Die Oberflächlichkeit in der MOOC Diskussion

Und wieder sind es  diese kleine Geschichten des Alltags, die es lohnen einmal näher angeschaut zu werden. Was wird nicht alles über die Qualität von MOOCs geredet und vor allem kritisiert. Mindestens 80%-90% aller MOOCs sind didaktisch schlecht aufgearbeitet, wurde mir gerade wieder einmal auf der OER Konferenz in Berlin erzählt. Viele bestehen nur aus abgefilmten Vorlesungen! Jetzt noch einmal langsam zum verstehen:

V i e l e   b e s t e h e n   n u r   a u s   a b g e f i l m t e n   V o r l e s u n g e n !

Ja aber was ist denn dann didaktisch schlecht aufgearbeitet, die Vorlesung oder der MOOC? Wenn nun einmal der Dozent da vorne nichts anderes macht, ist das die Realität :-(  Der Spruch müsste also lauten, 80%-90% der Vorlesungen sind didaktisch schlecht aufgearbeitet und die MOOCs bringen das zum Vorschein. Das ist wohl die traurige Wahrheit des Qualitätsmanagements und der unzähligen didaktischen Schulungsmaßnahmen in Hochschulen. Eine Vorlesung ist halt immer nur so gut, wie der Dozent es vorne macht. Wenn der Dozent nun einmal monoton redet und andauernd Äh sagt oder stottert oder lange Bandwurmsätze von sich gibt, dann ist das einfach schlecht. Wenn solche Vorlesungen, dann den Weg in das Internet finden, dann ist das doppelt schlecht, gibt aber die Wahrheit wieder.

Das dumme an den MOOCs ist diese Transparenz. Denn nun können auch die Menschen OHNE Hochschulzulassung einmal sehen, was so ein Halbgott Professor von sich gibt und erkennen die traurige Wahrheit. Das ist kein Elfenbeinturm der Weisheit, wo die Reinkarnation des Orakels von Delfi spricht, nein dieser Professor dort auf YouTube redet sehr langweilig, sehr monoton und dann auch sehr unverständlich und niemand würde sich das freiwillig antun. Das dumme ist jedoch, dass ca. 200.000 Studis dies jeden bitteren Tag in der Präsenzlehre ertragen müssen.

Das heisst natürlich nicht, dass MOOCs es nicht besser könnten. Machen viele auch, weil bei MOOCs auch ein didaktisches Konzept vorhanden ist und auch meist mehr Geld. Die Kritik der abgefilmten Vorlesungen ist jedoch sehr dünn, denn sie trifft die Falschen. Des Übels Wurzel ist nicht die abgefilmte Vorlesung, sondern der schlechte Professor.

Das gleiche gilt übrigens auch für die Konferenzen, wo viele Leute denken, sie könnten gut präsentieren, nur weil sie das jeden Tag in der Uni machen. Ich frage mich oft, warum viele nicht einmal nur ein YouTube Video angeschaut hat: Powerpoint Vorträge leicht gemacht oder ähnliches.

Ich habe gerade wieder eine Keynote !!! gesehen, die quasi ein Monolog war ohne eine Betonung und dazu noch Slides mit kleinen Romanen hatte. Wie kann das sein? Wenn sich solche Keynote-Sprecher dann berufen fühlen MOOCs zu machen, dann sind die nicht gut – liegt aber nicht am MOOC, sondern am Sprecher. Wer also Kritik an den MOOCs äußert sollte vorsichtig sein, denn wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.

Kein Rückblick sondern eine kleine Geschichte zur GMW 2014

Normalerweise schreibe ich bei Konferenzen einen Rückblick und erzähle über Sessions, Orga und Trends und was positiv und was negativ war. Diesmal jedoch nicht, denn ich finde diese kleine Anekdote viel passender und sie gibt viel besser wieder, was Konferenzen/Tagungen wie die GMW so wichtig machen.

Es war glaube ich der zweite Tag, als mich die gute Elke Lackner @lacknere auf unseren Hanse MOOC angesprochen hat. Sie hätte am Donnerstag einen Vortrag über Videos in xMOOCs, aber das Video über Datierungsmethoden könne sie leider nicht zeigen, da es nicht OER ist.

Das OER-Problem

Verdammt dachte ich, da ist wieder das Problem. Offene Freie Bildungsressourcen sind schön aber selten und die Verbreitung geht nur langsam voran und hier ist genau das Problem, was in der Praxis so oft auftritt. Elke hat keine Rechtssicherheit und natürlich zeigt sie dann das Video nicht. Was Elke jedoch nicht wusste, ich hatte alle HanseMOOC Videos auf privat geschaltet, da wir den Start des zweiten HanseMOOCs mit einer OER-Social-Media-Kampagne begleiten wollten. Natürlich wollen wir, dass das Video gezeigt wird und Elke freut sich, wenn sie es zeigen kann, aber wie behebt man das Problem?

Vernetzung startet online und wird analog verstärkt

Ich will jetzt nicht schreiben, dass man extra zu einer Tagung fahren muss, um eine Copyright-Anfrage zu stellen. Was ich aber schreiben will, dass  Elke und ich uns schon über Twitter gut kannten und sie mich vielleicht deswegen kurz auf der Konferenz auf das OER Problem angesprochen hat. Per Mail macht man das sehr selten, da das doch immer zu aufwendig und vor allem zeitintensiv ist. Vernetzung ist einfach enorm wichtig und man kann sehr schnell digitale Kontakte in analoge Kontakte umwandeln und dann kriegt man solche Probleme sehr schnell gelöst und bei der GMW kann man sich einfach sehr gut vernetzen. Dank der großen Pausen, dem Educamp und den Abendveranstaltungen gibt es genug “Raum” dafür.

Datenschutz und Usability

Ich habe natürlich sofort reagiert und wollte das Video gleich freischalten. Doch jetzt kommt der kleine Unterschied zwischen Theorie und Praxis, den ich immer so spannend finde und warum theoretische Vorträge für mich immer soooooo langweilig sind. Die Tücke steckt natürlich im Detail, denn ich kam aus Zürich nicht an unser oncampus Google Konto heran. Aus Sicherheitsgründen verlangte Google eine Zwei-Wege-Authentifizierung, da noch nie ein oncampus-Mitarbeiter aus Zürich sich angemeldet hatte. Das könnte auch ein Hacker sein. Sehr vorbildlich von Google aber für mich extrem lästig, denn die Sicherheitscode-Telefonnummer für die SMS, war natürlich eine Büronummer und Abends um 19 Uhr, war keiner mehr in Lübeck :-( Da sind die beiden Welten wieder, die kaum in Einklang zu bringen sind: Sicherheit und Usability. Google ist auch nicht böse, sondern schützt mich und das Feature Zwei-Wege-Authentifizierung hat mir noch keine Uni geboten.

Tue Gutes und REDE darüber

Am Donnerstag hat dann ein Kollege auf Skype Anfrage das Video freigeschaltet. Elke war gleich glücklich und wir konnten gemeinsam etwas Werbung für ihren Vortrag und unseren MOOC machen.

Konferenzen sind für Berichte und auch für Werbung, wobei man das zweite nicht so laut sagen sollte. Man spricht dann doch eher von Partnersuche und Kooperationen, doch wie kann man mit jemanden kooperieren, wenn man gar nicht weiss, dass es ihn gibt? Konferenzen sind zum Austausch, aber auch Twitter, Facebook und Google erfüllen das, was leider nicht oft angesprochen wird. Vielleicht muss man das auch nicht, denn zum Glück wird es reichlich(?) genutzt .

Vorstellung Hanse MOOC

Trotzdem hab ich oft den Eindruck, das meist nur intern diskutiert wird und nicht extern. Gerade bei den MOOCs sieht man, welche Außendarstellung diese Kurse haben. Wir haben schon dreimal so viel MOOC Teilnehmer, wie die FH Lübeck Studierende hat und wenn man dort nicht erzählt, was man so tolles macht, ist dies mehr als nur eine verpasste Chance.

Resume

Es gibt sicherlich viele dieser kleinen Geschichten auf einer Tagung, wie die GMW eine ist. OER, E-Lectures, MOOCs aber auch Datenschutz, Datensicherheit und Marketing spielen alleine bei dieser Geschichte zusammen. Und wenn man genau liest, merkt man, dass keiner von uns alleine arbeiten kann.  Wir brauchen Pädagogen, Techniker, Filmemacher, aber auch Storyteller (Professoren?), SEO-Spezialisten und Social-Media-Manager um ZUSAMMEN die Probleme der Zukunft zu lösen. Keine einzelne Fachdisziplin kann die Herausforderungen des E-Learning (streicht mal einer bitte das E am Anfang) in der Zukunft lösen und wir werden nur als Team bestehen können. Noch nie war Zusammenarbeit so wichtig wie heute.

 

 

MOOIN oder wie finde ich den Namen für eine neue Software

Wir bauen eine neue MOOC-Plattform (das wollte ich schon lange schreiben). Ja wir entwickeln zum 20ten mal das Rad und ich finde das auch dumm, aber inzwischen bin ich fast überzeugt, dass das auch richtig ist. Warum und weshalb und was die neue Plattform kann, kommt später, heute will ich schreiben, wie das Kind zu dem Namen gekommen ist.

Und der Name ist: MOOIN

MOOIN ist natürlich nicht nur ein Name, sondern eine fantastische innovative und kreative Abkürzung und steht für Massive Open Online International Network :-) Wie sind wir aber auf diesen Namen wirklich gekommen?

Am Anfang des Findungsprozesses stand die Idee aus den Wörtern Moodle und MOOC etwas zu bauen. Moodle steht für das LMS, was hinter MOOIN läuft und MOOC natürlich für den Zweck. Wir haben viel rumprobiert (eigentlich mehr ich, die anderen Kollegen hab ich genervt) und ich fand dann MooMOO ziemlich gut. MoodleMOOC war auch unser interner Arbeitstitel und es passte auch ganz gut. Allerdings wird das dann MuMu ausgesprochen und wer sich etwas im Netz auskennt, wird schnell merken, dass man das leicht, mit weiblichen Körperteilen verwechseln kann und das ging natürlich nicht.

Die Suche ging weiter und der nächste Favorit war dann mit MOOLE geboren. Das steht für Massive Open Online Learning Environment und das hört sich schon ziemlich gut an. Außerdem steht MOOLE auch für die Mole am Wasser und hat was norddeutsches. Obwohl die Symbolik mit einem Logo schlecht zu verbinden gewesen wäre. Der Damm der die Massen von MOOC-Teilnehmern verbindet, oder so :-)

Die Alternative von meinem Kollegen kam dann mit MOOPED, wobei ED dann für EDucation stehen sollte und man spricht es Muhped aus. Ich hab dann noch die Schreibweise geändert daraus wurde dann MOOP.ED, was dann noch besser aussah. Ich war sofort Feuer und Flamme aber die anderen haben mich dann nicht so ernst genommen, da ich als Biker irgendwie vorbelastet war. Außerdem wollten wir kein kleines MOOP.ED, sondern eher was großes wie ne Harley oder ne Boss Hoss :-) Dazu kam das Domain Problem, denn www.moop.ed gibt es nicht, sondern wenn überhaupt dann www.moop.edu und das hört sich nicht gut an.

Dann wurde aus MOOP.ED kurz MOOP, denn wir haben schon ein LOOP. LOOP und MOOP das dynamische Duo! Vom MOOP ins LOOP! Dann haben wir natürlich weiter gesponnen und schon war VOOP geboren (Video Open Online Platform für Adobe Connect) und POOP für unser Portal, aber wer will schon ein POOP haben? POOP spricht neue Sinne an. POOP spricht neben Auge und Ohr auch die Nase an. oncampus verspricht neue Wege im E-Learning mit LOOP, MOOP, VOOP und POOP… nein das wollten wir nicht.

Parallel haben wir auch zig Varianten mit Smart, x, KISS und edu, next generation usw ausprobiert, aber das war alles nichts. Wir sind auch viele Götter (Odin) und andere Gestalten durchgegangen, alles war aber nicht wirklich gut.

Und dann der Zufall: Ein Kollege hat ein Schild mit Mooin entdeckt, der ungewöhnlichen Schreibweise des norddeutschen Moin und wir fanden das gleich alle sympathisch. MOOIN war norddeutsch und witzig und gut zu merken. Das sollte ein Begriff sein und außerdem hat er auch Emotionen bzw. Lokalkolorit. Eine Kollegin hat sich dann die Erklärung ausgedacht, als Alternative stand noch Massive Open Online INstitution zur Wahl, fand ich aber nicht so gut. Die Kollegen meinten dann, ich solle doch jetzt einmal MOOP, MOOP.ED, MOOLE und MOOIN zur Wahl stellen, aber ich mag bei diesen Entscheidungen keine demokratischen Wahlen. Die meisten denken nicht im Marketing, in Domain-Namen oder in Schreibweisen. Ich denke, dass Namen wie Nivea, Lupo, Bahlsen oder Twix nie und nimmer über Mitarbeiter Befragungen entstanden wären.

Zu guter letzt stand dann die Dienstreise zur GMW Tagung nach Zürich vor der Tür und ich wollte dort (hier, denn ich schreiben gerade diesen Artikel hier bei der GMW), MOOIN als erstes offiziell erwähnen, und was soll ich sagen? Alle hier finden den Begriff cool, nett, super und sehr passend. Die Abkürzung ist natürlich gekünstelt, das weiss jeder und es stört niemanden. MOOIN ist jetzt also geboren und jetzt müssen wir das unter http://mooin.oncampus.de bekannt machen, aber dazu mehr in den nächsten Tagen.

 

Barcamp Kiel 2014 – Impressionen und Geschichten

Kiel hat einen ganz großen Vorteil gegenüber Lübeck: Kiel hat ein Barcamp!

Schon zum fünften mal fand es statt und wie in den letzten Jahren, war es “ausverkauft”. Allerdings musste man kein Eintritt zahlen, sondern sich nur anmelden und es war ausgebucht. Das Barcamp Kiel ist beliebt und vor allem gut. Ich war zum vierten mal dort und konnte mich über zwei schöne Mopedtouren bei wechselndem Wetter in den Norden freuen und bin dabei einmal richtig nass geworden. Außerdem kenne ich inzwischen etliche Leute und freue mich auf alte Bekannte.

Im Gegensatz zu den vorigen Jahren, hatte ich den Eindruck, dass diesmal sehr viele junge Leute da waren (es waren auch sehr viele Kinder da, aber die meine ich nicht) und der Frauenanteil war auch höher. Sind die Zeiten der Nerds und Geeks vorbei? Es waren auch sehr viele Ersttäter dort, aber die haben nicht unbedingt vorgetragen. Insgesamt war es diesmal auch etwas schüchtern, zumindest am ersten Tag. Das Session Grid wurde erst nach mehrmaligen Nachfragen gefüllt, am zweiten Tag war ich leider etwa spät dran um das zu beurteilen.

Session Plan Tag 1

Ich habe mir natürlich etliche Sessions angeschaut und eine “MOOC – Freie Bildung im Netz” selbst gehalten.

Die erste war Story Telling. Ein dankbares Thema was auch gerade in ist. Leider begann der Vortrag denkbar schlecht, denn neben einem Standard Firmen Präsentations-Intro (Mitarbeiter, Kennzahlen, Geschichte, Referenzkunden) gefolgt von technischen Problemen (Wieso hab ich denn jetzt ein anderes Bild auf dem Laptop, als auf dem Beamer?) und dann lief auch noch das YouTube Video nicht (Normalerweise macht das unsere Assistentin, aber die ist heute auf einer Hochzeit) war das eigentliche Thema etwas kurz beleuchtet. Große Firmen wie BMW und Red Bull geben wirklich viel Geld aus um wahre Geschichten zu erzählen. Neu war das nicht gerade.

Danach wurde es dann aber gleich spannend mit einem tollen Vortrag über Gamification Elemente in der Wirtschaft. Das Thema war wirklich knapp und fließend vorgetragen und es gab eine gute Diskussion zustande. Natürlich schauen viele Firmen noch skeptisch daher, wenn man von Gamification redet, aber das Thema ist sehr breit und auch Bonuskarten, Vielfliegerprogramme und Mitarbeiter des Monats gehören dazu und haben sich etabliert. Da wir mit dem HanseMOOC auch schon sehr viel in dem Bereich forschen, war das natürlich für mich interessant.

Parallel lief die sehenswerte Session über “Das Recht auf vergessen werden” als Battle zwischen pro und contra. Ein sehr schönes Konzept, wo viele Argumente schnell und klar ausgetauscht werden. Kiel ist ja sowieso die heimliche deutsche Hauptstadt des  Datenschutzes (man denke nur an den ULD und Thilo Weichert mit seinem Facebook Krieg), ich sehe die Sache ja eher skeptisch und sehr übertrieben. Egal die Session ist sehenswert und wurde ausnahmsweise auch aufgezeichnet.

Dann gab es das Highlight des ersten Tages mit “Wie werde ich ein YouTube Star”, wo der 18jährige (!!!) @ChristophJahnke den Saal gerockt hat und einmal YouTube erklärt hat. Wenn ich doch mal so gewesen wäre, als ich noch so jung war:-) Wie baut man in YouTube eine Marke auf, was ist dabei wichtig und wie kann man die Hilfsmittel von YT optimal nutzen. Christoph hat einen  sehr guten Überblick gegeben und hat herrlich unverbraucht geredet. Manchmal fehlten ein paar Fakten und es war etwas einseitig auf die Jugendstars geschnitzt, aber drauf geschissen.

Dann kam meine Sessions über MOOCs. Im kleinsten Raum und daher gut gefüllt (manch einer musste stehen) hab ich etwas über unsere drei MOOC-Durchläufe erzählt. Spontan und ohne Slides hab ich alles live aus dem Browser gezeigt und gleich diskutiert. Das Echo war durchweg positiv, es war jedoch der einzige Bildungsvortrag. Insgesamt war es verwunderlich, dass Hochschulen Barcamps meiden. Auch Bloggertreffen werden eigentlich gemeiden, aber es gibt zum Glück EduCamps.

Tag 2 beim Kieler Barcamp

Der zweite Tag begann dann wie der erste mit einem Beitrag vom gleichen Unternehmen wie Story Telling nur diesmal über Blogs. Wie können Unternehmen ihre Themen in Blogs plazieren? Ich wusste gar nicht, dass es hier einen so großen Markt gibt. Hier wurden 70 Blogger angeschrieben um ein Thema rund um die Frauenquote zu plazieren und 20 haben das sogar gemacht. Das Thema war sehr kontrovers, da etliche anwesende Blogger sich durch Unternehmensansprachen belästigt fühlen und sich natürlich nicht kaufen lassen wollen. Allerdings ist das Thema sehr zwiespältig, denn Fashion-Blogger nehmen anscheinend sehr gerne Produktproben an, Food-Blogger eher weniger und bei der Bildung wird man nie angesprochen:-)

Ein kleines Highlight war dann Steffen Voss und Uli Königs Bericht über die Landespolitik, was Steffen in seinem Blog noch sehr ausführlich nachbehandelt. Ich wusste nicht, dass der Kieler Landtag dank TV, Radio und öffentlichen Datenbanken so transparent ist, dass man quasi 90% aller Infos ohne Probleme übers Internet kriegt, mann muss nur zugreifen. Leider beschweren sich die Bürger doch lieber, statt einmal zu recherchieren. Ist aber auch leichter:-)

Das Highlight war dann der Vortrag von @AndreasWiener über “Schlechte Powerpoint Präsentationen”. Oft sehr witzig, teilweise brillant erzählt und immer etwas überraschend, sind mir beim Vortrag viele eigene Fehler aufgefallen. Vor allem aber sind mir viele Kritikpunkte vom ersten Vortrag “Story Telling” vom Vortag bestätigt worden, was man alles falsch machen kann. Leider waren die Redner nicht mehr da. Ich kann nur jedem empfehlen sich einmal Gedanken zu machen, wie man ordentlich präsentiert, u.a. keine Firmenvorstellung am Anfang, keine Bulletpoints, kein CI Rand oben und unten auf jeder Folie und sich nicht entschuldigen. Man sollte auch einmal gar nichts zeigen (schwarzes Bild), damit die Zuhörer sich auf den Redner konzentrieren. Man kann es auch so zusammenfassen “Mach es einfach anders, wie alle anderen”. Inzwischen sind die Vorträge so gleichgeschaltet, dass jede Abwechslung schön ist.

Das zweite Highlight war dann der Big Data Vortrag, der dankenswerterweise keine Datenschutz Präsentation war, sondern wirklich um Daten, SEO und das semantische Web ging. Sehr spannende Beispiele mit vielen Daten unterfüttert hat mir wirklich neue Eindrücke verschafft und ich bin immer mehr überzeugt, dass die Zukunft im SEO Verständnis liegt und darum, dass man dem Kunden das gibt, was er will und nicht das, was man selber verkauft/anbietet. Das ist auch das Grundproblem, warum alle immer auf Google sauer sind. Google versucht dem Kunden das optimale, also das relevante Ergebnis zu liefern und viele Firmen denken, dass ihre Produkte relevant wären. Sind sie aber nicht. Sieht man gerade wieder bei der Verlagsdiskussion und die Tageszeitungen, denken, Google klaut Inhalte und in Wirklichkeit, will kein Mensch mehr Tageszeitungen.

Zum Schluss gab es dann noch eine wenig spannende Facebook Diskussion und dann war es dann auch schon wieder vorbei. Leider viel zu schnell aber das sechste Barcamp wird ja kommen.

Ich muss immer wieder sagen, dass ich Barcamps mag. Ich treibe mich ja sehr oft auf wissenschaftlichen Konferenzen mit aufwendigen Peer Reviews herum und muss sagen, dass ich kaum einen qualitativen Unterschied zu einem Barcamp feststellen kann. Ich kann jedem nur empfehlen einmal bei einem Barcamp vorbeizuschauen, es lohnt sich (zumindest in Kiel).

Äußerst positiv muss ich hier noch einmal die Organisation loben und mich bei den Sponsoren bedanken. Ohne euch würde das alles nicht klappen. DANKE

Google Plus und Syntaxformatierung

Ein kleiner Tipp, den ich schon lange posten wollte. Man kann bei Google+ Texte formatieren (Syntax Formating). Es gibt drei Optionen: kursiv, fett und durchgestrichen.

*fett* ergibt fett

_kursiv_ ergibt kursiv

-durchgestrichen- ergibt durchgestrichen

Man kann diese auch kombinieren _*fetteskursiv*_ ergibt fetteskursiv

Wenn man bestimmte Gruppen/Menschen im Text benachrichtigen will, kann man einfach ein +Name schreiben, und Google sucht automatisch nach dem G+ Account (funktioniert aber nicht so gut auf dem Tablet).

Amazon will billige Bücher und wir sollen dagegen sein

Das Spiegel Online inzwischen in einer Qualitätskrise steckt, sollte spätestens nach der Krim-Krise jedem klar geworden sein. Jetzt legt SPON mit dem Amazon Artikel noch einmal nach und versucht das Geschriebene noch zu unterbieten.

Ich weiss ja, dass Google, Amazon und Apple böse sind, aber leider sind die auch besser, als alle Konkurrenten. Das schreibt nur keiner gerne, den man müsse dem Monopol doch früh Einhalt gebieten. Genau hier setzt der Spiegel an und hat es irgendwie geschafft, dass 100 Autoren sagen, dass sie mehr verdienen wollen für Qualität und lokalem Buchhandel stehen. Ja ne ist klar. Ich frag auch einmal die Autoren, ob sie mehr Geld verdienen wollen und sie nur diese Petition unterzeichnen sollen. Ein Wunder das es nur hundert sind in den USA waren es 909.

Man muss sich das einmal vorstellen. Da will Amazon Bücher billiger machen und so dem Kunden preiswertere Produkte anbieten und jetzt wird der Leser/Kunde aufgefordert, Amazon zu verteufeln und man solle doch den hohen Preis bezahlen. Wie verrückt muss man sein, wenn man das unterstützt? Der Autor verdient durch Amazon auch nicht weniger, den das Einsparungspotential, liegt natürlich bei der Herstellung (Druckkosten) und dem Vertrieb. Hier geht es um billigere E-Books um das noch einmal laut zu sagen.

Natürlich wird Amazon noch mehr vorgeworfen: manipulierte Bestsellerlisten, verlangsamte Auslieferungen bestimmter Verlage und Verzögerungen bei Bestellungen und damit natürlich die Ausnutzung seines Monopols. Das kann wahr sein, aber mal im Ernst, das ist normales Business. Als ob die Verlage die letzten 100 Jahre die reinen Unschuldslämmer waren. Man muss sich nur einmal die Geschichte von Elsevier Verlag http://de.wikipedia.org/wiki/Elsevier#Kritik_an_Elsevier durchlesen, dagegen ist Amazon der reinste Engel. 

Und dann noch dieser verklärte Blick in diese sagenumwobenen Buchhandlungen, wo man die beste Beratung von belesenen Buchhändlern erhält. Mit Kaffee und Gebäck kann man in gemütlichen Leseecken seine Lieblingsbücher probelesen und sich mit literarisch bewanderten Kunden über die neuesten Literatur-Bestseller austauschen. Natürlich ist das viel besser, als eine seelenlose Kundenrezension auf Amazon oder einem Vorschlagsystem aus einer Cloud. Dann doch lieber ein Azubi aus Fleisch und Blut, der Shades of Grey für einen Klassiker hält. 

Zum Glück hat der Spiegel Redakteur die Antwort in den Kommentaren bekommen und ich werde wohl langsam SPON und FAZ (das ist ein anderes Thema) aus meiner Leseliste streichen müssen (es lebe der Qualitätsjournalismus) und mich vielleicht Der Zeit oder TAZ zuwenden. Natürlich ein schlechter Redakteur macht natürlich keine schlechte Zeitung, aber es wird insgesamt schlechter. Vielleicht unterstütze ich auch die Krautreporter und die Zukunft des Journalismus liegt im Crowdfunding. Warum aber immer Amazon schuld sein soll, werde ich wohl nicht verstehen. Ich muss das mit der Buchpreisbindung einmal recherchieren, aber auf den ersten Blick profitiert Amazon überdurchschnittlich davon und ist trotzdem dagegen. Schlimmer böser Monopolist dieses Amazon, will billigere Bücher und ist auch noch für freien Wettbewerb. Das muss verhindert werden.
 

PS Man hätte den Bericht auch wie T3N schreiben können, zwar kürzer aber ehrlicher.

PPS Der Deutschlandfunk hat dazu auch ein Interview geführt, mit guten Fragen und schlechten Antworten.

Warum sollte man MOOCs mehr als einmal anbieten?

Ich sag’s seit Jahren: Drei!

Drei ist der Durchbruch, die Schwelle über die man muss! Es ist nicht eins oder zwei, aber auch keine vier oder fünf. Manche sagen, dass Sieben, die Zahl wäre, aber das trifft eher auf Zwerge, Wunder, Tage oder Sünden zu.

Dreimal muss man einen E-Learning Kurs anbieten/halten, damit der Kurs gut ist. Das ist meine Erfahrung, denn beim ersten mal, hat man meist keine Ahnung, was man da überhaupt tut. Man muss sich mit der Technik auseinandersetzen, der Didaktik und natürlich dem Fach (wobei das meist das kleinste Problem ist). Irgendwie kommt man dann durch, da die Kursteilnehmer meist gar nicht wissen, das man jungfräulich diesen Kurs gehalten hat.

Beim zweiten mal, hat man die Technik im Griff und hat etliche Probleme behoben und arbeitet schon mit einer Version 1.5, da man den Kurs überarbeitet hat. Vielleicht hat man eine FAQ erstellt, die Forenanzahl wurde von 10 auf max. 2 reduziert, Fragen wurden eingebaut und Zeitpläne auf ein realistisches Maß angepasst.

Jedoch erst beim dritten Durchlauf, kann man mit einem Kurs “spielen”, d.h. man kann neue Konzepte einbauen, innovative Szenarien testen und Standard-Inhalte multimedial erklären. Man beherrscht die Technik, sonst ist es ja andersrum. Man hat Sicherheit, Erfahrung und weiss, worauf es ankommt. Beim dritten mal, sollte ein E-Learning Kurs perfekt sein und 90% aller Fehler behoben sein.

Bei den MOOCs ist das genau das gleiche. Beim ersten MOOC “Grundlagen des Marketing” haben wir richtig geschwommen. Wir haben uns im Vorwege richtig viele Gedanken gemacht und ganz bescheiden ausgedrückt, hätten wir einen MOOC locker produzieren müssen, da wir schon 12 Jahre Erfahrung im Online-Fernstudium haben. War aber nicht so, denn MOOCs haben doch eigene Regeln und wir haben Lehrgeld bezahlt, jedoch auf einem hohen Niveau. Immerhin hatten wir 7.000 Teilnehmer im Kurs und eine hervorragende Evaluation. Aber das kann noch besser werden.

Jetzt ist der zweite Durchgang beendet und wir wollen einmal zurückblicken, was sich geändert bzw. verbessert hat. Wir haben beim MarketingMOOC an etlichen Schrauben gedreht. Unter anderem haben wir die Laufzeit verkürzt. Wir haben dadurch auch keine 5CPS Klausur angeboten, sondern “nur” einen Online-Test. Viele Fragen wurden überarbeitet und es wurde nur eine Peer-Review Aufgabe angeboten. An den eigentlichen Inhalten wurde fast gar nichts geändert. Alle Videos sind gleich geblieben und die Skripte waren auch gleich.

Der Aufwand der Überarbeitung war im Vergleich zur Erstellung natürlich sehr gering, umso erfreulicher ist es, dass sich die Evaluationsergebnisse doch erheblich verbessert haben. Drei Zahlen zeigen dies sehr deutlich:

  • 63% der TeilnehmerInnen stimmten voll und ganz zu, dass der Lernfortschritt groß war (gegenüber 52% im 1. Durchlauf)
  • 75% der TeilnehmerInnen stimmten voll und ganz zu, dass die Quizzes beim Lernprozess hilfreich waren (gegenüber 55% beim 1. Durchlauf)
  • Die Abschlussquote der TeilnehmerInnen konnte auf 8% erhöht werden (gegenüber 4% beim 1. Durchlauf)

Leider bieten viele Hochschulen MOOCs nur einmal an, dabei müssten es mindesten drei Durchläufe sein, damit der Kurs wirklich “fertig” ist und eine hohe Kundenzufriedenheit und damit ein hoher Lernerfolg erreicht wird. Wir haben jetzt den MarketingMOOC zweimal angeboten und auch beim HanseMOOC startet der zweite Durchlauf im September. Ich erwarte auch hier ähnlich gute Werte, da wir hier wirklich viel verbessern werden (dank einer neuen Förderung). Wer jedoch naiv denkt,  man entwirft einen MOOC und bietet ihn nur einmal an, der verschenkt eigentlich das Potential des Online-Kurses. Denn wie oben erwähnt, wird der MOOC erst beim zweiten Durchlauf problemlos laufen und erst beim dritten mal, kann man mit seiner Erfahrung experimentieren. MOOCs sind daher keine Eintagsfliegen und wahrscheinlich auch kein Hype, sondern sollten nachhaltig implementiert werden. Das ist natürlich leicht gesagt, wenn keine Mittel vorhanden sind.

Im FHLMOOC Projekt planen wir 12 MOOCs und versuchen natürlich jeden MOOC 2-3 anzubieten, was sehr herausfordernd sein wird. Ich denke jedoch, man muss dies gleich von Anfang an im Konzept berücksichtigen und transparent kommunizieren, damit alle Projektpartner wissen, worauf man sich einlässt. Dazu muss man natürlich auch die Tools und die Plattform haben, damit alle Aktualisierungen immer möglich sind. Ich spreche hier immer vom Cloud-Learning, was nichts anderes bedeutet, als dass die Inhalte in der Cloud liegen, z.B. bei YouTube, LOOP oder in Moodle. Statische Inhalte zum download sind hier fehle am Platze, da sie lokal nicht mehr aktualisierbar sind. Zum Glück ist die Welt ganz langsam bereit, für solche Lösungen :-)

 

 

Früher war (fast) nichts besser

Wer kennt es nicht. Man sitzt mit alten Freunden zusammen und irgendeiner regt sich über die Jugend von heute auf. Alle starren immer nur auf diese Smartphones und keiner macht noch was vernünftiges. Wieso reden die nicht mal oder spielen etwas. Wir haben uns damals immer getroffen und Fotos getauscht und Musik gehört.

Also mal ganz ehrlich, ich kann das nicht mehr hören. Früher war es nicht besser. Früher stand ich einsam an der Bushaltestelle und habe Löcher in Luft gestarrt und es gab keine hochgeistigen Gespräche mit den anderen. Die anderen waren alle Idioten und ich war in der Pubertät oder wollte es sein:-)  Ich weiss auch gar nicht, welches Weltbild oder welche Erinnerungen, die alle haben, die meinen es sei besser vernünftige Spiele “gemeinsam” zu spielen, wie früher halt. Spiel doch bitte noch einmal “Spiel des Lebens” oder schau dir die Fragen von Trivial Pursuit genauer an, dann wirst du schnell merken, dass die Zeit Wunden heilen kann. Früher war fast nichts besser, denn die Art der Spiele von Cluedo oder Spiel des Lebens will keiner mehr haben. Und Warum? Weil es heute bessere Sachen gibt! Wer einmal Assassin’s Creed oder  Skyrim oder auch Ingress gespielt hat, wird schnell merken, dass es früher nicht besser sein konnte.

Früher musste man Filme schauen, bevor man merkte, dass sie schlecht sind oder CDs kaufen, bevor man merkte, dass die Band ein One-Hit-Wonder waren. Wie oft ist man auf schlechten Konzerten gewesen ohne Musikstücke vorher gehört zu haben und wie oft ist man auf die Verkaufsversprechungen eines Verkäufers reingefallen?

Ja früher war alles besser, denn man nicht auf das Smartphone gestarrt.

Haben wir uns nicht damals auch darüber aufgeregt, dass unsere Eltern uns nicht verstanden hatten? Damals haben wir halt kein Smartphone gehabt, sondern es war Musik, ein Mofa, die Frisur oder Klamotten und die Eltern meinten, früher wäre doch alles besser gewesen. Die Kinder haben die Eltern respektiert (sie sind geschlagen worden) und das Essen war schmackhafter (selber kochen war damals billiger als Essen gehen und heute ist es umgekehrt).

Man kann das endlos fortsetzen, aber denkt bitte einmal darüber richtig nach. Früher war fast nicht nichts besser als heute und wer immer noch in der Vergangenheit leben will, dann lebe dort. Ich nutze gerne all die coolen Möglichkeiten von heute und liebe es. Heute kann ich nach Neuseeland fliegen und mein Hotel am Flughafen mittels Tripadvisor buchen und billiger ist das auch noch und wer mich beschimpft oder besscheisst, den oute ich per Facebook. Früher musste man als Verbraucher fast alles schlucken, heute ist das Image wichtig.

Wer jetzt aber immer noch denkt, früher war alles besser, denk es bitte weiter so und verharre im damals aber bitte erzähl nicht deinen Kindern, sie sollen keine Smartphones nutzen. Deren früher wird noch kommen und die werden ihren Kindern noch was ganz anderes erzählen.

Der Hanse-MOOC startet wieder

Nach dem sehr erfolgreichem ersten Durchlauf des Hanse MOOCs (ich werde nächste Woche darüber schreiben), startet Ende September die überarbeitete zweite Auflage.

Der Trailer ist schon leicht überarbeitet, es gibt ein paar neue Videos (wir haben jetzt eine Drone für Luftaufnahmen, aber eine Versicherung und damit die Luftfahrtgenehmigung fehlt noch), neues didaktische Konzept (mehr Aufgaben) und eine verkürzte Laufzeit. Wir sind sehr gespannt, wie der Hanse-MOOC ohne den Hansetag laufen wird und wie dann die Ergebnisse seien werden.