Video is the new Text

Diese Woche habe ich ein schönes Statement gelesen: “Video is new Text” von Josh Bersin. Gemeint ist Ablösung der Schrift durch das Video. Immer mehr Webseiten haben als Startseite nur noch eine Facebook Gruppe und ein kleines Video, was max 45 Sekunden lang ist (Warum hab ich eigentlich noch kein Video über LOOP?) und ganz schnell erklärt, was das Produkt kann. Wer will heute schon lange Artikel lesen oder sogar Webseiten durchsuchen?

Falls das stimmt, erklärt sich auch schnell der Erfolg der xMOOCs, denn auch hier muss der Lerner nur noch eine Playlist durchklicken und ein paar schnelle Fragen beantworten. Die alten Dozenten schwören natürlich noch auf das Lehrbuch, was als Qualitätskriterium eigentlich ein Nettogewicht haben sollte “Kaufen Sie jetzt 2 kg Mathe auf 1.200 Seiten”. Die Khan-Academy, YouTube und iTunesU zeigen, dass es auch anders gehen kann und der Markt gibt ihnen recht.

Dank der eingebauten Webcams und guter Software wie Camtasia oder Screencast-o-mat geht die Erstellung eines Lehrfilms unglaublich schnell und mit YouTube als Distributionskanal können auch alle Videos mit Sound und Untertiteln und einer Monetarisierung unterlegt werden. Es ist heute alles unglaublich einfach geworden und auch die Hardware ist billig. Eine Flugdrohne wie die Phantom 2 kostet komplett nur 1.100 Euro und kann in der Luft stehen und HD-Filme aufzeichnen. Jedes Szenario ist dank GreenScreen selbst für Amateure möglich und wir sehen es auch an unseren Smartphones, was alles möglich ist.

Natürlich sind Videos teuer und ein Wechsel von der Schrift zum Film ist noch sehr weit weg, dennoch sind erste große Schritte zu erkennen, dass Text an Bedeutung verliert. Das wird alles noch konkreter werden, wenn die Smartphones erstmal Sprache verstehen und wir unsere E-Mails diktieren können. Das nächste werden dann automatische Übersetzer sein (Babbelfisch lässt grüßen) und die GoogleGlas und andere werden den Untergang des Abendlandes heraufbeschwören, da niemand mehr lesen kann. Dabei muss man doch lesen können, damit die Sprachmails gelesen werden können, notfalls auch ausgedruckt

Das kann und muss alles noch besser werden

Fahrraddiebe sind scheiße. Das muss man auch mal schreiben dürfen und wenn ich den Kerl … sorry das muss man ja heute Genderkonform ausdrücken … die Kerl erwische, dann breche ich ihm/r alle Knochen, aber was hat das alles mal wieder mit dem großen E zu tun?

Nach dem Diebstahl musste ich das natürlich melden und zwar zweimal. Einmal der Versicherung, die inzwischen aufgekauft/fusioniert ist und ich nicht einmal weiss, wie die inzwischen heisst und zum anderen der Polizei. Beides läuft völlig getrennt und zwar doppelt und dreifach. Der Versicherung muss ich melden, dass das Fahrrad weg ist und dann kriege ich Papierpost mit Formular und muss eine Kopie des Aktenzeichen der Polizei machen, damit die Versicherung glücklich ist.

Frage: Warum?

Kann nicht der Fahrradverkäufer meine Daten erfassen und es Polizei und Versicherung melden? Das ist doch schon der erste Fehler. Amazon könnte das bestimmt, aber mein Händler vor Ort hat mir beim Verkauf ganz Stolz erzählt, dass er alles noch mit Hand schreibe, da er nicht so gut mit diesen Computer könne. Das kann er bestimmt bald dem Insolvenzverwalter erzählen, denn nachdem ich dort keine Ersatzrechnung bekommen habe (wie auch ohne EDV), geh ich da nie wieder hin.

Danach bin ich zur Polizei. Nächste Frage, warum? Ich meine Fahrraddiebstahl ist doch ein Standardverfahren. Geht das nicht online? Dann tippt der gute Mann alles in den PC und zwar mit dem Zwei-Finger-System in Zeitlupe, aber egal. Natürlich kennt das IT System meine Daten nicht (woher auch, mein letzter Fahrraddiebstahl ist vier Jahre her) und Autovervollständigung gibt es 2014 noch nicht. Wenn Google das machen würde, wären meine Daten schon per Android übertragen worden, aber das wollen wir ja nicht. Die Polizei hat nicht einmal eine Schnittstelle zum Einwohnermeldeamt, was bestimmt ein Feature ist und kein Bug. Danke Datenschutz made in Germany.

Ich hab dann noch einmal nachgefragt, warum. Der Polizist meinte, es gäbe natürlich eine Datenbank mit den Altdaten, aber er wisse nicht einmal, wie man die parallel aufruft und von einem Copy-Paste bei diesen Formularen, hätte er noch nie gehört. Dann ca. 40 Minuten später (gefühlt waren es 4 Stunden Lebenszeit), konnte er schon ein Papier ausdrucken,  und musste dort nur zwei Daten noch mit Kugelschreiber nachtragen und zwei Stempel draufmachen und schon kann ich zum Kopiershop und eine Kopie für die Versicherung machen.

Wie sollte es aber eigentlich aussehen?

Ich will eigentlich eine Fahrraddiebstahl-App haben. Damit fotografiere ich mein Fahrrad (am besten wäre natürlich noch eine Echtzeit-GPS-Überwachung, aber das haben die Fahrräder noch nicht) und melde es der Versicherung und der Polizei und alle Daten kommen vom Verkäufer. Beim Diebstahl fotografiere ich den Tatort und der Rest solle doch automatisch gehen. Stammdaten und Ort liegen vor, die Fahrraddaten kommen vom Händler und Versicherung und Polizei kriegen gleich aktuelle Daten. Ich beschreibe noch einmal alles, das meiste wären aber Checkboxen, z.B. war das Fahrrad abgeschlossen, welches Schloss, welche Tatzeit etc. Der Rest ist doch dann erledigt, und kann abgewickelt werden. Die App sollte auch alle aktuellen Ansprechpartner kennne und alle wesentlichen Daten ergänzen können.

Was ich sagen will ist mal wieder, wenn die Daten zusammengeführt werden und damit vernetzt sind, dann kann das Leben wirklich einfach werden, aber das wollen wir ja nicht, wegen dem gläsernen Bürger. Das kann aber so nicht weitergehen, denn der Staat arbeitet wie in den 60er Jahren und Google und Co werden Szenarien vermutet, als ob die alles und immer wissen. In Wirklichkeit, weiss Goggle nicht einmal, ob ich eine Katze hab. Ich will auch gar nicht ausrechnen, wie viel Zeit wir täglich mit diesem aufnehmen von Kleindiebstählen verschwenden. Das waren immerhin 40 Minuten und das ohne An- und Abfahrt. In der Zeit fülle ich 4 Formulare online aus.

Also ganz kurz gesagt, das muss alles noch richtig besser werden und das muss es auch.Viele andere Sachen müssen auch besser werden, z.B. Fahrräder mit GPS Sender aber wir sind ja immerhin auf einem gutem Weg.

 

Facebook und Google = Böse

Facebook manipuliert die Gefühle” war eine der schlimmsten Schlagzeilen bei der Facebook Nachricht, dass Facebook bei einigen Nutzern für eine Woche die Feeds beeinflusst hat, um zu erforschen, ob dies Einfluss auf die eigenen Postings hat. Eine Flut von Nachrichten ist dann durch die Netzgemeinde und vor allem die Medien gegangen (ich finde jetzt leider nicht mehr die Morgenmagazin Berichte) und überall das gleiche: “Siehste Facebook steuert dich. Man hat das doch schon immer gewusst.” Der Tenor war immer der gleiche, denn Facebook ist gefährlich und Google natürlich auch. Pass auf deine Daten auf, sonst kannst du bald nicht mehr selbst entscheiden. Leider könnten die Medien da sogar recht haben, denn wenn alle Medien das gleiche berichten, ist man langsam dazu geneigt, das zu glauben (man vergleiche die WM Berichterstattung und ob Löw mit vier Innenverteidiger spielen soll). Das kann man schon lange nicht mehr Objektivität nennen.

Wenn man einmal kurz innehält und anfängt nachzudenken, kommt man schnell darauf, dass das ganze nicht stimmen kann. Ich weiss jetzt nicht, wer die Studie gemacht hat, ob das Facebook selbst war, eine beauftragte Firma oder sogar ein wissenschaftliches Institut, aber die pauschale Aussage, Facebook manipuliert User oder sogar Gefühle ist immer falsch. Wenn das funktionieren würde, wären wir alle nach einer Woche RTL 2 die reinsten willenlosen Zombies. Hier kann es nur um kleinste Entscheidungen geben, die beeinflusst  werden. Niemand hindert jemanden nur einen Klick weiterzugeben und andere Nachrichten außer den Newsfeed von Facebook zu lesen. Außerdem hat niemand die Ergebnisse der Studie veröffentlicht um einmal herauszufinden, ob diese angebliche Manipulation überhaupt erfolgreich war. Die Datenschützer haben natürlich gleich geschrien, dass man natürlich vorher um Erlaubnis hätte fragen müssen. Gegenfrage wäre dann natürlich, wie man dann unverfälschte Ergebnisse kriegen sollte. “Hallo darf ich deinen Facebook Feed absichtlich mit negativen Nachrichten füllen, um zu messen, ob du dann selbst Negatives schreibst?” “Ja klar darfst du das. Ich werde das jetzt auch vergessen und ganz unbeeinflusst weiterposten.”

Man muss sich das einmal vorstellen, als ob man einem Autohersteller verbietet Testfahrten zu machen oder einem Nahrungshersteller Probeartikel. Es gibt ganze Ortschaften, wo bestimmte Waren zuerst ausprobiert werden oder Referenz-Geschäfte. Alles ganz normal und der Kunde wird selten gefragt, das ist auch alles normal, aber bei Facebook ist es böse.

Ich finde diese einseitige Facebook/Google Berichterstattung erschreckend schlecht. Ich muss sogar sagen, dass der deutsche Datenschutz inzwischen lächerlich ist. Mich behindert er in 9 von 10 Fällen und innovative IT-Unternehmen werden niemals in Deutschland entstehen. Diese ganze Technikfeindlichkeit und einseitige Berichterstattung wird früher oder später ein fürchterliches Eigentor werden. Facebook ist ein höchst innovatives Unternehmen, was über eine Milliarde Kunden gewonnen hat. Das muss man sich einmal vorstellen. Das hat keine Firma vorher geschafft und dazu verschenken die noch ihre Dienstleistungen an den Kunden und machen trotzdem Milliarden Gewinnen. Ja das ist unheimlich aber höchst innovativ und erfolgreich. Anstatt das zu analysieren und zu versuchen zu adaptieren, sagen wir einfach, das ist böse. Dem geschenkten Gaul, schaut man nicht ins Maul oder noch schlimmer “Du kriegst personalisierte Werbung!”.

Das wäre ja eigentlich ein eigener Blogartikel wert, aber ich möchte immer noch wissen, warum die Welt gefährlich wird, wenn ich personalisierte Werbung erhalte, aber das hatte ich schon einmal.

Rückblick – Das 1.LOOP User Treffen

In Verbindung mit dem VFH Symposium hat das 1. LOOP User Treffen stattgefunden. Das Treffen sollte ein erster Erfahrungsaustausch werden, um zum einen die Features von LOOP zu zeigen und zum anderen die Bedürfnisse und Erfahrungen der Nutzer zu erfahren. Wir haben LOOP jetzt seit ca. 18 Monaten im Einsatz und in letzter Zeit ist etwas stiller darum geworden, was aber mehr daran liegt, dass wir das Produkt nutzen, als daran, dass wir Probleme hätten.

Wer noch nicht weiss, was LOOP ist, dem sei es kurz erklärt. LOOP ist ein Autorentool für E-Learning Content. Das besondere an LOOP ist der Cloud-Ansatz, denn LOOP bedient man im Browser und man sollte daher immer online sein. Was für Facebook und Google völlig normal ist, wird bei LOOP stark diskutiert. LOOP ist quasi das E-Book in der Cloud, allerdings dann mit vernetztem Content. Das bedeutet, man kann in LOOP ideal Content anderer Plattformen einbinden, z.B. YouTube, Prezi, Slideshare und GoogleMaps.

LOOP ist inzwischen bei uns in der Praxis endgültig angekommen, was sehr positiv ist. Egal welches Projekt wir haben, LOOP ist dabei immer die Content-Plattform. Inzwischen haben wir ungefähr 220 LOOP Instanzen (ich nenne das mal so) installiert und es werden immer mehr. Täglich werden dabei über 10.000 LOOP-Seiten abgerufen und wir mussten schon den Speicher und die CPU vom Server in der VMware hochsetzen. Mit LOOP haben wir also genau die Bedürfnisse unserer Netzwerke getroffen, ob wir allerdings auch außerhalb Erfolg haben werden, muss sich noch zeigen.

Daher war es auch kein Wunder, dass eigentlich alle Teilnehmer unmittelbar mit der VFH verbunden waren. Die Externen Nutzer mussten leider in letzter Minute absagen. Eigentlich waren wir aber darüber froh, da viele Themen und Aspekte auch unmittelbar mit der VFH zu tun hatten. Außerdem kannte man sich auch gut und daher gingen die geplanten 6 Stunden auch schnell rum.

Uns ging es vor allem darum, einmal zu sehen, was andere mit LOOP machen und zum anderen wollten wir zeigen, was man mit LOOP alles machen kann. Wir haben also die Highlights gezeigt, z.B. LearningApp, TeX aber auch die Notenerweiterung, das Backend und die Skins. Wir haben Referenzen gezeigt und Best Practices diskutiert und unsere Gedanken der Weiterentwicklung vorgestellt. Leider kam nicht so viel Feedback aus der Gruppe, wie wir uns erhofft hatten, aber das Feedback nach dem Treffen war sehr positiv. Wir haben alle wesentlichen Punkte angesprochen und vorgestellt.

Man kann inzwischen sagen, dass bei uns nicht mehr darüber diskutiert wird, ob man LOOP nutzt, sondern nur noch, wie man es denn nutzt. Das finde ich, ist schon ein sehr großer Erfolg für uns und wir sind immer noch überzeugt, dass wir mit LOOP den Zeitgeist getroffen haben, bzw. wir sicherlich 2-5 Jahre voraus sind.

Eine der großen Diskussionspunkte ist immer noch die lokale LOOP Installation, die einige Hochschulen wollen. Es geht um die Hoheit der Inhalte und die gefühlte Unabhängigkeit. Das widerspricht absolut unserem Cloud-Ansatz, aber es ist sehr verständlich, dass die Anwender, das haben wollen. Wir werden daher eine neue Exportfunktion anbieten, aber um LOOP lokal zu installieren zu können, braucht man enormen Sachverstand und viele Resources. Trotzdem ist es möglich und LOOP ist Open Source und wird es auch bleiben.

Damit kommen wir dann aber auch gleich zum nächsten Punkt, der Weiterentwicklung. Wir werden demnächst AGBs haben und damit eine neue “NewLOOP”-Seite launchen, damit jeder seine eigene LOOP-Instanz erstellen kann. Das soll sehr einfach gehen, damit wir keine Arbeit haben. Parallel sollen auch neue Domain-Namen für LOOP möglich sein, damit nicht jede LOOP-Instanz unter oncampus.de laufen muss. Das ist natürlich eine Menge Arbeit, aber wir denken nach wie vor, dass ganz viele Hochschulen LOOP brauchen, aber sie wissen es nicht.

Parallel muss LOOP aber auch mit unseren MOOC-Systemen verbunden werden, damit wir neue MOOC-Szenarien entwickeln können. Ich will hier gar nicht von cMOOCs sprechen, aber LOOP wäre ideal für solche Szenarien. Wie das funktioniert und  welchen Bedarf es da gibt, wird ein Hauptbestandteil meiner Arbeit sein.

Am Ende gab es noch etliche Tipps, Diskussionen und eine Menge Arbeit für uns, bevor wir dann den Workshop beenden konnten. Knapp 20 Leute werden jetzt offizielle LOOP-Badges für das 1.LOOP User Treffen bekommen und wir werden in der Google+ Gruppe weiter unsere Erfahrungen austauschen. Für das erste Treffen mit 6 Stunden Dauer war das ein Riesenerfolg und wir sind richtig Stolz, dass es mit LOOP weitergeht. Leider kennen viel zu wenig Leute diese Plattform und werden weiter versuchen, das Rad das fünfte mal zu erfinden. Dafür gibt es jedoch Tagungen und Fachzeitschriften, so dass wir LOOP immer weiter vorstellen können. Es bleibt also spannend und LOOP ist so lebendig, wie noch nie.

Und darum muss Google eigentlich noch viel mehr wissen

Leider wird in Deutschland immer darüber diskutiert, dass Google zu viel weiss und man soll unbedingt auf Browser-Einstellungen, Cookies, Patches und andere Spuren achten und blocken, damit man auf gar keinem Fall personalisierte Werbung bekommt. Warum allerdings Katzenfutter-, Autoreifen- oder Windel-Werbung für mich, der weder Auto, Kind und Haustier hat, gefährlich ist, hab ich leider noch nicht verstanden.

Was mich dagegen stört ist, wenn Features, die ich haben will, nicht da sind. Zwei Ereignisse letzter Woche, waren wieder einmal solche Aha-Erlebnisse, wo ich denke, verdammt Google, das geht besser.

Zuerst war ich mal wieder Online shoppen und zwar nicht bei Amazon sondern bei zwei neuen Händlern. Ausnahmsweise habe ich beim Adresse einsetzen, die Chrome Auto-Fill-Funktion genommen und verdammt noch mal, da ist eine Ziffer bei meiner Hausnummer verschwunden. Das darf so nicht passieren und warum passiert das überhaupt? Google müsste doch wissen, wo ich wohne, immerhin hab ich schon gefühlte 1000mal, meine Adresse in Online-Formulare geschrieben und wenn jetzt aus der Nummer 228 eine 28 wird, dann muss Google das doch korrigieren, oder wenigstens eine Warnung ausgeben. Jetzt wird es aber noch besser, denn natürlich waren die Pakete nicht zustellbar und bei DHL wird das zurückgeschickt und neu zugestellt. Frage: WARUM? Die schicken mir jedes Jahr 50 Pakete und ca 600 Briefe (davon gefühlte 550 Prospekte mit Katzenfutter, Autoreifen und Windeln), wissen die meine Adresse nicht? Da muss doch ein Algorithmus vorhanden sein, der sagt: Vor- und Nachname, Strasse und Postleitzahl stimmen aber die Hausnummer hat nur zwei korrekte Ziffern und dann müsste eine Aktion ausgelöst werden, z.B. Info mit Nachfrage versenden oder einfach  Google fragen oder mich anrufen. Dürfen die aber nicht wegen Datenschutz bzw. es ist sehr aufwendig solche Prozesse datenschutzkonform umzusetzen und daher kommt das Paket ne Woche später an, wird zweimal quer durch die Republik geschickt und ich soll das gut finden. Das ist dann der berühmte Datenschutz “Made in Germany” bzw. “It’s a Feature not a Bug.”

Ich weiss, dass ist jetzt ein schlechtes Beispiel, aber das ist Real Life und ich will nicht auf meine Pakete warten.

Das andere Beispiel ist einem Kollegen passiert. Er hat einen Flug gebucht und zwar vor 10 Wochen um am Donnerstag nach Basel und am Montag zurückzufliegen. Flug war billig und alles hat geklappt und warum? Weil Donnerstag die WM angefangen hatte und Montag das erste Deutschlandspiel war :-( Hätte Google jetzt warnen können/sollen? Hey der Mann nimmt seit Jahren bei Kicktipp teil, schaut bei Sport1 die Webseite an und hat WM Flaggen bestellt, der hat bestimmt nicht gesehen, dass bei dem Flug Deutschland spielt. Nein das passiert nicht, denn so weit ist Google oder das Flugbuchungsportal leider noch nicht. Über einen Warnhinweis hätte man sich gefreut, aber gab es nicht. Das wäre ein Feature, was nicht nur ich mir wünschen würde.

Beide Beispiele zeigen, dass die Datenanalysen von Big Data immer noch in den Kinderschuhen stecken und das sind sehr einfache Vorhersagen gewesen. Die Grundfrage für den Anwender muss dabei immer sein, will ich das? Und falls man es nicht will, muss man es abschalten können (was anderes sagt auch der deutsche Datenschutz eigentlich nicht). Andersrum kann ich mir nicht vorstellen, dass man das nicht will. Allerdings wird in der deutschen Presse immer nur von den schlechten Beispielen und dem bösen Google gesprochen. Ich dagegen, will das Google mehr weiss, denn ich will bei einem deutschen WM Spiel nicht in einem Flugzeug sitzen :-)

Der Ball rollt…

Aus aktuellem Anlass geht es heute rund um die schönste Nebensache der Welt. Die nächsten 4 Wochen ist WM und ich bin im Fußballfieber, d.h. keine Zeit zum arbeiten, Vorträge ausarbeiten (verdammt ich muss noch das Paper für die OER14 in Berlin schreiben) und natürlich auch keine Zeit zum bloggen. Wie immer wird zur WM alles Schwarz-Rot-Gold eingefärbt, wie meine Dachterrasse…

Dachterrasse wird zur WM vorbereitet

… und andere beschwören den Weltuntergang herauf und sagen, dass wäre der neue Nationalismus, wehret den Anfängen.

Ich habe mal wieder unsere WM Tipprunde organisiert und bin ganz Stolz, dass wir über 100 Tipper haben. Die Tipprunde setzt sich aus allen Standorten der Virtuellen Fachhochschule zusammen, und der Gesamtsieger kriegt einen offiziellen Tippkönig Badge verliehen. Beworben haben wir das, mit einem Titelbild auf dem Startschirm vom Moodle-System. Die Login-Seite kann man sehr gut, für Botschaften nutzen.  Zur WM kann man also auch innovative Gamification Konzepte nutzen, man muss da nur etwas kreativ sein:-)

VFH WM Tippspiel

Dank Kicktipp, kann man inzwischen wirklich alles einstellen und schön nach Gruppen sortieren. Intern tippen wir mit 30 Leuten, man muss sagen, ich arbeite in einem fußballbegeistertem E-Learning Team. Aber jetzt geht es los und ich versuche mein bestes, um einmal unter die besten drei zu kommen.

 

 

 

Moodle, Google Stories und IFTTT könnten The Next Generation LMS sein

Letzte Woche ist schreckliches passiert. Bei meinen Nachbarn hat es gebrannt und wäre die gute Feuerwehr nicht so schnell gewesen, dann würde ich jetzt wohl in einem Hotel sitzen und über meine ausgebrannte Wohnung weinen.

Bei Feuer bitte erst Gebäude verlassen, bevor man das Feuer auf Facebook postest

Bei Feuer bitte erst Gebäude verlassen, bevor man das Feuer auf Facebook postest

Stattdessen wurde ich von Nachbarn angerufen, hab mich aufs Fahrrad geschwungen und hab mir das Unheil vor Ort angeschaut. Zum Glück ist nur Sachschaden entstanden und eine kleine Rauchvergiftung. Was jeder Mensch dann macht sind Fotos und ab auf Facebook und Co damit. Was soll man auch sonst machen, ich durfte ja nicht in die Wohnung gehen. Was aber dann passierte, war neu für mich. Google hatte meine Fotos zu einer Story zusammengefasst und bot mir an, die Geschichte dazu zu erzählen. Ich habe dann schnell die fünf Bilder beschriftet und die Geschichte auf Google+ geteilt. Das hat ganze 5 Minuten gedauert und die Geschichte war erzählt.

Aber was hat das jetzt mit einem Next Generation LMS zu tun?

Der Bogen ist eigentlich recht einfach, denn was Google hier gemacht hat, war genial. Google hat versucht zu erraten, was ich vorhabe und mir eine Lösung vorgeschlagen, die schon zu 80% fertig ist und dann intuitiv und vor allem designed out-of-the-box einfach nur noch veröffentlicht werden muss. Wäre es nicht genial, wenn ich so etwas auch in einem LMS hätte? Also ich lade z.B. 5 Bilder hoch und das LMS vermutet gleich, du willst eine Diashow machen oder eine Geschichte (Slides) erzählen und brauchst nur noch Kommentare einsetzen oder ich lade ein Video hoch, dann wird es gleich eingebunden und ich beschrifte es nur noch und bei PDFs wähle ich als Thumbnail-Vorschau eine bestimmte Seite aus. Da steht dann nicht mehr nur der Link zum PDF, sondern es erscheint ein Preview ähnlich wie bei Scribd.

Denkt man diesen Ansatz weiter und schaut sich dann einmal IF THIS THAN THAT an, wird es langsam spannend. Ich könnte also verschieden Learning Objects hochladen und das LMD schlägt mir vor, wie ich sie verbinden will. Man kann sich das so vorstellen: Wenn Student das Video zu Ende geschaut hat, dann schalte das PDF frei oder wenn Forumsbeitrag gelesen, dann gibt Student eine Frage. Das geht natürlich schon heute, aber die Bedienung ist bei einem LMS einfach schlecht. Bei IFTTT sieht das ganze grafisch ansprechend aus und man kann alles intuitiv zusammenbauen. Dank einer IFTTT Oberfläche könnte man also ganz einfach Lernpfade zusammenbauen und beschriften.

Das geht bestimmt weit an der Realität vorbei, denn diese grafische Oberflächen können nur einen Bruchteil eines komplexen didaktischen Szenariums abbilden, aber dafür ist es sehr einfach und schnell. Der Wizard schlägt Lösungen vor und stellt schon ein tolles Design. Das heutige LMS ist aber genau das Gegenteil, denn es schlägt gar nichts vor und der Anwender wird im Regen stehen gelassen und das Design ist sehr schlecht. Daher passiert meist gar nichts in einem E-Learning Kurs. Bei einer IFTTT Unterstützung passiert vielleicht nicht zu 100% das Gewünschte, aber dafür geht es schnell und es ist besser als gar nichts. Natürlich werden jetzt wieder die Pädagogen kommen und sagen, dass man ein sinnvolles Szenario braucht. Das stimmt auch, aber man muss diese Szenarien nicht zu 100% umsetzen und mit ein paar Abstrichen, hat man eine sehr schnelle und grafisch gute Lösung.

Fazit

Das LMS müsste den Anwender mehr führen und schon mit Wizards neue Lernpfade vorschlagen. Ähnlich wie bei Google Stories verbindet ein LMS mit bedingten Verknüpfungen mittels IFTTT bestimmte Lernpfade. Der Dozent wird entlastet und kriegt Lösungen schon fertig serviert. Der früher gelobte Freiraum eines LMS wird gegen ein starres Konzept getauscht. Will der Anwender mehr, muss er in einen Experten-Modus wechseln mit hunderten von Einstellungsmöglichkeiten. Um das aber alles zu realisieren, müsste man ein völlig neues LMS entwickeln und wer will das schon machen.

Das LMS ist nicht tot, das Design schon

Manchmal sieht man den Wald, vor lauter Bäumen nicht. Schon sehr oft wurde das klassische LMS als tot oder gescheitert gesehen. PLEs wurden als Nachfolger auserkoren oder sogar Social Learning Systeme neu erfunden. Dabei sind LMS wahre Schlachtschiffe, die viel mehr können, als nur didaktische Szenarien zu vermitteln. Ein LMS ist die Schnittstelle zur Infrastruktur, zur Organisation, zur Verwaltung und letztendlich zur Digitalisierung und damit zur Effektivität der Hochschule.

Trotzdem sind LMS langweilig. Ich beschäftige mich schon seit Jahren mit Blackboard, Sakai und Moodle und kenne natürlich auch Clix, StudIP und Olat. Was alle diese Systeme gleich haben, sind langweilige Kursdesigns. Kennt man ein LMS, kennt man alle. Man kann noch so ein fantastisches didaktisches Kurskonzept haben, präsentiert man es einem Besucher, sieht er normalerweise eine Linkliste und eine Navigation, die ähnlich einem Datei-Explorer ist. Erst auf dem zweiten Blick, ergibt sich das Konzept.

 

Moodle Kurs Design

Moodle Design grafisch aufgearbeitet und Responsive

Wir haben schon lange schöne Moodle-Designs, als Beispiel sei unser Medienkompetenz Kurs erwähnt. Die Icons sind grafisch aufgewertet, eine klare Struktur ist zu sehen und was sehr schön ist, man erkennt anhand der Kopfgrafik, in welchem Kurs man sich befindet. Alle Blöcke entsprechen dem CI von oncampus und natürlich ist das ganze auch response. Im Gegensatz zu einer Standard-Moodle Installation eröffnet das grafisch als auch in der User Experience ganz neue Welten.

Bei anderen LMS sieht es ähnlich aus. Bei meinem Vortrag über die papierlose Hochschule beim SOOPAL MOOC hab ich mir Olat noch einmal näher angeschaut und im Grunde keine großen Unterschiede zu Moodle entdeckt. Natürlich wird jeder OLAT Experte dem sofort widersprechen, aber der Kunde sieht erst beim durchlaufen des Kurses erwähnenswerte Unterschiede, niemals bei einer Präsentation.

OLAT Kursdesign mit aufklappbarer Navigation

OLAT Kursdesign mit aufklappbarer Navigation

Das es auch anders gehen kann, liegt auf der Hand. Nicht ohne Grund wurde XML, xHTML und CSS entwickelt. Vor ein paar Wochen habe ich schon einmal zu dem Thema gebloggt und nannte das Konzept “Das Auge lernt mit“.

Moodle Kursdesign mit grafischen Unterbrechungen

Moodle Kursdesign mit grafischen Unterbrechungen

Im letzten Semester sind wir grafisch schon einen Schritt weiter gegangen. Wir haben die didaktischen Kurselemente mit einem grafischen Horizontal Rule getrennt. Dadurch ist der gesamte Kurs “luftiger” und übersichtlicher und klarer. Dafür muss man jetzt jedoch mehr scrollen. Ich sage dazu: “Einen Tod muss man sterben. Entweder gutes Design, dann aber viel scrollen.”  Früher hiess es immer, der Anwender soll nicht scrollen und alle Elemente müssen auf einem Blick zu sehen sein. Diese Aussage ist aber 10 Jahre alt und wir halten uns immer noch teilweise daran. Jeder Internetnutzer weiss heutzutage, dass man Webseiten scrollen kann:-)

Und dann kamen die MOOCs. Alle MOOCs bestechen durch neue Kursdesigns und dementsprechend durch neue Plattformen, die ich jetzt auch nicht LMS nennen will. Schaut man sich Coursera, EDx und iversity an, so sind alle super grafisch aufgearbeitet, sie sind responsive und haben einen sehr reduzierten Funktionsumfang. Mich erinnert das irgendwie an Apple, die auch sehr schlichte einfache Bedienkonzepte haben und viel Wert auf hochwertiges Design legen. Der Erfolg gibt Apple recht. Die MOOCs haben das LMS Design quasi in das Jahr 2014 gebracht. Hier hatten Designer das sagen und keine Pädagogen.

Wir haben dann die Idee unbewusst aufgegriffen und beim Hanse MOOC umgesetzt. Hier war unser oberstes Motto, der Anwender soll nicht merken, dass er sich in einem LMS bzw. Moodle befindet. Daher haben wir all die typischen Old-School-LMS-Elemente, wie Kalender, Bereiche, Explorer-Navigation, aber auch die Teilnehmerliste und das Profil ausgeblendet.

MOOC Design Entwurf

Das war ein viel größerer Schritt, als mir zuerst bewusst war. Durch die innovative(?) Bildnavigation im oberen Bereich, hat man die Gestik von den Tablets und alle Lektionen sind grafisch aufgewertet. Eine Linkliste sucht man vergebens und jedem ist sofort klar, dass es sich hier um etwas neues handelt. Das Auge erkennt sofort das neue Konzept und das obwohl MOOCs kaum neue Konzepte haben.

Die Grundfrage, die sich daraus ergibt: Warum sind dann die LMS nicht so sexy, wie ein MOOC?

Ich vermute das ist mal wieder ein Change-Management-Problem, denn niemand will das Design eines LMS grundlegend ändern, sondern ist damit zufrieden, dass es gerade so benutzt wird. Außerdem sind Kritiken am Design immer sehr schnell gemacht und fürchterlich hart. Da kann jeder mitreden und die meisten denken sogar, sie könnten es besser.

Man muss jedoch nur einen Blick auf bekannte Webseiten werfen, sei es iTunes, FAZ, Bild oder Facebook. All diese Webseiten füttern ihre Artikel/Inhalte mit einem Medienobjekt an und liefern eine Kurzbeschreibung und nach einem Klick erhält man den gesamten Artikel. Bei jedem klassischen LMS ist diese Struktur auch möglich, wird aber nicht genutzt. Natürlich sind die Medien-Elemente aufwendig zu entwerfen und kosten Zeit, doch ist das Grund, warum immer noch diese alten Linklisten existieren?

Das auch anders geht, zeigt Julian Ridden (Moodleman).

Das Elegance Theme von Moodle 2.6 geht in diese grafische Richtung. Man könnte es vergleichen mit dem, zugegeben wenig erfolgreichen Schritt, von Microsoft bei Windows 8 zu den Kacheln.

Nachtrag: Man sollte sich hier ergänzend auch noch einmal das innovative Grid-Format für Moodle anschauen, was sehr an die Windows Kacheln erinnert und in genau die Richtung geht, die ich zukünftig erwarte. Wir werden dieses Format sicherlich mit Moodle 2.7 ab August in ausgewählten Kursen evaluieren, wenn der Zeitgott es gut mit uns meint;-)

Hinter jeder Grafik versteckt sich quasi ein Learning Object. Das Auge sieht sofort, was für eine Aufgabe das Element hat. Die Bedienung eines Kurses richtet sich grafisch und visuell aus und nicht mehr textbasiert über Links. Kennt jemand noch Startseiten von Instituten, wo noch Textlinks anzuklicken sind?

Fazit

Die MOOCs sind eine Frischzellenkur für das gesamte E-Learning. E-Learning wird modern, grafisch ansprechend und vor allem erhalten sie ein neues Alleinstellungsmerkmal: User Experience.

Die Inhalte bestehen jetzt aus Videos (xMOOC) und die LMS sind responsive und grafisch klar strukturiert. Das dies alles auch mit den alten Flagschiffen wie z.B. Moodle funktioniert, beweist Julian Ridden und natürlich unser Hanse MOOC. LMS sind durch die Themes, insbesonders bei Moodle 2.7 das Bootstrap Theme, sehr flexibel geworden und man benötigt eigentlich nur ein gutes Change-Management, um die Änderungen anzupacken.

 

 

 

Wann ist ein MOOC massive?

Es ist drei Tage her als der grossartige Jean Paul bei seinem #ldlmooc gefragt hatte, ob er jetzt schon ein MOOC wäre, da er 167 Interaktionen gemessen hat.

ldlmooc

 

Ironisch meinte er dazu, dass er vorher wohl nur ein OOC wäre. Das kann natürlich so nicht gesagt werden, denn dann starten alle MOOCs als OOCs um dann erst nach 150 oder mehr Interaktionen zu einem MOOC zu werden und man kann keinen MOOC während der Laufzeit umbenennen. Ich habe dann mal recherchiert und ich wusste, dass es eine Grenze von 150 geben sollte, die ein “Massive” definiert. Nach etwas googeln und meinem Evernote Archiv, kam ich dann zu Stephen Downes Zahl 150, der diese von Dunbar abgeleitet hatte. Dunbar  sagt grob, dass das menschliche Gehirn nicht mehr als 150 Kontakte pflegen kann und daher ab einer bestimmten Größe Prioritäten bzw. Untergruppen der Aufmerksamkeit bildet.

Leider wird die Dunbar Zahl aber unterschiedlich ausgelegt. Sprach Downes in seinem Bericht noch über 170 aktive Blogs, die man nicht mehr bewältigen kann, so meinte Jean Paul ironisch 167 Aufrufe oder auch Interaktionen von unterschiedlichen Teilnehmern und einige cMOOCs, die sowieso immer kleiner sind, meinen auch nur die Kursteilnehmer. Hauptsache man hat irgendetwas größer als 150. Das erinnert mich sehr an Marketing Deutsch, doch ich muss dazu ehrlich sein, ich bin genau so.

Ich habe für mich die 1.000 als Massive definiert. Das ist jetzt nicht wissenschaftlich, aber ich fand es irgendwie passend (Millenium wird auch mit M geschrieben und bedeutet Jahrtausend, das passt also etwas). Das ich mit meinem Ansatz auf dem zweiten Blick zwar deutlich daneben liege aber trotzdem ganz gut, kann man sich über Dunbar leicht errechnen. Normalerweise hat ein MOOC nämlich am Ende eine aktive Gruppe von 3-8 Prozent der eingeschriebenen Teilnehmer. Bei den modernen MOOCs kann man das leicht durch die Aktivitätenmessung, Klicks oder Badges messen und auch ohne unmittelbare Aktivität, z.B. Foren- oder Blogbeiträge, kann man hier von aktiv sprechen. Mitteln wir das  auf 5% und setzen das mit der Dunbar Zahl gleich, so ergibt sich: 5% entsprechen 150. Daraus folgt dann eine Kursgröße von 3.000, was deutlich über meinem Millenium ist, aber noch sehr viel weiter weg von den anderen Definitionen.

Jetzt kommt auch die Aktivitätenzahl ganz anders zur Geltung, denn bei den cMOOCs ist diese viel höher als bei den xMOOCs. Daher können hier schon relativ kleine Gruppen hohe Aktivitäten erzeugen. Dazu kann man auch die berühmte Nielsen Studie zu Rate ziehen, wo gesagt wird, dass bei Wikis ein Verhältnis von 90-9-1 besteht. Das bedeutet von 100 Usern bei einem Wiki sind 90 passiv und die anderen 9 kommentieren aber nur einer erstellt wirklich neue Artikel. Hat man in einem cMOOC 10 aktive User, hat das natürlich einen ganz andere Bedeutung.

Aber auch die xMOOCs können ganz anders skalieren. In unserem HanseMOOC haben wir positiv gerechnet eine herausragende Aktivität von 18 Prozent und das HPI in Potsdam hat sogar von 25% gesprochen.

Was lernen wir also daraus?

Wann ein MOOC massive wird, ist nicht leicht zu sagen. Nach Dunbar würde ich eine Anfangsgröße von 2.000-3.000 als guten Wert sehen. Bei guten Konzepten und guten Teilnehmern, kann das aber schon mit 800 Teilnehmern erreicht werden. Die cMOOCs müssen anders betrachtet werden, aber auch hier vermute ich, müssen Teilnehmerzahlen größer 500 sein, um von einem Massive zu sprechen.

Bei unseren drei MOOCs sind wir jeweils haarscharf Massive. Für mich bedeutet das, dass wir am Ende des Kurses 130 erfolgreiche Teilnahmen (Zertifikate) haben. Das ist jedoch meine eigene Definition, die natürlich keine Allgemeingültigkeit hat. Wenn wir jedoch unsere nächsten 12 MOOCs aus dem FHLMOOC Projekt planen, will ich bei jedem MOOC min. 1.000 aber besser noch 3.000 Teilnehmer haben. Große Aufgaben warten da auf mich.

Kann man mit einem Moodle einen MOOC machen?

Ich könnte jetzt einfach JA schreiben und der Blogbeitrag wäre fertig, aber ganz so einfach ist das nun doch nicht. Zuerst sollte man sich schon Gedanken machen, wen man mit einem MOOC erreichen will und was man überhaupt machen will. Ich persönlich halte sehr wenig von den offenen cMOOC Konzepten, die mit einem Blog oder einem Forum und einem Hashtag ein freies offenes Kurskonzept durchführen. Ich denke eher, hier muss durch Kostenreduktion das maximale durch Zeiteinsatz herausgeholt werden. Das bedeutet nicht, dass diese offenen Konzepte nicht funktionieren, aber sie sind wohl eher für Profis gedacht. Wer schon Twitter nutzt, sich im Internet frei bewegt und mit Hashtags arbeiten kann, der ist auch schon sehr netz affin und kommt mit fast jedem Konzept klar.

Bei unserem Hanse MOOC sah das ganz anders. Hier hatten wir viele Menschen, die zum ersten mal mit einem MOOC bzw. einem Online-Kurs in Berührung gekommen sind. Die Hanse ist auch kein Thema für das Netz und wir betraten hier Neuland. Wir hatten beschlossen, für diesen MOOC eine neue Plattform zu entwickeln. Wir hatten vorher unseren ersten Marketing MOOC bei iversity laufen gehabt und waren mit vielen Kleinigkeiten nicht glücklich gewesen. Eine Aufzählung kann ich mir hier jedoch sparen, da iversity seine Plattform ständig weiterentwickelt und viele Kritikpunkte inzwischen beseitigt sind. Außerdem wollten wir sehen, wie schwer es ist, aus Moodle eine MOOC Plattform zu bauen. Wir hatten dies schon einmal ähnlich mit unserer Autorenplattform LOOP erlebt, wo wir aus einem Mediawiki mit überschaubaren Aufwand eine vernetzte sehr innovative Cloud-E-Book-Plattform entwickelt haben.

Die Grundidee war, wir verstecken so viele Features von Moodle wie möglich und wollen eine videobasierte Lernplattform mit einem Frageanteil haben und die Videos sollen auf YouTube liegen. Als großen Vorteil sahen wir die vielen Grundfunktionen von Moodle, wie das Forum, die Fragen und die Aktivitäten-Verfolgung und als großen Nachteil natürlich die fehlende Usability, das nicht vorhandene Responsive Design und evtl. die Performance. Ziel war es, dass niemand sehen sollte, das wir überhaupt ein Moodle nutzen :-)

Wir haben uns dann vier Wochen gegeben um einen Grobentwurf umzusetzen.

MOOC Design Entwurf

 

Vor allem die neue Navigation, die iTunes entnommen ist, fällt hier ins Auge. Die konnten wir durch ein Plugin sehr gut umsetzen, es musste jedoch noch viel angepasst werden.  Für Tablets und Smartphones hatten wir ähnliche Studien und damit ging es dann los. Wir hatten ein 2-Personen-Team für die Umsetzung. Eine CSS-Spezialistin und ein Moodle Entwickler haben dann mehr oder weniger nebenbei, das Grundkonzept in vier Wochen entwickelt. Parallel wurden die Inhaltsvideos von dem MOOC-Team produziert. Die konnten aber auch erst richtig loslegen, als die wussten, wie die Plattform letztendlich aussieht.

Wir hatten dann noch zwei Zwischenmeetings mit sehr vielen kleinen aber sehr wichtigen Grundfragen, z.B. soll es einen Gästemodus geben und gibt es eine Kursübersichtsseite (mymoodle) und soll es eine Organisationsseite geben und und und. Es ist einfach viel mehr, als man zuerst denkt. Auch das Einbinden der Quizes war sehr schwer und wir haben nur einen Fragetypen geschafft. Das einrichten des MOOCs können auch nur Profis, da es sehr viel zu beachten gibt, aber das war uns egal, denn wir sind die Experten und es war von uns, für uns entwickelt worden.

HanseMOOC mit finalem Design

 

Das Ergebnis sah letztendlich sehr gut aus und ich muss sagen, wir sind immer noch Stolz auf den Entwurf. Die Navigation ist schlüssig, das Design und die Farben sehen sehr gut aus und insgesamt waren das wohl in Summe sechs Wochen Entwicklungszeit. Wir haben bisher nur Schwierigkeiten bei der Anmeldung gehabt, was vor allem am Capture liegt. Ich habe das Gefühl, dass viele Teilnehmer sich überhaupt noch nie irgendwo angemeldet haben. Das merkt man schon am Stil der Rückfragen. Trotzdem sind diese Rückmeldungen gering, ich denke wir hatten ca. 8 Fragen bei 1300 Anmeldungen.  Natürlich gibt es eine sehr hohe Quote, die gar nicht fragen, ich will das gar nicht so genau wissen:-)

Die MoodleMOOC-Plattform war ungefähr 20 Stunden vor Kursstart fertig, als wir bemerkt haben, dass der Gästemodus nicht ging. Das haben wir dann aber doch noch glücklich hinbekommen, aber es war richtig knapp. Später haben wir noch viele Kleinigkeiten eingebaut u.a. die Facebook, G+ und Twitter Integration und die Badges sind auch eingeführt worden. Mit der Performance haben wir nie Probleme bekommen, aber bei 1300 Teilnehmern, ist das auch nicht zu erwarten. Die meisten deutschen MOOCs sind dann viel weniger Massive, als die meisten denken. Wer mehr als 1.000 Teilnehmer hat, kann sich schon freuen.

Als Resume möchte ich sagen, dass zumindest Moodle eine fast perfekte xMOOC Plattform sein kann. Allerdings nur, wenn man gute Entwickler und das Know-how hat. Wie das bei anderen Institutionen aussieht, kann ich nur ahnen. Ich bin definitiv sehr glücklich, solch gute und schnelle Kollegen haben zu dürfen. Wir haben bisher nur positive Rückmeldungen erhalten und sind gespannt, wie das weitergehen wird. Der Kurs läuft noch drei Wochen und dann gibt es eine Evaluation.