E-Books bedeuten weit mehr als digital lesen

Innovation kann man nicht per Umfrage ermitteln. Hätte man 2007 gefragt, ob man ein Handy mit Tasten oder eines mit Glas besser finden würde, hätte mit Sicherheit die Tastatur gewonnen. Menschen stimmen in der Mehrheit immer gegen den Wandel. Das Potential der Innovation erschliesst sich erst aus dem Lauf der Geschichte.
Relevanz von Services und Lernmedien im Fernstudium (Quelle IUBH - Trendstudie)

Relevanz von Services und Lernmedien im Fernstudium (Quelle IUBH – Trendstudie)

Wenn man jetzt also Studierende oder auch Schüler fragt, ob sie lieber mit Papier oder mit E-Books lernen wollen, antwortet natürlich die Mehrheit, dass sie beim Bekannten Medium bleiben wollen. Das Neue ist unbekannt, fremd und man empfindet eine natürliche Unsicherheit. Eine Umfrage ist daher sehr selten dafür geeignet um einen Wechsel einzuleiten, das gleiche gilt übrigens auch für unsere geliebte Demokratie, die dadurch immer einen Reformstau hat, was aber ein anderes Thema ist.

Hype Cycle oder Innovationskurve

Hype Cycle oder Innovationskurve

Wenn etwas neues eingeführt wird, kommen die Early Adaptor, die auf alles aufspringen, danach wird es jedoch erst interessant, wenn die ersten Enttäuschungen kommen,  und der Hype vorbei ist. Meiner Meinung nach befinden wir uns bei der Einführung des E-Books jedoch schon in der Endphase, dem “Plateau of Productivity”, wobei ich den Begriff des E-Books hier einmal viel weiter fassen will, als es die meisten machen. Im Grunde gibt es sogar keine richtige Definition für E-Books aber auch das ist ein anderes Thema. Was ich meine, ist die Digitalisierung des Textes und das hat weit mehr Auswirkungen, als nur Texte auf einem elektronischem Gerät zu konsumieren.

Es war mal wieder eine dieser Twitter-Diskussionen, wo man mehr denkt, als man schreiben kann. Das ist ja das schöne an Twitter. Der entscheidende Tweet war dabei für mich, der auch wieder von mir war :-)

Man kann die Vorteile von E-Books schnell technisch darstellen. Sie sind schneller aktualisierbar, skalierbar, portabel. Es gibt keine Lagerkosten, die Distribution ist schnell und natürlich kann man sie interaktiv, multimedial und durchsuchbar machen. Es geht jedoch bei der Einführung von E-Books um mehr als nur um digitale Dokumente. Es geht um eine Lebenseinstellung oder besser ausgedrückt um eine Arbeitseinstellung. In der zukünftigen Arbeitswelt sind neue Arbeitsweisen gefordert. Heutzutage ist Team-Arbeit gefordert. Man arbeitet flexibel in verschiedenen Gruppen und an verschiedenen Orten. Die Hochschulen reagieren darauf und stellen die Bachelor-Studiengänge auf Kompetenzorientierung um, wo genau diese Fertigkeiten vermittelt werden sollen. Aber wie werden diese Fertigkeiten praktisch vermittelt? Gibt es ein Fach im Studium Gruppenarbeit und Flexibilität? Natürlich nicht, denn das sind Querschnittskompetenzen, die fächerübergreifend überall vermittelt als auch erwartet werden.

Wie arbeitet man aber heutzutage?

Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich da immer nur Anekdoten erzählen. Vor kurzem haben wir eine Pressemitteilung mit drei Partnern verfasst. Gearbeitet wurde dabei in der digitalen Steinzeit, sprich man hat zwar digital geschrieben aber der Workflow war wie bei Papier. Der erste verfasst eine Rohversion, verschickt diese per E-Mail (immerhin als Word und nicht als PDF) und die anderen haben dann ihre Änderungen eingepflegt. Dadurch sind dann natürlich mehrere Versionen entstanden und am Ende musste einer leiden und diese Versionen zusammensetzen. Hätte man Dropbox genutzt, wäre das Leid kleiner gewesen aber gut wäre es trotzdem nicht geworden. Ich hatte gleich GDrive vorgeschlagen, aber da kaum einer einen bösen Google-Account hat bzw. niemals für die Arbeit nutzen würde, war das natürlich unmöglich. Am Ende war dann auch noch die Version, die von sechs Leuten Korrektur gelesen wurde, immer noch mit Fehlern überhäuft. Trotz aller Fehler bei diesem Workflow und trotz der viel besseren Technik (Cloud), wird das nicht genutzt. Warum?

Die Lösung ist ganz einfach, denn die Systeme werden praktisch nicht gelebt. Wie soll das auch geschehen, denn alle haben in ihrem Studium bzw. in ihrem ganzen Leben nur analoge Medien kennengelernt bzw. sie haben digitale Kopien der analogen Welt bekommen. Alle Prozesse sind immer noch analog, d.h. es wird seriell gearbeitet statt parallel. Man kann digitale Workflows auch nicht lernen, man muss sie leben.

Das Gegenbeispiel erlebe ich fast täglich bei uns im Online-Studium. Hier wird alles digital gemacht aber es gibt kein Extra-Fach “Medienkompetenz”. Die Cloud ist Alltag, sei es LOOP, Etherpad oder Skype und GDrive (wobei die letzten beiden Systeme gar nicht von der Hochschule angeboten werden, sie sind aber permanent im Alltag des Studierenden vorhanden). Gruppenaufgaben werden per Connect mit Headset und parallel am Laptop im GDrive bearbeitet. Nicht selten arbeiten 2-4 Leute gemeinsam am Dokument. Mir kommt das manchmal so vor, wie bei einem koordinierten Angriff bei World of Warcraft mit Teamspeak. Der eine schreibt die Einleitung, der andere kopiert die Arbeitsergebnisse ins finale Dokument, der dritte layoutet alles und der vierte macht Kopf- und Fußzeilen.

Was ich damit sagen will, und worauf es immer wieder hinausläuft, man muss diese Techniken vorleben und das bedeutet alle müssen das machen. Mit allen meine ich die Profs, die Verwaltung der Hochschule und die Sekretariate. Nur im täglichen Leben, lernt man diese Arbeitsweisen und diese digitalen Workflows sind unglaublich wichtig für die Zukunft, denn sie bedeuten Effektivität. Ich bin überzeugt, dass wir bei oncampus sicherlich um 10-30% effektiver arbeiten, als andere E-Learning Organisationen. Telearbeit, Webkonferenzen, GDrive, Etherpads, Tablets, Ressourcenmanagement, Ticketsysteme und natürlich Skype sind bei uns Alltag. LOOP hat bei uns Maßstäbe gesetzt und das nicht nur in den Workflows, sondern auch im Verständnis der Kollegen. Wie bindet man OER-Inhalte aus YouTube, Prezi, Slideshare und Co ein? Wir machen das täglich und dazu alles auch noch in ASCII-Wiki-Syntax und teilweise mit TeX-Notation.

In der analogen Hochschule fehlt dieses Vorleben jedoch. Studierende sehen alles analog, treffen sich auch analog in Bibliotheken und verbringen dann auch noch Zeit in Autos um dort hinzufahren. Vielleicht verschicken sie sogar Doc-Files mit Änderungsmodus, denn sie wissen nicht was sie tun.

Das ist auch der Grund, warum diese Ansätze wie Print on Demand nicht funktionieren. Da wird immer noch analog gedacht, obwohl die Zukunft digital sein wird und daher völlig andere Kompetenzen erwartet. Wer heute noch mit Papier studiert, wird genau die gleichen Probleme kriegen, wie die heutigen 50jährigen Sekretärinnen, die mit Outlook auf Kriegsfuß stehen, das sie noch nicht einmal auf der Schreibmaschine ausgebildet wurden. Sie haben kein Verständnis für Office und wir bilden Menschen aus, die dann später mit Mobilgeräten und der Spracherkennung nicht umgehen können und nicht kollaborativ in der Cloud arbeiten können.

Das traurige jedoch an der ganzen Geschichte ist, dass bestimmt kein einziger Student an der VFH das bewusst wahr nimmt. Für die meisten ist das Alltag und selbstverständlich, dass sie jedoch, dank der konsequenten Umsetzung des vollen digitalen Studiums, noch eine Menge Kompetenzen mitnehmen, die sie bestimmt in den nächsten 10-15 Jahren im täglichen Beruf anwenden können, das ist den meisten gar nicht bewusst. Und im Gegenzug sucht sich bestimmt auch kein Student seinen Studienort nach dem Digitalisierungsgrad der Hochschule aus. Das ist bei keinem Ranking erwähnenswert und dabei ist es meiner Meinung nach, so unglaublich wichtig.

Update:

Oder wie es Anja Lorenz mit einem Meme treffend zeigt.

 

5 1/2 Jahre Webkonferenzen – eine Erfolgsgeschichte

Schon lange nicht mehr über Adobe Connect und meine Statistiken gebloggt. Ich liebe Webkonferenzen und denke nach wie vor, dass die Nutzung von Connect sich proportional zur Qualität der digitalen Lehre verhält. Natürlich werden jetzt wieder einige rufen “Nein das kann man so nicht sagen. Es kommt auf den Inhalt an und das didaktische Konzept. Eine Webkonferenz darf nicht aus sich selbst heraus stattfinden.” Dabei frage ich mich dann immer, wer darauf kommt, dass man das überhaupt macht und falls es so ist, wieso wird diese Frage nicht bei Präsenzvorlesungen gestellt :-)

Connect ist eine ständige Weiterentwicklung mit vielen vielen kleinen Schritten und es war ein langer Prozess, um da zu stehen, wo wir jetzt sind. Über fünf Jahre ist der Start jetzt her und naiv wie wir waren, dachten wir bei der Einführung des Systems, dass wir nur Schulungen anbieten müssten, damit die Profs das System nutzen. Zwei Jahre später haben wir dann gemerkt, dass kein Mensch Connect freiwillig nutzt und vor allem kommen keine Profs zu Schulungen. Wir haben dann aufgegeben Profs zu schulen und parallel angefangen die Erstis zu schulen. Die Idee kam sogar von einem anderen Standort (ich glaube Emden war es) und ich habe das dann später Grassroot-Effekt genannt. Der Erfolg war ganz klar zu sehen und es war der erste kleine Schritt zum Erfolg (neben dieser Statistik um überhaupt Kennzahlen zu haben, damit man erkennt, dass etwas schief läuft).

Adobe Connect Nutzungsstatistik

Adobe Connect Nutzungsstatistik

Ein Jahr später haben wir die Trainingsräume eingeführt, d.h. jeder Moodle Kurs hat zwei Connect-Räume. In einem hat der Dozent die Rechte als Veranstalter und in dem anderen sind alle Moderatoren. Ich persönlich hätte nie gedacht, dass diese sogenannten Trainingsräume je genutzt werden, aber da hatte ich mächtig unrecht. Insgesamt machen diese Trainingsräume ca. 20% des Gesamt-Traffics aus und ich habe bis heute nicht verstanden, wofür die überhaupt genutzt werden. Meine Vermutung ist immer noch, dass etliche Profs ihre Vorlesungen lieber dort machen, da sie zu dumm sind, die Rechte manuell zu vergeben. Ich hoffe ich habe unrecht und daher will ich das auch gar nicht wissen. Die Wahrheit kann manchmal bitter sein.

Wir haben dann langsam begriffen, dass man Nutzern größtmögliche Rechte einräumen muss, damit sie Systeme überhaupt nutzen. Zuerst alles freigeben und dann evtl. sukzessive sperren. Alle anderen Hochschulen, die ich kenne, machen es immer noch andersrum und wundern sich über fehlende Akzeptanz. Dabei muss man sich nur einmal selbst beobachten. Niemand testet eine Funktion ein zweites mal, wenn beim ersten mal eine Meldung kommt: “Sie haben keine Rechte für diese Funktion.”. Das ist aber noch schwer, wenn man mit Externen redet. Immer erst mal alles verbieten und wenn man 10 Nutzer hat, gleich über Geschäftsmodelle nachdenken, anstatt sich über neue Nutzer zu freuen.

Als letzte Stufe haben wir dann bei den neuen Kursen für den BWL-Master und die neuen Kurse aus dem LINAVO-Projekt Webkonferenzen als Pflichtteil eines Kurses im didaktischen Konzept festgelegt. Wenn man dies bei der Einführung schon als Fakt festlegt und nicht zur Diskussion stellt, gibt es später erstaunlicherweise ganz wenig Diskussion über die Nutzung. Eine der ganz vielen Erfahrungen aus fünf Jahren Webkonferenz-Nutzung und der simplen Erkenntnis: “Kommunikation kann nicht schlecht sein. Denn jede Kommunikation ist besser als gar keine zu haben.” Inzwischen haben unsere neuen  Kurse alle eine ähnliche Entwicklungsrichtung. Sie alle haben immer weniger Präsenzanteil, teilweise sogar Null, wenn die Prüfungsform keine Klausur ist. Andersrum steigt die Webkonferenznutzung enorm. Wir haben Studienprogramme, wo Studierende monatlich knapp 20 Stunden durchschnittlich Connect nutzen. Ich habe dabei immer mehr das Gefühl, dass die Zukunft des E-Learning in einer nicht geahnten Radikalität der Digitalisierung liegt. Selbst wir gehen dabei noch nicht weit genug und ich sehe auch die MOOCs als eine Bestätigung dieser extremen Form. Diese halbherzigen Lösungen, z.B. das Blended Learning kann  nur eine Fortführung alter Ansätze sein. Etwas Neues wird hier nicht enstehen. Aber haben wir nicht jetzt die Möglichkeit etwas Neues zu schaffen und wir schauen eigentlich immer nach hinten, um nicht alle zu verlieren. Man braucht diese Abwärtskompatibilität, denn zu viel Veränderung überfordert den Anwender. Dabei wird meist nur ein Anwender überfordert und das ist der Dozent.

Rückblickend muss ich sagen, dass Connect mich immer noch erstaunt und ich mächtig Stolz auf die Wachstumskurve bin. Wir haben natürlich auch unglaublich viele Probleme, die ich jetzt aber nicht berichten will:-) Ich freue mich über die durchbrochene Schallmauer von 10.000 Nutzungsstunden und wir planen jetzt schon die nächsten Schritte. Eine neue Evaluation, das Update auf Connect 9.4 und natürlich die Einbindung in unsere MOOC-Plattform MOOIN. Letzte Woche haben wir eine  neue Statistik entwickelt, die uns endlich die größten Aufzeichnungen ausgibt, mit erstaunlichen Ergebnissen. Hätte man je geahnt, dass jemand Connect-Sessions hat, die 1,6 GB groß sind? Das sind locker 5-6 Stunden Nonstop Connect und das kommt nicht nur einmal vor. Leider denken viele, dass Speicherplatz nichts kostet, stimmt aber nicht bei einer Hochschule. Das gilt eher für Google, Microsoft und Co. Unsere Festplatten kosten richtig Geld.

 

Mein erstes Barcamp Hamburg

Was hab ich mich auf dieses Barcamp gefreut. Seit fünf Jahren geh ich jetzt auf Barcamps und ich liebe das Format. Meist war ich in Kiel und dann haben ja auch Konferenzen, wie die GMW das Format entdeckt, was aber noch nicht so richtig funktioniert. Merkt man aber erst, wenn man bei einem “richtigen” Barcamp war. Hamburg soll ja so ein richtiges noch sein, hab ich irgendwo gelesen und finde den Link nicht mehr. Inzwischen habe ich schon selbst ein kleines organisiert und wer weiss, was noch alles kommen wird.

2014-11-08 09.43.27

Wenn man von der Hochschule kommt, ist man auf nem Barcamp allein. Ich hab keine Ahnung warum coole und richtig inhaltlich hochwertige Konferenzen, wie Barcamps aber auch die re:publica oder der CCC  von den E-Learning-Experten ignoriert wird. Wenn man mal wirklich verstehen will, wie dieses Netz funktioniert, muss man solche Camps mitmachen. Leider kriegt man für eine gehaltene Session keine Veröffentlichung in der Vita und daher ist das auch für Akademiker eher wertlos, macht aber Spaß :-)

Zu den Sessions will ich gar nicht so viel schreiben, dass haben viele andere, sehr viel besser gemacht. Meine Highlights war natürlich der Porno (muss man dabei gewesen sein), natürlich die Twitterwall beim Gewinnspiel (hey man schaltet keine Twitterwalls ab), 165 Social Media Tools in 40 Minuten und die Weinverkostung (ups das darf ich bestimmt nicht schreiben). Insgesamt waren die Sessions sehr hochwertig. Ich hatte gefühlt bei 70% was gelernt, bei anderen Konferenzen nehme ich gefühlt nur 20% mit.

Was mir besonders gefallen hat, waren diese kleinen Selbstverständlichkeiten, oft nur in Nebensätzen gesprochen, aber für jemanden aus der Hochschule, der seit Jahren für die Digitalisierung kämpft, ist das Balsam auf der Seele. Bei den Marketing Sessions werden Papierkampagnen völlig ignoriert “Papier ist tot, darauf muss ich jetzt nicht eingehen, oder?” oder ein 14jähriger erzählt  “Ich konnte den Browser-Cache löschen, bevor ich schreiben konnte.” und Fotos werden geposted ohne Einverständniserklärungen zu verhandeln (macht euch einen No-Foto-Button aufs Shirt und keine Kinder knipsen ohne Mama zu fragen.).

BarCamp-Hamburg-Top-5-Tweets

Die Vielfalt der Session fand ich auch sehr gut, obwohl Social Media echt trendig war und Verlage sterben eben. Aber auch Rapsberry Pi war da (Hardware war trotzdem wenig), Filme (HSV und Serienjunkies) aber auch Essen und trinken (Rittersport, Craftbeer, Weinverkostung) wurden vorgetragen. Auf Barcamps gibt es halt echte Bandbreite. Trotzdem waren am zweiten Tag noch ein paar freie Slots zu finden. Redner werden seltener, ist aber bei anderen Konferenzen auch so. Guten Inhalte gibt es auch auf YouTube.

Was mich jedoch wirklich zum nachdenken brachte, war diese unglaubliche Schnelligkeit der Internet-Themen und wie hochwertig sie teilweise waren. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie eine Hochschule Themen wie SEO, Social Media, Responsive Webdesign oder YouTube-Videos vermitteln will. Bevor auch nur eine eine Vorlesung gehalten wird, müssen die Inhalte diskutiert, abgestimmt und akkreditiert werden. Da vergehen oft Jahre und dann ist da nichts mehr aktuell. Ganz zu schweigen von den Dozenten, die oft 30 Jahre auf dem Lehrstuhl sitzen und so flexibel sind, wie ein Betonmischer im Schrebergarten. Wenn die Barcamp-Besucher jedoch nicht in Hochschulen ausgebildet werden können, warum sind die alle so gut? Wir nennen das Phänomen inzwischen EduPunks bzw DIY-Attitude und all diese Leute haben das Life Long Learning für sich akzeptiert, weil es gar nicht anders geht. Ständig lesen, linken, vernetzen und austauschen und kollaborieren und das am liebsten per Twitter oder anderen Webtools. Ich denke, es ist vermessen als Hochschule, das wir diese Inhalte vermitteln könnten. Natürlich werden jetzt einige sagen, wir vermitteln doch Kompetenzen und zeigen genau, wie man sich diese Sachen selbst beibringt, frei nach dem Motto: “Gib einem Hungernden einen Fisch und er hat Nahrung für einen Tag. Zeigst du ihm jedoch wie man fischt, wird er nie wieder hungern.”. Die Wahrheit sieht aber anders aus, denn eine Institution, wie eine Hochschule lässt das gar nicht zu. Wir haben weder eine digitale Verwaltung (da macht man sich in der Szene wirklich lächerlich, am besten noch Skripte ausdrucken und per Post verschicken, wie viele Fernanbieter es immer noch machen) noch haben wir Menschen, die das unterrichten könnten. Man verliert dann auch die Autorität, wenn die Studis besser informiert sind, schneller arbeiten und vor allem besser vernetzt sind, als die Institution. Warum sollte denn ein Student einem Prof zuhören, wenn der immer noch mit Kreide schreibt, kein Smartphone hat und seine E-Mails nur einmal die Woche abruft. Das muss auch vorgelebt werden und da mangelt es ganz erheblich, obwohl auch wir junge Profs haben.

Zum Schluss kann ich auch nur einmal noch sagen, wie toll das alles war und natürlich viele Dank an die Sponsoren und die tolle Organisation und das leckere Essen und das leckere Bier.

 

 

Was wäre eigentlich, wenn Roboter an der Uni studieren?

Ich bin durch den SPON Artikel auf diese Idee gekommen, denn wenn es Roboter schon schaffen Aufnahmeprüfungen von Unis zu bestehen, dann haben sie formal eine Zugangsberechtigung und was würde denn dann passieren?

Es gibt auf den ersten Blick nur Vorteile. Die Profs haben endlich die Studierenden, die sie sich wünschen. Alle wären pünktlich und es gibt keine Störungen im Unterricht mehr. Keiner geht auf Klo, keine Smartphones bimmeln oder brummen, Essen und Getränke verschwinden auch und Laptops mit diesen komischen Tastatur-Geräuschen gehören auch der Vergangenheit an.

Der Unterricht wird viel effizienter da auch die Aufmerksamkeit nicht nachlässt. Rückmeldungen kann man laut dem Bericht auch sehr gut über den Monitor dem Lehrenden zeigen und sogar durch Farben sehr viel deutlicher unterstützen. Wenn alle Monitor grün sind, ist der Lernfortschritt und die Geschwindigkeit in Ordnung bei orange oder rot, muss der Dozent reagieren. Feedback Systeme mit Smartphones werden auch gerade entwickelt und erforscht, mit diesen neuen Studierenden, geht es viel besser.

Die Pädagogen freuen sich auch, denn endlich kann der Prof keine simplen Aufgaben mehr entwerfen. Auswendig lernen würde entfallen, auch stupides Abfragen von Wissen oder Wiederholungen entfallen. Der Prof muss endlich Kompetenzen vermitteln und keine reproduzierbares Wissen, denn wer könnte schneller solche Aufgaben lösen, als Roboter. Die Qualität der Lehre steigt also, denn der Prof muss sich endlich bemühen, gute Aufgaben zu entwickeln und die Studis Roboter entsprechend fordern. Er muss sich auch ständig neue Aufgaben ausdenken und er erhält unmittelbar Feedback. Und im Austausch erhält er fast perfekte Studierende, denn die Roboter werden Termine einhalten, Aufgaben entweder pünktlich oder nie einreichen und es gibt auch keine Ausreden mehr.

Das Problem des Medienbruchs verschwindet auch. Roboter brauchen keine analogen Skripte aus Papier. Könnte man natürlich machen, aber dank Texterkennung würde dies irgendwie absurd werden. Hier könnte natürlich ein Problem bestehen, wenn der Prof weiterhin mit einer Tafel und Kreide arbeiten will. Dann müssten die Roboter Studis die Tafel scannen und als Text übersetzen, aber das wird ja heute auch schon so gemacht. Alle Studis schreiben ab und versuchen das Geschriebene zu verarbeiten. Daher gibt es hier vielleicht keine Verbesserungen, aber definitiv keine Verschlechterungen.

Aber es gibt noch viel mehr Vorteile, denn man bräuchte keine Mensa mehr, die Druckereien könnten zu machen aber die Bibliotheken bräuchten mehr E-Books. Es gibt auch keine Probleme mit unleserlicher Schrift oder verspäteten Abgaben. Natürlich kann der eine oder andere Studi Roboter auch einen Virus bekommen oder einen Wartungsintervall haben, aber das war bisher ja auch so. Hörsäle müssten allerdings barrierefrei sein, sehr viele Steckdosen haben und natürlich mit WLAN ausgestattet sein. Das sind aber kleine Zusatzkosten, wenn man das Einsparpotential da gegenrechnet.

Natürlich kann man das noch weiterspinnen, denn eigentlich müssten die Roboter Studis gar nicht mehr in den Hörsaal gehen fahren, ein HD Livestream würde wahrscheinlich viel effizienter sein, aber wir wissen ja auch aus der hundertjährigen Tradition der Lehre, dass Hörsäle notwendig sind. Hier finden Rituale statt, man will das Gemeinschaftserlebnis geniessen, es gibt diesen Gruppenzwang und der Prof will ja auch nicht vor leeren Sitzen stehen.

Umso mehr man darüber nachdenkt, umso mehr Vorteile ergeben sich. Es gibt eigentlich nur Gewinner. Die Studis Roboter, die Profs, die Didaktik, der Hausmeister, das Dekanat und vor allem das Ministerium. Die Druckerei und die Mensa werden jedoch nicht glücklich sein.

Jetzt könnte man natürlich sagen, das Roboter nicht eigenständig denken können und wir mehr gute Leute brauchen. Das stimmt natürlich, aber 90% der Hochschulabsolventen, werden auch zukünftig nicht innovativ arbeiten. Die Welt braucht  nicht Millionen Steve Jobs oder Stephen Hawkings sondern nur einen. Die wirklich guten Leute brauchen auch keine Unis, denn die haben das Internet und die Fähigkeit sich selbst weiterzubilden. Die Gesellschaft braucht aber gute ausgebildete Bachelors/Master Roboter.

 

Warum ich Blended Learning nicht mag

Eigentlich hätte ich diesen Artikel schon vor 5 Jahren schreiben müssen. In der digitalen Strategie funktionieren keine Kompromisse. Wir versuchen aber immer Kompromisse zu machen, doch der Kompromiss ist immer ein Verlust auf beiden Seiten. Vor allem ist er meist sehr ineffizient, da man immer Altlasten mit herumschleppen muss. Ein klassisches Beispiel ist der Printbereich, und das gilt sowohl für Hochschulen als auch für die Verlagsbranche. Wenn ich Inhalte herstelle, die weiterhin analog funktionieren sollen, darf ich weder Videos, Interaktivität oder Simulationen nutzen, da sie auf Papier nicht funktionieren. Printverlage und Hochschulen haben daher beschlossen, immer noch Papier als Leitmedium zu nutzen, immer mit der Aussage “Nicht jeder hat einen Laptop und wir dürfen niemanden verlieren.”. Doch langweilige PDFs funktionieren nicht mehr auf den Laptops und min. 95% aller Studenten (außer Lehramtstudis) haben Laptops. Von der Aktualisierung von Studienbriefen, der Distribution, Druckkosten will ich noch gar nicht sprechen. Printverlage haben daher zwei Redaktionen, doch selbst das funktioniert nicht. Man muss radikal neue Wege gehen und konsequent auf ein Medium setzen, wie z.B. die Huffington Post. Nur dann sinken die Produktionskosten und man hat genug Kapital um die IT-Abteilung auszubauen.

Das Blended Learning ist ähnlich fauler Kompromiss. Wir machen nur etwas “E” beim Learning, denn nicht jeder hat die Hardware um auch Animationen und Videos abspielen zu können. Herausgekommen sind dann die Nachteile beider Welten. Lernräume verkommen zu veralteten PDF-Schleudern, die nicht mehr als Link-Listen sind (Dropbox könnte man da auch nutzen). Die Lernmaterialien sind teilweise eingescannte Artikel oder statische PDFs. Unterricht wird genau so gemacht, wie vor 100 Jahren. Neue richtige digitale Konzepte werden ignoriert. Jeder muss immer noch zu EINEM Ort kommen, alle lernen mit der GLEICHEN Geschwindigkeit und erhalten die SELBEN Materialien. Das ist Blended Learning. Online könnte man flexible Systeme für individuelle Förderungen entwickeln, die ALLE nutzen könnten. Dazu müsste  man aber gewaltig IT einsetzen, also nicht einen PC Raum und mit viel Glück WLAN. Nein man bräuchte ein überregionales IT-Zentrum, was zentral Server, Lernräume und Apps entwickelt und ein Webkonferenzsystem anbietet, eine Wikifarm hat und eine E-Book Bibliothek unterhält. Das kann keine Institution alleine machen. Hier bräuchte man 200-400 Leute, die wirklich gute Sachen machen, die dann zentral angeboten werden. Das ist das Internet und da funktioniert kein Föderalismus.

Kompromisse haben selten Vorteile, man hat meist nicht den Mut den Weg radikal zu gehen, damit man alle mitnehmen möchte. Das funktioniert aber nicht, was man z.B. beim Smartphone gesehen hat. Das war keine Kompromisslösung mit großem Bildschirm und einer Tastatur, nein die Tastatur wurde weggelassen und das war der Erfolg. Das gleiche beim Elektro-Auto. Hybrid Fahrzeuge sind zwar schön, aber richtig funktionieren können sie nie, denn mit den beiden Antrieben sind sie zu schwer. Tesla macht es richtig und setzt konsequent auf den Elektro-Antrieb und wird damit Riesenerfolg haben. Google bietet seinen Kunden weder Telefonnummer noch Support an, nur Foren werden betreut. Das ist konsequent und erfolgreich. Amazon hat keine lokalen Geschäfte und ist der größte Händler der Welt.

Alle erfolgreichen Lösungen sind radikal und gehen wenig Kompromisse ein. Man muss den Wechsel konsequent durchführen, sonst stirbt man, siehe Nokia, Kodac oder Karstadt.

Das ist der Grund, warum ich immer sage, dass wir “richtiges” E-Learning machen. Alles ist digital und alles ist online und inzwischen ist auch fast alles in der Cloud. Ich hab vor kurzem geschrieben, wo denn diese MOOC Revolution wäre? Sie ist ganz einfach in der hundertprozentigen Digitalität, denn MOOCs verzichten auf das Blended Learning und erreichen damit plötzlich 100 Millionen Nutzer, statt nur Menschen in einem Umkreis von 30 km. Durch diese neuen Konzepte, werden radikale neue Angebote entstehen die alle konsequent auf das Digitale setzen und irgendwann hunderte von Entwicklern haben, um so richtig coole Lösungen zu entwickeln. Das müssen aber dann richtig große Firmen sein und davon braucht es inzwischen nicht mehr viele auf der Welt. Das Internet konzentriert die Angebote, aber das muss so sein, sonst stimmt die Qualität nicht.

 

 

 

MoodleMaharaMoot 2015 in Lübeck

 

MoodleMaharaMoot

Manche kennen sie noch nicht. Die Moodlemoot 2015 findet in Lübeck statt und ich darf sie organisieren. Die Moodlemoot richtet sich an alle E-Learning Interessierte, die irgendwie was mit Moodle zu tun haben und inzwischen auch mit dem E-Portfolio System Mahara. Moodle ist eines der weltweit erfolgreichsten Learning Management Systeme neben Blackboard und Canvas. Die in Deutschland weit verbreiteten Systeme StudIP und Ilias spielen international keine Rolle.

Google Trends Abfrage von Moodle, Blackboard, Canvas, StudIP und Ilias

Google Trends Abfrage von Moodle, Blackboard, Canvas, StudIP und Ilias

Das interessante an Moodle ist natürlich, dass es Open Source ist. Daher ist die sehr Verbreitung vor allem im schulischen Bereich zu erklären. Universitäten haben Geld und Rechenzentren und daher nutzen sie meist auch Enterprise Systeme wie Blackboard, Olat oder auch Ilias. Deutschland bzw. DACH ist ein sehr besonderer LMS Markt, denn wir haben sehr viele eigene Lösungen, wie Ilias, StudIp, Clix, Olat aber auch Moodle.

Wir bei oncampus und der VFH haben eine sehr lange LMS Geschichte. Wir waren der erste Blackboard Kunde Deutschlands, das war 1998 und wir haben dann zwei Jahre Sakai getestet (das war mein Job und das waren tolle Dienstreisen in die USA) und sind dann als eine der ersten deutschen Hochschulen mit einem Moodle-Produktivsystem online gegangen. Ich glaube das war im Jahr 2005 mit ganz vielen Diskussionen, ob man überhauot Open Source nehmen kann. Mein Spruch dazu war: “Lieber eine deutsche Adminstelle schaffen, als eine amerikanische Lizenz kaufen”.

Inzwischen sind wir Moodle Profis und hosten ca. 20 Moodle-Installationen für ca. 35.000 Nutzer. Wir haben zig Erweiterungen programmiert u.a. für Evasys, AdobeConnect, GoogleMaps, Teacher of the Year und andere Umfragen. Wir testen verschiedene Themes, entwickeln MobilSkins, haben unser Autorentool LOOP angebunden und der neueste Coup ist unsere MOOC-Plattform MOOIN, wo unser erster HanseMOOC drauf lief.

Die Moodlemoot ist da natürlich eine herrliche Gelegenheit der Community einmal zu zeigen, was wir alles machen. Ich versuche daher viele Kollegen zu überzeugen, einige Vorträge bei der Moot einzureichen. Wir wollen etwas über MOOIN und LOOP zeigen, aber auch unsere Erfahrungen bei den Badges und in der kompetenzorientierten Kursentwicklung weitergeben. Natürlich werden unsere MOOC Projekte eine große Rolle spielen und ganz viel Multimedia mit Videos, wo wir sogar einen Workshop anbieten.

Wer noch einen Vortrag einreichen will, ist herzlich willkommen und natürlich ist unsere wunderschöne Stadt immer eine Reise wert. Wir bieten sogar eine Stadtführung an und es gibt zum ersten mal Konferenz-Shirts mit allen Rednern auf dem Rücken. Das wird bestimmt ein Kassenschlager :-)

Entwurf Konferenzshirts MootDE15 mit Rednerliste auf dem Rücken

Entwurf Konferenzshirts MootDE15 mit Rednerliste auf dem Rücken

Wir arbeiten mit Hochdruck an der Organisation und ich merke jeden Tag, das keiner Zeit hat. Trotzdem bin ich überzeugt, dass wir da was ganz tolles organisieren und es sollen bis zu 300 Teilnehmer kommen und wer kann von sich schon behaupten zwei LMS Konferenzen organisiert zu haben. Sakai und Moodle stehen jetzt in meiner Vita und ich bin ja noch jung, was kommt als nächstes?

 

 

Gamification, Badges und machen, Machen, MACHEN

Man muss machen, dann analysieren und reflektieren und dann wieder machen und so geht es weiter. Heute durfte ich bei ununi.TV ein paar Worte über Gamification und Badges erzählen. Ich denke die Session war wirklich interessant, wobei aber drei Redner und eine gute Moderatorin den Zeitrahmen von 30 Minuten immer sprengen :-)

Im Nachgang habe ich dann noch einige Kommentare auf Twitter gelesen und mir hat das von meinem Mitredner Roman Rackwitz gefallen:

Bei der Diskussion kam wieder das ewige ABER ins Gespräch, denn man muss ja beim Lernen ALLE mitnehmen und wenn man bestimmte Personen lobt/hervorhebt (Highscore-Liste, Badges, Awards), so könnten andere auf der Strecke bleiben. Das kann natürlich in Teilbereichen stimmen, aber das kann nicht der Grund sein, keine Badges oder andere Belohnungs-Systeme einzuführen. Ich bin überzeugt, dass Badges für die meisten Personen ein Anreiz sind. Badges funktionieren seit Jahrhunderten, ob es der Orden beim Militär, Mitarbeiter des Monats in Franchise-Unternehmen, die Medaille im Sport, Platinplatte in der Musik oder der Oscar im Film ist. Alles könnte man auf Badges bzw. öffentliche Anerkennung reduzieren und der Mensch fühlt sich geschmeichelt. Natürlich funktioniert ein Badge nicht von sich heraus, aber meistens kann man sagen: es funktioniert mit Badges besser als ohne.

Das was ich jedoch eigentlich sagen will ist, dass bei jedem Versuch bzw. Experiment ein anderes Ergebnis herauskommt, als das, was man erwartet hat. Im Interview habe ich kurz unseren “Teacher of the Year” Award erwähnt, den wir seit vier Jahren verleihen.

Das Beispiel wurde leider sehr schnell als Marketing-Instrument heruntergestuft. Das ist aber nur ein sehr kleiner Aspekt bei der Idee, denn Awards/Badges können auch als Filter gesehen werden. Das habe ich jedoch erst sehr viel später erkannt. Ich weiss nicht einmal mehr, was der erste Gedanke des Awards war. Fakt ist, dass wir durch den Award wissen, wer E-Learning bei uns wirklich gut macht. Wir können dank der “Teacher of the Year”-Wahl Dozenten gezielt ansprechen, um neue Systeme, neue Tools, neue Konzepte auszuprobieren und zu evaluieren. Wir haben dadurch einen Filter geschaffen, der es uns ermöglicht “mit Überzeugten zu arbeiten”. Gerade im E-Learning Bereich hat man oft die größten Probleme, die Beteiligten von den Vorteilen der Digitalisierung zu überzeugen. Das sollte aber gar nicht Gegenstand des Projekts sein, sondern man will meist viel mehr machen, z.B. MOOCs, E-Portfolios oder OER.

Das ist nur ein Beispiel, wie aus einer Idee, hier der Award, etwas ganz neues entsteht, was man nicht erwartet hat. Das passiert durch ausprobieren, also durchs MACHEN. Man kann zwar viel theoretisch erarbeiten, aber nichts ist wertvoller als die Praxis. Ich vermute sogar, dass es ohne diesen Award bei uns immer noch kein LOOP, kein Intro-Videos der Dozenten und sicherlich auch keine Badges beim HanseMOOC gäbe. Ergebnisse und Zusammenhänge ergeben sich immer wieder neu und die Erfahrung bringt das gesamte Team weiter und jedesmal steigt auch die Kompetenz und damit auch die Akzeptanz im Team. In der VFH brauchen wir uns inzwischen keine Gedanken mehr darüber machen, ob man Badges einführt, sondern seit einem Jahr nutzen wir sie einfach im Alltag. Veranstalten wir Workshops oder Seminare, erhalten alle Teilnehmer in den nächsten Tagen ein Teilnahme-Badge. Bei Fortbildungen, werden nicht nur Zertifikate erstellt, sondern auch Badges und natürlich gibt es auch Gewinnspiele, z.B. das WM-Tippspiel, bei dem die Sieger keine iPads, sondern Badges erhielten.

Funktioniert jetzt unser E-Learning damit besser? Um ehrlich zu sein, ich habe nicht die geringste Ahnung bzw. keine Spur eines Beweises. Ich weiss aber, dass durch diese Experimente die digitale Kompetenz und vor allem Akzeptanz im ganzen Verbund gewachsen ist und wir den digitalen Shift inzwischen vollzogen haben. Durch den Umkehrschluss, die Steigerung der  digitale Kompetenzen im Team, profitiert natürlich auch der Kunde/Student davon. Die Ergebnisse von solchen Experimenten sind oft nur indirekt und daher ganz selten messbar. Was schlussendlich bleibt, ist das Konzept des Machens, da immer was anderes herauskommt, als erwartet.

 

Wo ist denn jetzt diese MOOC-Revolution?

Es sind ja immer diese kleinen Sätze auf Twitter oder woanders, die mir immer zu denken geben. Diesmal wurde der von mir sehr geschätzte Jörn Loviscach erwählt, mit der schönen Headline „Bisher ist nicht zu erkennen, dass die Hörsäle in Deutschland durch digitale Formate zukünftig leer stehen“ aus dem lesenswerten Interview auf “Digital ist“. Was erwarten wir denn und besser erhoffen wir denn von der digitalen Revolution? Werden wir alle durch Roboter ersetzt,  wie all die Musiker? Wer wurde denn bisher alles ersetzt? Schauen wir uns mal um. Dank der Digitalisierung gibt es jetzt keine Musik mehr, denn es gibt nur noch Raubkopien und alle Musiker sind damit den Hungertod gestorben.

Dann ist die Filmindustrie gestorben, deren Umsätze drastisch eingebrochen sind. Es gibt keine großen Blockbuster mehr oder erinnert sich jemand an aufwendige Comic- oder Buchverfilmungen in den letzten Jahren mit Budgets jenseits der 200 Mio. Dollar Marke?

 

Weltweiter Umsatz der Filmindustrie

Weltweiter Umsatz der Filmindustrie

 

Und als nächstes wird die Buchindustrie vernichtet werden. Buchhandlungen sind schon jetzt Geisterstädte und morgens in der Bahn lesen alle mit Kindle E-Books aus dem freien Kindle Markt oder alte Klassiker. Neuerscheinungen gibt es so gut wie gar nicht mehr.

Und was kommt als nächstes?

Natürlich die Hochschulen! Hörsäle werden genauso leer sein, wie die Buchhandlungen. Studis werden sich die Vorlesungen auf YouTube anschauen und brauchen keine Betreuung mehr und die Klausuren werden von Automaten korrigiert. Schöne neue Welt!

Nein so wird die digitale Bildungsrevolution bestimmt nicht verlaufen. Die Revolution verläuft versteckt im dunklen und im kleinen. Wie Heinz Wittenbrink in seinem Blog korrekt geschrieben hat, sollte  man eher eine Subversion erwarten. Die Hörsäle werden nicht von heute auf morgen leerer werden, es werden neue Konzepte umgesetzt und neue innovative digitale Zusatzangebote entstehen. Die gab es vorher einfach nicht, denn wer konnte schon früher online studieren? Wir haben an der FH Lübeck inzwischen knapp 12% Online Studis und die Jade Hochschule hat imho sogar 20%. Da ist kein Hörsaal leerer geworden, sondern der Hörsaal wird jetzt auch FR Abend und am SA genutzt, da das berufsbegleitende Angebote sind mit neuen Zielgruppen. Selbst die Fernuni Hagen, die wahrlich keine guten digitalen Angebote im Portfolio hat, kann nicht von fallender Nachfrage sprechen.

Schaut man sich einmal die Zahlen der Film- und Musikindustrie genauer an, so wird sogar das Gegenteil passieren. Durch die neuen Angebote, wie E-Lectures, MOOCs und OER, werden völlig neue Zielgruppen sehr viel breiter, intensiver und schneller angesprochen und sehr wahrscheinlich werden die Hörsäle dadurch voller, statt leerer werden. Die Hochschulen machen hier genau den gleichen Fehler, wie die Medienindustrie und verflucht den Wandel. Will man jedoch aus der Vergangenheit lernen, so erkennt man den Wachstum. So war die meist raubkopierte Serie der Welt “Game of Thrones” auch die mit Abstand meist verkaufte DVD der Welt.

Für die Bildung kann das bedeuten, dass die Dozenten oder Unis mit den besten digitalen Angeboten auch die meisten und besten Studierenden bekommen. Hier sollte man also die Chance sehen und nicht das Misstrauen. Wir können dies auch mit unserem “Grundlagen des Marketing” MOOC bestätigen, wo wir und auch unser Prof. Opresnik sehr viel positive Resonanz bekommen haben und wir neue Projekte u.a. pMOOC mit 1,3 Mio. Förderung erhalten konnten. Wir betreiben seit 13 Jahren mit der Virtuellen Fachhochschule Online-Fernstudiengänge und keine der beteiligten 10 Hochschulen hat weniger Studierende in der Präsenzlehre bekommen, sondern es ist immer das Gegenteil passiert. Allerdings kämpfen wir noch heute mit diesen Vorurteilen, dass digitale Angebote die alten Angebote ersetzen würden. Das wird nicht passieren, aber wir wachsen überdurchschnittlich. MOOCs werden diesen Trend eher stärken als schwächen, was wir sicherlich in 5 Jahren beweisen können :-)

Natürlich müssen die Etablierten sich bewegen und durch die Digitalisierung und vor allem durch die Transparenz und damit der Vergleichbarkeit der Angebote, wird sich Qualität durchsetzen. Nicht ohne Grund hat ein Jörn Loviscach 15 Mio. Klicks auf YouTube und Christian Spannagel hat mehrere Tausend Teilnehmer in seinem MatheMOOC. Diese Experten können fesselnde Vorlesungen machen, spielen mit den Inhalten und haben dadurch eine Art von Edutainment geschaffen, was die Jugend von heute haben will. Frontalunterricht mit schlechten Folien sollte der Vergangenheit angehören, aber zum Glück gibt es noch die Anwesenheitspflicht, die geschickt in der Prüfungsordnung verankert, die Dozenten vor der Qualität bzw. den leeren Hörsälen schützt.

Ähnlich wie in der Musikindustrien und den Streaming Diensten werden die Konsumenten die Lager wechseln. Sie gehen weg vom alten Angebot, der CD und gehen zum flexibleren Streaming-Angebot der Flatrate. Die Künstler bleiben, aber richtig gut wird es nur den Guten gehen und das werden weniger. Dieser Prozess wird aber in der Bildung noch Jahre brauchen und MOOCs sind auch keine disruptive Technologie, sondern ein ergänzendes Angebot um neue Zielgruppen zu erreichen und die große Frage dabei wird nicht die Leerung der Hörsäle sein, sondern die Erschliessung neuer Zielgruppen. Fragt sich dabei bloss, ob Hochschulen die perfekten MOOC-Anbieter sind, oder ob das Angebot doch mehr niederschwellig sein könnte.

Das Scheitern von OER oder auch nicht?

Mit diesem Artikel tu ich mir selbst weh, denn ich bin seit Jahren ein gnadenloser Verfechter von den Open Educational Ressources (OER) und habe selbst in etlichen OER Projekten aktiv mitgewirkt u.a. L3T, Schulbuch-O-Mat, Wikimedia Wissenspreis, dem MarketingMOOC und natürlich unsere LOOP-Plattform, wo wir auch den kompletten 5 CPS Kurs Computerarchitektur und Betriebssysteme unter der CC-BY Lizenz veröffentlicht haben. All diese Materialien wurden online gestellt und frei zum Remix gegeben und ich will mal alles aufzählen was damit gemacht worden ist, wo alles remixed und verbessert wurde und wer sich alles bedankt hat.

GÄHNENDE STILLE

Ja das ist quasi die traurige Wahrheit, denn eigentlich ist wirklich nichts Nennenswertes passiert. Natürlich haben wir(ich) Ruhm und Ehre erhalten, z.B. auf YouTube hat unsere OER-Reihe über 300.000 Klicks erhalten und das L3T 2.0 Buch hat 85.000 Downloads (das erste unglaubliche 280.000) aber wer hat denn mitgeholfen das Material nachhaltig zu verbessern oder wenigstens zu aktualisieren?

Leider muss man sagen, dass hinter jedem Projekt ein paar glorreiche Einzelkämpfer stecken, die ich immer gerne Jedi-Ritter nenne. Und diese Jedis machen quasi 90% der Arbeit allein. Es gibt eigentlich nur zwei Projekte weltweit, wo das Arbeiten der Massen funktioniert, nämlich die Wikipedia oder Open Street Map. Alle anderen Projekte haben zu kleine Massen um eine nachhaltige Community am Leben zu erhalten und auch diese Communities benötigen Hilfe um am Leben zu bleiben.

Früher dachte ich, naiv wie ich war, man müsste eigentlich nur mit einer Idee in die Crowd gehen und es entsteht etwas grossartiges und dies wird immer besser sein, als mein einzelnes Werk. Inzwischen weiss ich, dass aus der Community ohne Betreuung und Ansporn und vor allem ohne Führung gar nichts entsteht. Dann hab ich gedacht, man könne mit einem Werk z.B. einem Buch oder einem Wiki in die Community gehen und es würde wenigstens aktualisiert werden. Aber auch das passiert nicht, was man z.B. bei L3T sehen kann oder auch beim Schulbuch-O-Maten oder auch bei uns in der Virtuellen Fachhochschule. Was war die Angst groß, als wir die ersten LOOPs eingeführt haben und jeder dachte, gib den Studierenden bloss keine Schreibrechte. Keiner wird es schaffen, die ganzen Änderungen zu kontrollieren und da hat auch niemand Zeit für. Wir dürfen auf gar keinem Fall Studis Schreibrechte und wenn überhaupt, dann nur mit einem Kontrollsystem, sonst  schreiben die das ganze Skript um und niemand könne dann die wissenschaftliche Qualität garantieren.

Was dann passiert, ist sehr traurig, denn niemand hat irgendwas verbessert. Die paar Edits, die überhaupt passiert sind, haben sich ausschliesslich auf Rechtschreibfehler bezogen und ich hab von eine inhaltliche Änderung mitbekommen. Fakt ist, niemand ändert ein offenes Werk ohne Belohnung. Ich bin inzwischen überzeugt, dass wir all unsere Materialien frei ns Netz stellen könnten und niemand würde irgendwas machen. Aus der Crowd heraus ind intrinsisch motiviert, passiert fast gar nichts, auch wenn es jeden Tag tausende YouTube Videos über Katzen im Netz gibt.

Aber die Hoffnung stirbt ja zuletzt. Ein positives Beispiel ist mir diese Woche passiert. Wir haben für den neuen HanseMOOC doch tatsächlich 10 fantastische Quizzes bei LearningApps.org entdecken können. Die waren frei verfügbar und wir konnten sie ohne großen Aufwand in unseren Kurs als Embedded-Elements einbauen. Das ist wirklich einmal ein Highlight in meiner lange OER Karriere, die mich positiv überrascht hat und davon gibt es natürlich immer mehr, z.B. bei iTunesU oder auch bei Pixabay. Trotzdem bin ich immer noch davon überzeugt, dass große Werke, wie z.B. ein MOOC, ein Buch oder eine E-Lecture nicht aus dem Nichts kommen kann, sondern immer einer Förderung bedarf. Wir stehen gesellschaftlich noch ganz am Anfang und wenn ich ein Schulbuch-Verlag wäre, hätte ich vor OER wirklich keine Angst. Das begreift man aber erst, wenn man selber einmal OER gemacht hat und versteht, was für eine Arbeit das in Wirklichkeit ist.

PS Draft Version – Rechtschreibfehler dürft ihr behalten :-)

Und der erste Eindruck zählt doch – das Auge lernt mit

Es war nur Anekdote und doch hat sie mich erinnert, dass der oberflächliche Eindruck viel(?) wichtiger ist, als das beste didaktische Konzept. Es war mal wieder eines der vielen Gesprächen, als ich mal wieder auf den “Grundlagen des Marketing” MOOC angesprochen worden bin. Die Videos sind aber doch ganz schön mau und was richtig neues steckt da auch nicht hinter. Einfach ein Prof, der vor der Leinwand steht, typisch MOOC und E-Learning 1.0.

Natürlich lass ich diese Kritik nicht so einfach gelten, denn zum einen variieren die 22 Videos. Einmal steht der Redner vor einer Greenscreen, das andere mal sitzt er am Schreibtisch. Manchmal werden die Slides mit Bemerkungen durch ein Tablet bearbeitet und das andere mal als Fullscreen eingeblendet. Viele Videos sind also anders aufgenommen worden, aber das sieht man erst auf den zweiten Blick, wenn man es denn sehen will. Doch durch das Preview-Bild, und da gebe ich den Kritikern recht, hat man den Eindruck einer frontalen Vorlesung, die nur abgefilmt ist. Aber was wäre daran schlecht, denn es kommt doch auf die Inhalte an #Ironie. Ja und was soll ich sagen, der erste Teil wurde bisher 10.000 mal aufgerufen und hat 36 positive und Null negative Bewertungen auf YouTube. Insgesamt hat der MarketingMOOC mit über 80% eine sehr hohe Zufriedenheit bei der Evaluation erhalten. Alle Zahlen und alle Ergebnisse und auch alle Umfragen geben uns überwiegend positives Feedback, aber er steht nur vor der Leinwand und fliegt nicht wie Superheld durch die Gegend und wir wollten ihn auch nicht per Greenscreen in Mordor filmen. Natürlich ist der Kurs nicht perfekt und wir erhalten auch sehr viele negative Anmerkungen, doch der Grundtenor ist sehr positiv.

Zum Vergleich können wir uns einmal den sehr positiv kritisierten HanseMOOC anschauen.

Viele Profis sagen mir hier, das ist ein sehr schön gefilmter MOOC mit vielen Orten also unterschiedliche Location und mit einer begeisterten Moderatorin. Das freut uns nicht nur sondern das stimmt auch alles, aber zählt denn auch hier nicht der Inhalt? Ich habe das Gefühl, hier wird die Verpackung mehr gelobt, als der Inhalt. Viele haben sich die Videos gar nicht angeschaut, sondern (nach Nachfragen) wird mir dann gesagt, sie hätten nur die Playlist mit den Preview Bildern gesehen. Was ich hier eigentlich darstellen will ist, dass der erste visuelle Eindruck weit mehr zählt, als viele immer denken. Das Auge lernt mit. Nicht nur die Inhalte müssen stimmen, nein der Lernraum muss schön gestylt sein und die Videos müssen nicht nur gut aufgenommen sein, nein es müssen auch verschiedene Locations sein, es muss ein Schnitt vorkommen (also  min. zwei Kameras) und der Ton muss natürlich einwandfrei (unterschätzt den Ton nicht!). Wenn man das berücksichtigt, sind auch die Kritiker beeindruckt, die sowieso alle keine Zeit haben, um den MOOC wirklich anzuschauen :-)