Der VideoMOOC stellt sich vor

Morgen startet also der erste neue MOOC auf unserem MOOC-Portal mooin. Wie jeder MOOC hat auch dieser eine eigene Geschichte. Die Entscheidung überhaupt einen Videokurs zu entwickeln, war eigentlich zufällig. Wir haben uns bei den Themen für die MOOCs, nicht nach akademischen Gesichtspunkten gerichtet, sondern haben überlegt, welche Themen besonders gut medial umgesetzt werden könnten. Da wir xMOOCs machen und wir schon einen sehr guten YouTube-Kanal haben, lag es sehr nahe, dass wir das Video-Thema aufgreifen und natürlich denken wir auch über andere mediale MOOCs nach.

Die zweite Überlegung war, dass wir einen medialen Autor mit hoher Internet-Kompetenz brauchten. Die findet man selten im akademischen Umfeld, daher haben wir YouTube-Channels, Video-Portale und bei Amazon die Bücherlisten durchstöbert. Entdeckt haben wir unseren Autor Markus Valley aber dann eher zufällig über eine Crowdfunding-Plattform, wo er sein Trainingsbuch finanziert hat.

Das war dann auch der dritte Aspekt, denn wir wollten jemanden haben, der schon fertigen, hochwertigen Content hat und auch ein mediendidaktisches Konzept. Einer meiner Lieblingssätze dazu ist: “Ich will niemanden überzeugen, sondern ich will mit Überzeugten arbeiten.” Das macht es bei solchen Projekten viel einfacher, denn ich will ja nicht immer gegen analoge Windmühlen anrennen, sondern mich vom digitalen Rückenwind beflügeln lassen :-)

Der letzte Aspekt war dann, dass wir ähnlich wie beim MarketingMOOC, telegene Autoren benötigen, die einfach gut und sicher vor der Kamera reden können. Auch das ist eher eine Seltenheit und auch diese Menschen findet man eher auf YouTube als in der Hochschule.

Da Markus in München wohnt, war die Entfernung natürlich eine Hürde aber keine große. In der letzten Adventswoche kam Markus nach Lübeck und wir haben den gesamten MOOC in 2,5 Tagen gefilmt, was ich wirklich fantastisch finde und es zeigt auch, dass man richtig Zeit und Geld sparen kann, wenn man die richtigen Leute auswählt. Unser Video-Experte brauchte dann natürlich lange, um alle Videos zu schneiden. Ich bin gespannt, wie die Feedbacks seien werden.

Vom Konzept her, setzen wir beim VideoMOOC natürlich extrem auf hochwertige Videos. Vertiefende Textinformationen haben wir meist verlinkt. Auch hier bin ich wieder gespannt, ob das akzeptiert wird, denn viele erwarten, dass sich alle Informationen IM Kurs befinden sollten. Wir denken jedoch netzbasiert und wollen das Rad nicht ein zweites mal erfinden. Warum also alle Texte noch einmal schreiben, wenn es doch schon besser woanders steht. Das Trainingsbuch von Markus ist kein Teil des Kurses, aber wir haben auch nichts dagegen, wenn es verlinkt wird. Das Buch ist gut und wir verdienen nichts am Umsatz und der Autor soll ruhig etwas verdienen. Geld verdienen ist bei MOOCs keine unanständige Sache, sondern die logische Konsequenz.

Leider werden nicht alle Videos OER sein, da wir einige Sequenzen von Markus altem Material nutzen wollten. Das sind die kleinen Kompromisse, die wir eingehen müssen und  auch hier denke ich, dass das absolut vertretbar ist, da wir einen hohen Qualitätsgewinn erhalten, ohne Mehrkosten zu haben.

Die integrierten Capira Fragen in den Videos, sind beim VideoMOOC nicht so relevant, da die meisten Videos eher Tutorials sind. Wir setzen hier vermehrt auf das praktische Arbeiten, also jeder Kursteilnehmer muss Videos drehen, schneiden und hochladen. Dafür gibt es dann Lernfortschritt und natürlich die schon bekannten Badges. Der Clou sind aber natürlich die Einsendeaufgaben:

Die letzte Aufgabe kann sogar von Markus Valley persönlich benotet werden und er gibt pro Einsendung ein ca. 15 Minuten langes Video-Feedback, was aber dann nicht mehr umsonst sein kann. Auch hier bin ich sehr neugierig, wie viele diesen Extra-Service buchen werden. Für uns ist das ein Experiment und wir verdienen fast nichts daran, aber auch hier ist die Botschaft, dass MOOCs teilweise auch etwas kosten dürfen, vor allem wenn es Extra-Leistungen sind. Auf der anderen Seite müssen wir hier natürlich auch ein Bezahlsystem entwickeln, was noch am Anfang steht und das ist auch einer der vielen Gründe, warum wir eine eigene Plattform haben. Die Video-Integration, die OpenBadges-Schnittstelle und das Bezahlsystem sind Alleinstellungsmerkmale, die in dieser Summe keine mir bekannte Plattform auf der Welt hat.

VideoMOOC Werbebanner

VideoMOOC Werbebanner

Wir haben den VideoMOOC auf sehr vielen Plattform versucht zu bewerben und auch Kooperationen haben wir angefragt. Leider ist die Welt anscheinend noch nicht bereit dafür und wir werden sehen, wie es mit dem VideoMOOC weitergehen wird. Die ersten Anmeldezahlen machen mich jedoch zuversichtlich, denn wir haben schon die 400 geknackt und das Minimalziel von 500 ist zum greifen nah. Wir gehen im Gegensatz zu vielen anderen Plattformen, sehr transparent mit unseren Daten um, da wir für Transparenz und Offenheit sind, sonst bräuchten wir auch keine MOOCs machen.

Wer Lust hat, schaut rein. Ich finden den MOOC wirklich gelungen und bin auch etwas stolz auf das Projekt. Wenn ihr ihn auch gut findet, macht Werbung und setzt Links. Wir sind immer dankbar für Hilfe, denn wir freuen uns über jeden neuen Teilnehmer.

 

 

 

Darf man Metapläne bei E-Learning Konferenzen benutzen?

Ist es erlaubt bei E-Learning Konferenzen analoge Vermittlungswerkzeuge zu benutzen? Sollten nicht gerade bei diesen Konfernzen die Vorreiter/Experten des Fachgebietes vorangehen und ihre Sessions digital vermitteln oder gilt der alte Spruch: Man soll immer das beste Tool nutzen, es kommt doch auf das didaktische Konzept an?

tl;dr

Man kann es sich leicht machen und alles mit dem letzten Satz begründen, aber die Wahrheit ist dann doch etwas komplizierter bzw. es ist sehr einfach. Natürlich kann man das nicht machen, denn es kommt auf die Symbolik an. Was für alle anderen Fachdisziplinen auf dieser Welt gilt, das gilt natürlich auch für das E-Learning. Kein Zimmermann würde seinen Gartenzaun aus Metall bauen, kein Metzger ist Vegetarier und kein Harley-Schrauber fährt einen Motorroller. Wer also bei E-Learning Konferenzen analoge Vermittlungstechniken wie z.B. Metapläne nutzt, sollte sich dabei immer überlegen, welche Zeichen hier gesetzt werden. Zwischen den Zeilen bedeutet dies immer: Schaut her, es geht ja doch schneller und einfacher mit den bekannten Tafelbildern und den Moderatorenkoffern. Wenn nicht einmal der Experte, der vorne steht, in der Lage ist seine Inhalte digital zu vermitteln, wieso sollte der Zuhörer glauben, dass es mit diesem E-Learning schneller und effektiver geht. Metapläne zu nutzen, kann man auch mit Eigentoren gleichsetzen.

Ähnliches gilt aber auch für viele anderen analoge Konzepte, die selten abgelöst werden. Konferenzen werden immer noch organisiert, wie vor 30 Jahren u.a. werden Tagungsbände ausgedruckt, Notizbücher verteilt und auf den Konferenzseiten fehlen Hashtags und Facebook-Gruppen. Die Tagungsbände sind noch oft statische PDF-Files, wenn sie überhaupt elektronisch vorliegen. Wir selbst predigen jedoch kollaboratives Teamworking und nutzen selbst MS Office. Es ist diese Inkonsequenz, die es den analogen Befürwortern so leicht macht, eine Verweigerungshaltung einzunehmen. Wir sind oft selbst dran schuld, denn lieben wir es nicht alle, diese kleinen bunten Punkte an die Pappkarten zu kleben, um zu zeigen, was wir mögen und was nicht? Was ist denn schon dieser blöde blaue Like-Button, wenn es doch auch mit Metaplänen so schnell gehen kann.

 

Das war die MoodleMaharaMoot 2015 mit dem Blick eines Organisators

Die jährliche MoodleMaharaMoot gastierte 2015 im Norden und wir durften als Veranstalter fungieren. Es waren natürlich stressige Tage aber auch sehr schöne, immerhin konnten wir die Moodle-Welt begrüßen und dabei auch noch unsere MOOC-Plattform mooin vorstellen.

tl;dr

MoodleMaharaMoot

Als Organisator sieht eine Moodlemoot natürlich ganz anders aus. Man muss Sprecher besorgen, vor allem gute Keynotes, und man braucht Repräsentanten, wie Präsidenten, Bürgermeister oder Staatssekretäre. Natürlich braucht man Räume, Essen, Helfer und Hardware und ganz wichtig sind dann noch gute Nerven und Zeit. Das letzte war mein größtes Problem, denn parallel zur Moot ist auch unsere  MOOC-Plattform mooin gestartet und das hat mich zeitlich sehr viel mehr in Anspruch genommen, als die Organisation der Moot.

Die Keynotes

Eine Moot ist immer Teamarbeit und beim Start hatte ich den Wunsch jemanden einzuladen, der NICHT aus der E-Learning Welt kommen sollte. Ich wollte gerne Sascha Lobo einladen, der sicherlich etwas Farbe reingebracht hätte. Die Idee hat sich dann aber nicht durchgesetzt, da wir mit Martin Dougiamas eine sehr viel bessere Chance hatten, der deutschen Moodle Community ein Highlight bieten zu können. Mit Martin Ebner konnten wir einen zweiten Experten gewinnen, der mit iMOOX (MOOC) und L3T (OER) ähnliche Fachgebiete abdeckt, wie wir. Im Nachhinein waren für uns aber auch die Besuche von Bürgermeister Saxe und Staatssekretär Fischer sehr viel wichtiger, da wir so der Politik zeigen konnten, dass es in Lübeck ein digitales Leuchtturmprojekt gibt.

Alle Keynotes sind natürlich gefilmt worden und liegen bei YouTube.

Moodle und Martin Dougiamas

Ich habe mich wirklich auf den Besuch von Martin Dougiamas gefreut, hatte aber wegen der Organisation nicht so viel Zeit mich an dem Workshop mit ihm zu beteiligen. Martin kam schon einen Tag früher nach Lübeck um im ausgewählten Kreis über die Moodle-Aktivitäten zu diskutieren. Meine persönlichen Erwartungen an diesen Meetings sind immer sehr gering. Ich habe schon so viele Treffen dieser Art gehabt, dass ich aus Erfahrung sprechen kann, dass da selten etwas nachhaltiges herauskommt. Die Konstellation ist auch sehr schwierig, denn wenn man nichts gibt, kann man auch keine Forderungen stellen. Deutschland ist bei Moodle ein Entwicklungsland. Zwar nutzen sehr viele Schulen und Unis Moodle sehr intensiv, aber die deutschsprachigen Entwickler für Moodle kann man fast an zwei Händen abzählen. Wenn man also kein Geld gibt und keine Entwickler hat, sollte man mit seinen Wünschen eher bescheiden sein. Umso interessanter war die Ankündigung einer Moodle Association, wo man als zahlendes Mitglied Premium-Services erhalten soll. Dieser Schritt ist meiner Meinung nach längst überfällig. Das Moodle Headquarter besteht aus nur 32 Leuten und davon sind 20 Entwickler. Für eine Software wie Moodle benötigt man jedoch ca 100 Entwickler und das merkt man Moodle auch inzwischen an. In den Punkten Usability, Social Media, Design und Mobil-Unterstützung hat Moodle den Anschluss verloren und wenn hier nichts passiert, könnte Moodle schnell von Canvas oder anderen Systemen abgehängt werden.

Abends konnte ich mich persönlich noch etwas länger mit Martin unterhalten und habe hier auch die Strategie bzw. die Vision vermisst. Moodle könnte als Cloud gehostet werden, was sicherlich vom Entwicklungsaufwand sehr viel kleiner wäre und WordPress geht einen ähnlichen Weg. Moodle könnte auch über Spenden oder Crowdfunding nachdenken aber hier hat man sich für die Association entschieden, ähnlich wie Sakai, aber natürlich viel besser. Canvas findet Martin zu buggy, genau wie die Themes z.B. das Essential Theme. Auf der anderen Seite fliessen aber 80% des Entwicklungsaufwandes von Moodle auch in Security und Bugfixes, also so sicher ist Moodle dann auch nicht. Moodle soll ein Framework fürs Lernen sein und den Institutionen die Möglichkeit zum ändern geben. Leider haben die meisten Institutionen keine Mittel zum verändern und müssen Moodle in der Grundversion nutzen und die ist nicht mehr zeitgemäß. In Martins Keynote fehlten jedoch all diese Punkte.

Mahara und die Moodlemoot

Ich glaube vor zwei Jahren hat man sich entschieden Mahara mit in den Titel der Moodlemoot zu nehmen. Das E-Portfolio System und Moodle haben sich gegenseitig unterstützt und im Zuge der neuen Kompetenzanrechnung nach dem Bologna Prozess, hat das auch richtig Sinn gemacht. Inzwischen würde ich jedoch behaupten, dass sich das anders entwickelt. Auf der diesjährigen Moot waren gerade mal 5-6 Vorträge zu Mahara und ich persönlich kenne keine funktionierende Mahara-Installation, die flächendeckend an einer Hochschule genutzt wird. Die Kompetenzanrechnung liegt meist in der Zulassungsstelle und nicht in der Lehre. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, darüber kann man diskutieren, es ist aber eine Tatsache.

Parallel entwickelt sich die kleine Pflanze der Badges weiter aber auch hier tut sich quasi nichts. Wir unterstützen Badges sehr stark, gerade bei den MOOCs finde ich das sehr nützlich. Die Integration in Moodle ist auch ziemlich gelungen, daher wundert es mich, dass hier nicht mehr gezeigt wird. Es spricht für sich, dass der einzige Workshop dazu von uns kam.

 

Video is the new Text

Einer meiner Lieblingssätze in der letzten Zeit und auch die Moot hat gezeigt, dass Video angekommen ist. Ich würde nicht behaupten, dass Text überflüssig geworden ist, der Satz soll eigentlich Bewusstsein wecken. Es kann nämlich auch anders gehen, als simple PDFs Files in Moodle zu stellen. “Das Auge lernt mit” der zweite Satz von mir zum gleichen Thema.

Alle Vorträge zu dem Thema Usability und Videos waren super gefüllt. Ich hatte zwei Vorträge dazu und der Vortrag über Quizzes in Videos mit Capira, war auch überfüllt. Ähnlich war es auch schon bei der Online Educa, wo unsere Video Session quasi explodiert ist. Wer mehr über Videos wissen will, dem empfehle ich hier auch noch unseren Online Video Kurs, der in zwei Wochen startet.

Aber die ganze Moodlemoot wurde dies Jahr digital und viral.

Die Moot wird digital

Wer mich kennt, weiss dass ich eine sehr konsequente digitale Linie habe. Wer E-Learning macht, sollte auch das E vorleben und das geht nicht mit analogen Elementen. Eine E-Learning Konferenz sollte daher im Netz stattfinden und möglichst all die Tools nutzen, die auch bei der Konferenz besprochen werden. Immerhin sind wir die Experten und wenn nicht einmal wir es schaffen unsere Konzepte digital zu vermitteln, dann sind wir wirklich gescheitert. Ich wollte daher scon auf den Namensschildern neben dem Namen auch den Twitteraccount drucken, aber dafür ist die Welt wohl noch nicht bereit. Bei Barcamps kommt dies jedoch schon vor, in der E-Learning-Szene sucht man Twitterer allerdings noch mit der Lupe (aber Vorträge zum Micro-Learning gibt es viele, finde den Fehler).

Wir haben jedoch in Lübeck viele digitale Ideen umgesetzt. Schon auf dem Logo ist der Hashtag #MootDE15 abgedruckt gewesen, im Foyer hatten wir eine Twitterwall aufgebaut, die Keynotes wurden gefilmt und sind alle auf YouTube. Zusätzlich haben wir auch Statements und Interviews geführt, die auch online sind.

Das Programm wurde zwar gedruckt, aber es lag auch online mit einem Shortcut http://bit.ly/mootde15 und eigentlich wollte ich auch zu jeder Session ein Etherpad anlegen, was aber die Krankheit meines HiWis verhindert hatte. Stadtplan mit allen Hotels und Veranstaltungen wurden per GoogleMaps eingefügt, was heute aber selbstverständlich ist.

Die Nachbearbeitung haben wir dann per Storify gemacht:

https://storify.com/oncampusfhl/moodlemaharamoot-2015-1-tag

https://storify.com/oncampusfhl/moodlemaharamoot-2015-2-tag

Alles zusammengefasst haben wir auf unserer Homepage

http://www.oncampus.de/aktuelles/moodlemaharamoot2015.html

Einen Videoworkshop, der ausgebucht war, haben wir auch angeboten und was ich besonders schön fand, es gab zum ersten mal Konferenz-Shirts, die von ca. 15% der Teilnehmer gekauft wurden.

Wo waren die Schulen?

Mit dem IQSH und der Moodleschule waren zwei Vertretungen der Schulen als Mitveranstalter dabei und trotzdem, waren Schulen kaum präsent. Es gab sehr wenig Vorträge von Lehrer, es waren kaum Lehrer als Besucher vertreten und das einzige was ich von den Schulen mitbekommen habe, war das jammern über den angeblich hohen Eintrittspreis. Ich will ja nicht lästern, aber inzwischen habe ich so viele schlechte Erfahrungen mit Schulen und Lehrern gemacht, dass ich überzeugt bin, dass sie an dem Imageverlust der Schulen selbst Schuld sind. Ich weiss, dass man hier kein Schubladendenken machen sollte und viele Lehrer haben quasi keine Möglichkeit in den Norden zu kommen, trotzdem bleibt der Fakt, dass diese Institutionen mit der Moot nicht erreicht werden. Das traurige ist dabei, dass dort eine Rückwärtsentwicklung zu beobachten ist, oder das E-Learning an Schulen findet woanders statt.

MOOCs und Moodle

Für mich war es natürlich die Moot der MOOCs, da wir hier unsere MOOC-Plattform mooin vorgestellt haben. Wir hatten fünf Vorträge dazu angeboten, die alle gut besucht waren. Das wir hier alles just in time programmiert haben, kommt mir immer noch wie ein Wunder vor, obwohl wir echt große Krankheitsausfälle hatten. Manche sprechen immer noch vom Hype, ich bin aber für meine Keynote sehr gelobt worden, wo man die Gesamtstrategie der MOOCs sieht.

Allerdings waren die Tage sehr arbeitsintensiv und morgen soll mooin dann richtig starten und danach mach ich Urlaub. Ich hab es mir nach der Moot und mooin dann auch verdient.

Keynote der MoodleMaharaMoot 2015 in Lübeck – mooin eine neue Weiterbildungsplattform

Ich durfte bei der MoodleMaharaMoot 2015 in Lübeck als Gastgeber zum ersten mal unsere neue MOOC-Plattform mooin einem breiteren Publikum vorstellen. Das besondere an unserem Ansatz der MOOCs ist dabei, dass wir NICHT Blended Learning als Startpunkt einer Digitalisierungsstrategie sehen, wie 95% aller Hochschulen, sondern die Weiterbildung und das lebenslange Lernen als eine neue Säule sehen. Damit können wir neben der alten “Straße” der Präsenzlehre einen neuen “Highway” der Weiterbildung parallel bauen. Da wir aber mit der Weiterbildung eine neue Zielguppe ansprechen, haben wir natürlich auch ein neues Design entwickelt und hier ist Mobile First gesetzt. Wir  nennen das 1-spaltige Design mit großen Medien-Elementen “Fat Media” und erste Previews zu mooin sind in der Präsentation zu sehen.

Update:

Inzwischen ist das Video auch online:

Böses oder gutes Younow? Die deutsche Angst schlägt wieder zu

Da ist eine neue Videoplattform für Jugendliche und die deutschen Jugendschützer, Eltern, Datenschützer und Massenmedien fangen automatisch alle an im Chor zu singen: “Das gefährliche Internet.”

tl;dr

Allein die Überschriften bei Google-News ergeben ein absolut einseitiges Meinungsbild:

Google News Headlines zu Younow vom 28.Februar 2015

Google News Headlines zu Younow vom 28.Februar 2015

Sogar die Technikseiten Golem und Heise stimmen in dieses Lied ein, was mich doch etwas verstört hat und auf den eingängigen Medienpädagogik-Seiten, werden schon Verbote, Warnungen im Unterricht und Infomaterial verteilt.

All diese Berichte gehen nur in eine Richtung, wie gefährlich ist denn dieses Younow und wie können wir unsere Kinder davor schützen? Ganz klassisch sieht man das an dem Video, was fast gar nichts mit Younow zu tun hat, sondern nur allgemeine Probleme des Internets darstellt und auf den Younow-Warnungs-Hype aufspringt.

Wer hat sich bisher Younow überhaupt angeschaut?

Im Gegensatz zu vielen anderen habe ich mir mal die 30 Minuten Lebenszeit gegönnt und hab mir das System flüchtig angeschaut. Die Registrierung auf der Webseite ist vorbildlich einfach, man benötigt nur einen Twitter-, Facebook- oder Google-Account und schon kann es losgehen. Danach erhält man zwei Listen und man kann sich die Livestreams von anderen Nutzern anschauen. Entweder man geht nach Tags also z.B. Interessen, Sprache, Geschlecht, Hobby oder man orientiert sich an die Top-Viewed Listen.

Ich habe mir dann ca. 30 Streams angeschaut und davon waren 28 Streams von Kids, die für mich sehr inhaltsleer waren. Ich habe auf keinem Stream länger als 10 Sek. durchgehalten. Wer will schon Gespräche von pubertierenden Teens freiwillig anschauen? Zwei interessante Angebote hatte ich auch entdeckt, aber ob jetzt ein Kiosk in New York wirklich von belang ist, kann bezweifelt werden.

Was gerne vergessen wird, das Potential von Younow

Wenn man einmal einen Schritt zurück geht und sich neutral die Technik anschaut, ist das eigentlich der Hammer. Ich kann nämlich sofort einen Livestream von der Webcam meines Laptops ins Internet stellen und den Link öffentlich sharen. Davon haben wir E-Learning-Experten die letzten 10 Jahre geträumt. Man muss keinen Admin fragen, keine Software installieren und nicht einmal einen Account anlegen und das alles geht dann auch noch per App, wo man die Kamera (Front oder Back) noch auswählen kann. Ich verstehe dabei überhaupt nicht, warum keiner in Jubelgesänge ausbricht. Die Lösung ist sogar so einfach, das müssten sogar Lehrer hinkriegen, wahrscheinlich sogar Lehrerinnen (das war jetzt Ironie) und neben dem Livestream gibt es sogar einen Chat.

Die Szenarien sind quasi unendlich. Ich kann jetzt bei jeder Konferenz einfach per Smartphone und WLAN die Session streamen und das geht natürlich auch bei Fussballspielen, Konzerten, Vorträgen und auch im Unterricht. Die Session  werden sogar aufgezeichnet, ich weiss allerdings nicht wie lange die Maximal-Zeit ist und eine Export-Funktion hab ich auch nicht gesehen. Trotzdem ist Younow ein Riesenschritt nach vorne und kann hier mit Google-Hangout verglichen werden.

Und was ist mit den Gefahren? Die Kids wissen doch gar nicht was sie da tun.

Das Angebot richtet sich wirklich eindeutig an die Kids, aber trotzdem kann ich die Gefahren nicht erkennen oder nicht richtig einordnen. Wenn die Kids sich dort präsentieren, dann machen die das halt und wenn sich dort Erwachsene reinschleichen um daran teilzunehmen, dann ist das zuerst einmal nichts verbotenes. Natürlich muss man den Kids erzählen, dort nichts blödes zu machen, aber das ist nichts anderes, als mit fremden Menschen nicht ins Auto zu steigen. Das sollte man den Kindern beibringen und Younow wird die Eltern auch nicht neu fordern, immerhin sollten sie nach SchülerVZ, Facebook, Abofallen, Alkohol und Shades of Grey genug trainiert sein, um auch noch vor Younow zu warnen. Die Geschichte wiederholt sich und nach 20 Jahren Internet ist es mal wieder sehr erstaunlich, dass da überhaupt jemand darauf reagiert.

Typisch deutsch, zuerst kommt die Gefahr, dann das Potential

Ich fühle mich bei Younow mal wieder bestätigt, denn die Gesellschaft und die Medien können nichts anderes als Warnungen aussprechen und sehen kein Potential. Die Younow Berichterstattung zeigt es mal wieder. Da probiert keiner aus, keiner sieht die Vorteile, keiner denkt an positive Einsatzbeispiele, sondern das erste was einem einfällt sind die Gefahren und danach kommen die Verbote. Die Angst vor dem Internet scheint eine deutsche zu sein.

OER wir machen, Jedi-Ritter wir sind

Neben den ganzen MOOCs, der MOOC-Plattform mooin und der Moodlemoot in Lübeck, kommt eine Botschaft zu kurz. Wir veröffentlichen nämlich fast alles auch unter CC BY, also einer freien OER Lizenz und sind damit Jedi-Ritter geworden :-)

tl;dr

Die FH Lübeck bzw. oncampus sind schon seit Jahren fast unbemerkt ein großer OER-Video-Anbieter geworden. Im Jahr 2011 habe ich den Wissenswert-Preis Wikimedia gewonnen und viele unserer Lehrvideos, vor allem aus den Bereichen Kommunikationsnetze, Fertigungstechnik und Volkswirtschaftslehre, wurden dadurch von CC BY-NC auf CC BY umgestellt und barrierefrei untertitelt.

Die Videos haben inzwischen rund 400.000 Klicks erzeugt und sind dadurch, wie der ganze YouTube-Kanal, eine strategische Säule in der Infrastruktur von oncampus geworden. 2,5 Jahre später sind dann die MOOCs dazu gekommen, zuerst “Grundlagen des Marketing”, später dann der HanseMOOC und ab März folgen dann noch Projektmanagement, VideoMOOC und “Das Digitale Ich”. MOOCs sind zwar nicht zwangsläufig OER, doch verbindet beide Modelle der Grundgedanke der freien offenen Bildung für alle.

Stand der Dinge

Im Moment haben wir ca. 840 Videos auf YouTube liegen und davon sind ca. 380 öffentlich online. Wir haben über 1 Mio. Klicks und knapp 3.000 Abonnenten (die Klicks sind die zweit-meisten einer deutschen Hochschule und die Abonnenten die meisten, aber es gibt etliche Einzelprojekte bzw. -personen, die mehr haben). Unsere OER-Playlist hat ca. 400.000 Klicks und der Marketing-MOOC (ist auch komplett OER) hat 80.000 Klicks und 99% positive Bewertungen.

Da wir mindestens 18 MOOCs in den nächsten Jahren veröffentlichen werden, wir aber mit 40 planen, werden also zwischen 400 bis 800 neue Videos hinzukommen und alle sollen natürlich OER sein. Wir versuchen alle MOOC-Videos auch als eigenständige E-Lecture Reihe didaktisch zu konzipieren, so dass man sie auch ohne die MOOC-Inhalte konsumieren kann, aber ob das auch klappt, kann man jetzt noch nicht sagen.

MOOCs, OER und Geiz ist geil

Wenn von OER die Rede ist, dann wird oft der Begriff kostenfrei dazu gesagt. Doch man kann OER ohne Probleme auch für kommerzielle Angebote nutzen, wenn die Lizenz das zulässt und bei CC BY ist das auch ausdrücklich erlaubt. Man kann also ohne Probleme einen Vortrag aus Bildern zusammenbauen, die alle unter CC BY veröffentlicht sind und für den Vortrag Geld nehmen. Das muss auch so sein, denn meist brauchen die Nutzer nur einen Microcontent z.B. ein Bild für einen Vortrag und dafür extra ein Abrechnungssystem einzurichten, wäre viel zu kompliziert. Da ist die Verwaltung höher als die Einnahmen, obwohl die heutige Technik was anderes verspricht.

Das Gleiche gilt auch für MOOCs, denn auch diese offenen Kurse können kostenpflichtig sein, obwohl viele meinen, dass Open stehe für kostenfrei. Andere behaupten, dass Open stehe für zulassungsfrei und jeder könne daher an diesen MOOCs teilnehmen. Eine Definition dafür gibt es nicht, aber die deutsche “Geiz ist geil”-Mentalität schlägt schon zu und alle erwarten, dass OER und MOOCs kostenfrei sind. Das kann aber so nicht funktionieren, denn OER als auch MOOCs haben natürlich Herstellungskosten und diese müssen auch verteilt werden. Ob das jetzt durch Förderungen, Stiftungen, Spenden oder Bezahlmodelle stattfindet, wird noch getestet (erforscht will ich gar nicht sagen, dass wäre zu viel des Guten).

Fakt ist jedoch, dass wir im April den MarketingMOOC ein drittes mal anbieten werden, wobei wir jedoch für den Kurs Einnahmen planen, z.B. für Kurseintritt, Badges und natürlich das Zertifikat, aber die Videos als OER auf YouTube liegen. Ob dies funktioniert, wissen wir nicht. Ich bin jedoch überzeugt, dass wir neue Schritte ausprobieren müssen und das OER und Bezahl-Modelle sich nicht ausschliessen. Hier ist aber auch der User gefordert, der keine “Geiz ist geil”-Mentalität haben sollte. Unsere Evaluationen haben gezeigt, dass die User bereit sind, für Inhalte zu zahlen. Die Praxis ist aber immer anders und ergonomische Bezahl-Systeme, wie Apple-Pay oder NFC haben sich noch nicht durchgesetzt.

OER und YouTube als Strategie der Hochschule

Ich bin ein absoluter YouTube-Fan und das einzige Argument gegen YouTube ist und bleibt, Google könnte böse sein/werden, technisch ist YouTube nach wie vor der absolute Platzhirsch. Allerdings greift diese Regelung bei OER nicht, denn unsere Inhalte sind CC BY und wenn Google beschließt, diese zu nutzen, haben wir das ja auch erlaubt. Auf der anderen Seite nutzen wir YouTube seit fünf Jahren und haben wirklich viel Erfolg, hohe Usability, Reichweite, Plattformkompatibilität, Hochverfügbarkeit, Adsense-Einnahmen und noch ganz viel mehr davon. Hätten wir eine inhouse Lösung genommen, z.B. Flash Media Server (das wäre wohl wegen HTML5 und iOS richtig Mist gewesen) oder Matterhorn (nichts geht über Hochschul-Projekte, die nie aus dem Prototypen-Status herauskommen), hätte uns das schätzungsweise 50.000 Euro gekostet. Im nachhinein betrachtet, war die Lösung genial :-)

YouTube ergänzt sich perfekt mit den MOOCs und OER als Öffnung der Hochschule zum lebenslangen Lernen. Wenn unsere Inhalte frei zugänglich sind, können alle, aber wirklich alle auf die Inhalte jederzeit zugreifen und lernen. Hier kommt der immer noch wenig beachtete “Learning on Demand”-Ansatz zum Einsatz. Denkt man MOOCs konsequent weiter, muss man irgendwann beim völlig automatisiertem dozentemfreien Lernen landen, was heute aber nur Lernvideos oder die alten CBT/WBTs abdecken. So weit sind wir zwar noch nicht, aber frei zugängliche Learning Nuggets sind ein zentraler Bestandteil dieser Strategie. Die zweite Säule ist natürlich, dass man per YouTube, oder sagen wir dem Internet, im Allgemeinen (daher auch MOOCs) Zielgruppen auch außerhalb der Hochschule anspricht und zwar vor, neben und vor allem nach dem Erststudium. Die Öffnung der Hochschule funktioniert bestens über das Internet und da ergänzen sich MOOCs als auch OER als Gesamtstrategie im Life Long Learning.

Um YouTube als OER zu nutzen, braucht man jedoch bei der Produktion einen OER-Leitfaden, d.h. jedes Video darf nur gedreht werden, wenn alle Teilnehmer ihre Persönlichkeitsrechte abtreten, es keine Plagiate gibt bzw. alle Zitate korrekt sind. Auch auf eingebundene Medien muss man achten, z.B. Hintergrundmusik. Wir konnten z.B. die Trailer für unsere MOOCs nicht als OER veröffentlichen, da wir kommerzielle Musik nutzen.

In der Praxis kriegen wir das allerdings auch nicht hin, dass alle Videos veröffentlicht werden können. Viele Professoren weigern sich, auf dem bösen YouTube zu erscheinen, auch wenn die Links “privat” sind. Außerdem sind viele Videos ohne eingebunden Kontext sinnfrei. Ich meine jedoch, man kann auch Videos ohne Kontext veröffentlichen. Den Kontext definiert jeder neu für seine singuläre Anwendung und daher kann jedes Schnipsel brauchbar sein. Auf der anderen Seite erwarten viele YouTube-Nutzer aber in sich geschlossene Videos und werten solche Schnipsel ab. Damit wären wir auch gleich bei der Remix-Kultur:

Das Märchen vom Remix

Ich sage es einfach mal ganz simpel: Es gibt keine Remix-Kultur. Alle Remixes, die es da draussen gibt, sind kleine Ausnahmen, die sehr gerne bei Vorträgen einmal erwähnt werden, aber in der Praxis keinerlei Bedeutung haben. Wir haben bei 400.000 Klicks und ca. 150 Videos einen Remix, von dem wir wissen. Macht sich aber gut, wenn man es in einem Paper erwähnt :-) .

Und warum machen wir denn jetzt OER?

Ich könnte jetzt ganz viel schreiben über Remixes, Vorträge mit OER-Inhalten, neue Unterrichtsmethoden, Abmahnwellen und Qualitätssicherung (Weisheit der Massen), aber ich halte davon nicht mehr sehr viel. Wir machen OER, weil es der Anstand erfordert. Der Auftrag einer Hochschule ist es, die Welt schlauer zu machen. Bildung für alle und das möglichst kostengünstig! Wenn alle auf der Welt schlau wären, würden wir keine Flüsse vergiften und hätten das Gegenmittel von AIDS und Ebola schon erfunden. oncampus entwickelt MOOCs und es geht nicht in meinen Kopf, wie man dann die Inhalte NICHT unter OER veröffentlichen könnte. Es ist ganz einfach, wir sind Jedi-Ritter und wir sollten daher auch so handeln:

Und wenn man sich einmal mit den Geschäftsmodellen von OER und freier Bildung auseindersetzt, schliesst sich das Geld Verdienen auch nicht aus, siehe z.B. Open Source oder Wikipedia oder YouTube oder Facebook oder auch Pro7. Alles kostet kein Geld und trotzdem kann man damit Geld verdienen.

Braucht OER Förderung?

Zum einen könnte Google ganz viel machen. Wenn Google ganz einfach OER-Inhalte in ihren Relevanzkriterien höher rankt, als andere Inhalte, hätte jede Webseite, jedes Marketing-Video, jeder Blogger und jede Zeitung aus Gründen der Reichweite einen sehr hohen Anreizpunkt, um OER zu machen. Google macht dies schon bei der Wikipedia und könnte daher auch andere OER-Inhalte ähnlich behandeln. Allerdings kann dies nicht alleine stehen, denn ohne Qualität hätten OER-Inhalte auch keine Relevanz.

Auf der anderen Seite sind die Hochschulen gefordert. Wenn die Professoren einmal von ihrem hohen Ross herunterkommen würden und der Gesetzgeber einmal handeln würde, würde man ganz einfach sagen, alles aber wirklich alles was in einer Hochschule produziert wird, muss als OER veröffentlichbar sein, dann wäre diese Diskussion beendet. Professoren erhalten Gehalt und was sie produzieren sollte also dem Auftraggeber gehören, also hier der Hochschule und damit dem Staat und damit der Allgemeinheit. Es wäre alles gut, wenn die Macht mit uns wäre und wir Jedis als Profs hätten  :-) .

 

 

mooin – Die Story hinter dem Launch einer MOOC-Plattform

Letzen Mittwoch war es soweit. Wir haben unsere neue MOOC-Plattform mooin (ab jetzt schreibt man mooin mit zwei O – Open und Online) gestartet und ich möchte einmal ein paar Gedanken und Insider-News dazu verkünden.

tl;dr

Vielleicht wissen es die einen oder anderen schon. Die FH Lübeck hat wahrscheinlich mit den beiden MOOC-Projekten FHLMOOC und pMOOC im Moment die größten MOOC-Projekte Deutschlands und ich bin irgendwie einer der Projektleiter geworden. Wir werden in den nächsten Monaten/Jahren mindestens 18 MOOCs entwickeln aber wir wollen irgendwie 40 schaffen :-) Bei einer so großen Anzahl von Kursen, macht eine eine eigene Plattform Sinn, obwohl ich nie ein Freund der Erfindung des zweiten Rades bin. Kooperationen haben aber nicht geklappt, obwohl wir  mit einigen Anbietern gesprochen haben. Das kann viele Gründe haben. Einer liegt sicherlich auch bei uns, da wir technisch schon immer sehr gut aufgestellt waren und sind. Es liegt aber auch an den Förderprojekten, die teilweise Kooperationen nicht zulassen. Hier sollte die Politik einmal nachrüsten.

Und plötzlich war der Termin da und keiner hat es gewusst

Es ging am  5.Januar los, als ich endlich Zeit hatte, die Roadmap unserer MOOC-Produktionen einmal schriftlich zu verfassen und alle dann gemerkt haben, wie knapp das jetzt wird. Unser erster Launch Termin für die Anmeldeseiten war der 19.Januar, was aber utopisch war. Er machte jedoch jeden wach, so das überhaupt Fahrt in das Projekt kam. Man muss dabei anmerken, dass wir zwei Launch-Termine haben. Der erste ist die Vorstellung der neuen Kurse mit Kursbeschreibung, Vorstellung der Autoren und der Option, sich für einen Newsletter anzumelden. Der Zweite ist dann Anfang März wo die Plattform mit allen Funktionen starten wird und ab Mitte März kann sich jeder direkt in die Kurse einschreiben und es geht dann auch los – so Gott will :-)

Am Anfang war das Logo

Wir haben uns schon beim Namen mooin viel Mühe gegeben und damit die Richtung vorgegeben. Es sollte etwas nordisch maritim sein und wir hatten Überlegungen mit Rettungsringen oder Sonnenaufgängen gehabt, aber unsere Design-Abteilung fand das irgendwie nicht gut und hat dann aus den Rettungsringen einen Kompass gemacht und der wurde dann modern und stylisch umgesetzt. Ob jemand da noch eine Kompassnadel sieht oder nur ein schickes mooin, kann auch egal sein. Es sieht definitiv modern und sympathisch aus.

mooin - Logo

mooin – Logo

Was jedoch nicht sofort auffällt ist, dass wir alle Buchstaben klein schreiben. Das kommt etwas freundlicher rüber, glauben/hoffen wir jedenfalls und daher haben wir uns auch auf die Anrede Du geeinigt.

Du oder Sie – das ist hier die Frage

Typisch deutsches Problem! Wie spricht man seine Kunden/Studis/Teilnehmer an? Und was ist mit dieser Gendersprache? Fakt ist und bleibt, dass wir eine Hochschule sind, und nimmt uns dann überhaupt jemand ernst, wenn wir es wagen und einfach im Web DU zu sagen? Und wenn wir SIE sagen, müssen wir dann auch genderkorrekt von Teilnehmer und Teilnehmerinnen sprechen? Und wenn wir das machen, hört sich das dann nicht “scheiße” an? Und kommen wir dann überhaupt noch mit einer Cliplänge von einer Minute aus, wenn alle Anreden plötzlich dreimal so lang werden? Wieso sprechen die im Fernsehen eigentlich nie genderkonform? Und wie ist die weibliche Form vom Drachen? Kein Wunder, dass die ausgestorben sind, es gibt nämlich keine weiblichen Drachen, aber weibliche Eichhörnchen gibt es. Rätsel über Rätsel… und dabei habe ich in einem Gender-Workshop gelernt, dass genderkonforme Sprache der User Experience nicht widerspricht.

Ja ne, is klar.

Wir haben uns dann auf ein charmantes DU geeinigt und vergessen, dass wir eine Hochschule sind. Ich hoffe, es merkt niemand da draussen im Web, aber das DU wurde später noch ein großes Problem.

Und dann kam der Trailer

Ein schöner Trailer für die Plattform macht was her, aber was soll er uns sagen? Ich wollte ja ein paar bärtige Männer in einer Hollywood-Schaukel am Strand haben, die ganz locker “mooin” sagen und dazu frech in die Sonne blinzeln und dann lässig nordisch “mooin schreibt man jetzt mit zwei O im Norden. Dat stät näämlich fü Open uund Online, weit du dat?” ins Mikro nuscheln.

Das ging aber aus vielen Gründen so nicht, z.B. strahlt im Moment keine Sonne bei uns, wir haben kein Geld für Schauspieler, in englisch funktioniert das gar nicht und Audio-Aufnahmen in der Außenwelt sind richtig schwer und teuer und das kann ganz schnell billig wirken. Trotzdem haben wir uns reichlich vom NDR inspirieren lassen:

Aber herausgekommen ist dann dieser super gelungene Stop-Motion-Trailer. Das Konzept hat ganz viele Vorteile, denn wir arbeiten hier ohne Sprache aber auch ohne große Erklärungen. Wir gehen davon aus, dass über 80% der Nutzer wissen, was MOOCs oder Online-Kurse sind (das hat unsere Evaluationen ergeben). Daher wollten wir unsere Kunden eher emotional ansprechen und vielleicht ist uns das auch etwas gelungen. Der Trailer hat richtig viel Arbeit gemacht, aber die Idee kam von einer sehr motivierten Multimedia-Designerin und solche Leute sollte man dann auch nicht aufhalten. Eigene Ideen sind nämlich immer die beste Mitarbeiter-Motivation und das ist das beste, was einem überhaupt passieren kann (sollte sich jede Firma/Hochschule einmal merken).

 

Und dann ging der Stress los

Als dann die Zeit richtig knapp wurde, kam die Krankheit zu uns. Die Plattform-Designerin wurde krank, das Marketing auch und einen Entwickler hat es auch erwischt. Parallel waren Klausuren und etliche Kollegen bilden sich fort und mussten daher für Prüfungen lernen.  Die nächsten Tage waren dann Stress pur. Wir mussten für fünf MOOCs die Beschreibungen machen, Lernziele, Gliederungen schreiben, die Fotos der Autoren besorgen und natürlich Trailer drehen und schneiden. Das meiste hatten wir natürlich schon beim Anfangskonzept erfasst, trotzdem musste alles geordnet werden und jetzt auch abgestimmt werden. Waren alle Texte ungefähr gleichlang? Stimmte die Ansprache? Gab es überall Titelbilder? Sprechen wir im DU oder SIE an? Ja wieder das gleiche Problem, wie schon oben erwähnt. Und sprechen wir im Single oder im Plural an? Also haben wir alle Texte noch einmal umgeschrieben, sieht man gar nicht, oder?

Die Trailer haben teilweise Musik bekommen, aber woher nehmen? Wir kennen natürlich Musik-Anbieter, aber für ne Hochschule ist es nicht einfach online per Kreditkarte einzukaufen, zum Glück haben wir das Problem schon lange gelöst. Dann hat aber YouTube plötzlich gemeint, wir hätten eine Urheberverletzung mit der Musik und hat die Trailer gesperrt. Das ging dann aber auch relativ schnell, da ich das gleiche Problem schon vor drei Jahren hatte (Erfahrung ist alles, sag ich immer wieder – die wahren Probleme bei solchen Projekten ist nicht die Didaktik oder die Technik sondern das Neue und das Unerwartete).

Dann aber ging es weiter. Wer beschreibt die Videos auf YouTube und welche Tags erhalten sie? Wie soll der Abspann der Videos sein? Welche Projektträger und Partner müssen genannt werden? Wie ist das Copyright? OER mit CC-BY geht auch nicht, da wir fremde Musik im Video haben (das haben wir aber erst vier Tage später bemerkt).

Auf der Webseite kamen ähnliche Probleme. Wie lautet das Impressum? Was ist mit dem Datenschutz? Wollen wir piwik oder Google-Analytics einsetzen oder doch beides? Das Design sieht aber bei einer Auflösung von 1024*768 schlecht aus. Hat jemand noch so kleine Monitore? Wie findet man das heraus? Ach ja Google Analytics verrät das und siehe da, noch 25% aller Nutzer haben alte Bildschirme (Wie finden Hochschulen ohne Analytics so etwas eigentlich heraus? Machen die Umfragen und werten diese 14 Tage später anonym aus?).

Dann kam der Newsletter und wie soll der funktionieren? Brauchen wir überhaupt einen Newsletter? Ich meinte nein, wurde aber gnadenlos überstimmt. Dann die große Frage, wenn man sich dort anmeldet, soll man sofort eine Registrierungsmail erhalten? Ich meinte ja, aber auch hier wurde ich des Besseren belehrt. In Newslettern trägt man sich ein und man registriert sich nicht. Im Newsletter muss aber dann eine Opt-Out-Funktion sein…ach ja stimmt eigentlich, wenn man näher drüber nachdenkt. Trotzdem hatte ich heute zwei Nachfragen zu dem Thema auf meinem Tisch. Ich will damit nur sagen, über jeden kleinen Wisch, macht man sich wirklich ausführliche Gedanken, dass könnt ihr mir glauben.

Hatte ich schon den Captcha beim Newsletter erwähnt? Auch ein Thema für sich. Manche können die Schrift nicht lesen, andere sind für Fragen zu dumm und wieder andere sind so grobmotorig, dass sie mit der Maus keine Muster nachzeichnen können. Ich habe schon alles in meinem Leben gehört und egal welche Lösung man einbaut, irgendjemand wird da draussen jammern und uns für inkompetent halten (ich hatte bisher drei Nachfragen/Beschwerden).

Und Mittwoch musste es dann starten

Dienstag haben wir wirklich lange gearbeitet und ich dachte dann, dass wir es Mittwoch Vormittag locker schaffen werden, online zu gehen. Pustekuchen, wir haben den ganzen Tag noch Texte korrigiert, Grafiken optimiert, fehlende Links gesetzt und natürlich alles auf Android, iOS, Windows und Laptops, Tablets und Smartphones getestet. Was soll ich sagen, gegen 16 Uhr waren wir endlich online. Später ging es auch nicht, denn der letzte gesunde Entwickler hatte ab Donnerstag Urlaub und daher musste es JETZT online gehen.

Fazit

A New German MOOC Platform Is Born! Im Nachblick war das jetzt für fünf Trailer und ein paar Infoseiten echt viel Arbeit und in vier Wochen wollen wir mit der produktiven Plattform starten. Die nächsten Wochen werden also lustig und stressig und parallel kommt Anfang März noch die MoodleMaharaMOOT nach Lübeck, wo ich die Plattform mooin auch in einem Vortrag vorstellen werde. Trotzdem bringen solche Projekte richtig Spaß. Endlich einmal was schönes, neues Innovatives entwickeln und parallel eine Social Media Kampagne steuern bzw. begleiten (das ist aber ein eigener Blogartikel wert). Und Ende März fahre ich in Urlaub, versprochen.

Update

Da ich auf Twitter noch einmal auf die Bärte angesprochen worden bin und warum nur harte nordische Männer solche Projekte wuppen können #ironie , hier noch eine nicht ganz ernst gemeinte Ergänzung:

mooin – A new MOOC Platform is born

Was für eine Woche war das bitte? Wir haben in vollem Kampfeinsatz fünf MOOCs auf mooin gelaunched. mooin wird die neue MOOC Plattform von der FH Lübeck und von oncampus und wir starten ab März mit den freien Online Kursen: HanseMOOC, VideoMOOC, ProjektmanagementMOOC, Grundlagen des Marketing und Dem digitalem Ich.

Ich freue mich jetzt erstmal, das alles online ist und statt jetzt darüber zu bloggen, geh ich mit den Kollegen Stolz ein helles Blondes trinken um diesen grandiosen Meilenstein zu feiern.

 

 

Facebook und der blöde Datenschutz

Facebook ändert seine AGBs und die deutsche Welt, steht still. Jetzt kommen alle Verschwörungstheoretiker wieder aus dem Dunklen ins Licht und warnen vor personalisierter Werbung und  erklären, wie man denn Facebook entkommen kann. Alternativen stehen menschenleer bereit und alle wundern sich, warum denn keiner ins gelobte Land will.

tl;dr

Das mit dem Datenschutz ist schon ne blöde Sache. Jeder will ihn, aber keiner tut was dafür. Die Parteien, die für Datenschutz waren, sind entweder scheintot (FDP) oder waren zu dumm (Piraten). Die Software-Alternativen wie identi.ca oder ello sind keine Social Networks, da dort niemand ist, also ohne Network kein Social. Auch die Instant Messenger Alternativen wie Threema, Telegram oder  ChatSecure sind viel zu umständlich, als das irgendjemand sie ernsthaft benutzt. Auch wenn es sich seltsam anhört, aber Usabilty zu programmieren, ist nicht so einfach, wie viele denken. WhatsApp oder auch Facebook sind beliebt, weil sie gut zu bedienen sind. In der Einfachheit liegt der Erfolg und Sicherheit ist nie einfach zu bedienen. Das fängt schon beim Passwort an. Ein sicheres Passwort soll mindestens 12 Zeichen haben, muss Sonderzeichen und natürlich Groß- und Kleinbuchstaben enthalten und natürlich alle 3 Monate erneuert werden. Kennt jemand einen Menschen auf der Welt, der das ernsthaft macht?

Datenschutz ist sinnlos

Dazu kommt die Sinnlosigkeit von Datenschutz. Zum einen weiss man inzwischen, dass jeder aber auch wirklich jeder unsere Daten abgreift. Google ist dabei das kleinste Übel, denn dank Dashboard, kann man relativ transparent seine Daten einsehen (kennt jemand ein vernünftiges Analyse-Tool für den Dashboard-Export? Gibt wohl keine große Nachfrage dafür, oder?) und auch sonst, sind alle Daten sehr transparent. Facebook inkl. WhatsApp kann schon mehr Daten erfassen, aber eigentlich sind die Jungs dort noch sehr oberflächlich. Richtig wichtige Daten wie Gesundheit und Bankdaten hat Facebook gar nicht und wer nicht gerade seine Geschlechtteile fotografiert und online stellt (Hat das jemand bei Facebook mal ausprobiert? Ist dank der Pornofilter gar nicht so leicht, wie man denkt.) hat keine großen Probleme mit den Facebook Daten. Nie vergessen, alle Daten dort sind freiwillig und nicht zertifiziert. Man kann dort auch eine 22jährige Blondine sein, die gerade Single geworden ist und die Hobbys Fußball schauen und Playstation spielen hat.

Viel wichtiger sind die echten Daten, über die man nicht so gerne spricht. Zum einen sind hier die Cookie-Netzwerke, die wirklich alles tracken, wo man sich aufhält. Von Google zu YouPorn und dann zurück zu Amazon und dort schnell eine Lederpeitsche kaufen. Das aufzuzeichnen ist kein Problem für die Cookie Netzwerke und die größten gehören auch den Big Playern wie z.B. Google mit Double Click. Leider werden über Cookies selten geredet und wer sie einmal gelöscht hat, wird erkennen, dass man sie auch wirklich braucht, denn sie erhöhen enorm die Usabilty. Viele Funktionen, wie das weitersurfen, wo man letztes mal aufgehört hat z.b. bei Online-Büchern, Passwörter speichern, Foren-Einstellungen, Warenkörbe, Musiklisten und natürlich Anmeldedaten will man heute nicht mehr missen. Alles wurde entwickelt zum Wohle des Kunden und seiner Usability und auch für seine Sicherheit. Cookies sind sinnvoll und böse, ja das ist so ähnlich wie mit vielen Sachen. Eine Pistole dient auch der Verteidigung aber auch dem Angriff.

Und der Staat mit schlechtem Beispiel vorneweg

Die zweite große Sinnlosigkeit von Datenschutz ist der Staat selber. Wer überwacht uns denn wirklich flächendeckend? Das sind erwiesenermaßen die Geheimdienste, die das aber nur zu unserem Schutz machen. Und der Staat macht sehr viel zu unserem Schutz. Da werden ganze Horden von Moslems in Guantanamo nur für unsere Sicherheit seit Jahren mit Wasser abgefüllt, aber das ist ein anderes Thema. Warum soll ich mich aber vor Facebook schützen, wenn die NSA und der BND nicht nur meine Privatfotos sehen kann, sondern auch locker mein Gehalt, meine Steuern, meine Krankenakte und meinen Strom- und Wasserverbrauch hat. Zum Glück verkauft der Staat diese Daten nicht, sondern gibt sie nur unseren Bündnispartnern :-) Ach ne stimmt ja auch nicht. Einwohnermeldeämter verkaufen seit Jahren für Cent-Beträge Stammdaten ganz legal an zig Werbenetzwerke, was auch niemanden interessiert.

Aber Schutz geht doch auch so?

Natürlich kann man sich trotzdem schützen. Jedem steht es frei Linux zu installieren, dann einen einen Browser mit hohen Sicherheitseinstellungen zu nutzen, alle Browserhistorien und Cookies immer blocken, Javascript und Flash zu blocken und dazu bitte noch ein paar Adword-Blocker und andere Plugins. Als Suchmaschine nutzt man DuckDuckGo und Facebook bitte nur im Secure-Browser auf einem Extra-PC nutzen und bitte nicht mit deinem Real-Namen, sonst könnte dich jemand finden, der dich aus alten Schultagen kennt. Bitte auch keine Seiten liken, die dir gefallen, sonst könnte ein passendes Profil erstellt werden. Dann ist Facebook und Co zwar nicht sinnvoll oder bedienbar, aber immerhin ist man sicher. Erinnert mich an ein Auto, was immer in der Garage steht, sonst könnte man einen Unfall haben.

Und dann passiert das Schlimmste

Ja wenn alles schief geht und Facebook und Co deine Daten perfekt auswertet, dann könnte wirklich schlimmes passieren. Denn dann könnten Fußballfans Werbung von ihren Vereinen erhalten, Fahrradfahrer kriegen keine Werbung für Autowinterreifen, Vegetarier erhalten keine Hackfleischwerbung und Singles kriegen Kondom-Werbung und keine Familienpackungen. Personalisierte Werbung ist also der Weltuntergang. Wer einen Fernseher gekauft hat, kriegt danach HDMI-Kabel empfohlen oder HD-Rekorder, was man natürlich nicht will, sondern man will anonym bleiben. Dann kriegt man weiter Werbung vom gleichen Fernseher, der vielleicht jetzt billiger ist und man kann sich dann ärgern, dass man zu viel bezahlt hat. Dafür aber, ist man frei und unabhängig.

 

 

Lifelogger, Wearables, Quantified Self und das große Big Data

Daten erheben und sammeln wird der große Trend der nächsten Jahre werden und das meiste machen wir freiwillig. Warum? Weil wir neugierig sind, weil wir einen Mehrwert haben und weil uns der Datenschutz eigentlich völlig egal ist.

tl;dr

Ich bin ja schon immer von Zahlen und Statistiken begeistert gewesen und habe mich schon lange darüber motiviert. Angefangen hat das mit dem Fahrradfahren, wo ich schon immer einen Tacho hatte. Kann sich noch jemand an diese langen Vierkant-Adern erinnern, die immer durchgebrochen sind von den analogen Tachos? Ich hatte immer einen :-)

Analoger Fahrradtacho Ende 70er bis Anfang 80er Jahre

Später ging das dann weiter mit digitalen Fahrradcomputern, die dann Durchschnittswerte und Historie-Funktionen hatten. Die digitale Welt kam so langsam in den Alltag und wer kennt nicht die Körperwaagen, wo man das Gewicht speichern kann (hat man früher per Zettel gemacht) und inzwischen auch Körperfett, BMI und andere Sachen messen und per WLAN auswerten kann. Körperdaten haben wir eigentlich schon immer erfasst und statistisch ausgewertet aber jetzt wird das alles smarter.

Natürlich ist hier der Fitnessbereich eine treibende Kraft. Neben den Pulsuhren (ich liebe diese kleinen Dinger) kamen natürlich auch die Smartphones in den Sortbereich und Apps wie Runtastic, werten alle deine Läufe statistisch aus. Höhenprofil, Dauer, Spitzengeschwindigkeit und natürlich wird auch die Strecke per GPS getrackt und vermessen. Inzwischen kann man die Smartphones auch mit einem Brustgurt per Bluetooth verbinden und hat auch den Puls, dadurch wird die Laufuhr überflüssig oder das Smartphone wird überflüssig, weil die Uhr GPS, Bluetooth und Display hat. Diese neuen Smartwatches sollen ein großer Trend in diesem Jahr werden, was ich persönlich nicht glaube. Niemand will jeden zweiten Tag seine Uhr aufladen nur um E-Mails am Handgelenk zu lesen.

Motorolla Smartwatch Moto 360

Motorolla Smartwatch Moto 360

Jetzt kommt aber eine neue Generation, denn bisher war es nur üblich zu besonderen Anlässen Daten zu ermitteln. Das Lifelogging ermöglicht es, konsequent 24 Stunden am Tag Körperdaten zu ermitteln. Es war Weihnachten, als ich das erste mal das Fitnessband Jawbone Up entdeckt hatte und war sofort begeistert. Das kleine Band für ca. 50 Euro misst die täglichen Schritte, die Bewegungsphasen und gibt dann statistische Werte auf das Smartphone, u.a. auch die Kalorien, Wegstrecke und Schritte. Mit der Vibrationsfunktion kann es zum Beispiel auf Bildschirm-Pausen aufmerksam machen oder es misst das Schlafverhalten und weckt einen durch sanftes vibrieren und zwar in einer Wachphase, anstatt in einer Tiefschlafphase. Durch den Bewegungssensor kann Jawbone nämlich auch kleine Bewegungen erfassen und erkennt so die verschiedenen Schlafphasen. Gibt man dann eine Zeitspanne als Weckzeit an, statt wie beim Wecker einen Zeitpunkt, so erkennt Jawbone eine Wachphase und vibriert dann. Hört sich eigentlich sehr gut an und das Band ist auch sehr klein und soll eine mehrere Wochen halten.

Jawbone Up mit App

Jawbone Up mit App

Inzwischen gibt es eine Menge anderer Anbieter wie Garmins Vivofit, wo die Batterie sogar ein Jahr halten soll und ein kleines Display dann Informationen direkt anzeigen kann. Andere Modelle von Polar, Microsoft, Sony oder Samsung sind auf dem Markt und unterscheiden sich eigentlich nur minimal. Manche sind wasserdicht und andere haben Displays und wieder andere haben nur LEDs als Anzeige. Die meisten werden als Uhr-Ersatz am Unterarm getragen, wobei aber viele kein Display haben und man noch eine Uhr extra bräuchte. Auch die Batteriedauer ist extrem unterschiedlich, was oft am Display liegt. Haben die Modelle nur ein Ink-Display oder sogar nur LEDs, dann muss man nur alle Monate laden, bei Farbdisplays sind es manchmal nur 24 Stunden.

Vivofit Armband mit Display von Garmin

Vivofit Armband mit Display von Garmin

 

Entscheidend sind jedoch die Sensoren und damit die Daten, die erhoben werden können. Die neuen Modelle können neben den bekannten Schritten und Entfernungen jetzt auch den Puls und die Atmung ermitteln und dank Bioelekrolytischer Impedanzanalyse (BIA) sollen auch Körperfett, Muskeln und Körperwasser gemessen werden und das alles ohne Brustgurt oder andere Sensoren. Als erster Hersteller bietet Jawbone das Up3 mit diesen Funktionen an für “nur” 180 Euro. Das Up3 hat kein Display, wahrscheinlich damit die Batterie einigermaßen lange hält, außerdem hat man sein Smartphone dafür. Das ist konsequent gedacht und könnte ein großes Plus sein.

Jawbone Up3

Jawbone Up3

Macht es jedoch überhaupt Sinn, alle seine Daten zu erfassen?

Darüber kann man jetzt viel diskutieren. Die einen mögen es die anderen nicht. Die einen warnen vor dem Datenschutz, die anderen müssen es sowieso machen, da sie körperliche Beschwerden haben bzw. diese vermeiden wollen. Aus medizinischer Sicht ist es sicherlich interessant bestimmte Fakten zu haben. Blutdruck und Puls sind zwei äußerst wichtige Daten neben dem BMI, aber diese müssen ja nicht alle fünf Minuten erhoben werden.

Die Krankenkassen sind natürlich sehr stark interessiert an diesen Daten und haben Bonusprogramme, die das Datenmessen belohnen. Nichtraucher, die Sport machen und einen normalen BMI haben, können zwischen 50-150 Euro im Jahr sparen. Allerdings sind diese Programmen noch analog und  nicht mit Smartphones verknüpft. Die Datenschützer finden das gut, die Leute die Usability mögen und über Effizienz nachdenken, finden das natürlich sehr veraltet und teuer.

Die große Fragen der sozialen Gerechtigkeit werden jedoch immer größer. Warum müssen sporttreibende nichtrauchende Vegetarier genau den gleichen Kassenbeitrag zahlen, wie kaffeetrinkende übergewichtige Raucher. Zusätzlich geben Daten Transparenz. Wer sofort sieht, was z.B. Sport für den Blutdruck bringt, der macht es vielleicht öfters und wer dann seinen schrumpfenden BMI sieht und den Körperwasseranteil, der ist besser motiviert, als Menschen ohne diese Daten. Die Daten zu haben ist immer besser, als sie nicht zu haben. Wie immer können Daten auch gefährlich sein, aber was ist heute nicht gefährlich. Autos bringen auch Menschen um, aber jeder sieht die Vorteile und akzeptiert die Nachteile.

Der Trend geht jedoch zum “Quantified Self”, wie man bei Google Trends sehen kann.

Das sind erste Ansätze, aber was wird die Zukunft bringen? Im Herbst wird Intel einen neuen Sensor herausbringen, d.h. noch kleiner, noch weniger Batterieverbrauch und noch schneller.

Intel Chip Curie für Wearable Devices

Intel Chip Curie für Wearable Devices

Die ersten Extrem-Logger gehen natürlich auch hier einen Schritt weiter und vermessen und verbessern sich selbst. Erste Körperimplantate gibt es schon mit Human-Micro-Interfaces. Man nennt das Bio-Implantate und den Trend dahinter Transhumanismus. Wenn man es selbst ausprobiert ist ähnlich wie die Movemaker-Bewegung das DIY-BIO.

Das kann man jetzt ganz schrecklich finden, aber man sollte sich da nichts vormachen, denn wir sind in vielen Bereichen schon sehr viel weiter. Künstliche Zähne sind ganz normal, künstliche Hüftgelenke auch und Hörgeräte auch. Bei Sensoren und Interfaces wird aber noch lange diskutiert werden. Werden wir uns durch BioTech verbessern können?

Mit Michael Praetorius gab es den ersten Olympia-Teilnehmer in London, der mit einer Prothese gelaufen ist und der deutsche Meister im Weitsprung Markus Rehm hat auch nur ein Bein. Allerdings musste erst ein Gutachten beweisen, dass er durch die Prothese keine Vorteile hat. Das ist natürlich sehr kontrovers, denn wenn Prothesen besser wären als echte Beine, warum haben wir dann nicht alle welche?