Facebook und der blöde Datenschutz

Facebook ändert seine AGBs und die deutsche Welt, steht still. Jetzt kommen alle Verschwörungstheoretiker wieder aus dem Dunklen ins Licht und warnen vor personalisierter Werbung und  erklären, wie man denn Facebook entkommen kann. Alternativen stehen menschenleer bereit und alle wundern sich, warum denn keiner ins gelobte Land will.

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Das mit dem Datenschutz ist schon ne blöde Sache. Jeder will ihn, aber keiner tut was dafür. Die Parteien, die für Datenschutz waren, sind entweder scheintot (FDP) oder waren zu dumm (Piraten). Die Software-Alternativen wie identi.ca oder ello sind keine Social Networks, da dort niemand ist, also ohne Network kein Social. Auch die Instant Messenger Alternativen wie Threema, Telegram oder  ChatSecure sind viel zu umständlich, als das irgendjemand sie ernsthaft benutzt. Auch wenn es sich seltsam anhört, aber Usabilty zu programmieren, ist nicht so einfach, wie viele denken. WhatsApp oder auch Facebook sind beliebt, weil sie gut zu bedienen sind. In der Einfachheit liegt der Erfolg und Sicherheit ist nie einfach zu bedienen. Das fängt schon beim Passwort an. Ein sicheres Passwort soll mindestens 12 Zeichen haben, muss Sonderzeichen und natürlich Groß- und Kleinbuchstaben enthalten und natürlich alle 3 Monate erneuert werden. Kennt jemand einen Menschen auf der Welt, der das ernsthaft macht?

Datenschutz ist sinnlos

Dazu kommt die Sinnlosigkeit von Datenschutz. Zum einen weiss man inzwischen, dass jeder aber auch wirklich jeder unsere Daten abgreift. Google ist dabei das kleinste Übel, denn dank Dashboard, kann man relativ transparent seine Daten einsehen (kennt jemand ein vernünftiges Analyse-Tool für den Dashboard-Export? Gibt wohl keine große Nachfrage dafür, oder?) und auch sonst, sind alle Daten sehr transparent. Facebook inkl. WhatsApp kann schon mehr Daten erfassen, aber eigentlich sind die Jungs dort noch sehr oberflächlich. Richtig wichtige Daten wie Gesundheit und Bankdaten hat Facebook gar nicht und wer nicht gerade seine Geschlechtteile fotografiert und online stellt (Hat das jemand bei Facebook mal ausprobiert? Ist dank der Pornofilter gar nicht so leicht, wie man denkt.) hat keine großen Probleme mit den Facebook Daten. Nie vergessen, alle Daten dort sind freiwillig und nicht zertifiziert. Man kann dort auch eine 22jährige Blondine sein, die gerade Single geworden ist und die Hobbys Fußball schauen und Playstation spielen hat.

Viel wichtiger sind die echten Daten, über die man nicht so gerne spricht. Zum einen sind hier die Cookie-Netzwerke, die wirklich alles tracken, wo man sich aufhält. Von Google zu YouPorn und dann zurück zu Amazon und dort schnell eine Lederpeitsche kaufen. Das aufzuzeichnen ist kein Problem für die Cookie Netzwerke und die größten gehören auch den Big Playern wie z.B. Google mit Double Click. Leider werden über Cookies selten geredet und wer sie einmal gelöscht hat, wird erkennen, dass man sie auch wirklich braucht, denn sie erhöhen enorm die Usabilty. Viele Funktionen, wie das weitersurfen, wo man letztes mal aufgehört hat z.b. bei Online-Büchern, Passwörter speichern, Foren-Einstellungen, Warenkörbe, Musiklisten und natürlich Anmeldedaten will man heute nicht mehr missen. Alles wurde entwickelt zum Wohle des Kunden und seiner Usability und auch für seine Sicherheit. Cookies sind sinnvoll und böse, ja das ist so ähnlich wie mit vielen Sachen. Eine Pistole dient auch der Verteidigung aber auch dem Angriff.

Und der Staat mit schlechtem Beispiel vorneweg

Die zweite große Sinnlosigkeit von Datenschutz ist der Staat selber. Wer überwacht uns denn wirklich flächendeckend? Das sind erwiesenermaßen die Geheimdienste, die das aber nur zu unserem Schutz machen. Und der Staat macht sehr viel zu unserem Schutz. Da werden ganze Horden von Moslems in Guantanamo nur für unsere Sicherheit seit Jahren mit Wasser abgefüllt, aber das ist ein anderes Thema. Warum soll ich mich aber vor Facebook schützen, wenn die NSA und der BND nicht nur meine Privatfotos sehen kann, sondern auch locker mein Gehalt, meine Steuern, meine Krankenakte und meinen Strom- und Wasserverbrauch hat. Zum Glück verkauft der Staat diese Daten nicht, sondern gibt sie nur unseren Bündnispartnern :-) Ach ne stimmt ja auch nicht. Einwohnermeldeämter verkaufen seit Jahren für Cent-Beträge Stammdaten ganz legal an zig Werbenetzwerke, was auch niemanden interessiert.

Aber Schutz geht doch auch so?

Natürlich kann man sich trotzdem schützen. Jedem steht es frei Linux zu installieren, dann einen einen Browser mit hohen Sicherheitseinstellungen zu nutzen, alle Browserhistorien und Cookies immer blocken, Javascript und Flash zu blocken und dazu bitte noch ein paar Adword-Blocker und andere Plugins. Als Suchmaschine nutzt man DuckDuckGo und Facebook bitte nur im Secure-Browser auf einem Extra-PC nutzen und bitte nicht mit deinem Real-Namen, sonst könnte dich jemand finden, der dich aus alten Schultagen kennt. Bitte auch keine Seiten liken, die dir gefallen, sonst könnte ein passendes Profil erstellt werden. Dann ist Facebook und Co zwar nicht sinnvoll oder bedienbar, aber immerhin ist man sicher. Erinnert mich an ein Auto, was immer in der Garage steht, sonst könnte man einen Unfall haben.

Und dann passiert das Schlimmste

Ja wenn alles schief geht und Facebook und Co deine Daten perfekt auswertet, dann könnte wirklich schlimmes passieren. Denn dann könnten Fußballfans Werbung von ihren Vereinen erhalten, Fahrradfahrer kriegen keine Werbung für Autowinterreifen, Vegetarier erhalten keine Hackfleischwerbung und Singles kriegen Kondom-Werbung und keine Familienpackungen. Personalisierte Werbung ist also der Weltuntergang. Wer einen Fernseher gekauft hat, kriegt danach HDMI-Kabel empfohlen oder HD-Rekorder, was man natürlich nicht will, sondern man will anonym bleiben. Dann kriegt man weiter Werbung vom gleichen Fernseher, der vielleicht jetzt billiger ist und man kann sich dann ärgern, dass man zu viel bezahlt hat. Dafür aber, ist man frei und unabhängig.

 

 

Lifelogger, Wearables, Quantified Self und das große Big Data

Daten erheben und sammeln wird der große Trend der nächsten Jahre werden und das meiste machen wir freiwillig. Warum? Weil wir neugierig sind, weil wir einen Mehrwert haben und weil uns der Datenschutz eigentlich völlig egal ist.

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Ich bin ja schon immer von Zahlen und Statistiken begeistert gewesen und habe mich schon lange darüber motiviert. Angefangen hat das mit dem Fahrradfahren, wo ich schon immer einen Tacho hatte. Kann sich noch jemand an diese langen Vierkant-Adern erinnern, die immer durchgebrochen sind von den analogen Tachos? Ich hatte immer einen :-)

Analoger Fahrradtacho Ende 70er bis Anfang 80er Jahre

Später ging das dann weiter mit digitalen Fahrradcomputern, die dann Durchschnittswerte und Historie-Funktionen hatten. Die digitale Welt kam so langsam in den Alltag und wer kennt nicht die Körperwaagen, wo man das Gewicht speichern kann (hat man früher per Zettel gemacht) und inzwischen auch Körperfett, BMI und andere Sachen messen und per WLAN auswerten kann. Körperdaten haben wir eigentlich schon immer erfasst und statistisch ausgewertet aber jetzt wird das alles smarter.

Natürlich ist hier der Fitnessbereich eine treibende Kraft. Neben den Pulsuhren (ich liebe diese kleinen Dinger) kamen natürlich auch die Smartphones in den Sortbereich und Apps wie Runtastic, werten alle deine Läufe statistisch aus. Höhenprofil, Dauer, Spitzengeschwindigkeit und natürlich wird auch die Strecke per GPS getrackt und vermessen. Inzwischen kann man die Smartphones auch mit einem Brustgurt per Bluetooth verbinden und hat auch den Puls, dadurch wird die Laufuhr überflüssig oder das Smartphone wird überflüssig, weil die Uhr GPS, Bluetooth und Display hat. Diese neuen Smartwatches sollen ein großer Trend in diesem Jahr werden, was ich persönlich nicht glaube. Niemand will jeden zweiten Tag seine Uhr aufladen nur um E-Mails am Handgelenk zu lesen.

Motorolla Smartwatch Moto 360

Motorolla Smartwatch Moto 360

Jetzt kommt aber eine neue Generation, denn bisher war es nur üblich zu besonderen Anlässen Daten zu ermitteln. Das Lifelogging ermöglicht es, konsequent 24 Stunden am Tag Körperdaten zu ermitteln. Es war Weihnachten, als ich das erste mal das Fitnessband Jawbone Up entdeckt hatte und war sofort begeistert. Das kleine Band für ca. 50 Euro misst die täglichen Schritte, die Bewegungsphasen und gibt dann statistische Werte auf das Smartphone, u.a. auch die Kalorien, Wegstrecke und Schritte. Mit der Vibrationsfunktion kann es zum Beispiel auf Bildschirm-Pausen aufmerksam machen oder es misst das Schlafverhalten und weckt einen durch sanftes vibrieren und zwar in einer Wachphase, anstatt in einer Tiefschlafphase. Durch den Bewegungssensor kann Jawbone nämlich auch kleine Bewegungen erfassen und erkennt so die verschiedenen Schlafphasen. Gibt man dann eine Zeitspanne als Weckzeit an, statt wie beim Wecker einen Zeitpunkt, so erkennt Jawbone eine Wachphase und vibriert dann. Hört sich eigentlich sehr gut an und das Band ist auch sehr klein und soll eine mehrere Wochen halten.

Jawbone Up mit App

Jawbone Up mit App

Inzwischen gibt es eine Menge anderer Anbieter wie Garmins Vivofit, wo die Batterie sogar ein Jahr halten soll und ein kleines Display dann Informationen direkt anzeigen kann. Andere Modelle von Polar, Microsoft, Sony oder Samsung sind auf dem Markt und unterscheiden sich eigentlich nur minimal. Manche sind wasserdicht und andere haben Displays und wieder andere haben nur LEDs als Anzeige. Die meisten werden als Uhr-Ersatz am Unterarm getragen, wobei aber viele kein Display haben und man noch eine Uhr extra bräuchte. Auch die Batteriedauer ist extrem unterschiedlich, was oft am Display liegt. Haben die Modelle nur ein Ink-Display oder sogar nur LEDs, dann muss man nur alle Monate laden, bei Farbdisplays sind es manchmal nur 24 Stunden.

Vivofit Armband mit Display von Garmin

Vivofit Armband mit Display von Garmin

 

Entscheidend sind jedoch die Sensoren und damit die Daten, die erhoben werden können. Die neuen Modelle können neben den bekannten Schritten und Entfernungen jetzt auch den Puls und die Atmung ermitteln und dank Bioelekrolytischer Impedanzanalyse (BIA) sollen auch Körperfett, Muskeln und Körperwasser gemessen werden und das alles ohne Brustgurt oder andere Sensoren. Als erster Hersteller bietet Jawbone das Up3 mit diesen Funktionen an für “nur” 180 Euro. Das Up3 hat kein Display, wahrscheinlich damit die Batterie einigermaßen lange hält, außerdem hat man sein Smartphone dafür. Das ist konsequent gedacht und könnte ein großes Plus sein.

Jawbone Up3

Jawbone Up3

Macht es jedoch überhaupt Sinn, alle seine Daten zu erfassen?

Darüber kann man jetzt viel diskutieren. Die einen mögen es die anderen nicht. Die einen warnen vor dem Datenschutz, die anderen müssen es sowieso machen, da sie körperliche Beschwerden haben bzw. diese vermeiden wollen. Aus medizinischer Sicht ist es sicherlich interessant bestimmte Fakten zu haben. Blutdruck und Puls sind zwei äußerst wichtige Daten neben dem BMI, aber diese müssen ja nicht alle fünf Minuten erhoben werden.

Die Krankenkassen sind natürlich sehr stark interessiert an diesen Daten und haben Bonusprogramme, die das Datenmessen belohnen. Nichtraucher, die Sport machen und einen normalen BMI haben, können zwischen 50-150 Euro im Jahr sparen. Allerdings sind diese Programmen noch analog und  nicht mit Smartphones verknüpft. Die Datenschützer finden das gut, die Leute die Usability mögen und über Effizienz nachdenken, finden das natürlich sehr veraltet und teuer.

Die große Fragen der sozialen Gerechtigkeit werden jedoch immer größer. Warum müssen sporttreibende nichtrauchende Vegetarier genau den gleichen Kassenbeitrag zahlen, wie kaffeetrinkende übergewichtige Raucher. Zusätzlich geben Daten Transparenz. Wer sofort sieht, was z.B. Sport für den Blutdruck bringt, der macht es vielleicht öfters und wer dann seinen schrumpfenden BMI sieht und den Körperwasseranteil, der ist besser motiviert, als Menschen ohne diese Daten. Die Daten zu haben ist immer besser, als sie nicht zu haben. Wie immer können Daten auch gefährlich sein, aber was ist heute nicht gefährlich. Autos bringen auch Menschen um, aber jeder sieht die Vorteile und akzeptiert die Nachteile.

Der Trend geht jedoch zum “Quantified Self”, wie man bei Google Trends sehen kann.

Das sind erste Ansätze, aber was wird die Zukunft bringen? Im Herbst wird Intel einen neuen Sensor herausbringen, d.h. noch kleiner, noch weniger Batterieverbrauch und noch schneller.

Intel Chip Curie für Wearable Devices

Intel Chip Curie für Wearable Devices

Die ersten Extrem-Logger gehen natürlich auch hier einen Schritt weiter und vermessen und verbessern sich selbst. Erste Körperimplantate gibt es schon mit Human-Micro-Interfaces. Man nennt das Bio-Implantate und den Trend dahinter Transhumanismus. Wenn man es selbst ausprobiert ist ähnlich wie die Movemaker-Bewegung das DIY-BIO.

Das kann man jetzt ganz schrecklich finden, aber man sollte sich da nichts vormachen, denn wir sind in vielen Bereichen schon sehr viel weiter. Künstliche Zähne sind ganz normal, künstliche Hüftgelenke auch und Hörgeräte auch. Bei Sensoren und Interfaces wird aber noch lange diskutiert werden. Werden wir uns durch BioTech verbessern können?

Mit Michael Praetorius gab es den ersten Olympia-Teilnehmer in London, der mit einer Prothese gelaufen ist und der deutsche Meister im Weitsprung Markus Rehm hat auch nur ein Bein. Allerdings musste erst ein Gutachten beweisen, dass er durch die Prothese keine Vorteile hat. Das ist natürlich sehr kontrovers, denn wenn Prothesen besser wären als echte Beine, warum haben wir dann nicht alle welche?

Die vergebenen Chancen der Didaktik im Zeitalter des Internets

Mit jedem Schritt den das Internet nach vorne gekommen ist, hat die Didaktik eine vergebene Chance hinterlassen. Die letzten 10 Jahren sind geprägt von Misserfolgen und zeigen mangelnde Weitsicht und fehlende Innovationskraft und zeigen sehr deutlich, dass die Didaktik schon lange der Technik folgt und das sehr langsam.

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Wer kennt die Vorträge nicht, wo immer wieder gesagt wird: “Die Didaktik muss der Technik folgen” oder “Technik darf kein Selbstzweck sein” oder “Ohne didaktisches Konzept darf Technik nicht eingesetzt werden”. Andersrum habe ich aber noch nie Technik-Vorträge mit ähnlichen Aussagen gesehen. Natürlich gibt es technisch verliebtes Spielzeug, was einfach nur entwickelt wird, weil man es kann, aber es gibt nicht diese oder ähnliche Aussagen. Man könnte fast fragen, warum fühlt sich die Didaktik dazu genötigt, dies immer wieder zu betonen? Hat die Didaktik Angst vor der Technik?

Schauen wir uns doch einmal die großen Schritte der letzten 15 Jahre an.

Am Anfang war das Internet und damit das E-Learning oder wie man das damals so genannt hatte. Die Didaktik hatte aber nichts besseres zu tun, um davor zu warnen, was sie eigentlich heute immer noch macht. Von Anfang wurde gesagt, was alles nicht geht. Parallel hat das Internet langsam an Fahrt gewonnen aber der Durchbruch kam dann 2003 mit dem Web 2.0. Das Internet ist damals quasi explodiert, was mehrere Gründe hatte, vor allem war es mal wieder die Technik mit Breitband, der Cloud (damals noch eher Client-Server genannt) und der Usability. Moodle ist damals auch erfunden worden (sogar von einem Pädagogen)  und auch Facebook, Wikipedia und etwas früher Google. Beim E-Learning hatte man sich damals auf den kleinsten gemeinsamen Nenner geeinigt und der ist bis heute gleichgeblieben: Blended Learning. Das bedeutet im Grunde nichts weiter, als der kleinste Schritt zur Innovation. Herausgekommen sind leider PDF-Download-Portale, die bis heute immer noch an Web 1.0 erinnern (Ausnahme vielleicht Canvas). Wir Techniker nannten das damals FTP-Server und die Didaktiker haben es LMS genannt :-)

Als sich die Wikipedia begann sich durchzusetzen, wurde mal wieder davor gewarnt. Das hat eigentlich erst 2008 aufgehört, als der Brockhaus beschloss aufzugeben. Trotzdem wird bis heute vor den unseriösen Einträgen in der Wikipedia gewarnt, da sich alles dort ändern kann. Viele kennen immer noch nicht die Permalink-Funktion und über die Zitierfähigkeit kann man immer noch sehr lange diskutieren. Als kleine Anekdote kann man auch hier sagen, dass der Erfinder Jimmy Wales Wirtschaftswissenschaftler war und kein Erziehungswissenschaftler.

Auch den Einzug der Videos in die Hochschulen wurde verpasst. Kein einziges Videoportal wurde aufgrund der Lehre oder Didaktik gegründet. Inzwischen haben natürlich etliche Unis eigene Videoportale, die man eigentlich nie kennt, oder kennt jemand Lecture2Go oder Tele-Task? Apple hat hier mit iTunesU die Vorreiterolle schon lange übernommen und in Deutschland kamen Angebote wie SofaTutor eigentlich nie richtig in Fahrt. Im übrigen werden heute Filme im Unterricht meist immer noch per DVD oder PC gezeigt und dann meist per Beamer. Immerhin das gibt es inzwischen in Hörsälen Lautsprecher und Beamer und oft ist auch WLAN ist vorhanden, aber wir sprechen hier vom Jahr 2015.

2007 kam die nächste verpasste Chance, denn da hat Steve Jobs das iPhone vorgestellt und das hat er nicht wegen dem Mobil-Learning gemacht. Das war natürlich ein Riesenschritt und natürlich war es wieder ein Techniker. Mit Didaktik hatte das überhaupt nichts zu tun, sondern hier ging es um Usability, Experience und Emotions. Das hat die Didaktik bis heute nicht begriffen und erst Jahre später, kam das Mobil Learning auf, was heute aber immer noch von Minderheiten genutzt wird. Selbst wir haben auf unseren Systemen max. 24% Mobil-Nutzung (YouTube) und bei Moodle sind es ca. 10% und bei den MOOCs ca. 14%. Mobil Learning wird zwar immer als Trend genannt, aber die Wirklichkeit sieht noch anders aus und außer ein paar Organisations-Apps für Mensa, Bibliothek, Campusplan und Stundenausfall-Systemen wurde noch nichts sinnvolles erfunden und didaktisch gibt es nur Nischenprodukte.

Auch die berühmten Open Educational Resources sind nicht aus der Didaktik gekommen, denn die Informatik nutzt schon seit Jahrzehnten freie Bibliotheken um Programme zu entwickeln und es ist völlig normal, fremde Code-Objekte zu nutzen, weiterzuentwickeln und auch öffentlich zu machen. Lizenzmodelle gibt es unendlich viele und im Gegensatz zu OER, gibt es auch schon lange Repositories wie Sourceforge oder Git um den Code zu verteilen. Daher sind die Techniker/Informatiker auch im Verständnis des Sharing der Didaktik um Jahre voraus und auch in der Arbeitsweise der Kooperation.

Ähnliches gilt auch für das Corporate Working bzw. Learning, was glücklicherweise ganz langsam in den Unterrichtsalltag mittels Etherpad und Wikis Einzug hält. Auch hier geht die Schule nicht voran, sondern hinterher. Das gemeinsame Arbeiten an einem Objekt ist in der Programmierung Alltag, aber in der Lehre noch oft sehr weit entfernt. Hier könnte die Diskussion über Programmieren als zweite Fremdsprache helfen, diese geht jedoch bisher in völlig andere (falsche?) Richtungen. Programmieren wird hier meist mit coden verwechselt und nicht mit Cooperative Working/Teamarbeit und Sharing gleichgesetzt. Dazu kommen ganz andere Grundverständnisse in der semantischen Suche, Keywords oder simpler boolescher Algebra, die eigentlich jeder Outlook-Nutzer haben sollte, damit man ordentliche Filterfunktionen definieren kann.

Ich schreibe das jetzt natürlich etwas extremer auf, als es in Wirklichkeit ist und jedes einzelne Beispiel, kann man sicherlich diskutieren, was jedoch bleibt, ist die Summe und damit auch das Verständnis. In den letzten 10 Jahren wurde und wird immer noch vor der Technik gewarnt.

Es wird immer zuerst gewarnt, anstatt eine Chance zu sehen. Nicht ohne Grund werden die digitalen Angebote jedes Jahr mehr, doch statt sich der Herausforderung anzunehmen, wird sie weiterhin ignoriert oder als Sackgasse verteufelt. Es gibt immer noch viele Fakultäten in Deutschland, wo Lehramt ohne Mediendidaktik ausgebildet wird. Das bedeutet jedoch, dass diese Lehrer, wenn sie ca 2020 fertig studiert haben, niemals mit dem Internet zu tun gehabt hatten und diese Lehrer werden dann bis 2060 unterrichten und spätestens dann, wird sich das Internet auch in Schulen durchgesetzt haben :-)

Die Techniker sprechen bei einer neuen Innovation meist von “Wow ist das cool, dann kann ich ja jetzt das machen.”, die Didaktiker sagen jedoch “Das ist zwar nett, ABER …” und dann kommt ein Grund, warum man es nicht einsetzen kann.

Zum Schluss kann ich eigentlich nur aufrufen, dass die Didaktiker nicht gegen das Netz arbeiten, sondern es inzwischen als Chance sehen sollten. Auf der anderen Seite sind aber die Hochschulen aufgefordert, endlich die Technik in das Curriculum einfliessen zu lassen. Der Umgang mit dem Internet, mit Hardware, mit OER und auch mit Online Prüfungen muss vermittelt werden und ich meine hier nicht Medienkompetenz.  Das Netz muss gleichbedeutend mit dem Lehrbuch stehen, die Handschrift gleichbedeutend mit der Tastatur und Frontalunterricht mit Tafel und Kreide muss ganz verschwinden. Smartphones sind Recherche-Geräte und Übersetzungsmaschinen plus Dictionary und Videoplayer und gehören in den Schulalltag. Man verbietet keine Lexika im Unterricht, sondern man baut das WLAN aus. Die Unis müssen hier aber selbst diese Techniken in der Lehramtsausbildung nutzen und nicht nur vermitteln. Sie müssen zeigen, dass es funktioniert und wie man damit Unterricht neu gestalten kann. Bisher wurden die Chancen nicht genutzt…

 

Das O in MOOCs – über die Bedeutung freier Bildungsressourcen in frei zugänglichen Online-Kursen

Wir waren fleissig und haben kurz vor Weihnachten eine Veröffentlichung “Das O in MOOCs – über die Bedeutung freier Bildungsressourcen in frei zugänglichen Online-Kursen” bei Springer Link geschafft.

“Massive Open Online Courses (MOOCs) und Open Educational Resources (OER) sind Schlagworte der heutigen Bildungswelt. In diesem Beitrag führen wir in beide ein und erklären ihre Abhängigkeit und ihren Zusammenhang. Anhand zweier Beispiele – „oncampus an der Fachhochschule Lübeck sowie „iMooX“ von zwei Grazer Universitäten“ – werden erste Erfahrungen mit MOOCs und OER aufgezeigt. In der abschließenden Diskussion sind sowohl die Herausforderungen als auch die bereits ersichtlichen Vorteile Teil der Betrachtung. Der Beitrag schließt mit der Erkenntnis, dass OER ein wichtiger Bestandteil des Bildungssystems von morgen sind.”

Ich möchte mich hier auch noch einmal für die tolle Zusammenarbeit bei Sandra Schön, Martin Ebner und Michael Kopp bedanken. Mal schauen, ob wir damit nicht wieder einen kleinen Schritt weiter in der OER-Bewegung sind. Wer im Netz arbeitet, braucht OER und wir werden alle immer mehr im Netz arbeiten und wer nimmt sollte auch geben.

Der Ausblick 2015

Nach dem Rückblick nun der Ausblick ins Jahr 2015 und der lässt sich sehr gut in einem Wort zusammenfassen: MOOC

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Vor einem Jahr hätte ich das nie für möglich gehalten. Unser MarketingMOOC ist gerade beendet gewesen und hatte mit über 6.000 Teilnehmern eine sehr gute Beteiligung gehabt, aber das aus dieser Idee dann der HanseMOOC gekommen ist und wir dadurch dann die beiden MOOC Projekte FHLMOOC und pMOOC bekommen, hätte ich nie gedacht und das ich, diese Projekte dann auch betreue, ist das nächste kleine Wunder.

Wir werden im März mit den neuen MOOCs starten und das mit unserer neuen MOOC-Plattform MOOIN. Das wird die große Aufgabe der ersten drei Monate und wir haben mit MOOIN großes vor und ich bin gespannt, ob wir das auch schaffen werden. Parallel werden wir mit den neuen Design-Ansätzen auch unsere Moodle-Installation im August “pimpen”. Das Ziel ist endlich Moodle aus diesem Web 1.0 Schlaf aufzuwecken und es moderner zu gestalten, immerhin wackelt Canvas ganz beträchtlich am Thron des Open Source Giganten. Im Herbst kommt dann die zweite MOOC Runde mit dem schönsten MOOC-Projekt meines Lebens, da bin ich schon sehr gespannt drauf.

Wir sehen die MOOCs dabei nicht unbedingt als akademische Weiterbildung, sondern versuchen wirklich neue Projekte mit neuen Zielgruppen anzusprechen, das sieht man schon jetzt mit unserer Kooperation mit den VHS Hamburg und Bremen mit dem ichMOOC und auch unser VideoMOOC, der gerade abgedreht wurde, wendet sich an neue Zielgruppen. Parallel kommt natürlich auch der MarketingMOOC noch einmal und wird dann hoffentlich von unserem neuen Projektmanagement-MOOC begleitet.

Parallel werden die MOOC auch mit neuen Marketing-Ideen und den SocialNetworks begleitet, was die eigentliche Baustelle ist. Wie man MOOCs produziert wiessen wir, wie man sie auch erfolgreich vermarktet, müssen wir noch lernen. Inwieweit das auch meine Baustelle wird, weiss ich allerdings noch nicht, aber der YouTube-Kanal und OER werden dabei ganz wichtige Faktoren sein, und beides gehört mit zu meinen Aufgabengebieten. Man merkt jedoch jetzt schon, wie diese Themen immer enger verzahnt sind und dabei spielt die hochgelobte Didaktik, die ja angeblich immer der Grund für alles ist, nur eine normale Rolle, ich will sie aber nicht zur Nebenrolle degradieren. Man kann das aber gut mit einem Ensemble-Film vergleichen, statt einem Star-Movie, wo es nur eine Person gibt.

Die anderen großen Baustellen ist natürlich die MoodleMaharaMoot im März in Lübeck. Da stellen wir natürlich auch die MOOC-Projekte vor und es kostet sehr viel Arbeit. Ich freue mich jetzt schon auf Martin Dougiamas um mit ihm einmal über das Moodle Design, Canvas und diese App zu sprechen. Danach kommt unser jährliches VFH Symposium mit der Vorbereitung für das neue Backbone System Moodalis, was im Mai online gehen soll. Das ist das größte Projekt, was kaum einer wahrnimmt. Da arbeiten wir jetzt schon zwei Jahre dran und jetzt kommt der finale Abschluss und im August starten wir das neue Semester mit dem neuen System. Das wird richtig harte Arbeit werden.

Danach kommt natürlich unser LOOP-System wieder, wo wir vielleicht erste Partnerschaften verkünden können. LOOP ist leider 2014 nicht so sehr im Fokus gewesen, aber es läuft immer mehr und ist schon lange in Produktion. Ich denke 2015 haben wir alle Lübecker Kurse auf die neue Plattform migriert und wir können die Altlasten entsorgen.

Und ich werde dieses Jahr weiter fleissig bloggen, ich finde immer mehr Spaß an Twitter und vielleicht kommen noch ein paar interessante Vorträge. Ich will zur re:publica, die Barcamps in Kiel und Hamburg stehen fest im Kalender und falls es eine OER-Konferenz gibt, will ich da wohl auch hin. E-Learning Konferenzen sind die üblich verdächtigen im Fokus u.a. GMW und Campus Innovation und vielleicht die Online Educa und natürlich die MoodleMaharaMoot in Lübeck.

Das Jahr 2015 hört sich nach viel Arbeit an, aber es sind wirklich interessante Projekte und nach 13 Jahren E-Learning, war es noch nie so spannend wie jetzt. Ist schon komisch, dass da immer noch so viel neues drin steckt.

Mein Jahresrückblick 2014

Ganz schnell zusammengefasst: Das Jahr 2014 ist das Jahr, in dem wir digital geworden sind.

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Das hört sich zuerst etwas unverständlich an, denn wir waren schon immer digital und ich meine wir sind damit auch der einzige Anbieter von Online-Kursen, der 100% digital ist, aber im Jahr 2014 haben wir auch verstanden, was das bedeutet und wir haben es auch für uns akzeptiert. Es geht hier um ein inneres Verständnis, die sich durch viele kleine Aktionen und Ereignisse zu einem ganzen Bild zusammensetzt.

Eines der großen Puzzlestücke ist hier immer noch LOOP unsere Cloud-Plattform für den Content, man könnte auch E-Book Plattform sagen, aber inzwischen weiss ich, dass es E-Books eigentlich gar nicht gibt. Wir haben inzwischen knapp 300 LOOP Instanzen mit täglich über 60.000 Zugriffen und 10 GB Traffic. Für das nächste Jahr müssen wir das System clustern und hochverfügbar machen. LOOP ist ein riesiger Erfolg für uns und hat das Verständnis der Cloud und damit vom Internet in allen Bereichen grundlegend geändert. Inzwischen nutzen wir zig Systeme mit LOOP z.B. Prezi, YouTube, LearningApps oder Text2Speech. Was jedoch wirklich wichtig dabei war, ist das zusammenwirken von internem und externem Content und damit auch unser Verständnis, was überhaupt OER sind und welche Vorteile das Netz hat. Es geht um die Nachhaltigkeit und die Aktualität von Content, wo wir dank LOOP einen Riesensprung gemacht haben und ich meine hiermit nicht die Technik, sondern es geht um die Einstellung der Mitarbeiter, wie Content zu sehen ist. Der Content ist vernetzt, liegt in der Cloud und man arbeitet auch vernetzt und ist eigentlich nie fertig. Es gibt keine Versionsnummern mehr, denn der Content ist flüssig.

Das zweite große Puzzlestück sind die MOOCs. Ich  muss eingestehen, dass ich diesen Trend am Anfang völlig unterschätzt habe. Wir haben mit dem FHLMOOC und dem pMOOC zwei der größten MOOC-Projekte Deutschlands bekommen und wir werden in den nächsten Jahren ca. 20 MOOCs entwickeln und diese hoffentlich jeweils dreimal oder mehr anbieten. Auch bei den MOOCs geht es um mehr als nur um simple Online-Kurse, sondern mit der Öffnung der Hochschule als auch mit dem Bekenntnis, alles 100% digital zu machen und zwar ohne Blended Learning, erschliesst man ganz neue didaktische Konzepte und neue Zielgruppen. Bei den MOOCs geht es um Partnerschaften und um Kooperationen und genau das ist eine der Stärken von oncampus. Wir haben inzwischen zwei MOOCs jeweils zweimal angeboten und dabei ist unsere Abschlussquote von 3% auf inzwischen 14% gestiegen, was alleine schon zeigt, was dieses Format für ein Potential hat und wir hier noch sehr am Anfang stehen.

Mit den MOOCs sind die Videos gekommen, was wieder ein großer Baustein ist. Unser YouTube Kanal hat inzwischen eine strategische Bedeutung für uns bekommen. Wir haben dies Jahr ca. 400.000 Klicks bekommen und 1 Mio. Sendeminuten gehabt und unsere Abos nähern sich schnell der 3.000er Marke. Mit den MOOCs werden wir in den nächsten Jahren ca. 400 neue Videos erstellen und natürlich werden diese Videos auch in einer Cross-Plattform Strategie verwendet, d.h. wir nutzen sie auf der Webseite, in den Social Media Kanälen und manchmal auch in anderen Angeboten. Was aber auch hier viel wichtiger ist, es ist das Verständnis, wie man Videos nutzen kann. Da wir alle in Papier denken, ist dieser Change-Prozess unglaublich langsam und komplex. Hier sind wir einen großen Schritt weitergekommen, aber noch nicht weit genug. Im März startet wohl unser neue MOOC über Videos, also wie dreht man Videos. Das wird ganz spannend werden und wir haben natürlich dabei mit echten Profis gearbeitet und konnten auch wieder viel lernen. Ich hatte mal “Video is the new Text” gebloggt und ich denke das nach wie vor. Natürlich bleibt die Schrift das Leitmedium, aber viele Menschen können nur in Text denken und produzieren daher auch nur Text und das muss sich ändern.

Ergänzend kann man hier auch sagen, dass wir im März mit unserer neuen MOOC-Plattform MOOIN starten werden, die viele wirklich tolle neue Features haben wird und ich bin sehr gespannt, wie wir das umsetzen werden. Wenn das auch nur annähernd so klappt, wie ich mir das vorstelle, werden wir ein paar neue Ideen in die MOOC-Diskussion bringen :-) Mehr will ich da aber noch nicht verraten.

Wir haben dieses Jahr auch in unserem LINAVO Projekt die Pilotphase gestartet. Das ist zwar Tagesgeschäft aber trotzdem sind hatten wir über 1.000 Kursbelegungen in vier neuen Studiengängen und das alles mit einem neuen Backbone-System. Für uns bedeutet das, dass wir bald diese neuen Studiengänge anbieten werden und das mit neuen Partnern. Ganz schlicht gesagt, wir wachsen :-) Was mich dabei wirklich beeindruckt hat, ist die Schnelligkeit, die wir inzwischen haben. Wir haben dieses Jahr 40 neue Kurse mit jeweils 5 CPS entwickelt. Das ist pro Instructional Designer vier Kurse pro Jahr, also 3 Monate pro Kurs und da müssen noch Urlaub und Krankheit abgezogen werden. Als wir 1998 angefangen haben, haben wir pro Kurs mit ca. 12 Monaten Produktionszeit gerechnet (glaube ich). Da soll noch einer sagen die Digitalisierung macht nicht effizient und ich bin überzeugt, dass unsere Kurse didaktisch um Längen besser sind als 1998. Die Verbesserung der Produktion durch neue Datenbanken, ISO9001, LOOP und Moodle ist schon erstaunlich, aber die Technik kann nicht alles machen, das entscheidende Puzzleteil sind die Kollegen.

Wir haben inzwischen ein sehr gutes Team und wir arbeiten täglich daran es zu verbessern. Wir haben über 10 neue Kollegen bekommen und inzwischen ziehen wir auch wirklich gute Leute an. Es gibt Standards für die Einarbeitung und natürlich für die Ausstattung z.B. Tablets und zwei Monitore für alle. Viele Kollegen bilden sich weiter und machen ihren Master entweder bei uns oder bei externen. Es gilt immer das Motto, was wir vermitteln, müssen wir auch vorleben. Das gilt sowohl für das papierlose Büro, die Nutzung von Videos aber auch das Life Long Learning. All diese Punkten fließen zurück und stärken das Team. Gerade im Bildungsbereich sind die Human Resources enorm wichtig.

Viele andere Punkte vervollständigen dieses digitale Verständnis von uns, sei es unser internes Wiki, mit dem wir jetzt dreimal nacheinander ISO9001 zertifiziert wurden, wir haben eine neue Social Media Strategie, unsere Webseite wurde vor 18 Monaten relaunched.  Ich will sagen, das wir stark an uns selbst arbeiten und dadurch diesen Change Management Prozess der Digitalisierung der eigenen Firma erfolgreich umgesetzt haben, wo dran der Spiegel gerade scheitert.

Ich will natürlich nicht zu viel loben, wir haben auch unglaublich viele Baustellen und es gibt kaum einen Tag ohne Katastrophen. Das sind jedoch Probleme, die jede andere Firma mit über 50 Mitarbeitern auch hat. Das grundlegende Problem, wo alle daran arbeiten, ist jedoch das Verständnis vom Internet. Hier haben wir einen großen Schritt gemacht und ich merke es jeden Tag, wie die Räder jetzt ineinander greifen.

Das Jahr 2014 hat uns wirklich in das Internet gebracht und im Jahr 2015 werden wir schnell sein…

 

 

Sind Menschen mit Smartphone schlauer als Menschen ohne?

Und wieder begann der Gedanke bei einem Tweet.

Das ist natürlich provokant formuliert und vereinfacht alles, trotzdem steckt da viel Wahrheit drin. Die ersten Antworten waren dementsprechend auch sehr einfach:

Natürlich muss man das Smartphone auch nutzen, das ist wie das Buch unterm Kopfkissen, was auch nicht wirklich hilft beim lernen aber das Gewissen enorm beruhigt. Die richtige Frage dabei ist natürlich, was bedeutet schlau sein? Ein schlauer Mensch weiss Antworten auf Fragen oder er weiss wo es geschrieben steht und daher war dieser Tweet auch richtig schlau:

Wenn ich also Antworten beantworten kann und das ziemlich schnell, muss der andere doch denken, ich wäre schlau. Natürlich nutze ich mein Smartphone mit LTE dazu und bin dank hoher Google-Suchanfragen-Kompetenz auch unglaublich schnell beim googeln und kann daher die meisten Fragen innerhalb einer Minute ergoogeln. Das können Menschen ohne Smartphone nicht und daher, und so einfach ist das eigentlich, sind Menschen mit Smartphone schlauer als Menschen ohne.

Ist denn Schnelligkeit ein Begriff für Schlauheit?

Darüber könnte man lange diskutieren, aber auch hier ist die Antwort sehr einfach. Wir messen schon lange die Schnelligkeit in Verbindung mit der Intelligenz, sonst hätten Klausuren kein Zeitlimit. In unendlich langer Zeit, kann eigentlich jeder Probleme lösen (natürlich nur bis zu einer gewissen Komplexität). Wer Probleme schnell lösen kann, kriegt eine bessere Note bzw. mehr Geld. Man will das aber  meist nicht so simpel formulieren, denn Schnelligkeit ist so abwertend. Und daher hier auch noch einmal, wer ein Smartphone hat, ist einfach schneller. Er kann schneller Orte finden, das Wetter abfragen, Fakten suchen oder Anleitungen lesen und das bedeutet er ist schlauer. Jemand der immer einen Bücherschrank dabei hatte (früher sagte man dazu, er ist belesen), war auch schon immer schlauer, aber wenn man das zu einem Smartphone sagt, hört sich das anders an.

Und auch wenn sich das abwertend anhört, ich würde keinen einstellen, der kein Smartphone hat. Das darf ich aber beim Bewerbungsgespräch nicht fragen. Ist aber trotzdem so, denn er ist langsam…

Manche Systeme sind nicht reformierbar

Können Hochschulen überhaupt den digitalen Klimawandel überstehen? Um es kurz zu sagen, ich denke nein bzw. um es etwas abzumildern, es werden nicht alle sein. Ich vermute jedoch, dass die meisten nicht überleben und das gleiche wird auch für Schulen gelten.

Warum so radikal?

Der digitale Klimawandel erfordert Reformen und zwar in bestimmten Bereichen radikale Reformen. Man muss nur links und rechts schauen, um zu erkennen, was passieren kann, wenn man nicht schnell genug auf die Anforderungen reagiert. Man sieht die Medienindustrie, wo mit Netflix uns Spotify gerade neue Giganten entstehen, bei der Beförderung streiten sich MyTaxi und Uber um den Taxi-Nachfolger, Buchhandlungen und Reisebüros sterben werden merklich weniger und auch sichere analoge  Industrien wie Automobile oder Lautsprecher müssen sich vor Tesla und Sonos in acht nehmen. Kennt noch jemand Nokia, Neckarmann und Quelle? Selbst Globetrotter, die wirklich fast alles richtig gemacht haben, müssen aufgeben, da sie alleine zu klein sind und man erinnert sich an Märklin und Löwe.

Das sind auf die schnelle wirklich viele Beispiele, doch interessant sind die neuen Player am Markt, die nicht auf Kompromisse setzen. Tesla hat keinen Hybrid-Antrieb und Sonos keine Kabel sondern Apps und WLAN. Immer musste etwas Neues enstehen, denn die alten Player waren nicht fähig sich zu ändern. In der Wirtschaft gehen diese Firmen entweder pleite, fusionieren oder werden aufgekauft aber was passiert bei staatlichen Systemen?

Hochschulen sind nur begrenzt reformfierbar. Die Strukturen sind konservativ, die Belegschaft überaltert und vor allem gibt es keinen Druck der Änderung. Hochschulen hängen am Tropf des Staates und werden daher immer funktionieren?

Nachtrag: Was auf die Schulen/Hochschulen in vielleicht 3-5 Jahren erwartet, erlebt heute schon die Zeitungsindustrie. Wolfgang Blau beschriebt die Probleme perfekt:

und Richard Gutjahr greift in seinem Blog den gleichen Faden auf “Sei der Erste oder sei der Beste – alles dazwischen braucht kein Mensch!”

Stimmt das jedoch wirklich?

Ich bin schon lange überzeugt, dass der digitale Tsunami keine Hörsäle in analogen Hochschulen überflüssig macht, aber es wird neben der alten löchrigen Landstraße Hochschulbildung ein neuer Highway entstehen, der parallel gebaut wird und wo es wirklich radikal neue technische und didaktische Angebote gibt. Was wird denn passieren, wenn Eltern oder Studierende plötzlich die Wahl haben, zwischen einer analogen Schule mit Kreidetafel und Schulbüchern mit Frontalunterricht oder Schulklassen mit Kleingruppen, Tablets und individuellen Lernwegen basierend auf Learning Analytics Daten. Die Schüler haben immer Zugriff auf Bibliotheken, Apps und Lehrfilme und können jederzeit Tutoren virtuell fragen oder in Präsenz gehen. Schulpläne sind natürlich auf die Arbeitszeiten  der Eltern abgestimmt und jeder Schüler ist mit Lehrern, Eltern, Mitschülern und Tutoren vernetzt. Wenn das alles dann 200,- pro Kind im Monat kostet, können sich das leider nur reichere Familien leisten, aber das ist halt Marktwirtschaft und garantiert ist der Unterricht effektiver für beide Seiten.

Diese Lösungen sind natürlich heute noch Utopie, aber wie lange noch? Wann werden sie kommen? Ich vermute das wird 5-10 Jahre dauern, aber Schulen werden in 5 Jahren sicherlich immer noch kein WLAN haben aber Kinder Tablets nur nicht in der Schule. Pädagogen werden immer noch sagen, dass es nicht um Technik geht sondern um Kompetenzen und werden kleinere Klassen und mehr Geld fordern. Die Frage wird dann sein, ob der Staat diese Systeme weiter am Leben erhalten wird und ich bin überzeugt, dass es so sein wird (siehe Kohlepfennig und Werften). Der Markt wird jedoch auf die neuen Angebote schwenken, wo natürlich auch die besseren Lehrer hingehen. Das Alte kann sich nicht ändern, es muss etwas Neues entstehen, da der Wechsel viel zu schnell und viel zu radikal ist, als das staatliche Systeme mitmachen könnten.

 

E-Books bedeuten weit mehr als digital lesen

Innovation kann man nicht per Umfrage ermitteln. Hätte man 2007 gefragt, ob man ein Handy mit Tasten oder eines mit Glas besser finden würde, hätte mit Sicherheit die Tastatur gewonnen. Menschen stimmen in der Mehrheit immer gegen den Wandel. Das Potential der Innovation erschliesst sich erst aus dem Lauf der Geschichte.
Relevanz von Services und Lernmedien im Fernstudium (Quelle IUBH - Trendstudie)

Relevanz von Services und Lernmedien im Fernstudium (Quelle IUBH – Trendstudie)

Wenn man jetzt also Studierende oder auch Schüler fragt, ob sie lieber mit Papier oder mit E-Books lernen wollen, antwortet natürlich die Mehrheit, dass sie beim Bekannten Medium bleiben wollen. Das Neue ist unbekannt, fremd und man empfindet eine natürliche Unsicherheit. Eine Umfrage ist daher sehr selten dafür geeignet um einen Wechsel einzuleiten, das gleiche gilt übrigens auch für unsere geliebte Demokratie, die dadurch immer einen Reformstau hat, was aber ein anderes Thema ist.

Hype Cycle oder Innovationskurve

Hype Cycle oder Innovationskurve

Wenn etwas neues eingeführt wird, kommen die Early Adaptor, die auf alles aufspringen, danach wird es jedoch erst interessant, wenn die ersten Enttäuschungen kommen,  und der Hype vorbei ist. Meiner Meinung nach befinden wir uns bei der Einführung des E-Books jedoch schon in der Endphase, dem “Plateau of Productivity”, wobei ich den Begriff des E-Books hier einmal viel weiter fassen will, als es die meisten machen. Im Grunde gibt es sogar keine richtige Definition für E-Books aber auch das ist ein anderes Thema. Was ich meine, ist die Digitalisierung des Textes und das hat weit mehr Auswirkungen, als nur Texte auf einem elektronischem Gerät zu konsumieren.

Es war mal wieder eine dieser Twitter-Diskussionen, wo man mehr denkt, als man schreiben kann. Das ist ja das schöne an Twitter. Der entscheidende Tweet war dabei für mich, der auch wieder von mir war :-)

Man kann die Vorteile von E-Books schnell technisch darstellen. Sie sind schneller aktualisierbar, skalierbar, portabel. Es gibt keine Lagerkosten, die Distribution ist schnell und natürlich kann man sie interaktiv, multimedial und durchsuchbar machen. Es geht jedoch bei der Einführung von E-Books um mehr als nur um digitale Dokumente. Es geht um eine Lebenseinstellung oder besser ausgedrückt um eine Arbeitseinstellung. In der zukünftigen Arbeitswelt sind neue Arbeitsweisen gefordert. Heutzutage ist Team-Arbeit gefordert. Man arbeitet flexibel in verschiedenen Gruppen und an verschiedenen Orten. Die Hochschulen reagieren darauf und stellen die Bachelor-Studiengänge auf Kompetenzorientierung um, wo genau diese Fertigkeiten vermittelt werden sollen. Aber wie werden diese Fertigkeiten praktisch vermittelt? Gibt es ein Fach im Studium Gruppenarbeit und Flexibilität? Natürlich nicht, denn das sind Querschnittskompetenzen, die fächerübergreifend überall vermittelt als auch erwartet werden.

Wie arbeitet man aber heutzutage?

Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich da immer nur Anekdoten erzählen. Vor kurzem haben wir eine Pressemitteilung mit drei Partnern verfasst. Gearbeitet wurde dabei in der digitalen Steinzeit, sprich man hat zwar digital geschrieben aber der Workflow war wie bei Papier. Der erste verfasst eine Rohversion, verschickt diese per E-Mail (immerhin als Word und nicht als PDF) und die anderen haben dann ihre Änderungen eingepflegt. Dadurch sind dann natürlich mehrere Versionen entstanden und am Ende musste einer leiden und diese Versionen zusammensetzen. Hätte man Dropbox genutzt, wäre das Leid kleiner gewesen aber gut wäre es trotzdem nicht geworden. Ich hatte gleich GDrive vorgeschlagen, aber da kaum einer einen bösen Google-Account hat bzw. niemals für die Arbeit nutzen würde, war das natürlich unmöglich. Am Ende war dann auch noch die Version, die von sechs Leuten Korrektur gelesen wurde, immer noch mit Fehlern überhäuft. Trotz aller Fehler bei diesem Workflow und trotz der viel besseren Technik (Cloud), wird das nicht genutzt. Warum?

Die Lösung ist ganz einfach, denn die Systeme werden praktisch nicht gelebt. Wie soll das auch geschehen, denn alle haben in ihrem Studium bzw. in ihrem ganzen Leben nur analoge Medien kennengelernt bzw. sie haben digitale Kopien der analogen Welt bekommen. Alle Prozesse sind immer noch analog, d.h. es wird seriell gearbeitet statt parallel. Man kann digitale Workflows auch nicht lernen, man muss sie leben.

Das Gegenbeispiel erlebe ich fast täglich bei uns im Online-Studium. Hier wird alles digital gemacht aber es gibt kein Extra-Fach “Medienkompetenz”. Die Cloud ist Alltag, sei es LOOP, Etherpad oder Skype und GDrive (wobei die letzten beiden Systeme gar nicht von der Hochschule angeboten werden, sie sind aber permanent im Alltag des Studierenden vorhanden). Gruppenaufgaben werden per Connect mit Headset und parallel am Laptop im GDrive bearbeitet. Nicht selten arbeiten 2-4 Leute gemeinsam am Dokument. Mir kommt das manchmal so vor, wie bei einem koordinierten Angriff bei World of Warcraft mit Teamspeak. Der eine schreibt die Einleitung, der andere kopiert die Arbeitsergebnisse ins finale Dokument, der dritte layoutet alles und der vierte macht Kopf- und Fußzeilen.

Was ich damit sagen will, und worauf es immer wieder hinausläuft, man muss diese Techniken vorleben und das bedeutet alle müssen das machen. Mit allen meine ich die Profs, die Verwaltung der Hochschule und die Sekretariate. Nur im täglichen Leben, lernt man diese Arbeitsweisen und diese digitalen Workflows sind unglaublich wichtig für die Zukunft, denn sie bedeuten Effektivität. Ich bin überzeugt, dass wir bei oncampus sicherlich um 10-30% effektiver arbeiten, als andere E-Learning Organisationen. Telearbeit, Webkonferenzen, GDrive, Etherpads, Tablets, Ressourcenmanagement, Ticketsysteme und natürlich Skype sind bei uns Alltag. LOOP hat bei uns Maßstäbe gesetzt und das nicht nur in den Workflows, sondern auch im Verständnis der Kollegen. Wie bindet man OER-Inhalte aus YouTube, Prezi, Slideshare und Co ein? Wir machen das täglich und dazu alles auch noch in ASCII-Wiki-Syntax und teilweise mit TeX-Notation.

In der analogen Hochschule fehlt dieses Vorleben jedoch. Studierende sehen alles analog, treffen sich auch analog in Bibliotheken und verbringen dann auch noch Zeit in Autos um dort hinzufahren. Vielleicht verschicken sie sogar Doc-Files mit Änderungsmodus, denn sie wissen nicht was sie tun.

Das ist auch der Grund, warum diese Ansätze wie Print on Demand nicht funktionieren. Da wird immer noch analog gedacht, obwohl die Zukunft digital sein wird und daher völlig andere Kompetenzen erwartet. Wer heute noch mit Papier studiert, wird genau die gleichen Probleme kriegen, wie die heutigen 50jährigen Sekretärinnen, die mit Outlook auf Kriegsfuß stehen, das sie noch nicht einmal auf der Schreibmaschine ausgebildet wurden. Sie haben kein Verständnis für Office und wir bilden Menschen aus, die dann später mit Mobilgeräten und der Spracherkennung nicht umgehen können und nicht kollaborativ in der Cloud arbeiten können.

Das traurige jedoch an der ganzen Geschichte ist, dass bestimmt kein einziger Student an der VFH das bewusst wahr nimmt. Für die meisten ist das Alltag und selbstverständlich, dass sie jedoch, dank der konsequenten Umsetzung des vollen digitalen Studiums, noch eine Menge Kompetenzen mitnehmen, die sie bestimmt in den nächsten 10-15 Jahren im täglichen Beruf anwenden können, das ist den meisten gar nicht bewusst. Und im Gegenzug sucht sich bestimmt auch kein Student seinen Studienort nach dem Digitalisierungsgrad der Hochschule aus. Das ist bei keinem Ranking erwähnenswert und dabei ist es meiner Meinung nach, so unglaublich wichtig.

Update:

Oder wie es Anja Lorenz mit einem Meme treffend zeigt.

 

5 1/2 Jahre Webkonferenzen – eine Erfolgsgeschichte

Schon lange nicht mehr über Adobe Connect und meine Statistiken gebloggt. Ich liebe Webkonferenzen und denke nach wie vor, dass die Nutzung von Connect sich proportional zur Qualität der digitalen Lehre verhält. Natürlich werden jetzt wieder einige rufen “Nein das kann man so nicht sagen. Es kommt auf den Inhalt an und das didaktische Konzept. Eine Webkonferenz darf nicht aus sich selbst heraus stattfinden.” Dabei frage ich mich dann immer, wer darauf kommt, dass man das überhaupt macht und falls es so ist, wieso wird diese Frage nicht bei Präsenzvorlesungen gestellt :-)

Connect ist eine ständige Weiterentwicklung mit vielen vielen kleinen Schritten und es war ein langer Prozess, um da zu stehen, wo wir jetzt sind. Über fünf Jahre ist der Start jetzt her und naiv wie wir waren, dachten wir bei der Einführung des Systems, dass wir nur Schulungen anbieten müssten, damit die Profs das System nutzen. Zwei Jahre später haben wir dann gemerkt, dass kein Mensch Connect freiwillig nutzt und vor allem kommen keine Profs zu Schulungen. Wir haben dann aufgegeben Profs zu schulen und parallel angefangen die Erstis zu schulen. Die Idee kam sogar von einem anderen Standort (ich glaube Emden war es) und ich habe das dann später Grassroot-Effekt genannt. Der Erfolg war ganz klar zu sehen und es war der erste kleine Schritt zum Erfolg (neben dieser Statistik um überhaupt Kennzahlen zu haben, damit man erkennt, dass etwas schief läuft).

Adobe Connect Nutzungsstatistik

Adobe Connect Nutzungsstatistik

Ein Jahr später haben wir die Trainingsräume eingeführt, d.h. jeder Moodle Kurs hat zwei Connect-Räume. In einem hat der Dozent die Rechte als Veranstalter und in dem anderen sind alle Moderatoren. Ich persönlich hätte nie gedacht, dass diese sogenannten Trainingsräume je genutzt werden, aber da hatte ich mächtig unrecht. Insgesamt machen diese Trainingsräume ca. 20% des Gesamt-Traffics aus und ich habe bis heute nicht verstanden, wofür die überhaupt genutzt werden. Meine Vermutung ist immer noch, dass etliche Profs ihre Vorlesungen lieber dort machen, da sie zu dumm sind, die Rechte manuell zu vergeben. Ich hoffe ich habe unrecht und daher will ich das auch gar nicht wissen. Die Wahrheit kann manchmal bitter sein.

Wir haben dann langsam begriffen, dass man Nutzern größtmögliche Rechte einräumen muss, damit sie Systeme überhaupt nutzen. Zuerst alles freigeben und dann evtl. sukzessive sperren. Alle anderen Hochschulen, die ich kenne, machen es immer noch andersrum und wundern sich über fehlende Akzeptanz. Dabei muss man sich nur einmal selbst beobachten. Niemand testet eine Funktion ein zweites mal, wenn beim ersten mal eine Meldung kommt: “Sie haben keine Rechte für diese Funktion.”. Das ist aber noch schwer, wenn man mit Externen redet. Immer erst mal alles verbieten und wenn man 10 Nutzer hat, gleich über Geschäftsmodelle nachdenken, anstatt sich über neue Nutzer zu freuen.

Als letzte Stufe haben wir dann bei den neuen Kursen für den BWL-Master und die neuen Kurse aus dem LINAVO-Projekt Webkonferenzen als Pflichtteil eines Kurses im didaktischen Konzept festgelegt. Wenn man dies bei der Einführung schon als Fakt festlegt und nicht zur Diskussion stellt, gibt es später erstaunlicherweise ganz wenig Diskussion über die Nutzung. Eine der ganz vielen Erfahrungen aus fünf Jahren Webkonferenz-Nutzung und der simplen Erkenntnis: “Kommunikation kann nicht schlecht sein. Denn jede Kommunikation ist besser als gar keine zu haben.” Inzwischen haben unsere neuen  Kurse alle eine ähnliche Entwicklungsrichtung. Sie alle haben immer weniger Präsenzanteil, teilweise sogar Null, wenn die Prüfungsform keine Klausur ist. Andersrum steigt die Webkonferenznutzung enorm. Wir haben Studienprogramme, wo Studierende monatlich knapp 20 Stunden durchschnittlich Connect nutzen. Ich habe dabei immer mehr das Gefühl, dass die Zukunft des E-Learning in einer nicht geahnten Radikalität der Digitalisierung liegt. Selbst wir gehen dabei noch nicht weit genug und ich sehe auch die MOOCs als eine Bestätigung dieser extremen Form. Diese halbherzigen Lösungen, z.B. das Blended Learning kann  nur eine Fortführung alter Ansätze sein. Etwas Neues wird hier nicht enstehen. Aber haben wir nicht jetzt die Möglichkeit etwas Neues zu schaffen und wir schauen eigentlich immer nach hinten, um nicht alle zu verlieren. Man braucht diese Abwärtskompatibilität, denn zu viel Veränderung überfordert den Anwender. Dabei wird meist nur ein Anwender überfordert und das ist der Dozent.

Rückblickend muss ich sagen, dass Connect mich immer noch erstaunt und ich mächtig Stolz auf die Wachstumskurve bin. Wir haben natürlich auch unglaublich viele Probleme, die ich jetzt aber nicht berichten will:-) Ich freue mich über die durchbrochene Schallmauer von 10.000 Nutzungsstunden und wir planen jetzt schon die nächsten Schritte. Eine neue Evaluation, das Update auf Connect 9.4 und natürlich die Einbindung in unsere MOOC-Plattform MOOIN. Letzte Woche haben wir eine  neue Statistik entwickelt, die uns endlich die größten Aufzeichnungen ausgibt, mit erstaunlichen Ergebnissen. Hätte man je geahnt, dass jemand Connect-Sessions hat, die 1,6 GB groß sind? Das sind locker 5-6 Stunden Nonstop Connect und das kommt nicht nur einmal vor. Leider denken viele, dass Speicherplatz nichts kostet, stimmt aber nicht bei einer Hochschule. Das gilt eher für Google, Microsoft und Co. Unsere Festplatten kosten richtig Geld.