Blogparade: Ich packe meinen Koffer und nehme mit (Smartphone Version)

Wer kennt es nicht, dass berühmte Gedächtnisspiel: „Ich packe meinen Koffer und nehme mit„. Aber was wäre, wenn wir uns einer einmal in einer Blogparade austauschen würden, welche Apps man denn in den Urlaub mitnehmen würde? Ich weiss nicht, wie es anderen geht, daher wollte ich einmal kurz meine Lieblings-Apps meiner letzten Urlaube vorstellen und vielleicht wird der eine oder andere Leser, diese Idee aufgreifen, und selbst einige Apps vorstellen.

Ich packe meinen Koffer und nehme mit (Bildquelle: Pixabay Lizenz CC0 https://pixabay.com/de/kamera-fotos-fotografieren-514992/ Li

Ich packe meinen Koffer und nehme mit (Bildquelle: Pixabay Lizenz CCO https://pixabay.com/de/kamera-fotos-fotografieren-514992/ Li

Den Medienwandel am eigenen Leben erfahren

Wir reden so viel über Digitalisierung, Change Management, E-Learning und Co aber hat sich auch unser eigenes Leben dadurch verändert? Wird der Urlaubskoffer wirklich dünner oder haben wir immer noch Bücher, Reiseführer, Fotokamera und Wanderkarten dabei? Leben wir auch das, was wir immer predigen?

Urlaub ist nicht Urlaub

Natürlich macht jeder anders Urlaub. Der eine liebt den Pauschalurlaub, der andere macht Kreuzfahrten, andere wiederum wandern oder segeln und ich fahre meist mit dem Motorrad durch Europa. Jeder nutzt daher wahrscheinlich anders sein Smartphone oder vielleicht ist er im Urlaub sogar offline. Wir wissen es nicht.

Meine ZX10r und ich bei Mopedtour 2013 am Stilfserjoch

Meine ZX10r und ich bei Mopedtour 2013 am Stilfserjoch

Die Hardware

Ich bin jetzt in der vierten Smartphone Generation. Nach Motorola Droid, dem Galaxy S3 und dem S5 hab ich jetzt ein Nexus 6p. Richtig gut ist das Smartphone Leben erst mit dem S5 geworden (leider hat es zu wenig Speicher gehabt) und jetzt mit dem Nexus ist es manchmal ein Traum. Ich kann daher nur von Android reden bzw. schreiben.

Der Urlaub

Ich war gerade mit dem Motorrad zur EM in Frankreich, d.h. ich bin 3.500 km quer durch Holland, Belgien und dann durch Frankreich gefahren. Seit ca. drei Jahren nehme ich keinen Fotoapparat mehr mit und dies Jahr hab ich sogar auf das Navi verzichtet. Das Smartphone steckt in der Brusttasche und im Helm hab ich Bluetooth Kopfhörer, d.h. ich navigiere nur per Audio mit GoogleMaps. Klappt recht gut, außer man hat französische Kreisel mit fünf oder mehr Abfahrten 🙂 Straßenkarten aus Papier nutze ich seit ca. 4 Jahren nicht mehr, obwohl ich meist noch Übersichtskarten mit habe (vom ADAC), die aber ungenutzt in den Papierkorb kamen.

Hyperlapse Testaufnahme mit Klebeband am Außenspiegel - hat funktioniert

Hyperlapse Testaufnahme mit Klebeband am Außenspiegel – hat funktioniert

Und jetzt die Apps

  1. Offline Wikipedia ist für mich das absolute Must-Have. Früher nutzte ich Wikidroyd, was es leider nicht mehr gibt. Jetzt nutze ich Kiwix und bin sehr zufrieden. Die offline Wikipedia in deutsch ist ca. 2 GB groß und hat keine Bilder. Sie ersetzt bei mir jeglichen Reiseführer und ich liebe es darin zu schmökern. Gerade jetzt in Frankreich beim Besuch am Omaha-Beach und dem D-Day Memorial ist die Wikipedia quasi unerschöpflich und unersetzlich. Ich hab noch keine Offline Wikipedia für iOS entdeckt, aber vielleicht hat der eine oder andere Leser da einen Tipp.
  2. Offline Straßen-Wanderkarte OpenStreetMap (OSM) muss dabei sein. Als Motorradfahrer brauch die zwar nicht direkt, doch für Städte und zum wandern und Fahrrad fahren ist sie der moderne Traum. Ich nutze hier OSMand+ die inzwischen auch eine sehr gute Routing-Funktion hat. Man kann alle Karten umsonst als OSM runterladen (für Deutschland jedes Bundesland einzeln) und offline nutzen. Im Gegensatz zu GoogleMaps ist dort wirklich jeder Weg verzeichnet und bei Es gibt kostenpflichtige Zusatzkarten z.B. mit Höhenprofil oder Seekarten. GPX-Tracks können auch über die Dropbox geladen werden, aber ob man  den folgen kann (also mit Alarm-Funktion, wenn man sich n Meter von der Strecke entfernt), weiss ich nicht. Dafür hab ich immer Orux-Maps genutzt, die aber inzwischen eine schlechte Usability hatte (soll jetzt besser sein). Bei Radtouren klemm ich das Smartphone an den Lenker (Fahrradhalterung) und navigiere dann aber auch ohne Display nur mit Audio oder ich hab in der Lenkertasche ein Powerpack. Während der Fahrt schalt ich meist sogar in den Offline-Modus und hab nur GPS an, dann spar ich sehr viel Akku und trotzdem funktioniert die Navigation. Es gibt inzwischen auch Fahrradlampen mit USB-Anschluss, aber Licht UND Smartphone aufladen geht nicht, also aufpassen bei Nachtfahrten.
  3. Bei der Hotelbuchungs-App Tripadvisor muss man darauf hinweisen, dass die im Ausland natürlich viel besser ist als in Deutschland. Unsere Hotels sind natürlich viel zu rückständig, als das in Tripadvisor alle Hotels flächendeckend vorhanden sind. In Frankreich war Tripadvisor jedoch ein Traum. Ich hab alle Hotels jeweils einen Tag vorher gebucht und teilweise 50% Rabatt bekommen. Sogar in Paris zur EM hab ich ein DZ im Design-Hotel im Zentrum für 87,- bekommen. Für Pauschalreisende sicherlich nicht sehr wichtig (da sind aber auch Sehenswürdigkeiten und Restaurant-Bewertungen drin), aber seit ich Tripadvisor nutze, brauch ich keine Touri-Infos mehr.
  4. Natürlich darf Facebook nicht fehlen, denn wen kann ich sonst mit meinen Urlaubsbildern nerven, wenn nicht meine Facebook-Freunde:-) Früher hab ich sogar teilweise noch gebloggt oder Reise-Apps wie Mobility-Trip oder Journal genutzt. Heute nutze ich fast ausschliesslich Facebook. Ganz selten poste ich auch mal privates Zeug auf Twitter und seit es die 360 Grad Bilder gibt, ist das bei Facebook richtig gut geworden. Da merkt man auch, dass statische Fotoalben den Anschluss verloren haben. Leider hat Facebook noch keine Stories, wie Google-Fotos.
  5. Zum Schluss noch der ganze Rest, den man immer etwas braucht, wie Wecker, Wetter, GoogleMaps, Spotify, DBNavigator und Translator sowie die Taschenlampe. Zum lesen nutze ich inzwischen einen Kindle. Das war es.

Was wurde eingespart

Wie schon erwähnt, ich habe keine Papierbücher mehr, kein Navi, keine Straßenkarten und keinen Fotoapparat, dafür aber die drei Ladegeräte (Bluetooth-Headset, Smartphone, Kindle) und natürlich Powerpacks, Adapter und Kabel. Besser ist es also nicht wirklich geworden.

Was ist eine Blogparade, und wie kann daran teilgenommen werden?

Ich habe mich bei Oliver Tacke inspirieren lassen, der aber selbst bei Thorsten Larbig geschaut hat; ich lehne mich stark daran an.

Bei einer Blogparade erstellen innerhalb eines bestimmten Zeitraums verschiedene BloggerInnen (oder VlogerInnen und vielleicht sogar PodcasterInnen?) einen Beitrag zu einer bestimmten Frage. Diese Parade benötigt aber auch einen Ort, wo sie auflaufen kann – in diesem Fall dieser Blogbeitrag hier. Wenn du einen etwas beisteuern möchtest, verlinke doch einfach in einem Kommentar darauf. Einfach einen (längeren) Kommentar hinterlassen geht natürlich auch ? BloggerInnen können innerhalb ihres Textes einfach auf diesen Beitrag hier verlinken, dann erscheint automatisch ein Verweis in den Kommentaren per PingBack.

Hier noch einmal die Schritte zum Mitmachen

  1. Erstelle einen Beitrag zu der Frage, welche deiner Apps, die wichtigsten im Urlaub sind und erklär das kurz. Es ist völlig egal, ob du ein Android oder ein iPhone hast oder ob du Pauschaltourist oder Abenteurer bist.
  2. Verlinke deinen Beitrag mit diesem Artikel hier (http://www.onlinebynature.com/2016/08/blogparade-ich-packe-meinen-koffer-und-nehme-mit-smartphone-version) oder weise unten in einem Kommentar mit Link darauf hin.
  3. Schaut euch natürlich auch gerne die Beiträge anderer an, kommentiert dort, verlinkt auch dorthin – dann wird es so richtig lebendig.

Die Blogparade läuft einen Monat bis zum 31. August 2016. Bis dahin dürft ihr gerne auf allen Kanälen darauf hinweisen, die euch so einfallen: Twitter, Facebook, Telefon, Mensaflyer und natürlich im Urlaub.

Das VHScamp gefangen in der Zwischengeneration

Der Himmel war grau und Hamburg zeigte sein bekanntes Gesicht, als ich beim VHScamp eintraf. Es war für mich das erste und vielleicht auch einzige VHScamp, was ich an diesem Freitag besuchte. Im Gepäck hatte ich die Erfahrung vom größten Volkshochschulkurs aller Zeiten, den wir gemeinsam mit den Volkshochschulen Bremen und Hamburg letztes Jahr durchgeführt hatten. Über 2.000 Teilnehmer waren bei „Das digitale Ich“ dabei und wir waren alle sehr zuversichtlich, damit ein Zeichen der Kooperation gesetzt zu haben. Ob es wirklich so war, wird jedoch die Zukunft beantworten.

VHScamp 16 Logo

VHScamp 16 Logo

In Hamburg trafen sich ca. 150 begeisterte und voll motivierte VHS-Kämpfer, die ihre Volkshochschulen lieben. Gemeinsam wollten sie über eine zeitgemäße moderne Volkshochschule diskutieren, die auf dem Weg ins – inzwischen schon 16 Jahre alte – 21.Jahrhundert ist. Themen gab es genug und Redner auch. Selten hab ich bei einem Barcamp so viele Session-Anbieter gesehen und am Ende war der Timetable schneller voll, als man ahnen konnte. Externe Besucher waren die Ausnahme, ich denke es waren nicht mehr als zehn, und so war das VHScamp eher eine interne Veranstaltung.

Ich selbst habe zwei Sessions angeboten. Bei der ersten ging es um Flüchtlinge und ich habe unsere Erfahrungen vom #DEU4Arab MOOC vorgestellt. Ich finde die Daten aus der Evaluation immer noch höchst spannend und das Feedback war entsprechend positiv.

Einfach einen Link setzen

Das Interesse der Volkshochschulen an dem Kurs war danach auch recht groß, aber man merkte dann doch, dass es für VHSen ungewohnt war, plötzlich einen digitalen kostenfreien Kurs nutzen zu können. Wie man denn jetzt diesen Kurs bekommen könne, wurde ich gefragt und ich sagte: „Einfach einen Link setzen“ und jeder kann ihn nutzen. Aber da hab ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn einen kostenfreien Kurs in das halbjährliche Kursbuch einzubauen, wäre jetzt doch wohl zu einfach. Dazu benötige man doch ein Startdatum, einen Dozenten und überhaupt. Wer nutzt schon einen Online-Kurs, wenn es doch auch mit Blended Learning vor Ort geht?

Bei den nächsten Sessions ging es mit vielen digitalen Ideen weiter, seien es Videokonferenzen oder Snapchat, Webseiten oder Learning Spaces. Und was sind eigentlich Erweiterte Lernwelten? Und wieder ging es um „Die Technik muss der Didaktik folgen“ (einer der dümmsten Sätze des E-Learnings) und wie krieg ich WLAN in die Volkshochschule (bei Starbucks klappt es doch auch).

Die Volkshochschulen bewegen sich hier in der Zwischengeneration. In diesem Spannungsfeld der erfolgreichen alten Tagen, wo man mit Sprachkursen, Fotografieren (mit eigenem Entwicklungslabor inkl.Dunkelkammer) und Töpferstudio ganze Familien begeistern konnte und der Zukunft, wo alles digital ist. Wo Kursangebote per Video vorgestellt werden und die Anmeldung am besten per Facebook klappen sollte.

Disruption der Volkshochschulen

Brisant ging der Tag dann gemeinsam mit Karlheinz Pape zu Ende. Wir haben eine Session über die Disruption der Volkshochschulen gehalten, wo wir einige Fakten von Udemy, mooin und Udacity erzählt haben (ich empfehle hier die Blogbeiträge von Karlheinz Pape und das Interview vom CEO Dennis Yang). Haben  Volkshochschulen ein Interesse, die Pflicht oder überhaupt eine Chance digitale Bildung anzubieten? Wie es in Deutschland üblich ist, wird dies erstaunlich oft und qualitativ hochwertig diskutiert, jedoch fast immer mit dem gleichen Ergebnis. Es passiert außer Gerede halt nicht viel. Sollte es wirklich ein digitales Angebot von Volkshochschulen geben, so müsste es meiner Meinung nach zentralisiert für alle 920 VHSen gemeinsam passieren und es hätte vor ungefähr 18 Monaten online gehen müssen. Dazu bräuchte man ungefähr ein Team mit 50 Entwicklern, einem digitalen Vertrieb und natürlich medienkompetenten Mitarbeitern. Das letzte sehe ich, den Rest leider nicht.

Die Zukunft der Volkshochschulen ist analog

Es sind die vielen Einzelgespräche, die mir den Mut einer digitalen Volkshochschule rauben. Mit dem ichMOOC haben wir einen tollen Auftakt gemacht, der Kurs veraltet aber gerade auf mooin und wartet auf einen Relaunch. Weder Hamburg noch Bremen werden eine zweite Durchführung schaffen, dessen bin ich mir inzwischen sicher. Die Macher vom ichMOOC haben inzwischen entweder die VHS verlassen oder sind mit anderen Aufgaben beschäftigt. Digitale Angebote sind in Zeiten von Flüchtlingen nicht mehr wichtig (wenn die sich mal den FlüchtlingsMOOC anschauen würden) und andere Schwerpunkte werden gesetzt. Wenn ich Aussagen (oder sind es Verzögerungstaktiken?) höre wie, das gebe ich einmal in meinen halbjährlichen Arbeitskreis weiter, dann sehe ich, wie schnell diese Institutionen arbeiten und denken. Auch das einfache Machen ist nicht vorhanden, denn man will immer noch den komplizierten Weg gehen, d.h. man braucht doch unbedingt diese MOOCbars. Man setzt auf Blended Learning Konzepte, damit man alle abholen kann. Das ist natürlich wichtig und liest sich idealistisch, aber wenn es dann so kompliziert ist, dass man wegen der schweren und damit teuren Organisation das nicht mehr hinkriegt, sollte man doch auch einmal über den einfachen Weg nachdenken.  Inzwischen denke ich, die Durchführung vom ichMOOC wäre ohne Volkshochschulen einfacher als mit ihnen, obwohl mich das sehr traurig macht. (Es gibt jedoch eine kleine Hoffnung und ein paar Ideen hab ich natürlich auch noch.)

Parallel explodiert Udemy und keiner setzt was dagegen. In den nächsten zwei Jahren werden solche Anbieter Deutschland überollen. Udemy diskutiert über 1.000 Kurse, wir über einen! Egal was mit dem ichMOOC passieren wird, es ist egal. Der Kurs hat keinen Dominostein angestossen. Er hat aber gezeigt, was man mit motivierten Menschen und Willen schaffen kann und hat die Latte für digitale VHS-Angebote sehr hoch gelegt, vielleicht sogar zu hoch.

Die Zielgruppe wird auch digital

Die Digitalisierung erreicht inzwischen auch die Best Ager. Ein Drittel aller 65+ nutzen inzwischen das Internet und das wird nicht weniger. Immer mehr sind vertraut mit Smartphones, Laptops und den Social Networks, doch Volkshochschulen sind hier selten vertreten. Die Zielgruppe(?) bewegt sich, die VHSen weniger und das Konkurrenz-Angebot ist nur einen Klick entfernt. Parallel entwickeln sich die Angebote immer weiter und wie ich bei meiner Session am Ende sagte, die Angebote werden immer besser. War E-Learning vor 10 Jahren noch ein Abenteuer, so ist es heute Standard, aber morgen wird es dank Künstlicher Intelligenz und Big Data qualitativ noch ganz anders aussehen. Die Zeit der Pilotversuche ist jetzt vorbei, die Angebote werden jetzt massiv ausgebaut.

Die Braut, die keiner will?

Soll man die Volkshochschulen trotzdem nicht unterschätzen? Immerhin reden wir hier über 920 Institutionen und zum VHS Tag kommen Schwergewichte wie unsere Bildungsministerin Wanka und Bundespräsident Gauck. VHSen stehe für Erwachsenbildung und Life Long Learning und sind ein Eckpfeiler unserer Bildungspolitik. Ich glaube trotzdem, dass VHSen, so wie sie heute sind, in 10 Jahren keine große Rolle mehr spielen werden. Sprach,- EDV-, Fotografie- und wahrscheinlich sogar Strick-Kurse werden online stattfinden. Volkshochschulen können nicht skalieren (werden sie auch nie können) und werden daher auch nie digitale Angebote haben. Sie werden die analoge Raststätte neben dem digitalen Highway sein (das Zitat ist nicht einmal von mir), aber im Spiel der Großen werden sie nicht mehr mitspielen. Ich hoffe sehr, dass ich mich irre.

Und das VHS Camp?

Hier noch einmal ein Extra-Lob an diese tolle Community. Das VHScamp war natürlich super organisiert, die Sessions waren hochwertig, das WLAN hat funktioniert und das Essen war gut. Die Google+ lebt auch und es geht auch mächtig voran. Ich war erstaunt, wie viele schöne Projekte es da alles gibt und trotzdem sind es doch meist nur Insellösungen, genau wie bei den Hochschulen. Eine Gesamtstrategie ist nicht zu sehen.

 

Die Digitalisierung ist kein demokratischer Prozess

Warum schaffen wir die Digitalisierung nicht? Ich bin davon überzeugt, dass wir zu sehr in Kompromissen denken und handeln, aber Digitalisierung ist kein demokratischer Prozess, der auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner basiert. In der Bildung nennen wir das dann Blended Learning oder auch jetzt Flipped Classroom und in der Automobilbranche Hybrid und im Verlagswesen PDF. Um das Change wirklich zu schaffen brauchen wir radikale neue Wege und das funktioniert nicht aus dem alten System heraus, sondern es muss etwas Neues  her. VW hat dies anscheinend endlich erkannt und geht jetzt konsequent diesen neuen Weg.  Ein wirklich lesenswerter Artikel.

Quelle https://pixabay.com/de/vw-volkswagen-auto-automobil-1043116/

Quelle https://pixabay.com/de/vw-volkswagen-auto-automobil-1043116/

Respekt!

Gedanken zum OER-Festival 2016

oncampus beim OER-Festival

Das war jetzt mein drittes OER-Festival fka OER-Konferenz in Berlin und es ist vielleicht Zeit, ein Fazit zu ziehen. Wo steht OER in Deutschland und was ist bisher geschehen und vor allem, was wird geschehen?

Manchmal lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit, denn 2013 und 2014 wurde die Konferenz noch von Wikimedia organisiert, aber 2015 hat sich wohl etwas geändert haben, denn es gab keine Konferenz in Berlin. Jetzt gibt es das OER-Festival mit einem neuen Konzept und mit den neuen Veranstaltern: Jöran und Konsorten, Transferstelle OER und oncampus.

oncampus beim OER-Festival

oncampus beim OER-Festival

Dazu gab es auch eine neue Heimat. Ich bin schon etwas stolz, wenn ich hier schreiben kann, dass die Landesvertretung von Schleswig-Holstein ein wirklich sehr offener, freundlicher Gastgeber in diesem Jahr war und ich möchte auch hier unseren Staatssekretär Fischer zitieren: „Schleswig-Holstein als Land der Meere, steht wie kaum ein anderes Bundesland für Offenheit und ist damit ein perfekter Gastgeber für das OER-Festival“.

Und nicht nur wir Lübecker engagieren uns tatkräftig für OER auch eine weitere Hansestadt hat mit der #hoou (Hamburg Open Online University) das vielleicht spannendste OER-Projekt Deutschlands gestartet und war in Berlin auch reichlich vertreten. Im Moment bekommt OER also mächtig Rückenwind aus dem Norden 🙂

Konferenz, Festival, Barcamp oder Award?

Das diesjährige OER-Festival ist quasi vor Aktionismus explodiert. Neben einem zweitätigem Barcamp, gab es noch das Fachforum und es gab auch Preise. Für manche war es zu viel, andere konnten gar nicht genug bekommen und wieder andere haben sich nur ihren kleinen Teilbereiche gesucht. Alles wurde natürlich medial und social begleitet. Inzwischen sind knapp 500 Bilder auf Facebook veröffentlicht und es waren auch mehrere Kamerateams unterwegs. Eine heutige Konferenz findet nicht mehr an nur einem Ort statt, wenn doch bloss andere angebliche E-Learning-Konferenzen auch wüssten, dass es das Internet gibt 🙂

Tipp: Inzwischen gibt es einen lesenswerten Storify, den ich hier wärmstens empfehlen möchte.

Ein anderes Highlight waren sicherlich die Awards. Preise müssen sein, denn so feiert sich jede Szene seit Jahren erfolgreich selbst und kann auch außerhalb auf Aufmerksamkeit hoffen. Neben der gelungenen Verleihung war der rote Teppich ein absoluter Eyecatcher und fast alle Preisträger haben sich hier ablichten lassen.

Alle #ichMOOC-Macher auf einem Bild

Alle #ichMOOC-Macher auf einem Bild mit dem „Preis für Innovation in der Erwachsenenbildung“

Überhaupt gab es dutzende schöner kleiner Ideen, die jede für sich das OER-Festival einfach besser gemacht haben. Ich weiss ja, wer dahinter gestanden hat und ich möchte mich hier ausdrücklich an das gesamte Orga-Team bedanken. Ihr ward alle super :-X

Und was ist denn nun passiert?

Als erstes muss man sagen, dass OER in Deutschland angekommen ist. OER ist inzwischen ein Querschnittsthema geworden, denn das Festival hat eines ganz sicherlich gezeigt, OER ist aus der Nische der Experten herausgetreten denn es waren zum ersten mal auch größere Kreise dabei. Neben der Politik (ich habe persönlich mit der SPD, den Piraten und den Grünen gesprochen), waren auch Stiftungen und Gewerkschaften vertreten und natürlich die Bildungsorganisationen Schulen, Volkshochschulen und Hochschulen und dazu natürlich viele Verbände und Vereine. OER stösst inzwischen auf ein breites Interesse, obwohl bestimmt immer noch geschätzte 98% nicht wissen, was OER ist.

Dann darf man nicht unterschätzen, was vor und nach einer solchen Konferenz passiert. So fördert der Bund seit letztem Jahr OER mit 2 Millionen Euro pro Jahr und so wurden kurz vor Konferenzbeginn zwei Projektergebnisse veröffentlicht, zum einen MappingOER und die Machbarkeitsstudie. Beide wurden sehr kontrovers diskutiert und die nächste Ausschreibung ist auch schon online. Ich sehe alle drei Förderungen auch sehr kritisch, muss jedoch sagen, dass hier auch der gute Wille zählt und man sollte erstmal froh sein, dass überhaupt etwas passiert. Besser geht es immer, und dann sollte man es auch selbst besser machen oder verstummen.

Das Qualitätssiegel

Was immer wieder diskutiert wird ist die Qualitätssicherung von OER und nur damit, könne sich OER durchsetzen. Viele Experten sagen jedoch, dass ein bürokratischer Qualitätsmanagement-Prozess und vor allem eine „finale Version“ eines OER-Nuggets, die wahren Möglichkeiten und die Dynamik von OER töten würden. OER besteht aus dem Remix (obwohl dies noch nicht gelebt wird) denn digitale Inhalte sind per se zum weiterverwenden gedacht. Eine Verknüpfung mit einem Qualitätssiegel kann so nicht funktionieren, jedoch habe ich schon bei der GMW an einer unsinnigen „Qualität in Videos“-Diskussion teilgenommen, wo danach grade einmal 50% meiner Meinung gefolgt sind. Alle Politiker sind eigentlich meiner Meinung, aber leider sagen auch alle, dass das Qualitätssiegel kommen wird. Versteht einer diese Politik?

Außerdem verstehe ich überhaupt nicht, warum jemand, der OER macht und kostenlos ins Netz stellt, sich auch noch die Arbeit machen sollte, diese Inhalte bei einer Prüfstelle einzureichen? Dadurch hat er doch nur Mehrarbeit, die dann für Aktualisierungen fehlt. Hier zeigt sich schon auf mehrere Ebenen, dass man weder das Internet, die Digitalisierung noch OER verstanden hat, aber die deutsche Bürokratie und die sinnfreie Überzeugung von Qualitätsmanagement hat man verinnerlicht. Womit ich aber auch nicht sagen will, dass Qualität unwichtig wäre. Aber es gibt Mechanismen, wie z.B. Like-Buttons, Klicks, Resharing und Disskussionsforen (siehe YouTube), die wichtige Indikatoren von Qualität seien können. In 95% aller Fälle reicht das und jetzt sollte man erstmal ein besseres System zeigen, was auch keinen Aufwand macht.

Und dann war da noch die Rechtssicherheit

OER-Macher brauchen Sicherheit ist auch eine Forderung, die sich gut anhört, aber schwer umsetzen lässt. Die einen fordern eine Fair-Use-Regel wie in den USA, was aber auf EU-Ebene nie kommen wird und andere sagen, man solle doch einen Fonds einrichten, aus dem die Anwälte der OER-Macher bezahlt werden. Das man damit nicht das Problem löst, sondern nur Symptome bekämpft, muss man gar nicht erst sagen und natürlich ist das eine willkommenes Geschäftsmodell für jeden Abmahn-Anwalt. Wenn man weiss, dass die Prozesskosten immer bezahlt werden, finden sich schon einige Anwälte, die nur darauf warten zu klagen. Und ich möchte gar nicht erst wissen, wer dann auch noch entscheidet, wer förderfähig ist und wer nicht. Es wäre viel besser einen Fonds für OER-Macher zu machen, aber mit dem fOERde-Award wurde hier schon ein kleiner Schritt, in die richtige Richtung gemacht.

Und wo sich alle einig waren

Alles was gefördert wird, muss OER sein! Dazu muss man gar nicht viel schreiben, da es logisch ist. Meine Steuergelder sollten auch der Öffentlichkeit dienen. Man kann jetzt sofort damit anfangen, tut keinem weh und was in der Vergangenheit produziert wurde, bleibt auch dort. Hat man das umgesetzt kann man sagen, dass irgendwann einmal, alle Lehrer und Professoren auch alles unter OER veröffentlichen sollten, aber wir wollen nicht gleich übertreiben. Es wäre auch schön, wenn wenigstens Konferenzen, die sich mit dem Thema beschäftigen, wie GMW, Campus Innovation, Learntec und Online-Educa darauf bestehen würden, alle Konferenz-Beiträge als CC BY zu veröffentlichen.  Das kann doch nicht so schwer sein.

Und was hab ich so gemacht?

Als OER-Macher und Mitveranstalter hat man natürlich volles Programm. Ich hab eine OER-Maker Session beim Barcamp gehalten, hab mich ganz viel mit Politikern unterhalten und war auf zwei Panels beim Fachforum.

Parallel hab ich dann noch ca. 10 Interviews für den kommenden #COER16 MOOC aufgenommen und natürlich ganz viel genetzwerkelt.

Und wie geht es weiter

Ich hoffe nach dem #OERde16 ist vor dem #OERde17 , also es soll jetzt erstmal alles verstetigt werden. oncampus und Jöran & Konsorten können gerne wieder ausrichten, dazu rollen Graz und Lübeck die OER-Szene aus dem Norden und Süden auf, denn wie gesagt, wir machen den #OER-MOOC #COER16 gemeinsam auf zwei MOOC-Plattformen.

Wir werden dies Jahr sicherlich noch ein paar OER-MOOCs veröffentlichen, u.a. Arbeit 4.0 und Netzwerksicherheit. Die Politik hat erste Weichen gestellt und wir reden sehr viel mit Politikern, die sehr oft besser sind, als ihr Ruf.

Und natürlich wird OER als Querschnittsthema bei allen zukünftigen Konferenzen ein Thema sein und alle Veröffentlichungen sollten, wie oben erwähnt,  auch OER sein.

Resume

Die Konferenz war meiner Meinung nach sehr wichtig. Es war genau der richtige Zeitpunkt und am richtigen Ort um die Szene zu vernetzen, sich auszutauschen und Projekte anzustossen. OER ist in allen Bildungsbereichen angekommen und verstetigt sich. Der Norden wird in den kommenden Jahren wahrscheinlich eine Hauptrolle spielen und alle anderen sind aufgefordert mitzumachen. Auch die MOOCs, trotz aller Kritik, sind einer der Hauptmotoren in der OER-Bewegung und stehen als Flagschiffe für die neuen Möglichkeiten der digitalen Bildung. Und zu guter letzt, es hat wirklich Spaß gemacht 🙂

 

 

Warum können wir OER machen?

Die #OERde16 steht vor der Tür und oncampus ist einer der Veranstalter. Ich freue mich darüber riesig, denn ich unterstütze OER (Open Educational Resources) schon lange. Angefangen hat das vor neun Jahren mit dem Soft-Skills-Online Kurs „Medienkompetenz“, den ich damals als Autor geschrieben habe. Daran kann man auch sehen, wie lange manche Ideen brauchen, bis sie in eine Institution übergehen.

OERde16

Ich habe seit dem noch an vielen #OER-Projekten mitgearbeitet, unterstützt oder selbst umgesetzt, z. B. L3T, Schulbuch-O-Mat, VFHCAB, Wikimedia Wissenswertpreis, YouTube-Playlists und jetzt natürlich unsere MOOCs wie der ichMOOC, MOOC25 oder Projektmanagement. Bei allen Projekten waren mir die Vorteile jedoch nicht immer klar. Natürlich ist es besser für die Welt, wenn alles frei verfügbar ist und dieses deutsche Urheberrecht ist auch zu kompliziert. Dazu kommt, dass man als Hochschule auch einen gesellschaftlichen Auftrag hat, sonst könnten wir auch Studiengebühren einführen. Vielleicht stehe ich mit dieser Meinung aber auch alleine da. Trotzdem ist der wahre Vorteil, von OER schlecht greifbar und vermittelbar.

Im Intranet (LMS) herrscht Anarchie

Warum kaum ein Mensch weiss, dass er  OER braucht ist ziemlich einfach. So lange die Materialien in einem geschlossenen System, wie z. B. LMS stehen, merkt kaum keiner, ob dort Urheberrechte verletzt werden oder Plagiate stehen. Das Intranet ist gefühlt ein rechtsfreier Raum, was sich aber demnächst ändern soll.

OER für sich alleine bringt kaum Mehrwert

Professoren sind Einzelkämpfer und Vorlesungen sind in der analogen Welt auch Einzelveranstaltungen. Jeder bereitet seine Vorlesung mit seinen Materialien vor. Es gibt kaum einen Grund oder auch Vorteil fremde Inhalte zu verwenden und es gibt sogar erhöhten Aufwand, wenn man seine Materialien frei ins Netz stellt, da man plötzlich auf die Rechtslage achten muss. Und wenn man fremde Inhalte benötigt, kann man doch auch eine Literaturliste anfertigen und die Studis in die Bibliothek schicken.

OER hat sein Vorteile erst in der fremden Wiederverwendung

Warum braucht man also OER? Das „Aha“-Erlebnis hatte ich bei unserem ersten Refugee-Kurs, wo wir OER-Materialien im Netz gesucht haben. Es war jedoch einfach nichts zu finden, denn entweder waren das nur Blended-Learning Inhalte, wie z. B. Powerpoint-Slides oder kurze PDFs oder sie waren nicht portierbar oder es war halt nicht OER. Wir haben dann einen eigenen Kurs ins englische übersetzt, was jedoch nur einen Teilproblem darstellt. Ganz allgemein sind Übersetzungen ein ideales Beispiel, warum man OER braucht, denn man könnte ganz schnell (fremde) Inhalte übersetzen und anpassen. Das ist gerade jetzt aktuell, wo man doch arabische oder englische Inhalte sehr schnell für Flüchtlinge benötigt. Diese könnten dann z. B. auch von der Crowd übersetzt werden, wenn man denn die Rechte hätte.

Der andere Punkt ist jedoch wesentlicher, denn der Grund warum wir überhaupt komplette Kurs-Inhalte hatten und keine granularen Learning Objects ist, wir arbeiten im Netzwerk. Es war in der Virtuellen Fachhochschule schon immer so, dass Inhalte geshared wurden und viele Hochschulen, die gleichen Inhalte verwenden. Man entwickelt einmal (meist kostenintensiv) und verwendet die Inhalte n-mal. Das ist der Unterschied zwischen analog und digital, denn im Netz machen Inhalte für einen alleine immer weniger Sinn. Das Internet fördert die Zentrierung auf der Produktionsseite und kann daher die Individualisierung auf der Anwenderseite (irgendwann?) ermöglichen. Die Grundstruktur der Arbeit/Lehre ändert sich daher radikal. Manche nennen das Arbeit 4.0 oder bei uns Hochschule 4.0.

OER ist der Schritt nach der Digitalisierung

Viele Experten haben geschrieben, dass E-Learning gescheitert wäre. Das könnte ich sogar unterschreiben. Ich habe immer gesagt, dass das „M“ im LMS, der wichtigste Buchstabe ist. Es geht nicht vorrangig um das Learning, sondern um die Gesamtheit. Die Digitalisierung verändert die Organisation, das Management und letztendlich (und nicht zuerst) die Lehre. Die sogenannten E-Learning Projekte sollten also personenunabhängig autonom aufgestellt sein. Das funktioniert sehr viel besser, wenn sie offen sind. Nur dann könnten andere die Inhalte übernehmen und anpassen oder übersetzen. Damit das aber funktioniert, muss das Selbstverständnis der Lehre diskutiert werden. Professoren dürfen sich nicht mehr als Einzelkämpfer sehen und Intranets sind keine rechtsfreien Räume.

 

 

 

Campus Innovation oder besser Stagnation

Die Hamburger Campus Innovation ist quasi meine Lieblings-Konferenz. Nicht nur das sie in der besten Stadt Deutschlands stattfindet, nein es ist auch noch direkt vor der Haustür. Außerdem hat sie meiner Meinung nach das beste Konzept, da sie mit drei Tracks nicht nur E-Learning als Schwerpunkt setzt, sondern auch dem Campus-Management, der IT und dem eigenen Hamburger Projekten genug Freiraum lässt. Die Organisation ist quasi immer perfekt und dies Jahr gab es auch endlich mit #CIHH15 einen vernünftigen Hashtag, der im Programm gut und rechtzeitig platziert war. Das hat aber nichts an der Anzahl der Tweets geändert, die wie bei jeder E-Learning Konferenz, nur bei ca. 5% der Teilnehmer lag. Es ist ja bekannt, dass gerade in Deutschland, die sozialen Netze gerade nicht von den Intellektuellen genutzt wird. Warum sollte denn dann eine E-Learning Konferenz eine Ausnahme sein? Wo wir auch schon beim Grundproblem angekommen sind, die E-Learning Spezialisten in Deutschland verstehen immer noch nicht das Internet.

Keine Innovation, sondern Stagnation

Mir ist es schon bei den letzten Konferenzen aufgefallen, und die Teilnehmerzahlen geben mir da auch recht. E-Learning ist nicht (mehr?) innovativ und Beiträge sind meist fad und geben entweder Altbekanntes oder Selbstverständlichkeiten wieder. In Hamburg begann es schon mit der Keynote von Johannes Heinlein von edX, dessen Vortrag vor zwei Jahren spannend gewesen wäre, aber heute eher altbacken wirkte, bis auf die Erwähnung der Änderung der Architektur, weg vom Hörsaal, hin zum Learning Space.

Der negative Höhepunkt war vielleicht das tausendfach zitierte Bild der Papstwahl:

Papstwahl 2005 zu 2013

Sehr spannend fand ich die Entscheidung, dem Journalisten Christian Füller zur zweiten Keynote einzuladen, dessen Schwerpunkt bekanntlich Schulen sind. Sein Vortrag war nicht nur gut vorgetragen, sondern teilweise auch provokant, leider war dennoch kaum Neues zu entdecken.

Ich kann leider nur vom E-Learning Track berichten, jedoch hatten viele Vorträge eher das Scheitern, das Versagen und den negativen Ausblick als Thema. Beispielhaft fand ich hier den sehr guten Vortrag von Malte Persicke, der eigentlich nur beschrieben hat, warum er es nicht schafft, vernünftige MOOCs zu entwickeln, sondern es bei begleitenden Vorlesungsaufzeichnungen belassen muss.

Das ist genau die Situation, die in Deutschland zu oft passiert. Es gibt Dutzende wahrscheinlich sogar Hunderte einzelner Projekte, die aber immer personengebunden sind und es nicht schaffen, die Brücke in die Institution zu schlagen. Das liegt natürlich daran, dass jedes Projekt mit einem eigenen Projektstab vertraut ist und diese Mitarbeiter mit dem Projekt kommen und gehen. Das bedeutet immer Einarbeitung und dann fehlt die Verstetigung. Als Beispiel kann man immer die MOOCs nehmen, wo jedes mal ein Produktionsteam für die Videoproduktion entweder aufgebaut wird oder teuer eingekauft wird. Dann werden 20 Videos produziert, und danach verschwindet das ganze Wissen wieder. MOOCs werden aber erst bei der dritten oder vierten Produktion gut, aber das klappt nicht, wenn man nur einen MOOC beantragt hat und keine Wiederholungen gefördert kriegt obwohl die die Wiederholung natürlich kostengünstiger wäre (wenn man von xMOOCs spricht und nicht von cMOOCs).

Im krassen Gegensatz steht hier aber die Funktionsweise des Internets. Digitalisierung bedeutet Zentrierung! Das Internet braucht nur ein Kaufhaus, eine Suchmaschine und eine Landkarte. Vielleicht sind es auch zwei oder drei Angebote, aber niemals 428. Was den Hochschulen fehlt ist eine digitale übergreifende Strategie, wo wir schon beim nächsten Thema wären. Seit gut 18 Monaten wird plötzlich die digitale Strategie als neuer Hype durch die E-Learning Landschaft getragen. Was mit dem Stifterverband angefangen hat, wurde in Hamburg versucht weiterzudenken. Prof. Kerres hat hier einen schönen Vortrag gehalten, dessen Ergebnis für mich jedoch eher deprimierend aussah. Außer Absichtserklärungen und ersten Workshops ist quasi nichts passiert und wenn man viel Glück hat, werden Landesinitiativen gegründet, wie z.B. die Hamburg Open Online University. Man könnte das positiv sehen, da es jetzt endlich anfängt und E-Learning auch als Digitalisierung begriffen wird. Dies ist jedoch quasi Stand des Netzes von 2005. Das bedeutet, dass die Hochschulen immer noch nicht begriffen haben, was das Netz und die Digitalisierung ausmachen. Es wird immer noch klein klein gemacht, es wird sehr viel geredet und der Föderalismus steht konträr zur Digitalisierung. Internet bedeutet Geschwindigkeit und Vernetzung, aber wir fangen jetzt erst an, darüber nachzudenken was eine Strategie wäre, dabei können MOOCs ohne Strategie nicht nachhaltig funktionieren und OER hat auch nur einen Sinn, wenn man sie vernetzt benutzt. An den Weichen wird zaghaft gearbeitet, aber das Fundament bleibt unangetastet.

Und wie steht es um die Openness?

Wie auch immer Openness definiert wird, als Öffnung der Hochschule für den zweiten Bildungsweg z.B. über MOOCs oder als Anbieter freier Materialien z.B. OER, beides wurde wie immer nicht gelebt. MOOCs sind quasi nicht existent im deutschen Hochschulbereich, bis auf TU München, das HPI, FH Lübeck und mit Abstrichen TU9 und Leuphana und über OER wurde etwas geredet, aber wie immer nicht gelebt. Weder die Slides der Vortragenden, noch der Tagungsband und auch nicht die Videos (handwerklich wie immer sehr gut gemacht) sind als OER zugänglich. Hier wird erwartungsgemäß(?) kein Zeichen gesetzt, sondern es geht genauso langsam weiter, wie eh und je. Warum sollte man auch die Erkenntnisse der Forschung, dass OER u.a. qualitativ besser sind, selbst leben und vom Resharing oder Remixing will ich erst gar nicht reden. Da fragt man sich dann doch, wie das mit dem Konzept der Hamburg Open Online University vereinbar ist. Es ist halt wie immer, es wird sehr viel geredet aber weder gemacht und erst recht nicht gelebt.

Stagnation

Es tut mir leid und ich will diesen Beitrag nicht als Kritik der Campus Innovation sehen, denn für die Inhalte ist die Organisation nicht verantwortlich. Es geht mir um die Stagnation des  gesamten E-Learnings in Deutschland. Nach 15 Jahren muss doch langsam in der einen oder anderen Hochschule E-Learning mit Digitalisierung im Präsidium angekommen sein und es müsste doch ein oder zwei Leuchtturmprojekte in Deutschland sehen zu sein. Stattdessen wird eigentlich nur gezeigt, was nicht geht und es wird ganz viel gejammert. Die Erkenntnis jedoch, dass E-Learning nicht personengebunden ist, sondern institutionell betrachtet werden muss, darauf scheint nach dieser langen Zeit immer noch niemand zu kommen.

Das war mein Jahr 2015 – ein kleiner Rückblick

Das Jahr 2015 war ein unglaubliches Jahr und ich könnte jetzt Romane schreiben, um all das wiederzugeben. Vielleicht reichen jedoch auch ein paar Schlagworte, um es zu beschreiben und ich versuche es einmal.

Moodle, Moot und mooin

Der Start 2015 begann mit den drei Ms: Moodle, Moot und mooin. Anfang März hat Lübeck die Moodlemoot 2015 ausrichten dürfen. Ich durfte Moodle-Erfinder Martin Dougiamas treffen und wir diskutierten viel über die Zukunft von Moodle, die ich nicht so positiv sehe. Sehr wichtig waren aber auch die Besuche von Staatssekretär Fischer und von Martin Ebner, deren Ergebnisse erst in diesem Jahr zu sehen sein werden. Netzwerke sind unglaublich wichtig und 2015 war ein sehr großes Jahr dafür.

Auf der Moodlemoot hatten wir dann auch die Weltpremiere unserer MOOC-Plattform mooin. Was mooin für uns bedeutet, kann ich immer noch nicht genau sagen, aber die Entwicklung war genau der richtige Schritt zur fast noch richtigen Zeit. Ich persönlich denken, wir waren vielleicht 12 Monate zu spät, doch wenn ich die Roadmap der #hoou sehe, dann ist mooin ein Transrapid:-) mooin hat bei uns ganz viel geändert, vor allem im Verständnis der Digitalisierung der Bildung. Mit den MOOCs wird das E-Learning neu geschrieben, da es das erste richtig digitale E-Learning ist und kein Kompromiss wie das angebliche alternativlose Blended Learning. Mit mooin haben wir aber auch in Punkto Design (one-colum „Fat Media“), Videoquizzes und Badges Maßstäbe gesetzt und inzwischen auch mit OER.

MOOCs und OER

Dann kam der HanseMOOC, VideoMOOC, ichMOOC, pmMOOC, KLOOC und später noch der MarketingMOOC, CL20 und MOOC25. Jeder MOOC mit seiner Geschichte und mit neuen Erfahrungen.  Parallel kamen natürlich Vorträge und Veröffentlichungen und ich durfte meine erste externe Keynote in Graz halten 🙂 Im August kam dann noch die große Rundreise mit 10 Tagen in Würzburg, München und Berlin um bei der GMW, Delfi und dem Educamp ganz viel über MOOCs und OER zu erzählen. Denn so sehr die erste Hälfte des Jahres 2015 von den drei Ms geprägt war, kamen nun OER und Flüchtlinge in den Mittelpunkt.

mooin - Logo

Open Educational Resources

Im September waren wir mit unserem MOOC-Team quasi am Ende, denn 2/3 sind durch Krankheit ausgefallen und wir haben es gerade mal geschafft, die Plattform zu betreiben und mit den externen MOOCs (damit meine ich, wir haben keine Videos selbst produziert sondern „nur“ beraten) CL20 und MOOC25 noch zwei zu starten. Dafür kam jetzt aber das große Thema OER bei uns ins Haus. MOOCs und OER sind ein dynamisches Duo, wenn man MOOCs als Strategie betrachtet und nicht als einmalige Pilotprojekte. Das ist nebenbei gesagt auch der Grundfehler, fast aller deutschen E-Learning Projekte. Wir haben mit dem ichMOOC, dem pmMOOC und MOOC25 schon drei OER-MOOCs veröffentlicht und viele Teile vom VideoMOOC, MarketingMOOC und HanseMOOC sind auch CC BY. Das wir jedoch OER jetzt auch strategisch betrachten, ist ein Gesinnungswandel, der mich sehr erfreut. Das dies aber auch unmittelbar notwendig ist, um MOOCs z.B. für Flüchtlinge nachhaltig zu planen, sehen wir erst jetzt. Wenn man Kooperationen und Netzwerke ausbauen will, muss man schon beginn an alles als OER planen, sonst sind diese Projekte niemals nachhaltig zu betreiben. Parallel hatten wir einen schönen Workshop in Kaiserslautern #disco veranstaltet und planen das große #OERde16 für März 2016.

Refugees

Und dann kamen die Flüchtlinge und das dies eine große Chance für die Digitalisierung der Bildung muss man kaum erwähnen. Wir haben wieder mal schnell gehandelt (auch eine wichtige Erkenntnis aus dem Jahr 2015: Das Internet wartet nicht auf Dich) und unsere Integrations-Plattform online gebracht und schon erste Angebote verwirklicht. Wir haben mit der Kiron University ein fantastisches Meeting gehabt (bestes Gespräch 2015) und der Landtag war dreimal bei uns zu Besuch und im Februar startet unser MOOC #DEU4Arab in Kooperation mit Uni Marburg und Prof. Jürgen Handke.

Entscheidend ist aber auch hier, dass solche Krisen nur mit neuen Ansätzen und Technologien bewältigt werden können. Gerade Krisen zeigen die Probleme und ermöglichen Reformen.

Moodalis, Personal und die VFH

Das wichtigste zum Schluss, denn wir haben einen großartigen Schritt in unserer Infrastruktur gemacht. Wir haben das komplette Back-End von oncampus und der Virtuellen Fachhochschule neu aufgesetzt und zum Wintersemester gestartet. Daran haben wir ca. 4-5 Jahre entwickelt und der Start war erstaunlich problemlos, obwohl es natürlich viele Probleme gab. Es ist der dritte Launch vom Back-End seit es die VFH gibt. Die Leitung dazu liegt jetzt auch nicht mehr unmittelbar bei mir, sondern das Software-Team ist gewachsen. Seit 1.Dezember haben wir einen neuen Entwickler und zum Frühjahr suchen wir noch einen Admin und eine MOOC-Stelle hatten wir auch noch ausgeschrieben. In Lübeck arbeiten jetzt ca. 70 Leute und das wir quasi nebenbei noch mehrere neue Online-Studiengänge entwickeln und im nächsten Jahr neue Partnerhochschulen kriegen, merkt kaum einer. Das ist bei uns inzwischen fast Routine 🙂

Im Team sind wir wirklich gut geworden. Die Zusammenarbeit zwischen Marketing (ich nenne das mal so) und der Technik, war einer meiner Schwerpunkte und da haben wir richtig gute Fortschritte gemacht. Social Media, SEO, CMS und Metatags müssen da ineinander greifen und parallel müssen die Texte und die Ansprache stimmen. Hier geht es vor allem um Teamarbeit und Interdisziplinarität und um das gegenseitige Verständnis und da sind wir in Lübeck sehr weit, wenn ich die neuen Kollegen richtig verstehe 🙂

Resümee

Was soll ich sagen, das Jahr 2015 war toll und anstrengend, aber das Jahr 2016 wird wahrscheinlicher noch gewaltiger 🙂

6 Milliarden Snapchat Views täglich zeigen das Recht auf Vergessen

Es ging durch die Presse. Snapchat hat täglich 6 Milliarden Videoaufrufe von 100 Mio. Nutzern und Facebook „nur“ 8 Milliarden von 1 Milliarde Nutzern (wir sprechen hier von täglich aktiven Nutzern und keine Leichen). Es zeigt wie unglaublich beliebt Videos sind und vielleicht auch, dass er die Hoheit über seine Daten haben will.  In Europa haben wir das umstrittene Recht auf Vergessen eingeführt, was aber natürlich wieder nicht wirklich funktioniert. Trotzdem zeigt die Nachfrage nach dem Löschen, dass viele Menschen ihre Daten gelöscht haben wollen.

Snapchat Logo

Snapchat Logo

Sind tägliche 6 Milliarden Snapchat Views das bessere „Recht auf Vergessen“ oder zeigt es nur den Narzismus der heutigen Gesellschaft und dem Verlangen, das alles ungestraft in „Anarchie“ gefahrlos ausleben zu können? Und wird jetzt Facebook die Timeline mit einer Art Selbstzerstörung ausstatten, frei nach Mission Impossible: „Dieses Foto wird sich nach 30 Sekunden selbst löschen.“. Der Erfolg von Snapchat zeigt, dass Software Anbieter vielleicht sogar besser „Das Recht auf Vergessen“ umsetzen können, als die Juristen und der Erfolg von Snapchat wird Google und Facebook sicherlich dazu bewegen, ähnliche Selbstzerstörungsfunktionen anzubieten. Das Internet heilt sich selbst 🙂

Der Circle von Dave Eggers – Ein Versuch einer Kritik

Zwei Jahre ist das kontroverse Buch „Der Circle“ von Dave Eggers jetzt alt und immer noch brandaktuell. Es geht um eine IT Firma aus dem Silicon Valley namen „Der Circle“, die eine Mischung aus Facebook, Google und Twitter ist. Der Circle ist eine der beliebtesten Arbeitgeber der Welt, hat eine sehr offene transparente Unternehmenskultur, eine hervorragendes Gesundheitssystem und steht für rasanten Fortschritt mittels aller Daten dieser Welt. Im Mittelpunkt steht eine junge Frau namens Mae, die dort neu anfängt und von Erfolg zu Erfolg eilt. Sie wird ein Social Media Star und hat Millionen von Followern in ihren Circles. Sie steht für die Offenheit und Transparenz und opfert selbst ihre Familie für diesen „Fortschritt“, den sie natürlich bitter bezahlen muss.

„Teilen ist Heilen“

Dave Eggers packt ein brisantes Thema an, was gerade in Deutschland sehr umstritten ist. Darf eine private Firma alles wissen? Was passiert, wenn eine Firma wirklich alles weiss und auch noch besser und schneller ist als der Staat, was ein Grundproblem der heutigen Demokratie ist? Darf man die Services dieser Firma nutzen, nur weil sie umsonst sind? Wie bezahlen doch mit unseren Daten. Das sind aktuelle Fragen, die sich jeder im Moment stellt, wenn er Google oder Facebook nutzt. Wir in Deutschland sind da sehr skeptisch und wir bestaunen die amerikanische Naivität. Die Amerikaner schütteln bei unserer „German Angst“ vor allem Digitalen nur mit dem Kopf und haben noch nicht einmal ein Wort für „Datenschutz“. Wer teilt tut Gutes, das ist das Motto vom Circle. Wer von seinen Partys, von seiner Freizeit berichtet, der lässt die Gemeinschaft teilhaben und meist kriegt man sehr viel mehr zurück, als man selber geben kann. Das ist die Grundphilosophie aller sozialen Netzwerke und Facebook hat weite über eine Milliarde Nutzer und ist damit extrem erfolgreich. Eggers überspitzt das Teilen und zeigt auch, was passiert, wenn man Krankheiten, Sexfilmchen oder ungefragt Geheimnisse teilt und hier bekommt das Buch Probleme.

„Alles Private ist Diebstahl“

Im „Der Circle“ werden unglaublich viele brisante Themen angeschnitten aber selten reflektiert ausdiskutiert. Die drei Weisen (die Firmengründer vom Circle) handeln wie ein binäres System. Es gibt keine Grauzonen. Man muss alles teilen, es muss alles offen sein, es gibt keine Privatheit. Und hier fehlt die nötige Gegenposition, denn natürlich braucht eine Beziehung Geheimnisse, wie soll man sonst seinen Partner überraschen und jeder hat in seinem Leben schon peinliche Momente erlebt, die keiner gerne erzählt. Ganz abgesehen von den ganzen Privatbereichen, die geschützt sein müssen, wie Frauenhäuser, Rechtsanwälte, Journalisten aber auch politische Verhandlungen, Forschung oder der gehasste Geheimdienst. Die totale Offenheit ist ein Mythos und keine Gesellschaft würde das akzeptieren, im Buch wird jedoch der Circle wie eine Sekte dargestellt, der alle folgen, selbst Politiker, Firmen, Künstler und Gewerkschaften. Es gibt keine Gegenstimmen und das macht das Buch unglaubwürdig. Die Gesellschaft ist in Wirklichkeit sehr viel weiter und auch Facebook, Google und Co, die hier heimlich auf der Anklagebank sitzen, würden dies nie einfordern, sondern ganz im Gegenteil. Alle Netzriesen haben in den letzten Jahren, dank der gesellschaftlichen Diskussion, auch dank dieses Buches und natürlich auch wegen Wikileaks und Snowden große Fortschritte gemacht.

„Geheimnisse sind Lügen.“

Bei vielen Sätzen aus dem Buch, muss ich an aktuelle gesellschaftliche Debatten denken, wie z.B. an TTIP, wo es keine Transparenz gibt und diese überall eingefordert wird. Hier ist das Buch sehr gut. Es zeigt auch die vielen Vorteile von Big Data, z.B. wenn man seine Krankenakte kennt oder wenn man verlorene Angehörige finden will oder neue Business Modelle, aber kaum wird die gute Seite gezeigt, wird auch schon mit dem Hammer raufgeschlagen. Dann werden naive Beispiele gebracht, wie der Verlust der Eltern oder ein banales Verbrechen wird als Überwachungsskandal ausgenutzt.

 

Der Circle von Dave Eggers

Dave Eggers – Der Circle (Quelle Kiwi Verlag http://www.kiwi-verlag.de/ifiles/cover/large/9783462046755.jpg)

Resüme

Dem Buch fehlen nicht nur die Grautöne, es fehlt auch Qualität. Insgesamt ist das Buch schrecklich langweilig geschrieben. Manche Sätze wirken so banal, als wären sie aus einem Schüleraufsatz geklaut. Einen Spannungsbogen habe ich nicht entdeckt und eine richtige Handlung auch nicht. Was „Der Circle“ wirklich will, bleibt im unklaren und das Buch kann sich nicht entscheiden, ob es eine Beziehung darstellen soll, eine Verschwörung oder die große Gefahr der digitalen Überwachung und so bleibt am Ende gar nichts richtiges übrig. Ich habe mich trotzdem tapfer 8 Wochen durch das Buch durchgequält, da sehr viele interessante Gedanken drin sind. Dave Eggers hat es wirklich geschafft, unheimlich in die nahe Zukunft zu blicken und viele Entwicklungen glaubhaft und dämonisierend darzustellen. Dazu muss man ihn uneingeschränkt loben. Trotzdem kann ich das Buch nicht weiterempfehlen und die Amazon Rezensionen und Wikipedia geben mir da auch recht.

Ausblick

Der Circle war trotzdem ein Riesenhit und wird natürlich verfilmt. Tom Hanks hat sich die Rechte gesichert und spielt neben Harry Potter Star Emma Watson die Hauptrolle. Der Film kann eigentlich nur besser werden, als das Buch. Die Story ist jedoch hochbrisant und aktuell. Dave Eggers hat in klein wenig das 1984 von George Orwell dreissig Jahre später wieder neu aufgelegt, was auch dringend nötig war. Hätte er bloss einen guten Lektor gehabt.

 

Facebook ist down und die Welt lästert

Man kann jetzt schön über Facebook lästern. Facebook ist down und jeder, der sich auf Facebook verlässt ist jetzt auf Gott verlassen. Alle Werbestrategien, Sociel Media Manger, Eventmanager und erst die ganzen Freizeitnutzer können nichts mehr machen. Sie sind arbeitslos, nur weil Facebook down ist und man hat auch gar keinen Anspruch für Haftung. das gleiche gilt jedoch auch für Strom und Straßen aber das ignorieren wir jetzt einmal. Kollateralschäden sind antürlich auch entstanden, denn das Single Sign On von Facebook ist natürlich auch weg und so konnte man sich auch nicht an zig Web 2.0 Diensten anmelden. Die Heise Forenschreiber, die sowieso schon immer gegen Facebook, Google und Co sind, fühlen sich jetzt bestätigt, doch man muss da auch einmal die andere Seite anschauen.

Single Sign On ist ein Standardverfahren in jeder Firma. Alle Systeme sollen mit einem Login verfügbar sein. Wer lästert nicht gerne gegen Telekom, Bundesbahn oder eigene Firma, wenn Supportforum, Wiki und Intranet verschiedene Logins hat. Wenn das LDAP weg ist, steht auch hier alles.

Das gleiche gilt für Eduroam an den Unis, Shibboleth, AAI und OpenID. Alles sind sogenannte Single Point of Failures. Das eine erhöht die Usability aber wir bezahlen mit erhöhtem Risiko bei einem Ausfall.

Und bei den Produktionsprozessen sieht es ähnlich aus, da nennt man es One-Source-Publishing und wenn die XML-Quellen für den mobilen und für die Standardwebseite weg sind, sind auch beide Auftritte nicht erreichbar. Das gleiche gilt für die On-The-Fly-Prozesse z.B. PDF- und ePub-Erzeugung und vom Warehouse mit einer Datenquelle (auch wenn sie redundant ist), will ich gar nicht erst anfangen.

Also Vorsicht mit der Kritik an Facebook, denn wir alle wollen diese Prozesse, aber wenn sie weg sind, ist der Schaden groß