Facebook und der blöde Datenschutz

Facebook ändert seine AGBs und die deutsche Welt, steht still. Jetzt kommen alle Verschwörungstheoretiker wieder aus dem Dunklen ins Licht und warnen vor personalisierter Werbung und  erklären, wie man denn Facebook entkommen kann. Alternativen stehen menschenleer bereit und alle wundern sich, warum denn keiner ins gelobte Land will.

tl;dr

Das mit dem Datenschutz ist schon ne blöde Sache. Jeder will ihn, aber keiner tut was dafür. Die Parteien, die für Datenschutz waren, sind entweder scheintot (FDP) oder waren zu dumm (Piraten). Die Software-Alternativen wie identi.ca oder ello sind keine Social Networks, da dort niemand ist, also ohne Network kein Social. Auch die Instant Messenger Alternativen wie Threema, Telegram oder  ChatSecure sind viel zu umständlich, als das irgendjemand sie ernsthaft benutzt. Auch wenn es sich seltsam anhört, aber Usabilty zu programmieren, ist nicht so einfach, wie viele denken. WhatsApp oder auch Facebook sind beliebt, weil sie gut zu bedienen sind. In der Einfachheit liegt der Erfolg und Sicherheit ist nie einfach zu bedienen. Das fängt schon beim Passwort an. Ein sicheres Passwort soll mindestens 12 Zeichen haben, muss Sonderzeichen und natürlich Groß- und Kleinbuchstaben enthalten und natürlich alle 3 Monate erneuert werden. Kennt jemand einen Menschen auf der Welt, der das ernsthaft macht?

Datenschutz ist sinnlos

Dazu kommt die Sinnlosigkeit von Datenschutz. Zum einen weiss man inzwischen, dass jeder aber auch wirklich jeder unsere Daten abgreift. Google ist dabei das kleinste Übel, denn dank Dashboard, kann man relativ transparent seine Daten einsehen (kennt jemand ein vernünftiges Analyse-Tool für den Dashboard-Export? Gibt wohl keine große Nachfrage dafür, oder?) und auch sonst, sind alle Daten sehr transparent. Facebook inkl. WhatsApp kann schon mehr Daten erfassen, aber eigentlich sind die Jungs dort noch sehr oberflächlich. Richtig wichtige Daten wie Gesundheit und Bankdaten hat Facebook gar nicht und wer nicht gerade seine Geschlechtteile fotografiert und online stellt (Hat das jemand bei Facebook mal ausprobiert? Ist dank der Pornofilter gar nicht so leicht, wie man denkt.) hat keine großen Probleme mit den Facebook Daten. Nie vergessen, alle Daten dort sind freiwillig und nicht zertifiziert. Man kann dort auch eine 22jährige Blondine sein, die gerade Single geworden ist und die Hobbys Fußball schauen und Playstation spielen hat.

Viel wichtiger sind die echten Daten, über die man nicht so gerne spricht. Zum einen sind hier die Cookie-Netzwerke, die wirklich alles tracken, wo man sich aufhält. Von Google zu YouPorn und dann zurück zu Amazon und dort schnell eine Lederpeitsche kaufen. Das aufzuzeichnen ist kein Problem für die Cookie Netzwerke und die größten gehören auch den Big Playern wie z.B. Google mit Double Click. Leider werden über Cookies selten geredet und wer sie einmal gelöscht hat, wird erkennen, dass man sie auch wirklich braucht, denn sie erhöhen enorm die Usabilty. Viele Funktionen, wie das weitersurfen, wo man letztes mal aufgehört hat z.b. bei Online-Büchern, Passwörter speichern, Foren-Einstellungen, Warenkörbe, Musiklisten und natürlich Anmeldedaten will man heute nicht mehr missen. Alles wurde entwickelt zum Wohle des Kunden und seiner Usability und auch für seine Sicherheit. Cookies sind sinnvoll und böse, ja das ist so ähnlich wie mit vielen Sachen. Eine Pistole dient auch der Verteidigung aber auch dem Angriff.

Und der Staat mit schlechtem Beispiel vorneweg

Die zweite große Sinnlosigkeit von Datenschutz ist der Staat selber. Wer überwacht uns denn wirklich flächendeckend? Das sind erwiesenermaßen die Geheimdienste, die das aber nur zu unserem Schutz machen. Und der Staat macht sehr viel zu unserem Schutz. Da werden ganze Horden von Moslems in Guantanamo nur für unsere Sicherheit seit Jahren mit Wasser abgefüllt, aber das ist ein anderes Thema. Warum soll ich mich aber vor Facebook schützen, wenn die NSA und der BND nicht nur meine Privatfotos sehen kann, sondern auch locker mein Gehalt, meine Steuern, meine Krankenakte und meinen Strom- und Wasserverbrauch hat. Zum Glück verkauft der Staat diese Daten nicht, sondern gibt sie nur unseren Bündnispartnern 🙂 Ach ne stimmt ja auch nicht. Einwohnermeldeämter verkaufen seit Jahren für Cent-Beträge Stammdaten ganz legal an zig Werbenetzwerke, was auch niemanden interessiert.

Aber Schutz geht doch auch so?

Natürlich kann man sich trotzdem schützen. Jedem steht es frei Linux zu installieren, dann einen einen Browser mit hohen Sicherheitseinstellungen zu nutzen, alle Browserhistorien und Cookies immer blocken, Javascript und Flash zu blocken und dazu bitte noch ein paar Adword-Blocker und andere Plugins. Als Suchmaschine nutzt man DuckDuckGo und Facebook bitte nur im Secure-Browser auf einem Extra-PC nutzen und bitte nicht mit deinem Real-Namen, sonst könnte dich jemand finden, der dich aus alten Schultagen kennt. Bitte auch keine Seiten liken, die dir gefallen, sonst könnte ein passendes Profil erstellt werden. Dann ist Facebook und Co zwar nicht sinnvoll oder bedienbar, aber immerhin ist man sicher. Erinnert mich an ein Auto, was immer in der Garage steht, sonst könnte man einen Unfall haben.

Und dann passiert das Schlimmste

Ja wenn alles schief geht und Facebook und Co deine Daten perfekt auswertet, dann könnte wirklich schlimmes passieren. Denn dann könnten Fußballfans Werbung von ihren Vereinen erhalten, Fahrradfahrer kriegen keine Werbung für Autowinterreifen, Vegetarier erhalten keine Hackfleischwerbung und Singles kriegen Kondom-Werbung und keine Familienpackungen. Personalisierte Werbung ist also der Weltuntergang. Wer einen Fernseher gekauft hat, kriegt danach HDMI-Kabel empfohlen oder HD-Rekorder, was man natürlich nicht will, sondern man will anonym bleiben. Dann kriegt man weiter Werbung vom gleichen Fernseher, der vielleicht jetzt billiger ist und man kann sich dann ärgern, dass man zu viel bezahlt hat. Dafür aber, ist man frei und unabhängig.

 

 

  1. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, so falsch ist der Artikel.

    1. Chancen der Digitalisierung sind nicht das Gleiche wie die globalen Massenüberwachung in öffentlich-privater Partnerschaft sein.
    2. Die Tatsache, dass es im Moment alles in diese Richtung läuft, ist kein Beleg dafür, dass das richtig ist. Die Tatsache, dass Leute zu schnell fahren ist auch kein Beleg dafür, dass die StVO überflüssig wäre.
    3. Datenschutz soll den Menschen vor den Interessen von Organisationen schützen. Datenschutz soll dafür sorgen, dass Du die Kontrolle über Dein Leben behältst.
    4. Die Tatsache, dass sich irgendwo Menschen umbringen ist auch kein Grund, hier scheiße zu Menschen zu sein. Insofern kann man auch selbst kritisch gegenüber Facebook sein UND gegen Geheimdienste. Man muss halt da anfangen, wo man anfangen kann.
    5. Es wird niemals einen richtigen Export für Facebook geben. Dafür gibt es schon heute Formate. Die will Facebook aber nicht nutzen.

    Das Internet wird immer mehr eine Sache von ein paar Konzernen. Zum einen, weil Menschen sich das aussuchen, aber aber zu anderen auch, weil diese Konzerne Konkurrenz einfach aufkaufen. Facebook gehören inzwischen Whatsapp und Instagram. Wirtschaft neigt ohnehin zum Monopol. Im Internet geht das durch den Netzwerkeffekt noch viel schneller. Natürlich braucht man kein zweibestes oder gar dritt- oder viertbestes Social Network. Wenn das aber so ist, funktioniert der Markt da nicht mehr. Es geht nicht mehr darum, wer ein gutes Automodell rausbringt und um Marktanteile. Es geht darum, ob iOS oder Android gewinnen und es keine Konkurrenz mehr gibt.

    Sascha Lobo hat das Plattform-Kapitalismus genannt. Die Konzerne sind gleichzeitig ihre Märkte, die sich alleine über ihre AGB regulieren.

    Und die USA machen einen Fehler, das so zuzulassen. Das ist genau einer der Fehler, die in die große Weltwirtschaftskrise in den 1920ern geführt hat.

  2. Für eine kommende Wirtschaftskrise ist unser Finanzminister mit seiner schwäbischen Hausfrau zuständig, da braucht es den Datenschutz nicht für.

    Ich gebe Andreas recht, die wenigsten Alternativen sind wirklich nutzbar im Sinne von leicht handhabbar, weshalb sie im Endeffekt keine Alternativen sind. Was soll ich bei Threema, wenn meine Freunde alle bei WhatsApp bleiben, weil das jeder 5-jährige bedienen kann? Ich verabrede mich auch nicht mit Freunden zu einem Bier und gehe dann alleine in die Kneipe nebenan, weil deren Möbel aus fair gehandeltem Holz sind, wo aber keiner hingeht, weil es sich so scheisse sitzt. Da bleibe ich dann eben zu Hause (= kein Facebook).

    Schön wären ja beide Welten, aber, darauf weist er richtigerweise hin: vor lauter “fair” und “gut” oder eben “Datenschutz” verlieren die meisten den Blick für das Wesentliche: das Produkt selbst. Statt eine Anwendung zu liefern, die Datenschutz bietet, kommt oftmals Datenschutz heraus, der irgendwo auch Anwendung bietet.

    Eine der wenigen Ausnahmen ist hier der Email-Anbieter Posteo. Die Jungs & Mädels haben es geschafft einen Emaildienst auf die Beine zu stellen, der den Datenschutz ernst nimmt (auch wenn sie einige Kompromisse eingehen), dabei aber die Nutzerfreundlichkeit nie aus den Augen verliert. Das kostet aber ein wenig Geld (1,– € pro Monat). Und bei diesem mickrigen Betrag hört bei vielen der Datenschutz eben auch schon auf.

    Das alles kann nur eines bedeuten: die Mehrheit schert sich einen feuchten Kehricht um den Datenschutz. Lange Zeit habe ich gedacht “weil die Leute nicht aufgeklärt sind”. Zu diesem Schluss kommt man nur, wenn man den Datenschutz moralisch überfrachtet, so wie man gerne die Demokratie moralisch überfrachtet. Weder das eine noch das andere aber ist per Definition gut oder schlecht. Beides hat seine Vor- und seine Nachteile. Und in Bezug auf den Datenschutz will die Mehrheit offensichtlich die Nachteile nicht in Kauf nehmen, weshalb sie auf den Datenschutz verzichten (häufig verbunden mit einem schlechten Gewissen, Stichwort Moral).

    Der Markt, im Beitrag Facebook, reagiert auf diese Erkenntnis und versucht daraus, im wahrsten Sinne des Wortes, Kapital zu schlagen. Nicht mehr und nicht weniger.

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