iPad – erste Eindrücke

Heute war ein großer Tag, wir haben das iPad bekommen und uns natürlich sofort darauf gestürzt und getestet. Ich will jetzt einmal ganz kurz und schnell vor dem Wochenende meine ersten subjektiven Eindrücke runterschreiben und was die Kollegen gesagt haben.

Zuerst einmal vorneweg, wir sind eine reine Windows-Organisation und kein Mitarbeiter ist Apple Fan. Wir wollen alle arbeiten und das ohne Probleme und Hindernisse und wir sind auch alle sehr offen gegenüber Open Source, offenen Schnittstellen und wir versuchen immer alle Plattformen zu unterstützen, was aber natürlich nicht immer klappen kann. Unsere Lernmodule laufen dank Flash und XHTML auf allen Plattformen, dennoch sprechen wir offiziell nur von Windows-Unterstützung. Das müssen wir schon alleine wegen der Ressourcen machen, da wir uns hier nicht noch 4 PCs mit Apple, Linux, Android und Opera, Firefox, Safari hinstellen können.

Erster Eindruck

Das iPad sieht wirklich schick aus. Das Display ist sehr gut und zeigt HD-Movies kristallklar. Der einzige Anschluss ist das Docking-Kabel und dann gibt es noch Tasten für die Lautstärke und zum locken des Displays. Das Display spiegelt jedoch sehr stark und kann bestimmt nicht bei Sonne abgelesen werden. Meine ersten Freifeldversuche waren bei bedecktem Himmel und da war alles gut zu erkennen, jedoch bei Sonne ging gar nix. Ich bezweifel sehr stark, dass ich im Freibad eBooks lesen kann oder vernünftig surfen. Das Gewicht ist auch größer als vermutet. Ich hatte schon nach 10 Minuten erste Probleme mit meinem Handgelenk und zum lesen oder Filme betrachten fehlt ein eingebauter Ständer (das 1und1-Pad hat so nen Ständer, bei Apple gibt es den bestimmt zum nachkaufen). Man hat auch immer das Gefühl das iPad rutscht aus der Hand, da die Rückseite sehr glatt ist. Einen sehr positiven Eindruck hat die Tastatur hinterlassen, die wirklich groß und treffsicher ist. Allerdings ist dann der Bildschirm zu klein um größere Texte schreiben zu können. Der eingebaute Lautsprecher ist auch sehr gut und macht auch bei größerer Lautstärke einen guten Eindruck. Richtig laut ist er allerdings nicht, dafür gibt es dann wohl Extra-Boxen über die Docking-Station.

Die Software

Es ist halt Apple und das ist für nen Windows-User zuerst einmal fremd. Der Anschluss ans WLAN der FH Lübeck ist genial einfach und natürlich konnte man sofort loslegen. Safari starten und ab ins Internet war in 2 Minuten erledigt und die ersten Webseiten kamen gestochen scharf rüber. Was aber sofort gestört hat, ist das fehlende Multitasking. Mehrere Webseiten kann man zwar öffnen, aber iTunes und iPod nebeneinander geht nicht. Zwischen einzelnen Anwendungen wechseln geht gar nicht. Das hat jeden Mitarbeiter gestört und teilweise zur Verzweiflung gebracht. Das nächste Problem war dann Flash. Zwar kann man YouTube Videos dank dem passenden App anschauen (auch in Webseiten) aber die ARD/ZDF-Mediathek geht gar nicht und natürlich unsere Lernmodule auch nicht. Der Hinweis in Safari, man solle doch das Flash-Plugin installieren, ist natürlich ein Witz, wenn man die Hintergrundstory zu dem Adobe-Apple-Streit kennt. Andere Video-Webseiten gehen auch nicht, z.B. ClipFish (Flash-Plugin) und MyVideo (gar keine Fehlerangabe) dagegen hat Vimeo funktioniert. Benutzt Vimeo HTML5? Ich war erstaunt.

Was natürlich uns “Arbeiter” interessiert, ging irgendwie alles nicht so einfach. PDF-Files kann man öffnen, aber nicht speichern (dafür gibt es bestimmt ne App). Bei Word und Powerpoint sieht es ähnlich aus, aber wer editiert Office-Dokumente auf dem iPad? Wikis zu editieren war wegen der großen Tastatur auch nicht so einfach. Videos, Bilder und Musik hingegen funktioniert sofort, wenn man denn iTunes mag.

Kleines Fazit

Ich will jetzt nicht über die Philosophie von Apple lästern, denn darum geht es beim iPad nicht. Entweder man findet die Usability gut, oder man ignoriert Apple. Allerdings haben wirklich alle Mitarbeiter gesagt, dass sie kein Verständnis haben für den fehlenden USB-Anschluss, bzw. dem fehlenden SD-Card Slot. Wie soll man Daten auf das iPad ohne iTunes transportieren? Dafür ist natürlich iTunes entwickelt worden, jedoch hat jeder Mitarbeiter Angst davor, dass Apple weiss, welche Mediendateien man besitzt. Wieso wird eigentlich täglich über Googles StreetView diskutiert, wenn der richtige Datensammler Apple heisst? Es ist auch nicht hinnehmbar, dass man nur mit einer Kreditkarte den iTunes-Store benutzen kann. Ich weiss das einen Weg gibt, auch ohne Karte “einzukaufen”, doch dieser Workaround ist sehr gut versteckt und eigentlich keine Lösung (Apple Fans werden jetzt widersprechen, dafür ist das Kommentarfeld unten da 🙂 ). Das eine Webcam fehlt, muss auch noch erwähnt werden, aber auch das iPhone hat drei Versionen für die MMS und den Kompass gebraucht. Apple braucht auch gute Verkaufsargumente für die zweite Generation, das wäre einer.

Allgemeine Meinung

Alle waren neugierig und kurz danach enttäuscht! So könnte man schnell alle Meinungen zusammenfassen. Von “nette Spielerei”, “unnützlich” bis zu “Datensammler” und “ohne USB und SD-Card unbrauchbar” waren alle negativen Meinungen vertreten. Wirklich positiv hat bisher keiner vom iPad gesprochen. Teilweise waren die Meinungen nach 3 Minuten vernichtend. 500 Euro für ein Gerät, was weder Flash unterstützt noch USB und Webcam hat, ist schon eine Hausnummer. Ich habe jedoch eine etwas andere Meinung, denn ich denke, das Pad wird seine Vorteile eher im Alltagsgebrauch ausspielen. Es wird TV Zeitschrift, Laptop, Küchenuhr und Kochbuch ersetzen. Ob es zum lesen und lernen taugt, muss ich jetzt schon bezweifeln. Dafür ist das Gerät imho zu schwer und das Display zu spiegelnd. Wie es sich im Alltagstest bewährt, werde ich wohl in 2-3 Wochen berichten können. Für mich persönlich, hat sich meine Meinung über Apple jedoch bekräftigt. Ich halte gar nichts von der Usability und der Geschäftspolitik, muss aber bewundersnwert eingestehen, dass das Gerschäftsmodell von Apple fantastisch ist. Das ist die perfekte Gelddruckmaschine und selbst ich kauf Apps. Daher freue ich mich jetzt schon auf das WePad, was Flash und SD Card und USB hat.

Fortsetzung folgt…

  1. Günstiger iPad Ständer: http://stadt-bremerhaven.de/billiger-ipad-staender-gesucht-hier-ist-das-ding/

    Das mit der Kreditkarte und dem iTunes-Store kann ich nicht nachvollziehen. Es ist möglich andere Bezahldienste zu nutzen. Beispielsweie Click&Buy. Im Gegensatz dazu der Samsung App Store; dort kann man bisher wirklich nur mit Kreditkarte zahlen.

    Zum Thema Flash: Ich hoffe, dass wenigstens die öffentlich Rechtlichen bald von Flash wegkommen. Wozu ein einfaches Video über Flash streamen, wenn es auch so geht.

    Glückwunsch zu der Anschaffung und nicht weggeben, ich will das auch noch mal in der Hand halten 😉

    • Hallo Marcus,

      toller iPad Ständer und wir geben die Geräte nicht weg. Allerdings hat der erste Tester inzwischen aufgegeben und sein iPad ohne Reue und Tränen einem anderen überlassen. Zum bezahlen kannst Du Recht haben. Man kann sichelrich was anderes auswählen, aber ohne Trick muss immer eine Bezahloption genommen werden. Das Problem danach ist, dass man das Gerät jetzt nicht mehr verleihen kann, da jeder auf Deine Kreditkarte einkaufen könnte. iPads sind nicht Mandatenfähig und das kann in vielen Szenarien ein Problem sein. Ich denke hier nur an einen Schulklasse oder Weiterbildung mit Leihgeräten. Dafür hat Apple sicherlich auch eine Lösung, genau wie das Flashproblem. Hier soll es jetzt Frash geben, was auch immer das bringen wird.

      Gruss Andreas

    • Hallo Christian,

      ich verstehe die Frage nicht so ganz (vor allem bei dem Thema iPad). HTML5 wird bei Moodle nicht viel ändern. Es betrifft ja sehr die Content-Darstellung und da unser Content nicht mit Moodle produziert wird, sondern dort nur eingestellt wird, hat HTML5 keinen großen Einfluss auf Moodle.

      Gruss Andreas

      • Es geht ja vor allem darum auf Flash zu verzichten und dafür HTML5 zu verwenden. Schließlich hat sich Apple ganz klar gegen Flash entschieden und mir ist bei einigen Modulen aufgefallen das Flash verwendet wird, gerade bei den Animationen. Diese würden allen Nutzern der iOS Geräte verwehrt bleiben.

        • Das ist in der Tat ein sehr großes Problem. Wir haben in allen Modulen Flash-Animationen und wir sehen das Duo Flash und PHP als bisherigen Erfolg. Flash läuft lief überall und dann kam Apple. Das konnte natürlich niemand ahnen und jetzt haben wir das Problem. natürlich werden wir irgendwann HTML5 machen, aber so etwas geht nicht so schnell. Immerhin sprechen wir von 8.000 Animationen und wenn wir für jede nur 15 Minuten bräuchten, haben wir doch ein Problem was mehrere Tausend Euro kostet. Ich kann mich da nur bei Apple und Adobe bedanken und hoffen die beiden finden eine Lösung. Wir haben im Moment nicht die Ressourcen und können daher nur Alternativen (WePad, Android) empfehlen. Leider…

  2. Zitat:
    “Es wird TV Zeitschrift, Laptop, Küchenuhr und Kochbuch ersetzen.”

    Also ein Laptop wird es definitiv nicht ersetzen!
    Niemals. Nicht mal ein Netbook.

    Und wer die TV Zeitschrift, Küchenuhr und das Kochbuch ersetzen will und dafür 500 Euro ausgibt, sollte gleich noch einen Termin beim Psychiater ausmachen.

    Aber die Anhänger der Apple-Sekte würden dafür auch ihr letztes Hemd opfern.

    Scientology ist ein Kegelclub verglichen mit Apple.

    • Hallo Stromberg,

      der Vergleich mit Scientology ist sehr hart und man sollte die Apple Fans damit nicht gleichsetzen. Apple hat es einfach geschafft, dem Anwender sehr leicht das Portemonaie zu öffnen. Apple Fans sind bereit für Inhalte zu zahlen, dass geht mit Linux-Anhängern fast gar nicht. Linux Fans sind aber meist auch Informatiker, die es auch fast immer schaffen ihre komplexen Probleme selbst zu lösen.

      Ich finde persönlich überhaupt nichts schlimmes daran 500,- für ne digitale Küchenuhr auszugeben. Es gibt auch Leute die bezahlen 50.000,- für ein Auto, was ich z.B. nicht nachvollziehen kann. Jedem das seine…

      Gruss Andreas

  3. Hallo Zusammen,

    das iPad ist ausserdem als Mobile Learning Device hervorragend geeignet. Gerade im Bereich der Aus-und Weiterbildung ist das iPad hervorragend einsetzbar.

    Die beschriebene Kritik kann im Alltag nicht standhalten – eine USB-Schnittstelle würde dem Gerät definitv nicht schaden, der Sync über iTunes ist aber völlig problemlos und intuitiv. SD-Card Adapter gibt es mittlerweile ebenso die Möglichkeit des Anschlusses externer Monitore.

    Der Vorwurf an Apple Sie würden Daten ausspionieren halte ich für unbegründet und scheint aus der Luft gegriffen.

    Die Einsatzmöglichkeiten des iPads von Tag 1 des Release bis heute sind expotentiell angestiegen.

    – In Meetings als Präsentationsrechner
    – Als Zeichenbrett
    – Für Brainstorming
    – Als interaktiver Notizblock
    – Für interaktive Lernprogramme
    – auf Messen für PRoduktschulungen
    – In Trainings als Moderationskartenersatz
    – Als Mobile Learning Devices

    Einen ausführlichen Erfahrungsbericht bzw. Ausblick gab es seinerzeit auch auf http://www.edutrainmentzweinull.de

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