Böses oder gutes Younow? Die deutsche Angst schlägt wieder zu

Da ist eine neue Videoplattform für Jugendliche und die deutschen Jugendschützer, Eltern, Datenschützer und Massenmedien fangen automatisch alle an im Chor zu singen: “Das gefährliche Internet.”

tl;dr

Allein die Überschriften bei Google-News ergeben ein absolut einseitiges Meinungsbild:

Google News Headlines zu Younow vom 28.Februar 2015

Google News Headlines zu Younow vom 28.Februar 2015

Sogar die Technikseiten Golem und Heise stimmen in dieses Lied ein, was mich doch etwas verstört hat und auf den eingängigen Medienpädagogik-Seiten, werden schon Verbote, Warnungen im Unterricht und Infomaterial verteilt.

All diese Berichte gehen nur in eine Richtung, wie gefährlich ist denn dieses Younow und wie können wir unsere Kinder davor schützen? Ganz klassisch sieht man das an dem Video, was fast gar nichts mit Younow zu tun hat, sondern nur allgemeine Probleme des Internets darstellt und auf den Younow-Warnungs-Hype aufspringt.

Wer hat sich bisher Younow überhaupt angeschaut?

Im Gegensatz zu vielen anderen habe ich mir mal die 30 Minuten Lebenszeit gegönnt und hab mir das System flüchtig angeschaut. Die Registrierung auf der Webseite ist vorbildlich einfach, man benötigt nur einen Twitter-, Facebook- oder Google-Account und schon kann es losgehen. Danach erhält man zwei Listen und man kann sich die Livestreams von anderen Nutzern anschauen. Entweder man geht nach Tags also z.B. Interessen, Sprache, Geschlecht, Hobby oder man orientiert sich an die Top-Viewed Listen.

Ich habe mir dann ca. 30 Streams angeschaut und davon waren 28 Streams von Kids, die für mich sehr inhaltsleer waren. Ich habe auf keinem Stream länger als 10 Sek. durchgehalten. Wer will schon Gespräche von pubertierenden Teens freiwillig anschauen? Zwei interessante Angebote hatte ich auch entdeckt, aber ob jetzt ein Kiosk in New York wirklich von belang ist, kann bezweifelt werden.

Was gerne vergessen wird, das Potential von Younow

Wenn man einmal einen Schritt zurück geht und sich neutral die Technik anschaut, ist das eigentlich der Hammer. Ich kann nämlich sofort einen Livestream von der Webcam meines Laptops ins Internet stellen und den Link öffentlich sharen. Davon haben wir E-Learning-Experten die letzten 10 Jahre geträumt. Man muss keinen Admin fragen, keine Software installieren und nicht einmal einen Account anlegen und das alles geht dann auch noch per App, wo man die Kamera (Front oder Back) noch auswählen kann. Ich verstehe dabei überhaupt nicht, warum keiner in Jubelgesänge ausbricht. Die Lösung ist sogar so einfach, das müssten sogar Lehrer hinkriegen, wahrscheinlich sogar Lehrerinnen (das war jetzt Ironie) und neben dem Livestream gibt es sogar einen Chat.

Die Szenarien sind quasi unendlich. Ich kann jetzt bei jeder Konferenz einfach per Smartphone und WLAN die Session streamen und das geht natürlich auch bei Fussballspielen, Konzerten, Vorträgen und auch im Unterricht. Die Session  werden sogar aufgezeichnet, ich weiss allerdings nicht wie lange die Maximal-Zeit ist und eine Export-Funktion hab ich auch nicht gesehen. Trotzdem ist Younow ein Riesenschritt nach vorne und kann hier mit Google-Hangout verglichen werden.

Und was ist mit den Gefahren? Die Kids wissen doch gar nicht was sie da tun.

Das Angebot richtet sich wirklich eindeutig an die Kids, aber trotzdem kann ich die Gefahren nicht erkennen oder nicht richtig einordnen. Wenn die Kids sich dort präsentieren, dann machen die das halt und wenn sich dort Erwachsene reinschleichen um daran teilzunehmen, dann ist das zuerst einmal nichts verbotenes. Natürlich muss man den Kids erzählen, dort nichts blödes zu machen, aber das ist nichts anderes, als mit fremden Menschen nicht ins Auto zu steigen. Das sollte man den Kindern beibringen und Younow wird die Eltern auch nicht neu fordern, immerhin sollten sie nach SchülerVZ, Facebook, Abofallen, Alkohol und Shades of Grey genug trainiert sein, um auch noch vor Younow zu warnen. Die Geschichte wiederholt sich und nach 20 Jahren Internet ist es mal wieder sehr erstaunlich, dass da überhaupt jemand darauf reagiert.

Typisch deutsch, zuerst kommt die Gefahr, dann das Potential

Ich fühle mich bei Younow mal wieder bestätigt, denn die Gesellschaft und die Medien können nichts anderes als Warnungen aussprechen und sehen kein Potential. Die Younow Berichterstattung zeigt es mal wieder. Da probiert keiner aus, keiner sieht die Vorteile, keiner denkt an positive Einsatzbeispiele, sondern das erste was einem einfällt sind die Gefahren und danach kommen die Verbote. Die Angst vor dem Internet scheint eine deutsche zu sein.

OER wir machen, Jedi-Ritter wir sind

Neben den ganzen MOOCs, der MOOC-Plattform mooin und der Moodlemoot in Lübeck, kommt eine Botschaft zu kurz. Wir veröffentlichen nämlich fast alles auch unter CC BY, also einer freien OER Lizenz und sind damit Jedi-Ritter geworden :-)

tl;dr

Die FH Lübeck bzw. oncampus sind schon seit Jahren fast unbemerkt ein großer OER-Video-Anbieter geworden. Im Jahr 2011 habe ich den Wissenswert-Preis Wikimedia gewonnen und viele unserer Lehrvideos, vor allem aus den Bereichen Kommunikationsnetze, Fertigungstechnik und Volkswirtschaftslehre, wurden dadurch von CC BY-NC auf CC BY umgestellt und barrierefrei untertitelt.

Die Videos haben inzwischen rund 400.000 Klicks erzeugt und sind dadurch, wie der ganze YouTube-Kanal, eine strategische Säule in der Infrastruktur von oncampus geworden. 2,5 Jahre später sind dann die MOOCs dazu gekommen, zuerst “Grundlagen des Marketing”, später dann der HanseMOOC und ab März folgen dann noch Projektmanagement, VideoMOOC und “Das Digitale Ich”. MOOCs sind zwar nicht zwangsläufig OER, doch verbindet beide Modelle der Grundgedanke der freien offenen Bildung für alle.

Stand der Dinge

Im Moment haben wir ca. 840 Videos auf YouTube liegen und davon sind ca. 380 öffentlich online. Wir haben über 1 Mio. Klicks und knapp 3.000 Abonnenten (die Klicks sind die zweit-meisten einer deutschen Hochschule und die Abonnenten die meisten, aber es gibt etliche Einzelprojekte bzw. -personen, die mehr haben). Unsere OER-Playlist hat ca. 400.000 Klicks und der Marketing-MOOC (ist auch komplett OER) hat 80.000 Klicks und 99% positive Bewertungen.

Da wir mindestens 18 MOOCs in den nächsten Jahren veröffentlichen werden, wir aber mit 40 planen, werden also zwischen 400 bis 800 neue Videos hinzukommen und alle sollen natürlich OER sein. Wir versuchen alle MOOC-Videos auch als eigenständige E-Lecture Reihe didaktisch zu konzipieren, so dass man sie auch ohne die MOOC-Inhalte konsumieren kann, aber ob das auch klappt, kann man jetzt noch nicht sagen.

MOOCs, OER und Geiz ist geil

Wenn von OER die Rede ist, dann wird oft der Begriff kostenfrei dazu gesagt. Doch man kann OER ohne Probleme auch für kommerzielle Angebote nutzen, wenn die Lizenz das zulässt und bei CC BY ist das auch ausdrücklich erlaubt. Man kann also ohne Probleme einen Vortrag aus Bildern zusammenbauen, die alle unter CC BY veröffentlicht sind und für den Vortrag Geld nehmen. Das muss auch so sein, denn meist brauchen die Nutzer nur einen Microcontent z.B. ein Bild für einen Vortrag und dafür extra ein Abrechnungssystem einzurichten, wäre viel zu kompliziert. Da ist die Verwaltung höher als die Einnahmen, obwohl die heutige Technik was anderes verspricht.

Das Gleiche gilt auch für MOOCs, denn auch diese offenen Kurse können kostenpflichtig sein, obwohl viele meinen, dass Open stehe für kostenfrei. Andere behaupten, dass Open stehe für zulassungsfrei und jeder könne daher an diesen MOOCs teilnehmen. Eine Definition dafür gibt es nicht, aber die deutsche “Geiz ist geil”-Mentalität schlägt schon zu und alle erwarten, dass OER und MOOCs kostenfrei sind. Das kann aber so nicht funktionieren, denn OER als auch MOOCs haben natürlich Herstellungskosten und diese müssen auch verteilt werden. Ob das jetzt durch Förderungen, Stiftungen, Spenden oder Bezahlmodelle stattfindet, wird noch getestet (erforscht will ich gar nicht sagen, dass wäre zu viel des Guten).

Fakt ist jedoch, dass wir im April den MarketingMOOC ein drittes mal anbieten werden, wobei wir jedoch für den Kurs Einnahmen planen, z.B. für Kurseintritt, Badges und natürlich das Zertifikat, aber die Videos als OER auf YouTube liegen. Ob dies funktioniert, wissen wir nicht. Ich bin jedoch überzeugt, dass wir neue Schritte ausprobieren müssen und das OER und Bezahl-Modelle sich nicht ausschliessen. Hier ist aber auch der User gefordert, der keine “Geiz ist geil”-Mentalität haben sollte. Unsere Evaluationen haben gezeigt, dass die User bereit sind, für Inhalte zu zahlen. Die Praxis ist aber immer anders und ergonomische Bezahl-Systeme, wie Apple-Pay oder NFC haben sich noch nicht durchgesetzt.

OER und YouTube als Strategie der Hochschule

Ich bin ein absoluter YouTube-Fan und das einzige Argument gegen YouTube ist und bleibt, Google könnte böse sein/werden, technisch ist YouTube nach wie vor der absolute Platzhirsch. Allerdings greift diese Regelung bei OER nicht, denn unsere Inhalte sind CC BY und wenn Google beschließt, diese zu nutzen, haben wir das ja auch erlaubt. Auf der anderen Seite nutzen wir YouTube seit fünf Jahren und haben wirklich viel Erfolg, hohe Usability, Reichweite, Plattformkompatibilität, Hochverfügbarkeit, Adsense-Einnahmen und noch ganz viel mehr davon. Hätten wir eine inhouse Lösung genommen, z.B. Flash Media Server (das wäre wohl wegen HTML5 und iOS richtig Mist gewesen) oder Matterhorn (nichts geht über Hochschul-Projekte, die nie aus dem Prototypen-Status herauskommen), hätte uns das schätzungsweise 50.000 Euro gekostet. Im nachhinein betrachtet, war die Lösung genial :-)

YouTube ergänzt sich perfekt mit den MOOCs und OER als Öffnung der Hochschule zum lebenslangen Lernen. Wenn unsere Inhalte frei zugänglich sind, können alle, aber wirklich alle auf die Inhalte jederzeit zugreifen und lernen. Hier kommt der immer noch wenig beachtete “Learning on Demand”-Ansatz zum Einsatz. Denkt man MOOCs konsequent weiter, muss man irgendwann beim völlig automatisiertem dozentemfreien Lernen landen, was heute aber nur Lernvideos oder die alten CBT/WBTs abdecken. So weit sind wir zwar noch nicht, aber frei zugängliche Learning Nuggets sind ein zentraler Bestandteil dieser Strategie. Die zweite Säule ist natürlich, dass man per YouTube, oder sagen wir dem Internet, im Allgemeinen (daher auch MOOCs) Zielgruppen auch außerhalb der Hochschule anspricht und zwar vor, neben und vor allem nach dem Erststudium. Die Öffnung der Hochschule funktioniert bestens über das Internet und da ergänzen sich MOOCs als auch OER als Gesamtstrategie im Life Long Learning.

Um YouTube als OER zu nutzen, braucht man jedoch bei der Produktion einen OER-Leitfaden, d.h. jedes Video darf nur gedreht werden, wenn alle Teilnehmer ihre Persönlichkeitsrechte abtreten, es keine Plagiate gibt bzw. alle Zitate korrekt sind. Auch auf eingebundene Medien muss man achten, z.B. Hintergrundmusik. Wir konnten z.B. die Trailer für unsere MOOCs nicht als OER veröffentlichen, da wir kommerzielle Musik nutzen.

In der Praxis kriegen wir das allerdings auch nicht hin, dass alle Videos veröffentlicht werden können. Viele Professoren weigern sich, auf dem bösen YouTube zu erscheinen, auch wenn die Links “privat” sind. Außerdem sind viele Videos ohne eingebunden Kontext sinnfrei. Ich meine jedoch, man kann auch Videos ohne Kontext veröffentlichen. Den Kontext definiert jeder neu für seine singuläre Anwendung und daher kann jedes Schnipsel brauchbar sein. Auf der anderen Seite erwarten viele YouTube-Nutzer aber in sich geschlossene Videos und werten solche Schnipsel ab. Damit wären wir auch gleich bei der Remix-Kultur:

Das Märchen vom Remix

Ich sage es einfach mal ganz simpel: Es gibt keine Remix-Kultur. Alle Remixes, die es da draussen gibt, sind kleine Ausnahmen, die sehr gerne bei Vorträgen einmal erwähnt werden, aber in der Praxis keinerlei Bedeutung haben. Wir haben bei 400.000 Klicks und ca. 150 Videos einen Remix, von dem wir wissen. Macht sich aber gut, wenn man es in einem Paper erwähnt :-) .

Und warum machen wir denn jetzt OER?

Ich könnte jetzt ganz viel schreiben über Remixes, Vorträge mit OER-Inhalten, neue Unterrichtsmethoden, Abmahnwellen und Qualitätssicherung (Weisheit der Massen), aber ich halte davon nicht mehr sehr viel. Wir machen OER, weil es der Anstand erfordert. Der Auftrag einer Hochschule ist es, die Welt schlauer zu machen. Bildung für alle und das möglichst kostengünstig! Wenn alle auf der Welt schlau wären, würden wir keine Flüsse vergiften und hätten das Gegenmittel von AIDS und Ebola schon erfunden. oncampus entwickelt MOOCs und es geht nicht in meinen Kopf, wie man dann die Inhalte NICHT unter OER veröffentlichen könnte. Es ist ganz einfach, wir sind Jedi-Ritter und wir sollten daher auch so handeln:

Und wenn man sich einmal mit den Geschäftsmodellen von OER und freier Bildung auseindersetzt, schliesst sich das Geld Verdienen auch nicht aus, siehe z.B. Open Source oder Wikipedia oder YouTube oder Facebook oder auch Pro7. Alles kostet kein Geld und trotzdem kann man damit Geld verdienen.

Braucht OER Förderung?

Zum einen könnte Google ganz viel machen. Wenn Google ganz einfach OER-Inhalte in ihren Relevanzkriterien höher rankt, als andere Inhalte, hätte jede Webseite, jedes Marketing-Video, jeder Blogger und jede Zeitung aus Gründen der Reichweite einen sehr hohen Anreizpunkt, um OER zu machen. Google macht dies schon bei der Wikipedia und könnte daher auch andere OER-Inhalte ähnlich behandeln. Allerdings kann dies nicht alleine stehen, denn ohne Qualität hätten OER-Inhalte auch keine Relevanz.

Auf der anderen Seite sind die Hochschulen gefordert. Wenn die Professoren einmal von ihrem hohen Ross herunterkommen würden und der Gesetzgeber einmal handeln würde, würde man ganz einfach sagen, alles aber wirklich alles was in einer Hochschule produziert wird, muss als OER veröffentlichbar sein, dann wäre diese Diskussion beendet. Professoren erhalten Gehalt und was sie produzieren sollte also dem Auftraggeber gehören, also hier der Hochschule und damit dem Staat und damit der Allgemeinheit. Es wäre alles gut, wenn die Macht mit uns wäre und wir Jedis als Profs hätten  :-) .

 

 

mooin – Die Story hinter dem Launch einer MOOC-Plattform

Letzen Mittwoch war es soweit. Wir haben unsere neue MOOC-Plattform mooin (ab jetzt schreibt man mooin mit zwei O – Open und Online) gestartet und ich möchte einmal ein paar Gedanken und Insider-News dazu verkünden.

tl;dr

Vielleicht wissen es die einen oder anderen schon. Die FH Lübeck hat wahrscheinlich mit den beiden MOOC-Projekten FHLMOOC und pMOOC im Moment die größten MOOC-Projekte Deutschlands und ich bin irgendwie einer der Projektleiter geworden. Wir werden in den nächsten Monaten/Jahren mindestens 18 MOOCs entwickeln aber wir wollen irgendwie 40 schaffen :-) Bei einer so großen Anzahl von Kursen, macht eine eine eigene Plattform Sinn, obwohl ich nie ein Freund der Erfindung des zweiten Rades bin. Kooperationen haben aber nicht geklappt, obwohl wir  mit einigen Anbietern gesprochen haben. Das kann viele Gründe haben. Einer liegt sicherlich auch bei uns, da wir technisch schon immer sehr gut aufgestellt waren und sind. Es liegt aber auch an den Förderprojekten, die teilweise Kooperationen nicht zulassen. Hier sollte die Politik einmal nachrüsten.

Und plötzlich war der Termin da und keiner hat es gewusst

Es ging am  5.Januar los, als ich endlich Zeit hatte, die Roadmap unserer MOOC-Produktionen einmal schriftlich zu verfassen und alle dann gemerkt haben, wie knapp das jetzt wird. Unser erster Launch Termin für die Anmeldeseiten war der 19.Januar, was aber utopisch war. Er machte jedoch jeden wach, so das überhaupt Fahrt in das Projekt kam. Man muss dabei anmerken, dass wir zwei Launch-Termine haben. Der erste ist die Vorstellung der neuen Kurse mit Kursbeschreibung, Vorstellung der Autoren und der Option, sich für einen Newsletter anzumelden. Der Zweite ist dann Anfang März wo die Plattform mit allen Funktionen starten wird und ab Mitte März kann sich jeder direkt in die Kurse einschreiben und es geht dann auch los – so Gott will :-)

Am Anfang war das Logo

Wir haben uns schon beim Namen mooin viel Mühe gegeben und damit die Richtung vorgegeben. Es sollte etwas nordisch maritim sein und wir hatten Überlegungen mit Rettungsringen oder Sonnenaufgängen gehabt, aber unsere Design-Abteilung fand das irgendwie nicht gut und hat dann aus den Rettungsringen einen Kompass gemacht und der wurde dann modern und stylisch umgesetzt. Ob jemand da noch eine Kompassnadel sieht oder nur ein schickes mooin, kann auch egal sein. Es sieht definitiv modern und sympathisch aus.

mooin - Logo

mooin – Logo

Was jedoch nicht sofort auffällt ist, dass wir alle Buchstaben klein schreiben. Das kommt etwas freundlicher rüber, glauben/hoffen wir jedenfalls und daher haben wir uns auch auf die Anrede Du geeinigt.

Du oder Sie – das ist hier die Frage

Typisch deutsches Problem! Wie spricht man seine Kunden/Studis/Teilnehmer an? Und was ist mit dieser Gendersprache? Fakt ist und bleibt, dass wir eine Hochschule sind, und nimmt uns dann überhaupt jemand ernst, wenn wir es wagen und einfach im Web DU zu sagen? Und wenn wir SIE sagen, müssen wir dann auch genderkorrekt von Teilnehmer und Teilnehmerinnen sprechen? Und wenn wir das machen, hört sich das dann nicht “scheiße” an? Und kommen wir dann überhaupt noch mit einer Cliplänge von einer Minute aus, wenn alle Anreden plötzlich dreimal so lang werden? Wieso sprechen die im Fernsehen eigentlich nie genderkonform? Und wie ist die weibliche Form vom Drachen? Kein Wunder, dass die ausgestorben sind, es gibt nämlich keine weiblichen Drachen, aber weibliche Eichhörnchen gibt es. Rätsel über Rätsel… und dabei habe ich in einem Gender-Workshop gelernt, dass genderkonforme Sprache der User Experience nicht widerspricht.

Ja ne, is klar.

Wir haben uns dann auf ein charmantes DU geeinigt und vergessen, dass wir eine Hochschule sind. Ich hoffe, es merkt niemand da draussen im Web, aber das DU wurde später noch ein großes Problem.

Und dann kam der Trailer

Ein schöner Trailer für die Plattform macht was her, aber was soll er uns sagen? Ich wollte ja ein paar bärtige Männer in einer Hollywood-Schaukel am Strand haben, die ganz locker “mooin” sagen und dazu frech in die Sonne blinzeln und dann lässig nordisch “mooin schreibt man jetzt mit zwei O im Norden. Dat stät näämlich fü Open uund Online, weit du dat?” ins Mikro nuscheln.

Das ging aber aus vielen Gründen so nicht, z.B. strahlt im Moment keine Sonne bei uns, wir haben kein Geld für Schauspieler, in englisch funktioniert das gar nicht und Audio-Aufnahmen in der Außenwelt sind richtig schwer und teuer und das kann ganz schnell billig wirken. Trotzdem haben wir uns reichlich vom NDR inspirieren lassen:

Aber herausgekommen ist dann dieser super gelungene Stop-Motion-Trailer. Das Konzept hat ganz viele Vorteile, denn wir arbeiten hier ohne Sprache aber auch ohne große Erklärungen. Wir gehen davon aus, dass über 80% der Nutzer wissen, was MOOCs oder Online-Kurse sind (das hat unsere Evaluationen ergeben). Daher wollten wir unsere Kunden eher emotional ansprechen und vielleicht ist uns das auch etwas gelungen. Der Trailer hat richtig viel Arbeit gemacht, aber die Idee kam von einer sehr motivierten Multimedia-Designerin und solche Leute sollte man dann auch nicht aufhalten. Eigene Ideen sind nämlich immer die beste Mitarbeiter-Motivation und das ist das beste, was einem überhaupt passieren kann (sollte sich jede Firma/Hochschule einmal merken).

 

Und dann ging der Stress los

Als dann die Zeit richtig knapp wurde, kam die Krankheit zu uns. Die Plattform-Designerin wurde krank, das Marketing auch und einen Entwickler hat es auch erwischt. Parallel waren Klausuren und etliche Kollegen bilden sich fort und mussten daher für Prüfungen lernen.  Die nächsten Tage waren dann Stress pur. Wir mussten für fünf MOOCs die Beschreibungen machen, Lernziele, Gliederungen schreiben, die Fotos der Autoren besorgen und natürlich Trailer drehen und schneiden. Das meiste hatten wir natürlich schon beim Anfangskonzept erfasst, trotzdem musste alles geordnet werden und jetzt auch abgestimmt werden. Waren alle Texte ungefähr gleichlang? Stimmte die Ansprache? Gab es überall Titelbilder? Sprechen wir im DU oder SIE an? Ja wieder das gleiche Problem, wie schon oben erwähnt. Und sprechen wir im Single oder im Plural an? Also haben wir alle Texte noch einmal umgeschrieben, sieht man gar nicht, oder?

Die Trailer haben teilweise Musik bekommen, aber woher nehmen? Wir kennen natürlich Musik-Anbieter, aber für ne Hochschule ist es nicht einfach online per Kreditkarte einzukaufen, zum Glück haben wir das Problem schon lange gelöst. Dann hat aber YouTube plötzlich gemeint, wir hätten eine Urheberverletzung mit der Musik und hat die Trailer gesperrt. Das ging dann aber auch relativ schnell, da ich das gleiche Problem schon vor drei Jahren hatte (Erfahrung ist alles, sag ich immer wieder – die wahren Probleme bei solchen Projekten ist nicht die Didaktik oder die Technik sondern das Neue und das Unerwartete).

Dann aber ging es weiter. Wer beschreibt die Videos auf YouTube und welche Tags erhalten sie? Wie soll der Abspann der Videos sein? Welche Projektträger und Partner müssen genannt werden? Wie ist das Copyright? OER mit CC-BY geht auch nicht, da wir fremde Musik im Video haben (das haben wir aber erst vier Tage später bemerkt).

Auf der Webseite kamen ähnliche Probleme. Wie lautet das Impressum? Was ist mit dem Datenschutz? Wollen wir piwik oder Google-Analytics einsetzen oder doch beides? Das Design sieht aber bei einer Auflösung von 1024*768 schlecht aus. Hat jemand noch so kleine Monitore? Wie findet man das heraus? Ach ja Google Analytics verrät das und siehe da, noch 25% aller Nutzer haben alte Bildschirme (Wie finden Hochschulen ohne Analytics so etwas eigentlich heraus? Machen die Umfragen und werten diese 14 Tage später anonym aus?).

Dann kam der Newsletter und wie soll der funktionieren? Brauchen wir überhaupt einen Newsletter? Ich meinte nein, wurde aber gnadenlos überstimmt. Dann die große Frage, wenn man sich dort anmeldet, soll man sofort eine Registrierungsmail erhalten? Ich meinte ja, aber auch hier wurde ich des Besseren belehrt. In Newslettern trägt man sich ein und man registriert sich nicht. Im Newsletter muss aber dann eine Opt-Out-Funktion sein…ach ja stimmt eigentlich, wenn man näher drüber nachdenkt. Trotzdem hatte ich heute zwei Nachfragen zu dem Thema auf meinem Tisch. Ich will damit nur sagen, über jeden kleinen Wisch, macht man sich wirklich ausführliche Gedanken, dass könnt ihr mir glauben.

Hatte ich schon den Captcha beim Newsletter erwähnt? Auch ein Thema für sich. Manche können die Schrift nicht lesen, andere sind für Fragen zu dumm und wieder andere sind so grobmotorig, dass sie mit der Maus keine Muster nachzeichnen können. Ich habe schon alles in meinem Leben gehört und egal welche Lösung man einbaut, irgendjemand wird da draussen jammern und uns für inkompetent halten (ich hatte bisher drei Nachfragen/Beschwerden).

Und Mittwoch musste es dann starten

Dienstag haben wir wirklich lange gearbeitet und ich dachte dann, dass wir es Mittwoch Vormittag locker schaffen werden, online zu gehen. Pustekuchen, wir haben den ganzen Tag noch Texte korrigiert, Grafiken optimiert, fehlende Links gesetzt und natürlich alles auf Android, iOS, Windows und Laptops, Tablets und Smartphones getestet. Was soll ich sagen, gegen 16 Uhr waren wir endlich online. Später ging es auch nicht, denn der letzte gesunde Entwickler hatte ab Donnerstag Urlaub und daher musste es JETZT online gehen.

Fazit

A New German MOOC Platform Is Born! Im Nachblick war das jetzt für fünf Trailer und ein paar Infoseiten echt viel Arbeit und in vier Wochen wollen wir mit der produktiven Plattform starten. Die nächsten Wochen werden also lustig und stressig und parallel kommt Anfang März noch die MoodleMaharaMOOT nach Lübeck, wo ich die Plattform mooin auch in einem Vortrag vorstellen werde. Trotzdem bringen solche Projekte richtig Spaß. Endlich einmal was schönes, neues Innovatives entwickeln und parallel eine Social Media Kampagne steuern bzw. begleiten (das ist aber ein eigener Blogartikel wert). Und Ende März fahre ich in Urlaub, versprochen.

Update

Da ich auf Twitter noch einmal auf die Bärte angesprochen worden bin und warum nur harte nordische Männer solche Projekte wuppen können #ironie , hier noch eine nicht ganz ernst gemeinte Ergänzung:

mooin – A new MOOC Platform is born

Was für eine Woche war das bitte? Wir haben in vollem Kampfeinsatz fünf MOOCs auf mooin gelaunched. mooin wird die neue MOOC Plattform von der FH Lübeck und von oncampus und wir starten ab März mit den freien Online Kursen: HanseMOOC, VideoMOOC, ProjektmanagementMOOC, Grundlagen des Marketing und Dem digitalem Ich.

Ich freue mich jetzt erstmal, das alles online ist und statt jetzt darüber zu bloggen, geh ich mit den Kollegen Stolz ein helles Blondes trinken um diesen grandiosen Meilenstein zu feiern.

 

 

Facebook und der blöde Datenschutz

Facebook ändert seine AGBs und die deutsche Welt, steht still. Jetzt kommen alle Verschwörungstheoretiker wieder aus dem Dunklen ins Licht und warnen vor personalisierter Werbung und  erklären, wie man denn Facebook entkommen kann. Alternativen stehen menschenleer bereit und alle wundern sich, warum denn keiner ins gelobte Land will.

tl;dr

Das mit dem Datenschutz ist schon ne blöde Sache. Jeder will ihn, aber keiner tut was dafür. Die Parteien, die für Datenschutz waren, sind entweder scheintot (FDP) oder waren zu dumm (Piraten). Die Software-Alternativen wie identi.ca oder ello sind keine Social Networks, da dort niemand ist, also ohne Network kein Social. Auch die Instant Messenger Alternativen wie Threema, Telegram oder  ChatSecure sind viel zu umständlich, als das irgendjemand sie ernsthaft benutzt. Auch wenn es sich seltsam anhört, aber Usabilty zu programmieren, ist nicht so einfach, wie viele denken. WhatsApp oder auch Facebook sind beliebt, weil sie gut zu bedienen sind. In der Einfachheit liegt der Erfolg und Sicherheit ist nie einfach zu bedienen. Das fängt schon beim Passwort an. Ein sicheres Passwort soll mindestens 12 Zeichen haben, muss Sonderzeichen und natürlich Groß- und Kleinbuchstaben enthalten und natürlich alle 3 Monate erneuert werden. Kennt jemand einen Menschen auf der Welt, der das ernsthaft macht?

Datenschutz ist sinnlos

Dazu kommt die Sinnlosigkeit von Datenschutz. Zum einen weiss man inzwischen, dass jeder aber auch wirklich jeder unsere Daten abgreift. Google ist dabei das kleinste Übel, denn dank Dashboard, kann man relativ transparent seine Daten einsehen (kennt jemand ein vernünftiges Analyse-Tool für den Dashboard-Export? Gibt wohl keine große Nachfrage dafür, oder?) und auch sonst, sind alle Daten sehr transparent. Facebook inkl. WhatsApp kann schon mehr Daten erfassen, aber eigentlich sind die Jungs dort noch sehr oberflächlich. Richtig wichtige Daten wie Gesundheit und Bankdaten hat Facebook gar nicht und wer nicht gerade seine Geschlechtteile fotografiert und online stellt (Hat das jemand bei Facebook mal ausprobiert? Ist dank der Pornofilter gar nicht so leicht, wie man denkt.) hat keine großen Probleme mit den Facebook Daten. Nie vergessen, alle Daten dort sind freiwillig und nicht zertifiziert. Man kann dort auch eine 22jährige Blondine sein, die gerade Single geworden ist und die Hobbys Fußball schauen und Playstation spielen hat.

Viel wichtiger sind die echten Daten, über die man nicht so gerne spricht. Zum einen sind hier die Cookie-Netzwerke, die wirklich alles tracken, wo man sich aufhält. Von Google zu YouPorn und dann zurück zu Amazon und dort schnell eine Lederpeitsche kaufen. Das aufzuzeichnen ist kein Problem für die Cookie Netzwerke und die größten gehören auch den Big Playern wie z.B. Google mit Double Click. Leider werden über Cookies selten geredet und wer sie einmal gelöscht hat, wird erkennen, dass man sie auch wirklich braucht, denn sie erhöhen enorm die Usabilty. Viele Funktionen, wie das weitersurfen, wo man letztes mal aufgehört hat z.b. bei Online-Büchern, Passwörter speichern, Foren-Einstellungen, Warenkörbe, Musiklisten und natürlich Anmeldedaten will man heute nicht mehr missen. Alles wurde entwickelt zum Wohle des Kunden und seiner Usability und auch für seine Sicherheit. Cookies sind sinnvoll und böse, ja das ist so ähnlich wie mit vielen Sachen. Eine Pistole dient auch der Verteidigung aber auch dem Angriff.

Und der Staat mit schlechtem Beispiel vorneweg

Die zweite große Sinnlosigkeit von Datenschutz ist der Staat selber. Wer überwacht uns denn wirklich flächendeckend? Das sind erwiesenermaßen die Geheimdienste, die das aber nur zu unserem Schutz machen. Und der Staat macht sehr viel zu unserem Schutz. Da werden ganze Horden von Moslems in Guantanamo nur für unsere Sicherheit seit Jahren mit Wasser abgefüllt, aber das ist ein anderes Thema. Warum soll ich mich aber vor Facebook schützen, wenn die NSA und der BND nicht nur meine Privatfotos sehen kann, sondern auch locker mein Gehalt, meine Steuern, meine Krankenakte und meinen Strom- und Wasserverbrauch hat. Zum Glück verkauft der Staat diese Daten nicht, sondern gibt sie nur unseren Bündnispartnern :-) Ach ne stimmt ja auch nicht. Einwohnermeldeämter verkaufen seit Jahren für Cent-Beträge Stammdaten ganz legal an zig Werbenetzwerke, was auch niemanden interessiert.

Aber Schutz geht doch auch so?

Natürlich kann man sich trotzdem schützen. Jedem steht es frei Linux zu installieren, dann einen einen Browser mit hohen Sicherheitseinstellungen zu nutzen, alle Browserhistorien und Cookies immer blocken, Javascript und Flash zu blocken und dazu bitte noch ein paar Adword-Blocker und andere Plugins. Als Suchmaschine nutzt man DuckDuckGo und Facebook bitte nur im Secure-Browser auf einem Extra-PC nutzen und bitte nicht mit deinem Real-Namen, sonst könnte dich jemand finden, der dich aus alten Schultagen kennt. Bitte auch keine Seiten liken, die dir gefallen, sonst könnte ein passendes Profil erstellt werden. Dann ist Facebook und Co zwar nicht sinnvoll oder bedienbar, aber immerhin ist man sicher. Erinnert mich an ein Auto, was immer in der Garage steht, sonst könnte man einen Unfall haben.

Und dann passiert das Schlimmste

Ja wenn alles schief geht und Facebook und Co deine Daten perfekt auswertet, dann könnte wirklich schlimmes passieren. Denn dann könnten Fußballfans Werbung von ihren Vereinen erhalten, Fahrradfahrer kriegen keine Werbung für Autowinterreifen, Vegetarier erhalten keine Hackfleischwerbung und Singles kriegen Kondom-Werbung und keine Familienpackungen. Personalisierte Werbung ist also der Weltuntergang. Wer einen Fernseher gekauft hat, kriegt danach HDMI-Kabel empfohlen oder HD-Rekorder, was man natürlich nicht will, sondern man will anonym bleiben. Dann kriegt man weiter Werbung vom gleichen Fernseher, der vielleicht jetzt billiger ist und man kann sich dann ärgern, dass man zu viel bezahlt hat. Dafür aber, ist man frei und unabhängig.

 

 

Lifelogger, Wearables, Quantified Self und das große Big Data

Daten erheben und sammeln wird der große Trend der nächsten Jahre werden und das meiste machen wir freiwillig. Warum? Weil wir neugierig sind, weil wir einen Mehrwert haben und weil uns der Datenschutz eigentlich völlig egal ist.

tl;dr

Ich bin ja schon immer von Zahlen und Statistiken begeistert gewesen und habe mich schon lange darüber motiviert. Angefangen hat das mit dem Fahrradfahren, wo ich schon immer einen Tacho hatte. Kann sich noch jemand an diese langen Vierkant-Adern erinnern, die immer durchgebrochen sind von den analogen Tachos? Ich hatte immer einen :-)

Analoger Fahrradtacho Ende 70er bis Anfang 80er Jahre

Später ging das dann weiter mit digitalen Fahrradcomputern, die dann Durchschnittswerte und Historie-Funktionen hatten. Die digitale Welt kam so langsam in den Alltag und wer kennt nicht die Körperwaagen, wo man das Gewicht speichern kann (hat man früher per Zettel gemacht) und inzwischen auch Körperfett, BMI und andere Sachen messen und per WLAN auswerten kann. Körperdaten haben wir eigentlich schon immer erfasst und statistisch ausgewertet aber jetzt wird das alles smarter.

Natürlich ist hier der Fitnessbereich eine treibende Kraft. Neben den Pulsuhren (ich liebe diese kleinen Dinger) kamen natürlich auch die Smartphones in den Sortbereich und Apps wie Runtastic, werten alle deine Läufe statistisch aus. Höhenprofil, Dauer, Spitzengeschwindigkeit und natürlich wird auch die Strecke per GPS getrackt und vermessen. Inzwischen kann man die Smartphones auch mit einem Brustgurt per Bluetooth verbinden und hat auch den Puls, dadurch wird die Laufuhr überflüssig oder das Smartphone wird überflüssig, weil die Uhr GPS, Bluetooth und Display hat. Diese neuen Smartwatches sollen ein großer Trend in diesem Jahr werden, was ich persönlich nicht glaube. Niemand will jeden zweiten Tag seine Uhr aufladen nur um E-Mails am Handgelenk zu lesen.

Motorolla Smartwatch Moto 360

Motorolla Smartwatch Moto 360

Jetzt kommt aber eine neue Generation, denn bisher war es nur üblich zu besonderen Anlässen Daten zu ermitteln. Das Lifelogging ermöglicht es, konsequent 24 Stunden am Tag Körperdaten zu ermitteln. Es war Weihnachten, als ich das erste mal das Fitnessband Jawbone Up entdeckt hatte und war sofort begeistert. Das kleine Band für ca. 50 Euro misst die täglichen Schritte, die Bewegungsphasen und gibt dann statistische Werte auf das Smartphone, u.a. auch die Kalorien, Wegstrecke und Schritte. Mit der Vibrationsfunktion kann es zum Beispiel auf Bildschirm-Pausen aufmerksam machen oder es misst das Schlafverhalten und weckt einen durch sanftes vibrieren und zwar in einer Wachphase, anstatt in einer Tiefschlafphase. Durch den Bewegungssensor kann Jawbone nämlich auch kleine Bewegungen erfassen und erkennt so die verschiedenen Schlafphasen. Gibt man dann eine Zeitspanne als Weckzeit an, statt wie beim Wecker einen Zeitpunkt, so erkennt Jawbone eine Wachphase und vibriert dann. Hört sich eigentlich sehr gut an und das Band ist auch sehr klein und soll eine mehrere Wochen halten.

Jawbone Up mit App

Jawbone Up mit App

Inzwischen gibt es eine Menge anderer Anbieter wie Garmins Vivofit, wo die Batterie sogar ein Jahr halten soll und ein kleines Display dann Informationen direkt anzeigen kann. Andere Modelle von Polar, Microsoft, Sony oder Samsung sind auf dem Markt und unterscheiden sich eigentlich nur minimal. Manche sind wasserdicht und andere haben Displays und wieder andere haben nur LEDs als Anzeige. Die meisten werden als Uhr-Ersatz am Unterarm getragen, wobei aber viele kein Display haben und man noch eine Uhr extra bräuchte. Auch die Batteriedauer ist extrem unterschiedlich, was oft am Display liegt. Haben die Modelle nur ein Ink-Display oder sogar nur LEDs, dann muss man nur alle Monate laden, bei Farbdisplays sind es manchmal nur 24 Stunden.

Vivofit Armband mit Display von Garmin

Vivofit Armband mit Display von Garmin

 

Entscheidend sind jedoch die Sensoren und damit die Daten, die erhoben werden können. Die neuen Modelle können neben den bekannten Schritten und Entfernungen jetzt auch den Puls und die Atmung ermitteln und dank Bioelekrolytischer Impedanzanalyse (BIA) sollen auch Körperfett, Muskeln und Körperwasser gemessen werden und das alles ohne Brustgurt oder andere Sensoren. Als erster Hersteller bietet Jawbone das Up3 mit diesen Funktionen an für “nur” 180 Euro. Das Up3 hat kein Display, wahrscheinlich damit die Batterie einigermaßen lange hält, außerdem hat man sein Smartphone dafür. Das ist konsequent gedacht und könnte ein großes Plus sein.

Jawbone Up3

Jawbone Up3

Macht es jedoch überhaupt Sinn, alle seine Daten zu erfassen?

Darüber kann man jetzt viel diskutieren. Die einen mögen es die anderen nicht. Die einen warnen vor dem Datenschutz, die anderen müssen es sowieso machen, da sie körperliche Beschwerden haben bzw. diese vermeiden wollen. Aus medizinischer Sicht ist es sicherlich interessant bestimmte Fakten zu haben. Blutdruck und Puls sind zwei äußerst wichtige Daten neben dem BMI, aber diese müssen ja nicht alle fünf Minuten erhoben werden.

Die Krankenkassen sind natürlich sehr stark interessiert an diesen Daten und haben Bonusprogramme, die das Datenmessen belohnen. Nichtraucher, die Sport machen und einen normalen BMI haben, können zwischen 50-150 Euro im Jahr sparen. Allerdings sind diese Programmen noch analog und  nicht mit Smartphones verknüpft. Die Datenschützer finden das gut, die Leute die Usability mögen und über Effizienz nachdenken, finden das natürlich sehr veraltet und teuer.

Die große Fragen der sozialen Gerechtigkeit werden jedoch immer größer. Warum müssen sporttreibende nichtrauchende Vegetarier genau den gleichen Kassenbeitrag zahlen, wie kaffeetrinkende übergewichtige Raucher. Zusätzlich geben Daten Transparenz. Wer sofort sieht, was z.B. Sport für den Blutdruck bringt, der macht es vielleicht öfters und wer dann seinen schrumpfenden BMI sieht und den Körperwasseranteil, der ist besser motiviert, als Menschen ohne diese Daten. Die Daten zu haben ist immer besser, als sie nicht zu haben. Wie immer können Daten auch gefährlich sein, aber was ist heute nicht gefährlich. Autos bringen auch Menschen um, aber jeder sieht die Vorteile und akzeptiert die Nachteile.

Der Trend geht jedoch zum “Quantified Self”, wie man bei Google Trends sehen kann.

Das sind erste Ansätze, aber was wird die Zukunft bringen? Im Herbst wird Intel einen neuen Sensor herausbringen, d.h. noch kleiner, noch weniger Batterieverbrauch und noch schneller.

Intel Chip Curie für Wearable Devices

Intel Chip Curie für Wearable Devices

Die ersten Extrem-Logger gehen natürlich auch hier einen Schritt weiter und vermessen und verbessern sich selbst. Erste Körperimplantate gibt es schon mit Human-Micro-Interfaces. Man nennt das Bio-Implantate und den Trend dahinter Transhumanismus. Wenn man es selbst ausprobiert ist ähnlich wie die Movemaker-Bewegung das DIY-BIO.

Das kann man jetzt ganz schrecklich finden, aber man sollte sich da nichts vormachen, denn wir sind in vielen Bereichen schon sehr viel weiter. Künstliche Zähne sind ganz normal, künstliche Hüftgelenke auch und Hörgeräte auch. Bei Sensoren und Interfaces wird aber noch lange diskutiert werden. Werden wir uns durch BioTech verbessern können?

Mit Michael Praetorius gab es den ersten Olympia-Teilnehmer in London, der mit einer Prothese gelaufen ist und der deutsche Meister im Weitsprung Markus Rehm hat auch nur ein Bein. Allerdings musste erst ein Gutachten beweisen, dass er durch die Prothese keine Vorteile hat. Das ist natürlich sehr kontrovers, denn wenn Prothesen besser wären als echte Beine, warum haben wir dann nicht alle welche?

Die vergebenen Chancen der Didaktik im Zeitalter des Internets

Mit jedem Schritt den das Internet nach vorne gekommen ist, hat die Didaktik eine vergebene Chance hinterlassen. Die letzten 10 Jahren sind geprägt von Misserfolgen und zeigen mangelnde Weitsicht und fehlende Innovationskraft und zeigen sehr deutlich, dass die Didaktik schon lange der Technik folgt und das sehr langsam.

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Wer kennt die Vorträge nicht, wo immer wieder gesagt wird: “Die Didaktik muss der Technik folgen” oder “Technik darf kein Selbstzweck sein” oder “Ohne didaktisches Konzept darf Technik nicht eingesetzt werden”. Andersrum habe ich aber noch nie Technik-Vorträge mit ähnlichen Aussagen gesehen. Natürlich gibt es technisch verliebtes Spielzeug, was einfach nur entwickelt wird, weil man es kann, aber es gibt nicht diese oder ähnliche Aussagen. Man könnte fast fragen, warum fühlt sich die Didaktik dazu genötigt, dies immer wieder zu betonen? Hat die Didaktik Angst vor der Technik?

Schauen wir uns doch einmal die großen Schritte der letzten 15 Jahre an.

Am Anfang war das Internet und damit das E-Learning oder wie man das damals so genannt hatte. Die Didaktik hatte aber nichts besseres zu tun, um davor zu warnen, was sie eigentlich heute immer noch macht. Von Anfang wurde gesagt, was alles nicht geht. Parallel hat das Internet langsam an Fahrt gewonnen aber der Durchbruch kam dann 2003 mit dem Web 2.0. Das Internet ist damals quasi explodiert, was mehrere Gründe hatte, vor allem war es mal wieder die Technik mit Breitband, der Cloud (damals noch eher Client-Server genannt) und der Usability. Moodle ist damals auch erfunden worden (sogar von einem Pädagogen)  und auch Facebook, Wikipedia und etwas früher Google. Beim E-Learning hatte man sich damals auf den kleinsten gemeinsamen Nenner geeinigt und der ist bis heute gleichgeblieben: Blended Learning. Das bedeutet im Grunde nichts weiter, als der kleinste Schritt zur Innovation. Herausgekommen sind leider PDF-Download-Portale, die bis heute immer noch an Web 1.0 erinnern (Ausnahme vielleicht Canvas). Wir Techniker nannten das damals FTP-Server und die Didaktiker haben es LMS genannt :-)

Als sich die Wikipedia begann sich durchzusetzen, wurde mal wieder davor gewarnt. Das hat eigentlich erst 2008 aufgehört, als der Brockhaus beschloss aufzugeben. Trotzdem wird bis heute vor den unseriösen Einträgen in der Wikipedia gewarnt, da sich alles dort ändern kann. Viele kennen immer noch nicht die Permalink-Funktion und über die Zitierfähigkeit kann man immer noch sehr lange diskutieren. Als kleine Anekdote kann man auch hier sagen, dass der Erfinder Jimmy Wales Wirtschaftswissenschaftler war und kein Erziehungswissenschaftler.

Auch den Einzug der Videos in die Hochschulen wurde verpasst. Kein einziges Videoportal wurde aufgrund der Lehre oder Didaktik gegründet. Inzwischen haben natürlich etliche Unis eigene Videoportale, die man eigentlich nie kennt, oder kennt jemand Lecture2Go oder Tele-Task? Apple hat hier mit iTunesU die Vorreiterolle schon lange übernommen und in Deutschland kamen Angebote wie SofaTutor eigentlich nie richtig in Fahrt. Im übrigen werden heute Filme im Unterricht meist immer noch per DVD oder PC gezeigt und dann meist per Beamer. Immerhin das gibt es inzwischen in Hörsälen Lautsprecher und Beamer und oft ist auch WLAN ist vorhanden, aber wir sprechen hier vom Jahr 2015.

2007 kam die nächste verpasste Chance, denn da hat Steve Jobs das iPhone vorgestellt und das hat er nicht wegen dem Mobil-Learning gemacht. Das war natürlich ein Riesenschritt und natürlich war es wieder ein Techniker. Mit Didaktik hatte das überhaupt nichts zu tun, sondern hier ging es um Usability, Experience und Emotions. Das hat die Didaktik bis heute nicht begriffen und erst Jahre später, kam das Mobil Learning auf, was heute aber immer noch von Minderheiten genutzt wird. Selbst wir haben auf unseren Systemen max. 24% Mobil-Nutzung (YouTube) und bei Moodle sind es ca. 10% und bei den MOOCs ca. 14%. Mobil Learning wird zwar immer als Trend genannt, aber die Wirklichkeit sieht noch anders aus und außer ein paar Organisations-Apps für Mensa, Bibliothek, Campusplan und Stundenausfall-Systemen wurde noch nichts sinnvolles erfunden und didaktisch gibt es nur Nischenprodukte.

Auch die berühmten Open Educational Resources sind nicht aus der Didaktik gekommen, denn die Informatik nutzt schon seit Jahrzehnten freie Bibliotheken um Programme zu entwickeln und es ist völlig normal, fremde Code-Objekte zu nutzen, weiterzuentwickeln und auch öffentlich zu machen. Lizenzmodelle gibt es unendlich viele und im Gegensatz zu OER, gibt es auch schon lange Repositories wie Sourceforge oder Git um den Code zu verteilen. Daher sind die Techniker/Informatiker auch im Verständnis des Sharing der Didaktik um Jahre voraus und auch in der Arbeitsweise der Kooperation.

Ähnliches gilt auch für das Corporate Working bzw. Learning, was glücklicherweise ganz langsam in den Unterrichtsalltag mittels Etherpad und Wikis Einzug hält. Auch hier geht die Schule nicht voran, sondern hinterher. Das gemeinsame Arbeiten an einem Objekt ist in der Programmierung Alltag, aber in der Lehre noch oft sehr weit entfernt. Hier könnte die Diskussion über Programmieren als zweite Fremdsprache helfen, diese geht jedoch bisher in völlig andere (falsche?) Richtungen. Programmieren wird hier meist mit coden verwechselt und nicht mit Cooperative Working/Teamarbeit und Sharing gleichgesetzt. Dazu kommen ganz andere Grundverständnisse in der semantischen Suche, Keywords oder simpler boolescher Algebra, die eigentlich jeder Outlook-Nutzer haben sollte, damit man ordentliche Filterfunktionen definieren kann.

Ich schreibe das jetzt natürlich etwas extremer auf, als es in Wirklichkeit ist und jedes einzelne Beispiel, kann man sicherlich diskutieren, was jedoch bleibt, ist die Summe und damit auch das Verständnis. In den letzten 10 Jahren wurde und wird immer noch vor der Technik gewarnt.

Es wird immer zuerst gewarnt, anstatt eine Chance zu sehen. Nicht ohne Grund werden die digitalen Angebote jedes Jahr mehr, doch statt sich der Herausforderung anzunehmen, wird sie weiterhin ignoriert oder als Sackgasse verteufelt. Es gibt immer noch viele Fakultäten in Deutschland, wo Lehramt ohne Mediendidaktik ausgebildet wird. Das bedeutet jedoch, dass diese Lehrer, wenn sie ca 2020 fertig studiert haben, niemals mit dem Internet zu tun gehabt hatten und diese Lehrer werden dann bis 2060 unterrichten und spätestens dann, wird sich das Internet auch in Schulen durchgesetzt haben :-)

Die Techniker sprechen bei einer neuen Innovation meist von “Wow ist das cool, dann kann ich ja jetzt das machen.”, die Didaktiker sagen jedoch “Das ist zwar nett, ABER …” und dann kommt ein Grund, warum man es nicht einsetzen kann.

Zum Schluss kann ich eigentlich nur aufrufen, dass die Didaktiker nicht gegen das Netz arbeiten, sondern es inzwischen als Chance sehen sollten. Auf der anderen Seite sind aber die Hochschulen aufgefordert, endlich die Technik in das Curriculum einfliessen zu lassen. Der Umgang mit dem Internet, mit Hardware, mit OER und auch mit Online Prüfungen muss vermittelt werden und ich meine hier nicht Medienkompetenz.  Das Netz muss gleichbedeutend mit dem Lehrbuch stehen, die Handschrift gleichbedeutend mit der Tastatur und Frontalunterricht mit Tafel und Kreide muss ganz verschwinden. Smartphones sind Recherche-Geräte und Übersetzungsmaschinen plus Dictionary und Videoplayer und gehören in den Schulalltag. Man verbietet keine Lexika im Unterricht, sondern man baut das WLAN aus. Die Unis müssen hier aber selbst diese Techniken in der Lehramtsausbildung nutzen und nicht nur vermitteln. Sie müssen zeigen, dass es funktioniert und wie man damit Unterricht neu gestalten kann. Bisher wurden die Chancen nicht genutzt…

 

Das O in MOOCs – über die Bedeutung freier Bildungsressourcen in frei zugänglichen Online-Kursen

Wir waren fleissig und haben kurz vor Weihnachten eine Veröffentlichung “Das O in MOOCs – über die Bedeutung freier Bildungsressourcen in frei zugänglichen Online-Kursen” bei Springer Link geschafft.

“Massive Open Online Courses (MOOCs) und Open Educational Resources (OER) sind Schlagworte der heutigen Bildungswelt. In diesem Beitrag führen wir in beide ein und erklären ihre Abhängigkeit und ihren Zusammenhang. Anhand zweier Beispiele – „oncampus an der Fachhochschule Lübeck sowie „iMooX“ von zwei Grazer Universitäten“ – werden erste Erfahrungen mit MOOCs und OER aufgezeigt. In der abschließenden Diskussion sind sowohl die Herausforderungen als auch die bereits ersichtlichen Vorteile Teil der Betrachtung. Der Beitrag schließt mit der Erkenntnis, dass OER ein wichtiger Bestandteil des Bildungssystems von morgen sind.”

Ich möchte mich hier auch noch einmal für die tolle Zusammenarbeit bei Sandra Schön, Martin Ebner und Michael Kopp bedanken. Mal schauen, ob wir damit nicht wieder einen kleinen Schritt weiter in der OER-Bewegung sind. Wer im Netz arbeitet, braucht OER und wir werden alle immer mehr im Netz arbeiten und wer nimmt sollte auch geben.

Der Ausblick 2015

Nach dem Rückblick nun der Ausblick ins Jahr 2015 und der lässt sich sehr gut in einem Wort zusammenfassen: MOOC

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Vor einem Jahr hätte ich das nie für möglich gehalten. Unser MarketingMOOC ist gerade beendet gewesen und hatte mit über 6.000 Teilnehmern eine sehr gute Beteiligung gehabt, aber das aus dieser Idee dann der HanseMOOC gekommen ist und wir dadurch dann die beiden MOOC Projekte FHLMOOC und pMOOC bekommen, hätte ich nie gedacht und das ich, diese Projekte dann auch betreue, ist das nächste kleine Wunder.

Wir werden im März mit den neuen MOOCs starten und das mit unserer neuen MOOC-Plattform MOOIN. Das wird die große Aufgabe der ersten drei Monate und wir haben mit MOOIN großes vor und ich bin gespannt, ob wir das auch schaffen werden. Parallel werden wir mit den neuen Design-Ansätzen auch unsere Moodle-Installation im August “pimpen”. Das Ziel ist endlich Moodle aus diesem Web 1.0 Schlaf aufzuwecken und es moderner zu gestalten, immerhin wackelt Canvas ganz beträchtlich am Thron des Open Source Giganten. Im Herbst kommt dann die zweite MOOC Runde mit dem schönsten MOOC-Projekt meines Lebens, da bin ich schon sehr gespannt drauf.

Wir sehen die MOOCs dabei nicht unbedingt als akademische Weiterbildung, sondern versuchen wirklich neue Projekte mit neuen Zielgruppen anzusprechen, das sieht man schon jetzt mit unserer Kooperation mit den VHS Hamburg und Bremen mit dem ichMOOC und auch unser VideoMOOC, der gerade abgedreht wurde, wendet sich an neue Zielgruppen. Parallel kommt natürlich auch der MarketingMOOC noch einmal und wird dann hoffentlich von unserem neuen Projektmanagement-MOOC begleitet.

Parallel werden die MOOC auch mit neuen Marketing-Ideen und den SocialNetworks begleitet, was die eigentliche Baustelle ist. Wie man MOOCs produziert wiessen wir, wie man sie auch erfolgreich vermarktet, müssen wir noch lernen. Inwieweit das auch meine Baustelle wird, weiss ich allerdings noch nicht, aber der YouTube-Kanal und OER werden dabei ganz wichtige Faktoren sein, und beides gehört mit zu meinen Aufgabengebieten. Man merkt jedoch jetzt schon, wie diese Themen immer enger verzahnt sind und dabei spielt die hochgelobte Didaktik, die ja angeblich immer der Grund für alles ist, nur eine normale Rolle, ich will sie aber nicht zur Nebenrolle degradieren. Man kann das aber gut mit einem Ensemble-Film vergleichen, statt einem Star-Movie, wo es nur eine Person gibt.

Die anderen großen Baustellen ist natürlich die MoodleMaharaMoot im März in Lübeck. Da stellen wir natürlich auch die MOOC-Projekte vor und es kostet sehr viel Arbeit. Ich freue mich jetzt schon auf Martin Dougiamas um mit ihm einmal über das Moodle Design, Canvas und diese App zu sprechen. Danach kommt unser jährliches VFH Symposium mit der Vorbereitung für das neue Backbone System Moodalis, was im Mai online gehen soll. Das ist das größte Projekt, was kaum einer wahrnimmt. Da arbeiten wir jetzt schon zwei Jahre dran und jetzt kommt der finale Abschluss und im August starten wir das neue Semester mit dem neuen System. Das wird richtig harte Arbeit werden.

Danach kommt natürlich unser LOOP-System wieder, wo wir vielleicht erste Partnerschaften verkünden können. LOOP ist leider 2014 nicht so sehr im Fokus gewesen, aber es läuft immer mehr und ist schon lange in Produktion. Ich denke 2015 haben wir alle Lübecker Kurse auf die neue Plattform migriert und wir können die Altlasten entsorgen.

Und ich werde dieses Jahr weiter fleissig bloggen, ich finde immer mehr Spaß an Twitter und vielleicht kommen noch ein paar interessante Vorträge. Ich will zur re:publica, die Barcamps in Kiel und Hamburg stehen fest im Kalender und falls es eine OER-Konferenz gibt, will ich da wohl auch hin. E-Learning Konferenzen sind die üblich verdächtigen im Fokus u.a. GMW und Campus Innovation und vielleicht die Online Educa und natürlich die MoodleMaharaMoot in Lübeck.

Das Jahr 2015 hört sich nach viel Arbeit an, aber es sind wirklich interessante Projekte und nach 13 Jahren E-Learning, war es noch nie so spannend wie jetzt. Ist schon komisch, dass da immer noch so viel neues drin steckt.

Mein Jahresrückblick 2014

Ganz schnell zusammengefasst: Das Jahr 2014 ist das Jahr, in dem wir digital geworden sind.

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Das hört sich zuerst etwas unverständlich an, denn wir waren schon immer digital und ich meine wir sind damit auch der einzige Anbieter von Online-Kursen, der 100% digital ist, aber im Jahr 2014 haben wir auch verstanden, was das bedeutet und wir haben es auch für uns akzeptiert. Es geht hier um ein inneres Verständnis, die sich durch viele kleine Aktionen und Ereignisse zu einem ganzen Bild zusammensetzt.

Eines der großen Puzzlestücke ist hier immer noch LOOP unsere Cloud-Plattform für den Content, man könnte auch E-Book Plattform sagen, aber inzwischen weiss ich, dass es E-Books eigentlich gar nicht gibt. Wir haben inzwischen knapp 300 LOOP Instanzen mit täglich über 60.000 Zugriffen und 10 GB Traffic. Für das nächste Jahr müssen wir das System clustern und hochverfügbar machen. LOOP ist ein riesiger Erfolg für uns und hat das Verständnis der Cloud und damit vom Internet in allen Bereichen grundlegend geändert. Inzwischen nutzen wir zig Systeme mit LOOP z.B. Prezi, YouTube, LearningApps oder Text2Speech. Was jedoch wirklich wichtig dabei war, ist das zusammenwirken von internem und externem Content und damit auch unser Verständnis, was überhaupt OER sind und welche Vorteile das Netz hat. Es geht um die Nachhaltigkeit und die Aktualität von Content, wo wir dank LOOP einen Riesensprung gemacht haben und ich meine hiermit nicht die Technik, sondern es geht um die Einstellung der Mitarbeiter, wie Content zu sehen ist. Der Content ist vernetzt, liegt in der Cloud und man arbeitet auch vernetzt und ist eigentlich nie fertig. Es gibt keine Versionsnummern mehr, denn der Content ist flüssig.

Das zweite große Puzzlestück sind die MOOCs. Ich  muss eingestehen, dass ich diesen Trend am Anfang völlig unterschätzt habe. Wir haben mit dem FHLMOOC und dem pMOOC zwei der größten MOOC-Projekte Deutschlands bekommen und wir werden in den nächsten Jahren ca. 20 MOOCs entwickeln und diese hoffentlich jeweils dreimal oder mehr anbieten. Auch bei den MOOCs geht es um mehr als nur um simple Online-Kurse, sondern mit der Öffnung der Hochschule als auch mit dem Bekenntnis, alles 100% digital zu machen und zwar ohne Blended Learning, erschliesst man ganz neue didaktische Konzepte und neue Zielgruppen. Bei den MOOCs geht es um Partnerschaften und um Kooperationen und genau das ist eine der Stärken von oncampus. Wir haben inzwischen zwei MOOCs jeweils zweimal angeboten und dabei ist unsere Abschlussquote von 3% auf inzwischen 14% gestiegen, was alleine schon zeigt, was dieses Format für ein Potential hat und wir hier noch sehr am Anfang stehen.

Mit den MOOCs sind die Videos gekommen, was wieder ein großer Baustein ist. Unser YouTube Kanal hat inzwischen eine strategische Bedeutung für uns bekommen. Wir haben dies Jahr ca. 400.000 Klicks bekommen und 1 Mio. Sendeminuten gehabt und unsere Abos nähern sich schnell der 3.000er Marke. Mit den MOOCs werden wir in den nächsten Jahren ca. 400 neue Videos erstellen und natürlich werden diese Videos auch in einer Cross-Plattform Strategie verwendet, d.h. wir nutzen sie auf der Webseite, in den Social Media Kanälen und manchmal auch in anderen Angeboten. Was aber auch hier viel wichtiger ist, es ist das Verständnis, wie man Videos nutzen kann. Da wir alle in Papier denken, ist dieser Change-Prozess unglaublich langsam und komplex. Hier sind wir einen großen Schritt weitergekommen, aber noch nicht weit genug. Im März startet wohl unser neue MOOC über Videos, also wie dreht man Videos. Das wird ganz spannend werden und wir haben natürlich dabei mit echten Profis gearbeitet und konnten auch wieder viel lernen. Ich hatte mal “Video is the new Text” gebloggt und ich denke das nach wie vor. Natürlich bleibt die Schrift das Leitmedium, aber viele Menschen können nur in Text denken und produzieren daher auch nur Text und das muss sich ändern.

Ergänzend kann man hier auch sagen, dass wir im März mit unserer neuen MOOC-Plattform MOOIN starten werden, die viele wirklich tolle neue Features haben wird und ich bin sehr gespannt, wie wir das umsetzen werden. Wenn das auch nur annähernd so klappt, wie ich mir das vorstelle, werden wir ein paar neue Ideen in die MOOC-Diskussion bringen :-) Mehr will ich da aber noch nicht verraten.

Wir haben dieses Jahr auch in unserem LINAVO Projekt die Pilotphase gestartet. Das ist zwar Tagesgeschäft aber trotzdem sind hatten wir über 1.000 Kursbelegungen in vier neuen Studiengängen und das alles mit einem neuen Backbone-System. Für uns bedeutet das, dass wir bald diese neuen Studiengänge anbieten werden und das mit neuen Partnern. Ganz schlicht gesagt, wir wachsen :-) Was mich dabei wirklich beeindruckt hat, ist die Schnelligkeit, die wir inzwischen haben. Wir haben dieses Jahr 40 neue Kurse mit jeweils 5 CPS entwickelt. Das ist pro Instructional Designer vier Kurse pro Jahr, also 3 Monate pro Kurs und da müssen noch Urlaub und Krankheit abgezogen werden. Als wir 1998 angefangen haben, haben wir pro Kurs mit ca. 12 Monaten Produktionszeit gerechnet (glaube ich). Da soll noch einer sagen die Digitalisierung macht nicht effizient und ich bin überzeugt, dass unsere Kurse didaktisch um Längen besser sind als 1998. Die Verbesserung der Produktion durch neue Datenbanken, ISO9001, LOOP und Moodle ist schon erstaunlich, aber die Technik kann nicht alles machen, das entscheidende Puzzleteil sind die Kollegen.

Wir haben inzwischen ein sehr gutes Team und wir arbeiten täglich daran es zu verbessern. Wir haben über 10 neue Kollegen bekommen und inzwischen ziehen wir auch wirklich gute Leute an. Es gibt Standards für die Einarbeitung und natürlich für die Ausstattung z.B. Tablets und zwei Monitore für alle. Viele Kollegen bilden sich weiter und machen ihren Master entweder bei uns oder bei externen. Es gilt immer das Motto, was wir vermitteln, müssen wir auch vorleben. Das gilt sowohl für das papierlose Büro, die Nutzung von Videos aber auch das Life Long Learning. All diese Punkten fließen zurück und stärken das Team. Gerade im Bildungsbereich sind die Human Resources enorm wichtig.

Viele andere Punkte vervollständigen dieses digitale Verständnis von uns, sei es unser internes Wiki, mit dem wir jetzt dreimal nacheinander ISO9001 zertifiziert wurden, wir haben eine neue Social Media Strategie, unsere Webseite wurde vor 18 Monaten relaunched.  Ich will sagen, das wir stark an uns selbst arbeiten und dadurch diesen Change Management Prozess der Digitalisierung der eigenen Firma erfolgreich umgesetzt haben, wo dran der Spiegel gerade scheitert.

Ich will natürlich nicht zu viel loben, wir haben auch unglaublich viele Baustellen und es gibt kaum einen Tag ohne Katastrophen. Das sind jedoch Probleme, die jede andere Firma mit über 50 Mitarbeitern auch hat. Das grundlegende Problem, wo alle daran arbeiten, ist jedoch das Verständnis vom Internet. Hier haben wir einen großen Schritt gemacht und ich merke es jeden Tag, wie die Räder jetzt ineinander greifen.

Das Jahr 2014 hat uns wirklich in das Internet gebracht und im Jahr 2015 werden wir schnell sein…