten Bericht geschrieben, den ich als Übersicht empfehle. Das soll jetzt mein subjektiver Überblick sein, was ich denn dort überhaupt erlebt habe. Einen kleinen Vorbericht habe ich schon bei ununi.tv gegeben, wo meine Eindrücke noch sehr frisch waren und wo es viele Details gibt.

Andreas Wittke im Silicon Valley: Was können wir lernen?

Das Highlight des ersten Tages war der morgendliche Lauf über die Golden Gate Bridge (der Jetlag lässt grüßen) und natürlich das Come Together.

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Die Delegation bestand aus 55 Leuten aus Politik, Wirtschaft und Hochschule. Solche Reise funktionierenauf drei Ebenen. Man will zum einen das Silicon Valley kennenlernen und zum anderen sollen die uns verstehen und natürlich soll man sich auch untereinander vernetzen. Daher gab es Workshops, gemeinsame Essen und Ausflüge und das in vollem Umfang. Wir waren quasi jeden Tag 12-14 Stunden gemeinsam unterwegs und hatten fast keine Freizeit, obwohl die 500 Fotos was anderes sagen.

Der heimliche deutsche Star

Der zweite Tag stand ganz im Zeichen von SAP. Dieses angestaubte deutsche Unternehmen rockt das Silicon Valley, denn SAP gilt quasi als Godfather des Design Thinking und das ist der Motor der Innovation. In der ganzen Woche wurde dementsprechend auch immer wieder SAP zitiert, egal ob wir bei Apple, Capgemini, Facebook, Mercedes oder Twitter waren. Da es keine allgemein gültige Definition vom DT gibt, habe ich es für mich selbst so definiert:

„Schaffe per Architektur einen Raum, wo die Menschen flexibel und frei sind, dann werden sie glücklich, kreativ und innovativ sein. Mische dann noch verschiedene Disziplinen wie Grafiker, Entwickler und vor allem Workflow Designer und stelle die Sicht des Anwenders in den Mittelpunkt, dann werden deine Produkte automatisch erfolgreich sein.“ 

Die Besuche bei Capgemini, Electronic Frontier Foundation, Facebook und Mercedes waren zwar schön, aber nicht sehr nachhaltig. Dafür war die Architektur dort immer ähnlich und bestätigt meine DT-Definition. Ich empfehle hier all meine Videos aus der Facebook-Gruppe „Schleswig-Holstein@digital„. Meist hab ich direkt nach dem Besuch kurze Interviews mit anderen Experten aus der Gruppe über ihre Eindrücke erstellt. Die Facebook Gruppe ist übrigens offen, so wie es sein sollte (Gruppe hab ich gegründet 🙂 ).

Ein weiteres, wenn auch umstrittenes, Highlight war der Besuch an der Stanford University mit einem sehr provozierendem Vortrag von Burton Lee. Zwar ist unser Ansatz der Industrie 4.0 recht gut, dennoch hat Deutschland und auch ganz Europa den Anschluss verloren. Wir sind nicht mehr innovationsfähig, können keine Unternehmen gründen und sind viel zu langsam. Prof. Lee hat einen ähnlichen Vortrag in Österreich gehalten, den man sich gerne anschauen kann 😉

Am Donnerstag waren wir dann bei Apple und dort waren keine Wirtschaftsunternehmen erlaubt. Es ging im kleinen Kreis um Ökosysteme und Bildung. Apple hat mit Abstand den didaktisch besten Vortrag gehalten und hat die Besucher dabei abgeholt. Es wurde vorgestellt, diskutiert und erörtert. Dabei hat Apple stets betont, wie wichtig und qualitativ hochwertig ihr Ökosystem sei. Der Grund warum man es nicht öffne, liege einzig und allein im Qualitätsanspruch, denn alle anderen haben leider nicht die Apple-Qualität. Daher ist der Nutzer am besten dran, wenn man unter sich bleibe. Früher wäre ich bei solchen Sprüchen explodiert und bei der Diskussion hab ich auch mehrmals Einspruch erhoben, dennoch kann ich diesen Ansatz inzwischen gut nachvollziehen und für Schulen kann das sicherlich eine Lösung sein. Mein Favorit ist jedoch BYOD, da es später im Leben (Uni, Job) auch eher heterogen sein wird. Wer Apples Philosophie verstehen will, dem empfehle ich den „Steve Jobs“ Film. Erstaunlich wie viel Jobs immer noch in Apple drin ist.

Am Freitag gab es dann parallel Tesla und Twitter und ich hatte Glück, denn ich war bei Twitter. Die waren genau so, wie man sich das vorstellt: geile Architektur, sehr spontan, unvorbereitet (kann man auch agil nennen) und daher sehr authentisch. Vor allem sitzen die direkt in San Francisco und man konnte etwas von der Stadt sehen, die erschreckend heruntergekommen und voller Bettler und Junkies ist. Das Silicon Valley ist leider sehr extrem und hat auch seine Schattenseiten.

Nach der Rückkehr hab ich viele Fotos und Eindrücke in einem Vortrag verarbeitet. Er lässt erahnen, was ich noch alles erlebt habe. Die Besuche im Rathaus, bei Smaato, im Generalkonsulat, Facebook etc. hab ich hier gar nicht erwähnt. Das würde vielleicht auch den Rahmen hier sprengen.

Die Reise ging dann noch weiter nach Washington, wo ich u.a. Obama gesehen hab 🙂 Dazu aber vielleicht später mehr.

 

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