Wahnsinn – 1/4 Million Klicks auf YouTube

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Wer heute immer noch denkt, auf YouTube gibt es nur Musik, Babys und Scherzvideos, der hat wohl lange nicht mehr nachgeschaut. YouTube ist mit weitem Abstand das erfolgreichste Videoportal im Netz, und Filme heutzutage am PC bzw. Smartphone zu schauen ist für viele Alltag. YouTube kann einige beeindruckende Kennzahlen vorweisen. So werden pro Minute ca. 24 Stunden Videomaterial online gestellt und täglich werden über 2 Milliarden Videos abgerufen. In Deutschland verbringt ein Jugendlicher durchschnittlich 2 Stunden/Woche auf YouTube und die Tendenz ist steigend.

Seit Februar 2010 ist auch oncampus, die E-Learning Tochter der Fachhochschule Lübeck, mit dem Channel www.youtube.com/oncampusfhl dort vertreten und das mit großem Erfolg.  Am Anfang war nur Neugier und eine Idee vorhanden. Wie funktioniert YouTube und werden dort auch Bildungs-Videos nachgefragt? Dürfen wir unsere Videos und Animationen dort rechtlich einstellen und welches Format müssen diese haben? Fragen, die keiner beantworten konnte und daher kam der Entschluss, es einfach auszuprobieren – Nicht lange reden, sondern machen!

Anfang Februar begann dann das YouTube Projekt. Ein Praktikant hat 60 Animationen eingestellt, diese wurden mit Schlagwörtern (Tags) versehen und die Beschreibungen aus den Online-Studiengängen wurden kopiert. Wir hatten dabei keine große Erwartungshaltung und hofften auf 1.000 Klicks im Monat, umso erfreuter waren wir, als wir die ersten Analysen sahen und wir 150 Klicks am Tag hatten. Im Herbst konnten wir dann noch einmal 80 Animationen einstellen und die Zugriffszahlen sind dann richtig gestiegen und inzwischen haben wir täglich 1200 Aufrufe und das sind inzwischen in Summe über eine Viertelmillion Videoabrufe.

Wir wissen dabei nicht wer genau diese Videos abruft. Einzelne Kommentare zeigen, dass es viele Studierende anderer Hochschulen sind, die z.B. Spritzgießen, Marktgleichgewicht oder Telnet googeln um sich für Prüfungen vorbereiten. Die Zeiten, wo Inhalte nur für die eigenen Studierenden bzw. für die eigene Hochschule sind, haben sich dank YouTube und iTunes University geändert. Der Student ruft die Inhalte aktiv ab. Wir sprechen hier von Pull-Informationen, da sie zeit- und ortsunabhängig sind, im Gegensatz zum Push-Frontal-Unterricht in den Vorlesungen. Jeder YouTube-Nutzer ruft nur Videos ab, die er will und braucht, denn er filtert die Informationen für sich selbst. Das ist sehr viel effizienter als die normale Vorlesung im Hörsaal und dank mobilem Internet kann er sehr viel flexibler lernen. Inzwischen sind 3% aller Abrufe von mobilen Geräten. Das ist noch nicht viel, aber vor einem Jahr waren es weniger als 1% und die 1200 täglichen Aufrufe entsprechen etwa 34 Stunden Vorlesung. Das läßt sich natürlich nicht direkt vergleichen, aber man kann behaupten, dass nur Interessierte sich die Videos anschauen.

Stellt man Lehrinhalte frei ins Netz, spricht man von Open Educational Ressources (OER). All unsere Videos stehen unter der Creative Commons Lizenz BY-NC-SA, was bedeutet die Videos dürfen für nicht kommerzielle Zwecke verändert werden und unser Name muss genannt werden und eine Weitergabe darf nur unter diesen Bedingungen erfolgen. Am Anfang haben wir uns selbst gefragt, welchen Vorteil wir davon haben. Doch das war die falsche Frage, denn eigentlich müsste man fragen: „Welchen Nachteil haben wir davon?“. Die Frage war wesentlich einfacher zu beantworten, denn es gab keinen. Die Videos waren vorhanden und die Rechte liegen bei uns und dank der Praktikanten, hatten wir auch keine Kosten und die Praktikanten sogar eine sinnvolle Aufgabe. Inzwischen haben wir aber Vorteile erkannt, denn dank YouTube hat sich unser Bekanntheitsgrad erheblich gesteigert. Der Traffic auf unserer Webseite ist merklich gestiegen und wir kriegen Anfragen von anderen Schulen und Hochschulen über die Inhalte und vielleicht entstehen auch irgendwann neue Projekte oder Kooperationen. Dazu kommt natürlich noch die ganze Erfahrung, die wir dort sammeln, was man nicht unterschätzen sollte. Die neuen Web 2.0 Portale, wie YouTube, Facebook und iTunes haben eigene Spieleregeln und ganz andere Ansätze wie die Offline-Welt.

Aber am meisten sind wir darauf Stolz, dass unsere Arbeit benutzt wird. Das hört sich vielleicht etwas idealistisch und naiv an, aber eine Hochschule ist ein Ort, wo Wissen vermittelt wird, ein Ort der Forschung und Lehre. Auch wenn die YouTube Nutzer keine eingeschriebenen Studierende sind, so wollen sie etwas lernen und warum sollten wir dies nicht fördern? Niemand sucht einfach aus Spaß und Langeweile nach Fertigungstechnik-Videos. Es ist jedoch toll zu sehen, dass inzwischen über 25.000 Menschen  dies Video bei uns gesehen haben und vielleicht wird der eine oder andere Dozent jetzt auch seine Skripte, Videos oder Powerpoints online stellen, damit andere davon lernen können.

    • Na ich hoffe das geht nicht, da es ja umgekehrt seien sollte. Es gibt aber Firmen, die haben Skripte, Proxys und IP-Adressen mit denen man für ein gewisses Geld YouTube Klicks kaufen kann. Ob das legal ist, weiss ich nicht, es ist auf jeden fall nicht ehrlich und unmoralisch. Unsere Klicks sind definitiv ehrlich (es sei denn, jemand anders hat uns Klicks gekauft).

  1. Die richtige Einstellung zur Wissensvermittlung im Netz. Ich finde das überhaupt nicht naiv, sondern mittelfristig die einzige richtige Vorgehensweise. Glückwunsch zum Erfolg.

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