Moodle 2 – Test- und Schulungssystem steht

Es ist vollbracht. Das erste öffentliche Testsystem für Moodle 2 ist online. Das war eine wirklich lange Geburt, daher hole ich etwas aus. Zuerst könnte man meinen, dass Moodle 2 nun wirklich nicht schwer wäre zu installieren ist. Das stimmt absolut, denn so ein XAMPP lokal mit Moodle zu installieren, dauert bestimmt nicht länger als 30 Minuten, aber das ist nun leider nicht die ganze Geschichte.

Das oncampus Moodle System hat natürlich etliche Erweiterungen, Anpassungen und Schnittstellen, was das ganze viel komplizierter gestaltet. Zusätzlich ist Moodle 2 komplett neu designed und daher muss man auch viel ausprobieren und testen.

Zuerst mussten wir uns überlegen, ob wir unsere alte “Ein Moodle für Alle”-Strategie beibehalten. Die Entscheidung ging recht schnell, da wir inzwischen, schon mehrere Moodle Installationen haben und wir nun auch kleinere Projekte trennen wollen. Eine Übersicht aller Moodle Installationen gibt es in der oncampuspedia.

Wir haben dann die gesamte Moodle Intergration in Teilprobleme bzw. Arbeitspakete gegliedert. Als erstes brauchten wir ein Moodle 2 Testsystem, so dass wir alle Funktionen und Erweiterungen testen konnten. Seit gestern gibt es nun eine Liste aller Erweiterungen, die wir didaktisch sinnvoll erachten und technisch einwandfrei laufen (es gibt nur noch bei einer Erweiterung Unklarheiten und zwei liegen noch englisch vor). Beim testen und bei beim Schulungskonzept ist uns dann aufgefallen, dass wir beides verbinden könnten, daher haben wir ein offenes Schulungsmoodle 2 installiert. Bei diesem Schulungsmoodle kann sich schon jetzt jeder anmelden und schon einmal ausprobieren, wie sich ein Moodle 2 System als “Teacher” oder als “Student” anfüllt. Wir haben jeweils einen Account mit diesen Zugängen eingerichtet zum testen und spielen.

Das Design ist neu und fällt natürlich auf. Es ist bisher erst ein Design fertig und zwar im oncampus Layout. Wir haben schon ein sehr schönes VFH Design als Prototyp entworfen, aber das muss jetzt noch umgesetzt werden.

Gerade das Design spielt bei Moodle 2 eine wesentliche größere Rolle als vorher. Das liegt vor allem an den Mobil Devices. Inzwischen gibt es neben den bekannten Smartphones auch Tablets. Für Moodle 2 bedeutet dies, dass kein fester Header oben eingeblendet ist, damit man besser “wischen” kann, wenn man mit Tablets surft. Für Smartphones gibt es ein Extra-Design (was wir noch nicht angepasst haben) , aber es gibt keine Extra-App. Der Ansatz einer Moodle-App ist im Moment nicht erfolgreich. Die erste App hat leider zu wenig Funktionen, außerdem wird man nie alle Erweiterungen in die App einbinden können. Moodle 2 bietet daher eine CSS-Weiche an, damit Smartphones ein anderes Layout erhalten. Der Vorteil liegt auf der Hand, denn man hat alle Funktionen immer zur Verfügung.

Die größte Änderung in Moodle 2 betrifft die Dateiverwaltung. Man hat nun “Eigene Dateien” in Moodle 2, was den Vorteil bringt die gleichen Dateien schneller in mehrere Kurse einzubinden. Leider ist die gute Idee, schlecht umgesetzt worden. Das bringt uns jetzt zum Schulungskonzept. Jetzt nachdem endlich das erste System fertig ist, werden Schulungsmaterialien erstellt inkl. Videos. Je nach Bedarf wird es dann Schulungen über Webkonferenz bzw. direkt vor Ort geben. Unsere Erfahrung ist jedoch eher, dass die Schulungsangebote weniger genutzt werden, als erhofft. Zum Schulungskonzept folgen noch genauere Infos.

Noch ein Satz zum Update-Prozess: Unser Ziel ist es Ende Juli alles fertig zu haben. Wir werden ein neues Moodle 2 System aufsetzen, aber alle alten Kurse sollen überführt werden. Wir orientieren uns hier an anderen Hochschulen, die erfolgreich diesen Weg schon beschritten haben.

Die nächsten Schritte werden dann die Schnittstellen zum Portal und zu Adobe Connect sein und Evasys (Evaluation) und zu guter Letzt dann noch die Anbindung an das Active Directory.

  1. Das neue System wurde sicher hinfällig, da wir schon seit Jahren im Web 2.0 leben. Was ich daher sehr begrüße. Moodle 2 hat sicher viele Stunden gekostet, man denke nur an die ganzen Addons, Interfaces oder dem neuen Konzept des Interaction-Designs. Was mich aber gerade punkto Design etwas stört, dass nun zwar eine Verbesserung eingetreten ist, man aber durchaus auch noch mehr hätte wagen können. Gerade im CSS3 und HTML5 Bereich hat sich unglaublich viel getan, was die User-Interaction und User-Experience anbelangt. Davon sieht man auch in diesem Release leider nur sehr wenig. Auch wurde wohl etwas mit dem Umgang mit Javascript-Frameworks gespart. Schade daher, dass man wohl keine guten UI- und UX-Experten dazu geholt hat, die am Puls der Zeit leben. Ansonsten kann man euch viel Glück wünschen bei der Datenmigration und das hoffentlich auch weiterhin etwas daran gearbeitet und das System gepflegt wird. Gerade ein Moodle-System sollte laufend weiterentwickelt werden.

    • Danke für die Glückwünsche,

      Ergonomie und Usability ist viel schwerer umzusetzen, wie viele denken (gerade Informatiker verweigern sich dem Thema sehr). Daher haben es Open Source Projekte auch so schwer, da sich oft die Designer dort nicht engagieren. Es gibt ein paar tolle Design Studien und Experimente zu Moodle, aber wir wollten am Anfang erst einmal eine konservative Migrationstrategie anstreben. Definitiv hat Moodle dort noch viel Potential, aber es ist auch viel besser als sein Ruf.

      • Als Designer und Student der Medieninformatik kann ich euch auf die Schnelle mal ein paar kleine Ratschläge geben, die vielleicht sogar bekannt sind? Auf jeden Fall würde ich mal folgende Punkte noch optimieren:

        – Schaut euch mal die Googel Web Fonts (API) an (Stichwort: Sans-Serif). Es gibt mittlerweile sehr viele serifenlose und moderne Schriftschnitte, die sehr viel besser lesbar sind wie die Arial und auch optisch gleich mehr hergeben. Professionelle Typografen und Designer machen meist Vergleiche und entscheiden sich dann für einen Favoriten. Auch würde ich die Makrotypografie noch etwas anschauen.

        – Die Icon-Sprache ist wirklich schlecht. Icons und Piktogramme sollten generell etwas grösser sein, damit auch Leute mit leichten Sehbehinderungen damit etwas anfangen können. Auch gibt es mittlerweile unzählige gute und schlichte funktionale Icon-Sets, die auch designtechnisch super ausschauen. Ich persönlich würde etwas in diese Richtung in Betracht ziehen: http://p.yusukekamiyamane.com/ jedoch findet man via Google hunderte von anderen Icon-Sets, die passen könnten und sogar kostenlos sind.

        – Für Mobile-Devices würde ich die Layouts in CSS3 noch stark optimieren. Ihr verwendet Standart-Layouts, die aber nicht wirklich ideal sind, so wie Sie jetzt vorliegen. Schaut euch auch mal CSS3 Media Queries an. Auch würde ich bei responsive Designs darauf achten, dass die Unterteilungen der einzelnen Blockelemente klarer sind und nicht „ineinanderfließen“. Ein Gestaltgesetz besagt, dass „Gleiches zu Gleichem gehört“ (meist semantisch gemeint). Daraus leitet sich auch die Umkehrung ab. Jetzt scheint es noch etwas wahllos zusammengewürfelt zu sein. Es fehlen klare Abgrenzungen.

        Vielleicht sind das noch im Endspurt ein paar Anregungen, die leicht umzusetzen sind. 😉

      • Vielen Dank für Ihre Anmerkungen, wir freuen uns immer über Feedback. Was die Verbesserungen am Design betrifft, hat sich unser Design-Kompetenz-Team ausführlich konzeptionell mit Moodle 2 beschäftigt, dabei spielen die User bzw. die Userfreundlichkeit eine sehr große Rolle.
        Wir haben uns bewusst dazu entschieden, den User nicht mit zuvielen Neuerungen zu überfordern, damit er sich schnell in das System eingewöhnen kann.
        Wie Sie bemerkt haben, haben wir die Standard-Piktogramme geändert. Diese Veränderung bezieht sich allerdings nicht auf die Formsprache, weil die bisherige den Nutzern geläufig ist, und dadurch eine Umgewöhnung leichter machen. Aus diesem Grund haben wir die Piktogramme nur an das neue Layout optisch angepasst und keinen komplett neuen moderneren Look gegeben. Im E-Learning stehen im Gegensatz zum Marketing ökonomische Gesichtspunkte über dem Design. In mehreren Studien wurde nachgewiesen, dass durch aufwendige Designs kein didaktischer Mehrwert erzielt wird, oder anderes ausgedrückt die Lerneffektivität kann dadurch nicht gesteigert werden.
        Die Wahl des Web-Fonts fiel auf Arial aus folgenden Gründen, sie passt sehr gut zum Font unserer CI, hat eine hohe Kompatiblität bei allen Browsern, lässt sich gut lesen, hat eine geringe Schrittbreite und kann sowohl im Fließtext als auch in den Blöcken verwendet werden.
        Bei der Anpassung für die Mobile-Devices haben sie völlig recht, Websites müssen auf die heutigen Ausgabegeräte und Browser abgestimmt werden. Leider können Sie die Anpassung auf dem Schulungsserver noch nicht sehen, sie sollten aber mit dem nächsten Update für sie sichtbar werden.
        Zusammenfassend noch eine letzte Anmerkung, unserer Umstieg von moodle 1.9 auf moodle 2.3 ist in erster Linie ein technisches Release mit Design-Anpassungen.

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