Revolution oder Evolution

In letzter Zeit geistert ein neues Video durch die sozialen Medien, was ziemlich positiv bewertet wird. Ich finde die ersten 5 Minuten allerdings ziemlich schlecht und man könnte fast bei jedem Satz ein Gegenbeispiel nennen.

Die Bildung ist keine Wissenschaft für Ingenieure. Das hab ich inzwischen leidgeprüft lernen müssen. Für mich ist es inzwischen eine “Es kommt darauf an” – Wissenschaft Disziplin (dafür krieg ich bestimmt wieder Ärger). Im Video wird anfangs behauptet, dass u.a. Videos bzw. Animationen keinen messbaren Mehrwert ergeben und daher weggelassen werden können. Ich vermute genau das gleich gilt sicherlich auch für Tafel und Kreide und auch für das Papier, den Beamer und selbst diese gerollten Karten (gibt es die eigentlich noch?). Die haben bestimmt den gleichen messbaren Lernwert, wie Google Earth, denn auf beiden finde ich den Atlantik :-)

Darüber kann prima diskutiert werden, was wir auch liebend gerne machen. Was ich aber spannend fand, sind die letzten beiden Minuten von dem Video, wo die ersten fünf relativiert werden.

Revolution oder Evolution

Revolution oder Evolution

Hier wird plötzlich von einer Bildungsevolution gesprochen und das fand ich spannend. Wie lange brauchen eigentlich Revolutionen, bis sie zu Ende waren? Bei Staaten ging es relativ schnell, siehe unsere DDR oder Jugoslawien, aber bei Gesellschaften dauert es ewig oder sie die Franzosen mit ihrer “Egalite” inzwischen fertig? Und haben wir mit der Gleichberechtigung nicht auch noch einige Probleme?

Was erwarten wir denn von einer Bildungsrevolution? Gehe ich heute ins Bett und morgen wird aus dem Klassenzimmer ein ein Flipped Clasroom mit BYOD Schülern und Smartboards mit App-Unterstützung? Alle Schüler können mit den Geräten umgehen und Lehrer natürlich auch?

Nein eine Bildungsrevolution wird es durch die Digitalisierung nicht von heute auf morgen geben. Allerdings ist das Tempo der Veränderungen doch beachtlich. Wer sucht heute noch als erstes im “Meyers Universal Lexikon” oder schaut im Oxford Dictionary nach? Die Rechtschreibung kontrolliert entweder Google oder Office (auf jeden Fall im Büro, in der Schule gilt der gedruckte Duden) und navigiert wird per Navi oder Smartphone und nicht per Klappkarten von Falk. Ich will sagen, dass es hier langsam aber stetig zu einer Bildungsevaluation kommt, die man sehen kann, wenn man sie sehen will. Denkt immer daran, dass Google gerade seine Lehre als Sechzehnjähriger angefangen (Google ging Sep. 1998 online) hat und die großen Sachen erst noch kommen werden.

Im späteren geschichtlichem Kontext werden wir sicherlich von einer Revolution sprechen, aber heute sehen wir eher viele kleine Schritte, die überall etwas ändern, aber das Große Ganze ist nicht so leicht zu ändern und wird ein Generationskonflikt sein. Schaut Euch aber selbst das Video an und vielleicht gefallen Euch ja die ersten fünf Minuten auch :-)

 

Computertexte inzwischen so gut wie die menschliche Feder

Auch wenn es viele nicht glauben oder hören wollen, Computertexte sind in den ersten Teildisziplinen inzwischen mindestens gleichwertig zu menschlichen journalistischen Texten. Ist das das Ende oder der Start von einem neuen Zeitalter von Textinformationen?

tl;dr

Ich habe schon letzte Woche sehr begeistert vom Frankfurter Tag des Online-Journalismus geschrieben. Der Journalismus hat schon heute die Probleme, die Hochschulen erst morgen haben werden. Lösungen haben die Verlage auch noch nicht und die meisten sind wohl überglücklich, dass es die GEZ gibt und damit nicht nur die Arbeitsplätze sondern auch die Qualität gerettet ist. Leider schützt aber öffentliche Finanzierung auch vor Innovation, und auch hier sind Unis und die Öffentlich Rechtlichen wieder sehr vergleichbar.

Eine der interessantesten Vorträge war dabei der Roboterjournalismus bzw. Computertexte. Texte werden heutzutage schon in vielen Teilbereichen von Computern generiert/geschrieben. Mir war dies noch gar nicht bewusst, aber für Standardinformationen wie z.B. Sportinformationen (Spielberichte von Regionalligen oder tiefer), Wetterberichte, Horoskopen oder Börsenberichte werden heutzutage schon Computer genutzt und keiner merkt den Unterschied.

Selbst bei den drei Beispielen im Video, waren sich die Fachjournalisten uneinig (man kann sogar von 50/50 sprechen), welcher Text vom Menschen kam und welcher vom Computer. Die Qualität ist schon heute erstaunlich gut und wird natürlich jeden Tag besser. Die Eindrücke vom Vortrag wurden gerade von einer Studie bestätigt. Die Glaubwürdigkeit eines Artikels war beim Leser hier nur noch subjektiv, anhand der Angabe eines Autors, vorhanden. Wenn nur der Text betrachtet wurden, haben die Computer-Texte eine höhere Glaubwürdigkeit beim Leser erzeugt, als die Journalisten-Texte.

Die Ergebnisse sind für mich beeindruckend und man fängt unbewusst sofort an, die Zukunft der Literatur in Frage zu stellen, was natürlich noch(?) Blödsinn ist. Natürlich werden Computer keine Romane schreiben, aber was wird mit Grundlagen sein? Können Computer bald Mathe- oder Physik-Bücher schreiben oder auch nur aktualisieren? Und wenn Computer schon Artikel schreiben können, wie kann diese Automation weitergehen? Gerade die Diskussion bei den MOOCs wird sich dadurch weiter verschärfen und ist diese Diskussion dann emotional oder rational? MOOCs sind heute schon sehr hoch automatisierte Kurse und dieser Trend, wird mit gleichwertiger Qualität sogar noch weitergehen, auch wenn das viele nicht gerne hören wollen.

Kollege Computer  (Quelle Pixabay http://pixabay.com/de/teenageralter-roboter-zukunft-629046/ )

Kollege Computer (Quelle Pixabay http://pixabay.com/de/teenageralter-roboter-zukunft-629046/ )

Ich denke auch hier, dass wir erst am Anfang einer unglaublichen Entwicklung sind. Viele Konservative werden dem Neuen mit Vorsicht begegnen und natürlich darauf hinweisen, dass dies das Ende vom Abendland sein wird und die Early Adaptor, wo ich mich auch einordne, werden gar nicht früh genug damit anfangen können. Mit den Wetterberichten und Horoskopen fängt es an, aber wie im Video schon angedeutet wurde, man könnte heute schon 50% einer Tageszeitung vom Computer schreiben lassen und an diesem Punkt würde auch ich, Angst um meinen Job bekommen. Zum Glück blogge ich nur privat und bitte vertraut mir, dieser Text wurde von mir und nicht von meinem Smartphone geschrieben :-)

 Update:

Auch die Süddeutsche Zeitung hat einen kleinen sehr respektvollen Artikel über die hohe Qualität vom #Roboterjournalismus in Sportartikeln geschrieben, wo der Kollege Computer hervorragend abgeschnitten hat.

 

Was haben MOOCs und Online-Journalismus gemeinsam und warum scheitert Blended Learning?

Was haben MOOCs und Online-Journalismus miteinander zu tun? Ganz einfach, sie haben die gleichen Problemfelder und gehen konsequent vielleicht sogar radikal in eine neue Richtung.

tl;dr

Ich hab schon sehr viel vom Scheitern des E-Learning gelesen, damit ist aber immer das Blended Learning gemeint gewesen. Das fatale dabei ist, dass beim Blended Learning analoge Konzepte, digital nacherzählt wurden. Sie bleiben aber dennoch analog, das sieht man an den PDFs und dem Wunsch alles auszudrucken um es dann “mobil” mitnehmen zu können. Das funktioniert aber nicht. Es ignoriert die Möglichkeiten des Netzes (Video, Audio, Interaktivität und vor allem die Hyperlinks) und vor allem ignoriert es den Kunden. Der Journalismus steckt da in dieser Zwischengeneration fest, denn die analogen Konzepte funktionieren nicht mehr und die digitalen sind noch nicht soweit, dass sie funktionieren. Fakt ist, dass jeder Verlag massiv Kunden und Auflagen verliert.

Bei den Hochschulen ist dies vergleichbar, auch wir sitzen fest. Das Allheilmittel der Digitalisierung, nämlich das Blended Learning als Kompromiss-Lösung, funktioniert bekanntlich nicht wirklich, aber es ist besser als nichts. Wir stecken da fest, denn bis auf ein paar Einzelprojekte tut sich nichts großartiges. Das liegt meist daran, dass auch hier analoge Konzepte einfach 1:1 digital umgesetzt werden. Man könnte das Blended Learning gut mit den analogen Zeitschriften wie Spiegel und Stern vergleichen. Man nimmt die gleichen Inhalte und stellt sie online. Immer noch eine verdammt gute Rendite und alles funktioniert, aber irgendwie wird hat man das Gefühl, dass wird nicht mehr lange halten.

Einige Verlage handeln und bauen ihre Online Portale aus, wie bei Bild und Spiegel-Online zu sehen ist. Modernes Storytelling, große mediale Elemente und inzwischen sogar eigene Video-Bereiche. Die Bild hat Premium Content mit der Bundesliga und wer kennt Spiegel.TV noch nicht? Beide Portale sehen den Text nicht mehr als Leitmedium, sondern als Ergänzung. Einzelne Leuchtturmprojekte werden geboren und anschaulich erzählt dieses Video, den Leidensweg des Online-Journalismus.

Die Hochschulen machen dies ähnlich und nennen die Leuchtturmprojekte dann MOOCs und jetzt wird es interessant. Auch wir merken überall, dass es mit dem alten Blended Learning so nicht richtig funktionieren kann. Wir schreiben immer noch Bücher (PDFs) und sind arrogant davon überzeugt, das das so weiterhin funktionieren muss, da es schon immer so war und unsere Rendite stimmt ja auch. Es kommen immer noch Studis an die Hochschulen und kriegen das Material wie vor 100 Jahren und bei Beschwerden machen wir es uns sehr einfach und sagen: Das liegt entweder an der Bologna Reform oder die Jugend wurde schlecht ausgebildet oder die Kids können sich dank Smartphones einfach nicht mehr konzentrieren. Was wir, und das ist der Unterschied zu den Verlagen, uns aber leisten können, wir müssen die Bedürfnisse der Kunden nicht erfüllen. MOOCs zeigen uns aber einen alternativen Weg, der aber noch neu und offen und anfällig für Kritik ist. Wir wissen alle noch nicht wie die Lehre der Zukunft aussehen wird, aber wir sollten auch alle inzwischen erkannt haben, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann.

Heute wollen die Kunden/Studis keine analogen “long Reads” mehr haben, denn sie wissen dank Snapchat, YouTube, Twitter und Co, dass es auch anders gehen kann. Und wie die Verlage ignorieren auch die Hochschulen diese Erkenntnisse und setzen dem Kunden/Studi einfach das PDF/Tafelbild vor und sagen, dass hat bei mir auch so funktioniert und Qualität kommt von Qual, also arbeite das jetzt durch, sonst kriegt man den Schein nicht.

Wir predigen immer noch das analoge serielle Buch als ideal der Wissensform, obwohl wirklich inzwischen alle (Buzzfeed, Facebook, Google, Spiegel, Coursera, ich :-) ) sagen, dass Video die Erzählform Nummer eins ist. Der Kunde will Videos haben und Bilder, aber wir geben ihm entweder unvertonte Powerpoint Slides oder halt PDFs oder noch schlimmer: Buchempfehlungen.

Die Crux an der Sache ist jedoch, dass wir immer noch denken, dass Inhalte von einem Fachexperten geschrieben(!) werden. Auch hier haben die Verlage und die Hochschulen die gleichen Probleme, denn ein wahrer Journalist recherchiert selbst, schreibt “long reads” und lässt das evtl. noch Korrektur lesen. Online-Journalisten sind Sekundär-Journalisten und duften lange nur Zweitverwertungen durchführen.

Inzwischen jedoch, und auch hier wird es spannend, rüsten die Medienhäuser auf:

Die Washington Post hat nach der Übernahme von Jeff Bezos die Angestellten nicht gekürzt, sondern um 100 neue Kollegen erhöht, aber davon waren fast 50 Techniker. Damit hat die Post ihre Entwicklerabteilung von 4 auf 47 quasi verzehnfacht. Neue Journalisten werden nur noch eingestellt, wenn sie hohe technische Kompetenz haben. Der moderne Online-Journalismus ist Teamwork zwischen Journalismus, IT-Development, Videos und Mediendesign. Auch Wolfgang Blau vom Guardian erzählt genau das gleiche und dort (ich hoffe ich hab die Zahl noch korrekt in Erinnerung) wurde die IT-Abteilung auf 370 erhöht!

Die Lernkurve ist bei den großen Verlagshäusern inzwischen angekommen, bei uns in den Hochschulen leider noch gar nicht. Wir predigen immer noch, dass ohne ein mediendidaktisches Konzept in der Online-Lehre gar nichts gehen dürfte. Technik darf nie die Triebfeder sein und daher werden auch die meisten E-Learning Konzepte aus der Geisteswissenschaft/Medienpädagogik gesteuert. Ich sage schon lange, dass dies grundlegend falsch ist, denn (schaut euch das Spiegel-Online Video oben an) E-Learning ist Teamwork aus verschiedenen Fachgebieten. Wir stellen schon lange keine Pädagogen ein, die keine Smartphones oder keinen Skype-Account haben, wenn wir überhaupt Pädagogen einstellen. Wir merken an den MOOCs, dass wir hier völlig neue Wege in der Kursgestaltung gehen müssen. Dabei spielt die Technik, die UX und das Storytelling zusammen. Wir brauchen bei MOOCs keinen Professor mehr, der alleine bestimmt, was der Inalt sein soll. Der Prof kennt und beherrscht leider nur das Buch-Format. Der kann gar nicht in MOOCs denken, genau wie der alte analoge Journalist. Moderne Hochschul-Inhalte müssen im Team entwickelt werden und neue Erzählformen haben.

mooin - Logo

mooin – Das MOOC Portal der FH Lübeck

Zusammenfassend kann man sagen, dass die alte Buchform und damit die serielle Erzählform tot ist, nur weiss man das noch nicht. Wir haben schon seit gut 20 Jahren eine Hyperlink-Erzählform, die jedoch gewissenlich ignoriert wird. Online werden diese alten Inhalte NICHT funktionieren und selbst die Verlagshäuser gehen diese Wege noch nicht konsequent, denn Fremdinhalte und externe Referenzen werden ignoriert. Hier fehlt noch eine Remix-Kultur, das passende Urheberrecht und OER-Inhalte. Neue Inhalte und Erzählformen werden gerade entwickelt und wir alle wissen nicht, wo der Weg hingeht. Die Verlage bauen die Online-Plattformen zu Medienportalen aus, einige Hochschulen entwickeln MOOCs aber es entstehen auch neue Angebote, wie Vice und Buzzfeed bei den Verlagen und Lynda, Coursera und auch mooin bei den Hochschulen. Zum Glück für uns, merken die meisten Hochschulen diesen Wandel nicht und die Probleme der Verlagshäuser sind erst in 10 Jahren die Probleme der Hochschulen, aber wie ich es so oft schon gesagt habe: Die Frage ist nicht, ob die Digitalisierung in die Hochschule kommt, sondern nur wann sie kommt.

 

Keynote iMooX “Best Practice MOOC”

Ich durfte bei der iMooX Abschlussveranstaltung die Keynote halten und durfte ein paar Worte über unsere MOOC-Entwicklungen, das MOOC-Portal mooin und unsere gesamte digitale Hochschulstrategie “Lernen 4.0″ erzählen.

Es wird sehr oft von einem MOOC-Hype gesprochen und ich kann da nur warnende Worte entgegensetzen. Ich weiss zwar nicht ob MOOCs nachhaltig sein werden, aber ich weiss ganz genau, dass die Digitalisierung die Lehre nachhaltig ändern wird. Alle Content-Bereiche ändern sich radikal, ob es Bücher, Musik oder Filme sind und das gleiche gilt natürlich auch für die Lehre, die Frage ist nur wann und nicht ob.

Die Bildung wird zum Lerner kommen

MOOCs zeigen heute nur die radikalste Form der neuen digitalen Lehre und wir zeigen erleben es gerade live beim HanseMOOC, wo wir zum ersten mal quasi unbemerkt und last Minute, den Dozenten wechseln mussten. MOOCs sind natürlich unabhängig vom Dozenten und es wird nicht mehr lange dauern, dann werden diese Kurse vollautomatisch und damit ganz ohne Dozent unbetreut als “On Demand”-Angebote laufen. Dann werden wieder ganz viele Kritiker kommen und natürlich werden auch diese Angebote die Präsenzlehre nicht groß ändern oder ersetzen und trotzdem wird sich etliches ändern. Das ist eine ganz normale Entwicklung und der Markt bzw. die Nachfrage wird die Zukunft dieser Angebote entscheiden. MOOCs werden jedes Jahr besser und nicht schlechter, auch wenn man gerne abgefilmte Vorlesungen kritisiert, so sind diese Beispiele längst veraltet, wenn man sich einmal den VideoMOOC anschaut.

Die Folien meines Vortrages liegen schon länger bei Slideshare und es gab auch auf Twitter viel Feedback zur Keynote. Hier die Storify https://storify.com/oncampusfhl/servus-imoox-moin-mooin

 

Der VideoMOOC stellt sich vor

Morgen startet also der erste neue MOOC auf unserem MOOC-Portal mooin. Wie jeder MOOC hat auch dieser eine eigene Geschichte. Die Entscheidung überhaupt einen Videokurs zu entwickeln, war eigentlich zufällig. Wir haben uns bei den Themen für die MOOCs, nicht nach akademischen Gesichtspunkten gerichtet, sondern haben überlegt, welche Themen besonders gut medial umgesetzt werden könnten. Da wir xMOOCs machen und wir schon einen sehr guten YouTube-Kanal haben, lag es sehr nahe, dass wir das Video-Thema aufgreifen und natürlich denken wir auch über andere mediale MOOCs nach.

Die zweite Überlegung war, dass wir einen medialen Autor mit hoher Internet-Kompetenz brauchten. Die findet man selten im akademischen Umfeld, daher haben wir YouTube-Channels, Video-Portale und bei Amazon die Bücherlisten durchstöbert. Entdeckt haben wir unseren Autor Markus Valley aber dann eher zufällig über eine Crowdfunding-Plattform, wo er sein Trainingsbuch finanziert hat.

Das war dann auch der dritte Aspekt, denn wir wollten jemanden haben, der schon fertigen, hochwertigen Content hat und auch ein mediendidaktisches Konzept. Einer meiner Lieblingssätze dazu ist: “Ich will niemanden überzeugen, sondern ich will mit Überzeugten arbeiten.” Das macht es bei solchen Projekten viel einfacher, denn ich will ja nicht immer gegen analoge Windmühlen anrennen, sondern mich vom digitalen Rückenwind beflügeln lassen :-)

Der letzte Aspekt war dann, dass wir ähnlich wie beim MarketingMOOC, telegene Autoren benötigen, die einfach gut und sicher vor der Kamera reden können. Auch das ist eher eine Seltenheit und auch diese Menschen findet man eher auf YouTube als in der Hochschule.

Da Markus in München wohnt, war die Entfernung natürlich eine Hürde aber keine große. In der letzten Adventswoche kam Markus nach Lübeck und wir haben den gesamten MOOC in 2,5 Tagen gefilmt, was ich wirklich fantastisch finde und es zeigt auch, dass man richtig Zeit und Geld sparen kann, wenn man die richtigen Leute auswählt. Unser Video-Experte brauchte dann natürlich lange, um alle Videos zu schneiden. Ich bin gespannt, wie die Feedbacks seien werden.

Vom Konzept her, setzen wir beim VideoMOOC natürlich extrem auf hochwertige Videos. Vertiefende Textinformationen haben wir meist verlinkt. Auch hier bin ich wieder gespannt, ob das akzeptiert wird, denn viele erwarten, dass sich alle Informationen IM Kurs befinden sollten. Wir denken jedoch netzbasiert und wollen das Rad nicht ein zweites mal erfinden. Warum also alle Texte noch einmal schreiben, wenn es doch schon besser woanders steht. Das Trainingsbuch von Markus ist kein Teil des Kurses, aber wir haben auch nichts dagegen, wenn es verlinkt wird. Das Buch ist gut und wir verdienen nichts am Umsatz und der Autor soll ruhig etwas verdienen. Geld verdienen ist bei MOOCs keine unanständige Sache, sondern die logische Konsequenz.

Leider werden nicht alle Videos OER sein, da wir einige Sequenzen von Markus altem Material nutzen wollten. Das sind die kleinen Kompromisse, die wir eingehen müssen und  auch hier denke ich, dass das absolut vertretbar ist, da wir einen hohen Qualitätsgewinn erhalten, ohne Mehrkosten zu haben.

Die integrierten Capira Fragen in den Videos, sind beim VideoMOOC nicht so relevant, da die meisten Videos eher Tutorials sind. Wir setzen hier vermehrt auf das praktische Arbeiten, also jeder Kursteilnehmer muss Videos drehen, schneiden und hochladen. Dafür gibt es dann Lernfortschritt und natürlich die schon bekannten Badges. Der Clou sind aber natürlich die Einsendeaufgaben:

Die letzte Aufgabe kann sogar von Markus Valley persönlich benotet werden und er gibt pro Einsendung ein ca. 15 Minuten langes Video-Feedback, was aber dann nicht mehr umsonst sein kann. Auch hier bin ich sehr neugierig, wie viele diesen Extra-Service buchen werden. Für uns ist das ein Experiment und wir verdienen fast nichts daran, aber auch hier ist die Botschaft, dass MOOCs teilweise auch etwas kosten dürfen, vor allem wenn es Extra-Leistungen sind. Auf der anderen Seite müssen wir hier natürlich auch ein Bezahlsystem entwickeln, was noch am Anfang steht und das ist auch einer der vielen Gründe, warum wir eine eigene Plattform haben. Die Video-Integration, die OpenBadges-Schnittstelle und das Bezahlsystem sind Alleinstellungsmerkmale, die in dieser Summe keine mir bekannte Plattform auf der Welt hat.

VideoMOOC Werbebanner

VideoMOOC Werbebanner

Wir haben den VideoMOOC auf sehr vielen Plattform versucht zu bewerben und auch Kooperationen haben wir angefragt. Leider ist die Welt anscheinend noch nicht bereit dafür und wir werden sehen, wie es mit dem VideoMOOC weitergehen wird. Die ersten Anmeldezahlen machen mich jedoch zuversichtlich, denn wir haben schon die 400 geknackt und das Minimalziel von 500 ist zum greifen nah. Wir gehen im Gegensatz zu vielen anderen Plattformen, sehr transparent mit unseren Daten um, da wir für Transparenz und Offenheit sind, sonst bräuchten wir auch keine MOOCs machen.

Wer Lust hat, schaut rein. Ich finden den MOOC wirklich gelungen und bin auch etwas stolz auf das Projekt. Wenn ihr ihn auch gut findet, macht Werbung und setzt Links. Wir sind immer dankbar für Hilfe, denn wir freuen uns über jeden neuen Teilnehmer.

 

 

 

Darf man Metapläne bei E-Learning Konferenzen benutzen?

Ist es erlaubt bei E-Learning Konferenzen analoge Vermittlungswerkzeuge zu benutzen? Sollten nicht gerade bei diesen Konfernzen die Vorreiter/Experten des Fachgebietes vorangehen und ihre Sessions digital vermitteln oder gilt der alte Spruch: Man soll immer das beste Tool nutzen, es kommt doch auf das didaktische Konzept an?

tl;dr

Man kann es sich leicht machen und alles mit dem letzten Satz begründen, aber die Wahrheit ist dann doch etwas komplizierter bzw. es ist sehr einfach. Natürlich kann man das nicht machen, denn es kommt auf die Symbolik an. Was für alle anderen Fachdisziplinen auf dieser Welt gilt, das gilt natürlich auch für das E-Learning. Kein Zimmermann würde seinen Gartenzaun aus Metall bauen, kein Metzger ist Vegetarier und kein Harley-Schrauber fährt einen Motorroller. Wer also bei E-Learning Konferenzen analoge Vermittlungstechniken wie z.B. Metapläne nutzt, sollte sich dabei immer überlegen, welche Zeichen hier gesetzt werden. Zwischen den Zeilen bedeutet dies immer: Schaut her, es geht ja doch schneller und einfacher mit den bekannten Tafelbildern und den Moderatorenkoffern. Wenn nicht einmal der Experte, der vorne steht, in der Lage ist seine Inhalte digital zu vermitteln, wieso sollte der Zuhörer glauben, dass es mit diesem E-Learning schneller und effektiver geht. Metapläne zu nutzen, kann man auch mit Eigentoren gleichsetzen.

Ähnliches gilt aber auch für viele anderen analoge Konzepte, die selten abgelöst werden. Konferenzen werden immer noch organisiert, wie vor 30 Jahren u.a. werden Tagungsbände ausgedruckt, Notizbücher verteilt und auf den Konferenzseiten fehlen Hashtags und Facebook-Gruppen. Die Tagungsbände sind noch oft statische PDF-Files, wenn sie überhaupt elektronisch vorliegen. Wir selbst predigen jedoch kollaboratives Teamworking und nutzen selbst MS Office. Es ist diese Inkonsequenz, die es den analogen Befürwortern so leicht macht, eine Verweigerungshaltung einzunehmen. Wir sind oft selbst dran schuld, denn lieben wir es nicht alle, diese kleinen bunten Punkte an die Pappkarten zu kleben, um zu zeigen, was wir mögen und was nicht? Was ist denn schon dieser blöde blaue Like-Button, wenn es doch auch mit Metaplänen so schnell gehen kann.

 

Das war die MoodleMaharaMoot 2015 mit dem Blick eines Organisators

Die jährliche MoodleMaharaMoot gastierte 2015 im Norden und wir durften als Veranstalter fungieren. Es waren natürlich stressige Tage aber auch sehr schöne, immerhin konnten wir die Moodle-Welt begrüßen und dabei auch noch unsere MOOC-Plattform mooin vorstellen.

tl;dr

MoodleMaharaMoot

Als Organisator sieht eine Moodlemoot natürlich ganz anders aus. Man muss Sprecher besorgen, vor allem gute Keynotes, und man braucht Repräsentanten, wie Präsidenten, Bürgermeister oder Staatssekretäre. Natürlich braucht man Räume, Essen, Helfer und Hardware und ganz wichtig sind dann noch gute Nerven und Zeit. Das letzte war mein größtes Problem, denn parallel zur Moot ist auch unsere  MOOC-Plattform mooin gestartet und das hat mich zeitlich sehr viel mehr in Anspruch genommen, als die Organisation der Moot.

Die Keynotes

Eine Moot ist immer Teamarbeit und beim Start hatte ich den Wunsch jemanden einzuladen, der NICHT aus der E-Learning Welt kommen sollte. Ich wollte gerne Sascha Lobo einladen, der sicherlich etwas Farbe reingebracht hätte. Die Idee hat sich dann aber nicht durchgesetzt, da wir mit Martin Dougiamas eine sehr viel bessere Chance hatten, der deutschen Moodle Community ein Highlight bieten zu können. Mit Martin Ebner konnten wir einen zweiten Experten gewinnen, der mit iMOOX (MOOC) und L3T (OER) ähnliche Fachgebiete abdeckt, wie wir. Im Nachhinein waren für uns aber auch die Besuche von Bürgermeister Saxe und Staatssekretär Fischer sehr viel wichtiger, da wir so der Politik zeigen konnten, dass es in Lübeck ein digitales Leuchtturmprojekt gibt.

Alle Keynotes sind natürlich gefilmt worden und liegen bei YouTube.

Moodle und Martin Dougiamas

Ich habe mich wirklich auf den Besuch von Martin Dougiamas gefreut, hatte aber wegen der Organisation nicht so viel Zeit mich an dem Workshop mit ihm zu beteiligen. Martin kam schon einen Tag früher nach Lübeck um im ausgewählten Kreis über die Moodle-Aktivitäten zu diskutieren. Meine persönlichen Erwartungen an diesen Meetings sind immer sehr gering. Ich habe schon so viele Treffen dieser Art gehabt, dass ich aus Erfahrung sprechen kann, dass da selten etwas nachhaltiges herauskommt. Die Konstellation ist auch sehr schwierig, denn wenn man nichts gibt, kann man auch keine Forderungen stellen. Deutschland ist bei Moodle ein Entwicklungsland. Zwar nutzen sehr viele Schulen und Unis Moodle sehr intensiv, aber die deutschsprachigen Entwickler für Moodle kann man fast an zwei Händen abzählen. Wenn man also kein Geld gibt und keine Entwickler hat, sollte man mit seinen Wünschen eher bescheiden sein. Umso interessanter war die Ankündigung einer Moodle Association, wo man als zahlendes Mitglied Premium-Services erhalten soll. Dieser Schritt ist meiner Meinung nach längst überfällig. Das Moodle Headquarter besteht aus nur 32 Leuten und davon sind 20 Entwickler. Für eine Software wie Moodle benötigt man jedoch ca 100 Entwickler und das merkt man Moodle auch inzwischen an. In den Punkten Usability, Social Media, Design und Mobil-Unterstützung hat Moodle den Anschluss verloren und wenn hier nichts passiert, könnte Moodle schnell von Canvas oder anderen Systemen abgehängt werden.

Abends konnte ich mich persönlich noch etwas länger mit Martin unterhalten und habe hier auch die Strategie bzw. die Vision vermisst. Moodle könnte als Cloud gehostet werden, was sicherlich vom Entwicklungsaufwand sehr viel kleiner wäre und WordPress geht einen ähnlichen Weg. Moodle könnte auch über Spenden oder Crowdfunding nachdenken aber hier hat man sich für die Association entschieden, ähnlich wie Sakai, aber natürlich viel besser. Canvas findet Martin zu buggy, genau wie die Themes z.B. das Essential Theme. Auf der anderen Seite fliessen aber 80% des Entwicklungsaufwandes von Moodle auch in Security und Bugfixes, also so sicher ist Moodle dann auch nicht. Moodle soll ein Framework fürs Lernen sein und den Institutionen die Möglichkeit zum ändern geben. Leider haben die meisten Institutionen keine Mittel zum verändern und müssen Moodle in der Grundversion nutzen und die ist nicht mehr zeitgemäß. In Martins Keynote fehlten jedoch all diese Punkte.

Mahara und die Moodlemoot

Ich glaube vor zwei Jahren hat man sich entschieden Mahara mit in den Titel der Moodlemoot zu nehmen. Das E-Portfolio System und Moodle haben sich gegenseitig unterstützt und im Zuge der neuen Kompetenzanrechnung nach dem Bologna Prozess, hat das auch richtig Sinn gemacht. Inzwischen würde ich jedoch behaupten, dass sich das anders entwickelt. Auf der diesjährigen Moot waren gerade mal 5-6 Vorträge zu Mahara und ich persönlich kenne keine funktionierende Mahara-Installation, die flächendeckend an einer Hochschule genutzt wird. Die Kompetenzanrechnung liegt meist in der Zulassungsstelle und nicht in der Lehre. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, darüber kann man diskutieren, es ist aber eine Tatsache.

Parallel entwickelt sich die kleine Pflanze der Badges weiter aber auch hier tut sich quasi nichts. Wir unterstützen Badges sehr stark, gerade bei den MOOCs finde ich das sehr nützlich. Die Integration in Moodle ist auch ziemlich gelungen, daher wundert es mich, dass hier nicht mehr gezeigt wird. Es spricht für sich, dass der einzige Workshop dazu von uns kam.

 

Video is the new Text

Einer meiner Lieblingssätze in der letzten Zeit und auch die Moot hat gezeigt, dass Video angekommen ist. Ich würde nicht behaupten, dass Text überflüssig geworden ist, der Satz soll eigentlich Bewusstsein wecken. Es kann nämlich auch anders gehen, als simple PDFs Files in Moodle zu stellen. “Das Auge lernt mit” der zweite Satz von mir zum gleichen Thema.

Alle Vorträge zu dem Thema Usability und Videos waren super gefüllt. Ich hatte zwei Vorträge dazu und der Vortrag über Quizzes in Videos mit Capira, war auch überfüllt. Ähnlich war es auch schon bei der Online Educa, wo unsere Video Session quasi explodiert ist. Wer mehr über Videos wissen will, dem empfehle ich hier auch noch unseren Online Video Kurs, der in zwei Wochen startet.

Aber die ganze Moodlemoot wurde dies Jahr digital und viral.

Die Moot wird digital

Wer mich kennt, weiss dass ich eine sehr konsequente digitale Linie habe. Wer E-Learning macht, sollte auch das E vorleben und das geht nicht mit analogen Elementen. Eine E-Learning Konferenz sollte daher im Netz stattfinden und möglichst all die Tools nutzen, die auch bei der Konferenz besprochen werden. Immerhin sind wir die Experten und wenn nicht einmal wir es schaffen unsere Konzepte digital zu vermitteln, dann sind wir wirklich gescheitert. Ich wollte daher scon auf den Namensschildern neben dem Namen auch den Twitteraccount drucken, aber dafür ist die Welt wohl noch nicht bereit. Bei Barcamps kommt dies jedoch schon vor, in der E-Learning-Szene sucht man Twitterer allerdings noch mit der Lupe (aber Vorträge zum Micro-Learning gibt es viele, finde den Fehler).

Wir haben jedoch in Lübeck viele digitale Ideen umgesetzt. Schon auf dem Logo ist der Hashtag #MootDE15 abgedruckt gewesen, im Foyer hatten wir eine Twitterwall aufgebaut, die Keynotes wurden gefilmt und sind alle auf YouTube. Zusätzlich haben wir auch Statements und Interviews geführt, die auch online sind.

Das Programm wurde zwar gedruckt, aber es lag auch online mit einem Shortcut http://bit.ly/mootde15 und eigentlich wollte ich auch zu jeder Session ein Etherpad anlegen, was aber die Krankheit meines HiWis verhindert hatte. Stadtplan mit allen Hotels und Veranstaltungen wurden per GoogleMaps eingefügt, was heute aber selbstverständlich ist.

Die Nachbearbeitung haben wir dann per Storify gemacht:

https://storify.com/oncampusfhl/moodlemaharamoot-2015-1-tag

https://storify.com/oncampusfhl/moodlemaharamoot-2015-2-tag

Alles zusammengefasst haben wir auf unserer Homepage

http://www.oncampus.de/aktuelles/moodlemaharamoot2015.html

Einen Videoworkshop, der ausgebucht war, haben wir auch angeboten und was ich besonders schön fand, es gab zum ersten mal Konferenz-Shirts, die von ca. 15% der Teilnehmer gekauft wurden.

Wo waren die Schulen?

Mit dem IQSH und der Moodleschule waren zwei Vertretungen der Schulen als Mitveranstalter dabei und trotzdem, waren Schulen kaum präsent. Es gab sehr wenig Vorträge von Lehrer, es waren kaum Lehrer als Besucher vertreten und das einzige was ich von den Schulen mitbekommen habe, war das jammern über den angeblich hohen Eintrittspreis. Ich will ja nicht lästern, aber inzwischen habe ich so viele schlechte Erfahrungen mit Schulen und Lehrern gemacht, dass ich überzeugt bin, dass sie an dem Imageverlust der Schulen selbst Schuld sind. Ich weiss, dass man hier kein Schubladendenken machen sollte und viele Lehrer haben quasi keine Möglichkeit in den Norden zu kommen, trotzdem bleibt der Fakt, dass diese Institutionen mit der Moot nicht erreicht werden. Das traurige ist dabei, dass dort eine Rückwärtsentwicklung zu beobachten ist, oder das E-Learning an Schulen findet woanders statt.

MOOCs und Moodle

Für mich war es natürlich die Moot der MOOCs, da wir hier unsere MOOC-Plattform mooin vorgestellt haben. Wir hatten fünf Vorträge dazu angeboten, die alle gut besucht waren. Das wir hier alles just in time programmiert haben, kommt mir immer noch wie ein Wunder vor, obwohl wir echt große Krankheitsausfälle hatten. Manche sprechen immer noch vom Hype, ich bin aber für meine Keynote sehr gelobt worden, wo man die Gesamtstrategie der MOOCs sieht.

Allerdings waren die Tage sehr arbeitsintensiv und morgen soll mooin dann richtig starten und danach mach ich Urlaub. Ich hab es mir nach der Moot und mooin dann auch verdient.

Keynote der MoodleMaharaMoot 2015 in Lübeck – mooin eine neue Weiterbildungsplattform

Ich durfte bei der MoodleMaharaMoot 2015 in Lübeck als Gastgeber zum ersten mal unsere neue MOOC-Plattform mooin einem breiteren Publikum vorstellen. Das besondere an unserem Ansatz der MOOCs ist dabei, dass wir NICHT Blended Learning als Startpunkt einer Digitalisierungsstrategie sehen, wie 95% aller Hochschulen, sondern die Weiterbildung und das lebenslange Lernen als eine neue Säule sehen. Damit können wir neben der alten “Straße” der Präsenzlehre einen neuen “Highway” der Weiterbildung parallel bauen. Da wir aber mit der Weiterbildung eine neue Zielguppe ansprechen, haben wir natürlich auch ein neues Design entwickelt und hier ist Mobile First gesetzt. Wir  nennen das 1-spaltige Design mit großen Medien-Elementen “Fat Media” und erste Previews zu mooin sind in der Präsentation zu sehen.

Update:

Inzwischen ist das Video auch online:

Böses oder gutes Younow? Die deutsche Angst schlägt wieder zu

Da ist eine neue Videoplattform für Jugendliche und die deutschen Jugendschützer, Eltern, Datenschützer und Massenmedien fangen automatisch alle an im Chor zu singen: “Das gefährliche Internet.”

tl;dr

Allein die Überschriften bei Google-News ergeben ein absolut einseitiges Meinungsbild:

Google News Headlines zu Younow vom 28.Februar 2015

Google News Headlines zu Younow vom 28.Februar 2015

Sogar die Technikseiten Golem und Heise stimmen in dieses Lied ein, was mich doch etwas verstört hat und auf den eingängigen Medienpädagogik-Seiten, werden schon Verbote, Warnungen im Unterricht und Infomaterial verteilt.

All diese Berichte gehen nur in eine Richtung, wie gefährlich ist denn dieses Younow und wie können wir unsere Kinder davor schützen? Ganz klassisch sieht man das an dem Video, was fast gar nichts mit Younow zu tun hat, sondern nur allgemeine Probleme des Internets darstellt und auf den Younow-Warnungs-Hype aufspringt.

Wer hat sich bisher Younow überhaupt angeschaut?

Im Gegensatz zu vielen anderen habe ich mir mal die 30 Minuten Lebenszeit gegönnt und hab mir das System flüchtig angeschaut. Die Registrierung auf der Webseite ist vorbildlich einfach, man benötigt nur einen Twitter-, Facebook- oder Google-Account und schon kann es losgehen. Danach erhält man zwei Listen und man kann sich die Livestreams von anderen Nutzern anschauen. Entweder man geht nach Tags also z.B. Interessen, Sprache, Geschlecht, Hobby oder man orientiert sich an die Top-Viewed Listen.

Ich habe mir dann ca. 30 Streams angeschaut und davon waren 28 Streams von Kids, die für mich sehr inhaltsleer waren. Ich habe auf keinem Stream länger als 10 Sek. durchgehalten. Wer will schon Gespräche von pubertierenden Teens freiwillig anschauen? Zwei interessante Angebote hatte ich auch entdeckt, aber ob jetzt ein Kiosk in New York wirklich von belang ist, kann bezweifelt werden.

Was gerne vergessen wird, das Potential von Younow

Wenn man einmal einen Schritt zurück geht und sich neutral die Technik anschaut, ist das eigentlich der Hammer. Ich kann nämlich sofort einen Livestream von der Webcam meines Laptops ins Internet stellen und den Link öffentlich sharen. Davon haben wir E-Learning-Experten die letzten 10 Jahre geträumt. Man muss keinen Admin fragen, keine Software installieren und nicht einmal einen Account anlegen und das alles geht dann auch noch per App, wo man die Kamera (Front oder Back) noch auswählen kann. Ich verstehe dabei überhaupt nicht, warum keiner in Jubelgesänge ausbricht. Die Lösung ist sogar so einfach, das müssten sogar Lehrer hinkriegen, wahrscheinlich sogar Lehrerinnen (das war jetzt Ironie) und neben dem Livestream gibt es sogar einen Chat.

Die Szenarien sind quasi unendlich. Ich kann jetzt bei jeder Konferenz einfach per Smartphone und WLAN die Session streamen und das geht natürlich auch bei Fussballspielen, Konzerten, Vorträgen und auch im Unterricht. Die Session  werden sogar aufgezeichnet, ich weiss allerdings nicht wie lange die Maximal-Zeit ist und eine Export-Funktion hab ich auch nicht gesehen. Trotzdem ist Younow ein Riesenschritt nach vorne und kann hier mit Google-Hangout verglichen werden.

Und was ist mit den Gefahren? Die Kids wissen doch gar nicht was sie da tun.

Das Angebot richtet sich wirklich eindeutig an die Kids, aber trotzdem kann ich die Gefahren nicht erkennen oder nicht richtig einordnen. Wenn die Kids sich dort präsentieren, dann machen die das halt und wenn sich dort Erwachsene reinschleichen um daran teilzunehmen, dann ist das zuerst einmal nichts verbotenes. Natürlich muss man den Kids erzählen, dort nichts blödes zu machen, aber das ist nichts anderes, als mit fremden Menschen nicht ins Auto zu steigen. Das sollte man den Kindern beibringen und Younow wird die Eltern auch nicht neu fordern, immerhin sollten sie nach SchülerVZ, Facebook, Abofallen, Alkohol und Shades of Grey genug trainiert sein, um auch noch vor Younow zu warnen. Die Geschichte wiederholt sich und nach 20 Jahren Internet ist es mal wieder sehr erstaunlich, dass da überhaupt jemand darauf reagiert.

Typisch deutsch, zuerst kommt die Gefahr, dann das Potential

Ich fühle mich bei Younow mal wieder bestätigt, denn die Gesellschaft und die Medien können nichts anderes als Warnungen aussprechen und sehen kein Potential. Die Younow Berichterstattung zeigt es mal wieder. Da probiert keiner aus, keiner sieht die Vorteile, keiner denkt an positive Einsatzbeispiele, sondern das erste was einem einfällt sind die Gefahren und danach kommen die Verbote. Die Angst vor dem Internet scheint eine deutsche zu sein.