Geschafft – Das erste Barcamp Lübeck

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An einem Barcamp teilzunehmen ist eine wundervolle Geschichte, eines zu organisieren eine andere. Nachdem Kiel schon sieben Jahre ein Barcamp hat und Flensburg und St. Peter-Ording letztes Jahr gestartet sind, war Lübeck dieses Jahr quasi überfällig. Letztes Wochenende lief nun endlich das erste Lübecker Barcamp und ich will jetzt einmal etwas hinter die Kulissen blicken.

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Warum haben wir das überhaupt gemacht?

Weil Lübeck als zweitgrößte Stadt mit fast 10.000 Studenten und drei Hochschulen das Potential für ein Barcamp hat und die Stadt eine bessere Sichtbarkeit der Digitalisierung dringend benötigt. Lübeck hat auch richtig gute IT-Firmen, viele Web-Agenturen, Medien und wir haben als eine der ersten Städte ein Co-Working-Space. Leider schlummert das alles unvernetzt einfach vor sich hin und das sollte geändert werden. Die Idee schwebte schon länger durch den Raum und ich glaube, damals im KoKi bei der Filmvorführung „Digital Nomads“ hat es den Anstoß gegeben (obwohl ich jetzt ne fünf Jahre alte Mail bekommen hab, dass wir 2011 schon was machen wollten, will man heute gar nicht mehr wissen). Danach ging es plötzlich ganz schnell und wir hatten ein Kernteam von knapp 10 Leuten und haben losgelegt.

Der Ort

Auch mit wenig Geld hat Lübeck etliche Locations, wo man ein Barcamp machen könnte. Es gibt die Hochschulen, VHS, etliche normale Schulen, die Mediadocks, Museen, die Gemeinnützige und das Cloudsters. Wir waren uns aber sehr schnell über den Ort einig und der Zeitpunkt mit dem ersten Weihnachtsmarkt-Wochenende war auch schnell gefunden, denn mit einem Reeperbahn-Bummel, wie beim Hamburger Barcamp, können wir nun wirklich nicht konkurrieren.

Das Geld

Sponsoren finden ist das A&O bei einem Barcamp. Wir hatten dies Jahr doppelt Glück, denn dank meiner Silicon Valley Reise, hatte ich gerade ein gutes Netzwerk kennengelernt und die Landesregierung fördert in Schleswig-Holstein dank der Digitalen Agenda ganz offiziell Barcamps. Damit hatten wir schon mal etwas Geld und konnten loslegen. Anderen Barcamps, wie Hamburg, geht gerade das Geld aus. Daher haben wir beim Konzept gleich daran gedacht, die Sponsoren in den Mittelpunkt zu rücken, da wir langfristige (typisch hanseatisch) Kontakte pflegen wollen. Lübeck ist übrigens eine Stadt mit einer der höchsten Stiftungsdichte Deutschlands, trotzdem konnten wir nicht eine gewinnen. Sei es drum, man fängt trotzdem ohne Finanzierung an alles zu recherchieren und zu mieten und zu planen und hofft dann auf Geld. So geht es wohl auch allen Firmengründern…

Die Kosten

Was kostet denn so ein Barcamp überhaupt? Das ist relativ einfach. Wie viele Gäste kommen? Jeder Gast kriegt zwei Frühstück, zwei Mittagessen und zweimal Kuchen. Dazu kommt noch einmal Alkohol, T-Shirt und ein Lanyard. Wir haben am Anfang mit 350 Gästen über zwei Tage kalkuliert. Bei 20 Euro pro Person, bräuchten wir also 7.000 Euro. Wir haben aber knapp 25,- pro Person gebraucht, da wir auch noch Geschirr, Kaffee und Getränke benötigt haben. Die Räume haben wir übers Sponsoring bekommen und viele Sachen durch Spenden (Müsli, Kaffeemaschine, Bier, etc.). Was noch ganz wichtig ist, man muss Rechnungen stellen können und braucht ein Konto. Da hat uns die IHK Lübeck helfen können. Insgesamt lagen wir also bei knapp 10.000 Euro. Da kann man aber viel variieren, denn T-Shirts sind zwar schön, aber es geht auch ohne.

Der Zeitaufwand

Das lässt sich schlecht schätzen und wir haben alles zum ersten mal gemacht. Wir haben uns über Basecamp organisiert, hatten GDrive Dokumente und am Ende eine WhatsApp-Gruppe. Anfangs haben wir uns dreimal in Präsenz getroffen, danach waren es Webkonferenzen. Bei mir hielt sich der Zeitaufwand in Grenzen und ich schätze, ich hab ca. 10-15 Stunden investiert. Die letzte Woche war dann viel los. Donnerstag ging es dann mit ca 5 Stunden Aufbau mit ca 15 Leuten los und Freitag war ich von 7:30 bis 23 Uhr unterwegs und SA von 7:30 bis 18:30 Uhr inkl. Abbau unterwegs. Da ich aber kein Auto habe, konnte ich viele Sachen nicht machen und hatte etwas Glück. Dafür habe ich viel Sponsoring gemacht. Aufgabenverteilung ist alles und bei uns hat das richtig gut geklappt.

Das Barcamp

Man waren wir nervös. Wir wussten gar nichts. Kommen überhaupt Leute? Wenn ja, wie viele? Wie viele Sessions werden gehalten? Reicht der Kaffee, ist die Beschilderung gut, berichtet die Presse?

Am ersten Tag hatten wir 180 Anmeldungen und es kamen dann ca. 130 und am zweiten Tag hatten wir 150 Anmeldungen und es kamen knapp 100. Wir hatten also unser Ziel von 200 Teilnehmern klar übertroffen, doch es kamen deutlich weniger als angemeldet. Dadurch hatten wir zu viel Essen und zu viele Shirts. Das übrige Essen haben wir der Heilsarmee gegeben und die Shirts werden Sammlerstücke 🙂

Das Wunder

Als die erste Sessionplanung begann, ist ein kleines Wunder geschehen, denn ca. 60% das Saals sind aufgestanden und wollten Sessions anbieten. Unglaublich 🙂 Wir waren schlicht sprachlos und der digitale Sessionplan (auch ein Alleinstellungsmerkmal von Lübeck, bei Educamps ist das Standard), war nach knapp 25 Minuten voll. Das hatten wir alle noch nicht erlebt. Wir waren so begeistert 🙂

Und dann haben wir Geschichte geschrieben. Die Sessions waren fast alle gut (nur einer hat ne Werbesession angeboten und dafür nen Shitstorm geerntet) und es war eine richtig gute Stimmung. Das Cloudsters ist einfach gemütlich und verströmt eine sehr schöne Atmosphäre. Wir hatten schöne Sitzgruppen gebaut, die wirklich reichlich genutzt wurden. Alle haben geredet, genetztwerkt, sich ausgetauscht oder einfach diskutiert. Alle hatten unglaublich gute Laune und eilten von Sessions zu Sessions. Es war fast Magie 🙂

Auf die Mischung kommt es an und die Sessions waren gut gestreut. Es ging um Webseiten, Sketchnotes und Programmierung aber auch um die Kirche, Brexit und die Weiterbildung. Das besondere an Schleswig-Holstein ist die Nähe zur Politik. In St. Peter-Ording war MP Torsten Albig und bei uns Thomas Losse-Müller der Chef der Staatskanzlei.

Abends haben wir noch das Fass angestochen, haben reichlich geschnackt und  der harte Kern ist danach auf den Weihnachtsmarkt gegangen.

Am Samstag waren wir nicht nur müde, nein es taten auch die Füße weh. Insgesamt war der Samstag jedoch sehr relaxet und ich konnte mir sogar zwei Sessions anschauen. Am Ende gab es eine sehr schöne Verabschiedung und wir hoffen alle, dass es nächstes Jahr wieder klappt.

Fazit

Barcamps sind toll und es war gut, dass Lübeck jetzt auch eins hat. Wir wurden im Nachgang mit Lob überschüttet und diese Erinnerungen bleiben. Die schlaflose Woche und die Anstrengungen sind wie immer schnell vergessen. Auf Twitter hab ich 30 neue Follower 🙂  Der NDR war sogar da und die ersten Presseberichte trudeln ein. Wir werden uns jetzt noch einmal treffen und Fazit ziehen und dann Weihnachten geniessen. Ihr könnt noch einmal in diesem Storify das #bchl16 geniessen und wer Lust hat, nächstes Jahr zu helfen, der darf sich sehr gerne bei mir melden.

 

Zu Besuch im Silicon Valley bei Apple, Twitter und Co

Die vielleicht aufregendste Dienstreise (oder soll ich Fortbildungsreise schreiben?) meines Lebens liegt hinter mir. Eine Woche Silicon Valley im Rahmen der Digitalen Agenda Schleswig-Holsteins und organisiert von der Staatskanzlei SH liegen hinter mir. Ich versuche jetzt mal die Erlebnisse, die Eindrücke aber auch die Erkenntnisse in mehreren Artikeln zu verarbeiten. Die Landesregierung hat schon einen sehr guten Bericht geschrieben, den ich als Übersicht empfehle. Das soll jetzt mein subjektiver Überblick sein, was ich denn dort überhaupt erlebt habe. Einen kleinen Vorbericht habe ich schon bei ununi.tv gegeben, wo meine Eindrücke noch sehr frisch waren und wo es viele Details gibt.

Andreas Wittke im Silicon Valley: Was können wir lernen?

Das Highlight des ersten Tages war der morgendliche Lauf über die Golden Gate Bridge (der Jetlag lässt grüßen) und natürlich das Come Together.

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Die Delegation bestand aus 55 Leuten aus Politik, Wirtschaft und Hochschule. Solche Reise funktionierenauf drei Ebenen. Man will zum einen das Silicon Valley kennenlernen und zum anderen sollen die uns verstehen und natürlich soll man sich auch untereinander vernetzen. Daher gab es Workshops, gemeinsame Essen und Ausflüge und das in vollem Umfang. Wir waren quasi jeden Tag 12-14 Stunden gemeinsam unterwegs und hatten fast keine Freizeit, obwohl die 500 Fotos was anderes sagen.

Der heimliche deutsche Star

Der zweite Tag stand ganz im Zeichen von SAP. Dieses angestaubte deutsche Unternehmen rockt das Silicon Valley, denn SAP gilt quasi als Godfather des Design Thinking und das ist der Motor der Innovation. In der ganzen Woche wurde dementsprechend auch immer wieder SAP zitiert, egal ob wir bei Apple, Capgemini, Facebook, Mercedes oder Twitter waren. Da es keine allgemein gültige Definition vom DT gibt, habe ich es für mich selbst so definiert:

„Schaffe per Architektur einen Raum, wo die Menschen flexibel und frei sind, dann werden sie glücklich, kreativ und innovativ sein. Mische dann noch verschiedene Disziplinen wie Grafiker, Entwickler und vor allem Workflow Designer und stelle die Sicht des Anwenders in den Mittelpunkt, dann werden deine Produkte automatisch erfolgreich sein.“ 

Die Besuche bei Capgemini, Electronic Frontier Foundation, Facebook und Mercedes waren zwar schön, aber nicht sehr nachhaltig. Dafür war die Architektur dort immer ähnlich und bestätigt meine DT-Definition. Ich empfehle hier all meine Videos aus der Facebook-Gruppe „Schleswig-Holstein@digital„. Meist hab ich direkt nach dem Besuch kurze Interviews mit anderen Experten aus der Gruppe über ihre Eindrücke erstellt. Die Facebook Gruppe ist übrigens offen, so wie es sein sollte (Gruppe hab ich gegründet 🙂 ).

Ein weiteres, wenn auch umstrittenes, Highlight war der Besuch an der Stanford University mit einem sehr provozierendem Vortrag von Burton Lee. Zwar ist unser Ansatz der Industrie 4.0 recht gut, dennoch hat Deutschland und auch ganz Europa den Anschluss verloren. Wir sind nicht mehr innovationsfähig, können keine Unternehmen gründen und sind viel zu langsam. Prof. Lee hat einen ähnlichen Vortrag in Österreich gehalten, den man sich gerne anschauen kann 😉

Am Donnerstag waren wir dann bei Apple und dort waren keine Wirtschaftsunternehmen erlaubt. Es ging im kleinen Kreis um Ökosysteme und Bildung. Apple hat mit Abstand den didaktisch besten Vortrag gehalten und hat die Besucher dabei abgeholt. Es wurde vorgestellt, diskutiert und erörtert. Dabei hat Apple stets betont, wie wichtig und qualitativ hochwertig ihr Ökosystem sei. Der Grund warum man es nicht öffne, liege einzig und allein im Qualitätsanspruch, denn alle anderen haben leider nicht die Apple-Qualität. Daher ist der Nutzer am besten dran, wenn man unter sich bleibe. Früher wäre ich bei solchen Sprüchen explodiert und bei der Diskussion hab ich auch mehrmals Einspruch erhoben, dennoch kann ich diesen Ansatz inzwischen gut nachvollziehen und für Schulen kann das sicherlich eine Lösung sein. Mein Favorit ist jedoch BYOD, da es später im Leben (Uni, Job) auch eher heterogen sein wird. Wer Apples Philosophie verstehen will, dem empfehle ich den „Steve Jobs“ Film. Erstaunlich wie viel Jobs immer noch in Apple drin ist.

Am Freitag gab es dann parallel Tesla und Twitter und ich hatte Glück, denn ich war bei Twitter. Die waren genau so, wie man sich das vorstellt: geile Architektur, sehr spontan, unvorbereitet (kann man auch agil nennen) und daher sehr authentisch. Vor allem sitzen die direkt in San Francisco und man konnte etwas von der Stadt sehen, die erschreckend heruntergekommen und voller Bettler und Junkies ist. Das Silicon Valley ist leider sehr extrem und hat auch seine Schattenseiten.

Nach der Rückkehr hab ich viele Fotos und Eindrücke in einem Vortrag verarbeitet. Er lässt erahnen, was ich noch alles erlebt habe. Die Besuche im Rathaus, bei Smaato, im Generalkonsulat, Facebook etc. hab ich hier gar nicht erwähnt. Das würde vielleicht auch den Rahmen hier sprengen.

Die Reise ging dann noch weiter nach Washington, wo ich u.a. Obama gesehen hab 🙂 Dazu aber vielleicht später mehr.

 

Medienkompetenztag als offline Version

Das war also mein erster und insgesamt der siebte Medienkompetenztag Schleswig-Holsteins in Kiel an der CAU und als hätte ich es geahnt, es kam schlimmer als gedacht. Ich unterrichte Medienkompetenz seit ca. 9 Jahren, da ich jedoch kaum noch Zeit habe, ist es leider „nur“ noch ein Steckenpferd. Umso mehr hab ich mich für die Veranstaltung interessiert. Dank einer spontanen Einladung durfte ich in einer dreigeteilten Session ein wenig über Lübeck erzählen und was wir in den letzten Jahren geleistet haben.

Parallel hab ich die Session per Periscope gestreamt.

The Medium is the Message

Meiner Meinung nach sollte das heute bei digitalen Themen Standard sein, denn man sollte nicht nur ÜBER das Medium reden, sondern dabei auch immer das Medium praktisch nutzen und als Beispiel vorangehen (frei nach Marshall McLuhann – The Medium is the Message). Daher versuchen wir in Lübeck immer, unsere Vorträge aufzuzeichnen oder zu streamen und die Slides unter einer offenen Lizenz ins Netz zu stellen.

Das könnte aufwendig sein, wenn man es noch nie gemacht hat. Es ist aber nicht mehr aufwendig, wenn man das beim Konzept des Vortrags gleich berücksichtigt (gilt vor allem für die Folien) und wenn man ein gutes Smartphone mit WLAN hat und da kommen wir auch schon zur Kritik.

Medienkompetenztag ohne Medien

Veranstaltet wird der Medienkompetenztag von der CAU, dem Offenen Kanal Schleswig-Holsteins und dem IQSH. Zielgruppe sollen vor allem Lehrer sein.

Medienkompetenztag 2016 in Kiel

Medienkompetenztag 2016 in Kiel

Eine Homepage gibt es nur im Web 1.0 Format, denn es gibt nur eine Unterseite mit einer Anmeldung, was eigentlich nicht schlimm wäre. Jedoch findet man auf der Seite außer einem Tagesablauf und zwei PDFs nichts. Einen Trailer oder Rückblicke auf die vergangenen Veranstaltungen gibt es nicht. Begleitende Etherpads für Nachhaltigkeit sucht man ebenfalls vergebens und von einer medialen Begleitung in Form eines Filmteams (ja ich weiss, das kostet richtig Geld, kann man aber auch Low-Budget mit Smartphone und Periscope/Snapchat/YouTube machen) konnte man nur träumen. Es gibt auch keine Anfahrtskizze per GoogleMaps (für die norddeutschen Datenschützer hätte man auch OSM nutzen können), keine Facebook-Gruppe (ach ja wir sind in Schleswig-Holstein, da ist Facebook noch gefährlicher als Fliegenpilze) und was ich besonders schlimm empfand, es gibt nicht einmal einen Hashtag zum Medienkompetenztag. Das war sicherlich auch nicht notwendig (Achtung Ironie), denn es haben auch nur ca. 5 Leute getwittert und die haben dann auch drei Hashtags genutzt: #mktsh16 #medienkompetenztag #MeKoSH. Das ist jedoch eine Henne-Ei-Problem, denn wer weiss, was geschehen würde, wenn man Hashtags definieren und per Twitterwall prominent fördern würde? Natürlich hab ich nachgefragt (ihr kennt meine diplomatische Art) und als Antwort: „Die Veranstaltung ist ausgebucht, wir brauchen keine Werbung.“ erhalten. So viel zur Medienkompetenz, aber immerhin wurde das als Tipp für zukünftige Veranstaltungen notiert.

Wer braucht heute schon WLAN?

Das Highlight war jedoch das fehlende WLAN. Ich weiss, wir sind in Deutschland und da gibt es die Störerhaftung bzw. viele glauben, dass es sie nicht mehr gibt (dazu gehöre ich). Natürlich hat das WLAN nicht wirklich gefehlt, denn ich hatte Eduroam. Leider haben die Lehrer das nicht und daher hatten gefühlt 90% kein WLAN und mussten sich per Smartphone (Tethering) helfen. Hat aber kaum jemand gemacht und wozu auch? Die meisten haben per Papier mitgeschrieben und Fotos per Smartphone kamen nur sporadisch vor. Das Medium wurde auch selten aktiv von den Vortragenden eingebunden und vom Gesamtkonzept nicht unterstützt. In meiner Session haben die Teilnehmer erst am Ende sich getraut, Smartphones herauszunehmen und die Slides zu fotografieren obwohl ich explizit dazu aufgefordert hatte (siehe Slide 2). Auf Nachfrage wurde mir gesagt, dass die CAU kein offenes WLAN anbieten könne und es auch kaum Beschwerden gäbe. Man wäre schon froh überhaupt Räumlichkeiten zu bekommen.

Medienkompetenz ist primär Warnung vor dem Internet

Die Förderung von Mediennutzung kann auch nicht das vorrangige Ziel der Veranstalter gewesen sein, wenn man sich einmal die Headlines einiger Vorträge (vor allem der Keynotes) anschaut. Da ging es um die „Herausforderung für die Familie“, „Schülerdaten als Ware“ und zum Schluss „Mediensucht“. Einzig OER von Jöran Muuß-Merholz war ein positives Signal. Bei den kleinen Sessions war es nicht ganz so schlimm, aber auch hier ging es um Jugendschutz, Hatespeech, Selbstdatenschutz und zweimal(!) Alterskennzeichnung. Vorträge die die Möglichkeiten des Netzes zeigen, waren in der Minderheit aber es gab sie. Vor allem wurden Gamification und Medienproduktion gezeigt.

Fazit

Es ist alles viel trauriger, als ich es mir vorgestellt hatte und ich weiss nicht, woran das liegt. Alle sind unglaublich motiviert und wollen das Thema natürlich voranbringen, daher tut Kritik umso mehr weh. Anscheinend ist das Reden über Medienkompetenz jedoch viel einfacher, als selbst Medienkompetenz zu haben bzw. das Medium sinnvoll zu nutzen und zu fördern. Dabei wären Änderungen sehr einfach zu machen, z.B. WLAN würde mit einer zweiten SSID oder mit Freifunk Routern schnell funktionieren. Einen Hashtag zu definieren und Twitterwall mit Beamer aufzubauen dauert keine 30 Minuten. Vorträge die Mediennutzung fördern, statt sie zu verdammen liegt alleine beim Veranstalter und ne Facebookgruppe kann man in fünf Minuten einrichten. Man muss das aber wollen. Im Moment ist der Medienkompetenztag jedoch eher ein Warnschild und zeigt symbolisch wo es in der gesamten digitalisierten Bildung in Deutschland harkt. Jeder spricht darüber aber (fast) keiner lebt es 🙁

Blogparade: Ich packe meinen Koffer und nehme mit (Smartphone Version)

Wer kennt es nicht, dass berühmte Gedächtnisspiel: „Ich packe meinen Koffer und nehme mit„. Aber was wäre, wenn wir uns einer einmal in einer Blogparade austauschen würden, welche Apps man denn in den Urlaub mitnehmen würde? Ich weiss nicht, wie es anderen geht, daher wollte ich einmal kurz meine Lieblings-Apps meiner letzten Urlaube vorstellen und vielleicht wird der eine oder andere Leser, diese Idee aufgreifen, und selbst einige Apps vorstellen.

Ich packe meinen Koffer und nehme mit (Bildquelle: Pixabay Lizenz CC0 https://pixabay.com/de/kamera-fotos-fotografieren-514992/ Li

Ich packe meinen Koffer und nehme mit (Bildquelle: Pixabay Lizenz CCO https://pixabay.com/de/kamera-fotos-fotografieren-514992/ Li

Den Medienwandel am eigenen Leben erfahren

Wir reden so viel über Digitalisierung, Change Management, E-Learning und Co aber hat sich auch unser eigenes Leben dadurch verändert? Wird der Urlaubskoffer wirklich dünner oder haben wir immer noch Bücher, Reiseführer, Fotokamera und Wanderkarten dabei? Leben wir auch das, was wir immer predigen?

Urlaub ist nicht Urlaub

Natürlich macht jeder anders Urlaub. Der eine liebt den Pauschalurlaub, der andere macht Kreuzfahrten, andere wiederum wandern oder segeln und ich fahre meist mit dem Motorrad durch Europa. Jeder nutzt daher wahrscheinlich anders sein Smartphone oder vielleicht ist er im Urlaub sogar offline. Wir wissen es nicht.

Meine ZX10r und ich bei Mopedtour 2013 am Stilfserjoch

Meine ZX10r und ich bei Mopedtour 2013 am Stilfserjoch

Die Hardware

Ich bin jetzt in der vierten Smartphone Generation. Nach Motorola Droid, dem Galaxy S3 und dem S5 hab ich jetzt ein Nexus 6p. Richtig gut ist das Smartphone Leben erst mit dem S5 geworden (leider hat es zu wenig Speicher gehabt) und jetzt mit dem Nexus ist es manchmal ein Traum. Ich kann daher nur von Android reden bzw. schreiben.

Der Urlaub

Ich war gerade mit dem Motorrad zur EM in Frankreich, d.h. ich bin 3.500 km quer durch Holland, Belgien und dann durch Frankreich gefahren. Seit ca. drei Jahren nehme ich keinen Fotoapparat mehr mit und dies Jahr hab ich sogar auf das Navi verzichtet. Das Smartphone steckt in der Brusttasche und im Helm hab ich Bluetooth Kopfhörer, d.h. ich navigiere nur per Audio mit GoogleMaps. Klappt recht gut, außer man hat französische Kreisel mit fünf oder mehr Abfahrten 🙂 Straßenkarten aus Papier nutze ich seit ca. 4 Jahren nicht mehr, obwohl ich meist noch Übersichtskarten mit habe (vom ADAC), die aber ungenutzt in den Papierkorb kamen.

Hyperlapse Testaufnahme mit Klebeband am Außenspiegel - hat funktioniert

Hyperlapse Testaufnahme mit Klebeband am Außenspiegel – hat funktioniert

Und jetzt die Apps

  1. Offline Wikipedia ist für mich das absolute Must-Have. Früher nutzte ich Wikidroyd, was es leider nicht mehr gibt. Jetzt nutze ich Kiwix und bin sehr zufrieden. Die offline Wikipedia in deutsch ist ca. 2 GB groß und hat keine Bilder. Sie ersetzt bei mir jeglichen Reiseführer und ich liebe es darin zu schmökern. Gerade jetzt in Frankreich beim Besuch am Omaha-Beach und dem D-Day Memorial ist die Wikipedia quasi unerschöpflich und unersetzlich. Ich hab noch keine Offline Wikipedia für iOS entdeckt, aber vielleicht hat der eine oder andere Leser da einen Tipp.
  2. Offline Straßen-Wanderkarte OpenStreetMap (OSM) muss dabei sein. Als Motorradfahrer brauch die zwar nicht direkt, doch für Städte und zum wandern und Fahrrad fahren ist sie der moderne Traum. Ich nutze hier OSMand+ die inzwischen auch eine sehr gute Routing-Funktion hat. Man kann alle Karten umsonst als OSM runterladen (für Deutschland jedes Bundesland einzeln) und offline nutzen. Im Gegensatz zu GoogleMaps ist dort wirklich jeder Weg verzeichnet und bei Es gibt kostenpflichtige Zusatzkarten z.B. mit Höhenprofil oder Seekarten. GPX-Tracks können auch über die Dropbox geladen werden, aber ob man  den folgen kann (also mit Alarm-Funktion, wenn man sich n Meter von der Strecke entfernt), weiss ich nicht. Dafür hab ich immer Orux-Maps genutzt, die aber inzwischen eine schlechte Usability hatte (soll jetzt besser sein). Bei Radtouren klemm ich das Smartphone an den Lenker (Fahrradhalterung) und navigiere dann aber auch ohne Display nur mit Audio oder ich hab in der Lenkertasche ein Powerpack. Während der Fahrt schalt ich meist sogar in den Offline-Modus und hab nur GPS an, dann spar ich sehr viel Akku und trotzdem funktioniert die Navigation. Es gibt inzwischen auch Fahrradlampen mit USB-Anschluss, aber Licht UND Smartphone aufladen geht nicht, also aufpassen bei Nachtfahrten.
  3. Bei der Hotelbuchungs-App Tripadvisor muss man darauf hinweisen, dass die im Ausland natürlich viel besser ist als in Deutschland. Unsere Hotels sind natürlich viel zu rückständig, als das in Tripadvisor alle Hotels flächendeckend vorhanden sind. In Frankreich war Tripadvisor jedoch ein Traum. Ich hab alle Hotels jeweils einen Tag vorher gebucht und teilweise 50% Rabatt bekommen. Sogar in Paris zur EM hab ich ein DZ im Design-Hotel im Zentrum für 87,- bekommen. Für Pauschalreisende sicherlich nicht sehr wichtig (da sind aber auch Sehenswürdigkeiten und Restaurant-Bewertungen drin), aber seit ich Tripadvisor nutze, brauch ich keine Touri-Infos mehr.
  4. Natürlich darf Facebook nicht fehlen, denn wen kann ich sonst mit meinen Urlaubsbildern nerven, wenn nicht meine Facebook-Freunde:-) Früher hab ich sogar teilweise noch gebloggt oder Reise-Apps wie Mobility-Trip oder Journal genutzt. Heute nutze ich fast ausschliesslich Facebook. Ganz selten poste ich auch mal privates Zeug auf Twitter und seit es die 360 Grad Bilder gibt, ist das bei Facebook richtig gut geworden. Da merkt man auch, dass statische Fotoalben den Anschluss verloren haben. Leider hat Facebook noch keine Stories, wie Google-Fotos.
  5. Zum Schluss noch der ganze Rest, den man immer etwas braucht, wie Wecker, Wetter, GoogleMaps, Spotify, DBNavigator und Translator sowie die Taschenlampe. Zum lesen nutze ich inzwischen einen Kindle. Das war es.

Was wurde eingespart

Wie schon erwähnt, ich habe keine Papierbücher mehr, kein Navi, keine Straßenkarten und keinen Fotoapparat, dafür aber die drei Ladegeräte (Bluetooth-Headset, Smartphone, Kindle) und natürlich Powerpacks, Adapter und Kabel. Besser ist es also nicht wirklich geworden.

Was ist eine Blogparade, und wie kann daran teilgenommen werden?

Ich habe mich bei Oliver Tacke inspirieren lassen, der aber selbst bei Thorsten Larbig geschaut hat; ich lehne mich stark daran an.

Bei einer Blogparade erstellen innerhalb eines bestimmten Zeitraums verschiedene BloggerInnen (oder VlogerInnen und vielleicht sogar PodcasterInnen?) einen Beitrag zu einer bestimmten Frage. Diese Parade benötigt aber auch einen Ort, wo sie auflaufen kann – in diesem Fall dieser Blogbeitrag hier. Wenn du einen etwas beisteuern möchtest, verlinke doch einfach in einem Kommentar darauf. Einfach einen (längeren) Kommentar hinterlassen geht natürlich auch ? BloggerInnen können innerhalb ihres Textes einfach auf diesen Beitrag hier verlinken, dann erscheint automatisch ein Verweis in den Kommentaren per PingBack.

Hier noch einmal die Schritte zum Mitmachen

  1. Erstelle einen Beitrag zu der Frage, welche deiner Apps, die wichtigsten im Urlaub sind und erklär das kurz. Es ist völlig egal, ob du ein Android oder ein iPhone hast oder ob du Pauschaltourist oder Abenteurer bist.
  2. Verlinke deinen Beitrag mit diesem Artikel hier (http://www.onlinebynature.com/2016/08/blogparade-ich-packe-meinen-koffer-und-nehme-mit-smartphone-version) oder weise unten in einem Kommentar mit Link darauf hin.
  3. Schaut euch natürlich auch gerne die Beiträge anderer an, kommentiert dort, verlinkt auch dorthin – dann wird es so richtig lebendig.

Die Blogparade läuft einen Monat bis zum 31. August 2016. Bis dahin dürft ihr gerne auf allen Kanälen darauf hinweisen, die euch so einfallen: Twitter, Facebook, Telefon, Mensaflyer und natürlich im Urlaub.

Das VHScamp gefangen in der Zwischengeneration

Der Himmel war grau und Hamburg zeigte sein bekanntes Gesicht, als ich beim VHScamp eintraf. Es war für mich das erste und vielleicht auch einzige VHScamp, was ich an diesem Freitag besuchte. Im Gepäck hatte ich die Erfahrung vom größten Volkshochschulkurs aller Zeiten, den wir gemeinsam mit den Volkshochschulen Bremen und Hamburg letztes Jahr durchgeführt hatten. Über 2.000 Teilnehmer waren bei „Das digitale Ich“ dabei und wir waren alle sehr zuversichtlich, damit ein Zeichen der Kooperation gesetzt zu haben. Ob es wirklich so war, wird jedoch die Zukunft beantworten.

VHScamp 16 Logo

VHScamp 16 Logo

In Hamburg trafen sich ca. 150 begeisterte und voll motivierte VHS-Kämpfer, die ihre Volkshochschulen lieben. Gemeinsam wollten sie über eine zeitgemäße moderne Volkshochschule diskutieren, die auf dem Weg ins – inzwischen schon 16 Jahre alte – 21.Jahrhundert ist. Themen gab es genug und Redner auch. Selten hab ich bei einem Barcamp so viele Session-Anbieter gesehen und am Ende war der Timetable schneller voll, als man ahnen konnte. Externe Besucher waren die Ausnahme, ich denke es waren nicht mehr als zehn, und so war das VHScamp eher eine interne Veranstaltung.

Ich selbst habe zwei Sessions angeboten. Bei der ersten ging es um Flüchtlinge und ich habe unsere Erfahrungen vom #DEU4Arab MOOC vorgestellt. Ich finde die Daten aus der Evaluation immer noch höchst spannend und das Feedback war entsprechend positiv.

Einfach einen Link setzen

Das Interesse der Volkshochschulen an dem Kurs war danach auch recht groß, aber man merkte dann doch, dass es für VHSen ungewohnt war, plötzlich einen digitalen kostenfreien Kurs nutzen zu können. Wie man denn jetzt diesen Kurs bekommen könne, wurde ich gefragt und ich sagte: „Einfach einen Link setzen“ und jeder kann ihn nutzen. Aber da hab ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn einen kostenfreien Kurs in das halbjährliche Kursbuch einzubauen, wäre jetzt doch wohl zu einfach. Dazu benötige man doch ein Startdatum, einen Dozenten und überhaupt. Wer nutzt schon einen Online-Kurs, wenn es doch auch mit Blended Learning vor Ort geht?

Bei den nächsten Sessions ging es mit vielen digitalen Ideen weiter, seien es Videokonferenzen oder Snapchat, Webseiten oder Learning Spaces. Und was sind eigentlich Erweiterte Lernwelten? Und wieder ging es um „Die Technik muss der Didaktik folgen“ (einer der dümmsten Sätze des E-Learnings) und wie krieg ich WLAN in die Volkshochschule (bei Starbucks klappt es doch auch).

Die Volkshochschulen bewegen sich hier in der Zwischengeneration. In diesem Spannungsfeld der erfolgreichen alten Tagen, wo man mit Sprachkursen, Fotografieren (mit eigenem Entwicklungslabor inkl.Dunkelkammer) und Töpferstudio ganze Familien begeistern konnte und der Zukunft, wo alles digital ist. Wo Kursangebote per Video vorgestellt werden und die Anmeldung am besten per Facebook klappen sollte.

Disruption der Volkshochschulen

Brisant ging der Tag dann gemeinsam mit Karlheinz Pape zu Ende. Wir haben eine Session über die Disruption der Volkshochschulen gehalten, wo wir einige Fakten von Udemy, mooin und Udacity erzählt haben (ich empfehle hier die Blogbeiträge von Karlheinz Pape und das Interview vom CEO Dennis Yang). Haben  Volkshochschulen ein Interesse, die Pflicht oder überhaupt eine Chance digitale Bildung anzubieten? Wie es in Deutschland üblich ist, wird dies erstaunlich oft und qualitativ hochwertig diskutiert, jedoch fast immer mit dem gleichen Ergebnis. Es passiert außer Gerede halt nicht viel. Sollte es wirklich ein digitales Angebot von Volkshochschulen geben, so müsste es meiner Meinung nach zentralisiert für alle 920 VHSen gemeinsam passieren und es hätte vor ungefähr 18 Monaten online gehen müssen. Dazu bräuchte man ungefähr ein Team mit 50 Entwicklern, einem digitalen Vertrieb und natürlich medienkompetenten Mitarbeitern. Das letzte sehe ich, den Rest leider nicht.

Die Zukunft der Volkshochschulen ist analog

Es sind die vielen Einzelgespräche, die mir den Mut einer digitalen Volkshochschule rauben. Mit dem ichMOOC haben wir einen tollen Auftakt gemacht, der Kurs veraltet aber gerade auf mooin und wartet auf einen Relaunch. Weder Hamburg noch Bremen werden eine zweite Durchführung schaffen, dessen bin ich mir inzwischen sicher. Die Macher vom ichMOOC haben inzwischen entweder die VHS verlassen oder sind mit anderen Aufgaben beschäftigt. Digitale Angebote sind in Zeiten von Flüchtlingen nicht mehr wichtig (wenn die sich mal den FlüchtlingsMOOC anschauen würden) und andere Schwerpunkte werden gesetzt. Wenn ich Aussagen (oder sind es Verzögerungstaktiken?) höre wie, das gebe ich einmal in meinen halbjährlichen Arbeitskreis weiter, dann sehe ich, wie schnell diese Institutionen arbeiten und denken. Auch das einfache Machen ist nicht vorhanden, denn man will immer noch den komplizierten Weg gehen, d.h. man braucht doch unbedingt diese MOOCbars. Man setzt auf Blended Learning Konzepte, damit man alle abholen kann. Das ist natürlich wichtig und liest sich idealistisch, aber wenn es dann so kompliziert ist, dass man wegen der schweren und damit teuren Organisation das nicht mehr hinkriegt, sollte man doch auch einmal über den einfachen Weg nachdenken.  Inzwischen denke ich, die Durchführung vom ichMOOC wäre ohne Volkshochschulen einfacher als mit ihnen, obwohl mich das sehr traurig macht. (Es gibt jedoch eine kleine Hoffnung und ein paar Ideen hab ich natürlich auch noch.)

Parallel explodiert Udemy und keiner setzt was dagegen. In den nächsten zwei Jahren werden solche Anbieter Deutschland überollen. Udemy diskutiert über 1.000 Kurse, wir über einen! Egal was mit dem ichMOOC passieren wird, es ist egal. Der Kurs hat keinen Dominostein angestossen. Er hat aber gezeigt, was man mit motivierten Menschen und Willen schaffen kann und hat die Latte für digitale VHS-Angebote sehr hoch gelegt, vielleicht sogar zu hoch.

Die Zielgruppe wird auch digital

Die Digitalisierung erreicht inzwischen auch die Best Ager. Ein Drittel aller 65+ nutzen inzwischen das Internet und das wird nicht weniger. Immer mehr sind vertraut mit Smartphones, Laptops und den Social Networks, doch Volkshochschulen sind hier selten vertreten. Die Zielgruppe(?) bewegt sich, die VHSen weniger und das Konkurrenz-Angebot ist nur einen Klick entfernt. Parallel entwickeln sich die Angebote immer weiter und wie ich bei meiner Session am Ende sagte, die Angebote werden immer besser. War E-Learning vor 10 Jahren noch ein Abenteuer, so ist es heute Standard, aber morgen wird es dank Künstlicher Intelligenz und Big Data qualitativ noch ganz anders aussehen. Die Zeit der Pilotversuche ist jetzt vorbei, die Angebote werden jetzt massiv ausgebaut.

Die Braut, die keiner will?

Soll man die Volkshochschulen trotzdem nicht unterschätzen? Immerhin reden wir hier über 920 Institutionen und zum VHS Tag kommen Schwergewichte wie unsere Bildungsministerin Wanka und Bundespräsident Gauck. VHSen stehe für Erwachsenbildung und Life Long Learning und sind ein Eckpfeiler unserer Bildungspolitik. Ich glaube trotzdem, dass VHSen, so wie sie heute sind, in 10 Jahren keine große Rolle mehr spielen werden. Sprach,- EDV-, Fotografie- und wahrscheinlich sogar Strick-Kurse werden online stattfinden. Volkshochschulen können nicht skalieren (werden sie auch nie können) und werden daher auch nie digitale Angebote haben. Sie werden die analoge Raststätte neben dem digitalen Highway sein (das Zitat ist nicht einmal von mir), aber im Spiel der Großen werden sie nicht mehr mitspielen. Ich hoffe sehr, dass ich mich irre.

Und das VHS Camp?

Hier noch einmal ein Extra-Lob an diese tolle Community. Das VHScamp war natürlich super organisiert, die Sessions waren hochwertig, das WLAN hat funktioniert und das Essen war gut. Die Google+ lebt auch und es geht auch mächtig voran. Ich war erstaunt, wie viele schöne Projekte es da alles gibt und trotzdem sind es doch meist nur Insellösungen, genau wie bei den Hochschulen. Eine Gesamtstrategie ist nicht zu sehen.

 

Die Digitalisierung ist kein demokratischer Prozess

Warum schaffen wir die Digitalisierung nicht? Ich bin davon überzeugt, dass wir zu sehr in Kompromissen denken und handeln, aber Digitalisierung ist kein demokratischer Prozess, der auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner basiert. In der Bildung nennen wir das dann Blended Learning oder auch jetzt Flipped Classroom und in der Automobilbranche Hybrid und im Verlagswesen PDF. Um das Change wirklich zu schaffen brauchen wir radikale neue Wege und das funktioniert nicht aus dem alten System heraus, sondern es muss etwas Neues  her. VW hat dies anscheinend endlich erkannt und geht jetzt konsequent diesen neuen Weg.  Ein wirklich lesenswerter Artikel.

Quelle https://pixabay.com/de/vw-volkswagen-auto-automobil-1043116/

Quelle https://pixabay.com/de/vw-volkswagen-auto-automobil-1043116/

Respekt!

Gedanken zum OER-Festival 2016

oncampus beim OER-Festival

Das war jetzt mein drittes OER-Festival fka OER-Konferenz in Berlin und es ist vielleicht Zeit, ein Fazit zu ziehen. Wo steht OER in Deutschland und was ist bisher geschehen und vor allem, was wird geschehen?

Manchmal lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit, denn 2013 und 2014 wurde die Konferenz noch von Wikimedia organisiert, aber 2015 hat sich wohl etwas geändert haben, denn es gab keine Konferenz in Berlin. Jetzt gibt es das OER-Festival mit einem neuen Konzept und mit den neuen Veranstaltern: Jöran und Konsorten, Transferstelle OER und oncampus.

oncampus beim OER-Festival

oncampus beim OER-Festival

Dazu gab es auch eine neue Heimat. Ich bin schon etwas stolz, wenn ich hier schreiben kann, dass die Landesvertretung von Schleswig-Holstein ein wirklich sehr offener, freundlicher Gastgeber in diesem Jahr war und ich möchte auch hier unseren Staatssekretär Fischer zitieren: „Schleswig-Holstein als Land der Meere, steht wie kaum ein anderes Bundesland für Offenheit und ist damit ein perfekter Gastgeber für das OER-Festival“.

Und nicht nur wir Lübecker engagieren uns tatkräftig für OER auch eine weitere Hansestadt hat mit der #hoou (Hamburg Open Online University) das vielleicht spannendste OER-Projekt Deutschlands gestartet und war in Berlin auch reichlich vertreten. Im Moment bekommt OER also mächtig Rückenwind aus dem Norden 🙂

Konferenz, Festival, Barcamp oder Award?

Das diesjährige OER-Festival ist quasi vor Aktionismus explodiert. Neben einem zweitätigem Barcamp, gab es noch das Fachforum und es gab auch Preise. Für manche war es zu viel, andere konnten gar nicht genug bekommen und wieder andere haben sich nur ihren kleinen Teilbereiche gesucht. Alles wurde natürlich medial und social begleitet. Inzwischen sind knapp 500 Bilder auf Facebook veröffentlicht und es waren auch mehrere Kamerateams unterwegs. Eine heutige Konferenz findet nicht mehr an nur einem Ort statt, wenn doch bloss andere angebliche E-Learning-Konferenzen auch wüssten, dass es das Internet gibt 🙂

Tipp: Inzwischen gibt es einen lesenswerten Storify, den ich hier wärmstens empfehlen möchte.

Ein anderes Highlight waren sicherlich die Awards. Preise müssen sein, denn so feiert sich jede Szene seit Jahren erfolgreich selbst und kann auch außerhalb auf Aufmerksamkeit hoffen. Neben der gelungenen Verleihung war der rote Teppich ein absoluter Eyecatcher und fast alle Preisträger haben sich hier ablichten lassen.

Alle #ichMOOC-Macher auf einem Bild

Alle #ichMOOC-Macher auf einem Bild mit dem „Preis für Innovation in der Erwachsenenbildung“

Überhaupt gab es dutzende schöner kleiner Ideen, die jede für sich das OER-Festival einfach besser gemacht haben. Ich weiss ja, wer dahinter gestanden hat und ich möchte mich hier ausdrücklich an das gesamte Orga-Team bedanken. Ihr ward alle super :-X

Und was ist denn nun passiert?

Als erstes muss man sagen, dass OER in Deutschland angekommen ist. OER ist inzwischen ein Querschnittsthema geworden, denn das Festival hat eines ganz sicherlich gezeigt, OER ist aus der Nische der Experten herausgetreten denn es waren zum ersten mal auch größere Kreise dabei. Neben der Politik (ich habe persönlich mit der SPD, den Piraten und den Grünen gesprochen), waren auch Stiftungen und Gewerkschaften vertreten und natürlich die Bildungsorganisationen Schulen, Volkshochschulen und Hochschulen und dazu natürlich viele Verbände und Vereine. OER stösst inzwischen auf ein breites Interesse, obwohl bestimmt immer noch geschätzte 98% nicht wissen, was OER ist.

Dann darf man nicht unterschätzen, was vor und nach einer solchen Konferenz passiert. So fördert der Bund seit letztem Jahr OER mit 2 Millionen Euro pro Jahr und so wurden kurz vor Konferenzbeginn zwei Projektergebnisse veröffentlicht, zum einen MappingOER und die Machbarkeitsstudie. Beide wurden sehr kontrovers diskutiert und die nächste Ausschreibung ist auch schon online. Ich sehe alle drei Förderungen auch sehr kritisch, muss jedoch sagen, dass hier auch der gute Wille zählt und man sollte erstmal froh sein, dass überhaupt etwas passiert. Besser geht es immer, und dann sollte man es auch selbst besser machen oder verstummen.

Das Qualitätssiegel

Was immer wieder diskutiert wird ist die Qualitätssicherung von OER und nur damit, könne sich OER durchsetzen. Viele Experten sagen jedoch, dass ein bürokratischer Qualitätsmanagement-Prozess und vor allem eine „finale Version“ eines OER-Nuggets, die wahren Möglichkeiten und die Dynamik von OER töten würden. OER besteht aus dem Remix (obwohl dies noch nicht gelebt wird) denn digitale Inhalte sind per se zum weiterverwenden gedacht. Eine Verknüpfung mit einem Qualitätssiegel kann so nicht funktionieren, jedoch habe ich schon bei der GMW an einer unsinnigen „Qualität in Videos“-Diskussion teilgenommen, wo danach grade einmal 50% meiner Meinung gefolgt sind. Alle Politiker sind eigentlich meiner Meinung, aber leider sagen auch alle, dass das Qualitätssiegel kommen wird. Versteht einer diese Politik?

Außerdem verstehe ich überhaupt nicht, warum jemand, der OER macht und kostenlos ins Netz stellt, sich auch noch die Arbeit machen sollte, diese Inhalte bei einer Prüfstelle einzureichen? Dadurch hat er doch nur Mehrarbeit, die dann für Aktualisierungen fehlt. Hier zeigt sich schon auf mehrere Ebenen, dass man weder das Internet, die Digitalisierung noch OER verstanden hat, aber die deutsche Bürokratie und die sinnfreie Überzeugung von Qualitätsmanagement hat man verinnerlicht. Womit ich aber auch nicht sagen will, dass Qualität unwichtig wäre. Aber es gibt Mechanismen, wie z.B. Like-Buttons, Klicks, Resharing und Disskussionsforen (siehe YouTube), die wichtige Indikatoren von Qualität seien können. In 95% aller Fälle reicht das und jetzt sollte man erstmal ein besseres System zeigen, was auch keinen Aufwand macht.

Und dann war da noch die Rechtssicherheit

OER-Macher brauchen Sicherheit ist auch eine Forderung, die sich gut anhört, aber schwer umsetzen lässt. Die einen fordern eine Fair-Use-Regel wie in den USA, was aber auf EU-Ebene nie kommen wird und andere sagen, man solle doch einen Fonds einrichten, aus dem die Anwälte der OER-Macher bezahlt werden. Das man damit nicht das Problem löst, sondern nur Symptome bekämpft, muss man gar nicht erst sagen und natürlich ist das eine willkommenes Geschäftsmodell für jeden Abmahn-Anwalt. Wenn man weiss, dass die Prozesskosten immer bezahlt werden, finden sich schon einige Anwälte, die nur darauf warten zu klagen. Und ich möchte gar nicht erst wissen, wer dann auch noch entscheidet, wer förderfähig ist und wer nicht. Es wäre viel besser einen Fonds für OER-Macher zu machen, aber mit dem fOERde-Award wurde hier schon ein kleiner Schritt, in die richtige Richtung gemacht.

Und wo sich alle einig waren

Alles was gefördert wird, muss OER sein! Dazu muss man gar nicht viel schreiben, da es logisch ist. Meine Steuergelder sollten auch der Öffentlichkeit dienen. Man kann jetzt sofort damit anfangen, tut keinem weh und was in der Vergangenheit produziert wurde, bleibt auch dort. Hat man das umgesetzt kann man sagen, dass irgendwann einmal, alle Lehrer und Professoren auch alles unter OER veröffentlichen sollten, aber wir wollen nicht gleich übertreiben. Es wäre auch schön, wenn wenigstens Konferenzen, die sich mit dem Thema beschäftigen, wie GMW, Campus Innovation, Learntec und Online-Educa darauf bestehen würden, alle Konferenz-Beiträge als CC BY zu veröffentlichen.  Das kann doch nicht so schwer sein.

Und was hab ich so gemacht?

Als OER-Macher und Mitveranstalter hat man natürlich volles Programm. Ich hab eine OER-Maker Session beim Barcamp gehalten, hab mich ganz viel mit Politikern unterhalten und war auf zwei Panels beim Fachforum.

Parallel hab ich dann noch ca. 10 Interviews für den kommenden #COER16 MOOC aufgenommen und natürlich ganz viel genetzwerkelt.

Und wie geht es weiter

Ich hoffe nach dem #OERde16 ist vor dem #OERde17 , also es soll jetzt erstmal alles verstetigt werden. oncampus und Jöran & Konsorten können gerne wieder ausrichten, dazu rollen Graz und Lübeck die OER-Szene aus dem Norden und Süden auf, denn wie gesagt, wir machen den #OER-MOOC #COER16 gemeinsam auf zwei MOOC-Plattformen.

Wir werden dies Jahr sicherlich noch ein paar OER-MOOCs veröffentlichen, u.a. Arbeit 4.0 und Netzwerksicherheit. Die Politik hat erste Weichen gestellt und wir reden sehr viel mit Politikern, die sehr oft besser sind, als ihr Ruf.

Und natürlich wird OER als Querschnittsthema bei allen zukünftigen Konferenzen ein Thema sein und alle Veröffentlichungen sollten, wie oben erwähnt,  auch OER sein.

Resume

Die Konferenz war meiner Meinung nach sehr wichtig. Es war genau der richtige Zeitpunkt und am richtigen Ort um die Szene zu vernetzen, sich auszutauschen und Projekte anzustossen. OER ist in allen Bildungsbereichen angekommen und verstetigt sich. Der Norden wird in den kommenden Jahren wahrscheinlich eine Hauptrolle spielen und alle anderen sind aufgefordert mitzumachen. Auch die MOOCs, trotz aller Kritik, sind einer der Hauptmotoren in der OER-Bewegung und stehen als Flagschiffe für die neuen Möglichkeiten der digitalen Bildung. Und zu guter letzt, es hat wirklich Spaß gemacht 🙂

 

 

Warum können wir OER machen?

Die #OERde16 steht vor der Tür und oncampus ist einer der Veranstalter. Ich freue mich darüber riesig, denn ich unterstütze OER (Open Educational Resources) schon lange. Angefangen hat das vor neun Jahren mit dem Soft-Skills-Online Kurs „Medienkompetenz“, den ich damals als Autor geschrieben habe. Daran kann man auch sehen, wie lange manche Ideen brauchen, bis sie in eine Institution übergehen.

OERde16

Ich habe seit dem noch an vielen #OER-Projekten mitgearbeitet, unterstützt oder selbst umgesetzt, z. B. L3T, Schulbuch-O-Mat, VFHCAB, Wikimedia Wissenswertpreis, YouTube-Playlists und jetzt natürlich unsere MOOCs wie der ichMOOC, MOOC25 oder Projektmanagement. Bei allen Projekten waren mir die Vorteile jedoch nicht immer klar. Natürlich ist es besser für die Welt, wenn alles frei verfügbar ist und dieses deutsche Urheberrecht ist auch zu kompliziert. Dazu kommt, dass man als Hochschule auch einen gesellschaftlichen Auftrag hat, sonst könnten wir auch Studiengebühren einführen. Vielleicht stehe ich mit dieser Meinung aber auch alleine da. Trotzdem ist der wahre Vorteil, von OER schlecht greifbar und vermittelbar.

Im Intranet (LMS) herrscht Anarchie

Warum kaum ein Mensch weiss, dass er  OER braucht ist ziemlich einfach. So lange die Materialien in einem geschlossenen System, wie z. B. LMS stehen, merkt kaum keiner, ob dort Urheberrechte verletzt werden oder Plagiate stehen. Das Intranet ist gefühlt ein rechtsfreier Raum, was sich aber demnächst ändern soll.

OER für sich alleine bringt kaum Mehrwert

Professoren sind Einzelkämpfer und Vorlesungen sind in der analogen Welt auch Einzelveranstaltungen. Jeder bereitet seine Vorlesung mit seinen Materialien vor. Es gibt kaum einen Grund oder auch Vorteil fremde Inhalte zu verwenden und es gibt sogar erhöhten Aufwand, wenn man seine Materialien frei ins Netz stellt, da man plötzlich auf die Rechtslage achten muss. Und wenn man fremde Inhalte benötigt, kann man doch auch eine Literaturliste anfertigen und die Studis in die Bibliothek schicken.

OER hat sein Vorteile erst in der fremden Wiederverwendung

Warum braucht man also OER? Das „Aha“-Erlebnis hatte ich bei unserem ersten Refugee-Kurs, wo wir OER-Materialien im Netz gesucht haben. Es war jedoch einfach nichts zu finden, denn entweder waren das nur Blended-Learning Inhalte, wie z. B. Powerpoint-Slides oder kurze PDFs oder sie waren nicht portierbar oder es war halt nicht OER. Wir haben dann einen eigenen Kurs ins englische übersetzt, was jedoch nur einen Teilproblem darstellt. Ganz allgemein sind Übersetzungen ein ideales Beispiel, warum man OER braucht, denn man könnte ganz schnell (fremde) Inhalte übersetzen und anpassen. Das ist gerade jetzt aktuell, wo man doch arabische oder englische Inhalte sehr schnell für Flüchtlinge benötigt. Diese könnten dann z. B. auch von der Crowd übersetzt werden, wenn man denn die Rechte hätte.

Der andere Punkt ist jedoch wesentlicher, denn der Grund warum wir überhaupt komplette Kurs-Inhalte hatten und keine granularen Learning Objects ist, wir arbeiten im Netzwerk. Es war in der Virtuellen Fachhochschule schon immer so, dass Inhalte geshared wurden und viele Hochschulen, die gleichen Inhalte verwenden. Man entwickelt einmal (meist kostenintensiv) und verwendet die Inhalte n-mal. Das ist der Unterschied zwischen analog und digital, denn im Netz machen Inhalte für einen alleine immer weniger Sinn. Das Internet fördert die Zentrierung auf der Produktionsseite und kann daher die Individualisierung auf der Anwenderseite (irgendwann?) ermöglichen. Die Grundstruktur der Arbeit/Lehre ändert sich daher radikal. Manche nennen das Arbeit 4.0 oder bei uns Hochschule 4.0.

OER ist der Schritt nach der Digitalisierung

Viele Experten haben geschrieben, dass E-Learning gescheitert wäre. Das könnte ich sogar unterschreiben. Ich habe immer gesagt, dass das „M“ im LMS, der wichtigste Buchstabe ist. Es geht nicht vorrangig um das Learning, sondern um die Gesamtheit. Die Digitalisierung verändert die Organisation, das Management und letztendlich (und nicht zuerst) die Lehre. Die sogenannten E-Learning Projekte sollten also personenunabhängig autonom aufgestellt sein. Das funktioniert sehr viel besser, wenn sie offen sind. Nur dann könnten andere die Inhalte übernehmen und anpassen oder übersetzen. Damit das aber funktioniert, muss das Selbstverständnis der Lehre diskutiert werden. Professoren dürfen sich nicht mehr als Einzelkämpfer sehen und Intranets sind keine rechtsfreien Räume.

 

 

 

Campus Innovation oder besser Stagnation

Die Hamburger Campus Innovation ist quasi meine Lieblings-Konferenz. Nicht nur das sie in der besten Stadt Deutschlands stattfindet, nein es ist auch noch direkt vor der Haustür. Außerdem hat sie meiner Meinung nach das beste Konzept, da sie mit drei Tracks nicht nur E-Learning als Schwerpunkt setzt, sondern auch dem Campus-Management, der IT und dem eigenen Hamburger Projekten genug Freiraum lässt. Die Organisation ist quasi immer perfekt und dies Jahr gab es auch endlich mit #CIHH15 einen vernünftigen Hashtag, der im Programm gut und rechtzeitig platziert war. Das hat aber nichts an der Anzahl der Tweets geändert, die wie bei jeder E-Learning Konferenz, nur bei ca. 5% der Teilnehmer lag. Es ist ja bekannt, dass gerade in Deutschland, die sozialen Netze gerade nicht von den Intellektuellen genutzt wird. Warum sollte denn dann eine E-Learning Konferenz eine Ausnahme sein? Wo wir auch schon beim Grundproblem angekommen sind, die E-Learning Spezialisten in Deutschland verstehen immer noch nicht das Internet.

Keine Innovation, sondern Stagnation

Mir ist es schon bei den letzten Konferenzen aufgefallen, und die Teilnehmerzahlen geben mir da auch recht. E-Learning ist nicht (mehr?) innovativ und Beiträge sind meist fad und geben entweder Altbekanntes oder Selbstverständlichkeiten wieder. In Hamburg begann es schon mit der Keynote von Johannes Heinlein von edX, dessen Vortrag vor zwei Jahren spannend gewesen wäre, aber heute eher altbacken wirkte, bis auf die Erwähnung der Änderung der Architektur, weg vom Hörsaal, hin zum Learning Space.

Der negative Höhepunkt war vielleicht das tausendfach zitierte Bild der Papstwahl:

Papstwahl 2005 zu 2013

Sehr spannend fand ich die Entscheidung, dem Journalisten Christian Füller zur zweiten Keynote einzuladen, dessen Schwerpunkt bekanntlich Schulen sind. Sein Vortrag war nicht nur gut vorgetragen, sondern teilweise auch provokant, leider war dennoch kaum Neues zu entdecken.

Ich kann leider nur vom E-Learning Track berichten, jedoch hatten viele Vorträge eher das Scheitern, das Versagen und den negativen Ausblick als Thema. Beispielhaft fand ich hier den sehr guten Vortrag von Malte Persicke, der eigentlich nur beschrieben hat, warum er es nicht schafft, vernünftige MOOCs zu entwickeln, sondern es bei begleitenden Vorlesungsaufzeichnungen belassen muss.

Das ist genau die Situation, die in Deutschland zu oft passiert. Es gibt Dutzende wahrscheinlich sogar Hunderte einzelner Projekte, die aber immer personengebunden sind und es nicht schaffen, die Brücke in die Institution zu schlagen. Das liegt natürlich daran, dass jedes Projekt mit einem eigenen Projektstab vertraut ist und diese Mitarbeiter mit dem Projekt kommen und gehen. Das bedeutet immer Einarbeitung und dann fehlt die Verstetigung. Als Beispiel kann man immer die MOOCs nehmen, wo jedes mal ein Produktionsteam für die Videoproduktion entweder aufgebaut wird oder teuer eingekauft wird. Dann werden 20 Videos produziert, und danach verschwindet das ganze Wissen wieder. MOOCs werden aber erst bei der dritten oder vierten Produktion gut, aber das klappt nicht, wenn man nur einen MOOC beantragt hat und keine Wiederholungen gefördert kriegt obwohl die die Wiederholung natürlich kostengünstiger wäre (wenn man von xMOOCs spricht und nicht von cMOOCs).

Im krassen Gegensatz steht hier aber die Funktionsweise des Internets. Digitalisierung bedeutet Zentrierung! Das Internet braucht nur ein Kaufhaus, eine Suchmaschine und eine Landkarte. Vielleicht sind es auch zwei oder drei Angebote, aber niemals 428. Was den Hochschulen fehlt ist eine digitale übergreifende Strategie, wo wir schon beim nächsten Thema wären. Seit gut 18 Monaten wird plötzlich die digitale Strategie als neuer Hype durch die E-Learning Landschaft getragen. Was mit dem Stifterverband angefangen hat, wurde in Hamburg versucht weiterzudenken. Prof. Kerres hat hier einen schönen Vortrag gehalten, dessen Ergebnis für mich jedoch eher deprimierend aussah. Außer Absichtserklärungen und ersten Workshops ist quasi nichts passiert und wenn man viel Glück hat, werden Landesinitiativen gegründet, wie z.B. die Hamburg Open Online University. Man könnte das positiv sehen, da es jetzt endlich anfängt und E-Learning auch als Digitalisierung begriffen wird. Dies ist jedoch quasi Stand des Netzes von 2005. Das bedeutet, dass die Hochschulen immer noch nicht begriffen haben, was das Netz und die Digitalisierung ausmachen. Es wird immer noch klein klein gemacht, es wird sehr viel geredet und der Föderalismus steht konträr zur Digitalisierung. Internet bedeutet Geschwindigkeit und Vernetzung, aber wir fangen jetzt erst an, darüber nachzudenken was eine Strategie wäre, dabei können MOOCs ohne Strategie nicht nachhaltig funktionieren und OER hat auch nur einen Sinn, wenn man sie vernetzt benutzt. An den Weichen wird zaghaft gearbeitet, aber das Fundament bleibt unangetastet.

Und wie steht es um die Openness?

Wie auch immer Openness definiert wird, als Öffnung der Hochschule für den zweiten Bildungsweg z.B. über MOOCs oder als Anbieter freier Materialien z.B. OER, beides wurde wie immer nicht gelebt. MOOCs sind quasi nicht existent im deutschen Hochschulbereich, bis auf TU München, das HPI, FH Lübeck und mit Abstrichen TU9 und Leuphana und über OER wurde etwas geredet, aber wie immer nicht gelebt. Weder die Slides der Vortragenden, noch der Tagungsband und auch nicht die Videos (handwerklich wie immer sehr gut gemacht) sind als OER zugänglich. Hier wird erwartungsgemäß(?) kein Zeichen gesetzt, sondern es geht genauso langsam weiter, wie eh und je. Warum sollte man auch die Erkenntnisse der Forschung, dass OER u.a. qualitativ besser sind, selbst leben und vom Resharing oder Remixing will ich erst gar nicht reden. Da fragt man sich dann doch, wie das mit dem Konzept der Hamburg Open Online University vereinbar ist. Es ist halt wie immer, es wird sehr viel geredet aber weder gemacht und erst recht nicht gelebt.

Stagnation

Es tut mir leid und ich will diesen Beitrag nicht als Kritik der Campus Innovation sehen, denn für die Inhalte ist die Organisation nicht verantwortlich. Es geht mir um die Stagnation des  gesamten E-Learnings in Deutschland. Nach 15 Jahren muss doch langsam in der einen oder anderen Hochschule E-Learning mit Digitalisierung im Präsidium angekommen sein und es müsste doch ein oder zwei Leuchtturmprojekte in Deutschland sehen zu sein. Stattdessen wird eigentlich nur gezeigt, was nicht geht und es wird ganz viel gejammert. Die Erkenntnis jedoch, dass E-Learning nicht personengebunden ist, sondern institutionell betrachtet werden muss, darauf scheint nach dieser langen Zeit immer noch niemand zu kommen.

Das war mein Jahr 2015 – ein kleiner Rückblick

Das Jahr 2015 war ein unglaubliches Jahr und ich könnte jetzt Romane schreiben, um all das wiederzugeben. Vielleicht reichen jedoch auch ein paar Schlagworte, um es zu beschreiben und ich versuche es einmal.

Moodle, Moot und mooin

Der Start 2015 begann mit den drei Ms: Moodle, Moot und mooin. Anfang März hat Lübeck die Moodlemoot 2015 ausrichten dürfen. Ich durfte Moodle-Erfinder Martin Dougiamas treffen und wir diskutierten viel über die Zukunft von Moodle, die ich nicht so positiv sehe. Sehr wichtig waren aber auch die Besuche von Staatssekretär Fischer und von Martin Ebner, deren Ergebnisse erst in diesem Jahr zu sehen sein werden. Netzwerke sind unglaublich wichtig und 2015 war ein sehr großes Jahr dafür.

Auf der Moodlemoot hatten wir dann auch die Weltpremiere unserer MOOC-Plattform mooin. Was mooin für uns bedeutet, kann ich immer noch nicht genau sagen, aber die Entwicklung war genau der richtige Schritt zur fast noch richtigen Zeit. Ich persönlich denken, wir waren vielleicht 12 Monate zu spät, doch wenn ich die Roadmap der #hoou sehe, dann ist mooin ein Transrapid:-) mooin hat bei uns ganz viel geändert, vor allem im Verständnis der Digitalisierung der Bildung. Mit den MOOCs wird das E-Learning neu geschrieben, da es das erste richtig digitale E-Learning ist und kein Kompromiss wie das angebliche alternativlose Blended Learning. Mit mooin haben wir aber auch in Punkto Design (one-colum „Fat Media“), Videoquizzes und Badges Maßstäbe gesetzt und inzwischen auch mit OER.

MOOCs und OER

Dann kam der HanseMOOC, VideoMOOC, ichMOOC, pmMOOC, KLOOC und später noch der MarketingMOOC, CL20 und MOOC25. Jeder MOOC mit seiner Geschichte und mit neuen Erfahrungen.  Parallel kamen natürlich Vorträge und Veröffentlichungen und ich durfte meine erste externe Keynote in Graz halten 🙂 Im August kam dann noch die große Rundreise mit 10 Tagen in Würzburg, München und Berlin um bei der GMW, Delfi und dem Educamp ganz viel über MOOCs und OER zu erzählen. Denn so sehr die erste Hälfte des Jahres 2015 von den drei Ms geprägt war, kamen nun OER und Flüchtlinge in den Mittelpunkt.

mooin - Logo

Open Educational Resources

Im September waren wir mit unserem MOOC-Team quasi am Ende, denn 2/3 sind durch Krankheit ausgefallen und wir haben es gerade mal geschafft, die Plattform zu betreiben und mit den externen MOOCs (damit meine ich, wir haben keine Videos selbst produziert sondern „nur“ beraten) CL20 und MOOC25 noch zwei zu starten. Dafür kam jetzt aber das große Thema OER bei uns ins Haus. MOOCs und OER sind ein dynamisches Duo, wenn man MOOCs als Strategie betrachtet und nicht als einmalige Pilotprojekte. Das ist nebenbei gesagt auch der Grundfehler, fast aller deutschen E-Learning Projekte. Wir haben mit dem ichMOOC, dem pmMOOC und MOOC25 schon drei OER-MOOCs veröffentlicht und viele Teile vom VideoMOOC, MarketingMOOC und HanseMOOC sind auch CC BY. Das wir jedoch OER jetzt auch strategisch betrachten, ist ein Gesinnungswandel, der mich sehr erfreut. Das dies aber auch unmittelbar notwendig ist, um MOOCs z.B. für Flüchtlinge nachhaltig zu planen, sehen wir erst jetzt. Wenn man Kooperationen und Netzwerke ausbauen will, muss man schon beginn an alles als OER planen, sonst sind diese Projekte niemals nachhaltig zu betreiben. Parallel hatten wir einen schönen Workshop in Kaiserslautern #disco veranstaltet und planen das große #OERde16 für März 2016.

Refugees

Und dann kamen die Flüchtlinge und das dies eine große Chance für die Digitalisierung der Bildung muss man kaum erwähnen. Wir haben wieder mal schnell gehandelt (auch eine wichtige Erkenntnis aus dem Jahr 2015: Das Internet wartet nicht auf Dich) und unsere Integrations-Plattform online gebracht und schon erste Angebote verwirklicht. Wir haben mit der Kiron University ein fantastisches Meeting gehabt (bestes Gespräch 2015) und der Landtag war dreimal bei uns zu Besuch und im Februar startet unser MOOC #DEU4Arab in Kooperation mit Uni Marburg und Prof. Jürgen Handke.

Entscheidend ist aber auch hier, dass solche Krisen nur mit neuen Ansätzen und Technologien bewältigt werden können. Gerade Krisen zeigen die Probleme und ermöglichen Reformen.

Moodalis, Personal und die VFH

Das wichtigste zum Schluss, denn wir haben einen großartigen Schritt in unserer Infrastruktur gemacht. Wir haben das komplette Back-End von oncampus und der Virtuellen Fachhochschule neu aufgesetzt und zum Wintersemester gestartet. Daran haben wir ca. 4-5 Jahre entwickelt und der Start war erstaunlich problemlos, obwohl es natürlich viele Probleme gab. Es ist der dritte Launch vom Back-End seit es die VFH gibt. Die Leitung dazu liegt jetzt auch nicht mehr unmittelbar bei mir, sondern das Software-Team ist gewachsen. Seit 1.Dezember haben wir einen neuen Entwickler und zum Frühjahr suchen wir noch einen Admin und eine MOOC-Stelle hatten wir auch noch ausgeschrieben. In Lübeck arbeiten jetzt ca. 70 Leute und das wir quasi nebenbei noch mehrere neue Online-Studiengänge entwickeln und im nächsten Jahr neue Partnerhochschulen kriegen, merkt kaum einer. Das ist bei uns inzwischen fast Routine 🙂

Im Team sind wir wirklich gut geworden. Die Zusammenarbeit zwischen Marketing (ich nenne das mal so) und der Technik, war einer meiner Schwerpunkte und da haben wir richtig gute Fortschritte gemacht. Social Media, SEO, CMS und Metatags müssen da ineinander greifen und parallel müssen die Texte und die Ansprache stimmen. Hier geht es vor allem um Teamarbeit und Interdisziplinarität und um das gegenseitige Verständnis und da sind wir in Lübeck sehr weit, wenn ich die neuen Kollegen richtig verstehe 🙂

Resümee

Was soll ich sagen, das Jahr 2015 war toll und anstrengend, aber das Jahr 2016 wird wahrscheinlicher noch gewaltiger 🙂