Freies WLAN in Deutschland – Traum oder Alptraum?

Ich war in den letzten Wochen viel unterwegs und ich hab nicht alles bisher dazu gebloggt. Durch die ganzen Reisen ist mir mal wieder die Abhängigkeit vom Internet klar geworden und vor allem meine spezielle Abhängigkeit. Anscheinend bewege ich mich doch etwas mehr im Internet als der Durchschnittsbürger und dabei wundere ich ich, wie der normale alte offline Mensch überhaupt “existieren” kann 🙂

Was ist der Unterschied zwischen einer Hochschule und McDonald?

Was sich zuerst äußerst banal anhört und vielleicht witzig ist, ist beim zweiten Nachdenken eher traurig oder . Bei McDonald komm ich umsonst und ohne große Schwierigkeiten ins Internet. Entweder haben die Niederlassungen ein offenes Netz, oder man kann sich per SMS einen Code zuschicken lassen, der dann 1 Stunde gültig ist. Das gleiche gilt auch für Starbucks und viele andere Restaurants. Was ist aber jetzt mit den Hochschulen in unserem Lande? Die Orte wo Wissen entsteht und vermittelt werden soll? Wo die Barrierefreiheit groß geschrieben wird und jeder Zugang zum Wissen haben sollte. Hoschulen dürfen keine freien WLANs haben, ist die einfache Antwort, denn es gibt ein Haftungsrecht. Über freie WLANs könnten illegale Inhalte runtergeladen werden und das gehört sich nicht. Daher muss man sich authentifizieren. Das ist aber oft gar nicht so einfach, vor allem wenn man an einer Hochschule nur Gast ist. Dann hat man keinen Account und auch kein Internet. Das  soll Eduroam lösen, denn Eduroam steht für Education Roaming was bedeutet, dass man in jeder Hochschule mittels Eduraom authentifiziert problemlos surfen kann (das löst aber nicht immer das Gästeproblem löst, denn es kommen ja auch nicht Hochschulangehörige an eine Uni, z.B. Gastvorlesungen aus der Industrie).

Ich möchte jetzt gar nicht wissen, wie viel es gekostet hat und kosten wird, diese ganzen authentifizierten Netzwerke aufzubauen und zu administrieren, alles nur damit wir keine illegalen Inhalte runterladen oder andere böse Sachen anstellen. Allerdings kommt schon das nächste Problem, denn es gibt ja inzwischen Netbooks, iPads und die ganz tollen Smartphones. Ich mag zwar kein Apple, aber die iPhones sind wirklich easy ins Internet zu kriegen. Was mit einem Windows Laptop an der FH Lübeck nur mit einer 4-Seiten-Anleitung geht (die versteckt im Intranet steht), kriegt man mit einem iPhone mit zwei Klicks hin. Inzwischen gibt es aber genug Smartphones (gerade gestern sind wir an einem Sony Ericsson verzweifelt) mit denen man es bei uns gar nicht schafft. Wie viel Zeit man beim probieren verschwendet, ist dabei egal. Wichtig ist nur, dass man ein sicheres WLAN hat.

Sicherheit und Usability widersprechen sich

Bei all meinen Beobachtungen von Hochschulnetzen, bei dutzenden Workshops und Konferenzen gibt es hunderte von Problemen, seien es Zugangswörter (Achtung Groß- und Kleinschreibung), WEP, WPA, WPA2, PSK oder AES Verschlüsselung. Dazu kommt noch der berüchtigte VPN-Cisco-Client, der mir schon ein Laptop zerschossen hat. All die tausende von Einzelschicksalen, die sich bemüht haben in die jeweiligen WLANs zu kommen und wirklich unendlich viel Zeit dabei verschwendet haben (und Nerven gekostet haben), hätten mit freien WLANs keine Probleme gehabt. Falls ich mich jetzt wiederhole, tut es mir leid, aber wir dürfen keine freien WLANs haben, da wir sonst illegale Sachen machen (Warum werden wir eigentlich dafür bestraft, wenn einer von 1000 Nutzern Pornobilder lädt. Auf der Autobahn darf doch auch jeder schnell fahren, auch wenn einer mal geblitzt wird.)

Der Landtag setzt Zeichen

Gestern hatte ich einen Vortrag im Kieler Landtag und das erste was mir aufgefallen ist, das WLAN war geschlossen. In meiner naiven Vermutung der Landtag könnte für Transparenz, Bürgernähe und Öffentlichkeit stehen und etwas für seine Bürger machen, stand ich natürlich alleine da. Die meisten Anwesenden waren schon glücklich darüber, dass es ein teilgeschlossenes WLAN gibt und man doch einige Informationen über den Landtag abrufen konnte. Google und andere unwichtige Seiten gingen natürlich nicht. Ich vermute auch im Kieler Landtag gibt es jede Menge böser Menschen, die illegale Sachen mit dem Internet machen.

Es könnte so schön sein

Andere Länder andere Sitten, denn es gibt viele Plätze auf der Welt, wo offene WLANs selbstverständlich sind und das Internet sogar als Grundversorgung gilt. In Estland gibt es ganze Innenstädte die flächendeckend freie Netze haben und auch der Wiener Flughafen hat dies. Habt ihr schon mal versucht am Hamburger Flughafen zu surfen? Nehmt ne Menge Geld mit, denn das ist richtig teuer. Von McDonald und Starbucks hab ich schon gesprochen und auch ganz viele Jugendherbergen und Hotels haben inzwischen freie Netze (andere haben aber meist extrem teure Netze, vor allem Hotels). Was mich aber am meisten stört, ist dieser unglaubliche Aufwand für Eduroam, Verschlüsselung und Konfiguration, der so viel Zeit und Nerven kostet, aber der für eine sichere Gesellschaft anscheinend notwendig ist, aber nie hinterfragt wird.

Alternative Geld und UMTS

Natürlich ist das Problem gelöst, wenn ich einen UMTS-Stick nehme bzw. ein Android Handy mit Hotspot installiere. Die meisten machen dies auch und beschweren sich nicht (mehr). Dies wird auch die Lösung der Zukunft sein, ich frage mich jedoch, ob dies vernünftig ist. Es könnte doch auch anders gehen, aber jaja die bösen Menschen mit den illegalen Inhalten…

  1. Moin,
    es muss ja nicht unbedingt ein Android Phone fürs Tethering sein. Andere Betriebssysteme, wie z.B. Bada, tethern auch 😉

    Frei zugängliches WLAN überall wäre super, aber die Hoffnung habe ich aufgegeben. Ich habe mal versucht im ICE deren WLAN zu nutzen, ist aber leider viel zu teuer. Vor einiger Zeit habe ich mir fürs Internet extra eine neue SIM-Karte mit Datenflat geholt. Mobil kann man zwar gerade auf Zugstrecken nur schwer ins Internet(kein Funktnetz), aber in Städten hat man normalerweise dann kein Problem mehr.

    Unterscheiden sollte man vielleicht noch zwischen offenen Netzen und frei zugänglichen Netzen? Offen bedeutet für mich, dass die Verbindung nicht verschlüsselt ist. Das wäre mir zu kritisch. Das Verbinden ist zwar ohne Verschlüsselung einfacher, aber das ist ein Problem der Software und der Vielfalt an Verschlüsselungskonzepten.

    • Hallo Marcus

      auch ein Jailbreak iPhone kann tethern, aber warum immer Hacks verwenden müssen?

      Bei den offenen Netzen ging es mir auch nicht um den Sicherheitsaspekt zwischen offen und frei, es ging eher darum, dass wir ne Menge Arbeit und Nerven in etwas stecken, was überhaupt nicht Not tut. Es heisst überall Bürokratieabbau und dann kommen Verwaltungslösungen, die eigentlich Null-IT-Kompetenz haben und dadurch Kosten verursachen, die man gar nicht sieht. Die Kosten (hier Zeit und kein Geld) bezahlt aber jeder und das täglich.

      Gruss Andreas

    • Hallo Eike,

      ich denke alle Freifunk Lösungen verdienen Respekt. Leider wird diese Richtung viel zu wenig unterstützt, genauso wie der Breitbandausbau im ländlichen Bereich. Hier sind wir sicherlich 10 Jahre zu spät und die Politik verkauft dies als Innovation. In Berlin kriegt die Freifunklösung ja auch keine richtige Unterstützung, ausser von der Piratenpartei.

      Gruss Andreas

  2. Stichwort Hotel:

    In Thailand hats für 2 Wochen gerade mal 100 Bath (rund 2€) im 4 Sterne-Hotel gekostet.
    Auf Kreta hatten wir sogar ne Patchdose im Zimmer. Für lau!

    Nur wenn ich in D in ein Hotel gehe, zahle ich ordentlich für ein bissl WLAN…

  3. hey
    ich habe deinen Blog mit großer Interesse gelesen und ich stimme dir vollkommen zu. Zurzeit bin ich in den USA und es ist absolut kein Problem irgendwoe eine frei Internetleitung zu finden. Leider gibt es in Deutschland ja auch nicht so viele Starbucks Filialien wie hier bei denen man sich mal schnell einwählen kann.

    Es ist traurig das die Regierung den deutschen Bürgern so misstraut.

    Aber ich habe da auch noch eine Frage. Ich würde mir hier gerne einen I pod touch holen, der ja fast wie ein Iphone funktioniert nur das man damit nicht telefonieren kann. Solange ich hier bin, ist es ja kein Problem ins Internet zu kommen, aber sobald ich dann wieder in Deutschland bin, habe ich angst, dass sich die ganze Investition nicht mehr lohnt, da ich nirgendwo eine freie Internetverbindung bekomme. Gibt es eine möglichkeit über andere Wege eine Internetverbindung aufzubauen??

    Liebe Grüße Julia

    • Hallo Julia,

      ich kann dem US Beispiel auch nur zustimmen. Überall gibt es offene WLANs und vor allem entstehen dadurch keine Probleme, sondern sie werden gelöst. Inzwischen bin ich aber fast der Meinung, das Problem hat sich bald gelöst, denn es gibt seit ca. 3 Monaten bezahlbare Internet-Flatrates in Deutschland, die sich dank Smartphones auch starkt durchsetzen. Es sieht also so aus, als ob der Gesetzgeber die offenen WLANs verhindert und den Bürger zu den Internet-Providern hintreibt. Das beantwortet auch dann die iPod Touch Frage, denn ohne UMTS hat so ein Gerät keinen Sinn, es sei denn du bist immer zuhause bzw. auf Arbeit und hast dann WLAN. Das gleiche gilt auch fürs iPad oder für Netbooks. Achte immer auf UMTS. Bei den Laptops kann man nen USB-Stick benutzen, der aber leicht abbricht, das geht beim iPad natürlich nicht. Bei den UMTS-Angeboten immer beachten, dass die USA andere Techniken haben und es dort immer zu Problemen kommen kann.

      Viel Spass noch in den USA
      Andreas

  4. Pingback: Fürs Protokoll.

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